Mit den Kindern bin ich neulich auf den Sportplatz gegangen. Dort spielt Jimmy so gerne Fußball. Sofort hat er Anschluss gefunden, eine kleine Gruppe von Jungs kickte dort und er durfte ins Tor. Einer der Kinder hatte seine große Schwester dabei, ein etwas 12-jähriges Mädchen, sehr aufgeweckt und quirlig, sie heißt Maja und hat eine geistige Behinderung. Jimmy kam bald zu mir und sagte, dass das Mädchen nervt. Sie ruft so komisch und rennt immer ins falsche Tor. Außerdem ist sie seltsam, so macht das alles keinen Spaß, meinte er.

Jimmy ist mit seinen sieben Jahren in einem Alter, in dem er die Welt entdeckt, aber nicht mehr alles darin unvoreingenommen aktzeptiert. Neulich schaute er am Bahnhof einem kleinwüchsigen Mann hinterher und zeigte mit dem Finger auf ihn. „Mama, schau mal, wie komisch der Mann aussieht.“

Ein normaler Umgang mit Menschen mit Behinderung

Und so kam es, dass wir uns neulich zu einem Gespräch hingesetzt haben. Es war mir wichtig, ihn nicht dafür zu tadeln, dass er sich auf dem Spielplatz und am Bahnhof so benommen hat. Ich bin mir sicher, dass er dieses Feingefühl nur aus sich selber heraus lernen kann. Wir haben darüber gesprochen wie es sich anfühlt, wenn Verwandte zu ihm sagen, er sei zu dünn. Jimmy erzählte, dass er sich dann immer ärgert. Und wir sprachen auch davon, wie ihn die großen Jungs neulich beim Fußball nicht mitspielen lassen wollten, weil er nicht dribbeln kann. Dabei wäre er so gerne dabei gewesen, sagte er. Irgendwie haben wir dann gemeinsam die Kurve zu Maja bekommen. Erzählt habe ich ihm noch, dass manche Menschen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen zur Welt kommen oder ein Unfall dazu führt. Jimmy ist sieben und versteht das ganz gut. Vor allem versteht er, dass all diese Menschen eine sensible Wahrnehmung haben und genau merken, wenn wir sie komisch anschauen. Und wie verletzt sie sind, wenn wir sie nicht bei uns haben möchten.

Zukunft ist das, was wir daraus machen

Gemeinsam für eine Zukunft, in der Unterschiede ganz normal sind! #vonAnfangAn Ich finde es unglaublich wichtig unseren Kindern zu erklären, dass wir unser Umfeld und unser Leben so gestalten müssen, dass Menschen mit Behinderung bei allem dabei sein können. Nichts tut so weh, wie ausgegrenzt zu werden, das lernen alle Kinder häufig und manchmal schmerzhaft am eigenen Leib. Daher können sie gut verstehen, wie sich andere Kinder fühlen, die beim Sport, in der Schule und auf dem Spielplatz nicht dabei sein können.

Inklusion von Anfang an

Bei uns in der Schule gibt es eine Inklusionsklasse und der Weg hoch zur Schultür ist mit dem Rollstuhl erreichbar. Wenn das neue Schulgebäude in den nächsten Jahren fertig wird, werden Kinder mit Behinderung noch komfortabler mitlernen. Überhaupt ist das die beste Möglichkeit, damit die anderen Kinder sehen, wie normal alles sein kann, wenn alle zusammen lernen. Luis kann mit seinem Rollstuhl zwar nicht so gut Hockey spielen, aber in Mathe hilft er jedem aus der Patsche. Und Mia wird nie so rechnen, wie ihre Klassenkameraden, aber wenn einer weint, ist sie die erste, die dessen Hand hält. Vielfalt ist normal und schön, das lernen Kinder im Alltag am besten, wenn sie zusammen sind.

Machen die Unterschiede morgen dann überhaupt noch einen Unterschied? Und was können wir als Eltern tun, damit das gelingen kann? Indem wir uns selbst mit Inklusion auseinander setzen, Interesse zeigen, Familien mit behinderten Kinder miteinbeziehen und Barrieren abbauen. Damit wir bald in einer Welt wie in diesem rührenden Video der Aktion Mensch leben können. Denn mal ehrlich, es könnte uns doch alle plötzlich selbst betreffen, oder?


Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

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4 Comments

  1. Liebe Laura,
    das Video ist wirklich ganz wunderbar – und ich finde es immer wieder schön, wenn es auch in Blogs aufgegriffen wird, die normalerweise nicht viel mit Inklusion und Behinderung zu tun haben. Wie schwierig die Inklusion teilweise noch ist, erfahren wir gerade selbst sehr schmerzhaft, da der Löwenjunge auch ein Chromosom mehr hat und sich die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in einigen Bundesländern nicht so gut anlässt wie in anderen….

    • Das tut mir unendlich leid. Gerade Eltern (und selbstverständlich die Kinder) brauchen das Gefühl, dass sie auch politisch mit der Inklusion unterstützt werden. Alle Menschen sollen teilhaben, und ich denke, gerade Eltern sollten sich in dieser Hinsicht gut verstehen. Ich wünsche euch das Beste und schaue jetzt gleich mal auf deinem Blog vorbei! Laura

  2. Christina Häckel Reply

    Hallo liebe Laura
    Das ist ein wunderbarer Text und ich stimme dir zu dieses Thema ist so unglaublich wichtig. Durch meinen Beruf weiß ich wie rückständig unsere Gesellschaft gerade bei dem Thema Menschen mit Behinderungen ist. Die Inklusion kann nur durch Aufklärung gelingen. Meine Tochter geht uneingeschränkt auf diese Menschen zu und scheut sich auch nicht auch fragen zu stellen. Diesen Menschen ist es lieber man fragt nach anstatt sie komisch an zu schauen. Oh man ich konnte über dieses Thema immer wieder Seiten füllen …..
    Lieber Gruß Christina

    • Liebe Christina, vielen Dank für deine Worte! Und ja, ich denke auch, es ist das Beste, mit allen Menschen ganz offen umzugehen. Liebe Grüße, Laura

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