Auf den Nerv getroffen!

Den Text „Auf den Nerv getroffen“ habe ich vor fast genau einem Jahr geschrieben und es ist wirklich interessant meine Erkenntnisse mit einem Jahr Abstand noch mal zu lesen. Ja und ich muss euch leider bitter enttäuschen! Auch wenn ich hier nur noch Optimismus verbreiten möchte darf ich euch ja nicht anlügen, aber lest selbst.

 


Alles tutti! GELASSENHEIT beginnt im Kopf!“, „Wenn du angespannt bist überträgt sich das auf dein Kinder!“, „Kinder sind Spiegelbilder Deines Inneren“ oder so ähnlich, „Da muss man durch!“, „Na alles schön nacheinander, dann wird das schon!“, „Nicht stressen lassen!“, „Du musst lernen auch einfach mal durchzuatmen!“, „Andere Mütter haben das ja auch schon geschafft!“, „Der Haushalt kann warten“ (wenn ich das immer in stressigen Situationen sagen würde, wäre irgendeine Müll-Messi Sendung auf RTL II schon bei uns zuhause gedreht worden)! „Und eins kann ich Dir sagen, es wird nicht besser! Nur anders!“ Ganz ehrlich diese ganzen hundertmal gehörten, sicherlich gut gemeinten Sprüche, kommen mir so langsam aus den Ohren wieder heraus!

Sprüche, die die Welt nicht braucht

Am meisten mag ich ja den letzten Spruch! Den bekommt man dann zu hören, während man sich kurz vor der Stufe „Ich bleib jetzt einfach für immer auf dem Klo sitzen oder schmiere mir die Haare mit Butter ein und renne verrückt lachend auf die Straße!“ befindet. Wird nicht besser sagen die….Danke auch! Welch aufmunternden Worte! Und liebe Mütter und Väter an dieser Stelle sei gesagt „NATÜRLICH wird es besser! Denn solche Fragen stellt man sich ja immer, wenn es besonders anstrengend ist! Und das Leben mit Kindern ist nicht NUR anstrengend! Und natürlich ist alles irgendwann „besser“! Für jeden ist ja „besser“ immer etwas anderes. Mehr Schlaf, weniger Geschreie, weniger fiebrige Kinder, weniger Trotz und und und.

Manchmal ist es für JEDEN zu viel

Momentan kann ich zwar vielen um mich herum gute Tipps geben und Optimismus verbreiten, aber wenn der Papa der Rasselbande mal wieder auf Messe fährt ist dieser Optimismus leider an Tag 2,5 (okay ich bin ehrlich…am ersten Abend!) aufgebraucht. Schuld gebe ich hier ganz klar dem Betreuungsschlüssel Mama vs. 3 mittelprächtig gelaunte Kinder im Alter 1x 2,5 Jahre und 2x 1 Jahr. Ich weiß jede KiTa würde sich über den Schlüssel freuen… Einzeln betrachtet habe ich ja auch wirklich drei sehr unkomplizierte Kinder, die ab und zu natürlich ihre Ansprüche an mich stellen, wie kuscheln, vorlesen, Lego spielen, essen wollen (SOFORT), auf Toilette müssen, singen u. s. w.! Alles absolut verständlich! Mach ich alles! Aber für meine Kinder ist es absolut nicht verständlich, dass Mama nicht gleichzeitig Essen machen, der Tochter vorlesen, mit dem einen Sohn Lego bauen und mit dem anderen Hoppe Hoppe Reiter machen kann! Das verstehen die einfach nicht! Und ich habe es weiß Gott schon seeeeehr oft erklärt! Manchmal sogar unter Tränen, um meinen Worten noch mehr Ausdruck zu verleihen!

Ich stehe kurz vor der Erleuchtung

ABER ich nähere mich langsam dem Kelch der Weisheit! Täglich kaue ich auf der Frage rum „Werden meine Nerven an der Aufgabe wachsen oder wird mir der letzte Nerv auf Ewig geraubt werden?“ Für die Lösung schauen wir uns erst mal die Nerven der Kinder an! Kinder haben nach meinen Beobachtungen nämlich keine Nerven! Also so gar keine! Die sind ja sooo leicht aus der Fassung zu bringen, Unfassbar! Und manchmal habe ich zusätzlich das Gefühl, dass sie nicht wissen was sie wollen! Ist sicherlich aber nur ein Gefühl! Beispiele gefällig?

  • Mama müde! Bett!!!!“ Das lasse ich mir ja abends nicht zweimal sagen und wer ins Bett möchte darf dies natürlich! 45 Sekunden später stehe ich mit der gerade noch tot müden Lisa im Kinderzimmer „NEEEEEEIIIIN NICHT BETT!!!!! NICHT MÜDE!!!“ Ähhhh oookayyy! Aber hast Du mir nicht vor wenigen Sekunden gesagt, dass du müde bist??? Schwamm drüber!
  • Sohn windet sich auf dem Schoß und versucht ALLES, um auf den Boden zu kommen! Alles klar! Du willst spielen, dann darfst du natürlich spielen! Also den Sohn behutsam auf den Boden gesetzt. Sobald dieser mit den Füßen den harten Boden der Realität berührte war es als würden sich Boden und Sohn wie zwei Minuspole abstoßen, denn der Sohn fing panisch an zu schreien und hat alles gegeben, um wieder auf meinen Schoß zu kommen!
  • Sohn hält mir strahlend ein Spielzeugauto entgegen. Ich Depp dachte, dass er es mir zeigen wollte und streckte langsam die Hand danach aus. Begleitet von „Ohhh Du magst mir das Auto geben???“ Sohn nickt wild und zieht die Hand mit dem Auto auch nicht weg. Und dann habe ich das Auto in der Hand und wahrscheinlich war es diese plötzliche LEERE in seiner Hand, die sich so unfassbar grauenvoll anfühlte und auch sehr unerwartet kam! Schon mal einen italienischen Fußballer gesehen, der sich nach einem Foul hinwirft? DAS haben die von meinem Sohn!

Und erst beim Schreiben dieses Textes, der erst eine ganz andere Richtung hatte, breitete sich auf meinem Gesicht ein dickes Lächeln aus! ICH HABE DIE ANTWORT! Und JA, natürlich werden unsere Nerven wachsen! Nerven wachsen! Nerven sind lernfähig! Juhuhhh!!! Denn wer bitteschön hat schon mal einen 35 jährigen Autoverkäufer gesehen, der einem erst den Autoschlüssel strahlend hinhält und dann einen Heulkrampf bekommt, wenn man diesen auch nimmt??? Ihr seht alles wird tutti! Und mit circa 98 Jahren stehen wir dem Daila Lama in nichts mehr nach!


Meine Nerven 1 Jahr nach diesem Text

3 Kleinkinder, die scheinbar gleichzeitig in der Trotzphase sind… 3 Kleinkinder, die dich auch gleichzeitig mit unterschiedlichen Bedürfnissen anschreien… 3 Kleinkinder, die morgens so gar keine Lust auf anziehen haben… Ach ja wem erzähle ich das…ihr alle kennt das mehr oder weniger. Wer auch immer der Meinung ist, dass er genügend Nerven für jegliche Situation hat lügt oder nimmt harte Drogen! 😉 Also ich befinde mich im täglichen Boot-Camp zur Stärkung meiner Nerven… Aktuell beurteilen mich meine 3 Ausbilder mit ungenügend…

Das gute ist aber, dass ich in diesem Jahr so viele tolle Frauen kennengelernt habe, die mir Mut machen und die sich genau wie ich öfter mal am Rande des Wahnsinn befinden. Und alleine das Gefühl nicht alleine durchzudrehen hilft ungemein!

Also liebe kurz-vor-der-eskalation-befindlichen Mamas, die Lösung in diesem Jahr lautet: Sucht euch andere Trotzphasen- und sonstig- -gepeinigte Mamas und heult ab und zu gemeinsam in euer Weinglas bevor es am nächsten Tag mit urplötzlich mega gut gelaunten Kindern auf den Spielplatz geh und ihr gar nicht verstehen könnt, wieso ihr gestern Abend noch am Boden des Weinglases wart….

Nina

One Comment

  1. Liebe Nina ich glaube das war schon imer so. Du hast Recht dir Freundinnen zu suchen, die das gleiche erleben. Ich kann mich noch sehr gut an ein Frühstück erinnern wo ich dann erzählt habe ich würde mir jeden Morgen vornehmen heute nicht zu schreien. und nach einer Stune war es oft vorbei. und siehe da da aufeinmal waren die super kids nicht mehr imme super. Nina du hälst das durch und ja es wird besser bis traumhaft. Bis zur pubertät : (

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