Das Monster in mir

Ein Tag im Jahr 2016. Die Zwillinge gerade ein Jahr alt und meine Resthormone durch Schwangerschaft und Stillen aufgebraucht. 8 Uhr am morgen. Ein umgefallener Becher.

BÄÄÄÄM! Das Monster zeigte zum ersten Mal sein Gesicht und lies alle Bewohner mit schreckensweiten Augen zurück! Und auch ich habe mich vor mir selbst erschreckt und wusste nicht was genau da gerade mit mir passiert ist. Ich war wie fremdgesteuert in einem ganz schlechten Zombiefilm.

Binnen Sekunden wurde ich zuhause zum Monster und schrie mir vor unbändiger Wut die Seele aus dem Leib. Ich hatte das unbändige Verlangen etwas zerstören zu müssen und habe den Raum gewechselt um dort gegen den Schrank zu hämmern. Diese Wut in mir bereitete mir beinah körperliche Schmerzen.

Das erste mal PMS mit 35 Jahren

Zurück blieb ich fassungslos und auch etwas verängstigt vor meinem eigenen Monster. Was war da geschehen??? Und wieso war das geschehen? Meine Kinder waren nicht „schlimmer“ wie sonst…Aber ich war anders! Es hat einige Zyklen und einige Ausbrüche des Monsters gebraucht bis ich verstand, dass das PMS ist. PMS war mir bis dato kein Begriff, weil ich sie nie hatte.

Aber wieso kannte ich bis dato noch keine PMS? Ich habe tatsächlich mit 12 Jahren angefangen die Anti-Baby-Pille zu nehmen und somit hatte ich fast mein komplettes Leben keinen natürlichen Zyklus.

Aber ganz ehrlich. Blöde Hormone hin oder her, ich wollte, dass das Monster wieder verschwindet und seine Klappe hält. Also fing ich wieder an die Pille zu nehmen. Blöd, dass ich nun Abwegen musste zwischen: Frigide mit Kopfschmerzen oder einen regelmäßigen Besuch des Monsters.

Ich entschied mich für das Monster und testete Mönchspfeffer. Ich hätte ja nicht wirklich gedacht, dass es hilft, aber das tat es. Leider gehörte ich zu einer gaaaanz kleinen Zahl derer, die durch Mönchspfeffer zunehmen. Das habe ich dann doch lieber abgesetzt.

Was jetzt?

Was helfen soll ist ja Bewegung und gute Ernährung… Ich glaube, dass diese beiden Dinge die PMS abmildern aber nicht komplett beseitigen können. Also was tue ich? Ich akzeptiere es. Hört sich total bescheuert an, aber tatsächlich ist es so: Je mehr ich versuche mein Monster hinter Gitter zu bringen desto stärker der Ausbruch. Und weiter versuche ich sogenannte S.O.S.-Maßnahmen einzuleiten, wenn ich das Monster kommen höre.

Was sind diese S.O.S.-Maßnahmen: Babysitter anrufen für einen spontanen Einsatz, dem Mann darum bitten heute keine Überstunden zu machen, bestmöglich zu entspannen bevor die Kids abgeholt werden müssen. Das alles ist keine 100%, aber ein Schritt in die richtige Richtung. Wenn es hart auf hart kommt gehe ich nach wie vor in einen anderen Raum und beschimpfe Gegenstände und werfe auch mal etwas durch den Raum… Es hilft zumindest ein klein wenig Dampf abzulassen…

Entschuldigung

Ich möchte mich hiermit auch bei allen PMS gebeutelten Frauen entschuldigen die ich all die Jahre meines Lebens nicht glauben konnte bzw. das Ausmaß von PMS nicht verstehen konnte. Bei mir bedeutete PMS früher einfach ein bissl. Kopfschmerzen und schlechte Laune! Jetzt weiß ich welche Last manch eine ihr ganzes Leben lang zu tragen hat und dann auch noch „Ach haste Frauenleiden?!“-Sprüche gedrückt bekommt! Diese Menschen können wohl sehr glücklich sein, dass sie mein Monster noch nicht in Aktion gesehen haben!

Ihr wollt mehr von Gleichgesinnten lesen? Dann geht es hier zur Blogparade von Beatrice Confuss http://beatrice-confuss.de/2018/01/05/wenn-mama-durchdreht-pms/#more-3549

P.S. Es gibt tatsächlich eine „gute“ Sache an der PMS. Ich kann die plötzlichen und heftigen Wutanfälle meiner Kinder viel besser nachempfinden und verstehe ihre Verzweiflung aus diesen Momenten teilweise nicht alleine wieder heraus zu finden…

Nina

4 Comments

  1. Hallo liebe Nina,
    Danke für all die treffenden Worte über dein Monster. Es tut gut zu wissen, dass ich mit meinem Monster nicht allein bin. Meine Umgebung tut dies stets ab als sei ich einfach überfordert. Seit ich Yoga mache bin ich ruhiger geworden. Aber es kommt trotzdem wieder… Dann bin ich wieder das Monster, sobald mir das bewusst bin schrei ich in Kissen und dann starte ich wieder von null. Versuche mir zu verzeihen und entschuldige ich mich bei meinen Lieben, sie sagen dann oft: Das doofe Monster… ja genau doof und lache mit ihnen.
    Ich wünsche dir weiterhin viel Mut und Kraft mit deinem Monster.
    Liebe Grüsse Séverine

    • Hallo Severine, vielen lieben Dank für Deinen Kommentar! Ich glaube auch, dass allgemein Sport dem Monster ganz gut in die Quere kommt 😉 Aber es funktioniert eben nicht immer… Liebe Grüße Nina

  2. Liebe Nina, ich leide mit dir! Mein Monster war durch die ganzen Schwangerschaften und die viele Stillerrei fast komplett weg– und jetzt ein Jahr nach dem Abstillen, ist es mit voller Wucht zurückgekehrt. Besonders schlimm ist übrigens in dieser Situation die Frage von meinem Mann: „Bekommst du deine Tage?“ Aaaah! (Obwohl er fast immer Recht hat ;)).
    Danke, dass du das mal angesprochen hast und viele Grüße
    Anita

    • Hallo Anita, dieser Spruch geht gar nicht und bei dem kann mein Mann die Beine in die Hand nehmen ;-)) Hast Du denn ein Mittel gefunden, dass „Monster“ etwas zu bändigen? Liebe Grüße Nina

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