Start in den Tag mit zwei Babys und Kleinkind – Vorsicht LAUT!!!

Nach Lauras Beitrag Wie mache ich morgens drei Kinder fertig? Die Schulversion  musste ich an einen alten Beitrag von mir denken als die Zwillinge noch Babys waren und nur Lisa zur Tagesmutter ging. Für mich war diese Phase ein echter Albtraum der mich an meine Grenzen gebracht hat. Aktuell finde ich meinen Morgen mit drei KiTa-Kindern auch heftig, aber ich weiß den Luxus zu schätzen, dass wir nicht um Punkt 8 irgendwo sein müssen.

 

Ein Himmelreich für ein bisschen Stille

Es heißt ja, Schlafentzug sei eine Foltermethode! Was für mich allerdings noch schlimmer ist, sind weinende bzw. schreiende Kinder/Babys! Wenn ich Baby-Geschrei höre zieht sich sofort mein Magen zusammen und ich möchte SOFORT das Baby beruhigen! Das ist aber bei Zwillingen plus Kleinkind nicht immer so einfach, wenn man zum Beispiel eins gerade am stillen, wickeln, anziehen, baden oder oder ist! Das heißt innerhalb dieser total romantischen und schönen Zweisamkeit des Stillens schreit sich einer die Seele aus dem Leib! Ich glaube in solchen Augenblicken ist auch schlagartig meine Milch sauer geworden!

In den ersten circa 5 Lebensmonaten der Zwillinge habe ich so einiges gemacht, um die beiden vom schreien abzuhalten!

Manchmal fanden sie es toll solidarisch mit dem Bruder mitzuweinen (teilweise hat sich da auch Lisa ihren Brüdern solidarisch verpflichtet gefühlt), manchmal war es für jeweils einen auch okay ganz alleine zu schreien (dann habe ich manchmal solidarisch mitgemacht). Das ganze hat dann dazu geführt, dass ich mich tagein/tagaus in einem Kreislauf des Schreiens befunden habe! (Keine Ahnung wieso mein großer Traum seitdem ein Urlaub in einem Schweigekloster ist!?)

Ganz schlimm war in den ersten Monaten der Morgen für mich/uns. Der sah wie folgt aus:

Das Aufwachen der Bande

  • In der Nacht im Wechsel alle 2 Stunden stillen!
  • 6:00 Bosse wird wach und hat Hunger! Jetzt heißt es Daumen drücken, dass Lasse sich noch ein paar Minuten Zeit lässt, denn für Simultan-Stillen war ich zu ungeschickt!
  • 6:15 Ich schleiche mit Bosse zur Wickelkommode, um ihn anzuziehen und zu wickeln. Da steht er so gar nicht drauf und prompt geht die zweite Sirene im Bett an. Lasse ist soeben erwacht!
  • 6:25 Bosse ablegen und Lasse zum stillen schnappen. Während der KOMPLETTEN Zeit (stillen, wickeln, anziehen von Lasse) brüllt Bosse! Ich versuche gaaaaanz ruhig zu sein, denn sein Bruder soll natürlich nicht auch noch unter dem Gebrülle leiden!
  • 6:30 Lisa ist wach. Bosse schreit immer noch und Lasse steht kurz davor. Ich lächle!
  • 6:30 bis 8:30 Vier Windeln werden gemacht, Milch&Banane für Lisa, Lasse&Bosse im Wechsel von der Hängematte zum Laufstall und zur Wippe. Zufrieden sind sie jeweils nur maximal 5 Minuten. Lasse komplett neu anziehen, da die Milch wieder das Tageslicht erblickt hat! Mit Lisa ein Diskussion darüber führen, dass Gummistiefel bei 30 Grad und Sonne ungünstig sind! Lisa umziehen! Das Zähne putzen verlief etwas feucht “fröhlich”.

Der sportliche Teil – Die Abfahrt

  • 8:30 JETZT kommen wir zum unangenehmen Teil! Alle Drei werden angezogen, um Lisa zu Ihrer Tagesmutter bringen zu können. Ich setze als erstes Lasse in den Maxi Cosi (das ist kein Zufall, sondern Strategie). Als letztes kommt Bosse in den Maxi Cosi. Während ich ihn anschnalle singe ich laut, lache, mache verrückte Geräusche… Also all das wofür man als Mutter (zu Recht) auf offener Straße schräg angeguckt wird!
  • 8:40 Alle sind ab-fahrbereit! Jetzt geht es auf Geschwindigkeit! Ich sprinte mit Lasse im Maxi Cosi zum Auto und rufe gleichzeitig “Lisaaaa los! Abmarsch ins Auto! HoppiliHop” (ja…so etwas sagt Mama in Panik).
  • 8:41 Drinnen ist Bosse schon am Brüllen! Ich schnappe mir seinen Maxi Cosi und schaukel diesen neben der offen Autotür. Es ist kurz ruhig…
  • 8:43 Wild schaukelnd gehe ich schnell noch mal im Kopf durch, ob ich auch nichts vergessen habe.
  • 8:44 Klick! Bosse ist im Auto! Ich renne um das Auto, hüpfe auf den Sitz, starte den Motor und fahre extra ruckartig aus der Einfahrt raus. Auto abstellen, zum Tor rennen, Tor schließen, ich höre es schon!!! Ich überlege kurz, ob ich wirklich wieder einsteigen muss!!!
  • 8:45 Lisa guckt sich ungerührt ein Buch an, Lasse blickt etwas irritiert zu seinem Bruder und Bosse sitzt mit hochrotem Kopf und aufgerissen Mund in seinem Maxi Cosi. Bosse liebt Auto fahren….nicht!
  • 8:46 Die nächsten 10 Minuten habe ich unfassbar herzzerreißendes Geschrei hinter mir im Auto und verfluche jede rote Ampel und beneide jeden, der neben mir alleine in seinem Auto sitzt!

Endlich angekommen

  • 8:56 Endlich angekommen! Bosse hat nicht eine Sekunde aufgehört zu schreien! Also schnell raus aus dem Auto, Lisa herausheben und als nächsten Bosse aus seinem gehassten Maxi Cosi nehmen!
  • 8:58 Wie genau komme ich jetzt eigentlich zur Tagesmutter runter? Die Räumlichkeiten erreicht man nur über eine sehr schmale Treppe im Souterrain.
  • 9:00 Bosse ist nun glücklich in der Bauchtrage und weil ich es nicht übers Herz gebracht habe, habe ich natürlich auch den Maxi Cosi mit Lasse unterm Arm.
  • 9:02 Erstmal Lasse unten bei der Tagesmutter auf den Tisch packen und wieder hoch, Lisa an der Hand die Treppen runter führen. Geschafft! Naja fast… Lisa die Schuhe aus und anziehen ist mit Bosse vor mir doch eine Herausforderung…

Der Crash

  • 9:10 Lasse&Bosse zurück ins Auto und SOFORT geht die Sirene von Bosse wieder los! Ich lächle nicht mehr!
  • 9:11 Ich greife zu meinem letzten Joker und schmeiße eine Metal-CD vom Papa der Bande ein! Laut gröhlend brausen wir also los, bis es einen lauten Schlag gibt! Ah moment, habe ich erwähnt, dass das Gegröhle aus den Boxen Bosse leider so gar nicht vom schreien abhält?
  • 9:12 Verdammt! Was war das??? Und wo bitte ist mein rechter Außenspiegel hin???
  • 9:13 OH NEIN! OH NEIN! OH NEIN! Ich ahnte nichts gutes! Hinter mir her kommt ein Transporter mit dezent ramponiertem Außenspiegel! OH NEIN! Ich bin den Tränen nahe!!! Bitte lass das jetzt nicht irgendein motziger Handwerker sein, der mich anpampt!
  • 9:14 Ich fahre rechts auf einen Parkplatz (Bosse ist weiterhin DURCHGEHEND am Schreien) und steige aus. Und hey, was soll ich sagen, man muss ja auch mal Glück haben! Im Transporter sitzt kein übel gelaunter Handwerker, sondern eine Mama mit der Oma. Sie hört das Schreien in meinem Auto, sieht meinen verzweifelten Blick, guckt ihren Außenspiegel an und sagt “Ist ja nichts passiert! Beruhigen Sie lieber ihr Baby! Viel Erfolg!” Und dann steigt sie wieder ein und fährt!

Tatsächlich war an ihrem Außenspiegel, dank des Plastiks, nicht so viel zu sehen! Aber ich bin mir sicher, dass 99% einen riesen Aufriss gemacht hätten! Ich bin der Frau heute noch dankbar für ihre coole Reaktion!

Und an alle Mamas da draußen, die schlaflose Nächte hinter sich gebracht haben und noch weitere vor sich haben, die sich täglich die Nerven anschreien lassen und die ständig hören “Irgendwann wird es besser!” und diesen Satz einfach nicht mehr hören können! Es wird wirklich besser! Versprochen! Ehrenwort! Ich habe irgendwann mal festgestellt, dass wenn man wirklich am Ende seiner Kräfte ist und alle paar Minuten los heulen könnte… genau dann wird es besser! Meistens zumindest 😉

Nina

6 Comments

  1. Hallo Nina,
    vielen Dank für deinen Text. Du hast mir aus der Seele gesprochen. Als unsere Zwillinge zur Welt kamen waren ihre Geschwister 3 und 6.
    Ich hatte die ersten 2 Jahre gefülltes Dauergeschrei. Man macht alles damit es aufhört. Leider haben die Zwillinge (jetzt fast 3) das auch schon begriffen . Inzwischen sind wir in der Trotzphase angekommen…irgendwann ist aber auch die rum und dann wird’s sicher einfacher.
    Oder aber nicht, denn dann kommt die Große in die Pubertät irgendwas ist immer

    Ich hab deinen Blog gerade erst entdeckt aber ich bleib dran…es ist schön zu wissen, dass man nicht alleine ist

    Liebe Grüße
    Tanja

    • Hallo Tanja, freut mich, dass Du zum Blog gefunden hast! Mit Gleichgesinnten fühlt man sich gleich besser! 😉

  2. Hallo Nina!
    Danke, für diesen tollen Text!
    Ich habe mich/ Dich richtig gesehen…
    Ich habe zwar nur zwei Kinder im Abstand von eineinhalb Jahren, aber diese morgendliche Herausforderung kenne ich nur zu gut!
    Jeden Tag möchte ich mir sagen, dass ich es stressfrei hinbekommen möchte, es mir aber FAST keinen morgen gelingt, da irgendetwas immer passiert und ich durch geschwitzt im Kindergarten ankomme!
    Ich liebe Eure liebenswerten und echten Texte und freue mich über mehr leben!
    Man ist nicht allein! Danke!
    Freundliche Grüße
    Melisande

  3. Liebe Nina,
    das kenne ich nur zu gut !! Ich habe selber Zwillinge und eine Tochter ! Inzwischen ist die Grosse 6 jahre und die Zwillinge 5 . Zu Anfang war es echt stressig und mühsam, aber wie du geschrieben hast es wird alles einfacher !

    • Guten Morgen, 5 & 6 ist auch ein schöner Abstand 😉 Unsere sind jetzt knapp 3 und 4 und ich finde es auch wirklich viel einfacher! LG Nina

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