Von Mädels und Jungs

Lach- und Krachgeschichten

Natürlich habe ich mich gefreut, als ich erfahren habe, dass unser erstes Kind ein Junge wird! „Hauptsache gesund“ habe ich dann natürlich bei genauer Nachfrage geantwortet, wie es sich so gehört. „Ich hätte eigentlich lieber ein Mädchen gehabt“ ist ja genauso verpönt wie „Ich ziehe einen Kaiserschnitt vor“ oder „Globuli? Ist das ein Planet unseres Sonnensystems?“.
Insgeheim dachte ich aber: für Mädchen gibts viiiiel schönere Klamotten, ich weiß sooo viele tolle Mädchennamen, ich knipse aber so gerne Spängchen in seidiges Babyhaar. Aber das habe ich natürlich nicht laut gesagt, sonst kommt man in die Hölle, in der all die Mütter sitzen, die nicht stillen oder einen Besuch beim Osteopathen unnötig finden.
Immerhin muss ich im Nachhinein sagen, dass Jungs ein großes Glück für Mütter sind. Sie wollen dich heiraten, kuscheln, immer bei dir sein, zuhause wohnen bleiben etc. Mädchen wollen dagegen zu Papa, finden kuscheln doof und werden sicher ausziehen, sobald sie einen eigenen Mietvertrag auch nur unterschreiben können. Zumindest ist es bei meinen Kindern so. Ich habe nämlich doch noch ein Mädchen bekommen! Und das habe ich dann nach dem Ultraschalltermin mit alkoholfreiem Sekt und einem Schaumbad mit pinkem Badezusatz auch richtig gefeiert. 

Mittlerweile beobachte ich mit großer Genugtuung, dass endlich ein Plan aufzugehen scheint, den ich hinsichtlich meiner Kinder habe. Meist werden und machen sie ja das genaue Gegenteil von dem, was sich Eltern einst so romantisch vorgestellt haben (sind zart und leise, spielen nur mit Waldorfpuppen, gehen aufs humanistische Gymnasium, werden Arzt). In einem Punkt läufts aber geschmeidig: meine Tochter ist ein weibliches Wesen mit einem Faible für Shopping, Schuhe und Frauenzeitschriften. Zwar konnte ich noch nie ein rosa Spängchen ins Haar knipsen (nach eineinhalb Jahren ist immernoch kaum Haupthaar vorhanden) oder mich an hübschen Anziehsachen erfreuen (sind sofort schmutzig), aber der Sinn für die wichtigen Dinge des Lebens sind schon seit dem Krabbelalter vorhanden. 

Luises Vorliebe für Schuhe zeigte sich schon im zarten Alter von acht Monaten. Kaum konnte das Kind krabbeln, suchte sie sich sämtliche Schuhe zusammen und biss herzhaft hinein. Egal ob Papas vom Straßenschmutz verdreckte Turnschuhe, Brüderchens Käse-Turnschlappen oder Mamas Hauspantoffel, alles wurde probiert und abgeleckt. Den Unterschied zu Jimmy stellte ich auch beim ersten Schuhekauf schnell fest. Schrie der Sohnemann grundsätzlich beim Betreten des Geschäfts bis zum Verlassen und brüllte beim Anprobieren „Es tut sooo weh“, so fühlte sich Luise gleich wie im Wellnesstempel. Sie schaute sich alle Objekte genau an, räumte diese komplett aus dem Regal und machte es sich anschließend auf dem Boden gemütlich, um alle mal anzuprobieren. „Na also, geht doch!“, dachte ich mir.

Manchmal macht mich ihr Schuhtick aber auch verrückt. Ihr größtes Hobby besteht darin, alle unsere vorhandenen Schuhe, ob sauber oder saudreckig, in der Wohnung zu verteilen. Dabei kommentiert sie genau, wem sie gehören, probiert sie, so gut es eben geht, an und stellt sie dann auf verschiedenen Tischen oder Hockern ab. Der genaue Sinn dieses verrückten Spiels hat sich mir noch nicht erschlossen, das Interesse an Tretern aller Art ist jedoch nicht mehr wegzudiskutieren. Auch Schmuck ist ein Thema, dem sich Luise gerne zuwendet. Stolz trägt sie allerlei Plastikarmbänder um ihr Handgelenk und nennt sie alle „Uhr“. Eine Holzkette mit Entenanhängern ist ihr ständiger Begleiter, und auch wenn ich ihr vor dem Zubettgehen das Geschmeide abnehme, hat sie es morgens auf wundersame Weise wieder um den Hals baumeln.

Zur Zeit beobachte ich einen neuen Trend: Die kleine Leseratte verschmäht ihre Bilderbüchlein und freut sich tierisch über den neuen Katalog einer schwedischen Modekette. Sie packt das Heft, lässt sich mit ihrem dicken süßen Windelpo auf den Boden plumsen, streckt die Beine von sich und fängt an, genüsslich zu stöbern. Alle weiblichen Models sind Mama, alle männlichen Papa, ist doch klar. Selbst die Brigitte, meine Morgenlektüre, hat sie mir begeistert entrissen.

Ich bin fasziniert und gleichzeitig entsetzt, wie beleidigt ein so kleines Kind gucken kann. Das hat mein Sohn wirklich und wahrhaftig nicht gemacht. In ihrem Gesichtsausdruck spiegelt sich schon jetzt jede Regung wieder und ich bin mir sicher, sie wird das in ihrem Leben noch geschickt einzusetzen wissen. Jedenfalls weiß sie jetzt schon, wie man mit den männlichen Kindergartenkollegen umgeht. Bei den einen löst die Nennung ihres Namens größten Schrecken aus, andere sind begeistert, und eines ist sicher: sie wird allen im Gedächtnis bleiben!

Jedenfalls bin ich sehr glücklich, dass ich im Geschlechterlotto von Allem etwas abbekommen habe. Und wenn Luise in die Pubertät kommt und mich total peinlich findet, und wenn sie dann mit 17 einhalb auszieht, um einen Schuhladen zu eröffnen oder per Anhalter um die Welt reist, werde ich Jimmys Klamotten bügeln, ihn bekochen und ihm von sämtlichen Frauen abraten, denn für ihn gibt es nur eine: MICH!!!

Pia Laura Froehlich

3 Comments

  1. Hallo Laura. Ich finde deinen Blog wirklich so schön und finde mich in vielen deiner Posts wirklich wieder. Ich habe dich für den "Liebster Award" nominiert. Schau doch mal bei mir rein. Liebe Grüße
    Tanja

  2. Danke, liebe Laura für diesen wundervollen Blog, der mich so oft schmunzeln lässt und mich aus dem Glauben holt, nur ich hätte Probleme mit dem Muttersein. Wir sehen uns dann in der "Hölle" ��

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