Digitale Bildung für Kinder

Wie ich meine Bedenken gegen eine Konsole ablegte: wir testen die Nintendo Switch (Werbung)

„Mama, ich möchte so gerne eine Konsole!“ Jimmy hatte schon lange diesen großen Wunsch, dem ich bisher sehr kritisch gegenüber stand. Als Kind ging es mir wie ihm und ich habe mir sehnlich einen Gameboy gewünscht. Meine Eltern wollten das nicht, fanden es schrecklich, wenn Kinder laufend vor so einem Gerät hingen, waren genervt von der Tüdel-Musik und haben meiner Schwester und mir lieber ein Meerschweinchen gekauft. Irgendwann kam dann doch wieder dieses Verlangen nach einem Bildschirm und gemütlichem Rumgedaddel und ich habe mir heimlich das Gerät des Nachbarn ausgeliehen. Nachts habe ich dann stundenlang unter der Bettdecke Super Mario gespielt, bis ich einschlief und von Pilzen und Joschis träumte.

Konsolen verbieten oder tagelang zocken?

Anton dagegen hatte einen Gameboy und spielte so viel er wollte. Er bereut das heute und denkt darüber nach, wie viele Nachmittage er verplempert hat und vor seinem Gerät saß, anstatt mit Freunden Basketball zu spielen. „Gibts denn keinen Mittelweg?“, habe ich Anton gefragt. Über mein Buchprojekt kam ich ins Gespräch mit Medienexpertin Patricia Cammarata, die auf dasnuf viel über digitale Medien schreibt. Sie findet es wichtig, Kindern Medienkompetenz zu vermitteln und hat mir erzählt, dass sie Konsolen für eine gute Lösung hält, denn man gibt eben einmal Geld aus, kann sich die passenden Spiele genau anschauen und sie auf Tauglichkeit prüfen.

Die Nachteile von Apps

Neulich hatte ich eine ziemlich blöde Idee. Weil Jimmy so gerne zocken wollte, dachte ich, ich installiere ihm einfach eine Fußball-App zum Spielen auf mein Handy. Wir haben uns zwei angeschaut, sie runtergeladen und ausprobiert. Jimmy wurde dann ständig Werbung gezeigt. Er weiß, dass er keine In-App-Käufe tätigen darf und ich habe das auch mit Fingerabdruck-Scan geschützt, dennoch fragte er mich dauernd, ob wir nicht noch die Erweiterung kaufen könnten, die die App ständig anpries. So gehts nicht, beschloss ich, und wir löschten die Apps unter heftigem Protest des Kindes.

Jimmy ist acht Jahre alt und mir ist es wichtig, dass er viel rausgeht. Aber seine Lust auf eine Konsole konnte ich schon nachvollziehen. Also habe ich mich erkundigt, mich bei anderen Eltern umgehört und mich schließlich für eine Nintendo-Switch entschieden, die mir vor ein paar Jahren schon einmal als Testgerät für den Blog angeboten wurde. Damals war Jimmy aber noch zu klein, weswegen ich abgelehnt habe.

Die Nintendo Switch kommt ins Haus

Als uns das Gerät erreichte, freuten sich Jimmy und Luise wie verrückt und testeten die Spiele durch. Wir haben sofort verstanden, wie das alles funktioniert und waren gleich begeistert, weil die Nintendo Switch so vielfältig ist. An diesem Abend waren wir Pizza essen und haben das Gerät ausnahmsweise mitgenommen. Das war die erste Möglichkeit für eine Absprache, denn dass die Konsole nicht jederzeit zur freien Verfügung steht, sondern wir die Nutzung gemeinsam besprechen, habe ich den Kindern gleich klar gemacht.

Weil ich es nicht mag, wenn wir vor oder beim Essen in einen Bildschirm schauen, durfte sie die Konsole erst nach dem Essen aus der Tasche holen. Die Kinder liefen auf den Spielplatz neben der Pizzeria und spielten, während Anton und ich uns in Ruhe unterhielten.

Zuhause und unterwegs, miteinander oder allein

Die Nintendo Switch ist also ein Gerät, dass ihr überall hin mitnehmen könnt. Es ist handlich und passt in jede Tasche, ist aber immer noch groß genug für viel Spielvergnügen. Ein Kind kann das Spiel alleine spielen oder den roten und blauen Controller an der Seite abmachen, in eine kleine Halterung schieben und dann mit einer zweiten Person zusammen spielen. Jimmy und Luise haben an dem Abend viele Runden Super Mario Kart gezockt und als sie später im Bett waren, habe ich mir die Switch geschnappt.

Jedenfalls ist die Nintendo Switch nicht nur ein tragbares Gerät, sondern kann auch zuhause an den Fernseher geschlossen werden. Einfach in die Switch-Station stecken, die Controller anschließen oder in die Halterung schieben und los geht das Spielvergnügen im XXL-Format. Anton, der Herr über 1.000 Stecker, hat es geschafft, einen alten Konsolen-Controller auch noch anzuschließen und so haben Anton, Jimmy und ich einen schönen Samstagabend lang zu dritt Super Mario gespielt und uns gemeinsam durch die Levels gekämpft.

Regeln für die Nutzung aufstellen

Wie lauten nun unsere Regeln? Wir haben mit Jimmy gemeinsam darüber gesprochen, wie viel er spielen darf. Jeden Tag, wenn Luise und Oskar nach dem Abendessen ihre Serien schauen, darf er zocken. Das sind so ungefähr 30 bis 40 Minuten. War er mal den ganzen Nachmittag draußen, darf er auch länger spielen. In jedem Fall muss er doppelt so lange an der frischen Luft gewesen sein, wie er vor dem Bildschirm sitzt.

Übrigens gibt es von Nintendo eine kostenlose App, mit der Eltern die Spielzeit begrenzen können. Wir verlassen uns aber auf Jimmy, das hat bisher bestens geklappt. Am Wochenende gehen Familienausflüge, Mahlzeiten und Erledigungen vor, aber wenn Jimmy möchte, darf er die Nintendo Switch nutzen. Ein guter Trick: wenn ich ihn frage, wie lange er spielen möchte, schlägt er meist eine Zeit vor, die gar nicht so lange ist. Ist diese Zeit abgelaufen, darf er noch das Level oder das Turnier fertig spielen, dann macht er aus. Noch ein Tipp: lass deine Kinder den Aus-Knopf immer selber betätigen. Nichts ist schlimmer für sie, als sich übergangen zu fühlen.

Wir haben mit der Nintendo Switch eine gute Lösung für alle gefunden. Ab und an sitzen Anton und ich mit dem Gerät in einer Ecke und spielen Super Mario Party oder Super Mario Kart. Wir hatten das Gerät auch im Urlaub dabei und abends als Alternative zum Familienfilm benutzt. Meine Bedenken, das Kind würde nun stundenlang vor dem Display sitzen, haben sich in Luft aufgelöst. Wir besprechen alle Regeln gemeinsam, erklären Jimmy, warum es wichtig ist, seinen Abenteuer- und Forscherdrang an der frischen Luft zu erfüllen und lassen ihn auch mal ganz in Ruhe mit seinem Gerät in die digitale Welt abtauchen.

Infos für dich:

Die Nintendo Switch ist ein Gesamtpaket für zuhause und unterwegs. Ihr könnt die passenden Spiele auf dem Fernseher spielen, in dem ihr das Gerät in die passende Halterung steckt, die mit dem Fernseher verbunden ist. Die zweite Möglichkeit ist, die Switch auf den Tisch zu stellen und die Controller abzumachen. Sie kann aber auch als „Handheld“ genutzt werden, so wie du das vom Gameboy kennst. Die Controller haben eine Bewegungskamera und HD-Vibration, was bei Spielen wie Mario Party richtig toll ist. Beim Ruderwettbewerb rudert ihr mit dem Controller wild in der Luft herum und habt das Gefühl, in einem richtigen Boot zu sitzen.

Ist euch die Nintendo Switch zu umfassend oder zu teuer (bei Amazon kostet sie aktuell 300 Euro, Affiliate Link hier), gibt es als Alternative auch die Nintendo Switch Lite (Affiliate Link) für 229 Euro ohne Fernsehstation und abnehmbare Controller.

Keine Angst vor digitalen Medien!

Wir Eltern haben die Verantwortung dafür, dass Konsolen unseren Kindern nicht schaden, sie altersgerechte Spiele nutzen und einen vernünftigen Umgang damit lernen. Wenn wir sie dabei begleiten, uns dafür interessieren, was sie spielen und die Geräte nicht verteufeln, sind die Dinger keine Bedrohung, sondern ein riesen Spaß für alle.

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Ps.: Wenn du wissen willst, wieso Kinder aggressiv werden, wenn sie zu früh oder zu lange an der Konsole spielen und es dann nicht schaffen, auszumachen, lies mal hier beim Wunschkind-Blog nach. Das hat ganz viel mit dem Gehirn zu tun, das bei unseren Kindern noch in der Wachstums-Phase steckt:

Ein Kind, das zu viel am Computer spielt, reagiert unwirsch, mürrisch oder sogar aggressiv, wenn es aufgefordert wird, nun das Spiel zu beenden. Es wird dafür kämpfen, manchmal auch durch Hauen, Kneifen oder Treten, weiterspielen zu können.

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