Jimmys zauberhafte Verwandlung

Katzenjammer

Seit kurzem spricht Jimmy böhnisch. Das ist eine Sprache, die man nur in Deutschland spricht, und die auch nur er selbst versteht. Er liest sich Bücher auf böhnisch vor, übersetzt uns jedes erdenkliche Wort und erzählt sich abends im Bett Geschichten in der für uns fremden Sprache.

Aber er ist nicht nur Erfinder einer Sprache, sondern auch im eigentlichen Sinne kein Mensch. Oft erwähnt und für mich immer Thema meiner Blog-Posts ist die Katzenidentität. Der richtige Name von Jimmy ist Katze Lilly, mit Nachnamen „Iaiiii“. Wir sind so daran gewöhnt, ein Kätzchen in unserem Haus zu haben, dass wir selbst alle dauernd miauen, uns die Pfoten ablecken und uns auch über die Blicke Anderer nicht wundern, wenn wir maunzend durch unser Örtchen laufen.

Doch schlagartig hat sich unser Leben verändert. Jimmy ist seit seinem Geburtstag keine Katze mehr. Und das wiederholt er mit Ausdruck, wenn wir ihn „Katze Lilly“ rufen und ihn mit Gummimäusen locken. Urplötzlich, von heute auf morgen, hat er beschlossen, nicht länger ein Katzenbaby zu sein.

Na toll, denken sich Mama und Oma. Die haben sich schon Wochen vorher den Kopf zerbrochen, Katzenkuchenrezepte gegoogelt, Katzengeschenke gekauft und einen Kinderkatzengeburtstag geplant. Jedenfalls stehen die Großeltern am Geburtstagmorgen mit einer sensationellen Katzentorte vor der Tür.

Und das Katzenshirt haben wir gemeinsam vor Wochen gekauft in der Annahme, dass Lilly ausflippen wird vor Glück. Die Katzenmuffins für den Kindergarten warten duftend auf dem Küchentisch, und alle kleinen Freunde haben eine Einladung zum Katzengeburtstag im Briefkasten, da verkündet Jimmy: „Ich bin jetzt keine Katze mehr. Ich bin jetzt ein großer Junge!“

Ein bisschen traurig sind wir schon, so ganz ohne ein kuscheliges Haustier. Ich bin aber auch ein bisschen froh. Bisher wollte das Kind nicht groß sein, sondern spielte Babylein, war scheinbar nicht in der Lage, sich selbst anzuziehen, wollte gefüttert werden und betonte mit Piepsstimme: „Eigentlich bin ich klitze, klitzeklein. Eine klitzekleine Babykatze.“

Alles hat seine Zeit. Nun kommt also die Jungs-Phase, auf die ich mich sehr freue. Weniger gefreut hat mich dann die Waffengewalt, die mit dem Verschwinden von Katze Lilly aufkam. Schon vor einiger Zeit leuchteten Jimmys Augen beim Anblick eines Holzschwerts, aber diese Leidenschaft verebbte schnell wieder. Nun ist sie neu entbrandet. Statt einer zarten Babykatze poltert jetzt ein großer Junge durch unsere Wohnung, in der einen Hand eine Playmobilkanone, in der anderen ein Seifenblasen-Degen, und feuert ohne Unterlass. Na dann, miau!

Pia Laura Froehlich

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