In meinem Kühlschrank steht ein Joghurtbecher mit Skyr, einer isländische Spezialität. Auf dem Becher ist ein bärtiger Mann abgebildet, mit dem ich mich abends ab und zu austausche. Wir sprechen über Kinder, Feminismus und das Land meiner Träume: Island. „Hey Sigurdsson“, sage ich, als ich den Kühlschrank aufmache. Ich habe gerade den Tisch abgeräumt und die Butter zurück in den Kühlschrank gestellt, als ich den schönen Isländer auf dem Joghurt-Becher erblicke. „Hei Laura, prima Wetter heute!.“ „Mir ist nicht nach Smalltalk, lieber Sigurdsson, mir ist eher nach einer guten Konversation zumute. Daher habe ich eine Frage an dich: wie macht ihr Isländer es, dass bei euch alles so gut läuft mit der Gleichberechtigung? Wieso gibt es bei euch keine Machos, die sich zu schade sind für die Hausarbeit und die Kinderbetreuung?“ „Ach Laura, Machos gibt es bei uns auch. Wir Isländer finden uns ziemlich toll, aber wir finden Frauen eben…

Von kleinen Auszeiten, meinem neuen Buch und einer Podcastfolge Gestern habe ich mir freigenommen und bin in die Therme gefahren. Es war wundervoll! Ganz in Ruhe habe ich mich umgezogen, bin durch die Saunas gezogen, geschwommen und habe mich im heißen Whirlpool durchstrudeln lassen. Anschließend konnte ich duschen und meine Haare föhnen, ohne dass Jemand etwas von mir wollte. Um den Abend perfekt zu machen, holte ich noch Pizza von unserem Lieblingsitaliener. Warum mache ich das nicht einfach öfter? Ich habe oft beschrieben, wie Anton und ich unsere Termine koordinieren. Wer kümmert sich um die Weihnachtsfeier im Kindergarten, wer geht mit dem Kind zum Logopäden, wer macht die Steuererklärung? Aber wir vergessen immer, die allerwichtigsten Termine zu koordinieren: die Zeit für uns. Deshalb werden wir im nächsten Jahr eine sehr wichtige Rubrik in unser Trello-Board aufnehmen. Darin notiere ich dann auch die Termine für mich. Friseur, Massage, Schwimmbad, Wochenende bei…

Mütter zu beschuldigen ist ein alter Taschenspielertrick des Patriarchats: Wie im Zauberer von Oz verwenden wir alle unsere Energie darauf, die böse Hexe aufzuspüren, so dass wir dem Drahtzieher keine Aufmerksamkeit schenken. (Elisabeth Debold, Idelisse Malwe, Marie Wilson, 1994) Mit diesem Zitat beginnt das Buch „Mütterterror“ von Christina Mundlos. Ich habe es verschlungen und sehr viel verstanden. Wieso fühlt sich Muttersein manchmal so unglaublich anstrengend an? Wieso gibt es so viel Ärger, Neid und Missgunst unter Müttern? Wieso trägt die Gesellschaft und der Muttermythos dazu bei, dass es heute extrem fordernd ist, Mutter zu werden? Die Soziologin Christina Mundlos hat sich auf die Suche nach Antworten gemacht. Die Mutter ist seit vielen hundert Jahren für eine gelungene Kindheit verantwortlich und spürt diesen Druck heute besonders stark. Ob Stillen, Erziehen, Brei und Einschlaf-Rituale, für alles gibt es Bücher, Internettexte und verschiedene Meinungen. Die prasseln dann von Anfang an auf die Mütter…

Letzte Woche erschien auf Spiegel Online der sehr lesenswerte Text mit dem wunderbaren Titel „Advent, Advent, die Mutti rennt“ und viele Leserinnen haben mich extra darauf hingewiesen, weil er so gut zu meinem Thema passt. Er zeigt wieder mal so schön, dass es kein individuelles Problem einer Perfektionistin ist, die im November und Dezember so viel um die Ohren hat, dass sie am 23.12. am liebsten in eine lärmschutzisolierte Höhle ziehen möchte, sondern ein übergreifendes Phänomen. Tatsächlich wird das Ausmaß der Familienverantwortung nie so ersichtlich wie im Advent: Der November ist der Monat, in dem Frauen mittleren Alters sich in Supermärkten vor der sogenannten Quengelware herumdrücken, ihre Mittagspause in Ein-Euro-Shops verbringen und im Fahrstuhl geheime Bezugsquellen für zuckerfreie Zungentattoos austauschen. Betroffene wissen, wovon die Rede ist: Am 30. November muss der Adventskalender für die Kinder fertig sein. Als ich den Text auf Twitter teilte, antwortete mir ein Vater, dass seine…