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Familie & Beruf

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Vor ein paar Tagen habe ich hier geschrieben, wie gestresst ich derzeit bin und dass mir der Alltag mit den Kindern gerade zusetzt. Immer wieder habe ich so eine Phase und dann bringt mich jede Kleinigkeit auf die Palme. Wenn aber momentan keine großen Veränderungen möglich sind, die mich entlasten, wie kann ich mir dann selber etwas Abhilfe schaffen?

Die Schwarmintelligenz ist ein tolles Mittel, um kreative Ideen zu sammeln und deshalb habe ich die Müttersprechstunden-Community auf Instagram befragt. Was machen andere Eltern so, um ihren Alltag zu entlasten? Viele Nachrichten haben mich erreicht, die ich dir hier nicht vorenthalten möchte. Wetten, die ein oder andere Anregung ist auch etwas für dich? Mach doch mittags mal einen Power-Nap mit dem Schlüsseltrick, um ein wenig Kraft zu tanken! Oder wäre es nicht spitze, einmal im Monat einen Nachmittag lang einen Babysitter zu buchen und nur etwas für dich zu tun? Wohnung ausmisten, Brotdosen am Abend vorbereiten…. los gehts, such dir aus, welche Idee etwas für dich wäre!

  • Am Wochenende eine Stunde im Bad einschließen. Duschen, Rasieren, Nägel lackieren, dabei Musik hören und Tee trinken. Alle anderen Familienmitglieder müssen draußen bleiben. Vielleicht geht der Papa einfach mit den Kindern raus?
  • Gönn dir eine Haushaltshilfe. Kostet Geld, aber ist super investiert. Kannst du irgendwo etwas abzwacken? Weniger Schuhe kaufen oder den Coffee to go einsparen?
  • Das Kind ein oder zwei Mal die Woche länger im Kindergarten lassen. Manchmal lassen sich Betreuungszeiten ja flexibel ändern. Du bist keine Rabenmutter, bloß weil dein Kind etwas länger im Kindergarten bleibt und du die Zeit für dich nutzt. Dein Kind wird sich über eine glückliche Mutter umso mehr freuen!
  • Wieso nicht ab und an den Lieferservice bestellen! Heute mal keine Lust zu kochen, den Tisch zu decken und abzuräumen? Pizza bestellen und mit den Fingern essen, die Kinder werden jubeln.
  • Öfter mal im Hier und Jetzt sein! Ist schwer, ich weiß, und bedarf der Übung. Aber wie oft denken wir im Büro an die Kinder und nachmittag auf dem Spielplatz an den Schreibtisch? JETZT sitze ich hier und verdiene Geld, alles andere ist egal. JETZT sortiere ich die Wäsche und höre Musik, JETZT liege ich hier mit meinem Kind und kuschele.
  • Simpel und doch so schön: eine halbe Stunde in der Sonne sitzen und Tee trinken. Mach dein eigenes kleines Tee-Ritual draus. Es gibt die feinsten Teesorten zu kaufen und du findest garantiert deinen Lieblingsplatz, auch ohne eigenen Garten.
  • Powernap machen. Dir fallen nachmittags die Augen zu? Dann leg dich mit einem dicken Schlüsselbund in der Hand aufs Sofa, die Hand mit dem Schlüssel hängt über dem Boden. Sobald deine Muskeln schlaff werden und der Bund auf den Boden fällt, war der Schlaf lang genug und du fühlst dich wach und frisch, versprochen!
  • Nein sagen. Zugegeben, ein oller Kalauer, aber „Ein Nein zu dir ist ein Ja zu mir“ ist ein weiser Spruch. Wenn jemand eine Bitte an dich trägt (Elternbeiratsposten übernehmen, Kuchen backen, Bericht schreiben), du aber im Stress bist und keine Zeit hast, antworte: „Ich würde dir gerne helfen, aber ich kann gerade einfach nicht.“
  • Wenn deine Kinder größer sind, lass sie nachmittags Verabredungen treffen. Dann sind sie für ein paar Stunden aus dem Haus und du hast ein wenig Zeit für dich.
  • Zwischen Job und Kindern unbedingt eine Pause einlegen. Mach das, was dir gut tut: Serien schauen, zocken, Musik hören, ein Buch lesen, in einer Zeitschrift blättern.
  • Abends Dinge tun, die dir so richtig Spaß machen. Spiele zocken, Karaoke singen, Schal stricken, Schaumbad nehmen. Und freu dich schon den ganzen Tag drauf.
  • Sachen aussortieren. Nehmt euch gemeinsam ein Wochenende und mistet aus. Wer weniger Dinge besitzt, räumt schneller auf. Das Instandhalten, Aufräumen und Anschaffen all der Sachen ist ein ewiger Zeiträuber und wir brauchen viel weniger als wir denken.
  • Mach auch am Wochenende Pausen. Nach dem Mittagessen bittest du die Kinder, für eine halbe Stunde das Wohnzimmer zu verlassen. Leg dich aufs Sofa und ruh dich aus, bevor ihr eure Unternehmungen macht.
  • Mach den Haushalt, auch wenn die Kinder da sind. Bezieh sie ein oder lass sie zuschauen. Mach nicht die ganze Arbeit in der wenigen Zeit, die du für dich hast.
  • Gönn dir doch einfach einen Babysitter. Einmal im Monat, mitten in der Woche, einen Nachmittag lang. Schenk dir diese Zeit ganz bewusst.
  • Bereitet gemeinsam abends schon den nächsten Tag vor: Kleider rauslegen, Frühstückstisch decken, Brotdosen fertig machen. Das spart Zeit und Nerven am Morgen, wenn alle noch grummelig sind.
  • Einer von euch erledigt den Supermarkteinkauf einfach abends, wenn die Kinder im Bett sind. Dann spart ihr euch die Action am Tag.
  • Lasst euer Kind mal bei Freunden übernachten, wenn es das möchte.
  • Wenn das Kleinkind seinen Mittagsschlaf macht, kann das ältere Kind Hörspiele hören und die Mama ausruhen
  • Wenn du das Glück hast, Oma und Opa in der Nähe zu haben, spann sie so oft es geht ein.
  • Täglich Bewegung und Sport tut total gut. Egal ob Joggingrunde, Spaziergang oder kleine Wanderung.
  • Ich weiß, fällt vielen schwer, aber das Chaos ignorieren (lernen).
  • Eine Mama hat den Newsletter von Casablitzblanka empfohlen, um schnell Ordnung in die Bude zu bekommen.
  • Kleinen Tischkalender anschaffen und alle Termine eintragen. Gute Organisation spart Nerven.
  • Mittagessen vorkochen und einfrieren.

Wahnsinn, die Liste, oder? Wenn Mütter (und Väter) ihre Ideen teilen, kommen Inhalte für ein ganzes Buch zusammen. Ich werde in zwei Wochen zu einer dreiwöchige Kur ohne Kinder aufbrechen und da sicher eine ganze Menge weitere Tipps kennenlernen, mitnehmen und dir dann berichten. Das Leben mit Kindern kann wirklich anstrengend sein und da ist es umso wichtiger, sich kleine Inseln der Ruhe zu schaffen. Ich hoffe sehr, du kannst mindestens eine Idee verwerten. Wenn dir noch mehr einfällt, schreib mir doch gerne in die Kommentare. Gemeinsam sind wir ganz schön stark!

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Und vielleicht hast du Lust, auch mal in die Müttersprechstunde zu kommen? Ich freue mich auf dich!

Stammtischparolen auf dem Schulfest

Nach einem Klassenfest im Sommer hatte ich die Nase voll. Mal wieder hatte eine Frau bei Kuchen und Butterbrezeln geäußert, dass geflüchtete Menschen hier zu viele Sozialleistungen bekämen. „Ältere deutsche Damen mit wenig Geld müssen ihre Brillen selber bezahlen, DIE dürfen sich eine Markenbrille aussuchen“, lamentierte sie mit vollem Mund. Ohne Daten und Fakten, ohne Hintergründe und genauere Umstände knallte sie Stammtischparolen auf den Tisch, bekundete ihre Sympathie zur AfD und versaute mir das Fest. Abends regte ich mich vor Anton mal wieder kräftig auf und polterte los: „Nie wieder setze ich mich mit solchen Menschen an einen Tisch. Immer dieses sinnlose Geschwätz. Den Geflüchteten die Schuld in die Schuhe schieben und sich selber leid tun. Es nervt mich unglaublich und es macht mich wütend. Sollte noch einmal einer vor mir erwähnen, er wähle die AfD, beende ich das Gespräch und gehe.“

Meine Filterblase ist ganz meiner Meinung

Anton, der immer die Nerven behält und sachlich argumentieren kann, zweifelte an meinem Entschluss. Und weil er mich immer wieder zum Nachdenken bringt, war ich mir auch selbst nicht mehr so sicher, ob es wirklich sinnvoll ist, Gespräche mit AfD-WählerInnen kategorisch auszuschließen. Am nächsten Tag meldete ich mich dann in unserer Wochenzeitung DIE ZEIT bei der Aktion „Deutschland spricht“ an, einer Plattform für politische Zwiegespräche. Ziel dieser Plattform soll es sein, Menschen mit unterschiedlichen Meinungen an einen Tisch zu bringen. Tatsächlich lebe ich ja die meiste Zeit in meiner Filterblase. Meine Familie und meine Freunde denken ganz ähnlich wie ich: Sie sind tolerant, sehr sozial, engagieren sich teilweise ehrenamtlich und wählen die politische Mitte, manche eher linksgerichtete Parteien. Wir sind fast immer einer Meinung und streiten höchstens über Feinheiten. Dass wir als reiches Land verpflichtet sind, geflüchetet Menschen in Not aufzunehmen, ist für uns alle glasklar.

Ich beantwortete für die Aktion zehn Fragen, zum Beispiel, ob uns die #MeToo-Debatte weitergebracht hat (ja!), ob Nicht-Muslime und Muslime in Deutschland friedlich miteinander leben können (ja!) oder ob es den Deutschen schlechter gehe als noch vor zehn Jahren (nein!), schickte die Antworten ab und wartete. Nach ein paar Wochen wurde mir mein Gesprächspartner mitgeteilt, mit dem ich mich an einem Sonntag Ende September treffen sollte. Ich war gespannt, wie mein kleines Experiment laufen würde. Sollte ich meine Meinung ändern und mich wieder an den Tisch setzen, wenn einer seine AfD-Parolen auspackte? Es sollte alles anders kommen als geplant.

Das Nachbarschaftsfest

Einen Abend vor dem großen Deutschland spricht-Tag fand vor unserer Tür ein großes Nachbarschaftsfest statt. Wir saßen gemeinsam an langen Tischen, grillten und tranken kühles Bier, die Kinder spielten miteinander. Die Stimmung war gut wie erwartete, denn wir haben mit all unseren Nachbarn ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Besonders schätze ich die Hilfstbereitschaft und die verschiedenen Nationen, die in unserer Straße aufeinander treffen. Ich saß zufälligerweise am Männertisch, an dem sich Jorge aus Argentinien, Selcuk aus der Türkei, Han aus China, Tom aus Kroatien sowie Anton, Peter und Jakob gerade durch die Schnapsarten ihres Heimatlandes probierten. Peter und Jakob, die wie Anton als Spätaussiedler nach Deutschland kamen, stellten ein Flasche Wodka auf den Tisch. Nach der ersten Runde kam es wie es kommen musste! Jakob regte sich auf, dass in unserem Ort bald ein Flüchtlingsheim gebaut werden soll. „Sie machen den gleichen Fehler wie mit uns damals und packen alle auf einen Haufen, das ist keine Integration!“ Ich gab ihm recht, aber er fügte hinzu: „Aus diesem Grund wähle ich die AfD!“ Oh nein, dachte ich, da habe ich wieder die Diskussion, die ich doch meiden wollte. Eigentlich müsste ich nun aufstehen und das Gespräch abbrechen. Aber was solls, dachte ich mir, dann muss ich da wohl durch. Auf meine Frage, ob ihm denn klar sei, dass das Wahlprogramm der AfD kaum sinnvolle und gute Inhalte hätte, antwortete er, dass ihn das nicht interessiere. Er wähle die Partei aus Protest gegen den Bockmist, den die Große Koalition verzapfe. Die machten keine Politik für ihn, den Mann aus der Mittelschicht, der hart arbeite und viele Steuern bezahle.

Das AfD-Wahlprogramm für Reiche

Ich quatschte mich warm, erläuterte ihm, dass die AfD den Euro abschaffen will und den Euroraum verlassen möchte. Er möge bitte mal einen Blick nach Großbritannien werfen, was das für ein Land wirtschaftlich bedeuten wird. Die AfD ist außerdem gegen eine Vermögenssteuer und möchte die Erbschaftssteuer abschaffen. Darüber freuten sich vor allem die Reichen in Deutschland. Der Mann aus der Mittelschicht, der hart arbeite, der habe davon leider herzlich wenig. Der aktuelle Programm-Entwurf der AfD beinhalte keine Aussagen zu Kulturförderung oder dem Jugendschutz für unsere Kinder. Auch die globale Erderwärmung empfindet die AfD nicht besonders bedenklich, den Schaden von CO2 sieht sie als nicht bewiesen und schreibt in ihrem Wahlprogramm, dass „wissenschaftliche Untersuchungen zur langfristigen Entwicklung des Klimas aufgrund menschlicher CO2-Emissionen sehr unsicherheitsbehaftet“ seien. Im Gegensatz dazu gibt es Stimmen in der Großen Koalition, die sich für eine CO2-Steuer aussprechen, denn wer den Schaden der CO2-Emissionen betrachtet und diese folgerichtig besteuert, verteuert das Leben der Reichen, die viel fliegen, in überdimensionalen Häusern leben und große Autos fahren. Die AfD möchte den öffentlich rechtlichen Rundfunk  verschlanken und das Fernsehen stärker privatisieren. Die Sportschau am Samstag, die Peter so gerne schaut, könnte demnach bald zahlungspflichtig sein wie die Bundesligaspiele auf Sky. Dann füge ich noch hinzu, dass ich mir nicht so sicher bin, was wohl die AfD vor 30 Jahren zur Integration der Spätaussiedler gesagt hätte. Ich kann es mir außerdem nicht verkneifen in die Runde zu werfen, dass Mitglieder der AfD laut Franziska Schreiber, einer Partei-Aussteigerin, Reden Joseph Goebbels rhetorisch analysiert haben, um in ihren eigenen Reden die Massen entsprechend zu mobilisieren.

Jakob schaute mich an und setzte zu neuen Protestbekundungen an. Ob ihn eines meiner Argumente überzeugt hatte, darüber war ich mir nicht sicher. Aber ich hatte kapiert, wieso so viele Menschen die AfD wählen. Sie haben sich überhaupt nicht mit deren Wahlprogramm auseinandergesetzt, sie lesen nicht in der Zeitung, dass AfD-Landesvorsitzende mit den übelsten Nazi-Typen befreundet sind und nach Terroranschlägen in Berlin erst einmal in ihren Facebook-Gruppen gefeiert haben. Sie wählen einfach aus Wut und dem Gefühl der Machtlosigkeit. Mein Verständnis für besorgte Wohlstands-Bürger hält sich sehr in Grenzen und meine Wut auf die AfD und ihre gruseligen Knallchargen im Bundestag ist unbändig, aber eines werfe auch ich den Politikern in Berlin vor. Es wird nicht genug zugehört und geredet. Sollen wir es da nicht besser machen?

Schwerer als gedacht: Toleranz für andere Meinungen

Wir palaverten bei einem zweiten Bier noch darüber, warum wir auf unser Deutschsein stolz sein können (ich bin vor allem auf meine Leistungen stolz, nicht auf Zufälligkeiten, auf die ich keinen Einfluss habe) und ich wurde langsam müde, mich weiter festzuquatschen. Aber ich habe eines gemerkt: auf meine Nachbarn bin ich angewiesen, ich brauche sie und sie brauchen mich. Ich kann nicht einfach aufstehen und Jakob sagen, dass ich  nicht mehr mit ihm rede. Und ich mag ihn, obwohl ich seine politischen Ansichten absolut nicht teile. Mit Andersdenkenden in Kontakt sein, das ist heute wichtiger denn je.

So wie ich bei geflüchteten Menschen die wunderbare syrische Familie im Kindergarten meiner Tochter vor Augen habe, so habe ich nun bei AfD-Wählern Jakob vor Augen, der so gutes Schaschlik macht und ein lieber Papa von drei Mädchen ist. Vielleicht ändert Jakob seine Meinung, vielleicht waren ein paar meiner Argumente für ihn schlüssig. Könnte ja sein, dass er sich das Wahlprogramm der AfD nun näher anschaut und über meine Worte nachdenkt. Könnte sein, dass er es nicht tut. Aber das Risiko war es mir wert.

Deutschland spricht

Ich habe mich am nächsten Tag im Rahmen der Aktion „Deutschland spricht“ mit Emanuel getroffen, einem sehr sympathischen jungen Mann aus Stuttgart. Wir hatten ein tolles Gespräch bei Bircher Müsli und Cappuccino in einem schnuckeligen Café und waren uns politisch in allen Punkten einig. Ich war ehrlich gesagt auch froh, dass wir ein wenig falsch gematcht wurden und die Fragen völlig gleich beantwortet haben. Denn gestern Abend hatte mir fürs erste gereicht und ich bin mir sicher, dass die nächste Diskussion nicht lange auf sich warten lässt. Da stärke ich mich gerne bei einem schmusigen Argumenteaustausch in meiner Filterblase und dem gemeinsam unterstrichenen Tenor, dass Horst Seehofer sowieso an allem Schuld ist.

Aber bei meinen schwierigen Diskurs mit Jakob habe ich begriffen! Wir müssen sprechen und wir müssen kommunizieren. Denn wenn wir das nicht mehr tun, dann steht es wirklich schlimm um unsere Gesellschaft. Wir dürfen uns nicht dafür entscheiden, den Tisch zu verlassen, weil wir die Argumentationen leid sind. Wir dürfen nicht verstummen und resignieren, im Gegenteil: wir müssen zuhören und den anders Denkenden begegnen. Und wir müssen laut werden. Laut werden gegen den Rechtsruck in unserer Gesellschaft.

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Dieser Text ist mein Beitrag zur großen Blogparade von Blogfamilia

#lautwerden #stimmeerheben #blogfamiliablogparade

Liebe Kinder,

dies ist ein Liebesbrief an euch! Ich finde, es ist mal an der Zeit, einen zu schreiben, denn Liebe kann man nie genug zeigen, oder? Und zwischen uns Vieren kracht es ja auch eine ganze Menge. Morgens gehts los, wenn ihr alle Drei am Tisch sitzt und streitet. Dann fällt immer irgendwann ein Becher um und ich bin richtig genervt von euch. Tagsüber ärgert ihr euch, haut euch und findet das Essen, das ich gekocht habe, doof. Abends wollt ihr weder aufräumen noch ins Bett gehen. Oh man, ist das oft ätzend. Dabei bin ich mir sicher, dass das in anderen Familien genau so ist. Und ich denke, dass sich auch in anderen Familien die Kinder streiten, vor allem, wenn sie wie Luise und Jimmy nur zwei Jahre auseinander sind. Also seid ihr eigentlich ganz normale Kinder, die tun, was Kinder eben so tun. Wenn ich mich also aufrege, dann bin ich so eine normale Mutter, wie eine normale Mutter eben ist – sie meckert ab und zu, weil ihre Nerven angespannt sind.

Ihr macht aber noch etwas anderes, als meine Nerven mit Streit und Gemecker zu strapazieren. Ihr macht mich nämlich die meiste Zeit sehr glücklich. Durch euch habe ich gelernt, dass sich mein Leben nicht um mich dreht. Das Gefühl ist schön, weil wir Erwachsenen oft nach dem Sinn des Lebens suchen. Schnell finden wir ihn dann, indem wir uns um uns selbst sorgen, um unsere Gesundheit, das Aussehen, die Sinnhaftigkeit unseres Jobs oder solcherlei Sachen. Wenn Kinder in das Leben treten, haben Erwachsene gar nicht mehr so viel Zeit, sich dauernd darüber Gedanken zu machen. Und sobald mal ein Kind krank ist, werden alle anderen Probleme sowieso ganz klein.

Weil ich euch habe, denke ich auch mehr an andere. Ich kann mir entfernt vorstellen, wie schrecklich sich eine andere Mutter fühlt, die mit ihren Kindern in ein gefährliches Boot steigt, um in einem anderen Land endlich Frieden zu finden. Ich kann es kaum aushalten, wenn ich im Fernsehen leidende Kinder und Eltern sehe, selbst wenn es um eine fiktive Geschichte geht. Und mir geht das Leid aller Lebenwesen nahe. Zuletzt habe ich beschlossen, so weit es geht auf Kuhmilchprodukte zu verzichten. Die Vorstellung, dass einer Kuh die Kälbchen nach der Geburt weggenommen werden, trifft mich tief im Herz.

Aber auch die Umwelt und deren Zerstörung betrachte ich anders. Denn ich weiß, dass es eure Erde ist, die wir mit Plastik und Abgasen verseuchen. Und der Rechtsruck in unserem Land macht mir Angst. Für euch wünsche ich mir ein tolerantes Deutschland, das Mitgefühl zeigt und Menschen nicht ausgrenzt.

Ich stelle mir außerdem vor, wie es gewesen wäre, wenn eines von euch mit einer Behinderung auf die Welt gekommen wäre. Ich würde mir dann wünschen, dass ihr teilhaben könntet wie alle anderen Kinder. Eines von euch hatte eine gefährliche Blutvergiftung, nur ein paar Tage nach der Geburt. Ich weiß, wie nahe wir an einer Katastrophe dran waren. Alle Eltern mit behinderten Kindern, die möchten, dass ihr Kind nicht ausgeschlossen wird: das hätten wir sein können.

Noch etwas hat sich verändert, nur durch euch. Ich habe viele Ängste. Um euch, um meine Verwandten, um unsere Gesundheit oder Sicherheit im Verkehr. Ich stehe jeden Tag vor der Wahl, ob ich Angst habe vor all dem, was passieren könnte und euch damit anstecke. Oder ob ich meine Ängste verdränge und sie nicht in meinen Kopf lasse, positiv und voller Zuversicht nach vorne blicke, damit auch ihr hoffnungsvoll und optimistisch sein könnt. Damit ihr voller Freude auf den Tag aus dem Haus geht und nicht mit einem Berg voller Bedenken.

Aber ich bin auch ein wenig vorsichtiger. Obwohl ich mit Fahrradhelm richtig bescheuert aussehe, ziehe ich ihn an. Ich möchte, dass ihr so lange es geht eine gesunde Mama habt.

Es gibt im Alltag so viele Kleinigkeiten, über die ich mich ärgere. Manchmal sage ich, dass ihr mir so auf die Nerven geht. Oder dass ich endlich meine Ruhe haben möchte. Vielleicht habt ihr neulich gehört, wie ich meiner Schwester zuflüsterte, dass ich gerne mal für sechs Wochen in den Urlaub fahren möchte – ganz ohne euch. Ihr macht mir das Leben ein bisschen schwer mit eurem Gezanke, der Mäkelei am Essen und diesem Gemecker und Geheule. Und ihr seid gleichzeitig das wunderbarste und wertvollste Geschenk, das mir das Leben machen kann. Ich bin glücklich, dass ich eure Mutter sein darf und dass ihr mich zu einem besseren Menschen gemacht habt.

Eure Mama Laura

Diesen Text schreibe ich für die Kampagne #LiebesbriefanmeinKind anlässlich des Weltkindertags, die Stefan vom Blog Vaterfreuden initiiert hat. Er spendet pro online gestellten Blogpost/Liebesbrief 1,00 Euro an das deutsche Kinderhilfswerk!

#Weltkindertag  #BlogparadeVaterfreuden #LiebesbriefanmeinKind

Hier findest du noch mehr der schönen Liebesbriefe:

https://rubbelbatz.de/liebesbrief-an-meinen-sohn/

https://www.facebook.com/beauty.mami.blog/posts/1929277153785400

https://schaumalher.blogspot.com/2018/09/blogparade-zum-weltkindertag.html

https://kuchenerbse.de/lass-uns-eine-zeitkapsel-bauen-liebesbrief-an-mein-kind/

https://mamablog-mamamichi.com/2018/09/23/liebesbrief-an-meine-kinder-blogparade-zum-weltkindertag/

https://heuteistmusik.de/liebesbrief-an-meine-kinder/

https://drachenmama-trotzkopfkind.jimdofree.com/2018/09/18/liebesbrief-an-mein-kind/

https://www.mumslife.de/mein-liebes-maeusekind/

https://sabirella.blogspot.com/2018/09/weltkindertag-liebesbrief-kind.html

https://www.einfachlosgebloggt.de/2018/06/27/liebesbrief-an-meine-tochter/

https://www.youtube.com/watch?v=H-llVZ2UoPs&feature=youtu.be

https://www.vegane-familien.de/ein-liebesbrief-an-meine-kinder/

https://mamastehtkopf.de/2018/09/20/liebesbrief-an-meine-kinder/

https://youdid.blog/15-jahre-mamaglueck-brief-an-meine-tochter/

https://www.mintundmalve.ch/single-post/2018/09/14/hier-sind-wir-oliver-jeffers

https://www.vatersohn.blog/ein-brief/

https://ploetzlich-mami.wixsite.com/blog/single-post/2018/09/16/Ein-Liebesbrief-an-mein-Kind

https://www.chaosandqueen.de/liebesbrief-an-mein-kind/

Eine Frau zeigt, wie es geht

#MamasUndMoneten

Bei mir hat sich eine Frau gemeldet, die gerne etwas zu Sophies und meinem Projekt #MamasUndMoneten beitragen möchte, aus verständlichen Gründen anonym. Mich hat der Text sehr berührt und ich bewundere die Autorin. Sie schreibt darüber, dass sie schon ihre Ausbildung so gewählt hat, dass sie von ihrem Beruf später auf jeden Fall gut leben kann. Und sie beneidet die Menschen, die sich in ihrer Berufswahl davon leiten lassen konnten, wie sie sich am besten selbstverwirklichen können. Das sind wahre Worte, denn ich würde soweit gehen: eigentlich kann es sich (leider) keine Frau leisten, die Ausbildung nur nach den Leidenschafts- und Spaßfaktoren zu wählen, wenn sie finanziell unabhängig sein möchte. Das ist sehr schade, aber ich spreche aus eigener Erfahrung. Ich selbst habe Literatur und Geschichte studiert und hätte schon früher wissen müssen, dass ich so später in die Mutter-Teilzeit-Falle tappen würde. Andererseits, kann eine Frau mit Anfang 20 schon so vorausschauend handeln? Sie kann es, wenn sie wie die Autorin mit jungen Jahren schon einiges an Lebenserfahrung auf dem Buckel hat. Ich jedenfalls würde es meiner Tochter und jedem jungen Mädchen genauso raten, wie sie es gemacht hat. Das ist vor allem deshalb bitter, weil es Berufe wie Erzieherin und Alternpflegerin gibt, die viel zu schlecht bezahlt sind, aber dringend gebraucht werden. Das schreit doch nach Veränderung, oder? Nun aber übergebe ich das Wort an meine anonyme Schreiberin:

Frauen und Geld, das ist so eine Sache. Wenn ich mich mit meinen Freundinnen unterhalte, möchte ich meistens leise weinen.
Ich würde schätzen, dass gut 95% nicht in der Lage wären sich im Falle einer Trennung von ihrem Partner finanziell über Wasser zu halten.

Viele Frauen sind finanziell abhängig von ihrem Partner

Bei mir ist das anders. Mein Gehalt reicht um mich und meine Kinder zu ernähren und wenn alles gut geht (bei dieser Rentensache weiß man es ja nie so genau), werde ich auch in der Rente ein finanziell sorgloses Leben haben.

Ich bin in West-Deutschland, genauer gesagt, in Bayern aufgewachsen. Meine Mutter ist „natürlich“ nicht arbeiten gegangen und mein Vater war Manager in einem Konzern. Meine Mutter hatte nicht mal eine Ausbildung, die ihr ermöglicht hätte, einen Job – geschweige denn – einen gut bezahlten Job zu haben. Mein Vater wollte auch gar nicht, dass sie arbeiten geht. Wie sähe das denn aus? Die Leute würden glauben, er könne seine Familie nicht ernähren.

Als ich 13 war, haben meine Eltern sich nach 25 Jahren Ehe scheiden lassen. Wir standen mit buchstäblich nichts da. Mein Vater hätte wohl Unterhalt gezahlt – aus Stolz wollte meine Mutter aber nichts annehmen.
Wir mussten von einem großen Haus in eine Zwei-Zimmerwohnung ziehen. Drei Menschen und ein Hund.
Ich könnte noch sehr viel über diese Erfahrung schreiben – warum ich sie aber erwähne: Ich habe mir damals geschworen – das passiert mir nicht. Ich finde es unerträglich. Mein Vater wohnt in der Zwischenzeit mit seiner neuen Frau in einem neuen, größeren Haus. Meine Mutter lebt in einer klammen Zwei-Zimmerwohnung und geht mit über 70 noch arbeiten. Sie bekommt 400 Euro Rente.

Finanziell stabil auf eigenen Beinen stehen war das Ziel

Ich habe deswegen in Schule und Studium alles gegeben, um einen möglichst guten Abschluss zu bekommen. Nebenher habe ich immer gearbeitet, teilweise mehr als ich in der Uni war, aber von irgendwas musste ich ja leben.
Meine Zukunft habe ich nach zwei Dingen ausgerichtet:
1) Einen Job finden, in dem man ordentlich verdient
2) Einen Job finden, in den man nach einer möglichen Elternzeit wieder reinkommt

Ich habe deswegen NIE darüber nachgedacht, was mir Spaß macht oder was mir liegt. Um Erfüllung oder Selbstverwirklichung ging es mir nicht. Ich beneide die Menschen, die sich das leisten konnten.

Mit meinem ersten festen Job habe ich angefangen für meine Rente zu sparen. Da war ich gerade mal 25 Jahre. Je früher man anfängt, desto besser. Mein Lebensstandard war als Studentin sehr niedrig. Ich habe oft am Ende des Monats weder Geld noch Essen gehabt. Ich habe später als Angestellte von meinem Einkommen so viel weggespart, wie ich konnte und mein Lebensstandard nur geringfügig verändert.
Die ersten Jahre habe ich alle zwei Jahre den Job gewechselt und damit jedes Mal einen Gehaltssprung gemacht. Die Jahre dazwischen habe ich mein Gehalt verhandelt. Das mache ich auch jetzt noch jedes Jahr. Ich warte nicht darauf, dass mir gnädigerweise jemand eine Gehaltserhöhung gibt.

Auch in der Ehe die Hoheit über die Finanzen behalten

Den Überblick über die Finanzen habe ich nie abgegeben. Meine Steuererklärung mache ich selbst. Über meine Sparverträge und Konten weiß ich Bescheid. Niemand sonst hat Zugriff darauf.

Ich war eine kurze Zeit verheiratet. Da haben wir einmal die Festkosten berechnet und dann prozentual von unserem Gehalt die Anteile. Dieses Geld wurde dann auf ein gemeinsames Konto überwiesen.

Zwischen uns gab es nie ein Gehaltsgefälle. (Was mich im übrigen nie vor der Diskussion gerettet hat, dass sein Job wichtiger sei als meiner und ich doch bitte die Kinderkrankentage etc. übernehme). Ich hätte mich nie auf Lohnsteuerklasse 3/5 eingelassen.

Als die Kinder geboren wurden, habe ich darauf bestanden, dass mein Mann übergangsweise die Einzahlungen meiner privaten Rentenversicherung übernimmt. Elterngeld war schließlich viel weniger als mein Gehalt. Warum soll er weiter in seine Altersvorsorge einzahlen und ich nicht, weil ich mich um unsere gemeinsamen Kinder kümmere? Nach jeweils einem Jahr bin ich wieder arbeiten gegangen (u.a. weil es hier gute und finanzierbare Kinderbetreuung gibt).

Beim letzten Jobwechsel habe ich hart verhandelt. Ich verdiene jetzt mit deutlich reduzierten Stunden genauso viel wie vorher in Vollzeit.

Zwischenbilanz: Trotz Scheidung keine finanzielle Notsituation

Ich lebe mit meinen Kindern in einer schönen Wohnung in guter Lage und kann – toitoitoi – alles von meinem Geld zahlen. Ich spare für meine Rente, ich spare für Urlaub, ich spare für mittelgroße Anschaffungen, die kommen können, ich spare für meine Kinder, denn sie sollen nicht unter den Bedingungen studieren müssen wie ich.
Ich hab natürlich kein Haus, keinen Garten, keinen Kleiderschrank voller Markenklamotten. Ich kann mir keine Mitgliedschaft in einem Fitnessclub leisten und gehe nie zur Kosmetikerin oder ähnliches. Aber darauf lege ich keinen Wert.
Manchmal bereue ich, dass ich den größten Teil meiner beruflichen Zeit nichts mache, was mich erfüllt. Ich gestehe, manchmal wäre ich gerne zu Hause, denn ich habe unendlich viele Ideen und Projekte mit denen ich mich beschäftigen könnte.
Aber unter dem Strich bin ich wirklich stolz auf mich, dass ich finanziell komplett unabhängig bin und dass meine Kinder das auch sehen.

Ich kann nur jeder Frau dazu raten.
Ihr seid mit der finanziellen Unabhängigkeit auch von allen anderen Entscheidungen unabhängig. Ich musste noch nie nachdenken, ob ich es mir leisten kann, mich zu trennen. Ich musste meinen Mann noch nie fragen, ob ich mir z.B. einen neuen Rechner kaufen kann. Ich sorge mich (meistens) nicht um die Zukunft. Ich freue mich, dass ich meinen Kindern einfach so eine Klassenfahrt bezahlen kann.

Seid es euch wert ordentlich zu verhandeln. Wenn ihr gute Arbeit leistet, wartet nicht aufs Entdecktwerden. Eure männlichen Kollegen machen das auch nicht. Sprecht mit allen Freundinnen und Kollegen über euer Gehalt. Vergleicht euch. Achtet darauf nicht ungleich behandelt zu werden.

Ich weiß, ich hatte natürlich auch Glück und gute Rahmenbedingungen – aber ich hatte auch ein Ziel – nämlich mit über 40 nicht so dazustehen wie meine Mutter.

 

Danke, liebe Autorin, für diesen offenen und ehrlichen Text. Und vielleicht ermutigt es dich auch, deine Geschichte zu erzählen. Auf jeden Fall ist es wichtig, dass wir Frauen uns endlich noch weiter in die Materie eingraben, uns über Finanzen, unser Leben und finanzielle Unabhängigkeit austauschen und gemeinsam dafür kämpfen, dass es nicht länger ein Armutsrisiko ist, Frau und Mutter zu sein.

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Über den Titel musste ich zuerst lachen. Sophie vom Blog Kinder haben, mit der ich das Finanzprojekt #MamasUndMoneten gestartet habe, hat mich auf das Buch gebracht: Helma Sick und Renate Schmidt, die beide in der Reportage „Frauen in der Rentenfalle“ zu Wort kommen, haben es geschrieben. „Ein Mann ist keine Altersvorsorge“ (Affiliate Link) klingt provokativ, aber hat mich überzeugt. Finanzielle Unabgängigkeit ist kein reines „Feministinnen-Ding“, sondern ein sehr erstrebenswertes Ziel für JEDEN MENSCHEN. Warum Frauen sich mit diesem Thema besonders schwer tun, erklären die beiden nachvollziehbar und ich fühle mich ertappt. Es geht aber auch um Veränderungen in Politik, Gesellschaft und Arbeitsumfeld. Ein echt spannendes Thema ist das und es geht uns alle etwas an. Ich habe bisher einen großen Bogen darum gemacht, mit dem Finanzprojekt wollen Sophie und ich das aber nun angehen und wir möchten dich mitnehmen, inspierieren und dich dazu animieren, dich mit deiner finanziellen Absicherung auseinander zu setzen.

Ehe schließen und Füße hochlegen?

Die Autorinnen haben mich eiskalt erwischt. Ehe bedeutete für mich natürlich bisher auch in erster Linie Liebe, Liebe, Liebe. Ehevertrag, gesetzlicher Güterstand, Erbrecht und Co, hääää? Was hat das bitte mit Romantik und Anton und mir zu tun? Ziemlich viel, zugegebenermaßen. Zwar weiß ich, dass dieser Mann die Liebe meines Lebens ist, aber ich vermute, das haben schon sehr viele Frauen gedacht, die sich jetzt geschieden nennen. 50 % aller Ehen gehen in die Brüche, da muss man kein Eisklotz sein, um sich zumindest mit dem Problem auseinanderzusetzen das wir haben, wenn wir uns trennen sollten. Außerdem gibt es andere Schicksalsschläge, die uns hoffentlich niemals ereilen werden. Aber es ist wichtig, sich mit dem Fall der Fälle zu beschäftigen. Denn ich möchte nicht mit den Kindern von heute auf morgen auf der Straße stehen.

Aufklärung für Frauen

Mit Hilfe des Buches bin ich nun aufgeklärter. Was beudetet Zugewinnausgleich, wie läuft das mit dem Erb- und Unterhaltsrecht? Wäre es nicht dringend nötig, dass Anton und ich uns mit steuer-, vermögens-, unterhalts- und versorgungsrechtlichen Dingen auseinandersetzen? Die Lektüre war mein Tritt in den Allerwertesten und ich bin sehr gewillt, die Sache jetzt anzugehen. Zusammen mit Sophie macht das natürlich noch mehr Spaß und ich bin völlig beeindruckt von all den Frauen, die sich schon lange mit Aufklärung in Finanzdingen befassen.

Rat an Mütter

Wichtig für dich ist sicherlich folgender Punkt: In jedem Fall raten die Autorinnen Frauen, die wegen der Kinder zuhause bleiben, vertraglich zu regeln, wie lange sie zuhause bei den Kindern bleiben, wie die häusliche Arbeitsteilung aussieht und wie lange sie Unterhalt bekommen, steht dann doch eine Scheidung an. Außerdem sollte unbedingt besprochen werden, wie die Renteneinbußen desjenigen ausgeglichen werden, der längere Zeit nicht erwerbstätig ist.

Negativ bewerten die Autorinnen übrigens vor allem, wenn Mütter sehr lange ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen oder „nur“ einem Minijob ausüben. Denn in beiden Fällen wird kaum etwas in die Rentenversicherung eingezahlt. Übrigens erhalten Menschen, die weniger als 5 Jahre sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben, oft keine Renteninformation und wissen so gar nichts von ihrem drohenden Übel.

Ehegattensplittung und Mitversicherung in der Krankenkasse: ein teures Vergnügen

Die Ehe hat natürlich Vorteile. Frauen, die zuhause bleiben, sind in der Krankenkasse ihres Mannes mitversichert und können sogar noch einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen. Das macht 450 Euro zusätzlich, unversteuert. Was sich aber hier so prima anhört, ist eigentlich ein Unding. Denn alle Partner, die nicht erwerbstätig sind, werden in der Krankenkasse mitversichert und alle Paare profitieren vom Ehegattensplitting, auch die kinderlosen. Das kostet den Staat eine Menge Geld und dieses System gibt es so nur bei uns in Deutschland. Es macht für das einzelne Paar ökonomisch sinnvoll, was im Zweifelsfall zu einer Katastrophe für die einzelne Person wird: Frauen geben ihre Berufstätigkeit auf und nehmen höchstens einen Minijob an. Ist die Ehe kaputt, stehen sie ohne Arbeit da und haben nie in die Rentenkassen einbezahlt. In anderen europäischen Ländern läuft das anders. Hier ist jeder Erwachsene für sich selbst verantwortlich und kümmert sich also auch um seine Versorgung.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Übrigens fordern die Autorinnen nicht, dass Eltern nach der Geburt des Kindes sofort wieder in Vollzeit arbeiten gehen. Nein, es ist klar, dass Babys und kleine Kinder Mama oder Papa brauchen. Aber sie finden, dass der, der zuhause bleibt, einen Ausgleich für die Rentenzahlungen bekommen soll. Und das darf übrigens auch gerne mal der Vater sein.

Sick und Schmidt raten dazu, schriftlich Vorkehrungen zu treffen, wenn einer lange zuhause bleibt. Getrennte Konten, eine Risikolebensversicherung zur Sicherung des Unterhalts und Einblick in die gemeinsamen Finanzpapiere sind Wege, um finanziell möglichst unabhängig zu bleiben.

Renate Schmidt, ehemalige Familienministerin, ist verärgert über die Situation der Frauen heute:

„Entweder wir leben den Teil von uns, der nach außen wirkt, haben also Erfolg im Beruf und machen Karriere. Oder wir leben den Teil von uns, der nach innen wirkt, kümmern uns also um Kinder und Familie. Ersteres bedeutet Verzicht auf Kinder (..) Letzteres bedeutet den Verzicht auf beruflichen Erfolg und häufig auf materialle Sicherheit, wenn die Ehe scheitert. Männer werden vor solche Alternativen nicht gestellt, vielleicht auch, weil Frauen es bisher nie verlangt haben.“ (S, 13f)

Und auch ich erlebe diese Zerrissenheit der Frauen, die heute oft nicht nur mitverdienen sollen oder wollen, sich aber dennoch Familie und Haushalt gegenüber verpflichtet fühlen. Und weil wir Frauen arbeiten gehen, auch um unsere Sozialversicherungen zu bezahlen, uns um die Kinder und die Küche kümmern, Schulaufgaben beaufsichtigen, Geschenke für Schwiegermutter und Freunde der Kinder besorgen UND am Ende mit einer mickrigen Rente dumm aus der Wäsche gucken, muss sich einfach etwas ändern.

Armustrisiko: Frau sein und alt werden

Das größte Armutsrisiko in Deutschland heißt, eine Frau zu sein und alt zu werden. Gründe dafür sehen Sick und Schmidt in der Lohnungleichheit, falschen staatlichen Subventionen und auch der Blauäugigkeit so mancher Frauen (S. 112). Schlecht ist aber auch, dass die typischen sozialen Berufe, die oft von Frauen ausgeübt werden wie Lehrerin, Altenpflegerin, Krankenschwester oder Erzieherin viel zu schlecht bezahlt sind. Generell wählten Frauen zu oft die wenig lukrativeren Berufe.

Ich denke, wenn wir Frauen die Sache mit der finanziellen Unabhängigkeit in die Hand nehmen, dann sind wir schon einen Schritt weiter. Außerdem müssen wir kämpfen für bessere Bedingungen für Eltern am Arbeitsplatz und für ein besseres politisches System, das nicht länger die Einverdienerehe unterstützt. Ehegattensplitting muss bald der Vergangenheit angehören, denn es ist einfach nicht mehr zeitgemäß.

Wichtig finde ich außerdem das Kapitel, das sich mit dem deutschen Frauenbild beschäftigt. Immer noch ist das Bild der guten Mutter verbreitet, die nicht erwerbstätig ist und sich ausschließlich um die Kinder kümmert. Kritisch beäugt werden die Frauen, die schnell nach der Geburt wieder arbeiten gehen. Dabei kann sich doch auch ein Vater ganz wunderbar um seine Kinder kümmern. Der sogenannte Backlash greift um sich und Helma Sick spricht in der Reportage „Frauen in der Rentenfalle“ das an, was ich auch online beobachte: junge, gut ausgebildete Frauen propagieren das alte Mutterbild und machen daraus einen neuen Trend.

Frauen müssen sich einmischen

Jeder, der sich individuell und für sich dazu entscheidet, zuhause bei den Kindern zu bleiben, der soll das tun dürfen. Feminismus ist Wahlfreiheit, das ist klar. Wenn Frauen diese Entscheidung in der Öffentlichkeit aber als einzig richtige propagieren und anderen ein schlechtes Gewissen einzureden, weil die Kinder ohne die ständige Verfügbarkeit der Mutter scheinbar nicht gesund aufwachsen, stellen sie allen Frauen ein Bein, die seit Jahrzehnten für Gleichberechtigung eintreten.

„Jammern hilft nicht! Frauen müssen individuell vorsorgen, mit dem Partner womöglich auch unangenehme Aushandlungensprozesse führen und sich in die Gestaltung von Lebens- und Arbeitswelten einmischen!“

Dieses Zitat aus dem Buch von Uta Meier-Grewe, Professorin für Wirtschaftslehre des Privathaushalts und Familienwissenschaft an der Uni Gießen, bringt es für mich auf den Punkt! (S. 166) Ich werde jedenfalls meinen schwangeren Freundinnen nicht länger einen Strampler und Badezusätze schenken, sondern dieses Buch. Ich bin froh, dass es bei mir (noch) nicht zu spät ist und nehme meine finanzielle Zukunft nun in die Hand. Als erstes habe ich einen Termin bei der Deutschen Rentenversicherung gemacht, bald folgt auf meinem Instagram-Kanal ein Interview mit der Geldfrau und das Buch von Madame Moneypenny wird meine Urlaubslektüre sein. Schau auch mal bei Sophie vorbei, hier sind schon einige Beiträge zur Blogparade von #MamasUndMoneten eingetrudelt.

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Gewinnspiel

Achtung: das Gewinnspiel ist vorbei, die Gewinnerin wurde benachrichtigt!

Und damit auch du ein wenig schmökern kannst, verlose ich ein Exemplar dieses so wichtigen Buches. Wenn du das Buch gewinnen möchtest, dann schreib mir einfach einen Kommentar unter den Text. Ich freue mich außerdem, wenn du Sophie und mir auf Instagram folgst, dort gibts auch noch mehr News zum Thema #MamasUndMoneten.

Am Gewinnspiel teilnehmen darf, wer über 18 Jahre alt ist und in Deutschland wohnt. Mit der Abgabe eines Kommentars erklärst du dich damit einverstanden, dass du mir im Falle eines Gewinns deine Adresse zur Weiterleitung an den Kösel-Verlag mitteilst. Deine Adresse wird nur zum Versand des Buches genutzt und anschließend gelöscht. Eine Auszahlung sowie der Tausch eines Gewinns ist nicht möglich. Der Erwerb von Produkten und Dienstleistungen beeinträchtigen den Ausgang des Gewinnspiels nicht. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Das Gewinnspiel beginnt heute, am 06. September 2018 und endet am 11. September 2018 um 23.59Uhr. Der Gewinner oder die Gewinnerin wird danach per Los ermittelt und von mir per Mail benachrichtigt.

Mein Text für den Scoyo-Blogaward Award

Ich habe etwas zu feiern und möchte dir heute davon berichten. Das Schreiben ist meine große Leidenschaft und ich übe sie hier auf diesem Blog nun sogar beruflich aus. Seit ein paar Jahren gibt es für Familien-Blogger einen Award zu gewinnen, für den ich mich schon mehrere Male beworben habe. Dieses Jahr gab es das erste Mal ein vorgegebenes Thema: „Nachhilfe und Förderung, was hilft Kindern wirklich?“ und mir fiel sofort mein Text für Jimmy ein.

Brief an mein Schulkind hieß der und ich habe darin geschrieben, wie sehr mich die Einschulung letztlich doch berührt hat. Nun, ein Jahr später, hat sich vieles genau so ereignet, wie ich es mir in dem Brief vorgestellt habe. Es gab Ärger um verlorene Schals, banges Warten auf die Rückkehr des Kindes am Mittag und ein paar Startschwierigkeiten beim Ausmalen. Eines habe ich in diesem Jahr gelernt: dass es sehr wichtig ist, dem Kind zu vetrauen, Verständnis zu haben und voller Zuversicht auch den Dingen gegenüberzustehen, die nicht so klappen.

Unsere Kinder sind ganz wunderbar und all die vergessenen Sachen, das Rumbummeln auf dem Schulweg, Schwierigkeiten mit den Hausaufgaben, Unlust zu lesen und zu schreiben – es gehört dazu und ist normal. Alles was dein Kind braucht, sind Eltern, die ihm das Gefühl geben: du, mein Kind, du schaffst das schon. Wenn etwas schief geht, sind wir bei dir.

Brief an mein Schulkind

Und ich sehe mein Kind immer größer und selbstständiger werden. Mich macht das stolz und gleichzeitig ein wenig traurig. Unsere Neffen, die ich als kleine Krabbler kennengelernt habe, sind Teenies und bald schon erwachsen. Das geht so schnell und kaum drehe ich mich um, wird Jimmy mit seinem Smartphone auf dem Sofa sitzen, Youtube-Videos schauen und mit seinen Kumpels um die Häuser ziehen. Wenn ich Johannes Oerdings Lied „Kreise“ hören, dann denke ich daran.

Ey, wenn sich alles in Kreisen bewegt
Dann gehst du links, dann geh‘ ich rechts
Und irgendwann kreuzt sich der Weg
Wenn wir uns wieder sehen

Das ist mein persönliches Jimmy-Lied geworden und ich bin einfach froh, seine Mama sein zu dürfen. Diese Gefühle habe ich in meinem Text verarbeitet und wollte damit auch Mut machen. Mut, das Kind loslassen zu können, Mut für die Schule und alles, was da auf Eltern und Kinder zukommt. Denn wenn wir unseren Söhnen und Töchtern einzig und alleine das Gefühl auf den Weg mitgeben, dass sie immer auf uns zählen können und wir sie so lieben, wie sie sind, dann haben wir alles, wirlich alles richtig gemacht. Eine bessere Förderung gibt es nicht!

Die Abstimmung

Wenn du Lust hast, für den Gewinner-Text abzustimmen, dann schau mal hier vorbei:

https://www-de.scoyo.com/eltern/lernen/nachhilfe-foerderung/eltern-tipps-blog-award-2018-voting#finalisten-2018

Und lies dir, wenn du Zeit hast, gerne mal all die schönen Texte durch. Die Schreiberinnen (leider gibt es keinen Papablogger unter den Nominierten) haben mit viel Herzblut geschrieben und ich finde es toll, die unterschiedlichen Herangehensweisen zu sehen. Ich freue mich jedenfalls, wenn du bei der Abstimmung mitmachst.

Bis dahin wünsche ich dir, dass die Schulzeit für euch als Familie eine schöne wird. Dass dein Kind die Hürden mit eurer Hilfe meistern kann und ihr die Erfolge gemeinsam feiert. Dass Noten und Schulart weniger wichtig sind als das Lernen selbst, der Spaß und die Freude am Entdecken erhalten bleiben und dein Kind von Lehrern, Klassenkameraden und Freunden so angenommen wird, wie es ist.

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Luise und ich sind uns sehr ähnlich. Wir haben viel Power, im guten und im schlechten Sinne. Wir lachen viel und sind leicht zu begeistern, wir sehen die Dinge positiv und bringen gute Stimmung in den Raum, das kann man so sagen. Wir sind aber auch ziemlich schnell wütend, schreien rum und knallen mit den Türen. Noch dazu machen wir alles mit Schwung und Elan. Dabei fällt dann oft was um oder geht kaputt. Wir sind uns ähnlich und geraten vielleicht aus diesem Grund gerne aneinander. Denn in Luise erkenne ich mich und meine (unguten) Eigenschaften wieder und das sorgt in mir drin für Zunder.

Meine Tochter treibt mich in den Wahnsinn

Sie stürmt in die Küche, die kleine Dame, und will was trinken. Beim hastigen Einschenken verschüttet sie das Wasser. Das nervt mich enorm. Erst vor zehn Minuten ist mir eine Tasse Espresso auf den Küchenboden geplumpst und hat die ganze Wand versaut. Nun kann ich schon wieder aufwischen. Luise hilft, aber ist auch schnell davon geflitzt. Wie sie heute wieder aussieht! Die Leggings in Pink, das Shirt in Kunterbunt. Eine lila Strähne im Haar und die bunten Socken dazu – ich kann es kaum mit anschauen. Sie hat genaue Vorstellungen von dem, was sie trägt. Das geht mir bei meinen Sachen ganz genauso.

Und Luise brüllt. Wenn sie sich weh getan hat, ist sie eine Sirene. Sie macht alle Schleusen auf und heult los, den Mund offen, die Augen zusammengekniffen, der Ton löst ein Pfeifgeräusch in meinen Ohren aus und macht mich wahnsinnig. Bin ich selbst anders? Nein, kein bisschen. Ich bin Frau Laut. Mich hört man auch zwei Straßen weiter noch schreien, wenn ich mich aufrege, ich lache, fluche und brülle, wenn es nötig ist.

Mini-Me

Vielleicht regt mich Luise manchmal so ungemein auf, weil ich mich in ihr wiedererkenne. Wir sind uns nicht nur optisch ähnlich, sondern auch im Wesen. Genau wie ich erschrecke, wenn ich Anton genauso anpampe, wie es meine Mutter mit meinem Vater tut, finde ich es unangenehm, wenn Luise mal wieder zetert wie ich. Ich sehe mich in meiner Mutter und in Luise wieder. Das ist oft schön, denn wir haben viele gute Eigenschaften. Bei den (vermeintlich) schlechten Eigenschaften fühle ich mich aber irgendwie ertappt. Was mich daran manchmal traurig macht: weil mir die Jungs nicht besonders ähnlich sind, habe ich für sie vielleicht ab und zu mehr Verständnis.

Ich kam darauf, weil Anton jedes Mal an die Decke geht, wenn Jimmy kein Interesse hat, zu essen. Dabei lag ihm damit sein Vater früher dauernd in den Ohren und warf ihm vor, zu dünn zu sein. Anton war extrem genervt deshalb und nervt heute Jimmy. Jimmy rennt übrigens auch so wie der kleine Anton, er fuchtelt dabei mit den Armen in der Luft und er spielt stundenlang Schach mit sich selbst – wie Anton, als er sieben Jahre alt war. Mit Luise kommt er dagegen gut klar, sie ist so anders als er.

Wenn Eltern ausflippen

Um dieses Thema kreisten meine Gedanken letzte Woche, als Luise mit den Großeltern im Urlaub war. Ich hatte nämlich ein furchtbar schlechtes Gewissen, weil wir so einen Ärger hatten. Sie regte mich auf und war mir mal wieder zu laut, zu ungestüm und zu gruselig angezogen. Bin ich guter Dinge, sehe ich darüber hinweg. Wir aber hatten Stress zuhause, denn wenn Kinder Ferien haben und gelangweilt sind, die Mutter dagegen arbeiten muss, geht das selten gut aus. Und nachdem ich fünf Mal die Nerven bewahrt hatte, ist mir die Hutschnur gerissen. Ich habe Luise so richtig angeschnauzt, der Auslöser war scheinbar banal. Ich musste mich sogar aufs Klo retten, denn das wichtige ist dann, mich selbst raus aus der Situation zu nehmen. Ich zählte bis zehn und biß außerdem in die Klopapierrolle. Dann habe ich alle Handtücher durch die Gegend geschmissen und fünf Minuten im neuen Ikea-Katalog geblättert. Anschließend ging es mir besser.

Luise saß in ihrem Zimmer und tat das gleiche. Erst knallte sie mit der Tür, dann schmiss sie alle T-Shirts durchs Zimmer und las eine Weile in ihrem Conni-Buch. Da waren also zwei Damen mit ähnlichem Gesicht und Temperament, außer sich vor Wut und Entsetzen und in dem kurzen Glauben, die andere niemals wieder nett finden zu können.

Wenn wir in den Spiegel blicken

Aber irgendwann war der Zorn verraucht. Vielleicht war es auch genau der richtige Zeitpunkt für etwas Abstand und Jimmy und Luise brachen ohne Abschiedsschmerz in den Urlaub auf. Auch ich habe die Woche ohne die beiden Großen genossen und hatte die Auszeit dringend nötig. Nach und nach konnte ich wieder liebevoller auf meine Luise blicken und in diesem Zuge auch auf mich selbst. Luise ist nämlich wirklich in vielerlei Hinsicht mein Spiegel. Übrgens ist sie auch so lebenslustig, so voller Kraft und so witzig wie ich. Überhaupt ist sie ganz wunderbar und toll. Sie ist wie ich und doch ganz anders. Wir werden uns vermutlich unser ganzes Leben ein wenig aneinander reiben. Aber wir werden uns auch immer ziemlich schrecklich lieben.

Gehts dir mit einem deiner Kinder ähnlich? Macht dich eines vielleicht auch besonders wahnsinnig, gerade weil du dich in ihm wiedererkennst? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Ps.: Kennst du schon die Schwabenmoms? Miri, Joy und Sabine haben tolle Ideen, die dir den Mama-Alltag erleichtern. Sie unterstützen mich nun auf meinem Instagram-Kanal und laden dich ganz herzlich ein.

Drei Kinder habe ich in meinem Leben bekommen. Die Schwangerschaften, die Geburt und die Zeit danach gehören zu den emotionalsten meines Lebens. Gut überstanden habe ich sie vor allem mit Hilfe von Anton. Er war da für mich, wenn ich mal wieder unter Heißhungerattacken und schlechter Laune litt. Er war in den Stunden da, als ich Schmerzen hatte, die mich fast wahnsinnig werden ließen. Und er war da, wenn ich trotz duftendem Säuglingsglück nur noch heulen wollte.

Meine emotionalsten Momente mit Hebammen

Aber da waren noch mehr Personen, ohne die ich das alles nicht so gut hätte meistern können: meine Hebammen. Sobald ich das Video von Pampers sehe, bin ich ziemlich gerührt. Das geht mir bei vielen Videos so, die Geburten zeigen, aber in diesem wird mir irgendwie klar, wie sehr auch ich von der Hilfe vieler wunderbarer Frauen profitierte. Ich erinnere mich ganz besonders an ein paar Situationen. Da war Miriam, die meinen ersten Rückbildungskurs nach Jimmys Geburt leitete. Sie hatte lange Dreadlocks und weite Pluderhosen und ich erwartete, dass sie wie gewohnt das Lied vom Stillen und Dauertragen des Säuglings singen würde. Ich war zu diesem Zeitpunkt völlig fertig von meinem neuen Leben. Das Baby schrie, ich tat nichts anderes als es zu stillen und herum zu tragen, wie ich es in den Vorbereitungskursen gelernt hatte. Aber Miriam sagte etwas, das mich überraschte und zu Tränen rührte. „Wisst ihr was, ihr leistet so viel mit den Babys. Ihr seid sicher völlig fertig, müde und genervt vom Zuhause bleiben. Macht es doch so: Pumpt einmal die Woche Milch ab oder kauft euch Milchpulver im Drogeriemarkt, drückt Baby und Flasche eurem Mann in die Hand und geht für zwei Stunden raus. Ihr braucht den Abstand!“

Quelle: Pampers.de

Ohne Hebamme völlig verunsichert

Ich hätte Miri in den Arm fallen können, weil sie so viel Last von mir nahm. Sie wusste, dass die erste Zeit mit Baby nicht immer nur rosig ist, sie ahnte, dass Mamas manchmal am liebsten wieder alleine sein wollen und sie hatte kein Problem damit, dem Baby ein Fläschchen zu geben. Weißt du, heute hätte ich damit sowieso kein Problem. Aber damals war ich völlig verunsichert und dachte, einfach mal das Haus zu verlassen, das würde eine gute Mutter nicht tun. Diesen scheinbar unbedeutenden Moment, diese Worte von Miri in diesem Kurs am Mittwochmorgen, das werde ich nie vergessen.

Wie mir Hebammen bei der Geburt halfen

Und es gab noch so viele Momente mehr. Bei der Geburt meiner Tochter hatte ich den Luxus, dass mich eine erfahrene Hebamme und eine Hebamme in Ausbildung begleiteten. Sie waren so lieb und ruhig, alle beide. Sie trösteten mich und machten mir Mut, dass ich das schon alles schaffen würde. Sie ließen Wasser für ein warmes Bad ein, sie machten Scherze mit Anton und streichelten mir über den Kopf, wenn ich das Gefühl hatte, es wäre nun aber genug mit diesen ätzenden Wehen.

Besonders in Erinnerung blieb mir diese zauberhafte sanfte Frau, Anja hieß sie, die meine dritte Geburt begleitete. Sie wusste, dass ich Erfahrungen hatte und nicht allzu viel Hilfe während der ersten Stunden brauchen würde. Sie ließ mich lange alles so machen, wie ich wollte. Sie war wie ein Engel, der die ganze Zeit über mir schwebte, aber mich in Ruhe ließ. Am Ende habe ich ihre Hilfe dann wieder sehr nötig gebraucht. Bei allen drei Geburten habe ich in den heißen Phasen Anton vergessen und mich wie eine verzweifelte Wahnsinnige an die Hebamme gewandt. Trotz schrecklicher Schmerzen konnte ich jedes Mal auf ihr Namensschild blicken und sie um Hilfe anflehen. Alle drei Hebammen haben jedes Mal gewusst, dass ich das schaffen würde und haben meine Hand gehalten, mir Mut zugerufen oder mich beruhigt. Ohne Anton im Hintergrund und ohne sie hätte ich nicht so stark sein können, das weiß ich genau.

Quelle: Pampers.de

Danke an alle Hebammen

Das emotionale Video von Pampers lässt diese Momente noch einmal aufleben, geht dir das auch so? Ich fühle mich sofort zurückversetzt in den Moment der Geburt und weiß genau, wie dankbar ich den Hebammen für ihre Hilfe sein kann. Hebammen sind da, um uns Mut zu machen und uns Frauen zu unterstützen. Wenn wir Angst haben vor dem, was kommt. Wenn wir tausend Fragen stellen, weil wir eine Geburt noch nie erlebt haben. Wenn wir nicht mehr können im Wochenbett und nur noch heulen. Und während der Geburt, wenn sie sich im richtigen Zeitpunkt zurückziehen und dann wieder da sind, um unsere Hand zu halten. Ohne Hebamme wäre ich alleine gewesen, schutz- und hilflos. Dafür möchte ich Danke sagen!

Und deine Erlebnisse?

Ging dir das mit deinen Hebammen genauso? Hattest du bestimmte Momente, in denen sie dir besonders viel Kraft gegeben haben? Und fühlst du dich auch an deine eigenen Geburtserfahrungen erinnert, wenn du das Video siehst? Was dabei zu bedenken ist: Hebammen haben es nicht einfach. Vor allem die teueren Versicherungen machen vielen von ihnen Sorgen und so manche kann deshalb ihren Beruf nicht mehr wie gewünscht ausüben. Aber was machen wir nur, wenn uns Hebammen nicht mehr begleiten? Ich freue mich auf eine Diskussion mit dir und bin gespannt auf deine Erfahrungen.

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Quelle: Pampers.de

Mütter in der Zerreißprobe, zweiter Teil

Mütter in der Zerreißprobe, so hieß mein Text, den ich im Dezember letzten Jahres veröffentlicht habe. Darin ging es um die Zerrissenheit, die viele von uns schlaucht. Grund für meine Gedanken waren viele Freundinnen, die bei mir am Tisch saßen. Beim Kaffee trinken erzählten sie von zuhause und berichteten alles das gleiche: Die viele Arbeit im Haushalt und mit den noch kleinen Kindern, die Doppelbelastung mit dem Job und die Abwesenheit der Männer quälte sie.

Die Generationen vor uns

Ich recherchierte und stieß auf eine WDR-Reportage, die diese Zerrissenheit beschrieb und ein paar Erklärungen lieferte. Wir Frauen waren ein bis zwei Generationen früher in einer anderen Situation. Es war normal zu heiraten, Kinder zu bekommen und den Haushalt zu führen. Es war kein entspannteres Leben, denn Haushalt und Kids waren und sind ein Fulltime-Job. Aber Frauen haben von ihren Müttern gelernt, das als gegeben hinzunehmen. Noch meine eigene Oma hätte niemals meinen Opa dazu aufgefordert, ihr bei der Wäsche zu helfen. Ohne zu murren hat sie geschuftet, meinen Opa mittags und abends bekocht und dafür gesorgt, dass er nach der Arbeit seine Ruhe hatte. Sie hat ihr Leben nie in Frage gestellt und wusste auch, dass ihr Mann sich niemals trennen würde. Ob das jetzt rosige Aussichten sind, ist Ansichtssache. Aber ein wenig Sicherheit hat sie immerhin genossen.

Die Mütter-Generation danach war schon ein wenig selbstbestimmter, dennoch haben in Westdeutschland der Großteil der Frauen nach der Geburt der Kinder nicht gearbeitet. Sie waren zuhause, haben sich um Haushalt und Nachwuchs gekümmert und hatten vor allem dann Glück, wenn die Ehe hielt und sie von der Rente ihres Mannes leben konnten. Scheidungen gab es zwar nun öfter, aber immerhin konnten die Frauen vom Unterhaltsgesetz profitieren, ein Tropfen auf den heißen Stein.

Heute ist alles besser? Pustekuchen!

Wir Frauen heute leben anders. Einerseits geht es uns besser, denn wir haben viel mehr Freiheiten. Wir können Kinder bekommen und dann wieder halbtags arbeiten, wir können zuhause bleiben oder wir können ganztags arbeiten, theoretisch. Andererseits sieht alles ganz anders aus. Denn wenn wir Kinder bekommen und halbtags arbeiten, haben wir den Job unserer Mütter und Großmütter an der Backe UND noch einen Arbeitgeber, der Anwesenheit und Leistung fordert. Kein Wunder, dass wir ausgebrannt sind. Denn wer sich dieses Modell schön redet sagt, dass wir beides haben, Beruf und Kinder. In Wahrheit strampeln wir uns ab, zerreissen uns zwischen Kindererziehung und Karriere. Verdienen immer noch zu wenig und haben mit dem Halbtagsjob kaum Aufstiegsmöglichkeiten, weil in Deutschland gilt: Karriere macht nur, wer ganztags arbeitet und alles gibt, inklusive Überstunden. Also macht das wenn überhaupt der Vater, und das oft auf Kosten der Mutter. Sie darf sich zuhause und im Büro abrackern, kann alles immer nur „halbfertig“ machen und muss hinnehmen, dass der Mann spät nach Hause kommt oder im Ausland verweilt. Sie lebt das Leben unserer Großmütter, hat aber oben drauf noch die Pflicht, zum Einkommen dazu zu verdienen. Außerdem darf sie sich berechtige Sorgen darum machen was passiert, wenn die Beziehung nicht halten sollte. Ein Unterhaltsgesetz gibt es längst nicht mehr.

Wenn wir ganz zuhause bei den Kindern bleiben, haben wir diese Doppelbelastung nicht. Aber es ist ein großes finanzielles Risiko, wenn wir uns nicht absichern. Unsere Rente wird ein Lacher sein, wenn der Partner sich trennt oder ihm etwas passiert, denn dann stehen die Frauen schlecht da. Wenn eine Scheidung droht, gibt es keinen Unterhalt mehr, der unseren Müttern im Fall der Fälle noch ein wenig Geld in die Kasse spülte. Wer von den Frauen sichert sich für diesen Fall ordentlich ab? Ich vermute, es ist nur ein kleiner Teil, denn wir vertrauen ja gerne darauf, dass die Liebe hält. Eheverträge und Lebensversicherungen sind uns einfach zu unromantisch.

Wenn wir ganztags arbeiten und Kinder haben, haben wir auch Probleme an der Backe. Denn irgendwer muss sich ja um Kinder und Haushalt kümmern. Immer noch machen viel zu wenig Väter diesen Job, der nicht bezahlt und in der Gesellschaft schlecht anerkannt wird. Auch Vätern sitzt das Erbe im Nacken, das besagt, dass der Mann für das Geld zu sorgen hat. Schwingt er den Putzlappen, ist er ein Lappen, so lautet die befürchtete Resonanz von Freunden und Familie. Denn Vorbilder gibt es einfach (noch) nicht.

Schlechte Aussichten

Irgendwie sind all diese Möglichkeiten nicht so doll, oder? Und ich habe den Eindruck, dass Mütter oft die Leidtragendsten sind. Das spürte ich damals auch bei den Gesprächen mit meinen Freundinnen. Ich spürte auch, dass Frauen schnell unter Druck geraten. Es ist heute dank Sportkursen und Ernährungsratgebern möglich, nach einer Geburt schnell wieder schlank zu sein. Es ist auch möglich, mit Hilfe von Youtube-Videos Motivtorten zu backen und Stoffwindeln selbst zu nähen. Mütter können Sport treiben, sich bilden, kreativ  und nebenbei eine tolle Partnerin sein. Männer freuen sich, dass sie so eine vielseitige Frau haben, die nicht wie ihre Großmütter einzig und allein grübelte, wie sie den Fleck aus dem Hemd bekommen sollte. Nein, die Frau von heute macht den Haushalt UND bildet sich weiter, sie macht die Wäsche UND einen interessanten Job, sie ist eine liebevolle Mutter UND eine attraktive Partnerin.

Kein Wunder, dass so manche Frau nicht mehr kann. Denn leider gibt es da noch ein Problem, an dem wir Frauen nicht ganz schuldlos sind. Denk noch einmal an unsere Großmütter. Die waren ausschließlich zuständig für Haushalt und Co. Die haben sich nicht beschwert, sich ihrem Schicksal gefügt und haben das ja so von ihrer Mutter gelernt. Diese Einstellung haben sie natürlich an ihre Töchter weitergegeben, weil das nicht ausbleibt. Unsere Mütter waren emanzipierter, aber die Verpflichtung, immer für die Familie da zu sein, lässt sich nicht so eben abschütteln. Haushalt ist Frauensache, Kinder erziehen auch. Wusstest du, dass diese Auffassung nur in Deutschland so verbreitet ist? Aber in uns steckt sie auch immer noch fest. Hast du schonmal beim Einkauf mit Unbehagen daran gedacht, wie dein Partnern das mit den Kids und der nassen Wäsche wohl hinkriegen wird, obwohl er es am Ende ohne Probleme gewuppt hat? Siehst du!

Meine Mädels schon wieder

Meine Freundin Miri, die drei Tage die Woche ganztags arbeitet, erzählt, dass sie gegenüber ihren zwei kleinen Jungs ein schlechtes Gewissen hat. „Wieso?“, frage ich, „ihr Papa passt doch nachmittags auf sie auf!“ Meine Freundin kann schlecht loslassen, auch weil einer der Jungs so sehr an ihr hängt. Dabei ist der Papa da, macht seine Sache primosa und das Weinen nach Mama hört auch immer auf, sobald sie aus dem Haus ist.

Meine Freundin Barbara ist froh, einen modernen Mann zu haben. Für ihn ist selbstverständlich, dass er auch nach dem Büro anpackt, denn Wäsche und Klo putzen ist auch seine Sache. Und am Freitagnachmittag macht er den Hausputz, während sie länger im Büro bleibt. „Irgendwie saugt er nicht richtig!“ sagt Barbara, und sie findet, dass das Klo nicht blinkt, wenn er die Bürste schwingt. Max meint es gut, aber er ist nicht gründlich genug, lautet ihr Fazit. Und dann, Barbara, sei mir nicht böse, aber dann könnte ich manchmal meinen Kopf in den Sand stecken.

Frauen, packt das Problem bei den Hörnern

Wir Frauen haben es heute schwer, das finde ich wirklich. Aber wir Frauen müssen auch mithelfen, dass sich daran etwas ändert. Das beudetet auch, dass wir an uns arbeiten müssen. In uns steckt noch das Erbe unserer Großmütter, dafür können wir nichts. Aber indem wir uns das bewusst machen, können wir gemeinsam daran arbeiten, dieses Erbe abzuschütteln.

Wir können als Frauen zuhause bei den Kindern bleiben, wenn das unsere freie Entscheidung ist und nicht darauf basiert, dass wir uns dazu verpflichtet fühlen. Wir können uns finanziell absichern und Vorkehrungen treffen, um im Not- oder Scheidungsfall nicht verarmen zu müssen. Sophie und ich starten dazu gerade das Projekt „Mamas und Moneten“, um dir dabei behilflich zu sein. Wir können aber auch Vollzeit zurückkehren in den Job und dem Partner zuhause das Steuer übergeben. Alles, was wir dafür brauchen ist Vertrauen in die Männer und die Einsicht, dass ein krümeliger Küchenboden und ein schlafendes Baby in Papas Armen eine ganz wunderbare und attraktive Alternative sein kann.

Wir können uns Job und Haushalt, Kinder und Küche mit unserem Partner teilen, um uns zu entlasten und Männern endlich mehr Zeit mit ihren Kindern zu schenken. Wir können es von unseren Männern stärker einfordern und miteinander einen Plan aushecken, wie das gehen könnte. Wir dürfen nur nicht untätig sein und uns nur in unserem Elend suhlen, denn so schaffen wir es niemals raus aus der Ungleichberechtigung.

Was möchte ich dir hier mit diesem Text nun sagen? Ich möchte dir vor allem sagen, dass es unmöglich ist, alles zu schaffen. Wir machen uns fertig, wenn wir Kinder liebevoll erziehen, einen Job erfolgreich und den Haushalt ordentlich machen wollen. Nebenbei gut aussehen, die Torten fürs Kindergartenbuffet selber backen und für Familie und Freunde immer ein offenes Ohr haben. Also müssen wir Frauen in uns hinein hören und erkennen, was uns wichtig ist, dann die Prioritäten setzen und gemeinsam mit der Familie Kompromisse schließen.

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Auf Instagram diskutieren wir morgens in der Müttersprechstunde über verschiedene spannende Themen, auch über das Thema finanzielle Vorsorge. Es geht aber auch um Erziehung und Co, Pausen im Mama-Alltag und viele andere spannende Dinge. Bist du dabei? Ich freu mich auf dich!

Frauen und Finanzen

Sophie vom Blog Kinder haben und glücklich leben hat neulich einen ersten Beitrag über ihre Finanzplanung gebracht, dem weitere folgen sollen. Sie hat erzählt, dass sie sich endlich mal mit dem Thema Geld auseinander setzen möchte. Bisher hat sie sich davor gedrückt, nun aber wird sich das ändern, denn sie will langfristig Verantwortung für sich und die Familie übernehmen. Gehts dir da wie mir? Hast du dir auch noch nie so richtig Gedanken über die finanzielle Zukunft gemacht, etwa an deine Rente gedacht?  Sie schreibt, dass ihr Geld eigentlich nicht so wichtig ist. Unterschreibe ich gleich mit. Sie gibt aber auch zu bedenken, dass es da zwei Punkte gibt, die in diesem Zusammenhang für sie aber doch sehr  wichtig sind:

  1. Generelle finanzielle Sicherheit
  2. Meine persönliche finanzielle Unabhängigkeit

Sie schreibt: „Denn ganz so naiv, zu denken, dass mein aktuelles Leben als Teilzeit-Mutti schon nicht so schlimme Auswirkungen haben wird, ganz so blöd bin ich ja nicht. Und trotzdem habe ich bisher immer Ausreden gefunden, mich nicht mit meinen Finanzen zu beschäftigen.“

Wie recht sie hat…

Ich habe mich in Sophies Text so gut wiedererkannt und war beeindruckt, wie sie nun an die Sache rangeht. Daher habe ich ihr gleich geschrieben und wir werden da nun eine gemeinsames Projekt draus machen. Ziel ist es nicht nur, in unsere eigenen Finanzen etwas Ordnung reinzubringen, sondern auch dir ein paar Tipps zu geben. Denn ich möchte mal provokativ formulieren, dass sehr viele Frauen (ich eingeschlossen) tatsächlich viel zu naiv an die Sache rangehen. Sie heiraten und machen sich dabei Gedanken um Tischdeko und Kleid, nicht aber um das liebe Geld. Zugewinnausgleich, Unterhalt und Erbrecht sind halt nicht die Highlights, die wir uns aus einer Ehe versprechen. Wenn dann aber was schief geht, haben wir keine Ahnung und gucken dumm aus der Wäsche (hallo Laura, ja, genau, du bist gemeint!) Schwierig wird es aber auch für die Eltern, die nicht verheiratet sind und keinen Partnervetrag gemacht haben.

Die Ehe hält. Was, wenn nicht?

Natürlich bleiben Anton und ich für immer zusammen, ist ja klar. Aber die Scheidungsraten und eventuelle Schicksalsschläge sprechen dafür, sich zumindest mal mit dem Risiko auseinander zu setzen. „Auf das Beste hoffen, auf das Schlechteste vorbereitet sein“, das Zitat stammt aus dem Buch „Ein Mann ist keine Altersvorsorge“ (Affiliate Link) von Helma Sick und Renate Schmidt und fasst ganz gut zusammen, wie ich die Sache angehen möchte.

Zurück zu Sophie! Sie schreibt:

„Ich könnte jetzt also weiter dabei zusehen, wie mein geliebter Gatte als Angestellter bequem in die gesetzliche Rente und in eine betriebliche Altersvorsorge einzahlt und nebenbei noch eine stattliche Summe riestert, während ich als Selbstständige von der Hand in den Mund lebe. Ich kann aber auch einfach endlich dafür sorgen, dass wir uns finanziell fairer aufstellen und von unserem gemeinsamen Geld auch für mein Alter vorsorgen.“

Miese Mütter-Rente

Ganz schön gruselig, denn manchmal denke ich, Sophie schreibt über mich. Auch mein geliebter Gatte arbeitet seit acht Jahren Vollzeit, zahlt in seine gesetzliche Rente ein und wir riestern auch beide. Er natürlich viel mehr als ich, denn ich bin wie Sophie selbstständig, habe nach der Geburt der Kinder ein Jahr Elternzeit genommen und die restlichen Jahre halbtags gearbeitet. So wie es aussieht, werden wir damit den gesellschaftlichen Schnitt stärken, der besagt: Frauen verfügen im Alter durchschnittlich über eine Rente von 576 Euro, Männer dagegen über 994 Euro (westdeutsche Bundesländer, Quelle: Doku „Frauen in der Rentenfalle“).

Sophie jedenfalls steigt jetzt voll in das Thema ein und erklärt ihre Ziele:

  • sie möchte einen Notgroschen anlegen
  • für die eigene Rente sorgen
  • sie möchte finanzielle Freiheit, das bedeutet, dass sie und ihr Mann nicht 40 h arbeiten wollen
  • für die Kinder vorsorgen
  • nachhaltig konsumieren und sich mal was Schönes leisten
  • Geld für Urlaub sparen

Meine Pläne

Und jetzt zu mir. Ich finde es nicht ganz einfach, hier so viel über unsere Finanzen preiszugeben. Aber indem Sophie und ich darüber berichten, stoßen wir vielleicht viele unserer LeserInnen zum Nachdenken an. Denn ich bin mir sicher, dass viele von ihnen genau wie wir bisher ein wenig blauäugig durchs Leben gegangen sind.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

An meine Rente habe ich noch keinen Gedanken verschwendet (ich, die Sorglose), allerdings denke ich viel darüber nach, wie Anton und ich es besser schaffen können, Familie und Beruf zu vereinbaren. Mein großer Traum ist, dass wir beide in naher Zukunft, wenn alle Kinder in der Schule sind, 75% arbeiten und uns Haushalt und Job teilen. Um solche Pläne schmieden zu können, müssen wir uns aber um unsere Finanzen kümmern. Können wir uns das leisten? Wie hoch muss unser monatliches gemeinsames Einkommen sein? Wie hoch sind unser fixen Ausgaben, wie hoch ist unser Notgroschen? Daher möchte ich mich nun mit Anton zusammensetzen und eine genaue Aufstellung machen. Wo können wir sparen, was brauchen wir dringend? Was bleibt unterm Strich für uns und was sind wir bereit, an Materiellem einzusparen, um mehr Zeit für uns zu haben?

Rente

Mein erster Gedanke war die Deutsche Rentenversicherung. Bisher war das für mich ein Verein, der mir ab und zu Briefe schrieb, die ich ordentlich abgeheftet habe, ohne sie richtig zu lesen. Das soll sich ändern. Ich werde mich mit der gesetzlichen Rentenversicherung auseinandersetzen und habe für Oktober einen Termin vereinbart. Hier möchte ich mich beraten lassen. Wie hoch wird meine Rente voraussichtlich sein, wenn ich weitermache wie bisher? Was hat es mich gekostet, in Elternzeit zu gehen und danach halb- anstatt ganztags zu arbeiten? Und dann werde ich mit Anton einen Plan aushecken, wie wir meine Rentenlücke auffüllen. Sparen wir und zahlen was für mich ein? Sorgen wir noch privat vor? Wir haben einen Wohnriestervertrag, den ich bisher sehr stiefmütterlich behandelt habe. Ehrlich gesagt war ich auch immer zu bequem, mich mit dieser Thematik zu befassen. Was mir die Bankberater erzählt haben, habe ich auch nur so halb verstanden. Also arbeite ich mich gemeinsam mit Sophie auch mal in diese Sache ein.

Lebensversicherung

Was passiert denn, wenn einem von uns was passiert? Wenn einer alleine mit den Kindern dasteht, ist das schon schlimm genug. Wenn dann auch noch das Geld knapp wird, ist es doppelt grausam. Wie könnten wir für den Fall Vorkehrungen treffen, der hoffentlich NIEMALS eintritt?

Und nun möchte ich dich einladen, mitzumachen. Sophie und ich werden all unsere Recherche und die neuen Infos hier verbloggen, damit viele Frauen (und Männder) davon profitieren können. Vor allem aber möchte ich dich anregen, wie es Sophie bei mir und vielen anderen getan hat. Wir sollten vor allem im Sinne der Gleichberechtigung unseren Mut zusammennehmen und uns den Dingen stellen. Das größte Armutsrisiko in Deutschland ist, eine Frau zu sein, wusstest du das? Frauen sind im Alter oft arm, Tendenz steigend.

In Deutschland läuft etwas schief

Im Übrigen gibt es auch viele gesellschaftliche und politische Ungerechtigkeiten. Auch darüber sollten wir uns informieren und dagegen angehen. Die von mir sehr bewunderte Rita Süßmuth sagte in der Reportage „Frauen in der Rentenfalle“: Frauen, seid ungeduldig!

Diese Reportage möchte ich dir im Übrigen sehr ans Herz legen: schau sie dir an, trink am besten dazu einen guten Schluck, denn der Inhalt ist sehr schockierend. Wenn du mehr über das olle, veraltete und blöde System des Ehegattensplittings lesen möchtest, das laut Renate Schmidt und Rita Süßmuth nur noch besteht, weil ein männliches und konservatives Bollwerk in der Politik darauf besteht, schau mal auf den Text der genialen Juramama.

So ein Quatsch,  das Ehegattensplitting

Wusstest du zum Beispiel, dass dir der deutsche Staat mit dem Ehegattensplitting aus ökonomischer Sicht ans Herz legt, möglichst viel weniger als dein Mann zu verdienen (wir können das natürlich auch geschlechtlich umkehren), weil sich das steuerlich richtig dolle rechnet? Wenn ihr euch aber scheiden lasst, sagt dir der Deutsche Staat: Ätschbätsch, leider gibt es seit neuestem kein lebenslanges Unterhaltsrecht mehr. Hättest du mal lieber vorgesorgt und dich um einen anständigen Job gekümmert? Ja gehts denn noch? Wie passt das denn zusammen? Renate Schmidt erklärt dir jedenfalls in der Reportage sehr genau, wie sehr das alles auf den Köpfen der Frauen ausgetragen wird.

Ich freue mich, wenn du dabei bist. Egal, ob du voll oder halbtags arbeitest oder aber zuhause bei den Kindern bist. Wir sind noch jung genug, um das Steuer rumzureißen und dem Tiger ins Auge zu sehen. Raus aus der (teilweise) selbst verschuldeten Unmündigkeit und rein in die Thematik. Sophie und ich nehmen dich mit, sodass wir am Ende den Finanz-Ordner zufrieden schließen können, weil wir ein wichtiges Thema abgehakt haben. Ich bin sehr für Feminismus, denn ich möchte vor allem, dass meine Tochter später mal die gleichen Rechte (aber auch Pflichten) hat, wie ihr Mann.

In eigener Sache: ich möchte eines klar stellen, weil mir hier ab und zu vorgeworfen wird, ich propagiere hier mein Lebensmodell, also als Mutter arbeiten zu gehen: eine Frau, die sich bewusst dafür entscheidet, zuhause bei den Kindern zu bleiben, sich aber gleichzeitig um die Finanzen kümmert und sich Verluste in der Rente von ihrem Partner ausgleichen lässt, ist allemal ein Stück weiter und in meinen Augen mehr Feministin als eine Mutter, die viel arbeitet, aber sich vor dem Thema Finanzen und Rente drückt. Also, ran an die Moneten.

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Du möchtest zum Thema lesen? Dann empfehle ich dir das Buch „Ein Mann ist keine Altersvorsorge“ (Affiliate Link) von Helma Sick und Renate Schmidt. Außerdem spannend ist die Seite von der Geldfrau (Werbung, da Verlinkung), die wir demnächst interviewen werden. Und auch Madame Moneypenny (Werbung, da Verlinkung) beschäftigt sich mit dem Thema Frauen&Finanzen.

Und auf meinem Instagram-Kanal diskutieren wir gemeinsam in den Live-Storys. Ich freu mich, dich dort wiederzutreffen.