Reim dich, oder ich fress dich!

Jimmy empfiehlt

 
Schläft ein Lied in allen Dingen
die da träumen fort und fort,
und die Welt hebt an zu singen,
triffst du nur das Zauberwort.

Dichtete Joseph von Eichendorff. Auch wir entdecken immer wieder den Zauber der Dichtung, wenn auch nicht gerade in Eichendorff-Gedichten. Bei uns klingt das eher nach „Eene meene Mopel, wer isst Popel“ oder „Luise pischert in die Wiese“. Jedenfalls sind Kinder mit Reimen leicht zu gewinnen und „Stinkefisch, wer deckt den Tisch“ überzeugt auch den unwilligsten kleinen Mitbewohner.

Auch bei Büchern beobachte ich immer wieder, wie gut Reime bei Jimmy und Luise ankommen. James Krüss liegt da ganz weit vorne. Wir lieben ihn besonders, seit Jimmy sich unsterblich in die Stadtbahn U14 von Remseck nach Heslach verliebte, und Oma Maria ihm Die ganz besonders nette Straßenbahn (Mini) mitbrachte. Wie durch ein Wunder ist dann auch noch die Rede von den Bremer Stadtmusikanten, Jimmys zweitem Lieblingsmärchen, als hätte der Autor das Büchlein für ihn geschrieben.

James Krüss reimt ja nicht nur platt daher, sondern hat einen ganz besonderen Rhythmus in den Versen, die mich immer wieder zum Lachen bringen:

Die Straßenbahn fuhr weiter fort
Sie wollte ja zum Wald.
Doch plötzlich stand ein Kätzchen da 
und rief miau und halt.

Die Kinder sind einfach fasziniert von den Reim-Geschichten, das dürften viele Eltern seit der Lektüre des Grüffelo bestätigen. Also wurde das Straßenbahn-Bilderbuch in unser Lieblings-Repertoire aufgenommen.

Wir gehen wöchentlich in die Bücherei, die in unserem Ort eine richtige Schatzkiste ist. Mit den neuesten und schönsten Medien ausgestattet, ist es dort nicht nur gemütlich, sondern der Besuch auch eine Wohltat für mich, wenn mal wieder die Nerven blank liegen. Bei akuter Mutter-Tobsuchts-Gefahr machen wir also schnell einen Ausflug und jedes Kind darf sich ne Runde Bilderbücher aussuchen. Dabei stieß Jimmy auf einen weiteren Krüss: 3 x 3 an einem Tag: Ein Bilderbuch für alle, die bis drei zählen können. Für Kinder wie Jimmy, die Zahlen mehr lieben als Fußball und Schwerter, ein Volltreffer. Also wird an den kommenden Tagen dieser neue Fund durchgenudelt, bis Mama und Papa es auswendig aufsagen können:

Da rannten drei Füchse ins Mausehaus
Da sprangen drei Katzen vor Schreck hinaus.
Da lachten von ferne drei Mäuschen.

Ist das nicht reizend? Und im Gegensatz zu „Oh yes, oh no, a Grüffelo“ kommt es mir auch niemals zu den Ohren raus. Also, dieses Buch ist eine echte Empfehlung von Jimmy und Martha an alle Kinder da draußen! Es ist äußerst elterntauglich und besonders ehrgeizige Mamas können ihren Kinden anhand der Verse schonmal Reimschema und rhetorsiche Mittel nahe bringen. So macht man das heute in Zeiten von Nachhilfeunterricht in der Grundschule und G8-Verpflichtung für alle.

Empfehlung Nummer drei kam auf eine ganz andere Weise in unser Haus. Seit einem Jahr bin ich großer Fan von Irens Blog Fairybread und habe spontan bei einem kleinen Gewinnspiel mitgemacht. Sie verloste vier Exemplare des neuen Papa-Moll-Buchs Papa Moll findet neue Freundeund tata: wir waren eine der glücklichen Gewinner. Das Besondere an diesem Buch: Papa Moll trifft mit seiner Familie bei einem Ausflug in die Berge auf eine tolle Truppe: fröhliche Menschen mit Behinderung. Nach einem kleinen, von ihm verschuldeten Unfall hilft er in deren Wohngruppe aus und erlebt mit den sympathischen Bewohnern lustige Abenteuer. Natürlich in bewährten mollschen Versen. Ich selbst habe die Bücher schon als Kind geliebt, und bin immer wieder fasziniert, wie phantasievoll die Reime gesetzt sind:

Schnurrend schmiegt `ne Katze sich
an Molls Beine inniglich.
Tschips erstaunt ihr Freundverhalten,
da sonst Katzen Abstand halten.

Ich selbst kann nach der Lektüre von bis zu 15 Geschichten nacheinander selbst nur noch so reden:

Der Jimmy packt jetzt auch ganz fix
die Spielsachen weg, sonst gibt es nix
im Fernsehen heut anzuschauen.
Wer wird denn da Luischen haun?

Dieses Büchlein ist zum einen wegen der lieblichen Strophen zu empfehlen. Selbst Luise, die mit ihren knapp zwei Jahren noch keine langen Geschichten versteht, hat Spaß an dieser Art von Texten. Zum anderen halte ich es für eine phantastische Idee, dass Kinder und Erwachsene mit Behinderung Eingang in Kinderliteratur finden. Mir ist es wichtig, Jimmy und Luise beizubringen, dass es ganz verschiedene Menschen auf der Welt gibt. Sie haben unterschiedliche Hautfarben, sind Christen, Moslems oder Juden, lieben das andere oder das gleiche Geschlecht, sind gesund oder krank. Und auch Behinderung spielt eine Rolle. Jimmy soll wissen, dass manche Kinder nicht laufen können, oder nicht so schnell rechnen wie er. Dafür können sie vielleicht besonders toll erzählen, strahlen eine außergewöhnliche Fröhlichkeit aus oder können ganz famos Klavier spielen, wie die kleine Calista, die ich so in mein Herz geschlossen habe.

Also, beim nächsten Bücherkauf:

Immer schön an die Verse denken, und stets gedichtete Bücher schenken.
Denn auf Reime hören Kinder gerne, das rate ich euch aus der Ferne!

Pia Laura Froehlich

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.