Der große Katzenjammer

Die erste Arbeitswoche in diesem Jahr ist fast geschafft, und ich schaue auf einen holprigen Start zurück. Am vergangenen Montag ging es für alle wieder los: Anton ging ins Büro, die Kinder in den Kindergarten und ich saß wieder am Schreibtisch. Es fühlte sich für alle ein bisschen wie der Morgen nach einer durchtanzten Nacht mit verschiedenen Mixgetränken an: wir waren hundemüde, die Stimmung war im Keller und die Lust zu arbeiten hielt sich nach den 10 Tage Ferien in Grenzen.

Ich mag sie nicht, diese Sonntagabende. Vor allem nicht die im neuen Jahr. Vorbei ist das Wochenende, vorbei die schöne Ferienzeit. Die Adventskalender sind leer, der Tannenbaum nadelt, das Wetter ist kalt und grau und aufs Skifahren kann ich mich leider in diesem Jahr auch nicht freuen. Und den Kindern geht es nicht anders. Zu schön war es für Jimmy, jeden Tag auszuschlafen, mit den Weihnachtsgeschenken zu spielen und die Tante eine Woche da zu haben. Auch Luise ist wehmütig und schläft in der Nacht von Sonntag auf Montag ganz besonders schlecht. Wacht sie sonst „nur“ zwei bis drei Mal pro Nacht auf, waren es jetzt ungefähr 10 Mal. Anton und ich bekommen morgens kaum die Augen auf und schalten den Wecker erst einmal wieder ab. Es ist dunkel und kalt in der Küche, wir sind spät dran, Luise heult nach warmer Milch und Jimmy kommt überhaupt nicht aus dem Bett. Ich brauche 20 Minuten, um ihn wach zu kriegen und er schreit entsetzt auf, als ihm bewusst wird, dass der Kindergarten los geht. Eigentlich gehen beide Kinder sehr gerne hin. Aber nach den Ferien ist es einfach immer schwierig, sich von zuhause zu trennen.

Nach der ersten Stunde des Tages möchte ich mir auf die Schulter klopfen. Das war ein hartes Stück Arbeit. Beide Kinder stehen in Jacke und Mütze bereit zur Abfahrt. Ich kann Jimmy gerade noch so überreden, seine Weihnachtsgeschenke zuhause zu lassen (Tischkicker und riesiger Holzkalender). Sein Glücksstein aber muss mit. Luise steckt ein weißes Plüschbärchen ein. Ihr neues Pferdchen mit dem Namen „Josefkind“ bleibt im Bett. Im Kindergarten angekommen kann ich zwei weinende Kinder kaum von mir lösen. Die Kindergärtnerin unterstützt mich und flüstert mir noch eine Hiobsbotschaft zu: Jimmy ist heute der einzige in der Pinguingruppe. Alle anderen (es sind gerade nur vier) bleiben noch zuhause. Als ich mich draußen umdrehe, hängen zwei Tränengesichter am Fenster. Und mir ist auch zum Heulen. Wäre mein Schreibtisch nicht voller Arbeit und der Kalender nicht gefüllt mit Redaktionsschlüssen, würde ich sie glatt wieder mitnehmen.

Die Arbeit fällt mir schwer und ich denke darüber nach, Jimmy früher abzuholen. Wie gut, dass ich es nicht gemacht habe! Als ich zur regulären Abholzeit da bin, ich habe gerade mal so mein Auftragspensum am PC geschafft, strahlt mir ein glücklicher Jimmy entgegen. Sein bester Freund Moritz erschien doch noch und die Beiden haben in Ruhe stundenlang Lego gespielt. Auch Luise ist bester Laune und die Sorgen einer Mutter mal wieder für die Katz.

Wir gehen einkaufen und sind dann überraschenderweise zum Kaffee trinken bei Moritz eingeladen. Und der Nachmittag ist entspannt wie nie gedacht: Moritz hat einen Bruder in Luises Alter und die Kinder verschwinden in den Kinderzimmern. Moritz Mutter und ich trinken Kaffee und quatschen.

Einen Tiefpunkt hatten wir dann doch noch zu beklagen. Als beide Kinder angezogen und wir fertig zur Heimfahrt sind, ist der Glücksstein weg, den Jimmy seit heute morgen pausenlos mit sich rumschleppt. Mir wird heiß in meiner Winterjacke. Da Jimmy schon die Schuhe anhat, machen Moritz, seine Mama, sein Papa und ich uns auf die Suche und durchkämmen das dreistöckige Haus nach dem Stein. 20 Minuten später finde ich ihn im Kinderzimmerchaos und drücke ihn dem heulenden Kind in die Hand. Im Auto fällt Luise auf, dass auch das weiße Bärchen weg ist. „Oh nein, hattest du es beim Einkaufen dabei?“ frage ich sie. Luise nickt und ich notiere einen Programmpunkt für morgen: Zum Supermarkt fahren und Tier suchen, na toll. Mir graut vor dem ins Bett bringen. Leute, die keine Kinder haben, denken vielleicht, wir Eltern spinnen. Aber alle Betroffenen wissen, was ich meine, oder?

An diesem Abend bin ich mehr als geschafft, aber auch erleichtert. Der erste Arbeitstag des Jahres ist hinter uns gebracht und alles war halb so schlimm. Die meisten Probleme haben sich in Wohlgefallen aufgelöst. Luises Bärchen ist zwar bis heute weg, aber sie hat es nicht schwer genommen.

Und das habe ich an diesem Tag gelernt:

  • 75 % der Sorgen, die sich eine Mutter macht, sind unnötig
  • der Anfang ist immer nur halb so schlimm, wie befüchtet
  • alles findet sich, ob Stein oder Alltag

Allen Eltern, die diesen ersten Arbeitstag noch vor sich haben, wünsche ich viel Duchhaltevermögen, Optimismus und gute Nerven!

Pia Laura Froehlich

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