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Susanne Mierau: Geborgen wachsen

Ich habe ein zwiespältiges Verhältnis zu Erziehungsratgebern. Die ersten Jahre mit Kind habe ich nämlich die falschen gelesen und dann ist es sinnvoller, lieber kein Buch zum Thema Kind und Erziehung zur Hand zu nehmen und sich einfach nur auf die eigene Intuition zu verlassen. Aber genau mit diesem Thema setzen sich gute Bücher auseinander, und so ist es auch mit Susanne Mieraus Buch „Geborgen wachsen“. Die allseits bekannte und populäre Bloggerin hat ein wirklich feines Werk geschrieben, das mir total gefallen hat. Es dreht sich viel um den Attachment Parenting-Ansatz, der das Bedürfnis des Kindes und das der Eltern in den Vordergrund stellt. Mierau beschreibt, wie Bindung zu Beginn eines Menschenlebens entstehen kann. Ich habe darüber auch schon viel in den Büchern von Kinderarzt Renz-Polster gelesen: Bindung entsteht ganz einfach dadurch, dass das Baby merkt, dass die Eltern da sind. Sie halten es, trösten und versorgen ihr Kind. Wenn es ein Bedürfnis nach Nähe, Wärme und Geborgenheit hat, erfüllen sie es, indem sie es auf den Arm nehmen. So weiß es: Ich bin hier an einem guten Ort, an dem jemand für mich sorgt.

© Susanne Mierau: Geborgen wachsen, Kösel Verlag 2016, München
© Susanne Mierau: Geborgen wachsen, Kösel Verlag 2016, München

Im Laufe der Zeit wird das Baby größer, lernt sich fortzubewegen und möchte die Welt entdecken. Das klappt dann am besten, wenn es diese Bindung zu seinen Vertrauenspersonen hat. Uns geht es ja genauso. Mit einer ordentlichen Portion Vertrauen ins uns selbst, in die Menschen, die wir gern haben und in unsere Umwelt wagen wir große Schritte, trauen uns, etwas Schwieriges anzupacken, nehmen wir Herausforderungen an. Bei Kleinkindern ist es genauso.

Mierau fährt fort mit dem Thema „Geborgen gebären“ und erläutert im dritten Kapitel, wie Eltern die Signale ihres Babys verstehen und erkennen können. Der Leser erfährt, wie Bindung auch im Alltag entsteht, beispielsweise durch gemeinsames Essen, Schlafen oder die sorgsame Körperpflege. Und wer jetzt denkt, Mierau erhebt den Zeigefinger und hält eine Predigt darüber, dass Familienbett, dauerndes Tragen im Tuch und Stillen bis über das zweite Lebensjahr hinaus die einzigen Wege zum zufriedenen Kind sind, der hat sich zum Glück getäuscht. Klar, sie erläutert die vielen Vorteile dieser Möglichkeiten einer sehr bindungsorientierten Erziehung, aber im Vordergrund steht immer die Bedürfnisbefriedigung ALLER Familienmitglieder. Wenn sich also eine Mutter mit dem Tragen im Tuch nicht anfreunden kann, oder Eltern nicht gerne mit allen Kindern in einem Bett schlafen, dann ist das absolut ok. Und so widmet sich das letzte Kapitel auch dem Thema „Glückliche Eltern, glückliche Kinder“. Ihr müsst keine Supereltern sein, ihr braucht auch Zeit für euch, rät Mierau.

Es tut einfach gut, ihr Buch zu lesen. Es ist schön geschrieben, ich fühle mich als Mutter verstanden und finde eine Menge Inspiration darin. Schade, dass ich es nicht schon vor fünf Jahren nach Jimmys Geburt in den Händen hielt. Ich hätte womöglich mehr auf meine eigene Intuition gehört und mir folgendes Zitat zu Herzen genommen:

Besonders in der ersten Zeit entspannt es Eltern einfach, wenn das Baby entspannt ist. Und das Baby ist genau dann entspannt, wenn seinen persönlichen Bedürfnissen in fürsorglicher Weise entsprochen wird. Deswegen gilt: Ein „verwöhntes Baby“ verwöhnt auch die Eltern. Eines der Familienziele sollte daher immer sein, dass es allen gut geht. Jetzt und in Zukunft. Die Erfüllung von einzelnen Bedürfnissen ebnet dafür den Weg. (S. 125)

Susanne Mierau: Geborgen wachsen*. Wie Kinder glücklich groß werden, Kösel Verlag, München 2016, 16,99 Euro.

Eline Sel: Still sitzen wie ein Frosch

Ein wahrer Schatz ist auch Eline Sels Buch „Stillsitzen wie ein Frosch“. Das Buch widmet sich der Meditation für Kinder und ist wirklich ganz zauberhaft gemacht. Am spannendsten sind natürlich die Übungen auf CD. Noch nie habe ich so eine freundliche, angenehme Stimme gehört. Jimmy und ich haben es jedenfalls am ersten Abend direkt ausprobiert und die Einschlaf-Meditation gemacht. Sie geht nur ein paar Minütchen und wir erfahren, dass es ganz normal ist, dass uns abends im Bett viele Dinge durch den Kopf gehen. Dann üben wir, dass wir diese Gedanken einfach beobachten wie ein Film mit Untertiteln. Wir lassen sie vorbei ziehen, und nachdem wir das eine Weile gemacht haben, wandern wir vom Kopf in unseren Bauch. Da ist der Atem, und sonst nichts. Da ist es still und leise und wir konzentrieren uns einfach nur aufs Schnaufen, wie der Schwabe sagt.

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© Eline Sel: Still sitze wie ein Frosch, Goldmann Verlag, München 2013.

Mit diesen kleinen Übungseinheiten, die ihr zusammen mit Kindern ab ca. fünf Jahren machen könnt, lernt auch ihr ganz viel: es ist sinnvoll, hin und wieder im Laufe des Tages eine kleine Pause zu machen. In sich hinein zu hören, den Atem zu beobachten, spüren, wie es einem geht.

Kinder können ja eines  – im Moment leben. Und das können wir Erwachsene uns von ihnen abschauen. Aber auch Kinder sind manchmal zu aufgedreht, albern, müde, und dann schnell verzweifelt. Mit Meditationsübungen lernen sie, den Pause-Knopf zu drücken. Und das tut wahrscheinlich ganz besonders gestressten Schulkindern ganz schön gut. Das Schönste daran ist, dass ihr es zusammen lernen könnt. Mit der Meditation ist es ungefähr so: man kann die Wellen nicht aufhalten, aber man kann Surfen lernen. (S. 24)

Also, viel Spaß beim Wellenreiten und gemeinsamen Meditieren!

Eline Sel: Still sitzen wie ein Frosch*. Kinderleichte Meditation für Groß und Klein, Wilhelm Goldmann Verlag, München 2013, 12,99

Daniela Kulot: Munkeln im Dunkeln

Woanders übernachten ist für Kinder immer spannend. Und so auch für Luise. Nachdem sie lange nicht mehr bei Oma schlafen wollte, traut sie sich neuerdings wieder. Das erste Mal musste sie um halb neun abends wieder heim gefahren werden. Zu groß war das Heimweh, aber letztes Mal war es ein voller Erfolg. Kein Wunder also, dass „Munkeln im Dunkeln“ bei ihr sehr gut ankommt. In diesem schön bebilderten Kinderbuch übernachten Hermine Hase und Ringo Regenwurm bei Baldo Bär. Sie sind furchtbar aufgeregt, und genießen das gemeinsame Abendessen und Spielen sehr. Nach dem Zähneputzen geht es ins Bett und natürlich liest Papa Bär noch eine Geschichte vor. Als er dann das Licht ausknipst und das Zimmer verlässt, sehen die drei Freunde auf einmal etwas sehr Gruseliges….

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© Daniela Kulot, Munkeln im Dunkeln, Thienemann Verlag, Stuttgart 2016.

Woanders übernachten und sich im Dunkeln gruseln, das sind die richtigen Themen für Jimmy und Luise. Und deshalb lesen wir das Buch abends rauf und runter. Wer also auf der Suche nach einem schönen Kinderbuch ist, egal ob für die eigenen Kinder oder zum Verschenken, der findet mit Munkeln im Dunkeln* das richtige.

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© Daniela Kulot, Munkeln im Dunkeln, Thienemann Verlag, Stuttgart 2016

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Bücher für Kinder

Luise und Jimmy lesen beide sehr gerne. Das heißt, sie lieben es, wenn wir ihnen etwas vorlesen oder sie in Bilderbüchern stöbern können. Und so langsam wird auch das Vorlesen für mich spannender: Jimmy hört nun gerne richtig lange Geschichten. Da kommt Luise mit ihren knapp drei Jahren noch nicht so ganz mit, deshalb lesen wir noch für jedes Kind getrennt.

Luise ist im Michel-Fieber. Man könnte es auch als Michel-Wahn bezeichnen. So langsam kann ich „Michel in der Suppenschüssel“ nicht mehr hören, auch wenn Astrid Lindgren ein Evergreen ist. Aber Luise hört es nicht nur gerne, sondern schaut zur Zeit abends auch noch lieber das passende Filmchen anstelle vom Sandmännchen. Ihr Kinderzimmer wurde in „Tischlerschuppen“ umbenannt, sie reitet auf ihrem Pferdchen nach „Katthult“ und nennt sich selbst Ida. Jimmy ist Michel, Anton Alfred und ich bin nicht länger Mama, sondern Krösa Maja. Warum ich sie an das alte Hutzelweiblein erinnere, das immerzu petzt und auch sonst nicht gerade sympathisch rüber kommt, weiß ich leider nicht.

© Oetinger Verlag
Astrid Lindgren: Das große Bilderbuch von Michel aus Lönneberga, Oetinger Verlag 2005, Bildrechte © Oetinger Verlag

Jimmy ist nach der Hotzenplotz-Trilogie bei einem anderen Klassiker gelandet: Jim Knopf von Michael Ende. Wir lesen jeden Abend ein großes Kapitel und auch ich bin gespannt, denn so richtig kann ich mich selbst nicht mehr an die Handlung erinnern. Preußlers „Der kleine Wassermann“ stieß bei ihm nicht auf besondere Begeisterung – schade, den habe ich als Kind nämlich geliebt. Wir lesen diese Ausgabe vom Thienemann Verlag und haben auch den zweiten Band, „Jim Knopf und die Wilde 13“, im Regal:

© Thienemann Verlag
Michael Ende: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, Thienemann Verlag 2004, Bildrechte © Thienemann Verlag

Da Martha so ziemlich alles gut findet, was ihr Bruder macht, wird sie Michel ab und zu untreu und holt dann die Jim Knopf-Ausgabe für jüngere Kinder aus dem Regal. Hier sind die Geschichten stark verkürzt und mit vielen Bildern versehen, eben ein richtiges Bilderbuch:

© Thienemann Verlag
Michael Ende: Wie Jim Knopf nach Lummerland kam, Thienemann Verlag 2006, Bildrechte © Thienemann Verlag

Außerdem möchte ich euch ein weiteres Highlight vorstellen, das nicht eben zu den Klassikern gehört, sondern brandneu ist. „Die unglaubliche Geschichte von der Riesenbirne“ hat Jimmy und Luise gleichermaßen begeistert und ich habe es nicht weniger als 5 Mal vorgelesen, was bei 105 Seiten beachtlich ist. Seit ein paar Wochen darf ich bei dem Projekt von Bastei Lübbe, „von Familien empfohlen“, mitmachen.

© Bastei Lübbe
© Bastei Lübbe

Eltern bekommen verschiedene Bücher zugeschickt, dürfen sie mit ihren Kindern lesen und anschließend bewerten. Das Buch von der Riesenbirne erreichte uns eines mittags per Post. Dabei handelt es sich um ein stattliches und gebundenes Bilderbuch mit einer ganz außergewöhnlichen Optik. Auch der Inhalt ist besonders: Sebastian, ein kleiner Elefant, und sein Freund Mika, der Kater, machen sich in einer riesen Birne auf die Suche nach dem verschollenen Bürgermeister und erleben auf ihrer Fahrt über das Meer eine Menge Abenteuer. Jimmy hat auf Nachfrage meinerseits gesagt, dass ihm besonders die Bilder gefallen und die Tatsache, dass sich die bösen Piraten im Nachhinein als lieb herausstellten. Also, wenn ihr ein ganz besonderes Buch zum Vorlesen und Verschenken sucht, kommt hier unsere einstimmige Empfehlung:

Jakob Martin Strid: Die unglaubliche Geschichte von der Riesenbirne, Bastei Lübbe 2012, Bildrechte © Bastei Lübbe
Jakob Martin Strid: Die unglaubliche Geschichte von der Riesenbirne, Bastei Lübbe 2012, Bildrechte © Bastei Lübbe

Bücher für Mütter und Väter

Aber auch ich habe gelesen, und vor allem sehr viel gelacht. Zu Ostern bekam ich das Buch einer amerikanischen Eltern-Bloggerin geschenkt: „Babykacke riecht nach Rosinen“ von Jill Smokler. Ich habe mich in vielem wiedererkannt und über die Witze der lustigen Dreifach-Mama mehr als nur gekichert. Sie enttarnt hier viele Lügen über das Leben mit Kindern, etwa dass Muttersein die natürlichste Sache der Welt wäre oder dass zwei oder drei Kinder im Haushalt keinen Unterschied machten. Mich beruhigt es zu wissen, dass andere Mütter genau wie ich in geregelten Abständen Wutanfälle haben und das Bedürfnis verspüren, ihre Kinder „an die Wand zu klatschen“ (S. 42f), dass nicht nur ich meine, dass alle auf einer Schwangeren „herumhacken“ müssen (S. 71), niemand zu einer Mutter strenger ist als eine andere Mutter (ebd.) und dass auch andere Eltern nach einem Familienurlaub eigentlich einen Single-Urlaub benötigen. Darauf, was mir in Zukunft blüht, wurde ich in diesem Buch auch gleich vorbereitet:

„Die Dynamik des Übergangs von zwei zu drei Kindern ist ungefähr so, als würde man gerade bei herrlichem, wolkenlosem Wetter auf einer wunderschönen Jacht in Portofino anlegen und sich plötzlich auf der Titanic nach ihrem Zusammenstoß mit dem Eisberg wiederfinden.“

(S. 78)

Danke Jill, dass du die Lüge aufdeckst, das dritte Kind laufe so nebenbei. Jetzt bin ich vorbereitet und stähle mich nervlich in den nächsten vier Wochen. Ich finde, es müsste mehr Mütter wie dich geben. Solche, die sich selbst und ihre Erziehungsmethoden nicht so ernst nehmen, über sich und ihre Kinder lachen können und andere Frauen darin bestätigen, nicht Mrs. Perfect sein zu müssen!

Jill Smokler: Babykacke riecht nach Rosinen, Bastei Lübbe 2013, Bildrechte © Bastei Lübbe
Jill Smokler: Babykacke riecht nach Rosinen, Bastei Lübbe 2013, Bildrechte © Bastei Lübbe

Und noch so ein wunderbares Elternexemplar, das sich selbst nicht zu ernst nimmt: Last but not least habe ich ein Buch von meinem persönlichen Helden und großem sprachlichen Vorbild gelesen: „Im Reich der Pubertiere“ von Jan Weiler. Nachdem ich schon beim ersten Teil, „Das Pubertier“, vor Lachen vom Stuhl geplumpst bin, ging es mir beim Nachfolger ähnlich. Wer also wissen will, was auf uns Eltern in den nächsten Jahren zukommt, aber auch, wie überaus lustig ein Leben mit Teenagern sein kann, dem sei dieses kleine Büchlein ans Herz gelegt. Es liest sich in einer Stunde und bringt eine Menge gute Laune. Ich wünschte, ich könnte so formulieren wie der wunderbare Jan Weiler:

Jan Weiler: Im Reich der Pubertiere, Rowolt Verlag 2016, Bildrechte © Rowolt Verlag
Jan Weiler: Im Reich der Pubertiere, Rowolt Verlag 2016, Bildrechte © Rowolt Verlag

Ich wünsche euch und euren Kindern eine Menge Spaß beim Lesen und Lachen. Wer sich eines dieser wunderbaren Bücher zulegen möchte, bestelle dieses am besten in der nächsten Buchhandlung und nicht im Netz! Dankeschön, eure Laura