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Ein Jahr Schulkind

Jimmy ist jetzt schon bald ein Jahr Schulkind und ich wollte dir mal von unseren Erfahrungen erzählen. Vielleicht geht dein Kind ab diesem Jahr auch zur Schule und du hast ein wenig Sorgen, weil du nicht weißt, was alles auf euch zukommt. Ich habe mich hier auf dem Blog mit dem Thema schon öfter beschäftigt und habe geschrieben, was ein Vorschulkind auf keinen Fall verpassen darf. Außerdem habe ich hier einen Brief an mein Schulkind veröffentlicht, denn ein komisches Gefühl ist es natürlich schon, wenn das erste Kind in die Schule kommt. Aber keine Sorge, alles was ihr als Eltern braucht ist ein dicker Batzen Vertrauen in euer Kind und ein paar gute Nerven, falls mal wieder Turnschuhe und Mäppchen verloren gehen. Es ist wie mit so vielem anderen auch: haben wir uns nicht gefragt, ob unser Kleinkind mit seinen 14 Monaten jemals auf die Beine kommt und laufen lernt oder der Dreijährige in den nächsten Jahren mal seine Windel ablegen wird? Wir haben uns gesorgt und Bücher gewälzt, den Kinderarzt interviewt und uns den Kopf über mögliche Ursachen zerbrochen. Mit ein paar Jahren Abstand kommt uns dieser ganze Aufriss lächerlich vor, denn ganz sicher hat auch dein Kind Laufen gelernt und Windeln wird es höchstwahrscheinlich nicht mehr tragen.

Stell dir euch alle einfach in ein paar Jahren vor. „Weißt du noch, was ich mich gesorgt habe, als Paulchen in die Schule kam? Und dabei war es doch alles gar nicht schlimm“ wirst du sagen. Oder „was habe ich mir nur unnötige Sorgen um Mia gemacht. Trotz ein paar Anlaufschwierigkeiten hat sie alles gut gemeistert“, so werden deine Worte klingen, da bin ich mir sicher.

Ein paar Startschwierigkeiten

Natürlich geht es im ersten Jahr manchmal auch ein wenig holprig los, das ist wohl bei den meisten Kindern so. Anna kann sich nach zwei Wochen immer noch nicht so richtig von ihrer Mutter trennen, Luis verliert einfach alles, was er so bei sich trägt. Ayse dagegen hat bis in den Herbst hinein Schwierigkeiten mit der Stifthaltung und Fabi kapiert erst einmal nicht, wie das mit dem Zusammenzählen der einzelnen Finger so klappt. In vielen Familien gibts Ärger, weil die Erstklässler bereits in Woche drei mürrisch vor den Hausaufgaben sitzen und an manchen Betten werden ernste Gespräche geführt, weil es zwischen dem Söhnchen und den Klassenkameraden in den Pausen zu Handgreiflichkeiten kommt.

Und ist das ein Wunder? Eigentlich nicht, finde ich. Die Sechs- oder Siebenjährigen haben nämlich echt viel zu tun mit all dem Neuen, das da auf sie zukommt. Dem einen fällt das Soziale leicht, dafür haperts mit dem Lernen. Beim anderen I-Männchen ist es umgekehrt. Das ist bei uns Großen doch auch nicht anders. Ich habe im neuen Job immer schnell Anschuss gefunden, aber mich in eine unbekannte Computer-Ordnerstruktur einzuarbeiten finde ich schwer. Beim Kollegen ist es gerade andersrum. Dann ist mal der Chef ein schwieriger Typ oder wir können nicht mit der Frau am Empfang. Übertragen auf die Grundschule ist vielleicht die Lehrerin nicht gerade der Traumtreffer oder der Hausmeister macht einem Angst.

Auch wir hatten so unsere kleinen Stolperer. Ich möchte nicht zu viel von Jimmy erzählen, aber dass er alles verloren hat, das habe ich hier mal erwähnt. Mich hat es rasend gemacht und wir bekamen uns mächtig in die Haare. Die Autorinnen vom Buch „Das gewünschteste Wunschkind“ haben mir dann erklärt, dass diese Selbstorganisation für Kinder ziemlich schwer ist. Sie müssen das langsam üben und ein Zehnjähriger beherrscht das Turnbeutel-Mitnehmen bereits viel besser als ein Erstklässler. Außerdem müssen sich die Schulanfänger an so viel Neues gewöhnen. Da ist es ja kein Wunder, dass mal der Stift verloren geht. Jimmy würde zwar neben dem Stift auch seinen Kopf vergessen, so viel ist sicher, aber dafür läuft er von Anfang an alleine in die Schule und hat ne Menge netter Kumpels gefunden. Das Schreiben liegt ihm nicht so, dafür rechnet er wie ein Computer. Du siehst, keiner ist perfekt und das ist überhaupt nicht schlimm.

Was hat sich verändert?

Ein paar Dinge sind nun anders als früher. Der Tagesablauf ist geregelter und ein wenig ernsthafter. Wir achten mehr darauf, dass Jimmy pünktlich ins Bett kommt. Das frühe Aufstehen war gewöhnungsbedürftig, aber es ging ganz gut. Schlimm ist, wenn wir mal verschlafen. Da gehts dann ganz schön ab hier. Anfangs war der Morgen chaotisch, aber es wird immer leichter mit der Zeit. Wir sind noch besser organisiert, damit wir uns hier morgens gut vertragen und Jimmy frohgemut starten kann. Mittags habe ich manchmal ein wenig nervös auf mein Schulkind gewartet, da bin ich inzwischen cooler geworden. Die sieht, auch Eltern müssen dazu lernen. Und die Sache mit den Hausaufgaben klappt auch. Ich lasse Jimmy da ziemlich freie Hand, das ist aber sicher auch Typsache. Kann sein, dass das bei einem der anderen beiden Kinder mal weniger einfach ist. Übrigens brauchst ihr erst einmal keinen Schreibtisch. Die Kinder machen die Hausaufgaben doch lieber bei den Eltern in der Küche oder im Wohnzimmer. Sobald das Kind dann seine Ruhe will, wird es sich melden. Jimmy hat inzwischen einen Tisch und einen guten Stuhl, aber hin und wieder macht er seine Aufgaben bei mir in der Küche. Noch ein Rat: schaff keine zu teuren Sachen an. Ob Schirme oder Radierer, nimm erst einmal die günstigen Modelle. Dann ist es nicht schlimm, wenn was verloren geht. Und markier alles mit Namen oder Stickern. Verändert hat sich auch, dass das Kind gefühlt dauernd frei hat. Nun muss ich mich laufend um eine gute Organisation in den Ferien kümmern. Mal kümmern wir Eltern uns im Wechsel, mal buchen wir die Kernzeitbetreuung.

Schule ist toll

Ich kann dir wirklich Mut machen für erste Zeit in der Schule. Macht euch nicht zu viele Gedanken, die ganzen Abläufe brauchen so ihre Zeit. Nach ein paar Wochen läuft meist alles ganz gut, Mutter und Kind gewöhnen sich an den neuen Tagesablauf und es macht sogar richtig Spaß. Die Kinder lernen gerne und ganz bestimmt werden auch deinem Kind die meisten Sachen ganz viel Freude bereiten. Sicher findet es neue Freunde und ist stolz auf all das, was es jetzt schon so alleine macht. Auch du als Mutter lernst eine Menge. Vor allem das Loslassen, das ist nämlich nicht immer leicht. Noch einen Tipp gebe ich dir: verzichte auf Kontroll-Apps im Ranzen oder in Uhren. Das macht dich nur wahnsinnig und ist eine Freiheitsbeschränkung für die Kinder. Lass dein Kind nach einer Weile alleine zur Schule laufen, übe am Anfang mit ihm zusammen und wenn es bereit dazu ist, schick es mit seinen Freunden los.

Ich finde die Schule spannend, bin immer neugierig, was da so los ist und wahnsinnig stolz auf mein Kind, das so viel Neues gelernt und gemeistert hat. Wenn du also auch bald ein Schulkind hast, dann gebe ich dir wirklich einen Ratschlag von Herzen. Wenn was nicht so gut läuft, dann schnauf erst einmal durch. Ich weiß, die Ruhe zu bewahren ist immer schwer, ich bin da selber nicht gut drin. Denk dir, dass das alles ganz normal ist und guck zusammen mit deinem Kind auf all das, was schon richtig gut läuft. Denk dir außerdem, dass es überhaupt nicht so prächtig ist, wenn einem alles in den Schoß fällt. Kinder müssen auch auf Widerstände stoßen, sie bezwingen und an ihnen wachsen. Alles was sie dann brauchen sind Eltern, die an sie glauben, die nicht sofort die Nerven verlieren und deren größtes Ziel keine Gymnasiumsempfehlung ist, sondern ein Kind, das Freude am Lernen hat.

Und jetzt wünsche ich dir erst einmal einen tollen Sommer. Falls dein Kind dann in die Schule kommt, wünsche ich euch außerdem einen riesig tollen ersten Schultag und ganz viel Freude im Alltag. Das ist ein aufregender und schöner Schritt, den ihr am besten gemeinsam und mit einer großen Portion Optimismus geht. Wir schauen auf ein schönes Jahr zurück und ich bin gespannt, was da noch kommt. Zusammen schaffen wir das, Jimmy und ich, das weiß ich. Alles andere ist egal. So wird das auch bei euch sein. Mach dir keine Sorgen!

Bleib fröhlich und unperfekt,

deine Laura

Lust auf mehr von Heute ist Musik? Auf meinem Instagram-Kanal übe ich mich im Nerven-Bewahren und halte ein paar gute Tipps für feine Kaffeepausen parat. Mehr Glitzer im Mama-Alltag können wir doch alle gebrauchen, oder? Ich freue mich auf dich!

Die Sache mit den Hausaufgaben

Ich strecke meine Hand nach oben. Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, mich zurück zu halten. Seit langem weiß ich genau, welche Mutter ich hier an diesem Ort sein will. Oder welche ich nicht sein will. Aber dann fällt mir ein Punkt ein, der mich doch interessiert:

„Wie sieht es aus mit den Hausaufgaben in der Grundschule? Muss ich meinen Sohn da täglich unterstützen? Nicht, dass ich das nicht wollte, aber um des Familienfriedens willen würde ich mich da gerne so gut es geht raus halten.“

Einschulung steht bevor

Die Lehrerin antwortet, wie ich es mir erhofft habe. Sie erklärt, dass wir Eltern uns tatsächlich raus halten sollen, dass die Kinder jeden Tag eine halbe Stunde Hausaufgaben machen müssen, egal, wie viele Aufgaben am Ende gelöst sind. Dass wir nicht Hilfslehrer spielen dürfen, und dass wir einfach ein Auge darauf haben, dass die Kinder diese eine halbe Stunde am Tag erledigen, und nicht etwa 30 Minuten Stifte anspitzen.

Ich bin so erleichtert. Wie oft höre ich Eltern, die vom Streit mit ihren Grundschulkindern erzählen. Jeden Tag sitzen sie mit Tochter und Sohn am Tisch, es fließen Tränen der Wut, manchmal auf beiden Seiten. Und ich wundere mich. Meine Eltern haben nie mit mir Hausaufgaben gemacht, die gesamte Grundschulzeit über. Und so möchte ich es auch mit Jimmy handhaben. Ich möchte nicht die Mutter sein, die ihrem Drittklässler die Power Point-Präsentation in die Tasten kloppt, damit das Bürschlein eine eins abstaubt. Ich möchte keine Mutter sein, die ab Klasse zwei bereits die Gymnasialempfehlung im Kopf hat, wenn sie mit ihrem Rotstift die Schreibhefte ihres Kindes markiert. Ich möchte eine Mutter sein, die sich raus hält. Die ihren Kindern zutraut, dass sie es schon schaffen werden, zur Not auch mit einer Ehrenrunde oder einer vier in Musik. Deren Welt nicht aus den Fugen gerät, wenn das Söhnchen später, viel später mal kein Abitur macht. Ob ich es schaffe, weiß ich nicht, aber ich drücke mir und Jimmy feste die Daumen.

Besorgte Eltern in der Turnhalle

Schon lustig, jetzt hier in der Turnhalle zu sitzen. Es ist ein Infoabend der hiesigen Grundschule und es geht um den Ernst des Lebens. Zum Glück ermuntert uns die Rektorin schon am Anfang dazu, dass es nicht bloß ernst, sondern auch ganz viel Spaß ist, in die Schule zu gehen. Um mich herum sehe ich aber sehr viele besorgte Gesichter. Ein Vater fällt mir gleich am Anfang auf. In der Hand hält er eine riesen Schreibmappe, der Stift ist gezückt, die Augen konzentriert, die Stirn in Falten. Auch er hebt nun die Hand, und erkundigt sich in kritischem Ton, ob denn 250 Schüler überhaupt auf den kleinen Schulhof passen. Aber damit nicht genug: er möchte weiterhin wissen, ob der Mittagstisch bio, die Lehrer genügend, die Pausenaufsicht aufmerksam ist. Als die Rektorin berichtet, dass in der großen Pause jeden Tag eine andere Klasse auf den kleinen Fußballplatz auf der anderen Straßenseite  darf, bekommen einige Erwachsene hinter mir Schnappatmung angesichts dieses verkehrstechnischen Risikos. Die Rektorin erzählt, dass es Grundschülern ab Klasse zwei durchaus zuzutrauen ist, ohne Begleitung eine kleine Straße zu überqueren. Da sind sie, die Helikopter-Eltern, die ich mir in meinen schönsten Träumen bereits zusammen gebastelt habe. Und witzigerweise handelt es sich bei den allerbesorgtesten meist um Männer, das ist in meinem Beitrag über den Skikurs vom letzten Jahr schön dokumentiert.

Im weiteren Verlauf möchte besagter Vater in forschem Ton wissen, ob denn alle Schüler in ihrer Individualität ausreichend gefördert würden und was mit den guten Schülern sei, denen Regelaufgaben zu einfach sind. Insgeheim wette ich gegen mich selbst, dass es hier sicher um den Papa eines selbsternannten Hochbegabten geht, der sich um die ausreichende Förderung seines kleinen Genies sorgt, noch bevor der überhaupt sein erstes „Oma“ geschrieben hat.

Keine große Sache machen

Am Ende sind wir dann doch ganz schnell fertig geworden und ich mache mich schnell aus dem Staub, während sich eine Horde Eltern in aller Dunkelheit aufmacht, um sich noch die Klassenzimmer anzuschauen. Als ich Jimmy am nächsten Tag von der Schule erzähle, zuckt er mit der Schulter. Ihm ist dieses ganze Thema ziemlich wumpe, und das finde ich, ehrlich gesagt, ganz gut. Irgendwie werden die Kinder das alles hinkriegen, da bin ich mir sicher. Klar, es wird in den nächsten 15 Jahren für meine drei Mäuse sicher eine gute Portion Streit mit Mitschülern geben, Elterngespräche mit besorgten Lehren müssen geführt und unterdurchschnittliche Mathe-Klassenarbeiten unterzeichnet werden. Die Kinder werden zu wenig Vokabeln pauken und aus dem Klassenzimmer fliegen. Aber letzten Endes wird davon die Welt nicht untergehen. Und ganz ehrlich: wir haben die Kinder bisher zu normalen, freundlichen kleinen Menschen erzogen, sind mit ihnen auf dem Spielplatz gewesen, haben sie mit anderen zusammen gebracht, Bücher angeschaut, Schleife binden geübt, sie können einigermaßen gesittet essen und wissen, wie man aufs Klo geht. Ist doch eine Top-Vorbereitung. Viele Sorgen sind meiner Meinung nach unnötig. Als ich mit Jimmy einmal am Tisch saß, um Bögen malen zu lernen, hat er sich sofort beschwert und ich habe mir hinterher an den Kopf gefasst. Seither lasse ich jegliche pädagogische Vorbereitung bleiben und nehme auch das Wort „Schule“ so gut es geht nicht in den Mund.

Zum Schluss ein Zitat von Jesper, dem Julchen: „Wenn Eltern den Pädagogen herauskehren, behandeln sie ihre Kinder meist äußerst herablassend und kränkend.“ Noch ein Grund für mich, weshalb ich mit diesen Hausaufgaben in den nächsten vier Jahren nichts zu tun haben will. Also, go Jimmy, du schaffst das alleine, da bin ich mir sicher! Und wenn du auf der höheren Schule mal Hilfe brauchst, bin ich natürlich da. Und dann machen wir uns zum öden Vokabeln pauken zumindest eine ordentliche Tasse heißen Kakao mit Sahne.

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