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Wir sind sprachlich so viel besser aufgestellt, trauen uns aber einfach zu wenig zu! (Nicole Staudinger, Schlagfertigkeitsqueen, S. 213)

Wenn Mama die Worte fehlen

Leider bin ich nicht gerade eine Schlagfertigkeitsqueen. Ich quatsche zwar grundsätzlich viel, aber im richtigen Moment verstumme ich gerne. Kommt mir Jemand mit einem blöden Spruch, bin ich als zunächst einmal sprachlos. Manchmal fällt mir dann im Nachgang eine gute Antwort ein, aber dann ist dieser Jemand meistens schon um die Ecke. Gerade als Mama habe ich in den letzten sieben Jahren eine Menge Sprüche kassiert. Angefangen von älteren Damen, die mich in der Bahn fragten, ob mein Kind nicht zu warm angezogen sei über andere Mütter, die skeptisch fragten, ob ich das Baby wirklich mit Gläschenbrei füttern wolle.

Eine Portion Schlagfertigkeit, bitte

Menschen mischten sich auch mal in unsere Familienplanung ein: „Was, ihr bekommt schon das zweite Kind? Ist das nicht zu früh?“ oder aber auch „Wäre es nicht mal langsam Zeit für ein drittes?“ Was mich jedes Mal besonders traf: Freundinnen, die meine Entscheidung kommentierten , das Kind in die Kita zu bringen: „Könnte ich ja nicht, meinen Johann so früh abgeben“, andere brachten den Klassiker: „Ich habe doch kein Kind bekommen, um es dann wieder abzugeben.“ Immer wieder saß ich da, mit offenem Mund und Wut im Bauch, sprachlos und stumm wie ein Fisch im Wasser. Schlagfertig sein, wie gerne wäre ich das in solchen Momenten. Nicht böse und zickig, sondern klug, gewitzt und selbstbewusst. Mit einem kleinen Witz oder einem festen Statement. Mit einer freundlich gemeinten Bitte, sich nicht einzumischen oder mich meinen eigenen Weg gehen zu lassen.

Meine Rettung: Die Schlagfertigkeitsqueen

Zeit, sich ein wenig coachen zu lassen, und zwar von einer richtig tollen Frau – der Schlagfertigkeitsqueen Nicole Staudinger. Die Dame ist auf der Bühne ne Wucht, habe ich mir sagen lassen. Es bestätigte sich bei einem persönlichen Treffen auf der Bloggerkonferenz Blogfamilia, dass sie lustig, sympathisch, klug und von vorne bis hinten grandios ist. Um von ihr zu lernen, habe ich mir ihr Buch (Affiliate Link) besorgt und gelesen, wie man in jeder Situation wortgewandt und majestätisch reagiert.

Ein Schutzschild schmieden

Los gehts mit der Grundierung, wie sie ihren ersten Teil nennt. Hier gibts verschiedene Lektionen vom mentalen Schutzschild bis hin zum eigenen Selbstbild.

Dinge von uns abprallen zu lassen – das ist gar nicht so einfach, aber das allererste Geheimnis und die Grundlage der Schlagfertigkeitskunst. Denn wenn wir die Sprüche nicht so sehr an uns ranlassen, indem wir das mentale Schutzschild hochhalten, werden wir nicht schlimm getroffen und können in Ruhe über den Konter nachdenken.

Die gute Nachricht ist: Das kann man lernen. Die schlechte Nachricht: Dafür braucht es Zeit und Mut! (S. 25)

Nicole gibt uns aber mit ihren Lektionen gute Hilfestellungen, wie wir unser Schutzschuld schmieden und dann benutzen können. Und bevor wir anderen schlagfertig begegnen, schauen wir uns erst einmal selber an. Wie reagieren wir auf berechtigte Kritik, wie sieht unsere Körpersprache aus? Was hat das Ganze mit unserem Sinn für Humor zu tun und wie können wir unser Profil zeigen? Denn wenn wir dafür sorgen, dass die Atmosphäre entspannt und unser Gehirn gut durchgelüftet ist, kommen die richtigen Antworten von alleine, so Staudinger (Vgl. S. 73).

Techniken, die glitzern

Im zweiten Teil gehts dann ans Eingemachte und Nicole erklärt viele gute Glitzertechniken. Wie bleiben wir auch im Vorstellungsgespräch souverän, wie begegnen wir der schwierigen Schwiegermutter gekonnt? Ist es möglich, in die falschen Bahnen gelaufene Gespräche zu deeskalieren und wie werden wir zur Super-Woman?

Dann kommt mein Lieblingsteil, der mit den SOS-Notfallsprüchen. Mein Favorit: „Ich würde mich ja gern mit dir geistig duellieren, aber ich sehe, du bist unbewaffnet.“ (S. 181) Na klar, das sind wirklich Sätze für besondere Situationen und Schlagfertigkeit bedeutet nicht, jeden unangenehmen Spruch mit etwas Gemeinem zu parieren. Aber es lohnt sich, ein paar Geheimwaffen in der Tasche zu haben, die richtig Spaß machen. Zum Beispiel, wenn dir mal ein Macho etwas Frauenfeindliches entgegenschleudert oder der Kollege ein „so gut möchte ich es auch mal haben, um eins schon Feierabend!“ rauslässt, wenn du nach deinem Halbtagsjob das Büro verlässt um nachmittags die Kids zu versorgen.

 

#MamasUndMoneten

Der dritte Teil beschäftigt sich unter anderem mit dem Thema Frauen und Geld. Zum Beispiel ist es ja wirklich so, dass Gehaltsverhandlungen sehr viele Frauen vor besonders große Herausforderungen stellt. Und es liegt auch an uns, Ungerechtigkeiten wie den Gender Pay Gap aus der Welt zu schaffen oder zumindest daran zu arbeiten. Also interviewt Nicole Staudinger zu diesem Thema Henrike von Platen, Unternehmensberaterin und Präsidentin der BPW (Business and Professional Woman). Herausgekommen sind spannende und interessante Infos, die uns voran bringen. Am Ende lässt sich vor allem eines sagen: wir können und wollen nicht länger „everybodys darling“ sein!

Für die Gesellschaft ist es im Übrigen egal, wie Sie sich als Frau verhalten: Es findet sich immer jemand, dem es nicht passt. Aber sind wir denn nicht alle Teil dieser Gesellschaft und damit mündig, dies zu ändern? (S. 210)

Am Ende erklärt Nicole, warum Schlagfertigkeit nur bedingt etwas mit rhetorischen Qualitäten und vielmehr etwas mit der Lebenseinstellung und der inneren Haltung zu tun hat, es gibt noch die Techniken im Überblick, ein paar Sprüche zum geschickten Kontern und ein Schlusswort.

Sie sind wer und Sie können was! Dieses Buch soll sie nicht umkrempeln. Ganz im Gegenteil, es soll Sie dazu ermutigen, sich selbst so zu lieben, wie Sie nun mal sind. (S. 221)

Von starken Frauen

Nicole Staudinger ist vor einigen Jahren an Brustkrebst erkrankt. In dieser schlimmen Zeit hat sie sich darauf besonnen, worauf es im Leben ankommt. Dieses Buch erzählt davon und macht ganz viel Mut, seinen eigenen Weg zu gehen. Ich denke, dass das vor allem auch für Mütter wichtig ist. Sie sind heute oftmals zerrissen zwischen den verschiedenen Mütterbildern, die sie selbst im Kopf haben oder die die Gesellschaft vorgibt. Den eigenen Weg zu finden und sich diesen von Menschen mit dummen Sprüchen nicht ausreden zu lassen, das ist gar nicht so einfach. Mit einem gefestigten Selbstbild und dem Buch von Nicole Staudinger, dieser inspirierenden und starken Frau, geht es in jedem Fall einfacher.

Hier verlose ich ein Exemplar. Alles, was du tun musst, ist ein Kommentar unter den Text zu setzen. Und schau doch mal bei Nicole vorbei. Sie ist auf Instagram, Facebook und hier im Netz zu finden.

Teilnahmebedingungen:

  • Das Gewinnspiel beginnt mit der Veröffentlichung dieses Beitrags und endet am 10.01. 2019 um 23:59 Uhr.
  • Anschließend wird der Gewinner / die Gewinnerin einen Tag nach Ende des Gewinnspiels per Losverfahren ermittelt und per Mail von seinem / ihrem Gewinn benachrichtigt.
  • Teilnehmen dürfen alle Personen, die über 18 Jahre alt sind und in Deutschland wohnen
  • Die Teilnahme am Gewinnspiel erfolgt per Kommentar unter diesem Beitrag.
  • Mit der Abgabe eines Kommentars erklärst du dich damit einverstanden, dass du mir im Falle eines Gewinns deine Adresse mitteilst. Deine Adresse nutze ich ausschließlich zum Versand deines Gewinns per Post und wird  anschließend gelöscht.
  • Der Gewinn besteht aus dem Buch Schlagfertigkeitsqueen von Nicole Staudinger
  • Der Erwerb von Produkten und Dienstleistungen beeinträchtigt den Ausgang des Gewinnspiels nicht
  • Die Preise dürfen nicht getauscht oder übertragen werden
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Viel Glück und bleib fröhlich und unperfekt,

deine Laura

Ildiko von Kürthy hat ein neues Buch geschrieben

Diese Autorin begleitet mich seit meiner Jugend. Bereits als Teenie konnte ich es kaum glauben, dass da eine Frau meine Gedanken und Gefühle so wunderbar in Worte fasst, als wären sie in meinem eigenen Kopf entstanden. Ich habe „Mondscheintarif“ verschlungen und mir emsig Zitate in mein Tagebuch notiert. Auch jetzt, beim Lesen von „Neuland“, dem allerneuesten Werk, erging es mir so. Ein Buch von Frau Kürthy zu lesen ist wie mit der besten Freundin drei Tage ins Wellness-Hotel zu fahren und sich bei Massagen, Prosecco und guten Gesprächen wohl, verstanden und hinterher wie neu zu fühlen.

Neuland
© Rohwolt Verlag 2016

Neuland – Ein Lesegenuss für Frauen

Mich erreichte Anfang der Woche ein Rezensionsexemplar von „Neuland“, das mir der Rohwolt Verlag dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hat. Ich habe es noch nachmittags aufgeschlagen, die ersten Seiten gelesen und mich auf den Abend gefreut. Als die Kinder im Bett waren, habe ich es mir dann mit Tee und Buch gemütlich gemacht und geschmökert, bis mir die Augen zufielen.

Ildiko von Kürthy, Sie müssen meine Seelenverwandte sein. Oder Sie schreiben ganz einfach das, was viele Frauen denken, aber nicht sagen. Und diese wunderbare Art, zwischen Alltäglichem, Äußerlichem, Oberflächlichem, mit dem sich die Damenwelt andauernd beschäftigt, den Ausgleich zu finden zu all den Dingen, die wirklich zählen – das schätze ich so sehr an Ihren Büchern. Auch in „Neuland“ geht es oft um Figurprobleme (kenne ich), um Beziehungsschwierigkeiten (habe ich auch mal von gehört), um Genussmittel und deren maßvollen extensiven Gebrauch (woher wissen Sie das nun schon wieder?). Aber es geht auch um das Leben, um Verlust und Tod, um die Liebe zu Mann und Kindern, um echte Freundschaft und um das, was wirklich zählt: um die inneren Werte, auch wenn Sie dazu Wolfgang Joop erwähnen, der einst sagte, dass „Mann“ zur Selbstbefriedigung keine Röntgenbilder benutze…

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Zusammenfassung von „Neuland“

Ildiko von Kürthy beschließt in einer Sylvesternacht, ihr Leben zu ändern. Sie fühlt sich vollgefressen, von innen und von außen, und nimmt sich vor, ein Jahr lang gesund zu essen, abzunehmen, blond zu werden, zu meditieren und die verschiedensten Dinge auszuprobieren, um sich selbst und ihr Leben leichter zu machen. Ob Schweigekloster, Wildnis-Urlaub, Selbstverteidigung, Rhethorik-Kurs, Fitness-Bootcamp – sie lässt nichts aus und macht dabei ihre ganz eigenen Erfahrungen, die sie auf höchst ironische, witzige, aber auch ernste Art an den Leser weitergibt. Am Ende gibt es ein paar Dinge, die sich als äußerst bereichernd herausgestellt haben. Welche, verrate ich nicht. Aber das Blondsein, die langen Fingernägel und die Botox-Spritzen sind es definitiv nicht.

Da spricht eine Frau, die so ist wie ich

Nicht umsonst schreibt der Stern, dass Frau von Kürthy die Seelen-Sanitäterin deutscher Frauen ist. Aber meine ganz besonders!

– auch ich gehe meiner eigenen Persönlichkeit gerne und oft aus dem Weg (S. 12)

– auch ich bin nicht in der Lage, eine Pause als solche zu nutzen, sondern mache statt dessen lieber die Wäsche (S. 20)

– eine wahnsinnige Tatsache: auch ich denke, wenn ich eigentlich Yoga oder Progressive Muskelrelaxation machen möchte und meine Gedanken zur Ruhe kommen sollen, über Wladimir Putin nach und frage mich, wie er wohl privat so ist…. (S. 29)

– auch ich bleibe zunächst beim Sonnenbaden weiß, werde dann rot und garantiert hat in meinem ganzen Leben noch nie Jemand zu mir gesagt: „Bist du aber braun geworden!“ (S. 142f)

– auch ich trinke und rede oft zu viel, bin maßlos, hin und wieder unpassend angezogen und gehe nicht raus, wenn es regnet..

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Es könnte ewig so weitergehen, und so bleibt nach der Lektüre dieses wunderbare warme Gefühl, dass da eine Frau ähnliche Probleme hat, und dennoch eine wahnsinnig tolle, liebenswürdige, humorvolle Person ist. Also bin ich, so mein Resumee, mit all meinen Fehlern vielleicht auch toll und liebenswürdig?!

Das Buch hat eine Menge zu bieten, was wirklich unter die Haut geht. Frau von Kürthy ist zwar lustig, dass sich die Balken biegen, aber sie hat in ihrem Leben nicht nur Schönes erlebt. Ihre Erinnerungen an die Eltern, an deren Tod, ihr Besuch im Sterbe-Hospiz und die Gedanken, die sie sich um das Leben macht, sind mehr als berührend. Und so kam es, dass mein Mann sich abends, neben mir auf dem Sofa, ein wenig wundern musste, weil ich abwechselnd beim Lesen von „Neuland“ laut auflachte und dann wieder in mein Taschentuch schluchzte. Natürlich habe ich wieder emsig Zitate notiert. Mindestens eines davon lasse ich mir demnächst auf meinen Unterarm stechen.

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Das Dilemma der Frauen

Warum ich Frau von Kürthy noch verehre? Nun ja, in mir steckt eine Feministin. Und sie formuliert so treffend das Frauen-Dilemma, dass ich beim Lesen mit dem Kopf nicke wie der Wackeldackel auf der Auto-Rückbank. Ein Auszug gefällig?

Die Schüchternheit mancher Frauen lässt mich ratlos zurück. Was mag da hinter dem Panzer aus Zurückhaltung und Konvention alles schlummern? (…) Oder funktioniert unsere Welt nur, weil Frauen tendenziell brav sind, (ACHTUNG; ZEIGEFINGER ZEIGT BEI DEN NÄCHSTEN BEIDEN PUNKTEN AUF MICH, LAURA) sich um die Weihnachtsgeschenke für die Schwiegereltern kümmern, leere Klopapierrollen auswechseln und später keine Kriege anzetteln?“ (S. 13)

Warum sind Mütter so?

Last but not least, und warum diese Rezension so wunderbar zu meinem Blog passt, stimme ich der Autorin auch in ihrem Mütterbild voll und ganz zu. Nicht nur, dass auch ich meine Kindern niemals mit den Styropor-Hirsekringel aus dem Drogeriemarkt belästigen würde. Es stimmt meiner Meinung nach nämlich außerdem, dass sich Mütter gegenseitig das Leben schwer machen (S. 147), oder wie der Lateiner zu sagen pflegte: „die Mutter ist ein Wolf für die Mutter“. Ich finde, Frau Kürthy hat recht wenn sie sagt, dass viele Mütter andere für deren Erziehungsstil verurteilen, und mit „brutaler Hingabe“ die eigenen Werte als die einzig richtigen erklären. Da wird das Familienbett zum Maß aller Dinge und die Maser-Mumps-Rötel-Impfung zur Sünde stilisiert. Schön und gut für die Eltern, die das praktizieren. Aber warum muss diese Haltung immerzu wie ein Pamphlet und mit missionarischem Eifer durch die Gegend posaunt werden?

Frau von Kürthy beweist Mut zwischen all diesen Super-Mamas heutzutage: sie sagt, dass sie keine gute (also perfekte und allzeit pädagogisch wertvoll handelnde) Mutter ist, und auch keine kennt. Denn an diesem Anspruch scheitert sowieso auf kurz oder lang jede Frau. „Und das verdirbt, früher oder später, allen die Laune.“ (S. 148)

Um meine Begeisterung im Zaum zu halten, beende ich nun mein Loblied auf „Neuland“ und empfehle allen Frauen, ob Mütter oder nicht, dieses zu lesen. Ich bin mir sicher, dass wirklich Jeder hier ein für sich bedeutendes Zitat in sein Tagebuch kritzeln oder in sein Smartphone-Notizen tippen kann. (Vielleicht soger der eine oder andere Mann, siehe Joop-Zitat) Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Werk und wünsche der Autorin bis dahin, dass sie so bleibt, wie sie ist: eine Frau mit kleinen Makeln, mit einer wahnsinnig tollen Schreibe, einen großen Herz und die beste Seelentrösterin aller Zeiten. Eines meiner Lieblingszitate muss ich noch bringen:

„Mein Aschenbecher war immer voll, die Flasche leer, die komplette Tafel weg und mit allen, mit denen ich an der Haustür geknutscht habe, wollte ich für immer zusammen sein.“ (S. 38)

Beschreibt auch mein Leben im Großen und Ganzen sehr treffend… Lest, lacht und genießt, eure Laura