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Viele Familien sind ja längst im Ferienmodus, bei einigen ist sogar schon wieder die Schule in Sicht. Ganz anders bei uns in Baden-Württemberg. Es gab nicht einmal Zeugnisse und wir haben noch ein paar Sommerabschlussfeste vor uns. Dennoch macht sich auch so langsam bei uns die Ferienstimmung breit. Das erste Mal haben wir ein Schulkind, das sich auf sechs Wochen Pause freut und das erste Mal frage ich mich, wie ich sechs Wochen Schulferien rumkriegen soll. Daher habe ich mir ein paar Gedanken gemacht und erzähle dir heute, wie bei uns die nächsten sechs Wochen ablaufen.

Ab in den Wald

Leider, leider haben wir keinen Platz bei den Waldwochen mehr bekommen. Dort wollte ich Jimmy anmelden, damit er 14 Tage lang in der Natur verbringt, Stöcke schnitzt und Lagerfeuer macht. 15 Minuten vor Anmeldebeginn hatte sich Anton in eine Schlange gestellt, die sich drei Mal um das Gebäude schlängelte. Kurz bevor er dran war hieß es: „ab jetzt nur noch Warteliste“. Wir haben leider Pech und wissen nun für das nächste Jahr, dass wir wohl früher dran sein müssen. Aber ich habe mir dafür was anderes vorgenommen. Im Sommer, wenn das Freibad voll und die Luft stickig ist, bin ich gerne im Wald. Schatten, Natur und feiner Duft ist hier immer zu finden und so werde ich nachmittags die Kinder schnappen und einen Ausflug hin machen. Luise ist sowieso einmal die Woche mit dem Kindergarten dort und sie kann uns die schönsten Ecken zeigen. Hast du auch Bäume in der Nähe? Dann packt euch einen kleinen Picknickkorb und eine Decke ein und entert den Wald. Kostet nichts, tut allen gut und die Kinder sind garantiert beschäftigt.

Jugendfarmen – Paradiese ohne Eltern

Wir haben hier rund um Stuttgart viele Jugendfarmen, so auch in unsere Gegend. Ich bin immer begeistert von solchen Möglichkeiten, die Kinder unterzubringen. Das Tolle ist: Schulkinder dürfen hier ganz ohne Eltern sein, Feuer machen, Hütten bauen und Tiere versorgen. Es gibt sogar eine Ferienbetreuung für arbeitende Eltern. Allerdings ist die Jufa hier die ersten zwei Wochen zu, aber danach bringe ich Jimmy und seinen Freund sicher mal vorbei. Die Kinder werden dort von Pädagogen beaufsichtigt, dürfen aber in erster Linie machen, was sie wollen. Keine Mama, die meckert oder vor Gefahren warnt, eine große Gemeinschaft und vor allem eine bunt gemischte Bande. Ich halte nichts davon, Kinder in Wohlstandstruppen unterzubringen. Welches Leben lernen sie kennen, wenn überall nur gut behütete Akademikerkinder mit Gemüse in der Brotdose rumtoben? Ich mag es, wenn meine Kinder dort sind, wo alle anderen auch spielen. Lieber ein paar gepflegte Schimpfwörter als den ganzen Tag nur Helikoptereltern um sich herum! Schau doch mal, ob es sowas auch bei euch in der Nähe gibt. Für kleiner Kinder gibts Familien-Samstage, an denen auch Eltern kommen dürfen.

Angebote der Stadt

Städte, Vereine oder Kirchen bieten ziemlich viel Programm für Kinder an. Darunter picken wir uns gerne die schönsten Sachen raus. Jimmy hat sich ein dreitägiges Fußballcamp ausgesucht, Luise geht zwei Mal zum Ponyreiten. Der Nachbarsjunge hat sich für einen Einradkurs angemeldet und es gibt noch sehr viel mehr, sodass jedes Kind das richtige findet. Das Fußballcamp ist recht teuer, leider. Darum ist eine günstigere Idee, ein paar Jungs zusammen zu trommeln, zwei Tore aufzustellen oder zu zimmern und eine kleine Fußballweltmeisterschaft unter Nachbarn zu veranstalten. Schau doch mal, ob noch Plätze bei den Kinderveranstaltungen frei sind. Vielleicht ist ja auch etwas für deine Kinder dabei?

Kinderbetreuung teilen

Ich habe mich jetzt mal mit den Eltern von Jimmys Freunden abgestimmt. Wer ist wann im Urlaub und gibt es Zeiten, in denen alle hier sind? Dann teilen wir uns einfach die Kinderbetreuung. Ich nehme mal die Jungs mit auf den Spielplatz, ein Tag später darf Jimmy bei ihnen zuhause spielen. Auch Übernachtungspartys sind angesagt oder ein Zelt im Garten aufstellen ist eine spannende Aktion. In jedem Fall ist es immer gut zu wissen, wer von den Freunden und Nachbarn da ist, denn sicher langweilt sich gerade in diesen Momenten irgendwo ein anderer Junge.

Verreisen mit den Großeltern

Jimmy und Luise verreisen dieses Jahr mit den Großeltern und der Tante ans Meer. Uns ist die Fahrt mit dem kleinen Oskar zu weit und Anton muss viel arbeiten. Damit die Kinder aber dennoch in den Genuss von Salzwasser, feinstem Ostsee-Sand und Strandkorb-Glück kommen, gehts ohne Eltern eine Woche in den Verwöhn- und Spaßurlaub. Die Tante fliegt mit den beiden nach Hamburg, also wird es extra spannend, denn sie saßen noch nie in einem Flugzeug. Übrigens ist es in einem solchen Fall wichtig, dass die Kinder Reisepässe besitzen, auch wenn sie nur innerhalb von Deutschland fliegen. Und wir geben ihnen ein Dokument mit, in dem unsere Adresse steht und die Einverständniserklärung, dass sie mit Großeltern und Tante im Urlaub sein dürfen. Auch Krankenversicherungskarten und Impfpass sind dabei. Vielleicht wäre das auch mal eine Idee für euch? Wir haben hier zwar noch unseren Zweijährigen am Start, aber ich genieße eine Woche ohne Streiterei und freue mich dann umso mehr, wenn die beiden von so einer aufregenden Reise wiederkommen.

Urlaub auf dem Bauernhof oder mit dem Wohnmobil

Natürlich fahren auch wir noch eine Woche weg. Seit drei Jahren machen wir Urlaub auf einem wunderschönen Bauernhof im Allgäu. Luise kann reiten, Jimmy Fußball spielen, wir wandern und genießen die Ruhe. Es gibt kein W-Lan, dafür Berge, Seen und Tiere. Anton wünscht sich seit langem, mal in den Süden zu fliegen. Aber ich hänge so an den Bergen und mir graust es vor langen Autofahrten und Flugzeugen. Wir denken aber drüber nach, uns mal ein Wohnmobil zu mieten und nach Südfrankreich zu fahren. So ist die Reise nicht so lang, denn wir müssten die Strecke nicht an einem Stück bewältigen. Wer tolle Tipps und Tricks für so einen Urlaub hat, darf mir gerne einen Kommentar da lassen.

Weitere Ideen für die Ferien

  • mit den Kindern ein Wochenende zu den Großeltern an den Bodensee verreisen
  • ins Theater oder in die Kinderoper gehen
  • Zoo und Märchengarten besuchen
  • uns Singstar für die Playstation ausleihen und singen, was das Zeug hält
  • eine Brettspiel-Olympiade machen
  • Zusammen kochen und den Großeltern ein prächtiges Mahl servieren. In diesem Kochbuch (Affiliate Link) gibts dazu Rezepte
  • Ein kleines Grillfest für die besten Freunde veranstalten
  • Alle Freibäder testen und das beste küren
  • Ein Baumhaus bauen
  • Eine Führung in der Wilhelma (Zoo) buchen
  • An einem Badesee in der Nähe zelten gehen
  • mit der Handykamera einen Film drehen
  • zusammen mit den Kindern auf Festivals oder ein Konzert gehen
  • Momo (Affiliate Link) von Michael Ende lesen und dabei Kekse essen
  • ein riesen Planschbecken kaufen und aufstellen, auch wenn die Kinder schon größer sind
  • gemeinsam Kresse und Radieschen pflanzen und aufziehen
  • sich einen Hund im Tierheim ausleihen und Gassi gehen
  • Das Kinderzimmer ausmisten und einen kleinen Flohmarkt machen
  • im Park eine Slackline spannen und üben: Kinder UND Erwachsene
  • ein Bundesland-Ferien-Ticket für die Bahn kaufen und alle großen Städte in der Nähe besichtigen

77 weitere tolle Ideen für den Sommer findest du auf dem Blog Einer schreit immer. Und falls du wissen willst, was wir von unserern Vorhaben umsetzen, schau mal auf Instagram vorbei. Da nehme ich dich bei unseren Aktionen mit und erzähle dir auch von meiner kinderfreien Zeit. Und nun wünsche ich dir richtig schöne (Rest-)Ferien und ganz viel Spaß mit den Kindern. Und natürlich auch ohne *muhahahahahaha*

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Die Fußball-Weltmeisterschaft für die ganze Familie

Bist du auch schon im Fußball-Fieber? Wir sind auf jeden Fall voll dabei und so langsam steigt die Spannung bei uns zuhause. Wir haben ja einen unglaublich leidenschaftlichen Fan hier bei uns wohnen. Für Jimmy zählt seit Jahren einzig und allein der Fußball und so ist es kein Wunder, dass die Fußball-Weltmeisterschaft seit Wochen bei uns Dauer-Thema ist. Es werden Sammelkarten getauscht, Fahnen geschwenkt, Jogis Mannschafts-Aufstellung kommentiert und Verhandlungen darüber geführt, wie lange das Schulkind im Juni und Juli aufbleiben darf. Verzweifelt hat Jimmy neulich erlebt, wie Deutschland gegen Österreich beim Freundschaftsspiel verlor und nach dem zweiten Gegentor den Fernseher weinend ausgeschaltet. „Wenn das so weitergeht, wird Deutschland niemals Weltmeister!“ hat er geschluchzt und ich hoffe sehr, dass wir das Turnier so lange wie möglich durchstehen werden, sonst ist hier echt was los!

Die Playmobil-Arena für unser Live-Spiel

Jedenfalls sind wir schon präpariert. Die Fahnen hängen im Wohnzimmer und wir haben die FIFA World Cup Russia™ Arena aufgebaut. Dafür haben wir Jimmys kleinen Tischkicker aus seinem Zimmer geholt und Opa hat aus einer Holzplatte einen Aufsatz gezimmert, sodass die Kinder im Stehen und wir Erwachsenen im Knien spielen können. Seit Wochen zockt Jimmy den ganzen Tag und spielt mit den Figuren die gesamte WM-Qualifikation nach, von ihm höchstpersönlich live kommentiert. Die kleinen Spielerfiguren können ganz einfach mit der Hand bewegt werden und durch das Zurückziehen und Loslassen des Auslösers schießt Jimmy den Ball quer über das Spielfeld.

Auch die beiden Torwarte lassen sich durch die Standplatte bedienen und hechten so, von Jimmy geführt, nach links oder rechts, wenn ein gefährlicher Torschuss kommt. Meist treffe ich nachmittags Freund Fritz an, der zusammen mit Jimmy die Figuren bedient. Wenn die beiden bei Fritz zuhause spielen wollen, klappen sie die kleine Arena zusammen und transportieren sie als kleinen Koffer einfach zu den Nachbarn rüber.

Playmobil Arena

Sommermärchen werden wahr

Mit den Playmobil-Fußballern spielt Jimmy schon seit Jahren, aber diese Arena ist etwas ganz besonderes und wird uns immer an diesen russischen Fußballsommer erinnern. Ich weiß noch genau, wie ich die Weltmeisterschaft vor zwölf Jahren erlebte, damals als Studentin am Bodensee. 2010 war ebenso spannend, oft waren Anton und ich in Stuttgart beim Public Viewing. 2014 saßen wir mit den Nachbarn bei uns zuhause und haben das Sieg-Tor von Götze bejubelt, während die noch kleinen Kinder schliefen – und dieses Jahr ist es die erste Weltmeisterschaft zusammen mit den Kids und einem fiebernden Jimmy, der schon jetzt kaum noch schlafen kann. Wir feiern dieses Fußballfest auf jeden Fall wie verrückt und ich habe mich damit abgefunden, dass wir die kommenden Wochen wohl sehr viel Fernsehen schauen, spät ins Bett gehen und die Deutschlandfahnen schwingen werden. Denn so eine Fußballweltmeisterschaft ist ein unvergessliches Erlebnis.

Playmobil Fußballarena

Die große Fußballparty mit Turnier für alle

Mir gefällt ja an unserer Playmobil-Arena am besten die niedliche kleine Weltmeistertrophäe, die für die nächsten Wochen in unserem Wohnzimmerschrank thronen wird, bis der Sieger feststeht. Denn es gibt auch bei uns klare Regeln, denn bei uns wird neben der großen Fußball-Weltmeisterschaft im Fernsehen auch eine Familien-Weltmeisterschaft stattfinden, und zwar Eltern gegen Kinder.

Playmobil Fußball Arena

Wir haben uns einen Plan mit allen WM-Spielen gebastelt. So oft wir können, werden wir die Spiele anschauen und nebenher an unseren kleinen Playmobil-Arena mitzocken. Jimmy liebt Fußball gucken zwar, aber Luise wird wohl kaum länger als zehn Minuten vor dem Fernseher sitzen. Und daher gibt es zu jedem großen Turnier ein Spiel in der Playmobil-Arena live bei uns zuhause. Es spielen immer die Erwachsenen gegen die Kinder und die Ergebnisse werden genauso wie die echten Ergebnisse in unserem Plan festgehalten. Auch unsere Nachbarn machen mit und wir haben schon verkündet, dass bei uns nicht nur geguckt, sondern auch mitgezockt wird. Seit Tagen versammeln sich hier die Kinder aus der Nachbarschaft vor dem Haus und üben das Kicken mit den Playmobil-Figuren.

  

Weil die Arena ja ganz flott ab- und wieder aufgebaut ist, spielen die Kinder zur Zeit draußen vor dem Haus. In ein paar Wochen steht deshalb neben dem echten Fußballweltmeister auch ein Kinder- oder Erwachsenenweltmeister fest und wir fiebern doppelt mit. Klar, dass wir das Endspiel alle gemeinsam schauen und zur großen Abschlussparty einladen werden. Für passende Snacks ist gesorgt: es gibt russisches Schaschlik, kleine Salate in schwarzrotgold aus Oliven, Tomaten und Käse und für die Kinder Gummibärchengläser in den Deutschlandfarben.

Macht es zu eurem Turnier!

Wäre das nicht auf was für euch? Die FIFA World Cup Russia™ Arena zum Mitnehmen ist echt ein geniales Spielzeug und macht sich bei uns schon alleine deshalb bezahlt, weil die Kinder den ganzen Tag beschäftigt sind. Und auch wir Erwachsenen haben total viel Spaß damit. Wenn ein Fußballspiel im Fernsehen mal langweilig ist, können wir uns währenddessen vergnügen. Und in der Halbzeitpause findet immer unser Eltern-Kinder-Turnier statt. Sollten wir mal bei Freunden zum gemeinsamen Schauen verabredet sein, klappen wir die Arena einfach ein und nehmen sie mit. Macht die Fußballweltmeiserschaft zu eurem Spiel und habt ganz wunderbare Wochen mit viel Spaß und Freude. Und denkt an Jimmy, sollte Deutschland aus dem Turnier fliegen… ich hoffe, der kleine Kerl wird diesen Schicksalsschlag überwinden!

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Für mehr Glitzer im Mama-Alltag: leckere Kaffeerezepte, ein paar gute Sprüche und fröhliche Gedanken gibts auf meinem Instagram-Kanal.

 

Eine Leidenschaft, die Leiden schafft

Antons und meine Familie haben eines gemeinsam: wir sind keine Fußball-Fans. Sind es nie gewesen und wollten es auch nie sein. Keiner unserer Väter wollte je an den Wochenenden auf kalten Mäuerchen sitzen, um den Sprösslingen stundenlang beim Kicken zuzuschauen und sich mit all den ambitionierten und übereifrigen Papas unterhalten zu müssen, die ihre kleinen Ronaldos schon in der Jugendauswahl beim VfB spielen sahen. Unsere Eltern waren froh über ihre Abwesenheit bei den Weihnachtsfeiern des FC Pupsnasenhausen oder bei Jugend-Turnieren im 50 Kilometer entfernten Hinterwuster-Weihingen und dass keine 20 Kilo Vereinswäsche von einer pubertierenden Jungmannschaft im Waschkeller auf die Erfrischung wartete.

Meine Mutter schätzte Samstage ohne Sportshow und guckte lieber um 19 Uhr den Landarzt, Antons Mutter war glücklich, dass sich ihr Sprössling nichts daraus machte, dass der BVB fünf Mal in Folge verloren oder der hiesige HSV Berg-Beuren mal wieder um ein Törchen den Einzug in die Regionalliga verpasst hatte.

Nun ja, unsere Eltern hatten es gut, denn was ihnen verwehrt blieb, wird unsere Zukunft sein. Jimmy ist, wie ihr wisst, ein Fußballfan. Aber eigentlich ist das eine untertriebene Aussage, denn für Jimmy gibt es nichts anderes auf der Welt, außer vielleicht seine Zuneigung für seine eigene Familie. Die zählt in der Bundesliga-Spielzeit aber auch nur bedingt.

Die Tipp-Gemeinschaft

Morgens, wenn Jimmy aufwacht, bittet er mich, einen Blick auf mein Smartphone zu werfen. Mit Hilfe einer App versichert er sich unter Bedauern, dass der VfB immer noch auf dem dritten Platz der zweiten Liga weilt, genauso wie gestern um zehn Uhr spät beim Einschlafen. Sein erster Gedanke am Morgen gilt dem runden Leder, da kann nicht einmal ein Adventskalender oder das nahende Weihnachtsfest mithalten. Auf seinem Wunschzettel steht nicht etwa ein neues Rad, sondern allein die Hoffnung, dass das Christkind dem BVB zum Tabellensieg verhelfen möge.

Wenn Jimmy vor dem Frühstück die Tabelle geprüft hat, widmet er sich dem Fachgespräch. „Mama, was glaubst du: gewinnt Bochum am kommenden Samstag gegen Erfurt, oder nicht?“, das werde ich noch vor dem ersten Morgenkaffee gefragt. „Ich tippe auf eins zu null für Bochum“, antworte ich ins Blaue hinein. „Nein, glaub ich nicht“, meint Jimmy entrüstet, „Bochum ist Gruppenletzter und wird es auch bleiben“, fachsimpelt er, während er in sein Honigbrot beisst. Jimmy spielt nicht nur selbst gerne Fußball, sondern ist auch versessener Sportwetten-Fan geworden. Anton ist ihm zuliebe in eine Büro-Tippgemeinschaft eingetreten und pünktlich zum Wochenende erinnert Jimmy Papa an die gemeinsame Teilnahme. Mit qualmendem Hirn sieht man das Kind dann über Antons Smartphone gebeugt. Er schätzt, wägt ab, bezieht die Tabellenrangliste mit ein und gibt dann mit siegessicherer Miene den Tipp ab. Mittlerweile liegt er auf Platz 12 von 13 der Tippgemeinschaft, und Anton hütet sich, seinem Chef einzugestehen, dass er hinter einem Fünfjährigen logiert.

Die Bundesliga

Sobald die Bundesliga dann den Spielbeginn anpfeift, wird es für unsere Familie hart. Jimmy hört die Spiele im Radio mit, denn ein Sky-Abo haben wir ihm bisher verweigert. Dann hören wir unseren Erstgeborenen fluchen und schimpfen, es werden Schiedsrichter beleidigt, Mannschaften gedisst und Schimpfworte an den Kommentator gerichtet. Nicht selten bricht das Kind hemmungslos in Tränen aus. Gründe dafür können sein, dass sein Tipp falsch war, der BVB ein Gegentor kassiert oder ein Spieler des VfB-Stuttgart ein Foul begeht. Die Liste ließe sich noch endlos fortsetzen.

Unsere Familienausflüge oder Freundebesuche sind zeitlich am besten so zu takten, dass wir zur Spielübertragung im Auto sitzen. Luise muss auf Bibi und Tina verzichten und stattdessen SWR-Stadion ertragen, wir erleben ein fieberndes Kind im Kindersitz, das in ohrenbetäubenden Jubel ausbricht, wenn ein Tor der Lieblingsmannschaft fällt. Am Ziel angekommen teilt uns Jimmy mit, dass wir erst aussteigen können, um bei Oma Apfelkuchen zu essen, wenn wir den Abpfiff zur Halbzeitpause gehört haben. Samstagabend ist dann natürlich für die Sportschow reserviert. Und Sonntag geht das Spiel von vorne los, im wahrsten Sinne des Wortes.

Unter der Woche verbringt Jimmy seine Zeit auf dem Fußball-Platz. Ist das Wetter ungemütlich, knallt er am Tischkicker die Bälle ins Tor, spielt mit seinen Playmos die Wochenendspiele nach oder tobt mit Luftballons durch die Bude, die er in imaginäre Netze drischt. Den Überblick über sämtliche Spiel-Termine behält er mit anfangs erwähnter App und nicht selten bringt er mich zum Lachen, wenn er mich fragt, ob er das Champions-League-Spiel am Dienstagabend um 21 Uhr anschauen darf. „Nein, da bist du im Bett und schläfst“, sage ich ihm dann. Leider tritt zweiteres nicht ein, denn wenn ein Spiel läuft, kann Jimmy beim besten Willen nicht einschlafen und muss alle fünf Minuten aufs Klo, um beiläufig zu fragen, wie es denn nun um den Spielstand bestellt wäre. Fällt das Ergebnis nicht zu seinen Gunsten aus, bringen wir einen tränenüberströhmten Jüngling ins Bett, der sich an seinen Teddy krallt und ruft, dass er sich das alles ganz anders vorgestellt habe…

Seitdem Jimmy für den Fußball lebt, löst der Begriff „Englische Woche“ Panikreaktionen in mir aus und auf die Frage, was das Schönste an Weihnachten sei, antworte ich: die Bundesligapause. In diesem Sinne wünsche ich euch allen schöne Weihnachten und bis zum nächsten Jahr, wenn es wieder heißt „Fußball ist unser Leben, ja König Fußball regiert die Welt!“

Merken

Ich habe mich immer gefragt, wie manche Fußballfans zu ihrem Verein gekommen sind. Warum ist ausgerechnet ein Norddeutscher Nürnberg-Fan, ein Niedersachse Verehrer des FC Bayern oder wieso mein Cousin aus Wuppertal Anhänger des VfB? Nun kann ich die Geschichte einer lebenslangen und glühenden Verehrung für einen bestimmten Verein live an Jimmy miterleben. Er hat sich seinen Favoriten ausgeguckt, und das kam so:

Jimmy im Fußballfieber

Jimmy kennt ja eigentlich alle Vereine, die in der ersten Bundesliga spielen. Seit einem Jahr sitzen Papa und Jimmy nämlich Samstag abends um sieben vor dem Fernseher und gucken die „Fußball-Show“. Anton mit Bier, Jimmy mit Saftschorle in der Hand, diskutieren die beiden Regeln rund um den Ballsport. „Was ist, wenn der Schiedsrichter die rote Karte zeigt?“, oder „darf man seinen Gegner auch kneifen?“. Denn Jimmy liebt Regeln aller Art, hält sich gerne daran und erwartet selbiges auch von anderen. Dass Kindergartenkollegin Linda manchmal beim Memory schummelt, kann er kaum ertragen.

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Wir stellen nach: BVB gegen FC Bayern

So auch beim Fußball. Empört registriert er die Fouls, schüttelt den Kopf und fragt interessiert nach der nun folgenden Bestrafung. So, aber nun zum eigentlichen Thema. Jimmy ist seit langem im Fußballfieber, die bevorstehende EM hat das nun noch einmal gesteigert. Und so kam es, dass Oma und er das hiesige Maikäferfest besuchten und mal wieder im Schreibwarenladen vorbei schauten. Das ist für Jimmy ein Muss, denn dort informiert er sich über neue Kalender, die er dann der Oma abschwatzt. Und dort sah er ihn: einen wunderbar gelb leuchtenden, großformatigen Borrussia Dortmund-Kalender. Die Farbe Gelb, das Thema Fußball, und das zusammen in Form eines Kalenders – Jimmys Augen strahlten. Und stolz trug er den neuen Zeitplaner nach Hause, erblätterte den korrekten Monat und erfreut sich seitdem über Mats Hummels über seinem Bett. (Könnte ich mir selbst durchaus auch vorstellen…) Anton und ich waren erleichtert, dass Rot momentan nicht zu seiner Lieblingsfarbe gehört, sonst hätten wir nun einen FC Bayern-Fan in der Familie, und das möchte man ja vermeiden…

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Dass der BVB in dieser Saison zweiter wurde, machte Jimmy auch zufrieden. Aber da nun Bundesliga-Pause ist, widmet er sich einem anderen spannenden Thema, das runde Leder betreffend: seine Fußballparty zum fünften Geburtstag. Drei Einladungskarten wurden bereits von ihm selbst gebastelt und mit meiner Hilfe mit dem Hinweis versehen, dass die Gäste bitteschön im Trikot erscheinen möchten. Er hat Teams eingeteilt und plant ein ausgeklügeltes Turnier. Allerdings hat er auf eines hingewiesen: gelbe und rote Karten darf es auch keinen Fall geben. Denn diese Form der Bestrafung fürchtet er selbst wie der Teufel das Weihwasser. Dies ist im Übrigen auch der Grund, warum er auch keinesfalls in den ortsansässigen Fußballverein eintreten möchte. Von einem Juniortrainer eine rote Karte zu kassieren ist das wohl furchterregendste, was sich der Knabe derzeit vorstellen kann.

Jimmy hat mit seinem Fieber auch Luise angesteckt. Die beiden sammeln kleine Fußballhüpfer, die es in unserem Stamm-Supermarkt für einen gewissen Einkaufswert gibt. Es werden Hüpfwettkämpfe veranstaltet, Hüpfer getauscht, verglichen und benannt und Lego-Häuser für sie gebaut. Auch Sammelkarten nehmen die beiden beim Einkauf gerne entgegen.

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Die große Fußballparty

Jedenfalls habe ich angesichts des nahenden Großevents (ich meine den Geburtstag, nicht die EM!) mit Omas Hilfe bereits kleine Pokale sowie Deutschland-Girlanden besorgt, Opa zermartert sich seit Wochen den Kopf über die Gestaltung einer professionellen und Fondant-ummantelten Fußballtorte und Jimmy hütet sein neues Trikot wie einen Schatz. Zuerst hatten wir die grüne, deutsche Ausführung beim Kleiderschweden gewählt. Aber als mein Sohn vor ein paar Tagen entdeckte, dass es auch eines in seiner zweiten Lieblingsfarbe, orange, gibt, war er nicht zu bremsen. Er lag uns so lange in den Ohren, bis wir ihm auch die holländische Bekleidung schenkten.

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Jetzt bin ich gespannt, welche Mannschaft er bei der Europameisterschaft anfeuern wird. Eines habe ich nämlich gelernt: welcher Verein mir nahe ist, hängt ganz von der Trikot-Farbe ab. Aus diesem Grund feuere ich dieses Jahr die Franzosen an, denn das schicke Bleu hat mir schon immer gefallen.

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Fußball ist unser Leben

Wir sind im Fußballfieber. Besser gesagt: im Tischkickerfieber. Noch besser gesagt: Jimmy und Papa sind im Tischkickerfieber. Alles dreht sich bei uns um den Ball, sieben rote und sieben blaue Spieler und eine von Anton programmierte App. Andere Mütter sorgen sich um ihre computerspielsüchtigen Knaben, ich sorge mich um den Fußball-süchtigen, männlichen Teil der Familie. Anton und Jimmy werden von Tag zu Tag bleicher, gehen nicht mehr raus und essen nur noch Pommes rot-weiß. Wie es dazu kommen konnte, erfahrt ihr hier.

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Der Weihnachtswunsch: Ein Tischkicker für Kinder

Ich habe ja mal von Jimmys heiß ersehntem Weihnachtswunsch erzählt. Ein Tischkicker sollte es sein. Da Oma ihrem geliebten Enkelsöhnchen einfach jeden Wunsch von den Augen abliest, hatte ich schnell eine Warnung ausgesprochen: ich möchte keinen Tischkicker in unserer hübsch eingerichteten Wohnung haben. Dieses Monstrum verschandelt mir nämlich die Einrichtung. Oma war zum Glück kooperativ und versprach, eine Mini-Version zu besorgen, die nicht weiter auffällt. Dabei handelt es sich um ein 30 x 20 cm kleines Spielchen, welches durchaus seinen Reiz hat und eine echte Alternative ist, wenn das eigene Wohnzimmer nicht aussehen soll wie eine Eckkneipe.

Oma bestellte also bei einem gewissen Großhändler im Internet, hatte sich aber wohl die Maße des Tischkickers nicht genau angesehen, sondern lediglich „kleinere Version“ gelesen. Ich wunderte mich sehr, als im Dezember ein riesen Paket geliefert wurde und naiv wie ich war, dachte ich noch, das sind eben die Einzelteile, die lediglich zusammengeschraubt werden müssten.

Kinder-Tischkicker

Ich hatte mich geirrt. Unterm Tannenbaum stand dann ein riesen Monstrum. Nicht ganz so groß wie ein Kneipen-Spiel, aber doch durchaus stattlich. Mein Ärger hatte sich schnell gelegt, denn das Spielen machte Allen großen Spaß und auch ich stand oder kniete seither oft am Fußballtisch und habe auch ein paar Mal gewonnen.

Diese Zeiten haben sich geändert, denn seit Weihnachten macht Jimmy nichts anderes mehr, als zu trainieren. Die blaue Mannschaft ist der VfB, bei den roten handelt es sich um die örtliche Mannschaft, in dem kein anderer als Sami Khedira einst seine Karriere begann: im TV Oeffingen.

Jeder Besucher, ob Opa, Kumpel Moritz, Tante Lilli oder der Postbote, wird von Jimmy zu einem Turnier herausgefordert. Und er hat mittlerweile einen so starken und präzisen Schuss, dass ich nicht mehr in der Lage bin, gegen ihn zu gewinnen. Oma hat schon lange aufgegeben, und nur mehr Papa und Opa stellen sich der Herausforderung. Es gibt Zeiten, da bin ich genervt. Nicht nur von diesem Geräusch eines hin und her sausenden Plastikballs, der andauernd ins Tor knallt. Wir wollen Essen? Jimmy muss noch das Turnier fertig spielen. Wir müssen los zum Kindergarten? Jimmy hat erst Halbzeit. Die Kinder sollen ins Bett? „Mama, bitte noch ein Spiel. Oeffingen ist gerade so gut!“

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Samstags, am Nachmittag, müssen Luise und ich uns dann alleine vergnügen. Papa und Jimmy machen es sich im Arbeitszimmer, in dem jetzt der Tischkicker steht, gemütlich. Sie schauen die „Fußball-Show“ (euch bekannt als Sportschau), kicken was das Zeug hält und haben sich eine kleine Bar mit Erdnüssen, Bier und Apfelsaftschorle aufgestellt. Ein „Bitte nicht stören“-Schild hängt an der Tür.

Seit letzter Woche wurden die Turniere, die in unserer Wohnung stattfinden, professionalisiert. Anton, ein leidenschaftlicher Computerfachmann und Programmierer, hat für Jimmy eine App entwickelt. Erst hatte Jimmy sich noch laienhaft in einem Word-Dokument die Spielstände notiert, nun hat er ein ausgeklügeltes System zur Verfügung. Er kann die zu spielende Zeit eingeben oder einstellen, bei welcher Toranzahl eine Mannschaft gewinnt. Anton arbeitet jeden Abend laufend an der Weiterentwicklung und Jimmy darf sich dann am nächsten Morgen über neue Updates freuen. Nun gibt es nicht nur einen Goldpokal, der beim Siegtreffer aufleuchtet, sondern auch einen Countdown, der ertönt, sobald die letzten 10 Spielsekunden runterlaufen. Außerdem verschönern die Logos der Fußballclubs die Eingabemaske. Antons neueste Idee: Jimmy soll demnächst auch noch den Verein auswählen können. Er spielt nämlich auch gerne mal „Berlin gegen München“ oder „Bremen gegen Hamburg“. Eine Bundesligatabelle läge auch nahe, meint Anton, und widmet sich seitdem nur mehr dem HTML-Code.

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Luise und ich sitzen jeden Abend alleine beim Essen. Um 18 Uhr schieben wir den beiden je eine Stadionwurst durch den Türspalt. Jimmys Deutschland-Flagge verschönert nun mein Arbeitszimmer und beide Männer tragen Trikot und Schal. Um 23:30 Uhr sind Antons Augen vom Programmieren rot geschwollen, Jimmy setzt zur zweiten Halbzeit an, und Oeffingen gewinnt ein letztes Mal mit 17 zu 11 gegen den VfB. Morgens schlafen die beiden bis 10:30 Uhr, Anton hat inzwischen seinen Job an den Nagel gehängt und Jimmy auf seinen Platz im Kindergarten verzichtet. Nach einem späten Frühstück mit Pommes rot-weiß gehts auf ins nächste Turnier.

Wie gut, dass Luise und ich bald Gesellschaft eines Babys bekommen. Da es ein Junge wird, befürchte ich das Schlimmste.

Eure Laura