Tischkicker-Maniac

Fußball ist unser Leben

Wir sind im Fußballfieber. Besser gesagt: im Tischkickerfieber. Noch besser gesagt: Jimmy und Papa sind im Tischkickerfieber. Alles dreht sich bei uns um den Ball, sieben rote und sieben blaue Spieler und eine von Anton programmierte App. Andere Mütter sorgen sich um ihre computerspielsüchtigen Knaben, ich sorge mich um den Fußball-süchtigen, männlichen Teil der Familie. Anton und Jimmy werden von Tag zu Tag bleicher, gehen nicht mehr raus und essen nur noch Pommes rot-weiß. Wie es dazu kommen konnte, erfahrt ihr hier.

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Der Weihnachtswunsch: Ein Tischkicker für Kinder

Ich habe ja mal von Jimmys heiß ersehntem Weihnachtswunsch erzählt. Ein Tischkicker sollte es sein. Da Oma ihrem geliebten Enkelsöhnchen einfach jeden Wunsch von den Augen abliest, hatte ich schnell eine Warnung ausgesprochen: ich möchte keinen Tischkicker in unserer hübsch eingerichteten Wohnung haben. Dieses Monstrum verschandelt mir nämlich die Einrichtung. Oma war zum Glück kooperativ und versprach, eine Mini-Version zu besorgen, die nicht weiter auffällt. Dabei handelt es sich um ein 30 x 20 cm kleines Spielchen, welches durchaus seinen Reiz hat und eine echte Alternative ist, wenn das eigene Wohnzimmer nicht aussehen soll wie eine Eckkneipe.

Oma bestellte also bei einem gewissen Großhändler im Internet, hatte sich aber wohl die Maße des Tischkickers nicht genau angesehen, sondern lediglich „kleinere Version“ gelesen. Ich wunderte mich sehr, als im Dezember ein riesen Paket geliefert wurde und naiv wie ich war, dachte ich noch, das sind eben die Einzelteile, die lediglich zusammengeschraubt werden müssten.

Kinder-Tischkicker

Ich hatte mich geirrt. Unterm Tannenbaum stand dann ein riesen Monstrum. Nicht ganz so groß wie ein Kneipen-Spiel, aber doch durchaus stattlich. Mein Ärger hatte sich schnell gelegt, denn das Spielen machte Allen großen Spaß und auch ich stand oder kniete seither oft am Fußballtisch und habe auch ein paar Mal gewonnen.

Diese Zeiten haben sich geändert, denn seit Weihnachten macht Jimmy nichts anderes mehr, als zu trainieren. Die blaue Mannschaft ist der VfB, bei den roten handelt es sich um die örtliche Mannschaft, in dem kein anderer als Sami Khedira einst seine Karriere begann: im TV Oeffingen.

Jeder Besucher, ob Opa, Kumpel Moritz, Tante Lilli oder der Postbote, wird von Jimmy zu einem Turnier herausgefordert. Und er hat mittlerweile einen so starken und präzisen Schuss, dass ich nicht mehr in der Lage bin, gegen ihn zu gewinnen. Oma hat schon lange aufgegeben, und nur mehr Papa und Opa stellen sich der Herausforderung. Es gibt Zeiten, da bin ich genervt. Nicht nur von diesem Geräusch eines hin und her sausenden Plastikballs, der andauernd ins Tor knallt. Wir wollen Essen? Jimmy muss noch das Turnier fertig spielen. Wir müssen los zum Kindergarten? Jimmy hat erst Halbzeit. Die Kinder sollen ins Bett? „Mama, bitte noch ein Spiel. Oeffingen ist gerade so gut!“

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Samstags, am Nachmittag, müssen Luise und ich uns dann alleine vergnügen. Papa und Jimmy machen es sich im Arbeitszimmer, in dem jetzt der Tischkicker steht, gemütlich. Sie schauen die „Fußball-Show“ (euch bekannt als Sportschau), kicken was das Zeug hält und haben sich eine kleine Bar mit Erdnüssen, Bier und Apfelsaftschorle aufgestellt. Ein „Bitte nicht stören“-Schild hängt an der Tür.

Seit letzter Woche wurden die Turniere, die in unserer Wohnung stattfinden, professionalisiert. Anton, ein leidenschaftlicher Computerfachmann und Programmierer, hat für Jimmy eine App entwickelt. Erst hatte Jimmy sich noch laienhaft in einem Word-Dokument die Spielstände notiert, nun hat er ein ausgeklügeltes System zur Verfügung. Er kann die zu spielende Zeit eingeben oder einstellen, bei welcher Toranzahl eine Mannschaft gewinnt. Anton arbeitet jeden Abend laufend an der Weiterentwicklung und Jimmy darf sich dann am nächsten Morgen über neue Updates freuen. Nun gibt es nicht nur einen Goldpokal, der beim Siegtreffer aufleuchtet, sondern auch einen Countdown, der ertönt, sobald die letzten 10 Spielsekunden runterlaufen. Außerdem verschönern die Logos der Fußballclubs die Eingabemaske. Antons neueste Idee: Jimmy soll demnächst auch noch den Verein auswählen können. Er spielt nämlich auch gerne mal „Berlin gegen München“ oder „Bremen gegen Hamburg“. Eine Bundesligatabelle läge auch nahe, meint Anton, und widmet sich seitdem nur mehr dem HTML-Code.

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Luise und ich sitzen jeden Abend alleine beim Essen. Um 18 Uhr schieben wir den beiden je eine Stadionwurst durch den Türspalt. Jimmys Deutschland-Flagge verschönert nun mein Arbeitszimmer und beide Männer tragen Trikot und Schal. Um 23:30 Uhr sind Antons Augen vom Programmieren rot geschwollen, Jimmy setzt zur zweiten Halbzeit an, und Oeffingen gewinnt ein letztes Mal mit 17 zu 11 gegen den VfB. Morgens schlafen die beiden bis 10:30 Uhr, Anton hat inzwischen seinen Job an den Nagel gehängt und Jimmy auf seinen Platz im Kindergarten verzichtet. Nach einem späten Frühstück mit Pommes rot-weiß gehts auf ins nächste Turnier.

Wie gut, dass Luise und ich bald Gesellschaft eines Babys bekommen. Da es ein Junge wird, befürchte ich das Schlimmste.

Eure Laura

Laura

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