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Schulkind

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Endlich Ferienzeit! Bei uns in Baden-Württemberg ist das Schuljahr nun vorbei und ich ziehe mein kleines Resumee. Es hat sich doch etwas verändert, seit wir ein Schulkind in der Familie haben. Der Tagesablauf ist ein wenig geregelter geworden, die Hausaufgaben nehmen ihren Raum ein und Jimmy muss seinen Alltag managen: Spielen mit Freunden, Mathe üben, Konflikte mit Klassenkamaraden klären und das Schulzeug organisieren. Ganz schön viel zu tun für so einen knapp Siebenjährigen, und er macht das ganz hervorragend. An einer Sache aber haben wir uns lange aneinander gerieben und ich hatte es schon geahnt – Jimmy ist so ein zerstreuter Mensch. Er denkt an sieben Sachen gleichzeitig, meist ist das Thema Fußball. An Jacke, Sonnenhut, Stifte und Spitzer denkt er aber nicht. Oft sind wir mittags gemeinsam mit den Geschwistern in die Schule gelaufen und haben die Fundsachen durchwühlt. Ich verrate dir, dass es kein Spaß ist, in riesigen Plastikkisten zwischen verschwitzten Sportklamotten und alten, gefüllten Pausenbrotdosen nach dem von Oma gestrickten Schal zu suchen. Im Klassenzimmer haben wir auch gesucht, denn es fehlten dauernd Stifte. Einmal war die Jacke unauffindbar, am nächsten Tag die Turnschuhe.

Ärger mit dem Schulkind

Als motivierte Mutter, die das erste Kind einschult, habe ich natürlich die dicken, guten und teuren Stifte gekauft. Die Winterausrüstung war selbst gestrickt und die Jacken mit Wassersäule drölfzigtausend. Schön blöd, das weiß ich jetzt. Ich kann dir einen guten Tipp an die Hand geben: kauf keine zu teuren Sachen für die Schule, dann ärgerst du dich nicht über dein Kind und dein Kind nicht über die meckernde Mama. Das Kind wird auch mit billigen Stifen anmalen können, auch ein Ratzefummel vom Discounter macht die Bleistift-Drei gut weg und die Diskussion um wasserfeste Kleidung mag im Waldkindergarten oder bei einer Bergtour durch die Alpen sinnvoll sein; bei einem gewöhnlichen Schulkind, dessen Schulweg durch eine von Menschen besiedelte und asphaltierte Gegend führt, reicht eine gewöhnliche Regenjacke aus. Ich spare mir nämlich extrem viel Geld und vor allem Nerven, wenn ich mir bei den kritischen Dingen günstigen Ersatz zulege und Jimmy zwar Verantwortung lernen muss, er aber keinen Mords-Rüffel nach fünf anstrengenden Stunden Schule bekommt, weil die 30 Euro-Kindermütze aus dem schicken Dingsgeschäft weg ist.

Nie mehr Schulsachen verlieren: die Lösung

Ich habe aber noch einen anderen, sehr wertvollen Tipp für dich! Wir haben uns schon vor einem Jahr eine Schulausrüstung bei gutmarkiert besorgt. Da bekommst du Klebe- und Bügeletiketten mit dem Namen deines Kindes drauf. Ihr könnt euch sogar Farbe, Schrift und Symbol aussuchen. Sie sehen hübsch aus, aber viel besser ist, dass sie wirklich halten. Normalerweise kleben Etiketten bei hohem Nutzungsgrad schnell nicht mehr. Das ist hier anders. Ich kann nach einem Jahr Dauernutzung sagen, dass jedes einzelne Etikett noch an seinem Gegenstand zu finden ist. Zum Beispiel haben wir Jimmys Trinkflaschen beklebt, die ich beinahe täglich in die Spülmaschine räume. Beklebt sind außerdem die Brotdosen, das Mäppchen, die Hefte, die Sporttasche, der Schirm und alle anderen Dinge, die Schulkinder so brauchen. Genial sind die Kleber für die Schuhe. Hier war ich äußerst skeptisch, ob das wohl funktioniert, aber über die Kleber mit den Namen der Kinder kommt noch ein extra Schuh-Kleber, das hält dann bombenfest. Du kannst dir nicht vorstellen, wie oft Jimmy mit nur einem Schuh nach Hause kam. Aber mit dem Namensaufkleber war das dann kein Problem, die Lehrerinnen wussten sofort, wem er gehört.

Etiketten von gutmarkiert

Die Bügeletiketten habe ich auch in so ziemlich jede Klamotte gebügelt. Sie halten seit einem Jahr ordentlich viele Touren in der Waschmaschine aus, ohne abzugehen. Ich habe dafür übrigens groß unseren Nachnamen drucken lassen und in klein die drei Vornamen der Kinder darunter. Denn wenn alles gut läuft, bleiben uns die Jacken nun erhalten und ich muss für das nächste Kind kein neues Etikett reinbügeln. Die kleinen Etiketten zieren bei uns auch die Sportkleidung, Luises Kindergartenkleider von Matschhose über Wechselkleidung und Handschuhe, Gummistiefel, Sandspielzeug, Handtücher, Kosmetikbeutel, Schlafsäcke und Gesellschaftsspiele. Und drauf gebügelt halten sie sogar auf dem selbstgestrickten Schal von Oma, alles unter schwersten Einsatzbedingungen getestet, versprochen!
Mit im Basis-Paket für die Schule enthalten war noch ein Taschenanhänger. Auf dessen Rückseite haben wir ein Namenskleber geklebt und so Ranzen, Taschen oder Koffer markiert. Für die Ferien sind die Etiketten natürlich auch genial. Wenn all die Dinge mit Namen versehen sind, dann verlieren die Kinder auch auf Klassenfahrt, im Ferienlager oder beim Urlaub mit Oma und Opa ihre Sachen nicht.

Weitere Tipps für die Schul-Organisation

Was uns neben den tollen gutmarkiert-Etiketten noch geholfen hat, den Schulalltag möglichst ohne Stress und Ärger zu organisieren, waren folgende Dinge:
  • jeden Tag um die gleiche Zeit aufstehen. Genug Zeit einplanen für Frühstück, Anziehen, Zähne putzen
  • fünf Kleider-Pakete zusammenlegen und in einer Kiste sammeln: so hat das Schulkind für eine Woche gleich alles parat
  • im Flur eine Kiste einrichten, in die Mützen, Schals, Schirm etc. reinkommen. Mit dem Schulkind üben, die Dinge da nach Ankunft auch wieder reinzulegen
  • regelmäßig mit dem Kind den Ranzen ausmisten, Blätter in die Ordner sortieren und Müll entsorgen
  • täglich Stifte spitzen und Mäppchen auf Vollständigkeit prüfen
  • Stifte und Kleinteile, auf die keine gutmarkiert-Etiketten passen, mit Washi-Tape markieren
  • Mützen im Winter mit einem kurzen Bändel und einem Druckknopf an der Jacke befestigen (Bändel kurz halten, damit er sich nicht um den Hals wickeln kann)
Ich finde es wichtig, dass die Kinder nach und nach lernen, mehr Verantwortung für ihre Sachen zu übernehmen. Aber ich habe gemerkt, dass so ein Erstklässler mit den vielen Dingen ziemlich überfordert ist. Da braucht es bei den meisten Kindern noch die Hilfe der Eltern. Zusammen und mit etwas Übung klappt das dann von Schuljahr zu Schuljahr besser, vor allem mit den tollen Etiketten von gutmarkiert. Im Übrigen sehen die Sachen mit den fröhlichen und bunten Etiketten auch noch viel schöner aus! Falls du noch etwas für die Schultüte brauchst oder ihr im Bekanntenkreis ein Kind habt, das eingeschult wird, wäre so ein Set außerdem ein tolles Geschenk für die Schultüte.
Ich habe die Namen retuschiert, sie sind natürlich wunderbar zu lesen 🙂

Gewinnspiel

Wäre das was für euch? Egal, ob du ein Kindergarten- oder ein Schulkind zuhause hast, zusammen mit gutmarkiert verlose ich hier ein Kombiset Aufkleber. Kommentier einfach unter diesem Text und erzähl, was ihr schon so verloren habt! Ich bin gespannt….
Teilnahmebedingungen: Schreibe mir einfach einen Kommentar unter den Text, es wird ein Gewinner ausgelost. Mit der Abgabe eines Kommentars erklärst du dich damit einverstanden, dass ich deine Adresse für den Versand bekomme und an gutmarkiert (ausschließlich für den Versand-Zweck) weiterleiten darf. Nach erfolgtem Versand wird die Adresse unverzüglich gelöscht. Für Verluste auf dem Versandweg wird keinerlei Haftung übernommen. Am Gewinnspiel teilnehmen darf, wer über 18 Jahre alt ist und in Deutschland wohnt. Dieses Gewinnspiel läuft vom 21.07.18 bis zum 30.07.18 um 23.59 Uhr. Der Gewinner wird am 01.08.18 per Los ermittelt und von mir per Mail benachrichtigt. Teilnahme nur mit Abgabe von einem Kommentar pro Person möglich. Der Gewinn kann nur innerhalb Deutschlands versendet werden. Eine Auszahlung, Übertragung, sowie der Tausch eines Gewinns ist nicht möglich. Der Erwerb von Produkten und Dienstleistungen beeinträchtigen den Ausgang des Gewinnspiels nicht. Keine Gewähr, Haftung, oder Barauszahlung des Gewinns. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura
Warum wird hier Werbung gemacht? Das erkläre ich dir hier. Falls du Lust hast, mehr von mir zu lesen oder zu sehen, dann schau doch mal bei Instagram vorbei. Da gibts einen Haufen Inspirationen für den Mama-Alltag und eine Runde Glitzer für dich!

Liebes Schulkind,

da stehst du nun: stolz mit der grünen Fußball-Schultüte und dem großen Ranzen auf deinem zarten Rücken. Du gehst nun los, um Lesen und Schreiben zu lernen. Ich gehe los, um Loslassen zu lernen. Wir beide haben einen Weg vor uns, den wir von jetzt an streckenweise getrennt gehen werden. Und damit meine ich nicht nur deinen Schulweg.

Dieser erste Schultag ist etwas ganz besonderes, das haben wir alle gemerkt. Du saßt mit deinem Freund vorne in den ersten Reihen. Geheuer war dir das nicht so richtig, aber du bist tapfer sitzen geblieben. Und dann bist du mit deinen Klassenlehrerinnen und den neuen Mitschülern aufgestanden und aus dem Saal gegangen. Da hatte ich einen Kloß im Hals.

Bisher war ich mutig. Ich habe insgeheim den Kopf geschüttelt über all die Eltern, die sich so sehr vor dem ersten Schultag ihrer Kinder fürchten. Ich habe mich nicht gefüchtet, weil du dich nicht gefürchtet hast. Und du hattest keine Angst, weil wir dir keine Angst gemacht haben. Eigentlich war dir dieses ganze Theater um die Einschulung in den letzten Wochen ziemlich egal und das einzige, das dich interessierte war, dass es in den Pausen Fußballturniere geben soll. Am ersten Schultag bist du um einiges mutiger als ich.

Insgeheim habe ich auch über die Eltern den Kopf geschüttelt, die erzählten, wie gerührt sie am ersten Schultag ihrer Kinder waren und Tränen vergossen. Jetzt kommen mir selber die Tränen, als ich dich da stehen sehe. So groß und klein gleichzeitig, ein wenig eingeschüchtert von all den vielen Menschen um dich rum, trotzdem so zuversichtlich auf das, was da kommt und so gespannt auf all die Dinge, die du in den nächsten Wochen lernen wirst.

Und ein Film läuft in meinem Kopf ab. Ein Film von einem kleinen Jungen, der dauernd seine sieben Sachen vergessen wird. Von einer Mama, die in der Schule in einer muffelnden Fundkiste nach Schirm, Sporthose und Winterjacke sucht. Von einem Erstklässler, der keine Lust hat, Bilder auszumalen und endlose Reihen von Buchstaben zu schreiben. Von einem Kerl, der Arbeitsblätter nicht in die Mappe, sonder zerknittert in die Schultasche stopft. Von seiner Mutter, die nach dem Unterricht sagt: „Na, wie wars? Erzähl doch mal!“ Und ein Sohn, der mit den Schultern zuckt und nichts antwortet außer „geht so!“ Im Film geht der kleine Mann nach der Schule nicht schnurstracks nach Hause, sondern holt sich von seinem Taschengeld Kaugummi am Kiosk, während seine Mutter mit bangem Blick an der Straßenecke auf ihn wartet.

So oft habe ich kleine Jungs in die Schule rennen sehen, während du an meiner Hand zum Kindergarten gingst. Habe die kleinen Männlein bestaunt, die mit ihren riesigen Kisten auf den Rücken durch die große Türe rannten, während du mit deinem Laufrad vor mir her fuhrst. Konnte die wilden Kerle auf dem Pausenhof lärmen hören, während du die Rutsche auf dem Spielplatz runter schlittertest. Und nun bist du selbst so ein Junge, der eine riesen Kiste auf dem Rücken trägt und nichts als Fußball in der großen Pause im Kopf hat.

Ich bin nur ein bisschen traurig, dass sich unsere Wege von nun an immer öfter trennen werden. Aber ich bin mächtig stolz auf diesen Jungen, der seinen ganzen Mut zusammennimmt und an der Hand einer seiner neuen Lehrerinnen aus der großen Halle geht. Denn ich darf dich, lieber Jimmy, auf deinem Schulweg begleiten. Ich darf dir Mut machen, dir Halt geben, dich aufmuntern, wenn die Mathearbeit schlecht lief oder du Ärger mit deinem besten Freund hattest. Ich darf mich mit dir freuen, wenn du zum Klassensprecher gewählt wurdest oder eine Eins beim Lesen abgestaubt hast. Ich werde deine Turnschuhe suchen, deine Arbeitsblätter in die Mappe einsortieren, dich in der Schule wegen Magenschmerzen entschuldigen, wenn Deutschland im Finale der Fußballweltmeisterschaft steht, deine Pausenbrotdose mit den verschimmelten Broten aus der Tasche holen und dich erleichtert in die Arme schließen, wenn du mal wieder auf dem Nachhauseweg getrödelt hast.

Und nun wünsche ich dir eine wunderschöne Schulzeit. Hab Spaß und Freude am Lernen, finde Menschen, die du als Freunde in dein Herz schließt, lass dich nicht unterkriegen von Notendruck und Zeugnisstress, spiele, lache, sei frech und jungenhaft. Ich bin gespannt und so voller Freude auf das, was da kommen mag und werde am Wegesrand stehen und dir winken.

Ey, wenn sich alles in Kreisen bewegt
Dann gehst du links, dann geh‘ ich rechts
Und irgendwann kreuzt sich der Weg
Wenn wir uns wieder sehen

(Kreise, Johannes Oerding)

Deine Mama

Nachtrag:

Mit meinem Text „Brief an mein Schulkind“ bewerbe ich mich für den scoyo ELTERN! Blog Award 2018 und möchte damit allen Eltern Mut machen, die vor der Einschulung ihres Kindes stehen oder schon ein Schulkind haben, so wie ich. Wir haben das erste Schuljahr hinter uns. Lief alles rund? Nein! Natürlich gab es auch bei uns ein paar Hindernisse zu überwinden. Jimmy musste lernen, den Stift zu halten und säuberlich zu schreiben, ich musste das Loslassen lernen. An einem Tag habe ich mit klopfendem Herzen auf mein Kind gewartet und hatte unglaublich Angst, dass ihm etwas passiert ist. Es kam laut singend und 20 Minuten zu spät, weil es in der Schule noch einen Streit klären musste. An einem anderen Tag habe ich Jimmy morgens angeschrien, weil er in kurzer Zeit zwei Schals, eine Mütze, drei Stifte, das neue Radiergummi und die Trinkflasche verloren und vergessen hat. Er ist dann weinend zur Schule gegangen und mir hat wenig später das Herz geblutet, weil ich so gemein war. Weißt du, was ich gelernt habe? Meinem Kind zu vertrauen.

Er macht das schon und Fehler sind da, um daraus zu lernen. Unsere Kinder sind ganz wunderbar und all die vergessenen Sachen, das Rumbummeln auf dem Schulweg, Schwierigkeiten mit den Hausaufgaben, Unlust zu lesen und zu schreiben – es gehört dazu und ist normal. Alles was dein Kind braucht, sind Eltern, die ihm das Gefühl geben: du, mein Kind, du schaffst das schon. Wenn etwas schief geht, sind wir bei dir.

Mut ist ganz wichtig, und zwar für dich. Hab Mut, dein Kind alleine zur Schule gehen und stückchenweise immer mehr Verantwortung tragen zu lassen. Hab Mut, seine Schwächen zu akzeptieren und seine Stärken in den Fokus zu stellen. Eine Sportskanone kann nicht noch den Lesewettbewerb gewinnen, ein kleines Computergehirn wird nicht auch noch Erster beim Wettrennen. Ein sensibles Kind, das viel Feingefühl für seine Mitmenschen hat, muss kein Klassensprecher werden und ein Traumtänzer kann vielleicht singen und malen, aber nicht jede Regel einhalten. Wir Eltern lernen sehr viel, wenn unser Kind in die Schule gehen. Ich wünsche euch, dass ihr dieses Abenteuer gemeinsam erlebt, sich eure Wege immer wieder kreuzen und ihr all die kleinen und großen Hürden gemeinsam meistern werdet. Bleib fröhlich und vor allem: unperfekt. Denn das zeichnet uns Menschen aus. Deine Laura

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Hast du Lust auf mehr Musik? Dann komm doch mal rüber zu meinem Instagram-Kanal. Hier gibts Motivation für Mamas, feine Kaffee-Rezepte und unsere Müttersprechstunde am Morgen. Ich freu mich auf dich!

Nicole hat für den Blog Das-Elternhandbuch eine interessante Blogparade gestartet. Es geht um die Frage, ob Mütter so richtige Baby-Fanatikerinnen sind, oder sie den Umgang mit etwas größeren Kindern vorziehen. Ich möchte mein Statement gleich vorweg setzen: Ich liebe jedes Alter, denn da Kinder nun einmal als Baby auf die Welt kommen und unweigerlich größer und älter werden, ist die Entscheidungsfreiheit von uns Eltern sowieso nicht gegeben. Ich muss aber auch dazu sagen, dass es in jedem Alter etwas gibt, das so richtig wundervoll ist, und das absolut nervt. Und da ich gerade ein Baby, ein Kleinkind und ein Vorschulkind im Hause habe, kann ich mit dieser Blogparade, die unter dem Hashtag #Babyfrage läuft, aus dem Vollen schöpfen.

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Das Babyalter

Nach der Geburt von Jimmy war ich echt schockiert, dass so ein Baby nicht einfach nur süß und knuddelig ist, sondern mir auch ordentlich auf den Senkel gehen kann. Kaum hatte der Wonneproppen seine Äuglein auf, fing er auch schon an zu schreien. Ich muss zugeben, dass ich mir manchmal einfach meine Kopfhörer aufs Ohr gestülpt habe, weil ich Jimmys „Rabäääh“ einfach nicht mehr hören konnte. Auch befolgte ich Notfall-Tipps wie „bei akuter Gereiztheit der Mutter lege diese das weinende Baby zur Sicherheit auf den Boden und betrete einen anderen Raum.“ Ich führte Dauertelefonate mit meiner kindererfahrenene Freundin, heulte mich aus und gestand ihr, dass mein bisher lustiges und erfreuliches Leben nur noch aus freudlosen Tagen im Windel- und Laufstallmodus bestehen würde. Ich war so unglaublich müde, enttäuscht und traurig darüber, dass ich das Mutterglück nicht so empfinden konnte, wie meine seligen Bekannten aus der Krabbelgruppe, denen die Begeisterung über ihre Säuglinge aus Mund und Nase quoll.

Nun, zwei Kinder später, bin ich am selben Punkt: neben mir liegt mal wieder ein weinender und oft unzufriedener Gast, der mir nachts den Schlaf raubt und leider bisher noch keine Dankbarkeit für meine Aufopferung in Form von Lächeln, feuchten Küsschen oder selbst gemalten Bildern zeigt. Aber etwas hat sich doch geändert: ich weiß, dass diese Zeit sehr schnell vorbei geht, ich wieder mehr Schlaf bekomme, Oskar mich irgendwann „Mama“ nennen wird und sich der ganze Aufwand so unglaublich lohnt, wie nichts anderes auf der Welt. Nun kann ich in Ruhe sein putziges Äußeres genießen, sein kleines Gesicht anhimmeln, die winzigen Füßchen bewundern und seine dauernde Anwesenheit genießen. Ich liebe Babys, sage ich jetzt aus ganzem Herzen. Ich kann aber jede Mutter verstehen, die beim Anblick von Säuglingen eine Gänsehaut bekommt, weil sie an durchwachte Nächte, Schlafmangel und Dauergebrüll denken muss.

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Das Kleinkind

Dieses Alter ist so wundervoll, denke ich, wenn ich Luise manchmal anschaue. Sie ist so putzig, sagt witzige Worte wie „Mülleimal“ (Mülleimer) und „Bruderzucker“ (Puderzucker), umarmt und herzt mich, hat ein zartes Kleinkindgesicht und duftet zu jeder Zeit sehr, sehr gut. Ach könnte das Kind für immer so bleiben, schwärme ich dann. Meist fällt ihr in diesem Augenblick ein Becher aus der Hand oder sie zettelt einen handfesten Streit mit ihrem Bruder an. Dann wären da auch noch die Trotzanfälle und der wenig zielführende Versuch meinerseits, ihr irgendetwas zu erklären, oder ihr Verbote und Gebote zugänglich zu machen. Das überhört sie, vielleicht aus Lust am Überhören, vielleicht einfach deshalb, weil sei mit drei Jahren vieles noch nicht versteht. Meine Entzückung über dieses Alter hört auch immer dann auf, wenn es um das Thema Toilette geht. Es geht einfach dauernd etwas daneben und ich wasche geschätzte 120 Unterhöschen pro Woche. Immer dabei habe ich Wechselklamotten in dreifacher Ausführung, und mein größter Alptraum ist, wenn Luise im Freibad sagt: „Mama, ich muss mal.“ Wer mit einem kleinen Mädchen schon einmal zum großen Geschäft auf einem versifften Schwimmbadklo war, weiß, wovon ich spreche.

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Außerdem ist Luise in der Phase, in der sie überhaupt nichts essen mag außer Süßes und hin und wieder mal ein paar Scheiben Gurke. Sie ist sehr wählerisch, was ihre Kleidung betrifft (ausschließlich Kleider in rosa oder lila), hat große Scheu vor fremden Männern, hat nur ihr Pferd Sabrina im Kopf und ist oft und ausgiebig beleidigt. Ich hoffe, dass sich der eine oder andere Punkt in den nächsten Jahren ändern wird.

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Das Vorschulkind

War dieser große Junge nicht gerade noch so winzig, denke ich, wenn ich Jimmy anschaue, der die bevor stehende Schulzeit kaum erwarten kann? Der flucht, wie ein Rohrspatz, sich für Waffen interessiert und Bücher über die „Schtawors“ in der Bücherei ausleiht? Der nichts anders als Fußball im Kopf hat und nur sehr, sehr selten zum Kuscheln auf meinen Schoß klettert?

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Aber wie wunderbar kann ich mit Jimmy diskutieren und reden. Wir unterhalten uns über Krieg in der Welt, über Wetter, Weihnachten und Weltmeisterschaften, wir besprechen abends am Bett den Tag und lesen endlich so schöne Geschichten wie die vom Sams und Lukas, dem Lokomotivführer. Ich habe vor mir einen kleinen Menschen mit einem sehr ausgeprägten Charakter, der sich von den gleichaltrigen in vielen Punkten unterscheidet, einfach, weil er Jimmy ist. Babys und Kleinkinder sind sich in vielem sehr ähnlich und bei Menschen unter 6 Monaten möchte ich behaupten: „Kennst du einen, kennst du alle!“ Aber mit fünf Jahren ist Jimmy einfach Jimmy, und nur die, die ihn schon lange begleiten, kennen ihn genau und wissen, was für eine kleine Persönlichkeit in ihm steckt. Er hat seine Vorlieben, seine Marotten, seine guten und weniger guten Eigenschaften. Und ich beobachte ihn auf dem Spielplatz und denke: was ist das nur für ein süßer, kleiner, großer Mann!

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So hat jedes Alter einige Nach- und viele Vorteile, und es ist ausgezeichnet, dass wir Eltern uns kein Lieblingsalter aussuchen können. Keine Mama, die alle Babys liebt, hat für immer ein niedliches Windelpaket, für das sie sorgen kann. Und jede Mutter, die am liebsten mit ihren Kids die tollsten Ausflüge unternimmt, kommt um die Säuglingszeit herum. Das ist das Schönste, das wir dabei lernen: Die Kinder so zu nehmen, wie sie sind. Und deshalb freue ich mich auf die Schulzeit, auf Pubertät und Jugendalter, und bin gespannt, was da noch auf uns zukommt. Und ich habe einen Traum: irgendwann, in 20 Jahren, sitzen Anton und ich mit ganz vielen jungen Menschen und ihren Freunden um unseren großen Tisch, trinken guten Wein, essen gemeinsam und lassen uns inspirieren von ganz individuellen, einzigartigen Persönlichkeiten. Wenn dann alle gegangen sind, schauen wir uns die Babyalben unserer Kinder an, schwelgen in Erinnerung und halten uns dann an das deutsche Sprichwort:

„Das Leben beginnt dann, wenn der Hund tot ist, und die Kinder aus dem Haus sind.“

In diesem Sinne, danke Nicole für das schöne Thema. Hat Spaß gemacht!

 

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