Das Husten der Lämmer

Lach- und Krachgeschichten

Wenn ich ein Geräusch nicht mehr hören kann, dann ist es nächtliches Husten. Ja, ich oute mich hier als Rabenmutter, aber lieber werde ich nachts von einer Blaskapelle geweckt oder dem monotonen Schneeschipp-Geräusch schwäbischer Nachbarn, als dem ewigen Röcheln dauererkälteter Schnupfnasen. So leid sie mir tun, die kranken Mäuse, so sehr bin ich dieser winterlichen Erkältungswelle überdrüssig.

Als Mutter ist man ja so Einiges gewohnt: im September geht es langsam los, steigert sich dann bis Januar zu einer Höllenplage und ebbt Anfang April langsam wieder ab: die kindliche Husten- und Schnupfen-Krätze in elendiger Variation mit röchelnder Bronchitis, ein paar ausgeprägten Ohren- und Bindehautentzündungen links und rechts und als Schmankerl oben drauf eine Hand-Mund-Fußkrankheit, die sich das ledierte Immunsystem natürlich nicht entgehen lassen wollte.

Berufstätige Elternteile wissen, was das heißt. Wir gehen zum Kinderarzt und lassen uns eine Krankschreibung des Kinders attestieren, am besten vom 1. Oktober bis zum 30. März, und übergeben sie dem Arbeitgeber, der sie freudestrahlend und Genesungswünsche aussprechend entgegen nimmt.
Dann bleiben wir zuhause mit weinenden und kränklichen Kindern, im Nacken das Wissen von überquellenden Postfächern und Arbeitsaufträgen, deren Bearbeitung bis auf Weiteres in die Frühlingsmonate verschoben werden muss.
Vom Gefühl her noch schlimmer ist Variante 2: wir schauen uns das Wohlbefinden der verschnupften Kinder genau an, denken „ach, heute gehts ja!“, geben sie im Kindergarten ab, setzen uns ins Auto und fahren Richtung Büro, auf dem Rücksitz ein schlechtes Gewissen so groß wie ein riesen Mammut, das dauernd „du fiese Monstermutter“ vor sich hin brabbelt.

Auch eine interessante Erfahrung ist Variante 3: Kind bleibt zuhause, Mama oder Papa machen Home-Office, und Eltern, Patient und Chef sind zufrieden. Das klappt dann in der Realität so gut, wie der naive Ratschlag des Kinderarztes, das Söhnchen alle zwei Stunden mit Kochsalzlösungs-Nasentropfen zu versorgen: nämlich gar nicht. Der PC ist gerade hoch gefahren, das Kind mit sprechendem Stift und dazu gehörigem Buch, Tee und Gummibärchen daneben geparkt, da geht es los: „Mama, bitte Nase putzen. Und Teddy holen. Oh, muss aufs Klo. Darf ich auch mal tippen? Darf ich Fernsehen? Der Tee ist zu heiß! Wann gehen wir raus? Ich muss so husten.“
Auf dem Bildschirm blinkt ein Cursor auf weißem Hintergrund, der Redakteur fragt per Mail nach dem Artikel, der heute Deadline hat.

Prima Freizeitbeschäftigung im Winter ist außerdem das folgende Spiel, von dem alle Mamas und Papas mit Kleinkindern ein Lied singen können: Das lustige Rätselraten der Kinderkrankheiten. Ist es eine einfach Erkältung, oder eine beginnende Bronchitis? Muss ich jetzt dringend mit dem Kind zum Arzt, oder warte ich lieber, und gehe dann am Wochenende in die Notfallpraxis? Ist es lebensgefährlich, wenn das Fieberthermometer erst bei 39,8 Grad aufhört zu steigen? Darf ich neben einem hustenden Kind einschlafen und lebt es noch, wenn ich wieder aufwache? Warum antwortet mir Google bei meinen naiven Fragen zum Thema Kinderkrankheiten immer mit dem Hinweis, besser ins Krankenhaus zu fahren?

Und last but not least, das zweitgrößte Problem von uns Eltern, neben der Sorge um die dauerkranke, weinende und schnupfende Brut: Wie überlebt man/frau den dunklen Winter mit einer durchschnittlichen Schlafdauer von 1,5 bis maximal 2 Stunden? Da wären wir wieder beim Thema Husten in der Nacht! Jedenfalls gehen wir, die Eltern von den Dauerpatienten, abends nie ins Bett, ohne unsere nächtliche Überlebensausrüstung zu checken: Nasentropfen für Säuglinge – check! Nasentropfen für Kleinkinder – check! Teeflaschen für beide Kinder – check! Ersatzschnullis in dreifacher Menge – check! Kleenex, Inhaliergerät, Fieberthermometer griffbereit – check! Ok, dann gute Nacht. Du machst die erste Schicht, ich die zweite. Du nimmst die Tochter ins Bett, ich den Sohn. Du bleibst morgen zuhause, ich geh arbeiten. Sonst noch was? Wir haben übermorgen Hochzeitstag! Was wünschst du dir? Eine Nacht in Ruhe im Gästezimmer schlafen!

Ich wünsche allen Eltern samt Kleinkindern gute Besserung und einen baldigen Frühlingsanfang!
In diesem Sinne ein kräftiges Hatschi

Pia Laura Froehlich

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