Der Teufel ist weiblich

Lach- und Krachgeschichten

Eineinhalb Jahre – das ist ein sehr schönes Kleinkind-Alter: dicke Stampferbeinchen laufen einigermaßen sicher durch die Welt, rennen, springen, stolpern und sehen in Strumpfhosen mit dickem Windelpo so niedlich aus. Die ersten kleinen Sätze: Papa-arbeiten, Mama-lieb, Guck-Opa-Keks treiben Müttern Tränen der Rührung in die Augen. Auf dem Weg in die Selbstständigkeit können die kleinen Menschlein schon Einiges ganz alleine tun: mit dem Löffel essen, Schuhe ausziehen, Kindergartentasche tragen und Mini-Einkaufswagen schieben.

Alles sehr schön, macht stolz und glücklich – wenn es sich bei dem eineinhalb Jährigen Entenküken nicht um unsere Luise handeln würde. Hin und wieder schleicht sich mir der Gedanken ein, diese kleine Dame kommt direkt aus dem Kindergarten Luzifers. Dieser lacht sich jeden Tag ins Fäustchen, wenn er in seiner feurigen Stube mit einem Glas Teufelsbier in der Hand live und in Farbe meine Nervenzusammenbrüche über seinen Tablet-PC gestreamt bekommt.

Luises zweiter Gedanke am Morgen – der erste lautet „Flasche Milch“ – ist folgender: wie bringe ich möglichst unkompliziert und ohne größere Anstrengungen alle drei Familienmitglieder am besten gleichzeitig auf die Palme? Die Ideen dafür sind reichlich vorhanden. Beim gemütlichen Frühstück mit Mama dreht das kleine Mädchen nach den ersten Schlücken die Milchflasche um und sprenkelt Milchtropfen auf Tisch und Fußboden, grinst und ruft: „nass!“. Auf das Frühstück folgt das Wecken des Bruders, der durch Wegnehmen des Teddys richtig wild gemacht wird. Während Mama den wütenden Jimmy auf die Toilette begleitet, räumt Luise die Windelschublade leer und begibt sich dann in die Küche. Dort schiebt sie den Kinderstuhl Richtung Arbeitsplatte, klettert hoch und beginnt mit ihrem Lieblingsspiel: das Ingangsetzen der Mikrowelle. Dann wirft sie einen Blick auf die Kaffeemaschine, entdeckt – juchuu – ein paar alte, triefende Pads und hantiert mit allem fleißig herum. Wenn Jimmys Geschäft länger dauert, nimmt sie sich gerne noch die Zeit, um alle Kleenex-Tücher aus der Packung zu ziehen.

Weiter gehts im Badezimmer. Voller Stolz auf die neuen Fähigkeiten demonstriert die junge Dame die gekonnte Bedienung der Armatur, nicht ohne sich die frisch angezogenen Klamotten komplett einzunässen. Zähneputzen ist ihr zuwider, ohne Zwang durch Klammergriff schafft das Keiner. Wütendes Gebrüll und Strampeln ist die Antwort auf die Zumutung mütterlicherseits. Während dann Jimmy die Zähne putzt, findet Luise Zeit, alle herumliegenden Dinge in die Badewanne zu werfen und die Toilettenpapierrolle abzurollen. Leider wird sie dann beim Entleeren des Badezimmermülls (Igitt!) von der Mutter ertappt. Diese braucht jetzt schnell eine Dusche und steht unter der Brause. Zeit für den Teufelsbraten, mal schnell ein bisschen Ordnung zu schaffen und für sämtliche Dinge im Haushalt neue Plätze zu suchen. Gerne sortiert Luise auch den Geldbeutel um, zerknüllt dabei die Geldscheine und schmeißt sie aus ihrer Sicht völlig korrekt in den Müll.
Ich selbst bin immer wieder überrascht, was ihr in den paar Minuten alles einfällt, in denen ich mal schnell dusche oder das stille Örtchen besuche (diese Bezeichnung muss eine Erfindung eines Vaters oder einer Mutter sein!).

In der Geschwindigkeit treibt Luise Schabernack bis abends um halb acht. Ihre durchschnittliche Tagesbilanz:
– ca. 3 bis 4 Mal einen Becher ausgeschüttet und die Drohungen, es gäbe bald nur noch Wasser, und zwar intravenös, lachend ignoriert
–  den Brotkorb samt Krümel ausgeschüttet
– zwei Buchseiten ausgerissen
– Jimmy ca. 2 Mal an den Haaren gezogen
– Papa ein Mal in den Oberschenkel gebissen
– Mama 7 Mal die Brille von der Nase gerissen
– 1 Mal mit dem Telefon eine fremde Person angerufen
– mit der Klobürste gespielt
– 3 Legotürme zerstört
– Beim Abendessen Teller samt Inhalt auf den Boden geschmissen, Schimpftiraden mit erhobenem Haupt in Kauf genommen und daraufhin beleidigt den Essplatz verlassen
– 15 Mal die Strümpfe ausgezogen

Kurz bevor Lusie ermattet in den Schlaf gleitet, schmeißt sie noch schnell Puppe und Schnulli aus dem Bett, um daraufhin lauthals nach den „verlorenen“ Dingen zu weinen. Wenn ich sie dann seelenruhig vorfinde, die Äuglein zu, die Händchen in den Haaren, am Schnulli nuckelnd, finde ich sie so süß und goldig, dass ich glaube, sie müsse doch ein Engel sein. Aber meist höre ich dann den Teufel von ganz weither schallend lachen.

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Pia Laura Froehlich

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