Jimmy ist weg

Brief von Mama

Lieber Jimmy,

nun bist du also das erste Mal so lange von zuhause weg. Und das auch noch länger, als geplant. Ich habe eine Grippe und um dich nicht vor deiner großen Reise anzustecken, schläfst du zwei Nächte bei Oma und Opa, bevor ihr in euer Abenteuer aufbrecht. Diesen Sommer fällt ein Familienurlaub leider aus. Da kam das Angebot der Großeltern genau richtig, mit dir eine Woche an die Nordsee zu fahren. Seit langer Zeit nun bist du aufgeregt und freust dich wie verrückt. Das letzte Mal, als du das Meer gesehen hast, warst du erst zwei Jahre alt und konntest es noch gar nicht richtig begreifen. Jetzt kannst du den Duft der Nordsee, den Sand unter deinen Füßen und die Gischt, die deine Zehen umspült, sicher ganz anders wahrnehmen und wirst es nie wieder vergessen. Deine Familie mütterlicherseits hat nämlich eine erblich bedingte Leidenschaft für die deutschen Meere und liebt Nord- und Ostsee heiß und innig.

Was gibt es Schöneres, als sich nach einem kühlen Bad im Meer in den warmen Strandkorb zu kuscheln, ein Körbchen Miesmuscheln zu sammeln oder in den kleinen Ebbe-Pfützen ein Bötchen schwimmen zu lassen? Übrigens ist Opa der weltbeste Sandburgen- und Murmelbahnbauer. Ich habe dir extra ein Säckchen Murmeln in den Koffer gepackt.

Das Schönste im Urlaub aber wird für dich sein, dass dich deine Oma 24 Stunden am Tag verwöhnen wird, du mit Opa all die offenen Fragen der Weltraumforschung besprechen kannst und deine Tante Teresa mit von der Partie sein wird. Ihr werdet euch ein Zimmer teilen, abends Geschichten lesen und einen Haufen Faxen machen.

DSC_0272

Ich bin mir sicher, dass es ein zauberhafter Urlaub wird und du die tollsten Dinge erlebst. Und noch eines ist sicher: du wirst mir unendlich fehlen. Wir hatten es in der letzten Zeit manchmal ein bisschen schwer. Dein Fußballwahn hat dazu geführt, dass du jede freie Minute am Tischkicker verbracht hast, und für nichts anderes mehr zugänglich warst. Das hat mich manchmal ganz schön genervt. Andererseits hätte ich mir auch Zeit nehmen und mich zu dir setzen können. Du hättest mir dann deine Mannschaftsaufstellung erklärt, mir erzählt, warum du Christiano Ronaldo und die Schweden so gut findest und mir das neue Computerprogramm für eine Tischkicker-Europameisterschaft gezeigt, das dir dein Papa gebaut hat. Jedenfalls war es letzten Samstag ganz toll, als wir zu zweit einen Spielenachmittag gemacht haben und zockten, bis der Kicker qualmte. Das hattest du dir vor deinem Urlaub noch von mir gewünscht.

Manchmal war ich in der letzten Zeit auch empört über deine Schimpfworte. „Kacka-Mama“ hast du mich genannt und dass ich doof sei, hast du gesagt. „Jetzt geht es los, und aus dem kleinen, lieblichen Kind wird ein barscher Junge“, habe ich dann wehmütig gedacht, und mich an den niedlichen Purzelzwerg erinnert, der du noch vor einem Jahr warst. Nie hättest du mich da „Kacka-Mama“ genannt! Als ich aber darüber nachdachte, warum du das sagtest, war es mir klar: ich hatte mit dir geschimpft, obwohl Luise einen Streit vom Zaun gebrochen hatte. Und das andere Mal hatte ich dich gezwungen, zum Turnen zu gehen, obwohl du dich da zur Zeit nicht wohl fühlst. Dein Gerechtigkeitssinn und dein Wille, selbst bestimmt zu handeln, ist groß. Weißt du, eigentlich finde ich gerade das an dir so toll. Und deshalb habe ich dir neulich versprochen, nicht mehr ungerechterweise zu schimpfen. Außerdem haben wir ausgemacht, dass du dir ein Fußballschnuppertraining anschaust und das Turnen dann womöglich sein lässt.

DSC_0073

Wir beide finden doch immer eine Lösung, auch wenn es manchmal schwierig scheint. Du bist nämlich einfach klasse, wie du bist. Und deshalb wirst du hier auch ganz ordentlich fehlen. Und mir ganz besonders, lieber Jimmy. Damit ich dir mit meiner Sehnsucht nicht die Seele schwer mache, schreibe ich es nur hier in das Blog hinein. Am Freitag Abend werde ich ganz tapfer sein, lachen, dir eine gute Reise wünschen und dir einen dicken, fetten Schmatz auf deine süßen Kugelbäckchen drücken. Was für ein Abenteuer liegt vor dir! Und das sollst du ohne Wehmut genießen.

Machs gut, mein Großer, grüß mir die Nordsee und bring ein paar Miesmuscheln mit!

Merken

Merken

Merken

Laura

5 Comments

  1. Du kannst das einfachund wie schön zu lesen, dass sich vieles einfach nicht ändert. Ganz liebe Grüße und genieße Deine Mädelstage mit Luise. Die haben nämlich auch was….
    M

    • Liebe Moni, vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Und ich freue mich tatsächlich sehr auf die Zeit mit Luise… Liebe Grüße von Laura

  2. oh nein liebe Laura, ich heule Rotz und Wasser. Das ist so schön geschrieben, du hast immer einen Blick für jedes deiner Kinder, das bewundere ich sehr. Der Brief ist so schön, du solltest ihn ausdrucken und ihm in seine Lebensbox packen. Dann kann er sich später selbst daran erinnern. *schneuz*

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.