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Klappt ja doch!

Weiter gehts mit meiner Vereinbarkeits-Reihe. Ich habe Anfang des Jahres Eltern gesucht, die beide reduziert arbeiten und sich Kinderbetreuung, Job und Haushalt teilen. Die meisten sind ja der Meinung, dass das bei ihnen einfach nicht klappt. In vielen Fällen mag das stimmen, weil die Voraussetzungen nicht gegeben sind. Aber manchmal trifft auch das Sprichwort zu: „Kann-Nicht wohnt in der Will-Nicht-Straße“. Vielleicht fühlst gerade du dich von den Lebensentwürfen dieser Eltern inspiriert und möchtest bei euch zuhause etwas ändern? Ich finde es oft schade, dass ich nicht genug Zeit für meinen Beruf habe. Mein Mann dagegen würde wirklich gerne mehr Stunden mit den Kindern verbringen. Daher freue ich mich, dass so viele mitgemacht haben und stelle euch heute zwei Paare vor, die sich Job und Haushalt teilen. Übrigens haben sich Eltern mit den unterschiedlichsten Berufen und Ausbildungen gefunden und es waren längst nicht nur Paare mit hohem Einkommen dabei.

Das traditionelle Rollenbild ist unfair: Kerstin und Andreas

Kerstin und Andreas haben sich von Anfang an für das geteilte Modell entschieden. Als Kerstin mit Zwillingen schwanger war, haben sie die Zukunft mit den Kindern geplant. Die Kinder sind nun eineinhalb Jahre alt und Kerstin arbeitet mittlerweile als Einkäuferin zu 65% und hatte nach sieben Monaten Elternzeit erst auf 40 % aufgestockt. Forschungsingenieur Andreas hat ebenfalls sieben Monate Elternzeit genommen, arbeitet jetzt 70%.

Für beide Eltern war klar, dass sie sich Elternzeit und Elterngeld teilen und dafür auch gut planen. Das ist mit Zwillingen sicher noch nötiger und in ihrem Fall war leider keine andere Unterstützung in der Nähe, mit der sie hätten rechnen können. Sie haben den Vorteil, dass sie ähnlich verdienen, so stellte sich die typische Frage nach dem Geld nicht so sehr wie bei anderen Paaren. Vor allem aber war es die Entscheidung von beiden, denn Andreas wollte sich unbedingt viel an der Erziehung beteiligen und Kerstin nicht nur den Haushalt schmeißen.

Die Eltern finden das traditionelle Rollenbild weder zeitgemäß noch fair. Die starke Einschränkung der Frau in der beruflichen Entwicklung, die finanzielle Abhängigkeit und der schwere Wiedereinstieg in den Beruf, all diese Punkte waren für sie auch ein Grund dafür, dass Kerstin nach sieben Monaten wieder arbeiten ging. Dazu kam, dass beide keine zwei unterschiedlichen Leben leben wollten. Wenn der eine acht bis zehn Stunden am Tag arbeitet und der andere sich um Haushalt und Kinder kümmert, fehlt oft das Verständnis für den Alltag des anderen. So kennen Andreas und Kerstin beide Seiten: das stressige Arbeitsleben gepaart mit harten Nächten, aber auch Tage mit den Kindern.

Andreas Arbeitgeber war nicht begeistert, als er von seinem Vorhaben erfuhr:
Die Firma ist zwar groß genug, glücklich war dort aber keiner. Aber da es einem zusteht, kann man es
nicht verhindern. Die Firma schreibt sich auf die Fahne, familienfreundlich zu sein, dann muss man es
einfach einfordern. Wichtig ist auch, dass die Rolle im Job nicht zu wichtig ist, als das man
unersetzlich wird. Einschränkungen hinsichtlich Karriere müssen hingenommen werden.

Ein bis zwei seiner Kollegen machen es ähnlich und teilen sich die Arbeitszeit mit ihren Parnerinnen sogar 50:50. Manche reduzieren ein bisschen, aber selten nehmen sie mehr als die typischen zwei Monate nach der Geburt ihrer Kinder. In der Familie von Kerstin und Andreas wird die Arbeitsteilung ganz ähnlich gehandhabt, also war die Reaktion von dieser Seite klar. Aber die Freunde der beiden leben eher das traditionelle Modell. Sie finden ein solches geteiltes Modell zwar meist gut, haben aber oft nicht den Mut, selbst Veränderungen wie diese anzustreben. Manche männlichen Freunde können sich die Arbeit zuhause auch einfach nicht vorstellen. Und natürlich gibt es wieder das klassische Problem: die Frauen verdienen viel weniger und eine Arbeitsteilung würde einfach unwirtschaftlich sein.

Andreas hat schon das Gefühl, dass seine Entscheidung Einfluss auf die Karriere hat. Aber er hat sich bewusst für Zeit mit der Famlie entschieden:
Wenn man weniger arbeitet, kann man schwer mit anderen Kollegen mithalten, man hinkt
daher erst Mal hinterher. Jedoch nicht uneinholbar. Wenn man Familie will, muss man sich immer einschränken, die Frage ist eher, was man wirklich will.

Kerstin und Andreas teilen sich den Haushalt in gleichem Maße auf und sie besprechen jeden Tag, was zu tun ist. Wenn die Kinder krank sind, wechseln sie sich ab. Sind beide der Zwillinge krank, bleiben sie manchmal auch beide zuhause.
Finanziell müssen sie sich schon etwas einschränken, denn das Gehalt ist aufgrund der Reduzierung zwangsläufig niedriger. Aber beide verdienen auch ganz gut, sodass es nicht weiter ins Gewicht fällt.

Verändert hat sich durch die Kinder für die Eltern fast alles: im Job müssen beide schauen, dass sie mitkommen, weil sie nicht mehr den ganzen Tag vor Ort sind. Meetings müssen abgesagt, verschoben oder früher verlassen werden, weil sie die Kinder abholen müssen. Sie finden, dass das Berufsleben einfach nicht auf die Work-Life-Balance ausgerichtet ist. Aber sie sehen keine Alternative zu ihrem Lebensmodell als Eltern, auch weil Kerstin keine Lust hätte, alleine für den Haushalt zuständig zu sein.

Klar gibt es ihrer Meinung nach auch Nachteile, denn alles muss ausdiskutiert werden. Sie sind immer nur halb Eltern, halb im Job. Beim traditionellen Modell könnten Eltern fokussierter das machen, für was sie zuständig sind. Sie aber haben auch beide immer ein schlechtes Gewissen, weil sie zu wenig Zeit für die Kinder haben, sagen beide.

Beiden ist der Haushalt wichtig: Jana und Markus

Doktorandin Jana und Kommunikationsberater Markus haben ein Kind, das bald vier Jahre alt wird. Sie arbeitet 50%, er 60% in seinem Job.

Die beiden lernten sich kennen, verliebten sich und ein halbes Jahr später beschlossen sie, schwanger zu werden. Sie führten zu der Zeit eine Fernbeziehung zwischen dem Ruhrgebiet und Bern. Jana studierte, Markus arbeitete 80%. Gegen Ende der Schwangerschaft zog er zu ihr ins Ruhrgebiet und arbeitet seitdem 60%. Gut zwei Jahre lang wohnten beide mit Kind im Ruhrgebiet, bis Jana ihr Studium abgeschlossen hatte; Markus arbeitete in dieser Zeit fast ausschließlich im Homeoffice. Das Kind betreuen sie bis heute selbst. Mittlerweile wohnen sie in Bern, wo sie beide arbeiten. In der Schweiz gehen Kinder erst mit vier Jahren in den Kindergarten.

Beide haben sich nicht bewusst für das geteilte Modell entschieden, aber es war irgendwie klar, dass sich Jana nach dem Studium einen Job suchen würde. Hätte sie eine ganze Stelle gefunden, hätte Markus vermutlich noch weiter reduziert. Jana und Markus wollten unbedingt Anteil am Kind haben und den Haushalt nicht ganz aus der Hand geben.

Markus hat gute Erfahrungen mit seinem Arbeitgeber gemacht. Der hat zwar die Reduzierung erst erlaubt, als klar wurde, dass er ansonsten kündigen würde. Aber dann hat er zusätzlich zur Reduzierung auch flexiblere Arbeitszeiten bzw. Homeoffice erlaubt. Zwar arbeitet kein Kollege wie er, aber deren Reaktionen waren nicht negativ. Auch die Familie reagierte nicht weiter auf die Entscheidung des Paares. Markus hat zwar nicht das Gefühl, dass seine Karriere nun beschränkt ist, aber es ist ihm bewusst, dass er eine Neuanstellung in einer verantwortungsvollen Position mit diesem Pensun nicht finden würde.

Jana: Aufräumen und Putzen erledigen wir beide gleich oft und gleich gründlich. Wir haben es beide gern sauber und ordentlich und tun gleichermaßen viel dafür. Jeder hat aber Bereiche, in denen er „Bestimmer“ ist, weil ihm dieser Bereich wichtiger ist als der anderen Person. So kümmere ich mich zum Beispiel ums Kochen, weil mir Essen wichtiger ist als Markus. Dadurch bin ich auch für Einkäufe verantwortlich. Markus‘ Bereich ist zum Beispiel das Wäsche Waschen mit allem, was dazu gehört.

Termine, Anschaffungen und alle Themen, die das Kind betreffen, organisieren und besprechen sie gemeinsam. Durch ihre spezielle Situation müssen sie sich auch nicht finanziell einschränken, weil vor der Geburt des Kindes nur einer von ihnen gearbeitet hat. Die beiden würden alles wieder genauso machen und finden, dass das Modell keine nennenswerten Nachteile hat, außer einen, den auch Andreas benannt hat: Es ist schwierig, eine Neuanstellung in einem verantwortungsvollen Job in Teilzeit zu bekommen.

Die Gesellschaft verändert sich

Ganz lieben Dank an die beiden Paare, die so offen über ihr Lebensmodell gesprochen haben. Ich finde es unglaublich spannend, wie Familien gleichberechtigt leben. Na klar, es müssen die Voraussetzungen stimmen und die sind eben bei allen unterschiedlich. Und der Arbeitgeber muss mitziehen! In diesem Punkt sehe ich noch enorm viel Handlungsbedarf, aber ich bin auch optimistisch. Erst diese Woche habe ich ein Interview mit einer Ärztin gehört, die als Personalrekruterin arbeitet. Sie sagt, dass die jungen Leute von heute einen attraktiven Arbeitsplatz fordern, und der soll oft in Teilzeit sein. Das hat nichts damit zu tun, dass die neue Generation faul ist. Es geht viel mehr um die Familie, denn die Zeit mit den Kindern ist so wertvoll wie schnell vorbei. Wie oft sagen Männer, die heute in Rente sind, dass sie von ihren Kindern fast nichts mitbekommen und immer nur gearbeitet haben. Ich bin mir sicher, die meisten bedauern das zutiefst. Genauso gibt es heute massenhaft Frauen, deren Rente lange nicht reicht. Dabei haben sie Kinder groß gezogen und ihr Leben lang geschuftet.

Hier und hier kannst du noch mehr von Eltern lesen, die sich Job, Haushalt und Kinderbetreuung teilen.

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

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Das Vereinbarkeits-Problem

Neulich beim Besuch bei meiner Freundin Rike: Die Kinder spielten im Garten, wir genossen unseren Cappuccino und zehn Minuten Ruhe. Endlich hatten wir Zeit für ein Gespräch unter Frauen – unbezahlbar und äußerst selten. Rike erzählte, wie chaotisch der letzte Sonntag ablief, als der Familienvater mit der Bande allein zuhause war. „Als ich wiederkam, sah es schrecklich aus. Der Boden war mit Spielzeug übersät, die Wäschekörbe standen gefüllt im Flur. Mittags hatte Thorsten nur Pommes gemacht und kein Stück Gemüse. Und der Große hatte seine Hausaufgaben nicht erledigt“, erzählte sie. „Kenn ich“, habe ich geantwortet. „Wenn Anton mit den Kindern spielt, entstehen die tollsten Lego-Bauten. Aber die Wäsche bleibt liegen.“ So beklagten wir uns und erfreuten uns weiterhin an der Schilderung, wie gut organisiert und aufgeräumt alles ist, wenn WIR das Zepter in der Hand haben. Kurz bevor sich die Jungs in die Haare kriegten und wir unser Gespräch unterbrechen mussten, rief ich noch laut: „Wenn die Männer für den Urlaub packen müssten, würde die Hälfte fehlen“ und wir lachten ganz, ganz laut.

Lasst die Männer machen

Habt ihr was gemerkt? Und kennt ihr Gespräche wie diese? Ein bisschen verraten sie etwas über uns Frauen. Und sie verraten auch ein bisschen über das Grundproblem, das wir haben. Nein, das sind nicht unorganisierte Männer oder unvollständig gepackte Koffer. Es ist der hohe Anspruch an den perfekten Haushalt, den viele von uns haben, und mit dem wir uns das Leben im Grunde genommen viel zu schwer machen. Denn ganz ehrlich, viele Männer und Familienväter sind äußerst bemüht um ihre Kinder und um das, was der Volksmund unter „dem bisschen Haushalt“ versteht. Es gibt viele Papas, die mit Sohn und Tochter spielen, sich an den Herd stellen, den Einkauf übernehmen und den Staubsauger schwingen. Oft haben diese tollen Typen eine äußerst anspruchsvolle Frau, die in allen Bereichen glänzen möchte, weil sie denkt, dass sie es muss. Und sie hat ihr Revier, dass sie eigentlich nicht abgeben möchte: die Familien-Organisation. Die hat sie im Griff. Und möchte der Mann unterstützend helfen und schickt sie gar zum Ausspannen aus dem Haus, hat sie bei ihrer Rückkehr einiges zu beanstanden. Sie meckert dann, dass die Legoburg zwar gigantisch und die Kuschelhöhle traumhaft ist, aber der liebe Mann doch in der Zeit wenigstens mal die nasse Wäsche hätte verarbeiten können. Sie sieht lieber richtig viel Gemüse auf dem Teller, und nicht die eben in den Ofen geschobenen Fischstäbchen aus der Gefriertruhe. Sie beschwert sich, dass Milch und Joghurt aus dem Supermarkt nicht bio oder demeter sind und kritisiert den Zustand des Flurbodens, den der Liebste beim Saugen vergessen hat.

Viel zu hohe Ansprüche

In der Zeitung von dieser Woche las ich über besagtes Problem, auch „gatekeeping“ genannt. Die Soziologin Karin Jurczyk erklärte im Wirtschaftsteil, warum Eltern so erschöpft sind und wie sie Job und Familienarbeit besser organisieren könnten. Ich verschlinge alle Artikel zu diesem Thema und habe auch schon oft darüber geschrieben. Ich finde viele Schuldige, die es uns Familien schwer machen, ein entspannteres Leben zu führen. Aber bisher habe ich noch nie darüber geschrieben, dass es manchmal auch an uns Müttern selbst liegt. Viele von uns, das höre ich in Gesprächen mit Freundinnen, haben einen sehr hohen Anspruch an Organisation und Haushalt. Leider ist es nun mal aber so, dass wir auch nur 24 Stunden pro Tag zur Verfügung haben. Wir erziehen unsere Kinder, kümmern uns um den Haushalt, kaufen ein, haben einen Halb- oder Ganztagsjob und organisieren Urlaube, Familienfeiern und Geburtstagsgeschenke. Nebenbei müssen wir auch die ein oder andere Stunde in der Nacht schlafen. Daneben sind wir um unser Äußeres bemüht, gehen zum Sport und ernähren die Familie gesund, bio und nachhaltig. Am Ende des Tages sind wir platt wie eine Flunder, mies gelaunt und hundemüde. Die Männer, die uns raten, doch mal fünfe gerade sein zu lassen und sich zu ihnen aufs Sofa zu fläzen, ernten ein bissiges „und wer macht dann die Wäsche?“.

Jurczyk schreibt im Artikel, dass Frauen zwar von ihrem Partner Unterstützung in der Hausarbeit erwarten, aber die Hoheit über Küche und Co nur ungern aus der Hand geben. Wenn sie das dann überhaupt mal tun, sind sie verärgert, dass ihr hoher Standard nicht eingehalten wird. Ich kenne das aus eigener Erfahrung: Da sind die Kinder falsch angezogen und die Küchenplatte nicht sauber genug geschrubbt. Aber ist das eigentlich so schlimm? Und ist die hohe Legoburg nicht eigentlich viel, viel wichtiger als ein Kind mit fleckenloser Kleidung?

In Gelassenheit üben – so gehts:

Eines sollten wir Frauen mit hohen Ansprüchen tun: lockerer werden. Das geht nicht von heute auf morgen, aber wir können in kleinen Schritten anfangen. Ich schlage folgende Übung für besonders schwierige Fälle wie mich vor:

Schritt 1: Setzt euch mit einem Buch auf die Terrasse, OBWOHL der Abwasch wartet.

Schritt 2: Lasst jeden Tag einen Korb Schmutzwäsche in der Wohnung stehen.

Schritt 3: Lasst den Staubsauger drei Tage am Stück in der Ecke und ignoriert den krümeligen Boden.

Schritt 4: Geht spontan mit den Kindern raus und lasst das gesamte Equipment an Wechselklamotten, Apfelschnitzen und Klopapier zuhause.

Klar, manchmal geht dann was schief, aber Improvisation ist alles, das können wir von den Männern lernen. Wir lernen außerdem, Schmutz auch mal zu übersehen, und trotzdem GLÜCKLICH und ENTSPANNT zu sein. Wir leihen uns im Notfall Kleidung von einer anderen Mutter, kaufen Sprudel für 3 Euro beim Bäcker oder nehmen ein altes Tempo, wenn das Kind mal muss.

Ganz mutige Frauen gehen über zu Schritt 5: Sie lassen vor dem Urlaub die Männer packen. Sonnencreme, drei Kinderunterhosen und einen Schirm gibt es auch im Urlaubsort zu kaufen, das ist kein Beinbruch.

Dieser Appell geht auch an mich selbst: Lasst uns die Hoheit über den Haushalt abnehmen, hören wir auf, die Väter für ihren eigenen, lässigen Weg zu kritisieren und legen wir endlich mal die Beine hoch! Rike und ich jedenfalls haben es uns fest vorgenommen. Wir kämpfen weiter für Vereinbarkeit und akzeptieren, dass der Tag nur 24 Stunden hat. Was sind schon Wäscheberge und blanke Arbeitsplatten gegen einen tollen Mann, der mit den Kindern riesige Burgen baut? Genau, Nebensache! Und wir spielen nicht länger Wachhund, der in der Küche das Revier verteidigt. Gatekeeping ist out, wenn wir Frauen wirklich an Gleichberechtigung und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie glauben.

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Vererbter Putz-Zwang

Ich muss es von meiner Großmutter geerbt haben. Wenn mich jemand mit einer typischen Bewegung beschreiben müsste, würde er einen imaginären Staubflusen vom Boden aufheben. Und das beschreibt auch schon mein Problem: ich bin (leidenschaftlich gern) Mutter von drei Kindern und mag es gleichzeitig gerne sauber und rein. Ich ergötze mich an geputzten Böden und Fenstern, ich bin süchtig nach staubfreien und blanken Regalflächen, nach sterilen Kühlschrankböden und Fliesen, die sich in der Sonne spiegeln. Das widerspricht sich leider, wenn ihr versteht, was ich meine.

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Kinder lieben Dreck

Meine Kinder lieben es allesamt chaotisch, dreckig und verschmiert; saubere Böden und blitzende Bäder sind ihnen herzlich egal. Bin ich gerade eben Herrin über eine blitzeblanke Wohnung, schreite stolz wie eine Putzprinzessin durch die Gemächer, kommen schon Jimmy und Luise aus dem Kindergarten, schütten einen Eimer Sand aus ihren Schuhen, schmeißen selbige in die Ecke, pfeffern Rucksäcke in den Flur und begeben sich schnurstracks in Richtung Küche. Dort veranstalten sie in null-komma-nix ein Nachmittagspicknick und hinterlassen Obstkerne, umgekippte Becher und mindestens 250 Gramm Krümel auf allen Oberflächen. Der frisch gesaugte Boden sieht aus wie der Grund eines Hamsterkäfigs und ich spüre schon bald dieses eklige Gefühl unter den Füßen, wenn undefinierbare, klebrige Massen an der Strumpfsohle kleben.

Natürlich müssen die Kinder jetzt dringend aufs Klo. Wenn ich dann selbst ins Bad marschiere, blicke ich auf eine Tropfenspur rund um die Schüssel, und in der Schüssel finde ich ein paar unansehnliche Überraschungen. Eine kleine, nasse Unterhose liegt daneben und nach dem Händewaschen hat eine Person sehr vehement die Händchen schüttelnd von Wassertropfen befreit, was ich auf Spiegel und Fliesen unschwer erkennen kann.

Währenddessen sitzt Luise gemütlich in ihrem Zimmer, um sich herum einen bunten Salat aus Legosteinen, Puppenkleidung und Playmobil ausgebreitet. All das Spielzeug habe ich erst gestern, doof wie ich bin, mühsam in die Boxen sortiert. Jimmy klettert über das Sofa und stützt sich mit den Händen an den Fensterscheiben ab. Ich bedaure meine zweistündige Fensterputzaktion, die mich neulich so viel Zeit und Schweiß gekostet hat.

Ein Leben mit Kindern ist schön, aber schmutzig

Daran muss ich mich einfach gewöhnen, auch wenn es schwer fällt. In ein paar Wochen sitzt ein weiterer kleiner Kerl mit uns am Tisch, der mit Eifer Brei in den Holztisch einarbeiten und mit einem satten „Hatschi“ Karotte auf die Tapete niesen wird. Überhaupt ist die Tapete ein schönes Stichwort. Kinderfreie Wohnungen erkennen Insider sofort an strahlend weiß getünchten Wänden. Bei uns dagegen ist die Raufaser bunt besprenkelt oder stellenweise zerfetzt. Erst neulich ging Luise bei einem ihrer Wutanfälle mit der roten Puppenbürste kräftig über die Flurwand. Ich habe es aufgegeben, mit Pinsel und Farbe im Glas all das Gemetzel auszubessern.

Alle zwei Wochen kärchern wir mit dem Dampfstrahler rote Kinderstühle ab oder saugen tonnenweise Krümel aus dem Auto. Wir versprühen massenhaft Fleckenentferner auf T-Shirts und Pullover, bürsten Schmutz aus der Sofa-Garnitur oder versuchen, Sonnencreme-Flecken zu entfernen, die sich im Sommer einfach ÜBERALL befinden. Das alles machen wir inzwischen mehr oder weniger stoisch, denn: that´s life with kids!

Meine Tipps zum Thema Ordnung

Und weil ich es leid bin, mich über diese elende Putzerei, meinen Putzzwang und das (völlig normale) Verhalten der Kinder zu ärgern, habe ich nun ein paar Dinge in die Wege geleitet, die ich jeder Mutter mit ähnlich verrücktem Syndrom nur ans Herz legen kann:

  1. Aufräumen: Ich räume zwei Mal am Tag auf, vormittags und abends. Dabei stelle ich mir meinen Handy-Wecker auf 20 Minuten und schnappe mir einen Korb. Damit laufe ich von Zimmer zu Zimmer, sammele alle Dinge ein, die dort nicht hingehören, sortiere sie hinterher auf unserem großen Esstisch und verteile sie neu. Wenn die Uhr bimmelt, höre ich auf und stelle den Korb mit Zeug in die Ecke. Dort wartet er auf die nächste Räumaktion. Dann trinke ich erst einmal einen Kaffee.
  2. Chaos im Kinderzimmer: ich mache mich mental frei von dem Gedanken, dass diese Zimmer aufgeräumt sein müssen, denn das ist das Reich der Kinder. Da wir Erwachsenen allerdings nachts ungern in einen Haufen Legosteine treten, muss abends eine breite Schneise ins Chaos gelegt werden. Außerdem verweigere ich bei Kinderzimmer-Chaos jegliche Unterstützung beim Suchen von Kleinteilen.
  3. Alle packen mit an: um die Kinder zum Helfen zu animieren, habe ich mir ein ausgeklügeltes System überlegt. Ich habe Memory-Karten mit klebenden Etiketten versehen und von einem begabten Zeichner Haushaltstätigkeiten aufmalen lassen, die Kinder zwischen drei und fünf Jahren erledigen können. Jimmy und Luise suchen sich jeden Morgen zwei Kärtchen aus, klemmen sie an einen Magneten mit ihrem Bild und sind für diese Tätigkeit im Lauf des Tages verantwortlich. (Pflanzen gießen, Tisch decken, Tisch abwischen, Schuhe aufräumen, Spiegel putzen….)
  4. Putzerei: Ich habe einen Vormittag im Kalender für den Großputz reserviert. Den betrachte ich dann als eine Art Meditationsübung: ich sauge, wische und wedele und konzentriere mich dabei mit aller Sorgfalt auf diese eine Tätigkeit, atme ein und aus und denke an nichts anderes. Und manchmal mache ich auch einfach laute Musik an. Außerdem gehe ich alle zwei Tage mit dem Staubsauger über die Böden. Ansonsten zwinge ich mich dazu, Dreck Dreck sein zu lassen und auch den anderen Bewohnern des Hauses nicht mit meinem Putzwahn auf den Keks zu gehen.

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Das Thema Gleichberechtigung ist besonders unter Eltern in: welche Mutter gibt schon gerne zu, sie sei abhängig von ihrem Partner und welcher Papa sagt ohne Skrupel, dass er zuhause keinen Finger rührt? Frage ich in meinem Bekanntenkreis herum, pflichten mir die meisten Paare mit Kindern bei, dass sie sich die Hausarbeit teilen. Viele der Mütter arbeiten, so wie ich auch. Und da kann und darf schließlich nicht alles an uns Frauen hängen bleiben.
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Dennoch traue ich dem Gender-Frieden nicht ganz über den Weg. In meinem Kopf schleicht sich immer mal wieder die Idee ein, dass vieles an mir hängen bleibt. Das Gefühl ruft in meinem Innnersten zuerst ganz leise, um dann immer lauter zu brüllen und sich anschließend in Form eines lauten Vortrags, der mit Schimpfwörtern gespickt ist, zu entladen. Die Adressaten hören erst gebannt zu, neigen dann schuldbewusst die Köpfe (oder sehe ich da etwa Jemanden die Augen verdrehen?) und bekunden dann ihr Verständnis und baldige Besserung des Zustands. Spätestens an dieser Stelle verdrehe dann ich die Augen und bereite mich auf den nächsten Vortrag in etwa acht Wochen vor. Selbes Thema, selbe Adressaten, selbe Schimpftirade.

DIE LISTE

Auf dem Blog von Patricia Cammarata habe ich heute über ein ähnliches Thema gelesen. Sie sammelt eine Menge Fragen zur Hausarbeit und empfiehlt auszuwerten, ob nicht doch eine Person innerhalb der Familie den Löwenanteil trägt. Nun möchte ich gleich eine vorsichtige Prognose abgeben: in den meisten Haushalten erledigen die Frauen diesen Löwenanteil. Zu Patricias Punkten habe ich noch ein paar hinzugefügt. Testet doch mal selber, wer ist zuständig?

 

  • Klo putzen
  • Fenster putzen
  • Wäsche waschen
  • Wäsche aufhängen
  • Wäsche falten
  • Wäsche in den Schrank räumen
  • Bügeln
  • Am Wochenende mit den Kindern aufstehen
  • Betten beziehen
  • Einkausliste erstellen
  • Menüplanung
  • Blumen gießen
  • Kaputte Kleidung reparieren
  • Müll runterbringen
  • Mülltüten in die Eimer spannen
  • Saugen
  • Staub wischen
  • Boden wischen
  • Schränke auswischen
  • Sich um Geburtstagsgeschenke und Mitbringsel kümmern
  • An Geburtstage der Verwandten denken
  • Darauf achten, dass Kinderschuhe passen
  • Neue Schuhe kaufen
  • Großeinkauf erledigen
  • Frisches Obst, Gemüse und Brot besorgen
  • Windeln kaufen
  • Zum Elternabend gehen
  • Kinderkleidung sortieren
  • Kinder-Fingernägel schneiden
  • An U-Untersuchungen beim Kinderarzt denken
  • Kinderarztbesuche machen
  • Fahrrad reparieren
  • Sich um die Wechselwäsche im Kindergarten kümmern
  • Kinderzimmer entrümpeln
  • Ofen und Grill sauber machen
  • Kinderbrote schmieren
  • Spülmaschine ausräumen / einräumen
  • Behörengänge erledigen
  • Kochen / Backen
  • Tischdecken
  • Tisch abräumen
  • Schuhe putzen
  • Kindergeburtstage organiesieren
  • Briefmarken kaufen
  • Bücher zur Bücherei bringen
  • Drogerieartil nachkaufen
  • Adventskalender füllen
  • kranke Kinder hüten
  • Steuererklärung machen
  • Autoreifen wechseln
  • ….

Und, ist euch schon schwindelig? Dann lege ich euch ans Herz, diese Liste tatsächlich zu überprüfen und auszufüllen. Werden die einzelnen Aufgaben immer von derselben Person gemacht? Macht einer von euch immerzu den Löwenanteil? Muss einer immer wieder aufgefordert werden, dies oder jenes zu tun?

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Meine These zur Gleichberechtigung

Ich wage jetzt mal eine verwegene These: 70 % der Aufgaben werden ausschließlich von den Müttern erledigt. Und warum? Weil die nämlich mehr Zeit zuhause verbringen, weil sie gar nicht oder in Teilzeit arbeiten. Und warum ist das so? Weil sie oft weniger verdienen als die Männer und aus diesem Grund erst gar nicht diskutiert wird, wer die Hausarbeit übernimmt.

Das Gemeine daran: im Büro ein Projekt wuppen, ein super Chef für seine Angestellten sein, einen ordentlichen Batzen Kohle nach Hause bringen und eine Beförderung kassieren ist ne Leistung, die entsprechend anerkannt und für die gelobt wird. Mensch, was für ein Kerl! Der versorgt eine ganze Familie, bezahlt die Rechnungen, spart nebenbei für die Zukunft an und steigt stetig die Karriere-Leiter hoch.

Aber wie sieht es damit aus, dass die Kinder immer passende, saubere und warme Klamotten haben, die Spülmaschine immer aufgeräumt und der Kühlschrank voll von gesundem und frischem Essen ist? Dass die Geburtstagssause für das Söhnchen ein Renner war und der Impfausweis der Tochter immer auf dem neuesten Stand ist? Dass Windeln, Briefmarken, Klopapier und Seife aufgefüllt und Staubmäuse aus den Ecken gesagt werden?

Den ganzen Tag Listen abzuarbeiten, die obig genannte Punkte enthält, ist zwar auch ein Projekt, wird aber nicht als solches gesehen. Dafür gibt es keine Kohle, keine Beförderung und kein Schulterklopfen. Leider ist es aber ähnlich anstrengend und nicht selten braucht frau dafür ein digitales Projektmanagement-Tool, das an Umfang dem eines Unternehmensvorstandes nahe kommt.

Mütter haben doch die Wahl

Um dem ganzen noch einen Hut aufzusetzen, hat die moderne Mutter noch drei Wahlmöglichkeiten:

  1. sie bleibt zuhause, um das Pensum einschließlich der Kindererziehung und -betreuung einigermaßen erledigen zu können. Nachteil: ist raus aus dem Beruf und hat es schwer, später wieder einzusteigen. Ist finanziell von ihrem Partner abhängig und darf sich von anderen anhören, eine Glucke zu sein.
  2. sie arbeitet in Teilzeit, weil sie ja mittags die Kinder abholen muss und die erwähnte Haushalts-To do-Liste auf dem Küchentisch liegt. Nachteil: sie verdient damit relativ wenig Geld, hat aber einen Mörder-Stress und nie genug Zeit.
  3. sie arbeitet Vollzeit und bringt die Kinder in eine Ganztages-Kita. Nachteil: sie hat ein schlechtes Gewissen, da wenig Zeit für die Kinder bleibt. Sie ist zwar finanziell unabhängig, wird aber gerne von anderen Menschen auf diverse Studien hingewiesen, die bezeugen, dass fremdbetreute Kinder den ganzen Tag nur in der Ecke sitzen und weinen. Der Vater selbiger Kinder hingegen hat von Studien wie diesen natürlich noch nichts gehört.

Und zum Abschluss dieses Artikels möchte ich alle auffordern, meine Thesen zu widerlegen und dieses in den Kommentaren anzumerken. Vielleicht habe ich mich doch geirrt – es wäre zu schön.