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Rezension

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Immer mal wieder denke ich über unseren Alltag nach und die vielen kleinen und größeren Klippen, die wir da täglich umschiffen. Mir wird dann klar, dass das Problem oft meine etwas dünnen Nerven sind oder etwas anderes, das in mir gährt und mich rasend macht. Wieso werde ich eigentlich so schnell ärgerlich, wütend und ungeduldig? Die Kinder sind doch eigentlich ganz normale Kinder. Sie trödeln, zanken und vergessen Dinge wie andere Kinder auch. Warum nervt mich Unordnung, Trödelei und Streit immer so und wieso gibt es andere Mütter und Väter, die viel geduldiger sind? Ich wollte mich auf die Suche nach Antworten machen und habe ein Buch gelesen, das mich schwer begeistert hat. Pschologin Stefanie Stahl, die ich von ihrem Bestseller „Das Kind in dir muss Heimat finden“ samt Arbeitsheft kenne, hat mit ihrer Kollegin Julia Tomuschat ein nagelneues Buch für Eltern geschrieben: Nestwärme, die Flügel verleiht. Vor allem habe ich beim Lesen viel über mich und für meine Kinder gelernt. Davon möchte ich dir heute erzählen.

Die drei Säulen zum Glücklichsein

Was brauchen Kinder, um gesund und glücklich groß werden zu können? Drei Begriffe sind hier wichtig, die die Autorinnen benennen: Bindung, Autonomie und Selbstwert (Vgl. S. 7). Sie sollen sich als Teil einer Gemeinschaft fühlen, sich aber gleichzeitig als freies Wesen erfahren, das sein Leben selbst in die Hand nehmen kann. Und um zufrieden zu sein, ist ein gutes Selbstwertgefühl wesentlich. Wenn wir Eltern den Kindern all das mitgeben möchten, ist es gut, erst einmal in uns selbst zu blicken. Wie steht es denn um unsere drei Säulen? Wackelt eine, steht eine schief?

Deshalb lädt das Buch dazu ein, dass wir Eltern unser eigenes Ich betrachten. Da hat nämlich jeder von uns so seine kleinen oder größeren Baustellen versteckt. Zum Beispiel sind da diese Glaubenssätze, die wir in uns tragen. Viele davon sind gut wie „ich schaff das schon“, „ich bin ein geliebter Mensch“ oder „ich weiß, was ich kann“. Es können aber auch Sätze sein, die uns das Leben schwer machen. Die Krux daran: sie haben sich im Laufe der Jahre so eingebrannt, dass wir sie für wahr halten und sie nicht hinterfragen, obwohl viele davon vielleicht völliger Humbug sind.

Im Alltag: Meine Glaubenssätze ziehen mich runter

Ich bin zum Beispiel oft sehr ärgerlich, weil meine Kinder so ein Chaos hinterlassen. Sie haben keine Lust, nach dem Essen beim Abräumen zu helfen, sie lassen Spielzeug im Wohnzimmer liegen und essen krümelige Kekse auf dem Sofa. Ich gehe dann in die Luft, aber seien wir ehrlich, machen das nicht alle Kinder in dem Alter so? Ich habe nachgedacht und mir ist aufgefallen, dass ein Glaubenssatz dahinter steckt: „Deine Familie nutzt dich nur aus“, „deine Arbeit im Haushalt wird nicht wertgeschätzt“ und „du bist die Haushälterin für deine Kinder“.

Ein anderer unangenehmer Moment ist der, wenn ich mit den Kindern Termine habe und wir los müssen. Wir drängeln uns im kleinen Flur, alle drei Kinder zanken noch einmal eine Runde, keiner findet seine Mütze und die Zeit rennt. Hier hämmern dann gleich drei Glaubenssätze in meinem Kopf herum: „Ich muss immer pünktlich sein“, „Streit zwischen Geschwistern ist was ganz Schreckliches“ und „die Kinder kümmern sich nicht um ihre Sachen und du wirst wieder mal ausgenutzt, weil du alles für sie suchen musst“.

Ich erzähl dir mal, wie das dann abläuft: ich werde so unglaublich wütend, packe die Großen am Arm, schmeiße sie zur Tür raus und brülle rum wie eine Furie. Wenn wir dann im Auto sitzen habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich so gemein zu meinen Kindern war und dann kommt auch schon der nächste Glaubenssatz, der in meinem Kopf spukt: „Du bist keine gute Mutter“.

Hilfe aus dem Buch

Kommt dir das bekannt vor? Ich jedenfalls habe mir mit Hilfe des Buches und den darin enthaltenen Reflexionsinseln meine Glaubenssätze mal genauer angeschaut. Stahl und Tomuschat empfehlen, sich diese vor Augen zu halten und sich zu fragen: „auf einer Skala von 0 bis 10: wie wahr ist dieser Satz?“ oder „Wie beeinflusst dieser Glaubenssatz dein Leben?“ und „Wie lautet der Glaubenssatz, wenn du ihn ins positive Gegenteil umdrehst?“ (S. 86).

  • Ganz ehrlich, weder mein Mann noch meine Kinder möchten mich ausnutzen! Meine Kinder sind noch ein wenig zu klein, um all die Arbeit im Haushalt wirklich zu sehen. Ich könnte es ihnen erklären und sie auffordern, mir mehr zu helfen, eine Familienkonferenz abhalten und Aufgaben deligieren.
  • Streit zwischen Geschwistern ist zwar nervig, aber nicht schrecklich. Es ist sogar notwendig, damit die Kinder die Beziehung zueinander inspizieren, Konflikte austragen und lernen können, sich zu einigen. Ich könnte meine Einstellung zu Streiten hinterfragen. Ok, nervig ist es schon, aber ist es wirklich schrecklich oder ein notwendiges Übel zwischen Geschwistern?
  • Wir müssen keineswegs immer pünktlich sein. Viel zu oft ist es kein Drama, wenn wir etwas später da sind und die meisten Menschen haben Verständnis für meine Situation. Zur Not entschuldige ich mich höflich, rufe an oder sage einen Termin ab.
  • Und dass ich eine schlechte Mutter bin, stimmt auf gar keinen Fall. Ich mache viel zu viele Dinge richtig und gebe mein Bestes. Ich bin eine Mutter, die gut genug ist, das habe ich im Buch gelernt. Denn zu letztem Punkt gibt es übrigens ein Kapitel im Buch, das mich sehr berührt hat:

Kinder verzeihen ihren Eltern sehr viel. Sie sind in gewisser Weise robust, weshalb es ausreicht, wenn ihre Mutter und ihr Vater gut genug sind. (..) Wir müssen nicht alles richtig machen, wir müssen nur ausreichend gut sein, damit unsere Kinder ein gutes Selbstwertgefühl entwickeln, wachsen und gedeihen. (S. 81)

Wunderbar, oder? Denn ist nicht in dem letzten Satz genau formuliert, was unser aller Ziel ist? Dass unsere Kinder zu glücklichen Menschen werden, die zufrieden sind mit ihrem Leben, die genug Autonomie besitzen, um ihren individuellen Weg zu gehen, aber auch sicher gebunden sind an ihre Familie und ihre Freunde!

Nestwärme und Flügel für eine schöne Kindheit

Damit wir den Kindern all das geben und dabei ihren Selbstwert stärken können, ist es eben so wichtig, sich selbst zu kennen, gewisse negative Glaubenssätze zu hinterfragen, sie umzudeuten und zu spüren, um die Sichtweise auf unser Leben selbst zu ändern. Weil ich jetzt verstanden habe, dass manche Ängste, die ich spüre, schlichtweg unbegründet sind (meine Familie nutzt mich aus), kann ich mit dem Chaos zuhause besser umgehen und es löst in mir keine große Wut mehr aus.

Das Buch gibt dazu so viele schöne Anregungen und hilft uns Eltern, mit unseren Kindern und uns selbst besser umzugehen. Die Autorinnen haben den Titel ganz bewusst gewählt: Kinder brauchen Nestwärme, um sich geborgen und gebunden zu fühlen. Aber wir müssen ihnen auch Flügel geben, um ihnen die Autonomie zu geben, die sich brauchen, um sich zu einem zufriedenen Menschen entwickeln zu können. Daher gibt es im Buch auch eine Menge guter Ansätze für Eltern, die Schwierigkeiten haben, ihre Kinder loszulassen. Denn genauso problematisch es für Kinder ist, wenn Eltern sich nicht genug kümmern und sie sich deshalb nicht gebunden fühlen, ist auch das Überbehüten eine Hürde für das Kind:

Das Kind traut sich selbst wenig zu, weil die Eltern es zu wenig tun. Oder umgekehrt formuliert: Wie soll es Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten entwickeln, wenn die Eltern dieses nicht haben? (S. 63)

Trost für mein Schattenkind

Die Psychologinnen helfen Eltern, sich selbst auf die Schliche zu kommen, die eigenen Ängste zu erkennen und sie einzuordnen. Gehören sie eher zu den angepassten oder autonomen Typen und wie viel Auswirkung hat das auf die Kinder? Wir gehen beim Lesen auf die Suche nach unserem Schattenkind, das sich von inneren Glaubenssätzen erdrückt fühlt. Wie in meinem Fall kann ich diese aber nun reflektieren und mein Schattenkind trösten: du wirst nicht ausgenutzt von deinen Lieben, denn es sind Kinder, denen du Ordnung erst noch beibringen musst. Du bist sehr wohl eine gute Mutter, auch wenn du mal wieder ausflippst. Hab Verständnis für dich selber und sieh hin, was du immer alles schaffst! Kein Wunder, dass dir ab und zu die Zündschnur durchgeht.

Buchempfehlung von Herzen

Im Buch wird beschrieben, wie wichtig Einfühlungsvermögen ist, wie Eltern negative Gefühle aushalten oder Doppelbotschaften ihrer Kinder richtig lesen können. Das Kapitel Autonomie zulassen und fördern bespricht unter anderem auch die Angst um das eigene Kind und wie viel davon normal ist. Mich hat das Buch auch hinsichtlich dessen sehr zum Nachdenken gebracht. Die Ansprache an mich, die Leserin, war so lieb und freundlich, dass ich das Gefühl hatte, mich nehmen da zwei Menschen an der Hand und gehen ein Stück Weg mit mir. Der Sprachstil ist leicht und locker, verständlich, tröstend, sehr respektvoll allen Eltern gegenüber geschrieben und liest sich so in einem Rutsch durch. Am Ende schreiben die Autorinnen:

Wir sind davon überzeugt, dass alle Mütter und Väter davon profitieren, wenn sie ihr Schattenkind heilen – zunächst einmal für sich selbst. Doch da wir mit unseren Kindern verbunden sind, wie Teile eines Mobile, wird sich unsere Heilung auch bei unseren Töchtern und Söhnen fortsetzen. Finden wir Halt in uns selbst, können wir diesen auch unseren Kindern geben. Fühlen wir uns frei, können wir ihnen Freiheit schenken: Nestwärme, die Flügel verleiht. (S. 231)

Dieses Buch ist also ein Tipp für gemütliche Winterabende, als Weihnachtsgeschenk für befreundete Eltern oder an sich selbst. Ich verlose hier zwei Exemplare auf dem Blog und du hüpst mit einem Kommentar in die Lostrommel hinein.

Achtung: das Gewinnspiel ist beendet und die GewinnerInnen sind ausgelost.

Teilnahmebedingungen:

  • Das Gewinnspiel beginnt mit der Veröffentlichung dieses Beitrags und endet am 22.12. 2018 um 23:59 Uhr.
  • Anschließend wird der Gewinner / die Gewinnerin einen Tag nach Ende des Gewinnspiels per Losverfahren ermittelt und per Mail von seinem / ihrem Gewinn benachrichtigt.
  • Teilnehmen dürfen alle Personen, die über 18 Jahre alt sind und in Deutschland wohnen
  • Die Teilnahme am Gewinnspiel erfolgt per Kommentar unter diesem Beitrag.
  • Mit der Abgabe eines Kommentars erklärst du dich damit einverstanden, dass du mir im Falle eines Gewinns deine Adresse mitteilst. Deine Adresse nutze ich ausschließlich zum Versand deines Gewinns per Post und wird  anschließend gelöscht.
  • Der Gewinn besteht aus dem Buch Nestwärme, die Flügel verleiht von Stefanie Stahl und Julia Tomuschat
  • Der Erwerb von Produkten und Dienstleistungen beeinträchtigt den Ausgang des Gewinnspiels nicht
  • Die Preise dürfen nicht getauscht oder übertragen werden
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Und nun wünsche ich dir eine gute Reise auf der Suche nach deinen negativen Glaubenssätzen. Es lohnt sich, sie aufzuspüren und sie zu hinterfragen – für dich selbst und für deine Kinder.

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura