Adam Riese

Hat Jemand von euch schon mal über den Sexappeal von Zahlen nachgedacht? Nein? Ihr findet Zahlen doof und beschäftigt euch nur gezwungenermaßen auf Kontoauszügen oder der Küchenwaage mit diesem leidigen Thema?

Also, das kann Jimmy nicht verstehen!  Ob positiv oder negativ, hoch oder niedrig, groß oder klein, von Hand oder mit Tastatur geschrieben – mein dreijähriger Sohn interessiert sich seit geraumer Zeit ausschließlich für die Magie der Zahlen. Ob Genie oder Wahnsinniger, da sind wir uns manchmal nicht mehr so ganz sicher. Aber lest selbst:


Bei uns zuhause kleben an allen magnetischen Oberflächen bunte Kunststoffziffern, meist in der Kombination drei und drei. Dreiunddreißig ist nämlich Jimmys Lieblingszahl, müsst ihr wissen. Gestern hat der kleine Mann doch tatsächlich freiwillig auf das Sandmännchen verzichtet, nur um seine Zahlen neu sortieren zu können. Und heute morgen musste ich wieder das Notebook anschmeißen. Sein neues Hobby: im Schreibprogramm verschiedene Zahlenkombinationen erstellen. Natürlich haben wir das wertvolle Dokument gespeichert, sodass der Herr Zahlenfuchs nach dem Besuch des Kindergartens nahtlos weitere mysteriöse Nummernfolgen eintippen kann. Ich überlege, ob ich ihm heute Nachmittag eine Einführung in Excel geben soll.

Sind das die letzten Stellen von Pi?

Ein anderes beliebtes Spielzeug: unsere Supermarktkasse. Hier wird nicht etwa Einkaufen gespielt, sondern Jimmy tippt Zahlen. Die eins, Löschtaste, die zwei, Löschtaste, die drei, Löschtaste und so weiter. Dann zeigte Papa ihm einen Trick: drückt man auf die eins, dann auf plus, dann wieder auf die eins und anschließend auf das Gleichheitszeichen, erhöht sich die Zahl jvon selbst! Nun drückt Jimmy einfach nur stetig auf das Gleichheitszeichen, und gelangt so sogar in die höheren Sphären der hunderter Reihen. Er ist hemmungslos begeistert.

Doch damit nicht genug. Neulich bat Adam Riese junior um einen Kalender. Es ist ihm ein Rätsel, dass manche Monate 30, andere 31 Tage haben. Mit der Entdeckung des Februars haben wir ihn noch nicht konfrontiert, das würde ihn schockieren. Jetzt sitzt Jimmy vor meiner Filofax-Übersicht und fährt mit seinem kleinen Fingerchen die Monate entlang.
Manchmal, mitten am Tag, fragt er: „Mama, welcher hat 31?“ Dann muss ich kurz überlegen, was das kleine Zahlengenie denn nun damit wieder meint. Aber schnell wird klar, worum es geht. Also denke ich scharf nach, nehme meine Fingerknöchel zur Hand und zähle auf, welcher Monat 31 Tage hat.

Zu Besuch bei Oma ignoriert Graf Zahl Legosteine, Puzzle und Bilderbücher, und rennt auf die Gästetoilette. Hier steht ein Blechkalender, auf dem Papst Benedikt abgebildet ist. Außerdem stehen da Zahlen von 1 bis 31 und alle 12 Monate in Druckschrift. Mit kleinen magnetischen Ringen kann so das jeweilige Tagesdatum eingestellt werden. Jimmy setzt sich auf die Toilette und kommt die nächste Stunde nicht mehr heraus. Er stellt erst einmal die Geburtstage aller Familienglieder ein, dann das aktuelle Datum und das der kommenden drei Tage. Wie einst Klein-Mozart dreijährig eine Mini-Oper aufs Papier brachte, so ist unser Söhnchen in der Lage, Monate und Zahlen zu entziffern.

Achtung, jetzt wirds gruselig: jeden Morgen wacht das Knäblein auf und nachdem er seine warme Milch getrunken hat, teilt er uns den korrekte Wochentag sowie das genaue Datum mit.

Oder abends, wenn wir dem Wunderknaben zu Bett gebracht haben: Dann hören wir ihn leise murmeln „13,14,15….“
„Von mir hat er das nicht!“, sage ich zu Jimmys Papa.

Wir können ihm keine Geschichte mehr vorlesen, ohne dass er auf einmal, wie aus der Pistole geschossen, die Seitenzahl ausruft. Überhaupt sucht er seine Geschichten nach Seitenzahlen aus. Nur die Nummern, die ihm gefallen, werden vorgelesen. Inhalt der Geschichte ist völlig egal. Auch Pullover haben bekanntlich Zahlen aufgedruckt. Also heißt es morgens: „Nicht die fünundzwanzig, die mag ich nicht. Ich will die drei.“

Neulich konnten wir unseren Rechenschamanen aber eines Fehlers überführen. „Mama, was kommt nach hundertneunundneunzig?“, rief Jimmy, als ich Abendessen machte. „Zweihundert“, sagte ich von der Richtigkeit meiner Behauptung überzeugt. „Neeeeeeeee, tausend!“, triumphierte er. Und ehrlich gesagt bin ich mir jetzt nicht mehr so sicher….

Pia Laura Froehlich

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