Der Herr der Dinge

Lach- und Krachgeschichten

 

Wir, die Familie Heuteistmusik, schleppen nicht nur XXL-Taschen mit Kindersammelsurium mit uns rum, wenn wir auf den Spielplatz oder ins Freibad gehen. Nein, wir gehen niemals, nie in unserem Leben ohne mindestens zwei Taschen, einem bepackten Kinderwagen, einem Outdoorrucksack und diversen leeren Tüten zur Befüllung von Gesammeltem aus dem Haus. Wir sehen dann aus wie ein Wanderzirkus auf Reisen.
Über Wickelzeug, Proviant und anderes Mama-Must-have will ich hier nicht reden. Ich rede über Dinge, die für Jimmy lebenswichtig sind. Angefangen hat alles mit Bobby, dem Stinkebär. Seit er ungefähr zwei ist, ist dieses müffelnde Steifftier sein ständiger Begleiter. Und wehe, wir haben ihn irgendwo vergessen. Das löst bei Jimmy Wutgeheul und bei mir Herzrasen aus, denn dann sind schlaflose Nächte vorprogrammiert. Stinketeddy hat eine rote Schleife, an der mein Sohn beim Einschlafen pausenlos entlang streichelt. Ohne die geht nichts, und auch nachts wird er manchmal wach und sucht dann weinend nach Bobbys rotem Seidenschal.
Aber es ist nicht nur Bobby, der gekuschelt wird. Erst brachte Oma „Katze Lilly“ mit, die sich zum Plüschbär dazu gesellte. Dann konnte ich es mir nicht verkneifen, Jimmy eine weitere kuschelige Mieze mitzubringen, seither bekannt als „Mama-Katze“. Dann kam „Papa Pinguin“ und der „weiche Pinguin“ dazu, und nun suchen wir nachts händeringend nach nicht weniger als fünf Kuscheltieren, wenn Jimmy aufwacht oder im Krankheitsfall zu uns ins Bett kommt.
Nachdem er seine lustige Kuscheltruppe mit in den Kindergarten genommen hat, bat mich die Kindergärterin, Jimmy möge sich auf ein Tier beschränken. Das ging auch irgendwie, hat mich aber eine Menge Nerven und das Kerlchen einige Tränen gekostet. Schlimmer aber war die vorletzte Nacht. Da haben wir Bobby tatsächlich dort vergessen. Auch die Beschwichtigung, das Stinktier feiere eine Party in der Puppenecke, haben nicht gezogen und wir mussten alle Überredungskünste und Bestechungsversuche anwenden, bis Jimmy die Augen zumachte.
Vom links: Mama Katze, Katze Lilly, Bobby und Papa Pinguin

Abends braucht das Kind schlappe 20 Minuten, um seine Schätze um sich herum zu verteilen oder abzulegen. Jimmy hat nämlich zusätzlich einen Hang zu Schmuck und Uhren und macht mancher feinen Dame Konkurrenz. Nicht fehlen darf seine kleine Kinderholzuhr in seiner Lieblingsfarbe Rot, das von der Cousine geknüpfte Looparmband, das Plastikarmband der Nachbarin sowie eine Kette mit Holzenten, die eigentlich Luise gehört. Das Geschmeide wird dann ordentlich neben das Bett gelegt.

Nachdem sich Jimmy vom Schmuck befreit hat, verteilt er die fünf Freunde um sich herum, entfacht die Lampe seiner Laterne und sowie eine Leucht-Biene, die Sterne an die Zimmerdecke strahlt.
Last but not least ist seit dieser Woche ein neuer Gefährte an unserer Seite: der rote Luftballon. Der Weltspartag, der in seiner Attraktion für Dreijährige etwa dem Weihnachtsfest gleicht, hat uns einen mit Helium gefüllten neuen Freund beschehrt. Er ist nicht nur dabei, wenn Jimmy Zähne putzt, am Tisch sitzt oder ins Bett geht. Nein, wir nehmen ihn auch auf sämtlichen Autofahrten mit, wo er mir die Sicht nach hinten vollständig versperrt.
Die Zeiten, in denen wir von einer überdimensionierten Straßenbahn begleitet wurden, sind zum Glück vorbei. Ich habe aber Angst vor Weihnachten. Was bekommt Jimmy dann geschenkt, das wir mit uns rumschleppen müssen? Ich ahne Schlimmes: das Kind wünscht sich ein Klavier.
 

Pia Laura Froehlich

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