Der Wochenend-Blues

Tschüss, liebes Wochenende

Sonntagabend um halb sechs befällt mich Woche für Woche so eine gewisse Verzweifelung. „Halt, ich bin noch nicht fertig  mit dem Wochenende“, möchte ich dann rufen angesichts der kommenden Woche, der nahenden Termine und des Alltagstrotts, der vor mir liegt. Am Sonntag Abend erscheint mir alles, was in den nächsten Tagen auf mich zukommt, wie eine unüberwindbare Hürde.

Zu schön war der Samstag. Ein klein wenig ausschlafen, gemütlich mit der Familie frühstücken, die helfende Hand von Anton bei der Wäsche, beim Großeinkauf und beim Mittagessen, die gute Stimmung der Kinder, weil sie nicht pünktlich aus dem Haus müssen, und ein gemütlicher Abend mit Aussicht auf einen weiteren freien Tag.

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Jede Woche das gleiche

Es erwischt mich jede Woche wieder: der Sonntags-Blues legt sich schon nachmittags auf meine Stimmung. Am Abend hole ich den Kalender hervor, notiere mir die anstehenden Termine schriftlich und zerbreche mir den Kopf, wie ich all die Aktivitäten organisiere, terminiere, delegieren. Montag müssen wir dringend Schuhe kaufen gehen, denn Jimmy hat keine Winterstiefel. Aber wie schaffe ich das bloß im engen Geschäft mit drei Kindern, die allesamt dick eingepackt und nach dem Kindergarten meist müde sind? Abends ist der Laternenlauf, dafür sollte ich am Vormittag noch Hefezopf backen. Ob Oskar um sieben am Abend noch mitmacht? Oder wird er weinen, weil er nicht pünktlich ins Bett kommt?

Dienstag steht ein Termin beim Augenarzt an. Da muss ich unbedingt Unterhaltungsliteratur für Jimmy einpacken, der langweilt sich sonst und kommt im Wartezimmer auf dumme Gedanken. Ob wir wieder vier Stunden warten müssen? Zum Glück ist Luise bei Freundin Lara eingeladen. Aber wer holt sie abends bloß ab? Anton hat einen späten Geschäftstermin, hoffentlich schaffen wir es pünktlich!

Am Mittwoch geht das Kinderturnen wieder los. Luise liebt es so, aber mit Oskar ist es für mich gerade echt anstrengend. Volle Umkleidekabinen, schweres Baby im Tragetuch, Suche nach Turnschläppchen und ganz viele Hüpfspiele – nachmittags bin ich so fertig wie nach einer vierstündigen Wandertour. Anton ist auf einer Feier, ich muss das Abendessen und ins Bett bringen irgendwie alleine schaffen.

Donnerstag: Einkaufen und die Wohnung putzen, das alles mit Baby. Wer schon einmal die Bude gesaugt hat und dabei im Zweiminuten-Rhythmus verlorene Schnuller wieder ins Mündchen oder Spieluhren aufgedreht hat, weiß, wie wenig Spaß Arbeit mit dauernden Unterbrechungen macht. Und eine Supermarkt-Tour mit drei Kindern ist in etwa so nervenaufreibend wie ein Seiltanz in zehn Metern Höhe.

Freitag bin ich vormittags verabredet. Das ist schön, dafür stapeln sich dann bei meiner Rückkehr am Mittag das Geschirr vom Frühstück und drei Ladungen ungewaschenener Wäsche. Außerdem muss ich für einen Ausflug mit Oskar einen Rucksack packen, als brechen wir für einen Wochenendtrip in die Berge auf.

Nicht planbar sind Kinderkrankheiten, die von heute auf morgen alles durcheinander bringen. Auch das Novemberwetter verhagelt mir so manchen durchdachten Tagesablauf. Und während ich mir über all dies bei einer Tasse Tee Gedanken mache, möchte ich am liebsten in den Becher heulen. Ein Glück, das mich der Abendwahnsinn auf andere Gedanken bringt. Die Kinder müssen gebadet, die Taschen für den Montag gepackt, ein letzter Schwung Wäsche gebügelt werden. Dann ist es auch schon Zeit fürs Abendessen, Kinder ins Bett bringen, Tatort gucken, Augen zumachen.

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Alles halb so schlimm

Und zu Beginn der Woche ist schlussendlich alles gar nicht so schlimm wie gedacht. Der Montagmorgen ist sonnig, Jimmy ausnahmsweise gut gelaunt, wir wuppen den ersten Morgen der Woche sogar ohne größere Streitigkeiten, und dann ruft auch noch die Oma an, dass sie beim Schuhekauf dabei sein möchte. Die Tage tröpfeln so vor sich hin, alles läuft irgendwie – mal besser, mal schlechter, und das Kinderturnen macht sogar richtig Spaß.

Dann ist auch schon wieder Freitag und um sechs am Abend kommt Anton zur Tür rein. „Endlich Wochenende!“ ruft die Familie erfreut. Und ich lasse mich ein wenig fallen und bin froh, dass die Woche hinter mir liegt. So lange, bis es Sonntag ist, und ich nachmittags am Tisch sitze, und mir den Kopf von Neuem zermartere!

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Meine Tipps für den Sonntag

  • ich setze mich in Ruhe hin und plane alles durch, was in der Woche so passiert. Größere Hürden bespreche ich anschließend mit Anton. Können wir Aufgaben aufteilen, geht einer mal am Abend einkaufen, wenn die Kinder im Bett sind? Können die Großeltern einspringen oder aushelfen? Kann Jimmy einen Freund besuchen gehen?
  • ich schreibe alle To dos der Woche auf, teile sie in die Kategorien dringend/nicht dringend/wichtig/nicht wichtig und sortiere sie in die einzelnen Tage ein. Unbedingt auch Pausen eintragen und nicht so viel auf einmal. Alles aus der Kategorie „nicht dringend + unwichtig“ kann warten!
  • dann bereite ich alles so vor, dass es morgens keinen wenig Stress gibt: stecke eine Ladung Wäsche in die Maschine, dann kann ich sie auf dem Weg in den Kindergarten direkt anschmeißen, lege Post raus, die in den Briefkasten muss, packe die Kindertaschen soweit es geht und stelle die Fahrräder vor der Tür bereit.
  • am Ende mache ich noch was Schönes: einen Film/Serie anschauen, Bad/Fußbad nehmen, Tee/Sekt trinken oder ein gutes Buch lesen.

Kennt ihr den Sonntags-Blues auch? Und was macht ihr dagegen? Bin gespannt auf eure Antworten!

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Laura

One Comment

  1. Ich kenne derzeit eher den Allabend-Blues, da es bei uns dank Haus-Baustelle kein nennenswertes Wochenende gibt…
    Das mit der Wäsche mache ich auch: Am Abend alles so vorbereiten, dass ich in der Früh nur den Startknopf zu drücken brauche. Hat sich super bewährt. Und sonst gilt hier: für den Alltag möglichst wenig vornehmen, sondern in den Tag hineinleben – was mit Baby und 2,5-Jährigem natürlich leichter ist, als mit Schul- und Kindergartenkindern…

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