Nach der US-Wahl: was wir Eltern für unsere Kinder tun können

Ereignisse, die ich nie vergesse

Wo war ich, als Lady Di starb, als der Anschlag auf Paris geschah, wo war ich, als Hillary Clinton verloren hat? Es gibt geschichtsträchtige Ereignisse, die uns selbst so zusetzen, dass wir uns immer erinnern werden, wo wir uns aufhielten, was wir in diesem Moment dachten, mit wem wir zusammen waren. Ich bin gestern morgen um halb sieben aufgewacht, wie einige Male in den Stunden zuvor. Ich griff zum Telefon, surfte auf die Seite meiner Online-Nachrichten und spürte beim Lesen, dass dieser Tag nicht mehr schlimmer werden konnte.

Die Jungen triffts am stärksten

Heute morgen habe ich ein Video von einer schluchzenden Miley Cyrus gesehen, das auch mir die Tränen in die Augen schießen lässt. Was tun die Wähler, die sich für solche Politiker entscheiden, ob in den USA oder hier bei uns, den jungen Menschen an? Haben wir Erwachsene nicht Verantwortung für die Generation, die nach uns kommt? Warum pfeifen Wähler auf das, was die Jugendlichen und jungen Erwachsenen wollen? Die Mehrheit dieser Gruppe wollte keinen Brexit, sie sind keine Flüchtlingsgegner, sie wollen keinen amerikanischen Präsidenten, der Homosexuelle, Muslime und Mexikaner beschimpft. Das möchte mir neben vielen anderen Dingen nicht in den Kopf gehen.

Was geht uns Amerika an?

Was bedeutet der Ausgang der Wahl hier für uns in Deutschland, was bedeutet er für uns als Eltern, was bedeutet er für die Werte, die ich meinen Kindern vermittle, und die mir so wichtig sind? Es bedeutet eine Menge, das sehen wir an der Ausbreitung rechtspopulistischer Parteien bei uns in Europa. In welcher Welt werden unsere Kinder Erwachsene sein? Was werden sie denken? Und welche Werte werden sie vertreten?  Auf die Art, wie unsere Kinder später leben, wie sie anderen Menschen gegenüber treten, wie tolerant sie gegenüber Andersdenkenden sein werden, haben wir Eltern jetzt großen Einfluss. Und das ist am Ende des Tages meine große Hoffnung: dass die Generation unserer Kinder einmal in der Lage ist, die Scherben des Rechtspopulismus aufzuräumen, die unsere heutige Zeit hinterlassen wird. Deshalb bekommen wir doch Kinder, oder? Weil sie unsere Hoffnung sind. Und wir Eltern können eine Menge dafür tun, dass unsere Söhne und Töchter einmal für eine Gesellschaft eintreten, die demokratisch, tolerant, friedlich und offen ist. Mehr fällt mir nach den Ereignissen des gestrigen Tages nicht mehr ein!

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Deshalb mein Aufruf an euch Eltern: lebt den Kindern eure Werte vor. Lebt ihnen Toleranz und Demokratie, Meinungsfreiheit und Offenheit gegenüber Andersdenkenden vor. Engagiert euch in der Gesellschaft, setzt euch für Arme, Flüchtlinge, Minderheiten ein. Erzählt davon, dass jeder Mensch lieben darf, wen er möchte, glauben darf, an was er möchte und das Recht hat, in Frieden zu leben.

Wie wir Eltern Demokratie vorleben können

  • Engagiert euch für andere. Unterstützt Flüchtlingsarbeit, helft im Kindergarten aus, verkauft beim Schulfest Kuchen, macht Vereinsarbeit. Zeigt euren Kindern, dass es gut tut und nötig ist, sich für die Gesellschaft einzusetzen.
  • Geht wählen und erklärt den Kindern, warum ihr das tut. Ob Bürgermeister-, Landtags- oder Bundestagswahl, nehmt eure Pflicht ernst. Wenn es die Zeit zulässt, lasst euch selbst wählen: zum Elternvertreter, Kassenwart im Chor oder Kirchengemeinderat. Wenn eure Kinder sehen, was ihr tut, werden die es als Erwachsene selber machen.
  • Interessiert euch für eure Nachbarn. Fragt den älteren Herrn nebenan, wie es ihm geht. Leert für die, die neben euch wohnen, den Briefkasten, wenn sie im Urlaub sind. Veranstaltet Straßenfeste oder Adventsumtrünke. Geht nicht grußlos an den Anderen vorbei!
  • Informiert euch über eure Stadt und das Land, in dem ihr lebt. Zeigt euren Kindern, dass es dazu gehört, informiert zu sein. Abonniert eine Zeitung, leiht sie in der Bücherei oder lest Online-Nachrichten. Schaut die Tagesthemen und lest das Wochenblatt eures Dorfes.
  • Lebt den Kindern Zivilcourage vor: helft Menschen auf der Straße, deren Tasche zu schwer ist, kauft die Obdachlosenzeitung, spendet Kleidung und Essen für die Tafel, legt dem bettelnden Mann an der Ecke eine frische Brezel und ein paar Euros in die Mütze.
  • Erklärt den Kindern, warum andere Menschen krank oder behindert sind, und warum sie genau wie wir ein Recht darauf haben, an der Gesellschaft teilzunehmen.
  • Sagt euren Söhnen, dass sie durchaus auch ihren Kindergartenfreund heiraten können, und erzählt, warum wir zum Glück in einem Land leben, indem gleichgeschlechtliche Liebe akzeptiert wird.
  • Sprecht mit Kindern dem Alter entsprechend über Krieg und flüchtende Menschen. Über den Zufall, dass sie in diesem Land geboren sind, und über die Selbstverständlichkeit, dass Familien aus Syrien gerne bei uns in Sicherheit leben möchten.
  • Demonstriert friedlich für die Werte unserer Gesellschaft. Geht auf die Straße für Toleranz, Frieden, Freiheit und sagt laut „Nein“ zu Rechtspopulismus und zu Menschen, die gegen Flüchtlinge und Ausländer schimpfen.

Ich werde künftig versuchen, all diese Punkte stärker zu befolgen und alles dafür zu tun, dass meine Kinder zu gerechten, friedlichen, toleranten und großherzigen Menschen werden, die Rechtspopulismus so verabscheuen, wie ich es tue. Mehr kann ich im Moment nicht tun. Denn angesichts solcher Tage wie gestern bin ich momentan äußerst ratlos.

Laura

8 Comments

  1. Liebe Laura,
    Dein Post spricht mir aus der Seele, die Worte hätten von mir kommen können (allerdings nicht so schön forumliert 😉 ). Danke für diesen tollen Artikel, der mich in meinem Handeln weiter bestärkt.
    Viele liebe Grüße Caro

  2. Liebe Laura, das hast du schön geschrieben. Ich habe mich gleich inspiriert gefühlt und mich endlich getraut, einen Obdachlosen anzusprechen, der seit einiger Zeit vor unserer Kita schläft. Ich konnte ihm zwar erstmal nur mit einem Kaffee helfen, aber habe mich heute auch noch an die Obdachlosenhilfe gewendet – schließlich ist es langsam wirklich kalt. Ist zwar nur eine Kleinigkeit, aber du hast wirklich Recht, wir müssen unseren Kindern Demokratie vorleben. Vielen Dank für den Artikel und liebe Grüße Anita

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