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Stammtischparolen auf dem Schulfest

Nach einem Klassenfest im Sommer hatte ich die Nase voll. Mal wieder hatte eine Frau bei Kuchen und Butterbrezeln geäußert, dass geflüchtete Menschen hier zu viele Sozialleistungen bekämen. „Ältere deutsche Damen mit wenig Geld müssen ihre Brillen selber bezahlen, DIE dürfen sich eine Markenbrille aussuchen“, lamentierte sie mit vollem Mund. Ohne Daten und Fakten, ohne Hintergründe und genauere Umstände knallte sie Stammtischparolen auf den Tisch, bekundete ihre Sympathie zur AfD und versaute mir das Fest. Abends regte ich mich vor Anton mal wieder kräftig auf und polterte los: „Nie wieder setze ich mich mit solchen Menschen an einen Tisch. Immer dieses sinnlose Geschwätz. Den Geflüchteten die Schuld in die Schuhe schieben und sich selber leid tun. Es nervt mich unglaublich und es macht mich wütend. Sollte noch einmal einer vor mir erwähnen, er wähle die AfD, beende ich das Gespräch und gehe.“

Meine Filterblase ist ganz meiner Meinung

Anton, der immer die Nerven behält und sachlich argumentieren kann, zweifelte an meinem Entschluss. Und weil er mich immer wieder zum Nachdenken bringt, war ich mir auch selbst nicht mehr so sicher, ob es wirklich sinnvoll ist, Gespräche mit AfD-WählerInnen kategorisch auszuschließen. Am nächsten Tag meldete ich mich dann in unserer Wochenzeitung DIE ZEIT bei der Aktion „Deutschland spricht“ an, einer Plattform für politische Zwiegespräche. Ziel dieser Plattform soll es sein, Menschen mit unterschiedlichen Meinungen an einen Tisch zu bringen. Tatsächlich lebe ich ja die meiste Zeit in meiner Filterblase. Meine Familie und meine Freunde denken ganz ähnlich wie ich: Sie sind tolerant, sehr sozial, engagieren sich teilweise ehrenamtlich und wählen die politische Mitte, manche eher linksgerichtete Parteien. Wir sind fast immer einer Meinung und streiten höchstens über Feinheiten. Dass wir als reiches Land verpflichtet sind, geflüchetet Menschen in Not aufzunehmen, ist für uns alle glasklar.

Ich beantwortete für die Aktion zehn Fragen, zum Beispiel, ob uns die #MeToo-Debatte weitergebracht hat (ja!), ob Nicht-Muslime und Muslime in Deutschland friedlich miteinander leben können (ja!) oder ob es den Deutschen schlechter gehe als noch vor zehn Jahren (nein!), schickte die Antworten ab und wartete. Nach ein paar Wochen wurde mir mein Gesprächspartner mitgeteilt, mit dem ich mich an einem Sonntag Ende September treffen sollte. Ich war gespannt, wie mein kleines Experiment laufen würde. Sollte ich meine Meinung ändern und mich wieder an den Tisch setzen, wenn einer seine AfD-Parolen auspackte? Es sollte alles anders kommen als geplant.

Das Nachbarschaftsfest

Einen Abend vor dem großen Deutschland spricht-Tag fand vor unserer Tür ein großes Nachbarschaftsfest statt. Wir saßen gemeinsam an langen Tischen, grillten und tranken kühles Bier, die Kinder spielten miteinander. Die Stimmung war gut wie erwartete, denn wir haben mit all unseren Nachbarn ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Besonders schätze ich die Hilfstbereitschaft und die verschiedenen Nationen, die in unserer Straße aufeinander treffen. Ich saß zufälligerweise am Männertisch, an dem sich Jorge aus Argentinien, Selcuk aus der Türkei, Han aus China, Tom aus Kroatien sowie Anton, Peter und Jakob gerade durch die Schnapsarten ihres Heimatlandes probierten. Peter und Jakob, die wie Anton als Spätaussiedler nach Deutschland kamen, stellten ein Flasche Wodka auf den Tisch. Nach der ersten Runde kam es wie es kommen musste! Jakob regte sich auf, dass in unserem Ort bald ein Flüchtlingsheim gebaut werden soll. „Sie machen den gleichen Fehler wie mit uns damals und packen alle auf einen Haufen, das ist keine Integration!“ Ich gab ihm recht, aber er fügte hinzu: „Aus diesem Grund wähle ich die AfD!“ Oh nein, dachte ich, da habe ich wieder die Diskussion, die ich doch meiden wollte. Eigentlich müsste ich nun aufstehen und das Gespräch abbrechen. Aber was solls, dachte ich mir, dann muss ich da wohl durch. Auf meine Frage, ob ihm denn klar sei, dass das Wahlprogramm der AfD kaum sinnvolle und gute Inhalte hätte, antwortete er, dass ihn das nicht interessiere. Er wähle die Partei aus Protest gegen den Bockmist, den die Große Koalition verzapfe. Die machten keine Politik für ihn, den Mann aus der Mittelschicht, der hart arbeite und viele Steuern bezahle.

Das AfD-Wahlprogramm für Reiche

Ich quatschte mich warm, erläuterte ihm, dass die AfD den Euro abschaffen will und den Euroraum verlassen möchte. Er möge bitte mal einen Blick nach Großbritannien werfen, was das für ein Land wirtschaftlich bedeuten wird. Die AfD ist außerdem gegen eine Vermögenssteuer und möchte die Erbschaftssteuer abschaffen. Darüber freuten sich vor allem die Reichen in Deutschland. Der Mann aus der Mittelschicht, der hart arbeite, der habe davon leider herzlich wenig. Der aktuelle Programm-Entwurf der AfD beinhalte keine Aussagen zu Kulturförderung oder dem Jugendschutz für unsere Kinder. Auch die globale Erderwärmung empfindet die AfD nicht besonders bedenklich, den Schaden von CO2 sieht sie als nicht bewiesen und schreibt in ihrem Wahlprogramm, dass „wissenschaftliche Untersuchungen zur langfristigen Entwicklung des Klimas aufgrund menschlicher CO2-Emissionen sehr unsicherheitsbehaftet“ seien. Im Gegensatz dazu gibt es Stimmen in der Großen Koalition, die sich für eine CO2-Steuer aussprechen, denn wer den Schaden der CO2-Emissionen betrachtet und diese folgerichtig besteuert, verteuert das Leben der Reichen, die viel fliegen, in überdimensionalen Häusern leben und große Autos fahren. Die AfD möchte den öffentlich rechtlichen Rundfunk  verschlanken und das Fernsehen stärker privatisieren. Die Sportschau am Samstag, die Peter so gerne schaut, könnte demnach bald zahlungspflichtig sein wie die Bundesligaspiele auf Sky. Dann füge ich noch hinzu, dass ich mir nicht so sicher bin, was wohl die AfD vor 30 Jahren zur Integration der Spätaussiedler gesagt hätte. Ich kann es mir außerdem nicht verkneifen in die Runde zu werfen, dass Mitglieder der AfD laut Franziska Schreiber, einer Partei-Aussteigerin, Reden Joseph Goebbels rhetorisch analysiert haben, um in ihren eigenen Reden die Massen entsprechend zu mobilisieren.

Jakob schaute mich an und setzte zu neuen Protestbekundungen an. Ob ihn eines meiner Argumente überzeugt hatte, darüber war ich mir nicht sicher. Aber ich hatte kapiert, wieso so viele Menschen die AfD wählen. Sie haben sich überhaupt nicht mit deren Wahlprogramm auseinandergesetzt, sie lesen nicht in der Zeitung, dass AfD-Landesvorsitzende mit den übelsten Nazi-Typen befreundet sind und nach Terroranschlägen in Berlin erst einmal in ihren Facebook-Gruppen gefeiert haben. Sie wählen einfach aus Wut und dem Gefühl der Machtlosigkeit. Mein Verständnis für besorgte Wohlstands-Bürger hält sich sehr in Grenzen und meine Wut auf die AfD und ihre gruseligen Knallchargen im Bundestag ist unbändig, aber eines werfe auch ich den Politikern in Berlin vor. Es wird nicht genug zugehört und geredet. Sollen wir es da nicht besser machen?

Schwerer als gedacht: Toleranz für andere Meinungen

Wir palaverten bei einem zweiten Bier noch darüber, warum wir auf unser Deutschsein stolz sein können (ich bin vor allem auf meine Leistungen stolz, nicht auf Zufälligkeiten, auf die ich keinen Einfluss habe) und ich wurde langsam müde, mich weiter festzuquatschen. Aber ich habe eines gemerkt: auf meine Nachbarn bin ich angewiesen, ich brauche sie und sie brauchen mich. Ich kann nicht einfach aufstehen und Jakob sagen, dass ich  nicht mehr mit ihm rede. Und ich mag ihn, obwohl ich seine politischen Ansichten absolut nicht teile. Mit Andersdenkenden in Kontakt sein, das ist heute wichtiger denn je.

So wie ich bei geflüchteten Menschen die wunderbare syrische Familie im Kindergarten meiner Tochter vor Augen habe, so habe ich nun bei AfD-Wählern Jakob vor Augen, der so gutes Schaschlik macht und ein lieber Papa von drei Mädchen ist. Vielleicht ändert Jakob seine Meinung, vielleicht waren ein paar meiner Argumente für ihn schlüssig. Könnte ja sein, dass er sich das Wahlprogramm der AfD nun näher anschaut und über meine Worte nachdenkt. Könnte sein, dass er es nicht tut. Aber das Risiko war es mir wert.

Deutschland spricht

Ich habe mich am nächsten Tag im Rahmen der Aktion „Deutschland spricht“ mit Emanuel getroffen, einem sehr sympathischen jungen Mann aus Stuttgart. Wir hatten ein tolles Gespräch bei Bircher Müsli und Cappuccino in einem schnuckeligen Café und waren uns politisch in allen Punkten einig. Ich war ehrlich gesagt auch froh, dass wir ein wenig falsch gematcht wurden und die Fragen völlig gleich beantwortet haben. Denn gestern Abend hatte mir fürs erste gereicht und ich bin mir sicher, dass die nächste Diskussion nicht lange auf sich warten lässt. Da stärke ich mich gerne bei einem schmusigen Argumenteaustausch in meiner Filterblase und dem gemeinsam unterstrichenen Tenor, dass Horst Seehofer sowieso an allem Schuld ist.

Aber bei meinen schwierigen Diskurs mit Jakob habe ich begriffen! Wir müssen sprechen und wir müssen kommunizieren. Denn wenn wir das nicht mehr tun, dann steht es wirklich schlimm um unsere Gesellschaft. Wir dürfen uns nicht dafür entscheiden, den Tisch zu verlassen, weil wir die Argumentationen leid sind. Wir dürfen nicht verstummen und resignieren, im Gegenteil: wir müssen zuhören und den anders Denkenden begegnen. Und wir müssen laut werden. Laut werden gegen den Rechtsruck in unserer Gesellschaft.

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Dieser Text ist mein Beitrag zur großen Blogparade von Blogfamilia

#lautwerden #stimmeerheben #blogfamiliablogparade

Ein schrecklicher Traum

Letzte Nacht hatte ich einen Traum. Einen Traum von der Zukunft meiner Kinder: Luise ist in die Fußstapfen ihrer Mutter getreten und Journalistin geworden. Weil sie sich politisch für die Meinungsfreiheit einsetzt und dabei mit der Regierung in Konflikt gerät, wurde sie verhaftet und verurteilt. Jimmy, der sich in eine Französin verliebt hat, versucht verzweifelt, einen Einreiseantrag nach Frankreich zu stellen, aber er scheitert nun zum fünften Mal. Oskar, der als Kommunalpolitiker für die Integration von Flüchtlingen aus Afrika kämpft, sieht sich mit Gewaltandrohungen der rechten Szene konfrontiert und findet bei der Polizei kein Gehör.

Angst um die Zukunft

Gruselige Vorstellungen, findet ihr nicht auch? Aber sie sind gar nicht so realitätsfern. Länder, die wir für demokratisch hielten, sind es nicht mehr. Journalisten dürfen nicht mehr frei berichten und werden inhaftiert, die Grenzen in Europa sollen geschlossen werden, fordern Populisten. Die rechten Flügel bekommen Aufschwung und Sätze die mit „ich bin ja nicht rechts, aber…“ beginnen, werden salonfähig. Ich habe Angst um die Zukunft meiner Kinder. Zwar leben wir in Deutschland und darüber bin ich ganz schön froh, aber auch bei uns sitzt höchstwahrscheinlich bald eine Partei im Bundestag, die Frauenrechte beschneiden, Flüchtlinge aus dem Land treiben und Waffenbesitz fördern will. Als ich den Bundestag in Berlin besucht habe und mir klar wurde, dass diese rechten Typen bald in einem der Büros logieren, hätte ich vor Wut brüllen können. Jeder, der das Wahlprogramm dieser Hetzer mal in Ruhe liest wird merken, dass deren Ideologie nicht mit unserem Grundgesetz vereinbar ist.

#dubistdemokratie

Es geht um unsere Kinder

Aber zurück zum Thema, denn es geht um unsere Kinder. Béa vom Blog Tollabea hat einen schönen Bericht geschrieben und erklärt, warum wir mit unseren Kindern über Demokratie reden müssen. Petra Hamacher hat zur Blogparade aufgerufen. Und so ist die Bloggerinitiative #dubistdemokratie entstanden, die ich mit diesem Text unterstützen möchte.

Wir reden zuhause viel über Demokratie. Jimmy, knapp sechs, interessiert sich schon lange für solche Themen. Ihn faszinieren Länder, die Mauern als Landesgrenzen haben und ich muss ihm immer wieder etwas über Nordkorea erzählen. Er kennt den amerikanischen Präsidenten und wir haben auch schon über Erdogan gesprochen. Natürlich versuche ich, einigermaßen kindgerecht über drei Männer zu berichten, die so machtvoll wie beängstigend sind. Und dann finden wir, dass es in dieser Welt ein Glück ist, in einer Demokratie ohne Todesstrafe und Mauergrenzen, dafür aber mit einer Sozialversicherung und Meinungsfreiheit leben zu dürfen.

demokratie und freiheit

#dubistdemokratie: macht mit!

Kinder verstehen mehr, als wir denken. Und wenn wir sie im Kindergarten- und Grundschulalter nicht ungefiltert den gruseligen Nachrichten in der Tagesschau aussetzen sollten, so können wir ihnen erklären, wieso so viele arme Familien aus Syrien bei uns leben. Wir haben bald ein paar neue Kindergartenkinder von dort und ich bin froh, dass unsere Kinder Kontakt zu ihnen haben werden. Wir können unseren Kindern zeigen, wie Mitbestimmung funktioniert, indem auch sie Rechte und Pflichten haben. Demokratie in der Familie heißt für mich, dass jeder seine Meinung sagen darf. Jimmy zuliebe gehen wir mal in die Skybar des hiesigen Sportvereins. Luise darf frei wählen, was sie anzieht, so lange es einigermaßen den Temperaturen entspricht. Und Oskar darf gerade so oft es geht auf den Arm. Nichts wünscht er sich lieber. Aber auch wir Eltern haben Rechte wie Feierabend ab 20:15 Uhr oder sonntags freie Musikwahl im Auto. Toleranz, Respekt, Meinungsfreiheit und Rücksichtnahme können wir in der Familie vorleben und ich habe noch ein paar Ideen mehr, wie wir unseren Kindern zeigen, wie eine demokratische Gesellschaft funktioniert. Am besten, wir Großen sind ihnen ein gutes Vorbild, dann verstehen sie es von ganz alleine:

  • informiert euch über unabhängige Zeitungen oder das öffentlich rechtliche Fernsehen über das, was in unserem Land und in der Welt geschieht. Kinder ab fünf Jahren dürfen nach dem Sandmännchen auch gerne noch Logo! schauen, die Kindernachrichten im Kika-Kanal.
  • Engagiert euch im Elternbeirat im Kindergarten oder in der Schule. Wenn das zeitlich nicht geht, unterstützt die, die es tun, nach Leibeskräften. Diese Arbeit ist so ehrenwert wie wichtig und alle Eltern, die sich engagieren und sich nicht ducken, wenn die Ämter besetzt werden, gehört unser aller Respekt.
  • Helft ehrenamtlich. Ob im Verein, im Flüchtlingsheim oder in der Kirche. Spendet Geld, Klamotten, Spielzeug oder was sonst noch gebraucht wird. Schmeißt gut erhaltene Kleidung nicht in die Container, sondern fahrt sie zum nächsten Tafel-Laden. Demokratie lebt davon, dass wir uns einander helfen und unterstützen.
  • Geht immer, wirklich immer zur Wahl und beantragt Briefwahl, wenn ihr im Urlaub seid. Nehmt die Kinder mit, damit sie von klein auf mitkriegen, was unsere Pflicht ist. Haltet euer Wahlrecht nicht für selbstverständlich und seid dankbar für unsere amtierenden Politiker. Auch wenn nicht alles so läuft, wie wir es wollen: Bessere findet ihr derzeit auf der Welt keine!
  • Schafft Gemeinschaft! Ob in der Nachbarschaft, im Dorf oder in der Großstadt. Vernetzt euch, ladet zu Festen ein und hört euch auch die Sorgen und Nöte anderer Eltern an.
  • Seid auch im Netz anderen gegenüber respektvoll und schreibt keine bösen Kommentare unter Pseudonym. Diskutiert freundlich und argumentiert gut. Teilt tolle Inhalte und helft sie zu verbreiten.
  • Schaut nicht weg, wenn auf der Straße etwas passiert. Ruft die Polizei, wenn ihr Zeuge von Gewalt werdet. Schaut nach den armen Menschen, kauft eine Obdachlosenzeitung, eine Brezel und einen Kaffee für den armen Mann an der Ecke. Erklärt euren Kindern, warum Menschen Not leiden und zeigt ihnen damit, wie gut sie es selbst haben.
  • Geht achtsam mit unserer Umwelt um. Spart Müll und Energie, fahrt viel Fahrrad und konsumiert bewusster. Esst wenig Fleisch und tretet für den Tierschutz ein.
  • Seid politisch! Regt euch nicht über Firlefanz wie provokative Hashtag-Namen auf, sondern setzt euch für wichtige Dinge wie Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein. Holt so manche politischen Eltern-Blogs aus der Spartenecke raus, gebt ihnen einen Daumen hoch und unterstützt sie mindestens so wie DIY- und Lifestyle-Themen!

#dubistdemokratie

Ihr Lieben! Auch wenn es manchmal schrecklich ist, die Nachrichten mit all dem Elend zu sehen. Auch wenn wir oft das Gefühl haben, nichts ausrichten zu können, so haben wir doch einiges an Macht. Wir können mit unserem Verhalten unsere Kinder prägen, denn sie werden es zwangsläufig so machen wie wir. Unsere Kinder müssen verstehen, dass die Demokratie die beste Staatsform von allen ist, dass wir sie schützen und pflegen müssen. Ich will, dass Luise später ihre Meinung laut und ohne Angst sagen, dass Jimmy ein Europa ohne Grenzen bereisen darf und Oskar niemals Angst vor rechter Gewalt haben muss. Macht mit bei der Aktion #dubistdemokratie, schreibt Texte oder teilt sie in den sozialen Netzwerken.

DANKE!

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Ladies, das ist für euch

#ArschcooleSuperfrauen, wer sollen die denn sein? Das habe ich mir heute so überlegt, als ich über AndreaHarmonika von StadtlandMamas Blogparade erfuhr. Ganz klar, die gibts, da habe ich keine Zweifel: Sie experimentieren, erfinden, dichten, schreiben, politisieren und bringen die Welt ins Wanken. Und ganz klar, die kommen in der (Kinder-)Literatur immer noch viel zu wenig vor, wie Andrea so schön beschrieb:

Nichts gegen Mark Twain, Albert Einstein, Martin Luther King, Cäsar oder Benjamin Blümchen. Aber mit Euren Geschichten werden unsere Kinder sowieso aufwachsen.

Also hat sie einen ganz wunderbaren Vorschlag für ein Kinderbuch, in dem lauter tolle Frauen beschrieben werden. Klar, dass ich das Bilderbuch Good Night Stories for Rebel Girls für meine Tochter Luise kaufen werde, und natürlich auch für meine Söhne. Denn dass die sich mal eine #ArschcooleSuperfrau suchen (oder natürlich auch einen ArschcoolenSupermann), ist für mich keine Frage. Ich schreibe heute aber für andere #Arschcoole Superfrauen.

Arschcoole Superfrauen

  • stehen jeden Morgen schon um sechs Uhr auf, weil das Baby brüllt und der Mann bereits ins Büro gedüst ist. Noch bevor sie den ersten Kaffee getrunken haben oder zumindest mal auf dem Klo waren, trösten sie Morgenmuffel, putzen 20 bis 60 Kinderzähne, schmieren Brote, pellen Zappelbeine in rosa Strumpfhosen, sehen selbst eher mäßig aus und bringen die lieben Kleinen in die diversen Aufbewahrungsanstalten, um danach im Affentempo ihrem Tagwerk nachzugehen.
  • kümmern sich den ganzen lieben langen Tag um Minderjährige. Sie stapeln Klötze, füttern Brei, lesen vor, malen mit Wachsmalstiften Zootiere, verteilen Kekse und Apfelschnitze, kochen Mittagessen, helfen bei den Hausaufgaben, gehen auf Spielplätze, leihen Bilderbücher aus der Bücherei, reparieren Legobauten, stopfen Jeanslöcher und gönnen sich als Belohnung um 21.30 Uhr eine halbe Stunde Lesen auf dem Sofa.
  • arbeiten halbtags im Job, reißen sich ein Bein aus um pünktlich zu sein, arbeiten ohne Pause und auch mal mit fettem Schnupfen durch. Es soll ja keiner sagen, dass Mütter im Office nicht so viel gebacken kriegen wie kinderlose Frauen. Ohne Mittagessen stürmen sie Richtung Kindergarten, packen Anna, Max und Moritz ins Auto, holen auf dem Weg eben noch Milch, Brot und Käse und wischen bei der Ankunft daheim als erstes die Bude durch.
  • stecken beruflich zurück, weil sie einen „typischen Frauenberuf“ gewählt haben und der Mann sowieso viel mehr verdient. Sie lieben zwar, was sie studiert oder in der Ausbildung gelernt haben, aber die Kinder brauchen schließlich eine Bezugsperson und erst gestern wurde sie auf dem Spielplatz „Rabenmutter“ genannt, weil sie die Kinder erst um zwei Uhr von der Kita holt. In ihrem Lebenslauf klaffen fette Lücken und wenn der Rentenbescheid kommt, gehen sie zum Lachen in den Keller.
  • stemmen ihr Leben, den Job und die Kids alleine, weil der Mann ihrer ewigen Meckerei überdrüssig wurde und sich in eine Kollegin verliebt hat, die „irgendwie so locker drauf ist und nicht immer Stress macht“. Sie haben ein ewig schlechtes Gewissen, weil sie zu wenig Zeit für die Kinder haben sowie ein ewig leeres Konto, weil der Ex mal wieder vergessen hat, die Kohle für Mia und Molly zu überweisen.
  • helfen sich gegenseitig aus, weil sie alle in einem Boot sitzen. Sie leihen sich eine warme Schulter zum Anlehnen, Babysachen, Bücher, ein offenes Ohr oder teilen Sekt, ein Krankenhauszimmer, Sorgen und Schwangerschaftsklamotten.
  • legen sich für Frauenrechte ins Zeug, hören sich von Typen an, dass sie üble Emanzen sind, regen sich ordentlich über die fehlende Gleichberechtigung auf, kämpfen gegen desaströse Umstände in der Arbeitswelt und wissen zu Recht, dass echte Männer starke Frauen lieben.
  • bloggen über Familie, Kinderhaben, the real life, Politik, Frauen und Gesellschaft. Machen anderen Frauen mit ihren Texten Mut, bringen hunderte von Lesern zum Lachen, bauen eine Gemeinschaft auf, rufen Blogparaden ins Leben.

Ladies, viele #ArschcooleSuperfrauen sind bekannt und berühmt, haben einen Preis bekommen oder sind in der Tagesschau zu sehen. Ok, es sind immer noch viel zu wenig und ich hoffe, dass sich das künftig ändern wird. Aber viele #ArschcooleSuperfrauen, die jeden Tag preisverdächtiges leisten, werden überhaupt nie genannt. Dieser Text geht an euch, ihr arschcoolen Alltagsheldinnen.

Für die Mami mit dem Schreihals in der Babykarre
Für die Mami mit der dreihalsigen E-Gitarre
Die mit dem Lachen, dreckig schön wie Schlammschlachten
Und den großen Funkplatten in den kleinen Handtaschen
Für all die Füchsinnen und Dende-Frauen
Aus „Diese Party ist noch lange nicht zu Ende!“-Town

(Beginner, So schön)

Wie bringe ich meine kleinen Kinder ins Bett, wenn ich abends alleine bin? Das fragte Bella vom Blog FamilieBerlin und rief zur Blogparade unter dem Hashtag Huschhusch auf. Erst kürzlich habe ich mich das Gleiche gefragt, als Anton abends nach Feierabend noch einen wichtigen Termin hatte. Mir stand der Schweiß auf der Stirn, und das schon ab dem frühen Morgen. Wie schaffe ich es nur, Baby Oskar ins Bett zu bringen, und mich dann auch noch um die beiden Großen zu kümmern? Zähne putzen, Geschichte lesen, Rücken kraulen, Wasserbecher auffüllen und all die anderen Punkte abzuarbeiten, auf dem Weg zum Ziel: Ruhe im Haus und drei friedlich schlummernde Kinder?

Ich verrate es schon mal: alles hat gut geklappt, denn das Ende vom Lied ist immer das gleiche. Mütter machen sich zu viele Sorgen, und 85 % aller pessimistischer Prognosen treffen niemals ein. In diesem besonderen Fall bin ich mir sicher, dass es auch den Kindern gut tut und sie dabei lernen, Rücksicht aufeinander zu nehmen. So merken die Großen, dass ein Baby einfach besondere Bedürfnisse hat, zum Beispiel ganz lange getragen und gehalten zu werden. Aber auch das Kleinste merkt, dass da noch andere sind, die Mama brauchen. Und am Ende lernen die Kinder noch etwas: sogar Eltern sind Menschen, die irgendwann mal ihre Ruhe haben möchten.

Huschhusch

Unser erster Abend alleine

Nun also war auch bei mir der Tag gekommen, an dem ich zum ersten Mal alle drei Kinder alleine ins Bett bringen musste. Wir waren lange auf dem Spielplatz, haben gemeinsam Abend gegessen und dann kam der Punkt, an dem Oskar Allen zu verstehen gab, dass er von der Familie die Nase voll hatte. Also gab es eine extra lange Folge Peppa Wutz für Jimmy und Luise, und ich habe Oskar bettfertig gemacht. Mein erster Tipp für den Fall der Fälle heißt:

1. Die Sachlage klären

Also habe ich beiden die Situation erklärt, und mich für eine Weile mit dem Babylein ins Schlafzimmer verzogen. Natürlich ist ein dreijähriges Mädchen nicht ganz so verständnisvoll wie ein Fünfjähriger, und platzt dann noch ein paar Mal herein, gerade dann, wenn Oskar die Äuglein geschlossen hat. Darum mein zweiter Tipp:

2. Nerven stärken und bewahren

Irgendwann hatte ich Oskar soweit und schaute nach den Großen. Jimmy zockte am Tischkicker, Luise spielte mit ihrem Pferd. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es inzwischen schon halb acht war. Zu dieser Zeit liegen eigentlich schon alle in ihren Federn, deshalb heißt der nächste Tipp:

3. Fünfe gerade sein lassen

Also versuchte ich, locker zu bleiben, und für den Rest des Abends nicht mehr auf die Uhr zu schauen. Dann ging es ans Zähne putzen und es kam, wie es kommen musste: Luise stellte sich quer. Sie wollte weder ihre Beisserchen reinigen noch den Schlafanzug anziehen und ich hatte die Nase voll. Es kam zu einem größeren Disput und kurzzeitig überkam mich die Panik, dass ich diesen Streit nun alleine lösen musste. Wir einigten uns, nachdem jeder einmal laut gebrüllt hatte, vertrugen uns und lagen uns ein paar Minuten in den Armen. Mein nächster Ratschlag lautet deshalb:

4. Rückschläge überwinden

Endlich lag Luise in den Federn, Jimmy schmökerte in der Bundesligatabelle. Wir einigten uns auf eine Geschichte vom Raben Socke, sonst lesen wir getrennt und dem Alter entsprechend. Rabe Socke gefällt beiden, das liegt wohl an dessen enormen Streitpotential. Nach 10 Minuten Rücken massieren, vier Küsschen und zwei warmen Kirschkernsäckchen erklärte ich den Rest des Abends zur Elternzeit, die naturgemäß noch vier Mal aus diversen Gründen (schmerzendes Knie, juckender Mückenstich, eine Frage zum Thema Viererkette und einmal Klo) unterbrochen wurde. Last but not least rate ich deshalb:

5. Die eigenen Bedürfnisse ernst nehmen

Nach diesem äußerst anstrengenden Tag und dem Ins Bett bringen von drei kleinen Mäusen habe ich mir selbst eine Belohnung verdient: eineinhalb Stunden Ruhe und Erholung, bevor mich selbst die Müdigkeit völlig hinwegraffte.

Und eines ist sicher: von Mal zu Mal wird es einfacher und eine Routine stellt sich ein. Das Baby wird größer und die großen Kinder verständiger. Kinder ins Bett bringen ist wie Schwimmen, Skifahren und Schach spielen: alles eine Frage der Übung.

Liebe Bella, ich hoffe, du hast den Abend gut überstanden und deine beiden Kinder ins Bett gebracht, ganz so wie sie es brauchen. Liebe Grüße von Laura

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#Mama4gets – Blogparade von Mamaontherocks

Vergesslichkeit – ein wunderbares Thema, zu dem ich sehr viel zu sagen habe. Darum finde ich die Blogparade von mamaontherocks wie gemacht für mich und ich plaudere ein wenig aus dem Nähkästchen einer Mutter, die zwar immer den Kopf und die To-Do-Listen voll hat, aber dennoch viele wichtige Dinge vergisst, manchmal sogar das eigene Geburtsdatum.

Mütterdemenz – ein doofes Wort mit Wahrheitsgehalt

Tatsächlich war das Kurioseste, das mir in der letzten Zeit passierte, meinen Geburtstag zu vergessen. Kurz nach Oskars Geburt fragte mich eine Schwester in der Klinik, wann ich geboren sei. Und stellt euch vor, das Datum war wie weggeblasen. Ich überlegte hin und her, nach gefühlten fünf Minuten fiel mir der Tag und der Monat, zwei weitere Minuten später auch das Jahr ein. Die Schwester staunte nicht schlecht. Auch auf die Frage, wie unser Kinderarzt heißt, wusste ich erst einmal keine Antwort. „Das ist die Schwangerschaftsdemenz, die sich noch eine Weile hält“, rief mir meine Zimmernachbarin zu. Ich finde dieses Wort ja so grässlich, als hätte ich mit Baby im Bauch nichts anderes mehr zu denken, als an niedliche Wonneproppen und Winzlinge im Strampler. Nachher geht es mit der sogenannten und vielfach belächelten Stilldemenz gerade so weiter. Und ja, ich kann bestätigen, dass ich auch jetzt noch so viel vergesse! Das liegt aber nicht daran, dass ich im Mama-Kuschel-Romantik-Gedöns schwelge, sondern dass ich einfach oft schweine-müde bin. Und jetzt zeige man mir einen Menschen, der nachts alle zwei Stunden geweckt wird, und tagsüber alle Primzahlen von 1 bis 100 aufsagen soll – den gibt es nämlich nicht.

Ich aber werde nicht nur im  von einem kleinen Wesen aufgeweckt, sondern beantworte schon morgens um halb sieben Jimmys Frage nach der aktuellen Bundesliga-Tabelle. Ich erinnere mich, nachdem ich eben mal die Tabellen gegoogelt habe selbst daran, dass heute im Kindergarten Sporttag ist und packe die Turnhosen ein, schreibe eine Handynachricht an die Nichte, die ihren Geburtstag feiert, notiere mir, später Milch und Äpfel zu besorgen und erinnere Anton, bevor er das Haus verlässt, daran, dass die Steuerunterlagen bis morgen abgegeben sein müssen. Dann vibriert mein Handy und gibt mir zu verstehen, dass heute Nachmittag ein Kinderarzttermin ansteht, bei dem ich noch fragen muss, ob die Impfausweise aller Kinder auf dem neuesten Stand sind.

Mist, wieder was vergessen!

Puuuh, um elf Uhr vormittags brummt mir der Schädel und ich bin im Stress, denn ich habe nicht nur an 1000 Dinge gedacht, sondern auch 20 weitere vergessen. Zum Beispiel das Teegeld für den Kindergarten, das Mitbringsel für den Kaffeeklatsch bei einer Freundin, den gestrigen Hochzeitstag meiner Eltern und die schwarze Wäsche in der Maschine. Und ich finde es eine Unverschämtheit von mir selbst, dass ich trotz all der Bemühungen denke, ich wäre eine Schluder-Tante!

Meine Tipps und Tricks gegen das Vergessen

Überhaupt wabern manchmal so viele To-Dos in meinem Hirn umher, dass ich gar nicht mehr weiß, wo ich anfangen soll, und mich erst mal mit einem Kaffee an den Tisch setzen muss. Ob Haushalt, Einkauf, Kindertermine, saisonaler Kleiderschrankinhalt, Geburtstage und Jubiläen, Freundestreffen und Kinoabende, Berufliches und Privates: ich staune, wie andere Menschen das auf die Reihe bekommen, ohne andauernd etwas zu vergessen. Um diesem unhaltbaren Zustand mal etwas entgegen zu setzen, habe ich erst versucht, mir mit klugen Apps auszuhelfen, dann aber gemerkt, dass ich dort sowieso nie nachschaue. Aber ich habe nun ein anderes ausgeklügeltes System erarbeitet, mit dem es einigermaßen geht: ein gutes, altes Notizbuch. Das liegt nun in der Küche und erinnert mich an die wichtigsten Dinge. Und hier kommt eine Liste mit ein paar Tipps und Tricks, die vielleicht auch dem einen oder anderen aushelfen:

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  • Digitaler Kalender: Wir haben einen Familienkalender in unseren Smartphones, der sich von selbst synchronisiert. Hier wird alles eingetragen, was die Familie betrifft. Jeder hat eine eigene Farbe und unter jedem Termin stehen Extra-Notizen, wo der Termin statt findet, ob irgendwer inzwischen die Kinder hüten muss oder was mitzubringen ist.
  • Das Notizbuch: Zum Wochenbeginn setze ich mich an mein Notizbüchlein. Auf zwei Seiten notiere ich mir jeden einzelnen Tag, übertrage die Termine vom Handy ins Buch und kennzeichne sie mit den entsprechenden Farben für die Familienmitglieder.
  • To-Dos: Ins Buch kommen auch Geburtstage und die To-DoListe. Auch hier habe ich verschiedenen Farben: Grün für Haushalt, Gelb für Kinder, Blau für Berufliches, Rot für Wichtiges. Lila für Sport usw.
  • Erledigungen: Außerdem habe ich eine Liste am Ende des Buches, in die ich alles eintrage, was ich so machen möchte oder muss: Kühlschrank putzen, Freundin X anrufen, Kresse säen, Ordner sortieren und all den Kram. Die Aufgaben übertrage ich dann auf die Tage, an denen nicht so viel los ist, und erledige in der freien Zeit Dinge aus dieser Liste
  • Pausen eintragen: Ich mache mir extra Termine für die Pausen, denn die kommen in meinem Alltag viel zu kurz.
  • Delegieren: Ich gebe Aufgaben ab und schreibe kurze Erinnerungsmails, welche die Infos nur im Betreff enthalten: Eine Mail an Anton, der eine Rechnung überweisen oder die Reifen wechseln soll, oder an Oma, die an Jimmys vergessenen Teddy denken möge. Das streiche ich dann von meiner Liste.
  • Ich schreibe mir Termine fürs Zeitung lesen, Sport machen oder Meditieren mit in den Kalender. So kann es mir nicht passieren, dass ich freitags merke, dass ich vor lauter Aufgaben meine Hobbys vergessen habe

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Und außerdem bin ich mit mir nicht mehr so streng. Wenn man bedenkt, was in einem bekinderten Haushalt alles anfällt, ist doch klar, dass mal was vergessen wird. Schließlich sind wir keine wandelnden Roboter, sondern Eltern aus Fleisch und Blut. Und so lange ich den schlafenden Oskar in seiner Babyschale nirgends vergesse und mir wenigstens sie Geburtsdaten meiner Kinder merke, ist doch alles gut! Danke Severine, für das nette Thema!

Habt ihr Lust auf mehr Organisationstipps? Ich habe über mein Bullet Journal geschrieben, in dem ich mir unsere Familientermine notiere. Das klappt richtig gut und macht total viel Spaß.

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Nicole hat für den Blog Das-Elternhandbuch eine interessante Blogparade gestartet. Es geht um die Frage, ob Mütter so richtige Baby-Fanatikerinnen sind, oder sie den Umgang mit etwas größeren Kindern vorziehen. Ich möchte mein Statement gleich vorweg setzen: Ich liebe jedes Alter, denn da Kinder nun einmal als Baby auf die Welt kommen und unweigerlich größer und älter werden, ist die Entscheidungsfreiheit von uns Eltern sowieso nicht gegeben. Ich muss aber auch dazu sagen, dass es in jedem Alter etwas gibt, das so richtig wundervoll ist, und das absolut nervt. Und da ich gerade ein Baby, ein Kleinkind und ein Vorschulkind im Hause habe, kann ich mit dieser Blogparade, die unter dem Hashtag #Babyfrage läuft, aus dem Vollen schöpfen.

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Das Babyalter

Nach der Geburt von Jimmy war ich echt schockiert, dass so ein Baby nicht einfach nur süß und knuddelig ist, sondern mir auch ordentlich auf den Senkel gehen kann. Kaum hatte der Wonneproppen seine Äuglein auf, fing er auch schon an zu schreien. Ich muss zugeben, dass ich mir manchmal einfach meine Kopfhörer aufs Ohr gestülpt habe, weil ich Jimmys „Rabäääh“ einfach nicht mehr hören konnte. Auch befolgte ich Notfall-Tipps wie „bei akuter Gereiztheit der Mutter lege diese das weinende Baby zur Sicherheit auf den Boden und betrete einen anderen Raum.“ Ich führte Dauertelefonate mit meiner kindererfahrenene Freundin, heulte mich aus und gestand ihr, dass mein bisher lustiges und erfreuliches Leben nur noch aus freudlosen Tagen im Windel- und Laufstallmodus bestehen würde. Ich war so unglaublich müde, enttäuscht und traurig darüber, dass ich das Mutterglück nicht so empfinden konnte, wie meine seligen Bekannten aus der Krabbelgruppe, denen die Begeisterung über ihre Säuglinge aus Mund und Nase quoll.

Nun, zwei Kinder später, bin ich am selben Punkt: neben mir liegt mal wieder ein weinender und oft unzufriedener Gast, der mir nachts den Schlaf raubt und leider bisher noch keine Dankbarkeit für meine Aufopferung in Form von Lächeln, feuchten Küsschen oder selbst gemalten Bildern zeigt. Aber etwas hat sich doch geändert: ich weiß, dass diese Zeit sehr schnell vorbei geht, ich wieder mehr Schlaf bekomme, Oskar mich irgendwann „Mama“ nennen wird und sich der ganze Aufwand so unglaublich lohnt, wie nichts anderes auf der Welt. Nun kann ich in Ruhe sein putziges Äußeres genießen, sein kleines Gesicht anhimmeln, die winzigen Füßchen bewundern und seine dauernde Anwesenheit genießen. Ich liebe Babys, sage ich jetzt aus ganzem Herzen. Ich kann aber jede Mutter verstehen, die beim Anblick von Säuglingen eine Gänsehaut bekommt, weil sie an durchwachte Nächte, Schlafmangel und Dauergebrüll denken muss.

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Das Kleinkind

Dieses Alter ist so wundervoll, denke ich, wenn ich Luise manchmal anschaue. Sie ist so putzig, sagt witzige Worte wie „Mülleimal“ (Mülleimer) und „Bruderzucker“ (Puderzucker), umarmt und herzt mich, hat ein zartes Kleinkindgesicht und duftet zu jeder Zeit sehr, sehr gut. Ach könnte das Kind für immer so bleiben, schwärme ich dann. Meist fällt ihr in diesem Augenblick ein Becher aus der Hand oder sie zettelt einen handfesten Streit mit ihrem Bruder an. Dann wären da auch noch die Trotzanfälle und der wenig zielführende Versuch meinerseits, ihr irgendetwas zu erklären, oder ihr Verbote und Gebote zugänglich zu machen. Das überhört sie, vielleicht aus Lust am Überhören, vielleicht einfach deshalb, weil sei mit drei Jahren vieles noch nicht versteht. Meine Entzückung über dieses Alter hört auch immer dann auf, wenn es um das Thema Toilette geht. Es geht einfach dauernd etwas daneben und ich wasche geschätzte 120 Unterhöschen pro Woche. Immer dabei habe ich Wechselklamotten in dreifacher Ausführung, und mein größter Alptraum ist, wenn Luise im Freibad sagt: „Mama, ich muss mal.“ Wer mit einem kleinen Mädchen schon einmal zum großen Geschäft auf einem versifften Schwimmbadklo war, weiß, wovon ich spreche.

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Außerdem ist Luise in der Phase, in der sie überhaupt nichts essen mag außer Süßes und hin und wieder mal ein paar Scheiben Gurke. Sie ist sehr wählerisch, was ihre Kleidung betrifft (ausschließlich Kleider in rosa oder lila), hat große Scheu vor fremden Männern, hat nur ihr Pferd Sabrina im Kopf und ist oft und ausgiebig beleidigt. Ich hoffe, dass sich der eine oder andere Punkt in den nächsten Jahren ändern wird.

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Das Vorschulkind

War dieser große Junge nicht gerade noch so winzig, denke ich, wenn ich Jimmy anschaue, der die bevor stehende Schulzeit kaum erwarten kann? Der flucht, wie ein Rohrspatz, sich für Waffen interessiert und Bücher über die „Schtawors“ in der Bücherei ausleiht? Der nichts anders als Fußball im Kopf hat und nur sehr, sehr selten zum Kuscheln auf meinen Schoß klettert?

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Aber wie wunderbar kann ich mit Jimmy diskutieren und reden. Wir unterhalten uns über Krieg in der Welt, über Wetter, Weihnachten und Weltmeisterschaften, wir besprechen abends am Bett den Tag und lesen endlich so schöne Geschichten wie die vom Sams und Lukas, dem Lokomotivführer. Ich habe vor mir einen kleinen Menschen mit einem sehr ausgeprägten Charakter, der sich von den gleichaltrigen in vielen Punkten unterscheidet, einfach, weil er Jimmy ist. Babys und Kleinkinder sind sich in vielem sehr ähnlich und bei Menschen unter 6 Monaten möchte ich behaupten: „Kennst du einen, kennst du alle!“ Aber mit fünf Jahren ist Jimmy einfach Jimmy, und nur die, die ihn schon lange begleiten, kennen ihn genau und wissen, was für eine kleine Persönlichkeit in ihm steckt. Er hat seine Vorlieben, seine Marotten, seine guten und weniger guten Eigenschaften. Und ich beobachte ihn auf dem Spielplatz und denke: was ist das nur für ein süßer, kleiner, großer Mann!

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So hat jedes Alter einige Nach- und viele Vorteile, und es ist ausgezeichnet, dass wir Eltern uns kein Lieblingsalter aussuchen können. Keine Mama, die alle Babys liebt, hat für immer ein niedliches Windelpaket, für das sie sorgen kann. Und jede Mutter, die am liebsten mit ihren Kids die tollsten Ausflüge unternimmt, kommt um die Säuglingszeit herum. Das ist das Schönste, das wir dabei lernen: Die Kinder so zu nehmen, wie sie sind. Und deshalb freue ich mich auf die Schulzeit, auf Pubertät und Jugendalter, und bin gespannt, was da noch auf uns zukommt. Und ich habe einen Traum: irgendwann, in 20 Jahren, sitzen Anton und ich mit ganz vielen jungen Menschen und ihren Freunden um unseren großen Tisch, trinken guten Wein, essen gemeinsam und lassen uns inspirieren von ganz individuellen, einzigartigen Persönlichkeiten. Wenn dann alle gegangen sind, schauen wir uns die Babyalben unserer Kinder an, schwelgen in Erinnerung und halten uns dann an das deutsche Sprichwort:

„Das Leben beginnt dann, wenn der Hund tot ist, und die Kinder aus dem Haus sind.“

In diesem Sinne, danke Nicole für das schöne Thema. Hat Spaß gemacht!

 

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Susanne vom Blog Geborgen-Wachsen und Andrea, die den Runzelfüßchen-Blog schreibt, haben zur Blogparade aufgerufen. Das Thema ist sehr interessant, darum möchte ich unbedingt auch etwas dazu schreiben. Es geht um das „Nein“ in der Erziehung, und zwar sowohl aus Eltern- als auch aus Kindersicht. „Nein“ ist nämlich das zweithäufigste Wort, das in unserer Familie verwendet wird, und kommt gleich nach „Hex-Hex“, dem Dauerbrenner meiner Bibi Blocksberg-verliebten Kinder.

Mein Nein

Ich muss zugeben: ich sage dauernd „Nein“. Was Gefahren betrifft, bin ich rigoros. Aber oft denke ich im Nachhinein auch, dass es doch jetzt gar nicht so schlimm gewesen, wenn Luise mit ihren Schuhen in die Matschpfütze gesprungen wäre. Dann hätten wir die Turnschuhe eben hinterher auf der Heizung getrocknet. Oder warum habe ich die Bitte um ein Überraschungsei im Supermarkt verneint, anstelle einfach mal ein Auge zuzudrücken oder zumindest eine plastikfreie Alternative anzubieten?

Ich würde fast sagen, dass 50 % meiner „Neins“ nicht sein müssten. Stattdessen könnte ich die Kinder lieber einfach ablenken, was sie meiner Ansicht nach nicht tun, essen oder spielen wollen – das funktioniert nämlich meist ganz gut. Oder einfach öfter mal „Ja“ sagen! Trödeln und ein bisschen zu spät kommen, noch auf dem Spielplatz bleiben, obwohl Zeit zum Abendessen ist, den Balkon unter Wasser setzen, weil Luise und Jimmy Lust zu planschen haben, aus dem Wohnzimmersofa eine Höhle bauen, auch wenn nachher die Bude total unaufgeräumt aussieht? Wieso eigentlich nicht? In diesen Punkten könnte ich viel lässiger werden, schließlich geht es um diese wunderbaren Spaßmomente, die entstehen können! Denn beim Kinderarzt müssen wir sowieso immer warten, da sind 10 Minuten Verspätung doch eigentlich egal. Und auf dem Spielplatz findet gerade so ein tolles Fußballmatch statt, da könnten wir doch auch mal um halb sieben essen, statt um sechs! Wie traumhaft sind diese kostbaren Momente, wenn wir uns gegenseitig mit Wasser bespritzen und unseren Sommerbalkon genießen, oder uns einfach in einer dunklen Höhle zusammen kuscheln und Bibi Blocksberg hören…

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„Nein“ klingt auch immer dann aus meinem Mund, wenn ich keine Lust zum Aufräumen und Aufputzen habe, weil ich zu faul und lustlos bin oder einfach meine Ruhe will. Schade, vielleicht sollte ich mir öfter einen Ruck geben. Irgendwann wollen meine Teenies keine Höhle mehr bauen, dann sitze ich vielleicht alleine unter den Polstern und höre Bibi Blocksberg…

Und es gibt noch die Auftritte meines Alter Egos, Fräulein Rottenmeier. Dann spreche ich Sätze wie „Wenn ich nein sage, meine ich auch nein“ oder „du tust jetzt, was ich sage“. Alles pädagogisch wertlos, das ist klar. Aber leider in meinem Fall unvermeidbar, da kann ich noch so viel Achtsamkeitstraining machen.

Es gibt auch ein „Nein“ zu den Kindern, zu dem ich stehe, und das ich für absolut richtig halte. Ein „Nein“ gilt absolut, und zwar erstens bei Gefahren, und zweitens bei unseren Familienregeln. Ich muss nicht weiter ausführen, dass die Kinder nicht an den Herd dürfen, wenn dort heißes Wasser sprudelt, sie die Hände weg von der Steckdose nehmen sollen oder ich strikt bin, wenn sich Jimmy und Luise mal wieder weigern, mit Sonnencreme eingeschmiert zu werden – geschenkt! Ein klares „Nein“ gilt bei uns aber auch, wenn es um Tischmanieren geht. Spielen mit dem Essen, Matschen am Tisch (sobald die Kinder etwas größer sind), Aufstehen, wenn andere noch speisen – das soll es bei uns nicht geben (theoretisch jedenfalls). Auch andere Familienregeln, die bei uns gelten, sind nicht verhandelbar. Bei uns darf kein Kind gebissen oder beleidigt werden. Auch der Umgang mit den Holzschwertern unterliegt Regeln. Fernseh- und Süßigkeitenkonsum ist beschränkt und abends ab halb neun ist Elternzeit. Die meisten anderen Dinge sind mit uns Eltern verhandelbar.

Deshalb finde ich, ein paar „Neins“ müssen sein. Es ist in einer Familie ein bisschen wie bei einem schönen Gesellschaftsspiel. Damit es allen Spaß macht, gibt es Regeln. Die werden vom dem einen oder anderen gerne mal hinterfragt oder gebrochen, aber ohne sie funktioniert das Spiel nicht richtig. Welche Spielregeln es gibt, ist natürlich von Familie zu Familie unterschiedlich.

Dass die Kinder bei so ziemlich vielen „Neins“ nicht hören, ist zwar im Moment für mich höchst ärgerlich, aber im Grunde bin ich froh, dass die beiden keine Soldaten sind, die jeden meiner Anweisungen direkt ausführen. Schließlich will ich auch nicht, dass sie später auf alles hören, was andere, vielleicht die falschen Menschen, sagen, sondern sich auf sich selbst verlassen. Dass sie das tun, sehe ich daran, dass sie tatsächlich weder auf die Idee kommen, in die Steckdose zu fassen, noch ohne zu schauen auf die Straße rennen.

Das Nein der Kinder

Warum ein „Nein“ der Eltern für mich durchaus seine Berechtigung hat, hat auch folgenden Grund. Mit meiner Aussage „Nein, ich möchte nicht, dass du um neun aus deinem Bett kommst, denn jetzt ist Mama- und Papazeit“, vermittele ich den Kindern auch, dass ich ein Mensch mit Bedürfnissen bin, die sie achten müssen. Denn das gleiche gilt für sie auch. Über ein „Nein“ der Kinder dürfen auch wir Erwachsenen nicht hinweg gehen. Am Wichtigsten ist mir dabei das „Nein“ zu allem körperlichen: wenn Jimmy nicht mehr gekitzelt werden möchte, höre ich auf. Wenn Luise es nicht mag, dass ich ihre Haare anfasse, lasse ich es. „Mein Körper gehört mir alleine und niemand darf damit etwas machen, was ich nicht mag“ – das ist das höchste Gut und dieser Grundsatz soll die Kinder vor allem auch vor Übergriffen Fremder beschützen.

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Auch der Umgang mit ihrem Eigentum ist wichtig. Luise ist ihr Pferdchen heilig, Jimmy seine Kalendersammlung. Wenn andere Kinder damit spielen wollen (passiert bei den Kalendern selten :-)), rutscht mir schnell ein „gib dein Spielzeug doch mal ab“ raus. Aber eigentlich sollten wir das Teilen von den Kindern nicht immer erwarten, denn sie lernen es nur selbst und aus eigenem Antrieb heraus.

Das „Nein“ der Kinder beim Essen möchte ich eigentlich auch respektieren, aber es fällt mir schwer. Zur Zeit essen Jimmy und Luise nichts, was ich koche, und das macht mich wütend. Eigentlich lautet die Regel, alles Fremde einmal zu probieren. Wenn es dann nicht schmeckt, gibt es etwas anderes. Allerdings schmeckt den beiden gerade nichts außer in Ketchup ertränkten Fischstäbchen oder Gummibärchen.

Ein „Nein“ der Kinder möchte ich dann anstandslos akzeptieren, wenn es um ihre eigenen Bedürfnisse geht, um ihre Freiheit, ihren Körper, ihr Eigentum. Aber zugegeben, über manche „Neins“ gehe ich natürlich auch hinweg, so wie sie es bei meinen tun. Und das ist wahrscheinlich auch ganz normal und gut so. Einem „Nein“ zum Zähne putzen, Waschen, Baden oder Nägel schneiden kann ich leider nicht nachkommen. Aber anstelle Fräulein Rottenmeier aus ihrem Käfig zu lassen, klappt es, mit Kinderbüchern oder kindgerechten Erklärungen Jimmy und Luise von der Sinnhaftigkeit der Körperhygiene zu überzeugen.

Und um den Kindern nicht jeden Spaß zu verderben, dürfen sie anziehen, was sie möchten, solange es irgendwie den Temperaturen draußen entspricht. Jimmy trägt nur orangene T-Shirts und Pullover mit Streifen, Luise zieht keine Hosen an, sondern mag bei Wind und Wetter Kleider mit Spitzensaum. Bei Einkaufen dürfen sie selbst wählen: ich halte drei T-Shirts hoch, sie suchen sich eines aus.

Wie Andrea vom Runzelfüßchen-Blog schließe ich meinen Beitrag zur Blogparade damit ab, dass Vertrauen in die Kinder unglaublich wichtig ist. Und es wird immer wichtiger werden, je älter sie sind. Ich wünsche mir, dass ich als Mutter ein „Nein“ der Kinder akzeptieren werde, wenn es um ihre Lebensentscheidungen geht, auch wenn es mir nicht in den Kram passt: wenn Jimmy mit 18 die Schule schmeißt, Luise ein Leben im Kloster in Erwägung zieht und Oskar auf Ganzkörper-Tattoos steht, dann möchte ich eine Mutter sein, die die Kinder in ihren Entscheidungen unterstützt und darauf vertraut, dass sie den richtigen Weg gehen werden.

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Ich liebe die Rubrik Zeit zum Entdecken in unserer Wochenzeitung „Die Zeit“: Was mein Leben reicher macht. Hier senden die Leser winzige Anekdoten ein, die sie erlebt und die sie froh gemacht haben. Da kommt folgendes Thema genau richtig:

Blogparade bei Claudia

Claudia vom Blog www.sekundenmassen.de hat zur Blogparade aufgerufen. Das Thema lautet: „Was macht Dich glücklich?“ Es soll dabei um Kleinigkeiten gehen, die das Leben reicher und schöner machen. Nicht also die großen Wendepunkte, Lottogewinne oder die Traumhochzeit sind gemeint, sondern die klitzekleinen Momente, die uns im Alltag begegnen. Denn auch ich bin der Überzeugung: wie zufrieden wir sind, hängt oft nicht vom Geldbeutel, vom Traumhaus oder dem perfekten Job ab, sondern von der eigenen Einstellungen. Wie sehr schätze ich den Alltag, der unser Leben größtenteils bestimmt. Wie froh bin ich über scheinbare Selbstverständlichkeiten wie Gesundheit, genug zu Essen, liebe Menschen um mich herum und den Umstand, dass ich in Frieden leben darf?

All diese Kleinigkeiten, die uns glücklich machen, können wir sammeln wie Schätze, die wir in schlechten Zeiten hervor holen. Wenn wir das kleine Glück wie einzelne Perlen einer Kette aneinanderreihen, kann uns dies zum wertvollsten Schmuckstück unseres Lebens werden.

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Was mich glücklich macht

Also los, ich sammele hier ein paar meiner persönlichen Perlen:

  • Der Kirschbaum, der jedes Jahr im April vor unserem Wohnzimmerfenster blüht: in dieser Zeit herrscht im Raum eine ganz besondere Stimmung. Es ist hell, fast märchenhaft. Ich bleibe oft vor dem Fenster stehen und schaue raus (mache ich sonst nämlich nie…), staune über die Blütenpracht und bin auch ein bisschen traurig, dass sie bald wieder vorbei ist.
  • Luise, dieses wunderbare Kind, wünscht sich, Ballett zu tanzen. Ich mache eine Probestunde aus, sitze mit Jimmy auf dem Schoß in der Tanzschule und sehe zu, wie eine knapp Dreijährige mutig zur Tanzgruppe rüber geht, wie selbstverständlich mitmacht und beim Tanz zum Eisprinzessin-Elsa-Song die Faust in die Luft streckt, als wäre sie eine Musical-Darstellerin
  • Die Chorkollegin, die sich zum Geburtstag das Lied „Lean on me“ wünscht. Während wir anderen singen, steht sie vorne, hat Tränen in den Augen. Nach dem letzten Takt wird sie von Chorleiterin und Sängerinnen umarmt. Hier im Chor findet sich immer eine Schulter zum Anlehnen!
  • Der köstliche Milchkaffee, den ich auf dem Marienplatz trinke und die Erinnerung an die Zeit, als ich ohne Kinder im Stuttgarter Westen wohnte und jedes Wochenende viel Zeit für mich selbst hatte
  • Die Tatsache, dass ich am Wochenende zwar keine Zeit mehr für mich selbst, dafür aber eine Luise habe, die mich morgens um sieben mit einem dicken Kuss weckt und mir ein in der Kinderküche gebackenes Himbeertörtchen anbietet, das 200 Milchgramm kostet.
  • Eine Freundin, die mich nicht etwa auf meinen Kugelbauch anspricht, sondern fragt, ob ich noch am Schreibtisch sitze und wie der Artikel lautet, an dem ich gerade arbeite
  • Mein Lieblingsmensch, der mir zwar keine Blumen, Schmuck oder das neue Iphone schenkt, mich dafür jeden Sonntag ausschlafen lässt, bei Migräneanfällen stets zur Stelle ist und fast nicht meckert, wenn ich das Autorücklicht trotz Rückfahrkamera kaputt fahre
  • Die vierte Staffel von Homeland, die mir meine Freundin zugeschickt hat. Jetzt habe ich endlich was Spannendes zu gucken, wenn ich dank Babybauch und Restless Legs mal wieder nachts nicht schlafen kann
  • Die Tatsache, dass wir nicht mit einem Rucksack auf dem Rücken und zwei Kleinkindern aus unserer Wohnung fliehen und uns tausende von Kilometer weit in ein anderes Land schlagen müssen, um dort ohne Heimat und mit viel Angst vor der Zukunft in einer Turnhalle zwischen vielen anderen Familien zu quartieren
  • Jimmy, der nach einer harten Nacht mit Magen-und-Darm-Grippe am Morgen mit guter Laune aufwacht und nach zwei Bechern Milch verlangt
  • Das Lied „Dreams“ von den Cranberries, das diese Woche im Autoradio lief und mich daran erinnert, wie es sich anfühlt, mit 15 Jahren auf der SMV-Freizeit zum ersten Zug an der Zigarette einen guten Schluck Puschkin Black Sun zu kombinieren

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Diese wunderschöne Kette lege ich mir nun an und bestaune mich damit im Spiegel. Außerdem danke ich Claudia für das schöne Blogparadenthema und freue mich, wenn euch Lesern auch eine Perle einfällt, die ihr in den Kommentaren mit mir teilen möchtet. Immer schön die Augen auf haben, dann werdet ihr sicher noch in der nächsten Stunde fündig.

Liebe Grüße von Laura

Ich mache mit beim Liebsten Award!

Vielen Dank, liebe Stefanie von Saint-Iva, für die Nominierung. Ich habe mich sehr gefreut, als ich deine Nachricht über Facebook bekam. Dennoch musste ich mich erst einmal schlau machen, was denn der Liebste Award eigentlich ist. Und hier kommt die Antwort: Um Blogger weiter zu vernetzen (immer gerne) und frische Blogs bekannter zu machen (auch das ist schön), werden die Nominierung wie ein Kettenbriefchen weitergereicht, Fragen beantwortet und am Ende wiederum Blogs nominiert.

Der Liebste Award

Stefanies Fragen

1. Was macht deinen Blog besonders?

Mmhh, da würde ich spontan sagen, der Humor. Ich verarbeite meinen Alltag mit den Kindern gerne schriftlich. Auch wenn mir Manches ernst ist, liegt mir das Lustige eher. Vorbild sind hierfür Jan Weiler und Axel Hacke, deren Texte zum Thema Kindererziehung ich mir mehrmals täglich vormeditiere. Das gibt mir Kraft und Mut und schon lässt sich der nächste Trotzanfall besser aushalten. Wenn das auch bei anderen Eltern mit meinem Blog klappt, bin ich überaus glücklich.

2. Wovon träumst du – in Bezug auf deinen Blog oder auch generell?

Ich träume natürlich von einer steigenden Leserzahl. Denn Schreiben nur für sich alleine macht lange nicht so viel Spaß. Außerdem möchte ich in meiner Elternzeit ab Mai das Blog ein wenig professionalisieren. Der erste Schritt ist gemacht und ich bin zu WordPress umgezogen. Das ist noch nicht offiziell, denn eine Grafikerin sitzt gerade noch an einem Logoentwurf. Aber mein Ziel ist es, im kommenden Jahr einen Sponsor oder andere Kooperationspartner zu finden.

Und natürlich habe ich darüber hinaus noch weitere Träume. Etwa von einem eigenen Häuschen. Mein größter Traum, eine gesunde, fünfköpfige Familie, geht hoffentlich im Mai in Erfüllung.

3. Was motiviert dich, weiterzumachen, auch wenn ein Beitrag mal nicht so toll ankommt?

Oh, was für ein gutes Thema! Manchmal fehlt mir in der Tat die Motivation zu bloggen. Zum Beispiel, wenn ich sehe, dass es so viele coole Blogs gibt, die viel tollere, aufwendigere Sachen machen, die viel mehr Leser haben und überhaupt so richtig gut ankommen. Dann frage ich mich manchmal, ob sich das Ganze lohnt. Aber ich habe mal ein Erfolgsteam besucht und gelernt, sich nicht runterziehen zu lassen. Weitermachen heißt die Devise. Und dann setze ich mich an meinen Busienss-Plan und gehe die nächsten kleinen Schritte an. So hat es auch mit meiner Arbeit als selbstständige Texterin geklappt.

4. Wie sieht dein idealer Leser aus?

Mein idealer Leser sitzt lachend vor dem Computer. Wenn er nach dem Lesen noch meinen Blogpost in den sozialen Netzwerken teilt, mein Blog abonniert oder ein Kommentar da lässt, wäre das noch das Tüpfelchen auf dem i!

5. Wie inspirierend sind andere Blogs für dich?

Sehr inspirierend. Ich habe eine Reihe Blogs in meiner Leseliste und gehe die jeden Tag durch. (Ja, ich weiß, Bloglovin wäre da einfacher). Ob ihre Art zu schreiben, die Themenauswahl oder das Blog-Design – hier hole ich mir immer Inspiration für mein eigenes Blog.

6. Hast du Vorbilder im Allgemeinen?


Die genannten Autoren auf jeden Fall. Und ich finde starke Frauen toll, die ihr Ding durchziehen und nichts darauf geben, was die Gesellschaft heutzutage vom weiblichen Geschlecht erwartet. 


7. Wenn du im TV auftreten solltest – in welcher Sendung wäre das?

Ich finde das Fernsehprogramm sehr schwierig. Bis auf die Tagesschau gucke ich gerade so gut wie nichts. Die Heute Show wäre noch was! Ich verehre Martina Hill. Oder ich sage einmal im Baumhaus das Sandmännchen an.

8. Wie lautete der Titel deiner Memoiren, wenn du sie jetzt schon schreiben würdest?

Puhh, auch eine schwere Frage. Vielleicht: „Wo gehts hier zu den starken Nerven? Eine Frau auf Expedition zum Ruhepol.“

9. Stell dir vor, du dürftest morgen früh allein in Urlaub fahren – wohin ginge es?

Ins Wellness-Hotel im Brandnertal. Dürfte ich meine Schwester mitnehmen?

10. Wie lang hältst du es ohne Internetzugang aus?

Ich schäme mich für die Antwort: ca. 5 Stunden.

11. Wem würdest du gern mal einen „richtigen“ Award verleihen und wofür?

Dem Vater meiner Kinder: als weltbester Freund und Partner, tollster Papa und lautester Niesser der Welt.

Weiter gehts mit meinen Frage:

1. Was hat dich das letzte Mal eine Menge Nerven gekostet?

2. Angenommen, du hast zwei Tage für dich alleine. Wo fährst du hin und was machst du da?

3. Wer oder was bringt dich am meisten auf die Palme?

4. Wieso hast du begonnen, ein Blog zu schreiben?

5. Wann findest du die Zeit zu schreiben?

6. Hast du ein Blogger-Vorbild und wenn ja, welches?

7. Was möchtest du in diesem Jahr mit deinem Blog erreichen? Gibt es ein bestimmtes Ziel?

8. Was müsste sich ändern, damit es Mütter heutzutage ein wenig leichter hätten?

9. Was bedeutet Schlaf für dich?

10. Was war das Lustigste, das dein Kind / eines deiner Kinder in der letzten Zeit gesagt hat?

11. Und weil die Frage von Stefanie so schön war: Wem würdest du selbst gerne einen Award verleihen?

Diese beiden Blogs möchte ich im nominieren:

reihenhausidyll – Hier bloggt Ana, Mutter und selbständige Unternehmerin, über Erziehung, Entwicklung, Ernährung und die Anforderungen, die heute an uns Eltern gestellt werden. Ihr Blog ist sehr hübsch gestaltet und ich habe mich dort gleich wohl gefühlt.

dreipluszwei – In Ninas Blog gehts ebenfalls um das Thema Familie. Nachdem entschieden wurde, dass das erste Kind recht schnell ein Geschwisterchen bekommen sollte, kamen überraschend Zwillinge. Nina schreibt über ihr Familienleben, gibt praktische Tipps für Eltern und sammelt flotte Kochrezepte, wenn es mal schnell gehen muss. Hier schaue ich nach, wie das so läuft mit drei Kindern…

Wie auch beim Sport, gibt es ein paar Regeln für den Liebsten Award:

Der Liebster Award unterstützt besonders neue Blogs, um in der Bloggerwelt bekannter zu werden. Aber auch alte Hasen dürfen hierbei gerne mitmachen. Der Liebster Award ist eine Vernetzung zwischen Bloggern und funktioniert ganz einfach: Ein Blogger wird von einem anderen Blogger nominiert, beantwortet die gestellten Fragen auf seinem Blog, stellt selbst wieder Fragen und nominiert erneut Blogs für den Liebsten Award.

Beantwortet die 11 Fragen, die euch gestellt wurden und veröffentlicht sie auf eurer Seite. Wer über die Fragen hinaus Fakten über sich präsentieren möchte, kann dies in einem eigenen Blog tun: Fakten über mich (bis zu 11 möglich); wer mit den Fragen gar nichts anfangen kann, darf sie ausnahmsweise auch mal gegen Fakten austauschen; sollte das dann aber auch entsprechend begründen.

Bedankt euch bei der Person, die euch nominiert hat, und verlinkt sie auf Eurer Seite. Falls möglich, hinterlasst auf ihrem Blog einen entsprechenden Kommentar, in dem ihr auch für andere sichtbar den Award annehmt.

Kopiert das Emblem oder holt euch ein zu euch passendes aus dem Netz und stellt es sichtbar auf die Award-Seite, so dass der Liebster Award nach außen hin sichtbar ist und bleibt.

Denkt euch 11 neue Fragen für die Blogger aus, die ihr nominieren wollt und stellt die Fragen auf euren Blog.

Kopiert die Regeln und stellt sie ebenfalls auf euren Blog, damit die Nominierten wissen, was sie zu tun haben.

Nominiert zwischen 2 und 11 neue Blogger, die ihr gerne weiterempfehlen wollt. Das sollten möglichst solche sein, die noch wenig bekannt sind, aber empfehlenswerte Inhalte bieten. Wer möchte, kann sich dabei an die 200er – 3000er Follower / Leser Regel halten, also solche Blogs empfehlen, die unterhalb dieser Zahlen liegen.

Stellt die neuen Nominierungen auf eurer Seite vor und gebt den jeweiligen Bloggern eure Nominierung persönlich bekannt. Empfohlen wird, dafür die Kommentarfunktion auf den jeweiligen Blogs zu nutzen, falls diese passend ist.

Empfohlen wird auch, die jeweils Nominierten vorab zu fragen, ob sie überhaupt mitmachen wollen, damit sie sich nicht überfallen fühlen.

Und nun: danke, ihr lieben Bloggerinnen, fürs Mitmachen und viel Spaß beim Fragen beantworten. Ich bin gespannt!

Laura