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Kinder ins Bett bringen

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Warum Kinder nicht einschlafen können

Die letzte Stunde ist unter Eltern besser bekannt als die Rushhour des Tages: Kinder bettfertig machen, widerspenstige Mädchen zum Zähne putzen überreden, eine Runde Sandmännchen anschalten, Bücher vorlesen, Fragen beantworten, singen, Rücken kraulen, Küsschen geben, zudecken, Licht ausmachen und Ruhe brüllen.

Jetzt habe ich es mir gemütlich gemacht, sitze in Jogginghose vor dem Fernseher und knabbere Nüsse. Es könnte so schön sein: zwei Stunden Ruhe und Zeit um zu tun, was ich möchte. Was aber nun folgt, dürfte manchen Eltern bekannt vorkommen…

Abends, halb neun in Deutschland

Heute schreibe ich hier zehn Gründe nieder, warum unsere Kinder abends nicht einschlafen können. Es kommt vor, dass die Kinder alle zehn an einem einzigen Abend abarbeiten, immer schön nacheinander. So zieht sich die Einschlafzeit über knapp zwei Stunden hin und die Lieblinge schlafen genau dann seelenruhig, wenn Klaus Kleber die Spätnachrichten spricht und Papa auf dem Sofa eingeschlafen ist.

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  1. Das Glas Wasser ist leer, abgestanden, abwesend oder umgefallen. Es wird die Bitte geäußert, möglichst schnell für Flüssigkeit zu sorgen, da das Kind sonst umgehend verdursten könnte. Immer dann, wenn die Nerven der Erziehungsberechtigten am dünnsten sind, kippt ein volles Glas Sprudel um und Flüssigkeit sickert in Bettritzen, auf das gute Parkett oder benetzt die gesamte Bettwäsche.
  2. Das Kind friert oder ihm ist warm. Es möchte gerne eine weitere Decke, eine leichtere Decke oder gleich ein ganz neues Schlafgewand. Über letzteres wird noch fünf Minuten diskutiert, denn es möchte unbedingt genau den Schlafanzug, der just in diesem Moment in der Waschmaschine seine Runden dreht.
  3. Das Kind kann nicht einschlafen. Hier helfen auch keine Verweise der Eltern darauf, dass um diese Zeit garantiert schon die gesamte Kindergartentruppe tief und fest schläft und nur genau dieses Kind als einziges Kind auf der ganzen Welt jetzt noch wach sei.
  4. Das Kind hat Schmerzen. Oft im Hals (es verlangt nach einem Halsbonbon), meist im Bauch (ein warmes Kissen muss her), gerne im Bein (ein kühles Kissen würde helfen), hin und wieder auch am Knöchel (hier wäre ein Bibi&Tina-Pflaster von Nöten) oder im Ohr (Wie wäre es mit einem Zwiebelsäckchen?). Einige Erziehungsberechtigte vermuten mittlerweile, dass es sich dabei um Phantom-Schmerzen handeln könnte, die einzig und alleine auf Punkt drei zurückzuführen sind.
  5. Das Kind hat Fragen, die sich nicht aufschieben lassen. Sie betreffen den morgigen Tag, das heute erlebte oder der Urlaub vor einer Woche. Es kann sich aber auch um Weihnachten vor drei Jahren oder die Osterzeit 1985 handeln. Fragen wie „warum spielt Phillip Lahm nicht mehr für die Nationalmannschaft“ oder „Papa, warum hast du nicht Tante Teresa geheiratet“ verlangen meist auf der Stelle nach Antworten.
  6. Das Hörspiel ist zu Ende und das Kind möchte gegen 21:15 Uhr ein weiteres hören. Oder das Hörspiel ist zu langweilig und das Kind verlangt nach einer anderen CD. Oder der iPod spielt im Random-Modus auf einmal „Die drei Fragezeichen und das Monster aus dem Gruselbahnhof“ anstelle von „Bibi Blocksberg und das traurige Einhorn“, worauf das Kind vor Schreck lauthals zu schreien beginnt.
  7. Das Kind verspürt Hunger. Der Hinweis, dass es dann eben beim Abendessen ordentlich essen soll und dass vier Scheiben Gurken und Käse ohne Brot keinen Magen füllen, können die Erziehungsberechtigten gerne auch aus dem Fenster und in den Wind sprechen, es hätte den gleichen Effekt, und wird vom Kind mit stoischer Miene ignoriert.
  8. Das Kind möchte wissen, wie das Ergebnis des Bundesliga-Spiels lautet, dass nun um knapp 22 Uhr langsam sein Ende nimmt.
  9. Das Kind spürt komische Gefühle am Körper: Die Mückenstiche jucken! Beim Kratzen und um sich Treten hat sich das Kind außerdem den Fuß verletzt. Es verlangt nach Abhilfe, verwehrt aber Anti-Juck-Salbe, einen heißen Löffel oder den Bite-Me-Stick und steckt so in einer unlösbaren Situation.
  10. Das Kind hat Angst und möchte nicht mehr alleine schlafen. Es wünscht, samt Decke und Teddybär den Rest der Nacht im   zu ruhen.

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Was kannst du tun, damit endlich Ruhe herrscht?

Bei uns gibt es verschiedene Lösungen:

  • Die Kinder dürfen mit der Taschenlampe noch ein Buch anschauen, dann ist aber wirklich Schluss!
  • Ich halte einen Vortrag über Elternzeit und Feierabend und hoffe, dass dieser eindrücklich genug ist.
  • Die Kinder haben die Erlaubnis, ins große Bett zu wandern.

In diesem Sinne wünsche ich dir heute eine gute Nacht!

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Wie bringe ich meine kleinen Kinder ins Bett, wenn ich abends alleine bin? Das fragte Bella vom Blog FamilieBerlin und rief zur Blogparade unter dem Hashtag Huschhusch auf. Erst kürzlich habe ich mich das Gleiche gefragt, als Anton abends nach Feierabend noch einen wichtigen Termin hatte. Mir stand der Schweiß auf der Stirn, und das schon ab dem frühen Morgen. Wie schaffe ich es nur, Baby Oskar ins Bett zu bringen, und mich dann auch noch um die beiden Großen zu kümmern? Zähne putzen, Geschichte lesen, Rücken kraulen, Wasserbecher auffüllen und all die anderen Punkte abzuarbeiten, auf dem Weg zum Ziel: Ruhe im Haus und drei friedlich schlummernde Kinder?

Ich verrate es schon mal: alles hat gut geklappt, denn das Ende vom Lied ist immer das gleiche. Mütter machen sich zu viele Sorgen, und 85 % aller pessimistischer Prognosen treffen niemals ein. In diesem besonderen Fall bin ich mir sicher, dass es auch den Kindern gut tut und sie dabei lernen, Rücksicht aufeinander zu nehmen. So merken die Großen, dass ein Baby einfach besondere Bedürfnisse hat, zum Beispiel ganz lange getragen und gehalten zu werden. Aber auch das Kleinste merkt, dass da noch andere sind, die Mama brauchen. Und am Ende lernen die Kinder noch etwas: sogar Eltern sind Menschen, die irgendwann mal ihre Ruhe haben möchten.

Huschhusch

Unser erster Abend alleine

Nun also war auch bei mir der Tag gekommen, an dem ich zum ersten Mal alle drei Kinder alleine ins Bett bringen musste. Wir waren lange auf dem Spielplatz, haben gemeinsam Abend gegessen und dann kam der Punkt, an dem Oskar Allen zu verstehen gab, dass er von der Familie die Nase voll hatte. Also gab es eine extra lange Folge Peppa Wutz für Jimmy und Luise, und ich habe Oskar bettfertig gemacht. Mein erster Tipp für den Fall der Fälle heißt:

1. Die Sachlage klären

Also habe ich beiden die Situation erklärt, und mich für eine Weile mit dem Babylein ins Schlafzimmer verzogen. Natürlich ist ein dreijähriges Mädchen nicht ganz so verständnisvoll wie ein Fünfjähriger, und platzt dann noch ein paar Mal herein, gerade dann, wenn Oskar die Äuglein geschlossen hat. Darum mein zweiter Tipp:

2. Nerven stärken und bewahren

Irgendwann hatte ich Oskar soweit und schaute nach den Großen. Jimmy zockte am Tischkicker, Luise spielte mit ihrem Pferd. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es inzwischen schon halb acht war. Zu dieser Zeit liegen eigentlich schon alle in ihren Federn, deshalb heißt der nächste Tipp:

3. Fünfe gerade sein lassen

Also versuchte ich, locker zu bleiben, und für den Rest des Abends nicht mehr auf die Uhr zu schauen. Dann ging es ans Zähne putzen und es kam, wie es kommen musste: Luise stellte sich quer. Sie wollte weder ihre Beisserchen reinigen noch den Schlafanzug anziehen und ich hatte die Nase voll. Es kam zu einem größeren Disput und kurzzeitig überkam mich die Panik, dass ich diesen Streit nun alleine lösen musste. Wir einigten uns, nachdem jeder einmal laut gebrüllt hatte, vertrugen uns und lagen uns ein paar Minuten in den Armen. Mein nächster Ratschlag lautet deshalb:

4. Rückschläge überwinden

Endlich lag Luise in den Federn, Jimmy schmökerte in der Bundesligatabelle. Wir einigten uns auf eine Geschichte vom Raben Socke, sonst lesen wir getrennt und dem Alter entsprechend. Rabe Socke gefällt beiden, das liegt wohl an dessen enormen Streitpotential. Nach 10 Minuten Rücken massieren, vier Küsschen und zwei warmen Kirschkernsäckchen erklärte ich den Rest des Abends zur Elternzeit, die naturgemäß noch vier Mal aus diversen Gründen (schmerzendes Knie, juckender Mückenstich, eine Frage zum Thema Viererkette und einmal Klo) unterbrochen wurde. Last but not least rate ich deshalb:

5. Die eigenen Bedürfnisse ernst nehmen

Nach diesem äußerst anstrengenden Tag und dem Ins Bett bringen von drei kleinen Mäusen habe ich mir selbst eine Belohnung verdient: eineinhalb Stunden Ruhe und Erholung, bevor mich selbst die Müdigkeit völlig hinwegraffte.

Und eines ist sicher: von Mal zu Mal wird es einfacher und eine Routine stellt sich ein. Das Baby wird größer und die großen Kinder verständiger. Kinder ins Bett bringen ist wie Schwimmen, Skifahren und Schach spielen: alles eine Frage der Übung.

Liebe Bella, ich hoffe, du hast den Abend gut überstanden und deine beiden Kinder ins Bett gebracht, ganz so wie sie es brauchen. Liebe Grüße von Laura

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Prolog

Zu Hause setzt bereits der Abendwahnsinn ein,
Die Kleine rollt sich gleich mit hohen, spitzen Schrei‘n
In einen Vorhang ein zu einem dicken Ball‘n
Und läßt sich samt Gardine auf den Boden fall‘n.

So heißt es in Reinhard Meys Lied „Aller guten Dinge sind drei“, die Hymne für alle fünf- und mehrköpfigen Familien. Wie wahr sind seine Worte, und besonders der Begriff „Abendwahnsinn“ trifft es und geht mir jeden Tag ab ca. 17:30 Uhr durch den Kopf. Ehrlich gesagt möchte ich gerne um diese Zeit das Haus verlassen und erst wieder gegen 21 Uhr eintreffen, geht aber leider nicht. Anton wäre vermutlich ein wenig verärgert. Und so möchte ich euch heute gerne von gestern erzählen, denn am ersten Juni steigerte sich der Abendwahnsinn zum Ausmaß einer griechischen Tragödie in drei Akten, um deren Handlungsplot uns Aristoteles und Co beneidet hätten.

Erster Akt: bitte zum Essen kommen!

Gerade noch hatten Anton und ich uns nach dem Kinderturnen von anderen Eltern verabschiedet und allen einen ruhigen Abend und liebe Kinder gewünscht, da begann das Drama bei uns. Auf dem Heimweg fielen Jimmy und Luise alle beide hin und heulten einträchtig mit Baby Oskar. Zuhause wurde die Laune nicht besser, weil die von Bekannten geschenkten Seifenblasen ausprobiert und dann entsprechend dem Seifenblasenkindergesetz verschüttet wurden („Jimmy, halt sie geraaade!“). Ich war nun sauer, denn der Balkon war ausgerechnet heute von mir persönlich gewischt worden. Ebenfalls schlecht gelaunt und müde vom Turnen verhielten sich die Kinder auf die Einladung zum Essen hin ganz so, wie wir es von ihnen gewohnt sind: sie ignorieren das Rufen und kommen nicht an den Tisch.

„Luise und Jimmy, kommt bitte zum Essen!“ (Ton freundlich und respektvoll, Jan Uwe Rogge-Stadium)

Luise und Jimmy kommen nicht.

„Hallo, Kinder, das Essen ist fertig! Ihr habt doch sicher Hunger nach dem Turnen…. Und wir möchten gerne mit euch zusammen an einem Tisch sitzen.“ (Ton kameradschaftlich, auf Augenhöhe, Jesper Juul-Stadium)

Luise und Jimmy kommen nicht.

„Ihr beiden, wenn ihr nicht bald erscheint, wird es zu spät, dann bleibt keine Zeit für das Sandmännchen!“ (Erste kleine Drohung, aber mit Erklärung der Konsequenzen, Supernanny-Stadium)

Ihr ahnt es, Luise und Jimmy kommen nicht.

„Jetzt werde ich wirklich sauer! Kommt sofort zum Essen, sonst gibts hier gleich richtig Theater!“ (Stimme schlägt aggressiven Ton an, Drohung ohne Sinn, Erläuterung des elterlichen Gefühlstadiums, Fräulein Rottenmeier-Stadium)

Nachdem Anton Luise aus dem Kinderzimmer und Jimmy vom Computer weg geschleift hat (das Kind trägt stundenlang die Geburtsdaten sämtlicher Kuscheltiere und Fußballhüpfer aus dem Kaufland in den digitalen Kalender ein, what the f***), sitzen endlich alle vier am Tisch. Baby brüllt und bekommt etwas zu Essen, Mutter sitzt hungrig, wütend und ohne eine freie Hand auf der Bank.

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Zweiter Akt: Das Abendessen

Was nun geschieht, gebe ich verkürzt wieder: Jimmy will keine Spinatpfannkuchen; Jimmy will Saft. Jimmy bekommt nur Schorle, schnappt sich aber Glas, nachdem Papa einen Schluck Saft einschüttet. Papa schimpft, Jimmy schlabbert. Jimmy hat einen Tropfen auf dem T-Shirt, heult und zieht T-Shirt aus. Jimmy friert. Mama sagt, er solle sich nicht so anstellen oder sich ein neues T-Shirt holen. Jimmy will, dass Mama T-Shirt holt. Mama rollt mit den Augen, Jimmy weint. Nun spürt Jimmy ein Kratzen am ganzen Körper, weint mehr und juckt sich, beginnt, theatralisch zu bibbern. Anton schmiert Jimmy ein Wurstbrot, Jimmy will keine Wurst, er will Käse.

Käse ist das Stichwort. Luise will einen Käsebeller (Babybel), packt ihn aus, steckt ihn in den Mund, spuckt ihn aus, schreit Bäääh. Mama schimpft. Luise will keine Spinatpfannkuchen, sie will zu Papa auf den Schoß. Papa will in Ruhe essen und verneint freundlich. Mama übergibt Baby Oskar an Papa, um endlich auch was in den Mund zu kriegen. Luise weint laut. Warum darf Oskar auf Papas Schoß, sie aber nicht?! Luise steigt zu Mama auf die Bank, die macht ihr ein Leberwurstbrot und ein paar Gurkenscheiben, letztere fallen allesamt in die Lücke zwischen die Bank. Oskar schreit, will mehr essen. Luise schreit, will nicht so viel essen.

Jimmy schreit, er will Nachtisch. Mama sagt, Nachtisch gibts erst, wenn der Teller leer ist. Luise steht zum dritten Mal vom Stuhl auf, Mama ruft, dass Essen für sie nun beendet ist. Luise weint, will Nachtisch. Anton tauscht Jimmys leeren Teller gegen zwei süße Gummigespenster, Jimmy brüllt, dass er von Mama immer drei bekommt. Luise liegt auf dem Boden, will auch Gummi-Gespenster, bekommt aber keine.

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Dritter Akt: Ab ins Bett

Die Tragödie nähert sich unweigerlich ihrem Höhepunkt. Das Insbettbringen ist für uns der letzte erzieherische Akt des Tages und verläuft nur selten ohne Verzögerungen, Streit und Gebrüll. Nachdem Luise und Jimmy ihr Sandmännchen geschaut haben, verschwinde ich mit Baby Oskar ins Schlafzimmer: Wickeln, Stillen, Beruhigen, das Baby hat die bekannten Schreistunden.

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Schreistunde ist auch bei Anton angesagt, er möchte, dass sich die Kinder die Zähne putzen- es funktioniert ähnlich gut wie die Aufforderung, an den Tisch zu kommen. Ihm platzt der Kragen und er beginnt sofort im Rottenmeierstadium, überspringt dabei die pädagogisch wertvollen und gemäßigten Erziehungsmethoden. Nachdem Luise mich noch drei Mal im Schlafzimmer stört, als Oskar gerade so eingeschlafen ist, tut Papa das, was er wirklich nur selten tut: er brüllt und erklärt die GuteNacht-Geschichten für gestrichen. Rumms, wird der Rolladen runter gezogen, die Kinder ins Bett verfrachtet und das Licht ausgemacht. Nun höre ich, wie Anton aufs Sofa plumpst und im Kinderzimmer ein Geheule ausbricht in Lautstärke dreier Düsenjets.

Nach 10 Minuten verebbt das Gebrüll, Oskar schläft, Jimmy und Luise schluchzen, Papa sitzt erschöpft in den Kissen und schenkt sich ein Glas Wein ein. Meine Wut ist verraucht und so gehe ich noch einmal zu den Großen und sage „Gute Nacht“ und höre mir dabei die Geschichte aus Jimmys Sicht an.

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Das Ziel einer Tragödie war gemäß Aristoteles der Sinneswandel beim Zuschauer: so sollte eine „Reinigung“ (Katharsis) von bestimmten Gefühlen eintreten. Durch das Durchleben von Jammer/Rührung und Schrecken/Schauder (…) erfährt der Zuschauer der Tragödie eine Läuterung seiner Seele von diesen Erregungszuständen…“ sagt Wikipedia zu meiner Befragung nach dem Sinn der Tragödie. Wetten, es hat euch ordentlich geschauert? Ich hoffe, ich konnte mit meiner Wiedergabe unseres gestrigen Abends zur Seelenläuterung meiner Leser beitragen. Oder zumindest zu der Gewissheit, dass sich auch in anderen Häusern Tragödien griechischen Ausmaßes abspielen, jeden Abend so 17:30 Uhr.

Laura

Es gibt ein Elterngesetz, dessen Gültigkeit ich am eigenen Leib erfahren konnte. Ich bin mir sicher, dass es hierfür auch eine mathematische Formel gibt. Aber um es für Alle verständlich zu erklären: jedes zweite Kind schläft schlecht, in Ausnahmefällen auch jedes zweite Kind schläft gut. 

Wir wurden mit Jimmy ganz schön verwöhnt. Ok, die ersten acht Monate hatte er alle zwei Stunden Hunger, tags wie nachts. Aber die Säuglingszeit darf man nicht mitzählen. Nachdem aus einem Jimmy-Säugling ein Jimmy-Kleinkind wurde, schlief er wie ein Murmeltier. Wir brachten ihn in sein Bettchen im Kinderzimmer, sangen ein Lied, zogen die Spieluhr auf und verließen den Raum. Nachts stand ich nur noch auf, um zu schauen, ob Jimmy noch atmete. Ansonsten konnten wir nahezu sieben wunderbare Stunden durchschlafen.

Dann kam Luise, und die Säuglingszeit begann erneut. Nach den bekannten acht Monaten durften wir uns ein paar Wochen über ein zweites Schlafwunder freuen. Das Mädchen zeigte sogar auf ihr Bett, wenn wir sie zum Vorsingen auf dem Arm hatten. „Ich willschlafen und du kannst gehen“, sollte das heißen. Aber Luise wollte uns wohl nur an der Nase herum führen, bevor sie zur nächtlichen Terrorbraut mutierte – und das bis zur heutigen Zeit.

Unser Abend-Ritual

Nicht nur nachts hält sie Anton und mich auf Trab. Schon das Einschlaf-Ritual gestaltet sich seit jeher als schwierig. Muss Luise ins Bett, fallen ihr viele tolle Ideen ein, um dies zu verhindern. Als erstes rennt sie einfach weg. Wir verfolgen sie drei Mal durch die Wohnung, um sie aus- und den Schlafanzug anzuziehen. Sie entwischt uns splitterfasernackt und rennt drei weitere Runden. Meine Nerven werden schwach und ich drohe mit eiskaltem Michel-Entzug. Das zieht, und sie rennt ins Bad. Natürlich will sie selbst die Zähne putzen, und bürstet sich stundenlang die Beisser. Als ich endlich ran darf, muss sie erst einmal dringend aufs Klo. Es folgt ein kleines Geschäft, Händewaschen und erneutes Putzen. „Ich muss Kacka“, ruft sie, und wir unterbrechen wieder. Klogang beendet, Hände gewaschen, die Bürste summt noch einmal von vorne los. Die Uhr tickt, es ist schon halb acht. Heute will ich die Tagesthemen anschauen, nehme ich mir vor – das muss doch immerhin ein Mal pro Woche zu schaffen sein.

Endlich steckt Lusie in ihrem Schlafanzug und holt das Michel-Buch. Wir lesen, dann mache ich das Licht aus. „Singen!“, befiehlt Luise im Offizierston, und holt Liederbuch und Kastagnetten. Wir singen „Anne Kaffeekanne“, „Ritter Klipp von Klapperbach“ und noch ein paar Frederik Vahle-Hits mehr. „Beten!“, heißt der nächste Programmpunkt, und schnell rattere ich mit  ihr einen kleinen Dank Richtung Lieber Gott herunter. Noch fünf Minuten bis zur Tagesschau, ich muss mich sputen! „Gute Nacht, Luise“, sage ich, gebe ihr einen Kuss und gehe raus. „Ich habe noch nichts zu trinken!“, ruft sie mir hinterher, und ich bringe ihr einen Becher Sprudel. „Jetzt ist aber Ruhe“, ermahne ich.

Ich setze mich vor den Fernseher, geschafft! Es ist Punkt 20 Uhr. „Guten Abend, meine Damen und Herren“, sagt Jens Riwa. „Mama, ich habe Bauchschmerzen“, ruft Luise. Den Trick kenne ich. Aber ich weiß auch, dass sie keine Ruhe geben wird. Also erwärme ich ein Kissen voll Dinkelspelz und übergebe es Luise, die vergnügt kichert. „Sprudel ist alle“, sagt sie, während sie sich in ihre Decke kuschelt. Ich seufze, schaue zu Jimmy rüber, der seit 20 Minuten genüsslich vor sich hin schnarcht.

Tagesthemem fallen aus

Ich hole ein zweites Mal Wasser und nehme im Wohnzimmer Platz. Noch bevor das morgige Wetter verlesen wird, begleite ich Luise aufs Klo, die nach dem viele Sprudel natürlich muss. Ich erwärme das erkaltete Kissen und suche nach zwei von insgesamt sieben Kuscheltieren, die Luise zum Einschlafen braucht. Dann erhebe ich meine Stimme und zische wütend ins Kinderzimmer. Das hilft. Um 20:20 Uhr steht Luise in der Tür und sagt, dass sie nicht schlafen kann. Ich schlage ihr vor, mit der Taschenlampe ein Pixie-Buch zu lesen. Nach sieben Minuten beschwert sie sich über das wieder erkaltete Dinkelspelzkissen. „Wenn hier nicht bald Ruhe ist, mache ich die Türe zu“, rufe ich voller Wut. Auch das zieht, und dieses Mal für länger – denn im Dunkeln mag Luise nicht schlafen. Ich habe endlich Ruhe. Dass es aus dem Kinderzimmer scheppert, interessiert mich nicht.

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Bevor ich selbst ins Bett gehe, schaue ich kurz hinein. Luise hat noch ein Festtagsmenü in der Kinderküche gekocht, ein Puzzle gepuzzelt sowie drei Pixie-Bücher gelesen und zerrissen. Jetzt liegt sie inmitten ihrer sieben Tiere und schläft – noch!

Nächtliche Ruhestörung

Denn 350 Tage im Jahr wird sie zwischen 23:30 Uhr und 1:30 Uhr schreiend wach. Meist genau dann, wenn Anton und ich uns gerade im Tiefschlaf befinden. Wir haben schon alles ausprobiert, von der sanften bis zur harten Tour, vom Ferber-Programm bis zum Müller-Training, oder wie sie alle heißen. Letzendlich bekommen wir Eltern immernoch den meisten Schlaf, wenn wir das brüllende Kind zu uns nehmen. Die paar Tritte in die Rippen oder kleine Finger, die an Haaren ziehen, spüren wir gar nicht mehr. Wer jetzt denkt, dass Luise nun sehr lange schläft, der irrt sich. Das Kind braucht nicht viel Schllaf, und erwacht spätestens um 6:3o Uhr in bester Laune: „Mama, ich möchte frühstücken“, brüllt es in mein Ohr. Jimmy hingegen pennt bis halb neun.

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Nun sind wir gespannt, was uns bei Baby drei erwartet. Nach Gaußscher Ruheformel müsste es ein guter Schläfer werden. Wir hoffen das Beste!

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