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Adventszeit, schöne Zeit, oder? Ehrlich gesagt, fand ich die letzten Jahre die Adventszeit eher gar nicht schön, denn wir hatten als Eltern immer eine Menge um die Ohren. An Weihnachten sind wir dann regelmäßig völlig ausgelaugt in ein Schlafkoma gefallen und haben den Dezember zum zweitschlimmsten Monat erklärt. Der wird nur noch mit dem Juni getoppt, der uns mit Sommerabschiedsfesten fast erschlägt.

Volles Programm im Dezember

Ende November hatte ich eine To-Do-Liste, die jeden Großkonzern-Manager beeindrucken würde. Einen Adventskranz binden, zwei Kalender mit Kleinigkeiten füllen, Nikolaus-Deko basteln, Plätzchen backen, Geschenke besorgen, Weihnachtsmarktschichten koordinieren und die Wohnung dekorieren – richtiger privater Mega-Stress war das für mich und Freude hat mir das nicht mehr bereitet. Im Dezember haben Anton und ich dann Kuchen für die kleinen und großen Weihnachtsfeiern gebacken und uns die Klinke in die Hand gegeben, weil immer einer irgendwo unterwegs war. Nebenbei haben wir Geschenke geshoppt und Adventstürchen besucht, gesungen, gelesen, Lebkuchen im Akkord verputzt und fühlten uns voll bis oben hin, mental und körperlich.

Ruhe jetzt!

Neee, nicht mit mir, habe ich mir in diesem Jahr gedacht. Ich bin jetzt mal so richtig egoistisch und möchte selber adventlich sein. Ruhe, Kerzenschein, Vorfreunde, das sind meine Stichworte für dieses Jahr. Denn eigentlich ist doch diese Zeit viel zu wundervoll, als sie mit To-Do-Listen zu begehen. Eigentlich ist es ja so wie mit Glühwein: in Maßen sind Adventsfeiern, Deko und Weihnachtlieder zauberhaft, bei übermäßigem Genuss hat man aber schnell die Nase voll.

Falls es dir wie mir geht und du den Dezember wie die Kinder erleben möchtest, voller Freude und mit glänzenden Augen, dann habe ich ein paar Ideen für dich. Los gehts!

  • Ich dekoriere nicht länger wie eine Wahnsinnige, sondern habe ein paar einzelne schöne Stücke, die ich aus dem Keller trage. Zusammen mit den Kindern hole ich eine goldene Kugel, einen Leuchtstern fürs Fenster und unsere liebsten Weihnachtsbücher hervor, dazu hören wir Weihnachtsmusik und Luise, die seit neuestem flötet, präsentiert ihren ersten Christmas-Hit.

  • Selbsgemachte Adventskalender, die mit niedlichen Kleinigkeite befüllt werden, sind was Tolles. Aber ich schaffe das zeitlich nicht mehr, denn bei drei Kindern ist das echt ne Menge Arbeit. Darum gibts bei uns gekaufte Kalender, die die Oma spendiert.
  • Für manche Menschen ist Plätzchen backen total entspannend, für mich eher nicht. Kinder dabei einzubinden halte ich für pädagogisch wertvoll, aber ist mit einem Zweijährigen, der mit Karacho ein Pfund Mehl in die Schüssel kippt,  nicht gerade eine entspannte Geschichte. Opa und Oma haben mit Luise Pferdekekse ausgestochen, außerdem kaufen wir ein paar Tüten auf dem Kindergartenweihnachtsmarkt.

  • Von Weihnachtsmarkt bis Adventsfenster über Adventskonzerte, Flötenvorspiele und Weihnachtsfeiern: wir könnten theoretisch jeden Abend woanders sein und ich weiß all diese Veranstaltungen sehr zu schätzen. Wir schaffen das aber nicht alles und möchten so gerne einfach nur zuhause sein, Luises Pferdekekse essen und unsere Weihnachtsgeschichten lesen. Daher suchen wir uns die Feiern und Märkte aus, die zeitlich gut passen und entschuldigen uns bei der einen oder anderen Veranstaltung. Mögen es uns die Menchen verzeihen!
  • Manchmal schaffen wir es einfach nicht, feine Dinge fürs Buffet beizutragen. Daher kaufe ich für die Erwachsenenveranstaltungen ein paar Flaschen mit wirklich gutem Glühwein und nehme für die Kinderfeste einen Christstollen vom Bäcker mit.
  • Ich liebe Weihnachtspost, ja wirklich. Aber ich habe eine neue Tradition eingeführt, weil ich es nicht mehr geschafft habe, hunderte von Karten zu verschicken. Mit den Kindern mache ich ein lustiges Foto, gerne mit Verkleidung. Denke mir eine kleine Geschichte aus und verschicke alles per Sammelmail.
  • Wir setzen uns jeden Abend im Advent zusammen und lesen eine Geschichte aus dem Adventskalender, schneiden ein passendes Bildchen aus und kleben es aufs Foto. Dieses Jahr haben wir diesen hier (Affiliate Link). Das macht total viel Spaß und ist mir lieber, als mich abends über proppevolle Weihnachtsmärkte schieben zu lassen.
  • Außerdem sind wir seit jeher große Fans der Augsburger Puppenkiste und die Weihnachtsgeschichte (Affiliate Link) hier kann ich dir sehr ans Herz legen. Wir werden ihn am Sonntag gucken, Punsch aus Früchtetee und Traubensaft kochen und uns auf Weihnachten freuen – ganz ruhig und gemütlich.
  • Haufenweise Geschenke? Nicht mit uns! Unsere Kinder haben so viele Dinge und auch wir Erwachsene leben doch im Überdruss. Darum gibts für alle Drei einen Herzenswunsch, dabei bleibts. Falls du Ideen für Pferdefans oder Fußballfreunde suchst, schau mal hier. Wir Großen haben gewichtelt: jeder beschenkt einen anderen und muss sich nicht länger Gedanken für alle machen. Wir haben eine Preisgrenze gesetzt, es darf aber auch gerne gebastelt werden.
  • Weil wir so auch Geld sparen, haben wir mehr übrig, um was Gutes zu tun. Mir tun ja immer die Paketboten leid, darum will ich dieses Jahr unbedingt ein paar Euros bereit halten und Trinkgeld geben. Eine Spende für die cfi-Kinderhilfe , Unterstützung für die Tafel, Geschenkebäume für Kinder aus armen Familien oder Initiativen für Geflüchtete: es gibt so viele Menschen, die Unterstützung dringend brauchen.

Besinnliche Weihnachte mit der Familie

Also ich freue mich jetzt so richtig auf die Adventszeit, die ja im ursprünglichen Sinne nichts mit Shopping-Wahn, Konsum und Freizeitstress zu tun hat, sondern eine Zeit des Wartens auf Weihnachten ist. Für die Kinder wünsche ich mir, dass sie die Zeit als eine friedliche erleben und keine Mama haben, die vor lauter Hetze jeden Abend müde auf dem Sofa hängt. Ich schätze all das Engagement der Menschen rund um diverse Veranstaltungen und spreche jedem, der mich einlädt, meinen Dank aus. Aber die eine oder andere Absage werde ich erteilen und kann auch dir nur ans Herz legen, alle Dinge, die dir eher eine Last sind, sein zu lassen. Macht das, was euch Spaß macht: Plätzchen backen, dekorieren, Karten schreiben, singen, freuen, friedlich sein, mit anderen Erwachsenen Glühwein trinken, Weihnachtsmärkte besuchen – solange ihr es mit funkelnden Augen tut, nur zu. Alles andere kommt runter von der Liste.

Lass es dir gut gehen, bleib fröhlich und unperfekt und habe eine richtig tolle und besinnliche Adventszeit,

deine Laura

Meine Mütterkur neigt sich nun dem Ende zu und ich möchte dir gerne erzählen, warum die drei Wochen für mich unglaublich schön und wichtig waren. Vielleicht kommst du auch auf die Idee, eine Kur zu machen. Vielleicht aber inspiriert dich der eine oder andere Gedanke, um ein wenig Mütterkur in deinen Alltag zu bringen. Nun aber von vorne. Weshalb habe ich das gemacht, wie liefs und was habe ich gelernt?

Meine Auszeit: warum eine Mütterkur?

Jetzt, während ich hier auf meinem Bett in meinem schönen Zimmer sitze, sehe ich es noch deutlicher: der Alltag mit Kindern ist bunt und aufregend und bereichernd, aber in eben diesem Maße anstrengend. Damit meine ich nicht, dass Kinder anstrengend sind, sie sind nunmal einfach Kinder. Anstrengend ist es, mit ihnen gut um- und achtsam auf sie einzugehen, bei den ewigen Streitereien nicht auszuflippen, ihren Alltag gut zu organisieren und all die Wehwehchen zu trösten – jederzeit und ohne große Pausen.

Kein Wunder, dass ein Mensch, der die meiste Zeit für ein, zwei oder mehr Kinder zuständig ist, auf die Dauer nicht mehr kann, wenn er sich nicht die entsprechenden Pausen und Auszeiten gönnt. Ich habe sie mir nicht gegönnt, bin wie ein Duracell-Hase durch den Tag geturnt, hatte schon morgens um sieben ein ordentliches Tempo drauf und kam erst zur Ruhe, wenn ich um elf endlich ins Bett ging. Kein Wunder, dass ich Rückenschmerzen habe und oft das Gefühl verspüre, nicht mehr zu können.

Nun, wenn ich zurückblicke, verstehe ich mein eigenes Schema. Ich will immer alles erledigen und meine Aufgaben abhaken, es allen recht machen, mein Bild von einer guten Mutter erfüllen und nebenher eine unabhängige Erwachsene sein. Ich finde, das ist viel zu viel und dass es so nicht weitergeht. Die Mütterkur, das heißt drei Wochen lang für mich alleine sein mit ganz viel Zeit zum Nachdenken, hat mir ein ganzes Paket neuer Einsichten beschert und ich habe gemerkt, dass ich in der Vergangenheit das Unmögliche leisten wollte.

Mein Spiegelbild erkennen

Ein schönes Bild eines Brunnens liegt mir nun vor Augen: im Alltag ist so viel los, dass die Wasseroberfläche nicht zur Ruhe kommt. Ich erkenne mich selbst nicht mehr, weiß nicht, wer ich wirklich bin und was mir gut tut. Bastele ich Weihnachtsanhänger, weil ich glaube, das tun zu müssen, oder macht mir das wirklich Spaß? Spiele ich Lego mit dem Kleinen, weil ich denke, das tut eine gute Mutter eben, oder würde ich viel lieber mit Oskar lesen oder nur bei ihm sitzen? Reiße ich mir ein Bein für meinen Job aus, weil ich das von einer Selbstständigen erwarte, oder tue ich das doch für mich und mein Textbüro?

Hier, in den drei Wochen, bin ich sehr viel joggen gegangen – für mich der beste Weg um nachzudenken. Ich konnte aber auch prima nachdenken, während ich getöpfert oder Wirbelsäulengymnastik gemacht habe. Ganz wundervoll waren die Einzelgespräche, in denen ich mit professioneller Hilfe ein wenig tiefer in mein Inneres schaute. All das hat dazu geführt, dass die Wasseroberfläche in mir ruhig wurde. Beim Blick in die Tiefe konnte ich mich endlich wieder selber erkennen.

Mit dieser luxuriösen Ruhe, einem Bett nur für mich, morgens, mittags und abends köstliche Mahlzeiten, für deren Zubereitung ich keinen Finger rühren musste, mit Sport, Kreativangeboten und bereichernden Gesprächen mit anderen Frauen kam ich mir selber näher und kann nun viel besser verstehen, was mich so angetrieben hat.

Frauen unter Druck

Ich schreibe dir das auf, weil ich glaube, dass es sehr vielen Frauen heute so geht wie mir. Ob es Druck von außen ist, von Seiten der Familie, den Freunden, den Arbeitskollegen, den Bildern auf Instagram oder auch der Druck, den wir uns selbst auferlegen – diese Last kann krank, traurig und müde machen, wenn wir kein Ventil finden, um den Druck abzulassen. In Gesprächen mit meinen Freundinnen,  mit Leserinnen meines Blogs oder in der Müttersprechstunde auf Instagram erlebe ich das immer wieder. Und ich schreibe hier viel darüber, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ihren Teil dazu beiträgt. Krass ist auch der Punkt, dass wir es uns selbst schwer machen. Ich erlebe Frauen, denen vorgeworfen wird, dass sie mit kleinen Kindern früh wieder arbeiten gehen. Sie seien Rabenmütter und die Kinder brauchten sie doch. Ich erlebe genauso Frauen, die sich rechtfertigen müssen, dass sie eben nicht wieder arbeiten gehen und die der Anspruch belastet, schnell wieder an den alten Arbeitsplatz zurückzukehren. Auch diese Zerissenheit und die Vorwürfe aus den eigenen Reihen können das Leben schwer machen.

Wo ist das Ventil?

Diesen Druck auszuhalten ist eine hohe Kunst und gelingt erst dann, wenn wir in uns hören oder in den Brunnen schauen, in dem die Wasseroberfläche wieder glatt geworden ist. Was ist mir in meinem Leben wichtig? Wie will ich meine wertvolle und viel zu knappe Zeit sinnvoll nutzen? Wie schaffe ich es, mich für das eine oder andere zu entscheiden, wenn ich nicht all das in meinen Tag stopfen kann, das ich gerne machen möchte? Wenn wir das herausfinden, können wir dem Druck von außen standhalten und den ewigen Kritikern stolz ins Gesicht sagen, dass die Gestaltung unseres Lebes unsere eigene Sache ist, denn wir haben sie gut bedacht und sie geht außer der Familie niemanden etwas an!

Wir sind alle verschieden und haben unsere individuelle Persönlichkeit. Ich habe für mich rausgefunden, dass ich beruflich nicht all das schaffe, was ich gerne möchte. Bald werde ich mehr arbeiten können, aber die nächsten Jahre ist die Zeit am Schreibtisch begrenzt. Das zu akzeptieren fällt mir schwer, denn ich möchte gerne finanziell unabhängig sein. Aber das könnte ich auch erreichen, indem ich mit Anton einen Vertrag abschließe, wie ihn Nicole Beste-Fopma in dem tollen Text bei den StadtlandMamas empfiehlt.

Termine mit mir selbst

Ich habe in der Kur nicht nur gelernt, die Dinge besser anzunehmen, sondern ich habe auch gelernt, dass ich nur glücklich sein kann, wenn ich genug Zeit für mich habe. Joggen gehen, lesen und fotografieren, das brauche ich genauso wie zwei Tassen Kaffee am Morgen oder den Kuss auf die süßen Pustebacken meiner Kinder. Logisch, so intensiv wie hier wird das im Alltag nicht gehen, aber die Termine mit mir selbst sind mir künftig so wichtig wie alle anderen, die in meinem Kalender stehen.

Der Psyche auf der Spur

Eine weitere sehr wertvolle Einsicht ist, dass ich es nicht allen recht machen kann und möchte. Es gibt da ein tolles Buch, das ich hier schon einmal vorgestellt habe. Das Kind in dir muss Heimat finden (Affiliate Link) hat mich auf die richtige Spur geführt. Nach einem Modell der Transaktionsanalyse von Arzt und Psychologe Eric Berne lässt sich unser Ich in ein Kind-Ich, ein Erwachsenen-Ich und ein Eltern-Ich einteilen.

Ich möchte es den Menschen immer recht machen und bin schnell traurig, enttäuscht oder frustriert, wenn ich das nicht schaffe, was logischerweise öfter passiert. Mein Erwachsenen-Ich sagt beispielsweise, wenn ich der Erzieherin erklären muss, dass ich es leider versäumt habe, einen Kuchen fürs Buffet zu backen: ist doch nicht weiter schlimm, es gibt genug Kuchen und du hattest so viel um die Ohren. Alles gut, keine Panik. Mein Eltern-Ich flüstert dann aber: du hattest versprochen, einen Kuchen zu machen. Was man verspricht, muss man auch halten, das habe ich dir immer gesagt. Und mein Kinder-Ich fängt an zu weinen und sagt: ich bin so traurig. Ich wollte es doch allen recht machen und jetzt ist die Erzieherin sicher enttäuscht, weil ich so eine unzuverlässige Person bin.

Dieses Kinder-Ich jammert und heult in mir den ganzen Tag, so bescheuert das auch klingt. Hier in der Kur habe ich verstanden, dasss es dies Stimmen in mir gibt. Mit denen kann ich besser umgehen und viel mehr auf mein Erwachsenen-Ich hören, das nämlich ganz gut ist im Einschätzen einer Sache.

Neue Wege: deine eigene Mütterkur

Ich mache mich also nun auf die Reise zurück in meinen Alltag und habe viele Notizen im Gepäck, wie ich die neuen Einsichten umsetzen kann. Konrete Ideen, weise Sprüche, ein Armband, das mich erinnern soll – all das sind Hilfen die hoffentlich vorbeugen, wieder in die alten Muster zu verfallen.

Ich kann dir so eine Kur sehr ans Herz legen. Vielleicht hast du ja die Möglichkeit, drei Wochen dem Alltag zu entfliehen. Es gibt Beratungsstellen der Elly-Heuss-Knapp-Stiftung, die verschiedene Wohlfahrtsverbände wie die AWO, das Deutsche Rote Kreuz oder den Ev. Fachverband für Frauengesundheit e.V. zusammenfasst und dir kostenlos hilft. Google mal einfach nach deiner Stadt. Dort wird dir beim Ausfüllen der Anträge für deine Krankenversicherung geholfen oder es werden passende Kurhäuser empfohlen. Alternativ kannst du genauso nach einer Mutter-Kind oder Vater-Kind-Kur fragen. Alle Menschen in Erziehungsverantwortung haben Anspruch auf eine Vorsorge- oder Rehamaßnahme, wenn diese medizinisch indiziert ist oder dir dein Arzt oder deine Ärztin die Notwendigkeit attestiert. Übrigens hast du bei einer Mütterkur auch Anspruch auf eine Haushaltshilfe, denn es muss sich ja in deiner Abwesenheit jemand um die Kinder kümmern. Wir haben es so gemacht, dass wir die drei Wochen mit Antons Urlaub und Unterstützung der Großeltern und der Tante gut überbrückt haben. Außerdem hast du auch lange Zeit, alles vorzubereiten und zu planen. Von meinem Antrag bis zur Reise sind ungefähr zehn Monate vergangen.

Deine Kur zuhause

Solltest du dir so eine Kur nicht vorstellen können oder sind deine Kinder einfach noch zu klein, kann ich das auch gut verstehen. Es ist nicht so einfach, sich von zuhause zu lösen und manchmal fällt es auch den Kindern zu schwer. Heimweh ist nicht zu unterschätzen und ich habe viele Rückmeldungen von Frauen bekommen, die sich eine Mütterkur nicht vorstellen können. Eines ist mir aber wichtig: ganz sicher hast auch du viel zu wenig Zeit für dich selbst und nimmst dich viel zu unwichtig. Das Problem ist nicht nur, dass du sehr leidest, sondern dass auch die Familie aus dem Tritt gerät, wenn du nicht mehr kannst. Also nimm deine Pausen ernst und schaufel dir Zeit frei, und wenn es nur eine tägliche Kaffeepause von 10 Minuten sind. Spaziergänge an der frischen Luft, Bewegung in welcher Form auch immer oder kreative Hobbys wie Backen, Basteln, Bauen, Treffen mit Freundinnen oder einfach mal alleine sein… Mach zuhause deine eigene kleine Mütterkur und such dir ein Ventil. Auch so kannst du dafür sorgen, dass die Wasseroberfläche glatt wird und du dich klar und deutlich sehen kannst.

Alles Liebe für dich und bleib fröhlich und vor allem unperfekt!

Deine Laura

Kindergeburtstag – handmade by Mama

Vor ein paar Wochen hatte ich die Nase voll, und zwar vom Kindergeburtstags-Wahnsinn. Seit nun drei Jahren war ich mit der Orga der Partys und all dem Rundherum geschlagene drei Wochen beschäftigt, habe To-Do-Listen geschrieben, Torten gegoogelt und Partyspiele nachgeschlagen. In diesen drei Wochen Zeit hätte ich wohl auch den Business-Plan für ein mittelständisches Unternehmen erstellen, unsere gesamte Steuererklärung für die letzten vier Jahre machen oder einen kompletten Wohnungsumbau organisieren können. Aber heute muss eine Kindergeburtstagsparty ja Ausmaße haben wie der Tag der offenen Tür im Kanzleramt, und so spielte ich mit im „welche Mutter macht die fetteste Party“-Marathon.

Dann saß ich an Luises Geburtstag inmitten eines Haufen Tülls, wollte eben noch ein paar Röckchen für die Motto-Party meiner Ballett-Maus knüpfen, der Kuchen sollte noch lila eingepinselt und die Tanz-Deko aufgehängt werden. Die Zeit lief und ich hatte noch einen Haufen zu tun, musste aber demnächst die Kids aus dem Kindergarten abholen – das war definitiv nicht mehr alles zu schaffen! Ich fing an zu heulen und nach ein paar Minuten, in denen mir meine Situation bewusst wurde, erklärte ich mich selbst für komplett bescheuert. Ich heulte hier nicht, weil wir wirkliche Probleme hatten, ich heulte, weil ich meine Pläne für einen Tanzgeburtstag nicht so umgesetzt hatte, wie es mir auf meinen auf Pinterest gesammelten Bildern vorschwebte. Ganz schön meschugge.

Jetzt mach ichs mir einfach!

Dann schwor ich mir, nie mehr so ein Tamtam um den Kindergeburtstag zu machen, und zwar aus diesem Grund: den meisten Spaß haben die Kinder nämlich an all den verstaubten Kinderspielen, sie essen am allerliebsten Schokokuchen und freuen sich über gekauftes Klimbim in der Schatzkiste. Bisher hatte Jimmy meine liebevoll gebastelten Eisenbahn-Einladungen für seine Freunde nämlich nicht einmal mit einem Blick gewürdigt, und die einzigen, die davon entzückt waren, waren die anderen Eltern. (Die sich wahrscheinlich insgeheim über mich, die Geburtstagsparty-Streberin, geärgert hatten, weil sie jetzt kreativ nachziehen sollten).

Von jetzt an geht es lässig zu, schwor ich mir, und darüber sind auch Anton und die Kinder froh. Denn was ist schlimmer am Geburtstag als eine gestresste Mutter, die an ihren eigenen, viel zu hoch gesetzten Ansprüchen scheitert? Und da unsere drei Kinder allesamt im Frühling Geburtstag haben und wir demnächst von April bis Juni ganze drei Kinderpartys abhalten müssen, ist es auch eine Frage des Überlebens, sich nicht mit unnötigem Brimborium aufzuhalten. Für alle Eltern, die es einfach und easy mögen, habe ich deshalb unsere fünf besten Tipps gesammelt, mit denen Geburtstage organisieren für Kinder zwischen zwei und sechs tatsächlich zum Kinderspiel wird!

Die Einladungskarten

Zu Jimmys fünftem Geburtstag, der unter dem Motto „Fußball“ stattfinden sollte, dachte ich schon über die perfekte Einladungskarte nach, die ich in liebevoller Kleinarbeit an meinem wertvollen Feierabend herstellen wollte, als Jimmy selbst die zündende Idee hatte: „Mama, ich bastele meine Einladungen selber“. Und das lief so: ich ließ Jimmy freie Hand, faltete für ihn nach seinen Vorstellungen braune, orangene und grüne Pappkartons in kartenähnliches Format, ließ mir von Jimmy den Einladungstext diktieren und übergab ihm die Post zur Bemalung – Fertig waren die individuellsten und niedlichsten Einladungen, die ich je gesehen habe. Sie waren schöner als jede von Mutters Hand ersonnene oder aus dem Netz inspirierte Perfektionisten-Version, und das beste: ich hatte so gut wie keine Arbeit plus ein stolzes Kind!

Der Kuchen

Das Internet wimmelt von perfekten Kuchen, und ich schaue mir gerne Bilder davon an. Dann denke ich mir, dass es nicht so schwer sein dürfte, sie nachzumachen, und scheitere dennoch kläglich. Meine Familie lacht sich schon kaputt über Original aus dem Netz und Kopie meinerseits. Mein Kuchen ist entweder zu trocken oder nicht durchgebacken, die Glasur zu flüssig und die Farbabstimmung von Streusel und Schrift grässlich. Bisher hatte ich die Abende vor den Kindergeburtstagen in der Küche verbracht, um stundenlang Fondant über das Gebäck zu stülpen, das letztendlich wie eine Runzelhaut über dem Kuchen lag. Denn die Kinder bringen traditionell an ihrem Geburtstag einen Kuchen mit in den Kindergarten. Dann brachte mir meine Mutter vor Luises Ehrentag einen wunderschönen, saftigen Gugelhupf mit dicker Schokoglasur. Darauf waren eine Menge Smarties geklebt und es steckte eine dicke Kerze in der Mitte: das war die simpelste und entzückendste Version eines Kindergarten-Geburtstagskuchen und dieser kam äußerst gut bei den kleinen Kollegen an. Also: spart euch als Eltern die Arbeit, wenn ihr ähnlich unbegabte Motiv-Torten-Zuckerbäcker seid wie ich, backt einfach einen stinknormalen Gugelhupf und verziert ihn wie zu Großmutters Zeiten. Ganz besonders lässige Eltern nehmen eine Backmischung und pfeifen auf das „Selfmade-Label“.

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Das wir alljährlich für die Kinderparty dennoch eine zauberhafte Weltklasse-Motivtorte auf dem Tisch stehen haben, verdanken wir einzig und alleine den weltbesten Großeltern, die sich schon Wochen dem Kopf über die Umsetzung zerbrechen.

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Design by Opa

Die Deko

Ich bewundere die stylischen Dekorationen anderer Mütter, die mit einem Händchen für das richtige Wohnungsstyling die Bude in einen Party-Traum verwandeln. Ich habe einmal Stunden damit zugebracht, für Jimmys Halloween-Party kleine Gespenster zu basteln und sie überall aufzuhängen. Nun, da Jimmy noch zwei Geschwister hat und meine Nerven abends dünn wie Zahnseide sind, blasen Anton und ich einfach ein Dutzend Luftballons auf und hängen sie an einem Faden an die Wand – Fertig ist die Old-School-Deko, die bei Kindern gut ankommt, wenn sie diese im morgendlichen Geschenke-Tunnelblick überhaupt zu würdigen wissen.

Das Programm

Also, los geht es mit der fetten Kindersause. Am besten, es ist für genug Aufsichtspersonal gesorgt. Wenn der Papa nicht frei nehmen kann und auch keine Großeltern in der Nähe wohnen, empfehle ich, ein paar Freundinnen oder sympathische Mütterkolleginnen aufzutreiben. Schon drei Kinder unter vier Jahren können eine einzelne Person nervlich zur Strecke bringen. Der Zeitrahmen wird mit „von drei Uhr bis sechs Uhr“ bewusst eng gesteckt. Wenn alle kleinen Freunde eingetrudelt sind, wird als erstes mal in Ruhe Kuchen gegessen. Mit kleinen Spielen wie „wer kann am langsamsten kauen“ oder „Alle Vögel fliegen hoch“ sind die Kinder für die nächsten 30 Minuten versorgt, zufrieden und belustigt. Dann lässt man dem Ganzen seinen Lauf, denn oft vergnügen sich die Gäste nun ganz alleine im Kinderzimmer oder toben eine Runde auf einer auf dem Boden ausgelegten Matratze herum. Musik ist dabei immer willkommen. Wenn sich dann der erste Streit anbahnt, empfehle ich eine Runde „Topfschlagen“. Nein, das ist nicht aus der Mode gekommen, sondern immer noch ein 1-A-Renner. Natürlich fängt das Geburtstagskind an, um Ärger und beleidigte Leberwürste zu vermeiden. Unter dem Topf befinden sich dann entweder Gummibärchen oder ein kleines Spielzeug. Schokolädchen sollten aus Gründen des Möbel- und Bodenschutzes vermieden werden. Weiter geht es mit den Klassikern „Eier laufen“ oder „Reise nach Jerusalem“.  Wenn das Wetter einigermaßen mitspielt, wird die Rasselbande nun in Jacken und Schuhe gesteckt (Achtung, für Nicht-Kindergärtnerinnen ist das Stresstest Level 10) und auf nahe gelegenen Spielplatz oder Ähnliches gebracht. Der Knüller ist dann eine Runde „Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann“. Seifenblasen und ein Fußball tun ihr übriges. Anschließend gibts ne kleine Schatzsuche (Für jedes Kind bitte genau das gleiche in der gleichen Farbe zur Streitvermeidung) und dann gehts schon ab nach Hause. Bei uns hat in diesem Jahr Jimmys Tischkicker während eines Regengusses für eine Stunde feinste Beschäftigung gesorgt, und anschließend haben alle Kickerfreunde eine kleinen Pokal mit nach Hause genommen!

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Der Endspurt

Die Assistenten haben in der Zwischenzeit bereits den Ofen angeheizt und Pommes aufs Blech geschmissen. Meist sind die Kinder sowieso von der Kuchenschlacht noch satt. Der Höhepunkt naht: der Verzehr von Fritten mit einer riesen Portion Ketchup läutet langsam das Ende des Tages ein. Spätestens jetzt ist das Geburtstagskind fix und alle, weint und schreit und ist hundemüde. Dieses gilt es nun nach Leibeskräften zu besänftigen. Um viertel nach sechs werden die Kinder nach Hause gebracht. Die Assistenten fegen zuhause schon mal durch und legen den Sekt in die Kühle. Dann wird in einem letzten Gewaltakt das Geburtstagskind ins Bett gebracht, die Spülmaschine angemacht und der Korken aus der Flasche gezogen.

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