Vom Griff ins Klo und anderen Abenteuern

Lach- und Krachgeschichten

Warnung: Dieser Text sollte von Menschen, die keine Kinder haben, zur Zeit der Lektüre speisen oder von Natur aus hygienefanatisch sind, nicht gelesen werden. Sonst heißt es wieder: „Diese Mütter, sobald die Brut auf der Welt ist, verlieren sie jede Form von Anstand….“

Früher, als ich keine Kinder hatte, war ich eine empfindliche Mimose. Ich ekelte mich vor öffentlichen Toiletten, vor angebissenen Broten und benutzten Gläsern, vor herum liegenden Taschentüchern oder stinkenden Mülleimern. Und jetzt – als Mutter? HAHA, da kann ich darüber nur herzhaft lachen. Jetzt erschüttert mich, die jährlich bis zu 300 zum Himmel stinkende Windeleimer entleert, nichts mehr. Ich besuche außerdem tagtäglich viele verschiedene Sanitäranlagen, stelle meine Handtasche auf den versifftesten Böden ab, ernähre mich beim Abendbrot ausschließlich von Angebissenem und besitze schon länger keinen eigenen Becher mehr.

Woher das kommt? Nun, zum einen habe ich einfach keine andere Wahl. Ein Kind muss nun einmal, wenn es muss. Zum anderen habe ich zwei kleine Vorbilder, die mir vormachen, wie einfach die Welt ist, wenn man einfach keine Ekel-Gefühle besitzt.

Alles fängt im Säuglingsalter an mit dem beherzten Hineinfassen in den eigenen Windelinhalt und anschließendem Ablecken der Fingerchen. Es geht weiter mit dem Probieren von Nacktschnecken, Tannenzapfen, Knetmasse, Blumenerde und gefundenen Kaugummis und hört auch im Alter von fast vier Jahren nicht auf, obwohl ich meinen könnte, mein Ältester verfüge mittlerweile über ein klein wenig Verstand. Doch wer auf „englisss“ und „russisss“ bis zehn zählen kann, hat noch lange nicht verstanden, dass man beim Einkaufen weder Einkaufswagen noch Warenregale von oben bis unten mit der Zunge ablecken sollte. Auch der angeekelte Blick von Passanten und Kassierinnen kann Jimmy nicht abschrecken, und auch ich zucke nur noch mit den Schultern. Babykatze Lilly, so nennt sich Jimmy seit einigen Monaten, leckt halt einfach gerne alles ab. Ob die eigenen Pfoten, die sich vor ein paar Minuten noch am Rolltreppengeländer festklammerten, oder die Haltestange im Bus. Mein warnender Schrei und der darauf folgende Vortrag über Bakterien wird von einem sanften „Miau“ kommentiert. Und das, obwohl Jimmy gerade mit offenem Mündchen und angsterfüllten Blicken der Geschichte von Karius und Baktus lauscht.

Eine knallharte Abhärtungskur erfährt jede Mutter spätestens dann, wenn die Kinder „sauber“ sind (hierauf ein dreifaches hahaha) und keine Windeln mehr brauchen. Der erste Gedanke ist dann meist: „nun wird alles einfacher“, aber das hat die naive Mutter auch bei den ersten Schritten des Krabbelkindes gedacht. Im Gegenteil, jetzt kommen die wahren Hürden des Elterndaseins, und das gilt besonders für Jungensmütter, die zuvor nie das Vergnügen hatten, einer männlichen Person das Pinkeln zu erklären, geschweige denn, es einmal selbst erklärt zu bekommen.

Also kommt, was kommen muss. Die Mutter weiß nicht, wie, und so wird die ersten paar Wochen jedes Mal die Hose nass, wenn der Sohn auf dem Spielplatz mal muss. Nachdem ich ein Mal nicht schnell genug war, hat Jimmy völlig ohne Absicht und selbst schockiert von dem Vorgang nicht nur sich selbst, sondern auch seine Mama samt Schwester im Tragebeutel komplett eingenässt. Nass von oben bis unten, habe ich seitdem mit dem engen Kontakt von Kleinkind-Pipi sowieso überhaupt kein Problem mehr.

Mittlerweile beherrschen Jimmy und ich diese Team-Aufgabe perfekt und ich ziehe, natürlich nur wenn es um die Kinder geht, das Freiluft-Pinkeln dem Klo-Gehen eindeutig vor. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen, zum Beispiel wenn das Kind völlig frei von gesellschaftlicher Konvention und Zwang in die Stille der Bücherei hinein oder beim Bezahlen an der Supermarktkasse ruft, dass es jetzt „Kacka“ müsse. Dann bleibt uns nichts übrig, als die Beine unter die Arme zu nehmen und das nächste öffentliche Klo zu suchen. Das wird dann jedes Mal ein spannendes Ereignis, wenn Luise mit von der Partie ist. Während ich nämlich versuche, die olle Klobrille mit Papier zu umwickeln und Jimmy mindestens 10 Mal einbläue, nichts anzufassen, hat Luise sich schon auf den nassen Boden gesetzt oder steuert freudig auf die dreckige Klobürste zu. Jimmy schafft es dann natürlich trotzdem, seinen Po auf der blanken Brille zu platzieren, und die Hände daneben ordentlich abzustützen. So lange fällt Luises Schnuller zwei Mal hin, und wird von ihr ohne jegliche Bedenken wieder in den Mund gesteckt.

Anschließend versuche ich, vier kleine Händchen im viel zu hohen Waschbecken zu säubern, was meist sowieso nicht gelingt. Den Gedanken an Magen- und Darminfekte verdränge ich gekonnt und schaue, dass wir hier so schnell wie möglich wieder raus kommen.

Ich habe mittlerweile keine Hemmungen mehr, auf den Boden gefallene Brezeln zu verspeisen, egal ob wir uns im Zoo oder auf dem Bahnhofsgleis befinden. Und es weiß bei uns auch keiner mehr, wem dieses Tempotaschentuch zuzuordnen ist, hauptsache, man findet eines in irgendeiner Hosentasche. Luise, die sich gerade auffällig für ihr Töpfchen interessiert, sammelt darin zur Zeit nicht nur ihren Magenabfall, sondern getrennt davon auch Schnuller und Zahnbürste. Aber das entlockt bei mir längst kein „Iiiii“ und kein „Bäääh“. Ich lege meine Brille noch dazu, dann finde ich sie wenigsten immer wieder!

An dieser Stelle verabschiede ich mich in den Urlaub. In zwei Wochen hört ihr wieder von mir. Wetten, dass ich Katze Lilly doch noch dazu überrede, auf die Skier zu steigen?

Bis dahin, bleibt sauber!

Ps.: Auf das Einfügen von Bildern habe ich aus Rücksicht auf die verehrten Leser in diesem Beitrag verzichtet!

Pia Laura Froehlich

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