Warum unsere Kinder einen Taufpaten haben

Oskar wird getauft

Ich bin gerade damit beschäftigt, Oskars Taufe zu organisieren. Beim dritten Kind bin ich klüger und warte, bis das Kind ein Alter angenommen hat, in dem es nicht mehr gestillt wird und sich die Mutter zum Wohle auf die künftige katholische Erziehung des Knabens ordentlich einen genehmigen darf. Auch kann ich die versammelte Verwandtschaft in leichter Champagnerlaune ein wenig besser dirigieren, als mit Augenringen bis unter die Achselhöhlen und einer Gesamtschlaftzeit von maximal 180 Minuten pro Nacht.

Aber nicht nur des Trinkens und Feierns willen lassen wir unsere Kinder taufen. Und es soll mir in diesem Beitrag auch um Gottes Willen nicht nur um das heilige Sakrament der Kirche gehen, auch wenn ich zur Erstkommunion und Firmung gegangen bin und zur großen Freude meiner Omas, Gott hab sie selig, bei meiner Hochzeit sogar vor den Traualtar getreten bin. Dass mein Angetrauter ein Heidenkind ist, dürfen die beiden Damen im Himmel natürlich niemals erfahren.

Warum ich hier und jetzt aber über das Taufen spreche: ich finde es so schön und wichtig, dass meine Kinder Paten haben. Das ist beim Taufen nun mal Tradition, denn laut Statuten der katholischen Kirche wird dem Täufling eine Person zur Seite gestellt, die ihn auf dem Weg hin zum Mitglied der Gemeinde begleitet und für dessen rechte Vorbereitung bürgen soll, so lautet der Auszug aus dem heiligen Wikipedia. Der Pate übernimmt, auf Deutsch gesagt, die Mitverantwortung, dass das Kind ein ordentlicher Katholik mit allem Drum und Dran wird und den Glauben erfahren wie leben kann. Wir interpretieren diese Form der „geistlichen Verwandtschaft“ ein wenig moderner. Dass Jimmy, Luise und Oskar den Unterschied zwischen dem Alten und dem Neuen Testament kennen, dafür sorge ich schon selbst.Was ich mir von unseren lieben Paten erhoffe, das schildere ich euch heute. Wir haben uns die Menschen sorgsam und bedächtig ausgewählt und das Kriterium hing keineswegs vom Berufs- oder Kontostand ab. Es ging viel mehr um das Menschliche. Einige sind mit uns verwandt, einige nicht.

Zur Taufe bekam Luise ein Bäumchen mit guten Wünschen

Wie ich mir das mit den Paten so vorstelle

Einen Freund und eine Freundin sollen die Kinder unserer Ansicht haben. Und zwar einen mit Lebenserfahrung, das unterscheidet die Paten natürlich von Schulfreund Moritz und Kindergartenkumpel Jonas. Einen Erwachsenen, dem sie mehr erzählen können, als den Eltern. Ganz speziell, wenn sie in einem Alter sind, in dem sie Mama und Papa vieles nicht mehr sagen WOLLEN.

Jimmy wird ganz bestimmt oft seine Tante Lisa besuchen. Die wohnt nämlich in München und geht dann mit ihm in die Bayern Arena zum Fußballspiel. Mama wirds zwar nicht gut finden, aber Lisa kauft ihm wieder mal ein sauteures Original-Trikot, dieses Mal von Torwart Neuer. Er wünscht es sich halt so sehr, und bei ihrem Patenkind wird Lisa schwach. Jimmy erzählt Lisa dann, dass er mit seinem Kumpel Moritz richtig Ärger hatte. Neulich haben sie sich sogar geprügelt, und Jimmy hat Marc ein Bein gestellt. Das hat er sich dann gebrochen, und Jimmy tat es furchtbar leid. Bis heute hat er sich nicht entschuldigt. Bei Lisa kann Jimmy seinem schlechten Gewissen endlich Luft machen, und das tut gut. Gut tut es auch, mit Onkel Peter ein wenig über Papa herzuziehen. Jimmy ist nämlich, seitdem er fünf ist, immer mal wieder von Papa genervt. Onkel Peter ist Papas Bruder und kennt ihn also gut, deshalb ist Jimmy froh, bei ihm ein offenes Ohr zu haben. „Papa will dauernd mit mir Fußball spielen, dabei kann der das nicht richtig. Und dann tut er immer so cool. Peinlich ist das“, wird er Peter erzählen. Und Peter wird sagen: „Ach, so war er schon früher, dein Papa“, und er wird verständnisvoll nicken.

Ich stelle mir vor, dass Luise in zwölf Jahren bei ihrer Tante Theodora anruft und ihr ihr Leid klagt: Mama ist manchmal so ätzend. „Wusstest du, Theo, dass Mama mir nicht erlaubt, später als zehn Uhr nach Hause zu kommen?  Das nervt mich so…“ wird Luise ihr dann sagen. Und Tante Theo lädt sie dann in den nächsten Schulferien zu sich nach Hause ein. Die beiden werden um die Häuser ziehen und Luise darf ihr erstes Glas Sekt in einer Bar trinken, was ich natürlich nicht erfahren werde. Wenn Luise dann ein paar Monate später Liebeskummer hat, weil Mädchen das mit 15 immer haben, dann skypt sie mit Theo, die gerade mal wieder um die Welt reist, und Theo erzählt ihr dann, was man in diesem brisanten Fall tut. Mit Onkel Valentin versteht sich Luise auch prächtig. Mit ihm, Tante Anne und den Cousinen geht sie im Sommer wandern und die fünf verbringen tolle Urlaube zusammen. Und sie darf mal auf Valentins Motorrad mitfahren, selbst wenn Mama sich bei dem Gedanken in die Hose pinkelt.

Auch für Oskar haben wir die besten Paten rausgesucht. Seine Patentante Olivia ist die schönste Frau in der ganzen Familie, aber das war natürlich nicht der Grund. Nebenbei ist sie nämlich auch noch eine großartige Köchin und sehr, sehr witzig. Oskar wird in den Ferien ganz bestimmt zu ihr an den Bodensee fahren dürfen. Olivia geht dann mit ihm ins Wellenbad und ins Ravensburger Spieleland. Er darf sich anschließend noch ein extra großes Puzzle aussuchen, größer als das für seine Geschwister, schließlich ist er Olivias Patenkind. Eine Bombe ist auch Patenonkel Konny. Mit ihm geht Oskar ins VfB-Stadion, mindestens zweimal in der Saison. In rote Schals gewickelt ziehen die beiden los, und wenn sie auf der Tribüne sitzen, erzählt Oskar Konny, dass ihn seine großen Geschwister echt nerven.

Ein Mensch fürs Leben

Deshalb ist mir das Taufen so wichtig: neben dem kirchlichen Sakrament hänge ich sehr an dem alten Brauch. Ist es nicht wunderbar für ein Kind, zwei Menschen zu haben, die seine Paten sind? Die immer ein offenes Ohr haben, sich verantwortlich fühlen, sich kümmern und vor allem dann, wenn es mal schwierige Zeiten für das Kind gibt? Unsere Kinder genießen das jetzt schon, auch wenn die Paten vermutlich in ein paar Jahren noch wichtiger werden.

Im Übrigen ist dieses wunderbare Paten-Ritual ja auch möglich, wenn ihr nicht gläubig seid! Denkt doch mal darüber nach, welche Menschen in eurer Familie oder eurem Freundeskreis diese wichtige Rolle übernehmen könnten, und fragt sie, ob sie Verantwortung für euer Kind übernehmen wollen. Dann macht ihr ne tolle Sause mit einem kleinen Ritual nach eurem Geschmack. Kerze dabei, angestoßen, Kind und Erwachsenen zusammen gebracht – fertig!

Es geht bei uns auf keinen Fall um Geld oder Geschenke. Viel wichtiger ist, dass die Paten das Amt ernst nehmen und eines schenken: Zeit und immer ein offenes Ohr! Ich freue mich jedenfalls, dass wir so tolle Paten haben. Und mit denen wird in diesem Sommer zu Oskars Taufe auch richtig angestoßen, dafür werde ich höchstpersönlich sorgen!

Merken

Merken

Merken

Laura

7 Comments

  1. Schöne Denkweise, die du da hast. Vor allem mit dem Schlussteil, dass das gar nichts Religiöses sein muss. Onkel und Tante können für das Kind später tatsächlich sehr wichtig sein. 🙂

    • Oh ja, in der Tat. Bei uns spielen Tanten und Onkel eine große Rolle. Das dürfen sich auch alle zu Herzen nehmen, die einen Nichten oder einen Neffen bekommen. Sie sind für das Kind ganz, ganz wertvoll.

      • Ich hoffe, bis dahin kann ich auch was trinken. Gerade sieht es noch nicht danach aus, als könnte ich Oskar von der Flasche überzeugen… aber ich gebe dir Bescheid! Wäre großartig…

      • Es ist durchaus möglich dass ich da bei der Zeitspanne etwas zuuu optimistisch war… wann auch immer, wieviel, egal, ich bin dabei!
        Vielleicht sieht man sich vorher mal montags um 15 Uhr, 1-2-3. 😀

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.