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Eltern sind keine Bittsteller

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Liebe Leser und Eltern,

dies ist ein Brief an den Gemeinderat in Fellbach, der uns eine Erhöhung der Kindergartengebühren beschert hat. Dazu kommt, dass die Mieten in Fellbach und Umgebung durch die Nähe zur Landeshauptstadt Stuttgart extrem hoch sind: wir liegen nun bei 12,99 Euro pro qm, der deutschlandweite Schnitt beträgt 7,97 Euro. Im Rahmen eines Zeitungsartikels, den ich über die Erhöhung schrieb, habe ich recherchiert und mittlerweile auch mit einem Mitglied des Gemeinderates gesprochen, das sich vehement für die Mehr-Kosten für Familien ausspricht.

Der Inhalt dieses Briefes geht uns alle was an. Mir war vor der Recherche vieles nicht klar, was nun offensichtlich ist. Ihr seid als Familie alle von der Situation betroffen, selbst wenn eure Stadt sozialverträglichere Gebühren für Kinderbetreuung beschlossen hat. Der Brief ist lang und das Lesen macht nicht unbedingt gute Laune. Der Inhalt ist aber von großer Bedeutung und geht uns alle etwas an. Insbesondere unsere eigenen Kinder. Ich empfehle zur begleitenden Lektüre unbedingt das Buch von Juristen Nina Katrin Straßner, „Keine Kinder sind auch keine Lösung“, aus dem ich hier zitiere und das für Familien ein rechtlicher Ratgeber und Pflichtlektüre sein sollte. Die Seitenzahlen des Buches sind in Klammern angegeben.

Lieber Gemeinderat der Stadt Fellbach,

Sie haben kürzlich mit einer starken Mehrheit die dritte Kindergarten-Gebührenerhöhung in zwei Jahren bekräftigt und die Verschiebung der Mehrkosten (15 % dieses Mal) um ein Jahr verhindert. Hans-Ulrich Spieth, pensionierter Lehrer, CDU-Mitglied und Verfechter der Mehrkosten möchte die Eltern bei der Finanzierung „mit ins Boot holen“. Ein weiteres Mitglied bemängelte, dass der Steuerzahler momentan 88 % der Betreuung-Kosten trage, und das findet die Mehrheit von Ihnen schlecht.

Familien tragen unser System

Ich bin da ganz anderer Meinung als Sie. Ich finde es nicht schlecht, dass der Steuerzahler Familien finanziell unterstützt. Ich finde sogar, dass der Steuerzahler noch mehr bezahlen sollte. Meine Gründe möchte ich im Folgenden darlegen:

Es gibt nicht DIE Eltern und DIE Steuerzahler. Denn ein Großteil der Eltern SIND Steuerzahler. Eltern zahlen sogar ziemlich viele Steuern, ohne für Kinder einen angemessenen Ausgleich zu bekommen. Ein Kind kostet bis zu seiner Volljährigkeit rund 584 Euro monatlich (Straßner, S. 269). Das Kindergeld von knappen 190 Euro deckt nur einen kleinen Teil und sollte nicht wie eine Spende des Staates an die Eltern, sondern als Ausgleich für die Steuern betrachtet werden. Böse Stimmen sagen, Eltern haben es sich so ausgesucht. Ich sage Ihnen: Menschen vermehren sich nun einmal auf diese Weise. Und weil die jetzigen Rentner Kinder bekommen haben, bekommen sie jetzt Rente. Und zwar von den Kindern und Kindeskindern. Das ist unser System.

Wir Eltern sind keine Bittsteller, die von den ANDEREN Steuergelder verlangen, um Kita-Plätze zu finanzieren. Wir Eltern arbeiten, zahlen hohe Steuern, leisten damit einen Beitrag zur Kitafinanzierung UND ziehen Kinder groß. Wir bezahlen nach oben (die jetzige Rente) und nach unten (unsere Kinder).

Aus dem Alltag

Ein kurzer Einblick aus dem Alltag einer Fellbacherin: Einmal Spaßbad F3 für eine Familie mit drei Kindern: schlappe 50 Euro. Einmal für eben diese Kinder bei Schuh Bürkle drei Mal Sommersandalen: knappe 150 Euro. Einmal Schulranzen (aus der Vorsaison, wir brauchen ja nicht immer das Neumodell): 170 Euro. Und ich denke, wir sprechen bei Schuhen, Ranzen und Schwimmbad nicht von Luxus. Diese fünfköpfige Familie bezahlt für eine 100 qm große Wohnung rund 1.300 Euro Miete warm. Können Sie sich vorstellen, wie es Familien geht, die durchschnittlich bis wenig verdienen?

Kinder sind teuer

Wie gut, dass Kinder zu haben so ungemein glücklich macht, sonst wäre es heute und vor allem hier in Fellbach ziemlich schwachsinnig, welche zu bekommen. Berge von Windeln, Kitagebühren, Klamotten, Schulranzen, alle paar Wochen ein neues Paar Schuhe, weil die Füße wachsen. Physiker Prof. Dr. Hermann Adrian Weiterstadt hat berechnet, dass zwei Kinder im Laufe ihres Lebens rund 600.000 Euro kosten. Und das wird nicht ansatzweise durch steuerfinanzierte Leistungen ausgeglichen (Straßner, S. 278). Auch die ganze Mehrwertsteuer für all das Zeug, das wir Eltern für die Kinder brauchen, geht an den Staat. Das sind alleine bei Windeln 133 Millionen an Steuern insgesamt pro Jahr (ebd. S. 278)

Kinder haben ist nicht irgendein Hobby, sondern Kinder zu bekommen ist die Basis jeder Gesellschaft. Ohne Kinder hat eine Gesellschaft wie die unsere keine Zukunft, keine Fachkräfte, keine Steuerzahler, keine Pflegekräfte, die uns im Alter betreuen, keine Menschen, die in Rentenkassen einzahlen. Wir pflanzen uns zum Glück nicht aus diesem Grund fort, aber Sie werden mir zustimmen wenn ich Juristin Nina Straßner zitiere: Menschen mit Kindern „füttern das System“. (S. 263)

Jedoch ist die Geburtenrate bei uns in Deutschland so niedrig wie nie zuvor. Alle beschweren sich, dass die deutschen Frauen zu wenige Kinder bekommen. Ich zitiere Physiker Prof. Dr. Hermann Adrian Weiterstadt: „Die Ursache (der Finanzmisere) ist die seit 1970 rapide zunehmende Kinderlosigkeit und Kinderarmut. Deshalb fehlen seit 1995 jährlich 400 000 junge Beitragszahler.“ Quelle

Die Bundesrepublik hat mit ihrer Politik der letzten 50 Jahre die Geburtenzahlen halbiert und die Kinderarmut bis heute um das sechzehnfache in die Höhe getrieben. Hier eine Quelle des Tagesspiegels, die dies bestätigt. Lesen Sie außerdem den rührenden Bericht einer vierfachen Mutter aus Österreich, ein Land wie das unsere. Sie kämpft täglich gegen die Armut und könnte mit ihren Problemen auch eine waschechte Oeffingerin sein. So ist der Stand der Dinge, wenn es um uns Familien geht.

Ihre Renten sind sicher, unsere nicht

Einge von Ihnen, die nun Rentner oder Pensionäre sind, erhalten jetzt eine satte Rente, die 2016 so stark erhöht wurden wie nie zuvor (Straßner, S. 260). Ich gönne Ihnen diese berechtigte Zahlung nach einem langen Erwerbsleben von Herzen und wünsche Ihnen, dass Sie sie lange genießen können. Aber ich möchte zu bedenken geben, dass meine Generation niemals in eine solche komfortable Situation kommen wird. Die jetzige Rente wird von den Menschen bezahlt, die nun arbeiten, so will es der Generationenvertrag. Aber dieser Generationenvertrag wird uns in 30 Jahren das Genick brechen wird. Ein Ausweg wären mehr Kinder. Ein Leben ohne Kinder ist für viele Menschen derzeit aus finanzieller Sicht aber interessanter.

Wie soll es eine Familie mit mittlerem Einkommen schaffen, neben hohen Mieten und Kindergartengebühren noch etwas für die private Rentenversicherung zu tun? Und je mehr Kinder Eltern haben, desto geringer sind die Möglichkeiten zu sparen. Die meisten Eltern sammeln durch Teilzeitarbeit, Elternzeit oder sonstige Beschränkungen wesentlich weniger Rentenpunkte als Nicht-Eltern und bezahlen künftig ihr Kinderhaben im Alter auf sehr, sehr bittere Weise. Dann aber profitiert der Staat von den einstigen Kindern, die dann brav ihre Steuern an eine ganze Menge Leute verteilen müssen. Mir tun meine eigenen Kinder deshalb schon heute leid.

Eltern müssen finanziell besser abgesichert werden. Und Ihre beschlossene Kindergartengebührenerhöhung geht da in die völlig falsche Richtung. Vor allem aber die Aussage von Herrn Spieth, dass die Stadt „die Eltern mehr ins Boot holen solle“, ist meiner Meinung nach ein Hohn.

Kindergartengebühren

Familien sind besser als ihr Ruf

Viele Menschen haben ein sehr negatives Bild von Familien. Die Fellbacher Eltern, die ich kenne, sind Menschen wie wir alle, die arbeiten, Steuern bezahlen, tolle Spielplätze und gute Schulen zu schätzen wissen und Unterstützung von Seiten der Stadt oder des Landes nicht für selbstverständlich halten. Sie engagieren sich ehrenamtlich, machen sich Gedanken um die Zukunft und Sorgen um ihre Rente. Schwarze Schafe gibt es überall, bei Familien, Rentnern oder Hundebesitzern.

Die Mittelschicht auszubeuten ist gefährlich

Wie wäre es denn, wenn der Staat die Menschen mit und ohne Kinder, die viel Geld besitzen, über eine höhere Lohnsteuer zur Kasse zu bittet? Das wäre ein Ansatz im Sinne der sozialen Gerechtigkeit. Im Übrigen gehören die wenigsten Familien in Fellbach zu denen, die sich ein neues Haus ins Lange Tal gestellt haben, das können sie mir glauben. Die meisten wohnen in einer Mietwohnung und haben notorisch wenig Platz, weil ein Umzug zu teuer ist. Die Mittelschicht weiterhin so auszubeuten, ist fahrlässig und gefährlich. Gefährlich auch deshalb, weil dieser Umstand rechten Parteien und Hetzern Aufwind gibt:

Hohe Betreuungskosten schüren Sozialneid

Denn noch eine Sache ist mit ihrer Gebührenerhöhung verbunden: ich habe in Gesprächen mitbekommen, dass sich Familien beschweren, weil Flüchtlingskinder kostenlos in den Kindergarten gehen dürfen. Abgesehen davon, dass meiner Meinung nach Kinder, die aus Kriegsgebieten kommen mehr als nur einen sicheren, warmen Platz in einem Kindergarten verdienen und das ganze auch eine Frage der Barmherzigkeit ist, schüren Sie mit Ihrer Politik diesen furchtbar grausamen Sozialneid. Dann gönnen die Armen den noch Ärmeren das Brot zum Leben nicht, dies zu verhindern liegt in den Händen der Politiker in Stadt, Bund und Land.

Kindergartengebührenerhöhung

Fellbach tut viel, aber es reicht nicht

Fellbach gibt viel Geld für Kinder aus. Das stimmt und fällt auf: tolle Spielplätze, vielen Schulen und Kindergärten. „Da tun wir schon so viel für Familien und es reicht immer noch nicht“, wird gemurrt. Ja, genau, es reicht nicht. Wir müssen noch mehr Geld für Kinder ausgeben, noch viel mehr. Denn wir brauchen Kinder! Alle brauchen Kinder! Es stimmt auch, dass der Deckungsgrad der Ausgaben für die Kinderbetreuung bei 11,7 % liegt. Laut Landesempfehlung darf er sogar bei 20% liegen. Aber Heilbronn beispielsweise hat die Gebühren für Kinderbetreuung von 3 bis 6-jährige ganz gestrichen. Es ist also in der Umsetzung immer individuell und sollte auch von Faktoren wie dem Mietpreis der Region abhängig sein.

Eine unzurechende Familienpolitik schadet der Stadt

Deshalb fordere ich Kinderbetreuungskosten, die dem Gehalt der Eltern entsprechend gestaffelt sind. Wer viel verdient, kann den Kindergarten auch bezahlen. Eltern mit mittlerem Einkommen, die unter den hohen Gebühren leiden, aber immer noch zu viel Geld für einen Zuschuss verdienen, (und die gibt es genug!), sollten wenig bis gar nichts bezahlen. Das wird die Stadt sicher etwas kosten, und das tut eventuell auch weh. Aber was uns in Zukunft erwartet, wird noch viel mehr weh tun, da bin ich mir sicher.

In diesem Zusammenhang müsste künftig im Bereich Kultur oder Sport gespart werden. Ich befürworte grundsätzlich die Förderung beider Bereiche. Sie sind für unsere Gesellschaft überaus wichtig. Aber Menschen und ihre Schicksale, vor allem die der Kinder und Jugendliche, sind viel wichtiger als eine neues Sports-Vereinsheim und Kunstwerke bei der Remstal Gartenschau 2019. Ich verspreche Ihnen, diese Förderung zahlt sich langfristig aus: Mit Familien, die wieder ein zweites Kind bekommen, weil sie es sich leisten können. Mit einer Gesellschaft, die daduch lebt und blüht, weil es viele junge Menschen gibt.

Fellbach Oeffingen

Ich freue mich auf eine rege Diskussion und Ihre Ansichten über eine gerechte Familienpolitik. Vielleicht bewegt Sie das ein oder andere Argument künftig, in Sachen Familie anders abzustimmen. Bedanken möchte ich mich bei allen , die gegen die Erhöhung votiert haben.

Mit den besten Grüßen,

Laura Fröhlich

Mehr dazu:

Online-Petition gegen die Gebührenerhöhung der Kindergärten in Fellbach

Nina Katrin Straßner: Keine Kinder sind auch keine Lösung, Bastei Lübbe 2017, 10,00 Euro.

Wie unser System kollabieren wird: In einem Focus-Artikel rechnet ein Naturwissenschaftler vor, wie die Kinderarmut unseren deutschen Wohlstand gefährdet.

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Vor einiger Zeit habe ich hier zwei Texte veröffentlicht, die sich mit dem Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie befassten. In Mütter in der Zerreißprobe beschrieb ich, wie Mütter unter dem Druck leiden, zuhause für die Familie da zu sein und gleichzeitig den Anspruch an sich stellen, auch beruflich, sportlich und kreativ alles geben zu müssen. Wird das nicht einfach zu viel? Da viele Frauen fragten, warum denn die Männer nicht zur Sprache kamen, habe ich mit dem zweiten Text Papas an den Herd die leise Vermutung ausgesprochen, dass sich einige (und lange nicht alle) Väter um die Verantwortung zuhause drücken. Auch da haben sich wieder viele Eltern zu Wort gemeldet und ich möchte sagen, wie wichtig und wertvoll ich diese Diskussion finde, vor allem wenn sich Männer dazu äußern.

Natürlich sind nicht DIE Frauen schuld, weil sie sich zu viel Druck machen. Genauso wenig ist das Problem, dass DIE Männer keine Verantwortung für Kinder und Haushalt übernehmen. Das alles sind Pauschalisierungen, die ja schon einmal aus dem Grund Quatsch sind, weil wir Menschen unterschiedlich sind und wir nicht die Geschlechter über einen Kamm schweren dürfen. Schwierig ist aber definitiv, dass Eltern unter Druck stehen. Finanzielle Sorgen sind immer quälend und rauben die Kraft, sich über Gleichberechtigungsthemen Gedanken zu machen. Aber auch wenn das Geld reicht, sind die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt für Eltern in vielen Fällen schwer. Väter, die mehr Zeit mit den Kindern verbringen möchten, kämpfen gegen Windmühlen, weil eine Reduzierung der Arbeitszeit in unserem Land nicht gerne gesehen wird. Frauen kämpfen darum, den Arbeitsplatz nach der Elternzeit zurück zu bekommen. Ich selber habe in einem namhaften Verlag einen befristeten Vertrag nach dem anderen erhalten und wollte dennoch ein Kind. So lief der letzte Vertrag in der Elternzeit aus und mein Job war weg, was mich unglaublich verletzte und frustrierte.

Luxusprobleme der Eltern

Was machen wir denn nun mit diesem Dilemma? Winken wir dieses Thema als „Luxusproblem“ ab, wie es eine Leserin tat? Mir ist klar, dass es Eltern gibt, deren wichtigstes Problem darin besteht, überhaupt genug Geld für die Familie zu erwirtschaften. In meinem Artikel zum Thema Erhöhung der Kindergartengebühren habe ich einmal erklärt, warum Eltern das System tragen und keine soziale Gerechtigkeit herrsche, solange für Eltern am Rande des Existenzminimums auch noch die Kitagebühren erhöht würden. Aber darf diese Tatsache dazu führen, dass wir nicht länger für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder Gleichberechtigung unter Eltern reden dürfen? Wäre es besser, aus Rücksicht auf sozial schwächer Gestellte den Mund zu halten, wenn es darum geht, dass viele Väter reduziert arbeiten möchten und mehr Zeit mit ihren Kindern einfordern? Dagegen wehre ich mich mit allen Mitteln, denn dann hätten wir Frauen heute nicht das Recht zu wählen. Auch damals gab es dringendere Themen, müsste man dieser Theorie Glauben schenken!

Wege, wie es gehen kann

Ich möchte hier auf diesem Blog deshalb positive Beispiele geben für Eltern, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu aller Zufriedenheit gelöst haben. Das Ziel ist es, dass du dich als LeserIn inspiriert fühlst, auch an ein paar Stellschrauben zu drehen. Es gibt immer eine Möglichkeit, etwas zu ändern, und sei es nur ein ganz kleines bisschen. Denn um was geht es letztendlich? Es geht darum, dass Eltern sich nicht in ihrem Hamsterrad gefangen fühlen und keine Entscheidungen mehr treffen können, die ihr Leben und das ihrer Kinder betrifft. Frei über einen Teil der Zeit entscheiden zu können und die Möglichkeit zu haben, das Leben selbst zu gestalten, das macht glücklich. Ich erzähle dir nun von drei Paaren, die mit ihrem gemeinsamen Weg zufrieden sind.

Miri nicht allein zuhaus

Da sind zum Beispiel Miri und ihr Mann. Sie haben zusammen vier Kinder und leben in einem Dorf in der Nähe meiner Heimatstadt. Miri ist Hausfrau und hat ihren Job für die Kinder aufgegeben, denn mit Vieren ist immer eine Menge zu tun. Sie macht die Hausarbeit sehr gerne, meistens zumindest, und wenn ihr mal alles über den Kopf wächst, dann kann sie jederzeit ihren Mann um Hilfe rufen. Der arbeitet Vollzeit, so haben es beide gemeinsam entschieden. Aber Miris Mann möchte keine Karriere machen, sondern bewahrt sich die Flexibilität, seine Frau unterstützen zu können, wann immer es geht. Es ist nämlich Blödsinn, dass eine einzige Person Haus, Haushalt, Wäsche, Termine, Kids und Co alleine schaffen kann, ohne sich aufzureiben, wenn sie „nur“ Hausfrau ist. Das hat nämlich besagte Leserin hier kommentiert, die mir den Luxusprobleme-Vorwurf machte. Auch Miri braucht hin und wieder die Unterstützung ihres Mannes, wenn nämlich mal wieder etwas außer Plan läuft. Dann kann sie ihn anrufen und er macht früher Feierabend. So haben die beiden das gute Gefühl, sich gemeinsam für ihren Lebensentwurf entschlossen zu haben. Sie müssen mit dem Geld haushalten, denn vier Kids und ein Gehalt lässt die Familie nicht im Luxus schwelgen. „Die Kinder sind unser Luxus!“, sagt Miri. Übrigens schreibt sie einen ganz wunderbaren Foodblog, den ich dir unbedingt ans Herz legen möchte: Leckerleckerliese.de

Wenig Zeug, viel Zeit

Diese Woche habe ich für einen Zeitungsartikel mit Rachel gesprochen. Sie schreibt auf dem Blog mamadenkt.de über ihr Familienleben, Konsumverzicht und Minimalismus. Ihr und ihrem Mann war es gleichermaßen wichtig, viel Zeit mit den gemeinsamen drei Kindern zu verbringen. Deshalb arbeiten beide reduziert und haben nicht einmal eine ganze Stelle zusammen. Aus diesem Grund haben sie natürlich auch weniger Geld zur Verfügung, aber das macht gar nichts aus. Sie leben sowieso sehr nachhaltig und umweltbewusst und stellen jeden ihrer Käufe erst einmal in Frage. Die Familie verzichtet zum Beispiel auf Flugreisen und Unterhaltungselektronik, das Geld reicht aber immer für den Einkauf im Bio-Supermarkt. Weniger arbeiten heißt natürlich immer, an anderer Stelle zu verzichten. Aber die gemeinsame Zeit mit der Familie ist es den Eltern wert. Dazu kommt, dass eine Küche ohne eine Armee an Küchenmaschinen, ein Kinderzimmer mit deutlich weniger Spielzeug und ein Wohnzimmer ohne Fernseher noch so einige Vorteile bietet: Rachel muss sich nicht so viel um ihren Besitz kümmern, muss weniger aufräumen, sortieren und reparieren. Schau mal auf Rachels Blog vorbei. Dort findest du sicher auch viele tolle Inspirationen für dein Familienleben!

Der Traum vom Haus

Und da ist noch eine Familie, nämlich unsere! Wie ist das eigentlich bei Anton und mir? Anton arbeitet Vollzeit und ich Teilzeit, allerdings würde Anton sehr gerne mehr Zeit mit den Kindern verbringen und ich würde oft lieber ein wenig mehr arbeiten. Aber wir müssen Kompromisse machen, aus folgendem Grund: gerne hätten wir uns ein Haus gekauft, weil das immer unser Traum war. Anton arbeitet aber im Großraum Stuttgart und ein Traumhäuschen ist hier unglaublich teuer, sodass wir uns von dieser Idee verabschiedet haben. Weil wir aber mehr Platz brauchten und es uns am allerwichtigsten war, dass Anton einen kurzen Anfahrtsweg zur Arbeit hat (um mehr bei uns zu sein!), haben wir nun ein Haus in der Nähe seiner Arbeitsstelle gemietet. Du kannst dir vorstellen, dass in einer Gegend, in der ein Reihenhäuschen ohne Garten schlappe 600.000 Euro kostet, die Miete ordentlich hoch ist. Weil Anton wesentlich mehr verdient als ich (nein, ich würde niemandem mehr empfehlen, nur Geisteswissenschaften zu studieren), wäre bei unseren hohen Mietkosten eine Umverteilung der Arbeitszeit sehr unwirtschaftlich. Daher bin ich nachmittags für Kids und Haushalt zuständig, aber Anton kommt so schnell es geht, macht einmal die Woche Homeoffice und kümmert sich genauso oft um ein krankes Kind wie ich. Wichtig für uns ist es immer, die Entscheidungen gemeinsam zu treffen. Wir haben alles abgewägt und so wie es jetzt ist, ist es für uns am besten. Ich weiß nur eines: würde Anton beispielsweise Karriere machen wollen, weil ihm das ungemein wichtig ist und er deshalb öfter weg wäre, wäre für mich selbstverständlich, dass wir uns von dem höheren Gehalt eine Haushaltshilfe oder ein Aupair-Mädchen leisten würden. Denn ohne mich aufzureiben schaffe ich Job, Haushalt und die Kinder nicht, das habe ich in der Vergangenheit gemerkt.

Gemeinsam entscheiden – das zählt!

Ich finde es einfach wichtig, dass Eltern sich abstimmen. Ob nun eine Frau zuhause bei den Kindern bleibt, beide reduziert arbeiten oder einer Karriere macht, der andere dafür genug Hilfe für den Haushalt bekommt: wichtig ist, dass Frau und Mann das Gefühl haben, sie können Einfluss nehmen auf ihr Leben. Für mich war immer dann das Unglück groß, wenn ich mich hilflos gefühlt habe. Als mein Job in der Elternzeit einfach weg war oder ich mit dem dritten Kind zuhause saß, weil der Kitaplatz fehlte und ich doch so gerne wieder arbeiten gegangen wäre, da war ich oft sehr unglücklich.

Übrigens wirst du demnächst noch mehr zu diesem Thema lesen. Ich habe einen Aufruf gestartet und Familien befragt, die reduziert arbeiten. Viele tolle Antworten haben mich erreicht und ab nächster Woche werde ich sie dir hier aufschreiben. Es gibt sie, die verschiedenen Möglichkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren. Klar, alles geht nie. Wenig arbeiten, viel Zeit haben, nur im Bio-Supermarkt einkaufen und einen feinen Urlaub buchen mit all inclusive – das ist für die meisten von uns unmöglich. Die Lösungen sind immer auch sehr individuell, aber eines zählt: Frau und Mann haben sich gemeinsam entschieden und stimmen sich immer wieder ab, ob der momentane Weg der richtige ist. Und nun wünsche ich dir, dass auch bei euch zuhause immer Spielraum für Gespräche und Veränderungen sind. Auch kleine Dinge bewirken etwas: wenn ihr euch gegenseitig eine Stunde Zeit schenkt, damit der andere seinem Hobby nachgehen kann, ihr zusammen zum Lieblingsitaliener geht und bei einer Flasche Wein über eure Wünsche und Erwartungen sprecht oder du dich mal hinsetzt und überlegst, was für euch als Familie wirklich zählt, dann bringt das ganz, ganz viel, oder was meinst du?

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

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Abends sieht es so aus, als hättest du deine Familie im Stich gelassen. Du kommst erst um halb neun nach Hause und deine Frau ist alles andere als begeistert. Sie hat die Kinder ins Bett gebracht und ist müde und kaputt. Du schaust noch einmal in die Kinderzimmer und siehst deinen Sohn, der fest schläft. Sein geliebter Hockeyschläger lehnt an der Wand. Wieder ist ein Tag vorbei, an dem du nicht mit ihm trainieren konntest. Deine Tochter wollte dir heute Abend noch ein Bild zeigen. Du bist zu spät gekommen und das Blatt mit den bunten Sternen liegt neben ihrem Kissen. Warum bist du eigentlich nicht für deine Familie da, wenn sie dich braucht?

Was keiner sieht

Keiner sieht, dass du heute morgen voller Liebe in die schlafenden Gesichter deiner Kinder geblickt und dich leise rausgeschlichen hast, um sie nicht zu wecken. Wie gerne wärst du an diesem Mittwoch mit ihnen gemeinsam aufgestanden, aber im Büro ist die Hölle los und die Chefin hat um 8 Uhr einen Termin anberaumt. Keiner sieht, wie du in der S-Bahn die Bilder anschaust, die dir deine Frau gestern vom Freibad-Besuch geschickt hat. Keiner sieht, dass du es bedauerst, nicht dabei gewesen zu sein, als deine Tochter das erste Mal vom Sprungbrett gesprungen ist. Stattdessen hast du im Büro die Kohlen aus dem Feuer geholt, weil du der Spezialist für die neue Grafiksoftware bist und die Chefin meint, du seist unabkömmlich.

Keiner sieht, wie du den Morgen durcharbeitest und dir kurz vor dem Mittagessen fast die Augen zufallen. Keiner sieht, dass es dir vor dem Gespräch mit der Chefin graust, das in einer halben Stunde stattfindet. Wie du sie bei Kaffee und Keksen um zwei Monate Elternzeit bittest, weil deine Tochter bald in die Grundschule kommt und du in der Zeit gerne zuhause wärst, um deine Frau zu unterstützen. Wie deiner Chefin die Gesichtszüge entgleisen und sie dir sagt, dass ein Mann in deiner Position in der Abteilung gebraucht wird und solche Bitten dazu führten, dass der nächste Schritt auf der Karriereleiter künftig für Kollegen Maier reserviert seien.

Keiner sieht, wie du die Mail öffnest mit der Bitte, heute um 16 Uhr bei der dringenden Teamsitzung anwesend zu sein, in der der Notfallplan für die Einführung der neuen IT-Systeme in den nächsten Wochen besprochen wird. Wie du deine Frau anrufst und ihr sagst, dass du den Sohn heute leider doch nicht zum Hockey bringen kannst und hoffst, um 19 Uhr da zu sein, wenn sie ihre Yogastunde hat. Wie deine Frau sauer wird und dir vorwirft, dass immer nur das Büro zähle und ihr langsam der Geduldsfaden reisst.

Keiner sieht, dass du mit Bedenken an die Kindergartengebührenerhöhung, die kaputte Waschmaschine und den Musikunterricht für die beiden Kinder denkst und daran, dass du die Gehaltserhöhung am Jahresende unbedingt brauchst. Wie du überlegst, ob du es diese Woche vielleicht mal schaffst, pünktlich zuhause zu sein, damit du mit deiner Familie wenigstens einmal in der Woche zusammen Abendessen kannst. Wie dir klar wird, dass du auf keinen Fall Zeit zum Zirkeltraining im Fitnessstudio findest, obwohl dir dein Orthopäde dies gegen die Schmerzen im Rücken unbedingt empfohlen hat.

Keiner sieht, dass du nachmittags kurz mit dem Sohn telefonierst, der dir unbedingt von seinem bevorstehenden Hockeyturnier erzählen möchte. Wie du ihn abwimmeln musst, weil du einen Kollegen in der Leitung hast. Wie du auf die Uhr schaust und weißt, dass jetzt eigentlich der Zeitpunkt gewesen wäre, um nach Hause zu fahren. Wie du deine Unterlagen packst und in die Besprechung eilst.

Keiner sieht, dass du mittags in der Kantine in deinen Kaffee gestarrt hast, das Hamsterrad verfluchst und deine Kinder schmerzlich vermisst.

Liebe Leserin oder lieber Leser! Kann es sein, dass viele von uns Eltern in einem Hamsterrad gefangen sind? Dass vielleicht nicht etwas mit uns, sondern mit dem System nicht stimmen kann? Dass gut ausgebildete Frauen mit Kindern keinen Weg zurück in ihren Beruf finden? Dass Väter für die wichtigsten Menschen in ihrem Leben nie genug Zeit haben?

Wir müssen etwas ändern!

Kann es sein, dass es sich lohnt zu kämpfen und etwas zu ändern? Aufzustehen und zu fordern, dass Männer das Recht auf ihre Kinder und Frauen das Recht auf ihren Job haben? Dass unser Traum von einer familienfreundlichen Arbeitswelt Wirklichkeit werden könnte? In der Männer, die sich Zeit für ihre Familie nehmen möchten, die Anerkennung erhalten, die sie verdienen? In der das Risiko, Männer einzustellen, genauso groß ist wie Frauen, weil die Nachricht über die Schwangerschaft der Partnerin unweigerlich mit einer einjährigen Elternzeit des Papas einhergeht?

In der auch kinderlose Menschen Anerkennung, Zeit und Rücksicht von Seiten ihrer Arbeitgeber für die Pflege ihrer kranken Angehörigen bekommen? In der Care-Arbeit zuhause und die Ausübung von Sozialberufen mindestens so wertgeschätzt werden wie die Tätigkeit millionenschwerer Manager, die ja so unglaublich viel Verantwortung tragen?

In der Eltern, die knapp bei Kasse sind, sich nicht mit drei Jobs aufreiben müssen, nicht von hochnäsigen Gemeinderäten saftige Kindergartengebührenerhöhungen vor die Nase gesetzt bekommen, sondern von der Gesellschaft unterstützt werden, weil sie die Kinder erziehen, die unser Land und das gesamte System tragen?

Dass alleinerziehende Mütter und Väter finanziell abgesichert sind, weil niemand von uns vor dem Verlust des Partners (aus welchen Gründen auch immer) gefeit ist?

Wir leben einem reichen Land und ich bin umso glücklicher über unser politisches System, je mehr ich über die Welt und ihre gruseligen Despoten erfahre. Dennoch liegt es mir fern, mich auf unserem Wohlstand auszuruhen, denn es gibt viel zu tun. Packen wir es an und kämfen wir für ein besseres Familienleben.

Bleib fröhlich und unperfekt, aber mach den Mund auf. Es geht um dich und deine Liebsten!

Deine Laura

Ps.: Dieser Text entstand, weil ich so viele Reaktionen auf den ersten Teil von Was keiner sieht erhielt. In diesem Artikel haben ich den Frust über die fehlende Anerkennung beschrieben, den ich als (nicht freiwillige) Hausfrau empfinde. Die Väter sind aber in keinem Fall die Verantwortlichen für den Frust.

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Spielplätze nerven Hans Ulrich Spieth

Heute morgen sitze ich in der Küche, trinke einen heißen Kaffee und nehme mir den Fellbacher Stadtanzeiger Nr. 23 als Zeitungslektüre vor. Aber was muss ich da lesen? Gemeinderatsmitglied Hans-Ulrich Spieth von der CDU-Fraktion schreibt in einem rhetorisch beeindruckenden und sprachlich geschliffenen Text über die Grünflächengestaltung in unserer Stadt:

„Es gibt viele und gute Spielplätze (…). Daneben findet man aber auch eine ganze Reihe von Platzgestaltungen, an denen der Zahn der Zeit nagt und die dringend der Erneuerung bedürfen. Als Beispiele nenne ich den Park der Schwabenlandhalle, den Theodor-Heuss-Platz und den Klosterplatz in Oeffingen. Nicht jeder Platz darf zum Spielplatz umgebaut werden, wir brauchen auch Aufenthaltsorte für Personen, die Ruhe und Erholung suchen.

Hans-Ulrich Spieth

Eltern, ich höre euch förmlich wutschnauben. Aber jetzt mal ganz ehrlich: hat Hans-Ulrich Spieth, pensionierter Konrektor einer Grundschule und von euch gewähltes CDU-Gemeinderatsmitglied nicht etwas ausgesprochen, was viele Bürger längst denken? Nirgends können Menschen mehr ungestört sitzen, ausruhen, lesen und Erholung finden. An jeder Ecke lärmen Kinder, sie nerven mit ihrem Geschrei, verderben die Laune mit ihrem Lachen. Oft sehe ich hier in Oeffingen Rentner herumirren, verzweifelt auf der Suche nach einem stillen Plätzchen oder einer ruhig gelegenen Bank. Sie müssen meilenweit gehen und oft bleibt nur der Friedhof, um endlich die lang ersehnte Erholung zu finden. Es rattern die Roller, es knattern die Stützräder, es lärmen die Rollschuhe – wer hält das noch aus?

Hans-Ulrich Spieth

Kinder sind einfach zu laut

Ich als Mutter von Dreien kann ein Lied davon singen, wie nervtötend Kinderlärm sein kann. Auch ich sehne mich wie der Lehrer a.D. Hans-Ulrich Spieth nach Ruhe und finde es nicht weit hergeholt, dass er dies öffentlich in der Zeitung deutlich macht. Im Namen der CDU sprechen schließlich viele Menschen die Wahrheit aus, zuletzt Herr Dr. Peter Tauber, als er sich über die mangelhafte Ausbildung von Mini-Jobbern beklagte.

Zurück zum Thema! Überall dürfen Kinder mittlerweile mitkommen; ins Restaurant, ins Kino, zu Ikea und in die Konditorei. Ich habe mir deshalb folgendes überlegt: mit einer Aktion möchte ich Hans-Ulrich Spieth in seiner Forderung unterstützen. Nicht jeder öffentliche Platz darf zum Spielplatz umgebaut werden. Nicht jedes frei zugängliche Stück Rasen darf zur Spielfläche für Minderjährige verkommen. Ruhe und Erholung suchen wir in Anwesenheit von Kindern vergebens und ein Lehrer, der dem schier unerträglichen Lärmpegel Jahrzehntelang ausgesetzt war, der hat ein wenig Erholung verdient. Deshalb lautet meine Forderung:

KEINE KINDER AUF DEM KLOSTERPLATZ, kurz K-K-K.

Der Klosterplatz, dieser idyllische, wenn auch ein etwas in die Jahre gekommene Locus Amoenus, soll künftig ausschließlich der Erholung dienen. Schließlich ist der Name Programm: in einem Kloster herrscht Ruhe und Kindern ist der Zutritt untersagt. Nur Erwachsene, die sich stets ruhig und ordentlich verhalten, sollen den liebevoll geteerten Boden betreten. Nur sie sollen dem leisen Plätschern des Brunnens lauschen, sich auf die schattigen Steinbänkchen betten und die runzeligen Füße ins kühle Nass tauchen dürfen.

Finanziert durch Kindergartengebührenerhöhung

Und ich habe noch eine Idee für Hans-Ulrich Spieth: Wieso restaurieren wir das Örtchen der Erholung nicht auf Kosten der Lärmverantwortlichen? Schließlich sorgen Eltern mit ihrer Brut dafür, dass Steuerzahler unter der Ruhestörung leiden. Ob es nun Lärmsteuer heißt oder nicht ist firlefanz. Aber dadurch entstünde endlich eine Form von Gerechtigkeit in der Gesellschaft.

Übrigens haben ja auch Mütter etwas von dem kinderfreien Klosterplatz. Wie der Kollege von Hans-Ulrich Spieth, Erich Theile, ebenfalls Mitglied der CDU-Fraktion des Gemeinderates, am 22. März dieses Jahres in seinem Kommentar im Fellbacher Stadtanzeiger so treffend gesagt hat:

„Durch eine gute und verlässliche Betreuungseinrichtung wird den Eltern viel Freiraum für die Verwirklichung privater und beruflicher Interessen zur Verfügung gestellt. Eltern können beispielsweise unbesorgt und ohne ihrem Nachwuchs gegenüber ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, ihren Beruf ausüben. Oder sie können ohne Zeitdruck auch einmal einen größeren Einkauf tagsüber tätigen….“

Ich füge hinzu: ….oder von nun an endlich auf dem Klosterplatz sitzen und die Ruhe genießen. Was halten Sie davon, Hans-Ulrich Spieth und ErichTheile, wenn wir die Sanierung des Klosterplatzes einfach mit einer vierten Kindergartengebührenerhöhung finanzieren? Immerhin rechtfertigten Sie die anderen drei Erhöhungen mit einem empfohlenen Deckunsgbeitrag von 20 %. Fellbach liegt aber nur bei 11,7 %. Da ist ne Menge Spielraum, die eine neue Brunnenanlage, eine frische Bepflanzung oder sogar ein künstlerische Installation gut und gerne finanzieren könnte. Am Ende machen wir den Klosterplatz noch zum Schauplatz der Landesgartenschau im Remstal?

Kinder auf dem Klosterplatz gehören hoffentlich bald der Vergangenheit an

Weitere kinderfreie Zonen in Planung

Ich habe im Übrigen noch viele so gute Ideen! Wie wäre es, wenn der Rewe-Supermarkt wochentags von 9 bis 10:30 Uhr Kindern den Zugang verbieten würde? Dann könnten nicht nur die ollen Muddis, die ihre Brut gerade im Kindergarten abgegeben haben, ihren Großeinkauf in Ruhe erledigen, sondern auch pensionierte Lehrer mit Erholungsbedarf?

Ich wage zu träumen, und zwar von einem kinderfreien Bus um die Mittagszeit. Keine ätzenden Kinderwagenmonster, die den Rollatoren die Abstellfläche versperren, keine nervenden Tölen, die dauernd auf den Halteknopf drücken wollen. Sicher kommen bei einem Brainstorming mit der gesamten CDU-Fraktion noch eine Menge weiterer toller Ideen heraus – ich freue mich schon so!

Und nun wünsche ich mir, dass möglichst viele Leser diesen Beitrag kommentieren. Sollten wir hier mehr als 30 Zuschriften bekommen, die mich mit meiner Aktion unterstützen und besagte Gemeinderatsmitglieder in ihrer Forderung nach Ruhe und Erholung bestärken, reiche ich eine Petition an oberster Stelle ein. Unser Dorf soll ruhig werden und dafür wiederhole ich mein Aktions-Motto: KEINE KINDER AUF DEM KLOSTERPLATZ

Ps.: Hans-Ulrich Spieth empfehle ich folgenden Film. CSU-Politikerkollegin und Bürgermeisterin Ingrid Höffelhuber hat dafür gesorgt, dass das bayerische Städtchen Almshaven in der EU-weiten Lärm-Emissions-Vermeidungsbilanz 2013 den ersten Platz belegte. Grund dafür war die Verlegung der Spielplätze unter die Erde. Vielleicht auch eine Idee für das Städtchen am Kappelberg?

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Humor ist Liebe. Er macht die Unzulänglichkeiten etwas zulänglicher, den Schaden etwas leichter, den Schmerz etwas erträglicher.

(Henri Nannen)

Wenn ich mal schlechte Laune habe und so richtig genervt bin von meinem Leben und mir selbst, dann klappe ich den Computer auf und gucke mir eines von Martina Hills Knallerfrauen-Videos an. Am liebsten habe ich die, in denen es um Kinder geht. Schön ist zum Beispiel der Film, in dem sie bei den Nachbarn klopft und diese warnt, weil die Kinder am Wochenende das erste Mal seit langem außer Haus und sie und ihr Mann alleine sind. Es könne also laut werden, sie habe aber auch einen Aushang in den Flur gehängt. Am nächsten Morgen verteilt sie auch noch Spritzgebäck. Bei diesem Film kann ich mich vor Lachen nicht mehr halten.

Wenn man trotzdem lacht

Schon steigt meine Laune erheblich und die Welt ist nicht mehr so grau, mein Alltag nicht mehr so anstrengend. Indem wir uns selbst aufs Korn nehmen, die Alltagskomik erkennen und mit etwas Abstand auch Ärgerlichkeiten wie zankende Geschwister oder Kinder, die nicht ins Bett wollen, mit Humor sehen, ist das Leben auf einmal viel leichter und lustiger. „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“, diesen alten Kalauer sage ich mir zum Beispiel, wenn Jimmy bei minus zehn Grad im Shirt aus der Schule kommt und seine Jacke mal wieder verloren hat. Oder wenn Oskar nicht ins Bett will und stattdessen ein Konzert auf der Blockflöte seiner Schwester veranstaltet, bis diese weinend aus dem Schlaf erwacht.

Eltern mit Witz

So öde humorlose Mütter sind, so wunderbar sind die, die lachen. Lustige Eltern sind für mich das Salz in der Erziehungssuppe und zum Glück gibt es eine Menge von ihnen. Noch besser ist, dass viele von ihnen schreiben und wir ihre genialen Texte lesen können. Mittlerweile habe ich ein ganzes Repertoire an Büchern, die einem das Elternsein versüßen und mich wirklich und anhaltend zum Lachen bringen. Ich möchte hier zum Beispiel die geniale Marlene Hellene nennen, die nicht nur auf Twitter mit bald 20.000 Followern ein riesen Star ist („Mama, was ist ein Wixer?“ „Das ist ein Mann, der Mixer verkauft.“ Halten Sie ja die Klappe!), sondern auch ein wunderbares Buch herausgebracht hat: Man bekommt ja so viel zurück*. An Abenden, an denen ich das Lachen brauche wie die Luft zum Atmen, nehme ich auch Katie Kirbys Prost Baby* zur Hand und mixe mir einen guten Gin Tonic dazu. Beides sorgt für sofortiges Gegrinse und lautes Gegacker nach jeder zweiten Seite. Ohne Axel Hackes Erziehungsberater* als Hörspiel im Auto geht sowieso nichts mehr, Jan Weilers Pubertiere* geben mir schonmal einen Ausblick auf die spaßige Zukunft mit Jugendlichen im Haus und Johann König feiere ich regelmäßig für sein Wunderwerk Kinder sind was Wunderbares, das muss man sich nur IMMER WIEDER sagen.*

Herzensempfehlungen

Ganz besonders erwähnen möchte ich aber folgende drei Eltern, deren Art zu schreiben mir viele Stunden versüßt haben. Die geniale Andrea Harmonika mit ihrem gleichnamigen Blog hat endlich ein Buch geschrieben: Jedem Anfang wohnt ein verdammter Zauber inne.* Wer die Texte diese Frau gelesen hat, der liebt sie unbekannterweise, das garantiere ich.

Geliebt wird auch Christian Hanne für seinen Blog Familienbetrieb und die Familientweets der Woche. Ich schätze ihn für seine Buchrezensionen und seine zwei Bücher. Ein Vater greift zur Flasche* heißt das aktuelle Exemplar und wenn er schreibt, dass man als Mutter oder Vater für einen Säugling eine Mischung aus Koch, Kammerdiener, Putzgehilfe, Chaffeur, persönlicher Assistent und Pausenclown sei und er die Elternzeit mit dem Titel von Robbie Williams „Let me entertain you“ zusammenfasst, haue ich mir vor Lachen auf die Schenkel. Noch ein kleiner Auszug gefällig? Hier, bitteschön:

Der Kaiserschnitt läuft problemlos – eine Feststellung, die einem recht leicht aus der Feder fließt, wenn man nicht selbst auf dem OP-Tisch liegt und den Bauch aufgeschnitten bekommt. Da der brustabwärtige Teil der Freundin durch ein grünes Tuch abgetrennt ist, bekomme ich von dem Eingriff ohnehin nicht wirklich etwas mit. Nach knapp 30 Minuten ertönt hinter dem Vorhang ein schmatzendes Geräusch, dann ein Brüllen, und schließlich sagt einer der Ärzte: »Da ist er ja, der kleine Mann.« Ich schließe daraus, dass wir einen Sohn haben. Oder dass gerade ein 1,60 Meter großer Arzt den Raum betreten hat.

Aller guten Dinge sind drei, das habe ich versprochen, und daher ist Nina Straßners Keine Kinder sind auch keine Lösung. Schützenhilfe von der Juramama* ein Muss für jedes elterliche Bücherregal. Nicht nur, dass Nina sehr lustig schreibt, was du auch auf ihrem Blog nachlesen kannst, sondern hier stehen auch einige wichtige juristische Ratschläge und die Wahrheit über die deutsche Familienpolitik. Wie Nina vor dem letzten Kapitel schreibt, ist es nahezu unmöglich, selbiges ohne mindestens einen Schnaps zu lesen, denn was du da zu hören bekommst, lässt dir die Kinnlade runterfallen. Wie gut, dass sie so unglaublich lustig ist, denn dadurch lässt sich das familienpolitische Elend besser ertragen. Ich habe auf ihr Buch hin mal einen Text gegen die dreiste Erhöhung der Kindergartengebühren geschrieben und konnte Nächte lang nicht mehr schlafen vor Wut.

Blogfamilie liest: lustige Eltern lesen in Berlin

Und nun komme ich zu einem wirklich grandiosen Hinweis. Solltest du in der Nähe oder sogar in Berlin leben, Kinder haben und gerne lachen, ist folgendes Event ein MUSS! Nina Straßner, Christian Hanne und Andrea Harmonika lesen im Rahmen der brandneuen Reihe Blogfamilia liest gemeinsam aus ihren Büchern: im juggleHub in der Christburgerstraße 23 in der Hauptstadt am 22. November 2018. Karten gibts für 7 Euro hier und ich beneide dich, solltest du in diesen Genuss kommen und vor Ort sein können. Das wird garantiert ein grandioser Abend und du wirst mit Sicherheit beschwingt und mit vielen neuen Sichtweisen auf das Leben mit Kindern nach Hause gehen, deinen lieben, schlafenden Mäusen einen Schmatz auf die Backe geben und noch beim Einschlafen vor dich hin kichern. Jaja, Kinder haben ist ein anstrengendes Unterfangen. Aber ohne Kinder wäre dein Leben nur halb so lustig und lange nicht so schön.

Viel Spaß beim Hören, Lesen und Gackern,

deine Laura

Die mit * gekennzeichneten Links sind Affiliate Links. Du kommst über sie direkt zum Amazon-Shop, wo du die Bücher bestellen kannst. Ich bekomme dann eine kleine Provision, die dich keinen Cent kostet. Selbstverständlich ist es ethisch und moralisch aber korrekter, die Bücher vor Ort in einer Buchhandlung zu bestellen.

Immer mal wieder schreibe ich hier, wie viel ich zu tun habe, dass ich unentspannt und gestresst bin. Ich überlege, wie mein perfekter Alltag aussehen würde, schreibe über Methoden zum Entspannen oder initiiere ein Entspannungsprojekt. Aber trotzdem ich mich andauernd mit dem Thema beschäftige, wird es nicht besser. Erst neulich war ich wieder der Verzweifelung nahe, weil ich nicht wusste, wie ich die Arbeit, die Kinderbetreuung, den Haushalt und all das schaffen soll. In den Instagram-Storys erzähle ich oft von meinem Dilemma und habe andere um Rat gefragt. „Kennt ihr das Gefühl auch, diesen ganzen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen zu können? Habt ihr einen Rat?“

Das Risiko

Ich habe ganz liebe Rückmeldungen bekommen, eine davon hat mich besonders beschäftigt. Mir schrieb eine Mutter, dass es ihr bis vor ein paar Jahren ähnlich ging. Auch sie war hin und hergerissen zwischen Familie, gesellschaftlichen Verpflichtungen, Job und Haushalt – bis sie einen Schlaganfall erlitt und daraufhin ihr Leben komplett änderte. Krass, habe ich gedacht. Das kann eben auch passieren, wenn wir uns ewig gestresst fühlen. Natürlich ist ein Schlaganfall ein sehr seltenes Resultat, aber gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Stress sind auch mir bekannt. Ich bekomme Rückenschmerzen, wenn die Kinder so viel streiten. Und manchmal geht mir schon um acht am Morgen der Puls, wenn ich an meine To-Do-Liste denke.

Die alte Leiher von der Vereinbarkeit

Mir wurde bewusst, dass dieser Zustand, in dem ich mich befinde, kritisch ist. Für meine Psyche, meine Gesundheit und meine Familie. Vielleicht geht es dir manchmal ähnlich und dazu muss man keine drei Kinder haben. Manchmal reicht ein Kind, ein fordernder Job oder ein Hausbau-Projekt. Ärger mit dem Partner, zu viele Termine rund um Kindergarten und Schule oder Sorgen um die Gesundheit von Angehörigen. Wir leben heute in einer sehr rasanten Zeit; in den 30ern findet meist alles auf einmal statt: Paare bekommen Kinder, arbeiten an ihrer Karriere, bauen ein Haus und sparen für die Ausbildung ihrer Söhne und Töchter. Weil aber die äußeren Umstände für Eltern schwierig sind, vor allem in der Arbeitswelt, ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie schwer zu managen. Das Resultat: einer von beiden arbeitet weniger (meist die Frau), kümmert sich dann um Kinder und Haushalt (meist die Frau), ist gestresst und unzufrieden. Der andere arbeitet viel, weil Kids, Miete und Co so teuer sind (meist der Mann), verbringt zu wenig Zeit mit den Kindern (meist der Mann) und ist gestresst und unzufrieden. Ideen für Wege aus der Vereinbarkeitsfalle gibt es, aber die Voraussetzungen stimmen (noch) nicht. Wenn einer von beiden ganz zuhause bleibt und die gesamte Care-Arbeit übernimmt, muss er auch für den Notfall abgesichert sein. Was passiert, wenn der Partner krank wird oder sich trennt? Was ist, wenn der andere seinen Job verliert? Hier sind immernoch am Ende die die Leidtragenden, die die wertvolle und notwendige Care-Arbeit übernommen haben. Eine andere Möglichkeit sehe ich in der Idee, dass jeder Mensch ein Zeitkonto hat. In einer Phase des Lebens kann er seine Arbeitszeit reduzieren. Ob er ein Sabatical macht, kranke Angehörige pflegt oder sich um seine kleinen Kinder kümmert, ist ihm überlassen. Aber auch das ist noch Zukunftsmusik.

Es muss sich etwas ändern

Auf die Zukunft kann und will ich nicht mehr warten, darum habe ich nun beschlossen, etwas zu tun. Ich will nicht mehr länger darüber schreiben, dass mir alles zu viel wird, sondern handeln. Die Kinder sind noch klein und brauchen mich oder Anton. Weil ich aber selbstständig bin und Anton mit seinem Festvertrag das meiste Geld für Miete, Windeln und Essen erwirtschaftet, liegt zumindest im Moment die Kinderbetreuung am Nachmittag in meinen Händen. Und auch wenn sich da mein Feministinnenherz meldet, es ein finsteres Gesicht zieht und laufend „ist ja wieder mal typisch!“ schreit, akzeptiere ich den Umstand. Bleiben noch mehrere Baustellen, die größte davon ist mein Job. Und so habe ich mich selbst vor die Entscheidung gestellt: Entweder gebe ich mein Textbüro auf oder Heute ist Musik. Ersteres mache ich mit Herzblut und viel Leidenschaft, zweiteres fühlt sich mittlerweile an wie mein viertes Kind. To make a long story short: ich werde für die nächste Zeit mein Textbüro schließen und meine Arbeit für die wunderbare Elternzeitung, für die ich jahrelang tätig war, sowie für viele andere Kunden einstellen. Das ist ein großer Schritt, denn die Menschen, für die ich texte, liegen mir sehr am Herzen und ich liebe es, zu schreiben, zu lektorieren und für Unternehmen zu bloggen. Aber Heute ist Musik habe ich so lange aufgebaut und gehegt, dass ich mir nicht mehr vorstellen könnte, aufzuhören.

Kurzer Einschub: Ich möchte hier hinzufügen, dass ich mit dem Blog mittlerweile auch Geld verdiene. Wie das funktioniert, kannst du hier nachlesen. Denn einfach den Job an den Nagel zu hängen ist natürlich ein Luxus, den ich mir finanziell auch nicht einfach so leisten könnte. Generell bin ich mir darüber bewusst, wie gut wir es haben, dass bei uns die Kohle einigermaßen reicht. Es gibt genug Menschen, die diesem Mörder-Stress aus Vereinbarkeit und Familie ausgeliefert sind und keine große Wahl haben, weil sie Vollzeit arbeiten müssen. Das ist ein Grund, warum ich mehr politische Unterstützung für Familien fordere, zum Beispiel in der Sache mit den Kindergartengebühren.

Nein sagen lernen

Ein weiterer Punkt ist mein soziales Engagement. Irgendwie fällt es mir schwer, „Nein“ zu sagen, wenn es um Elternbeirat, Kuchen backen und Co geht. Aber ich kann nicht auf allen Hochzeiten tanzen. Also habe ich mich nun dazu entschieden, mein Engagement auf die Grundschule zu begrenzen. Chor, Kindergarten oder Kirche ist einfach nicht drin. Als Texterin werde ich oft gefragt, ob ich mal diesen oder jenen Bericht schreiben könnte. Neulich habe ich kurz darüber nachgedacht, beim Kindergottedienst-Team mitzumachen. Aber ich muss einfach lernen, dass nicht alles geht und der ausgelutschte Spruch wahr ist: jedes „Nein“ ist ein „Ja“ zu dir.

Angst vor Ablehnung

Warum erzähle ich dir das alles? Ich möchte hier auf diesem Blog nicht immer nur schreiben, dass wir alle nur mehr Yoga machen müssen und den Moment genießen, damit alles besser wird. Nein, wir müssen uns an die eigene Nase fassen und Prioritäten setzen. Was möchten wir und was ist uns wichtig? Und was geht einfach nicht mehr? Ich glaube, dass es vor allem uns Frauen schwer fällt, nein zu sagen. Wir möchten niemanden vor den Kopf stoßen und wir möchten nicht, dass uns andere nicht mögen. Mir zum Beispiel ist es ein Graus, wenn andere denken, sie könnten sich nicht auf mich verlassen oder ich wäre eine faule Socke. Vielleicht sollte ich noch einmal dieses Buch zur Hand nehmen, das hat mir damals den Grund dafür ziemlich gut erklärt. Vielen Frauen in meinem Umfeld geht es ganz genauso. Aber wenn wir etwas an unserem Leben ändern wollen, dann müssen wir handeln, Mut fassen und auch von ein paar liebgewonnen Dingen Abschied nehmen.

Falls dir auch manchmal die Ohren sausen und du ab und zu das Gefühl hast, dich nur noch verkriechen zu wollen, dann zieh die Notbremse. Fasse den Mut, etwas in deinem Leben zu ändern. Ob du mehr arbeitest, deine Kinder nachmittags betreeuen lässt und so mehr Luft hast, oder zuhause bleiben möchtest, um bei den Kindern zu bleiben – tu es. Wenn immer alle etwas von dir wollen, dann versuch es mal mit dem ersten „Nein“. Wir sollten lernen, auf uns zu hören und auf die Meinung von außen zu pfeifen. Denn am Ende tun wir es für uns selbst und unsere Familie. Wir haben nur das eine Leben!

Bleib fröhlich und unperfekt,

deine Laura

Pin it, Baby!

Weil ich mich entschieden habe, meine berufliche Power in den Blog zu legen, freue ich mich sehr, wenn du Lust hast, mich dabei zu unterstützen. Kommentare und respektvolle Diskussionen sind immer willkommen und halten den Blog lebendig. Vielleicht hast du auch Lust, mir auf Facebook oder Instagram zu folgen? Auch das hilft mir ungemein, denn ein Blog funktioniert am besten, wenn sich viele beteiligen, klicken, lesen oder etwas schreiben. Nein, du hast keine Zeit? Dann herzlichen Glückwunsch zu diesem ersten „Nein“ – Weiter so!

Vor kurzem hat ein Vater einen unserer Facebook-Posts kommentiert. Er fand, dass Papas hier auf dem Blog manchmal zu schlecht wegkommen. Tatsächlich berichten wir hier aus der Sicht zweier Frauen und sind da sicher hin und wieder, sagen wir es mal, subjektiv. In jedem Fall tat mir das so leid, dass ich jetzt erzählen möchte, warum ich die heutigen Väter einfach toll finde.

Alles selbstverständlich?

Nun ja, die heutigen Väter… man kann nicht alle Menschen über einen Kamm scheren, das ist klar. Aber ich finde, dass sich in den letzten Jahrzehnten ganz schön viel verändert hat. Väter fiebern schon in der Schwangerschaft mit (ok, zumindest bei der ersten) und sind in den meisten Fällen bei der Geburt dabei, um ihren Frauen in den Stunden größter Schmerzen und manchmal auch fürchterlicher Angst beizustehen. Sie tragen nachts weinende Babys herum und lassen die erschöpfte Mama schlafen, obwohl sie tagsüber arbeiten gehen müssen. Sie wickeln und füttern, kochen Brei und tragen die Kinder im Tragetuch. Na klar könnten wir Frauen jetzt sagen, das ist doch selbstverständlich. Ist es ja an sich auch – schließlich ist es das gemeinsame Kind und es sollte die Last der Erziehung und Fürsorge nicht auf den Schultern der Frau liegen. Aber vor 50 Jahren war das eben alles ziemlich anders. Gebären war Frauensache und alles andere rund ums Kind in vielen Familien auch.

Allen Ansprüchen genügen

Es ist sicher gar nicht so leicht, ein Vater zu sein. Wir Frauen haben oft mit einer Zerreißprobe zu kämpfen, weil wir uns zwischen so vielen Rollen hin und hergerissen fühlen: sind wir fürsorgliche Mutter, karriereorientierte Geschäftsfrau, hinreißende Partnerin, sozial engagiert mit Sinn fürs Basteln und skandinavische Einrichtung oder etwa alles zusammen? Aber auch Männer müssen viele Rolle gleichzeitig spielen. Sie sollen zuhause mit anpacken und sich nicht um die Erziehung der Kinder drücken, aber so mancher Job ist auch kein Ponyhof und viele Chefs erwarten von einem dreifachen Vater volle Leistung mit Überstunden, Geschäftsreisen und Co. Sie sollen männlich daherkommen und eine Schulter zum Anlehnen bieten, aber auch Gefühle zeigen, sanftmütig und aufmerksam sein. Blumen schenken und Reifen wechseln, mit den Töchtern reiten gehen und mit den Söhnen Playstation zocken (oder umgekehrt).

Elternsein ist kein Pappenstiel

Und dann ist da oft ein finanzieller Druck: Die Ausgaben von Familien sind hoch und die Last, mit dem Einkommen alleine alles bezahlen zu müssen, schlägt vielen aufs Gemüt. Heute sind wir unseren Job schneller los als früher. Was eine Kündigung für einen Familienvater bedeuten mag, ist unermesslich. Mieten und Eigentumswohnungen sind teuer wie nie und die Höhe der Kitagebühren oder der Preis eines Schulranzen zieht so manchen Eltern die Schuhe aus. Nun ja, so ist es nun mal! Alles was ich sagen möchte ist, dass Elternsein sowohl von Frau und Mann einiges abverlangt, das war immer so und wird auch so bleiben.

Tausendsassas

Die Väter kommen hier manchmal schlecht weg? Dann möchte ich nun mal ein Loblied singen. Ich kenne nämlich so unglaublich viele tolle Papas, dass das kein Zufall sein kann. Papas, die tagsüber im Büro sitzen und während sich die To-Dos stapeln, verzweifelte Anrufe ihrer Frauen entgegennehmen, weil diese fix und fertig sind. Die dann früher gehen, obwohl der Chef das nicht gerne sieht, um zuhause erst die Große, dann die Kleinen zu trösten.

Es gibt Papas, die bleiben zwei Jahre zuhause und kümmern sich aufopferungsvoll um das Baby oder um ein Schulkind, pfeifen auf dumme Sprüche von Kollegen und verweisen beim Chef auf das Recht auf Elternzeit.

Ich kenne Papas, die ackern sich einen ab, weil das Geld nie reicht, sie ihrem Sohn aber so gerne einen feinen Schulranzen und der Tochter einen Schwimmkurs bezahlen möchten.

Papas, die mit ihrer Familie Ungeheuerliches wagen und in ein Boot steigen, das mit viel zu vielen Menschen belegt ist, damit Tochter und Sohn endlich in Sicherheit sind.

Papas trösten Kinder, spielen Fußball auf dem Rasen, machen den besten Möhrenbrei fürs Baby, lesen vor, saugen das Wohnzimmer und putzen Fenster. Sie sind stark und können zugeben, auch mal schwach zu sein. Sie tragen die Kinder auf den Schultern und einen riesen Berg Verantwortung gleich mit. Sie gehen respektvoll mit ihren Frauen um und legen hin und wieder am Abend auch mal das Smartphone beiseite, um deren Kopf zu kraulen (sorry, Anton, der musste sein!)

Die besten Papas der Welt

Ich selber habe einen ganz super tollen Papa, der immer für uns da ist. Damals, als meine Schwester und ich klein waren, ist er jeden Morgen um halb fünf aufgestanden, um ins Büro zu fahren, sodass er nachmittags wieder zuhause war und sich um uns kümmern und meine Mutter entlasten konnte. Als ich ein Baby war, hat er mich in einer rosafarbenen (!) Trage herumgeschleppt und nachts an meinem Bett gesessen, um mir den Rücken zu kraulen. Er hat sonntags am Morgen mit meiner Schwester und mir gespielt, obwohl er so gerne ausschläft, hat uns vorgelesen und war im Sommer jeden Abend mit uns im Freibad. Er hat im Urlaub Burgen und zu Weihnachten Puppenhäuser gebaut. Vielleicht habe ich mir auch deshalb den einzigen Mann auf der Welt gesucht, der es mit meinem Papa aufnehmen kann.

Und lieber Leser, der du neulich kommentiert hast: Wir kennen uns, und ich weiß, dass du garantiert ein richtig wunderbarer Papa bist. Ob du nun viel arbeitest oder oft zuhause bist, für die ganze Kohle oder einen ordentlichen Haushalt sorgst – ganz egal: ohne so tolle Menschen wie euch könnten auch wir Frauen nicht stark sein. Ohne eure Toleranz können wir nicht für unsere Rechte kämpfen. Und ohne eure Unterstützung können wir nicht die Menschen werden, die wir sein möchten. Füreinander da sein, das ist es doch am Ende, worum es geht. Ob Mann oder Frau, Vater oder Mutter – es zählt gegenseitiger Respekt, Unterstützung und die Liebe!

Anton, du bist alles für mich,

deine Laura

Laura live! Wenn du auch auf Instagram unterwegs bist, freue ich mich total, wenn du Lust hast mir zu folgen. Ich erzähle auf meinem Kanal jeden Tag ein paar Kleinigkeiten aus meinem Leben als Dreifach-Mama in den Instastorys und übe mich darin, schöne Fotos zu schießen. Außerdem plane ich gerade mein Kleiderschrankprojekt, das Entspannungsprojekt-Thema im März, und poste immer mal wieder mein Outfit des Tages

Prolog: Vor vier Wochen habe ich hier einen Artikel über die Zerrissenheit der Mütter veröffentlicht. Keiner meiner Texte fand so viel Anklang wie dieser. Manche Frauen stemmen den ganzen Haushalt, kümmern sich um die Kinder, arbeiten in Teilzeit – und sind völlig überfordert. Unser Anspruch an uns selbst ist zu hoch, aber auch die Lebensumstände spielen eine Rolle.

Aber was ist eigentlich mit den Männern, haben viele LeserInnen gefragt. Warum war von ihnen im Text nicht die Rede? Darauf möchte ich heute eine Antwort geben. Ich will hier überhaupt kein Lebensmodell in Frage stellen, das gut funktioniert und mit dem sich die Familien wohl fühlen. Wer zuhause bleibt und die Hausarbeit macht, ist ja eigentlich egal. Wichtig ist nur, dass Vater und Mutter zufrieden sind und ihre Entscheidungen gemeinsam treffen. Viele Mütter, mit denen ich rede, fühlen sich aber nicht frei in ihrer Entscheidung und schlimmer noch: sie sind überfordert und sehen sich unter Druck gesetzt. Ob die Männer da wohl helfen können?

Freunde-Besuch

Ich weiß, liebe Männer, auch euer Leben ist nicht nur Zucker. Ihr arbeitet Vollzeit, unterstützt eure Partnerinnen am Wochenende mit den Kindern, müsst Kredite abzahlen und Rechnungen begleichen, die Frauen aufmuntern und die Söhne und Töchter bespaßen. Dennoch empfinde ich ein Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen! Es liegt Einiges im Argen und für mich muss sich etwas sehr Grundlegendes in unserer Gesellschaft ändern, allem voran in unserer Arbeitswelt. Aber auch ihr seid gefragt, schließlich geht es hier um die Frauen, die ihr liebt, und um die Mütter von euren Kindern.

Daniel auf Erfolgskurs

Da ist Daniel, ein alter Freund von mir aus der Grundschule. Er ist ein toller Typ und ein klasse Vater, lebt mit seiner Frau und den zwei Kindern in Stuttgart, arbeitet als Finanzberater bei einer Bank, ist beruflich erfolgreich und hat ein spannendes Hobby: er macht Poetry Slam. Aber er ist unzufrieden, als wir bei einem kühlen Bierchen sitzen und reden. Mit seiner Frau gibts immer wieder Ärger. Sie arbeitet halbtags als Physiotherapeutin und kümmert sich nachmittags um die Kinder. Obwohl er eigentlich mal viel Zeit mit seinen Kindern verbringen wollte, ist er abends nicht vor sieben Uhr zuhause, weil sein Chef ihm stapelweise Projekte auf den Tisch legt. Und irgendwie findet er das ja auch gut, denn die Arbeit macht ihm Spaß und er genießt das gute Teamwork und die Gehaltserhöhung, die er in regelmäßigen Abständen bekommt. Warum sich Sara trotzdem dauernd beschwert, versteht er nicht so richtig. Das mit den Kindern ist doch halb so wild, sagt er. Immerhin geht auch die Tochter bald zur Schule. Dennoch meckert sie dauernd rum, sie hätte so viel zu tun und er würde sich am Wochenende nur um seine Poetry Slam-Auftritte kümmern. Er gesteht mir, dass er eine Kollegin hat, die sich sehr für seine Gedichte interessiert. Sie wäre immer so gut gelaunt und höre ihm zu.

Micha auf der Flucht

Micha, mit dem ich neulich geskypt habe, ist ziemlich fertig. Seit er und seine Freundin ein Baby haben, hat sich ihr Leben gewaltig verändert, und das schlaucht ihn. Melli kriegt es ganz gut hin mit dem Kind, erzählt er. Sie hat zwar mit Rückenschmerzen zu kämpfen, aber macht es echt tapfer und hat auch den Haushalt im Griff. Er ist echt froh, dass er wieder ins Büro geht. Acht Wochen Elternzeit hat er genommen, mehr wäre in seiner Abteilung nicht drin gewesen. Und überhaupt muss er schauen, dass er am Ball bleibt, damit er in den nächsten Jahren in das Führungskräfte-Programm der Firma kommt. Melli hat ihre Arbeit erst einmal an den Nagel gehängt und ihr macht es nichts aus, dass er drei Mal die Woche zum Volleyball-Training geht, sagt er. „Manchmal ist sie ein wenig traurig, weil sie die Kinder aus ihrem Kindergarten vermisst, in dem sie gearbeitet hat. Aber ich glaube, sie ist sowieso mehr so der Hausfrauen-Typ, der nicht so viel Wert auf den Job legt“, sagt Micha.

Boris scheut das Risiko

Mein Nachbar Boris erzählte mir neulich von seinem Dilemma, als wir gemeinsam die Mülltonnen rausstellten. Er wollte so gerne mehr Zeit mit den Kindern verbringen und seine Frau möchte wieder arbeiten. Aber das ginge ja nicht. Warum, fragte ich ihn. „Naja, wenn ich im Büro mit der Bitte um Teilzeit ankomme, wird der Chef blöd gucken. Dann wars das mit der Weiterbildung! Ich wäre gerne öfter zuhause, aber es ist einfach nicht möglich. Schließlich muss ich die Kohle nach Hause bringen und die Raten für das Haus abbezahlen. Tanja verdient nicht genug. Das finanzielle Risiko ist mir einfach zu hoch.“

Ungerechte Arbeitsteilung?

Irgendwie hinterlassen diese Gespräche ein blödes Gefühl in mir. Alle drei Männer sind echt nette Kerle, sie sind beruflich engagiert und geben auch zuhause ihr Bestes. Sie haben ebenso wenig Freizeit wie die Frauen und machen auch mal eine Nacht am Bett des kranken Kindes durch. Dennoch finde ich, die drei machen es sich leicht.  Am Ende sind es immer sie, die über das Schicksal der Familie entscheiden. Sara, Melli und Tanja arbeiten alle drei gerne in ihrem Beruf, aber sie haben keine Wahl: sie arbeiten gar nicht, wenn die Kinder Babys sind und später maximal in Teilzeit. Das höhere Gehalt des Mannes, der Hauskredit oder das finanzielle Risiko sind zwar nachvollziehbare Gründe für den Lebensentwurf der Familien, aber irgendwie geht dieser Entwurf auf Kosten der Frauen. Wenn sie am Ende den Druck nicht mehr aushalten, den Halbtagsjob und den gesamten Haushalt nicht mehr wuppen können und zusammenbrechen, dann hilft kein Eigenheim und kein Karrierejob von Papa. Dann hat die ganze Familie ein dickes, fettes Problem!

Care-Arbeit ist wertvoll, aber…

Wenn die drei Paare bei der Kinderplanung oder spätesten jetzt mal in Ruhe und völlig gleichberechtigt besprechen würden, wie sie das mit der Kindererziehung und den Jobs handhaben wollen, dann wäre das schon mal ziemlich zielführend. Wenn eine der Frauen laut und deutlich sagt: „Ich möchte bei den Kindern zuhause bleiben und den Haushalt machen. Ich verzichte auf meine Berufstätigkeit und widme mich ganz der Familie!“, dann ist das ja auch keine schlechte Idee. Die Care-Arbeit zu erledigen ist eine wertvolle Arbeit und verdient großen Respekt. Wenn die Frau dann auch noch finanziell abgesichert ist, falls dem Mann etwas passieren sollte und sich das Paar auch noch Gedanken über die Rente im Alter gemacht hat, finde ich diese Art der Arbeitsteilung durchaus in Ordnung, solange die Frau zufrieden ist und der Herr des Hauses nach Feierabend auch mit anpackt.

Wenn die Frau aber, und so erlebe ich es im Freundes- und Bekanntenkreis oft, von der Schwangerschaft in die Elternzeit und danach in die Teilzeitfalle schlittert und die Doppelbelastung von Job und Haushalt zum großen Teil alleine stemmt, dann kommt sie da nicht mehr raus! Die Kinder fordern eine Menge Aufmerksamkeit, der Chef erwartet eine kompetente Teilzeitkraft und nebenher ist sie für Haushalt, Urlaubsplanung und Kindergeburtstage zuständig sowie für hunderttausend Dinge von A wie Abfall rausbringen bis Z wie Zeugnisse unterschreiben – kein Wunder, dass sie am Ende fix und alle ist. Die Männer aber begründen diese Lebensform damit, dass sie Karriere machen, das Geld brauchen oder der Chef eine Arbeitszeitreduzierung sowieso nicht erlaubt.

Liebe Männer, es ist klar, dass in eurem Büro kein Ponyhof wartet und euer Tag nicht nur aus Muffins essen und Pläusche halten besteht, aber ihr habt diese eine dicke Baustelle. Eure Frauen koordinieren mehrere Baustellen gleichzeitig, ihre Kontoauszug dagegen wiegt diesen Mörderstress leider niemals auf.

Dazu kommt, dass die Frauen mit ihrem Lebensentwurf ein gewisses Risiko eingegangen sind. Es ist bewiesen, dass die Lücke, die die Elternzeit in die Vita schneidet, karrieretechnisch nie wieder aufzuholen ist. Leider, und das ist ein großes Manko unserer Gesellschaft, bekommen Menschen, die Care-Arbeit leisten, in keinster Weise angemessene Rentenpunkte auf ihr Konto. Wenn da mal bloß nichts dazwischen kommt: Daniels Frau reisst sich auf zwischen Kids und Halbtagsjob und ist ziemlich gestresst von ihrem Leben. Ist es da ein Wunder, dass sie abends keine Lust auf Daniels Poesie hat? Lasst uns die Daumen drücken, dass Daniels Kollegin es nicht auf den attraktiven Mann abgesehen hat. Denn sonst ist Sara nicht nur gestresst und nervlich im Eimer, sondern bald auch alleinerziehend….

In meinem Text Frauen in der Zerreißprobe habe ich über die Zerrissenheit geschrieben, die Frauen empfinden. Sie möchten modern und unabhängig sein, aber gleichzeitig steckt der Anspruch in ihnen, auch als Mutter perfekt sein zu müssen. Heute aber möchte ich nachtragen, dass die Zerrissenheit der Frauen nicht nur hausgemacht ist. Damit sich da was ändert, müssen auch die Männer ran. Sie müssen eintreten für mehr Zeit mit IHREN Kindern, für flexible Arbeitszeitmodelle und für die Entlastung der Frau im Haushalt.

Daniel, Micha und auch Boris scheuen sich, andere Wege zu gehen. Keiner von ihnen kommt auf die Idee, dass sie und ihre Frauen zu gleichen Teilen für die Familie zuständig sind. Es müsste doch selbstverständlich sein, dass Tanja, Melli und Sara ein Mitspracherecht bei der Arbeitsaufteilung haben und es durchaus denbar wäre, wenn auch mal der Kindsvater den Job reduziert, um zuhause bei den Kinder zu bleiben. Das Thema Geld spielt eine große Rolle, das ist klar. Irgendjemand muss all die Anschaffungen bezahlen, die eine Familie tätigen muss oder will. Aber da gibt es zumindest in diesen drei Familien Spar-Potential und ehrlich gesagt finde ich eine intakte Partnerschaft und zufriedene Eltern ein besseres Argument als das freistehende Eigenheim, den Zweitwagen oder den jährlichen Skiurlaub. Patrizia vom Blog das Nuf hat dazu übrigens einen sehr feinen Artikel mit der treffenden Überschrift betriebswirtschaftlich maximierte Elternschaft geschrieben. Die Möglichkeit, die Arbeitszeit reduzieren zu können, haben ein paar Eltern gar nicht. Sie sind froh über den einen Job, der die Familie ernährt. Aber solche Sorgen haben Micha, Daniel und Boris nicht.

Leserkommentare

Eine Leserin schrieb unter meinen letzten Text, dass die teilweise horrenden Kitagebühren, die Fahrtwege und der Hauskredit viele moderne heterosexuelle Paare in traditionelle Rollenmodelle fallen lassen. Auch die Erfahrung teile ich und habe hier schon einmal über Kindergartengebühren oder die hohen Wohnkosten geschrieben. Aber haben diese drei Paare wirklich keine andere Wahl, als das Geld als Grund für ihre vertrackte Situation aufzuführen?

Eine andere Leserin hat unter meinem Text zum Thema „Frauen in der Zerreißprobe“ kommentiert: „Was ich vermisse ist, dass hier mal die Männer in die Pflicht genommen werden. Es sind übrigens auch ihre Kinder! Wie wäre es denn mal mit Elternzeit, die beide Partner zu gleichen Teilen nehmen?“ Tatsächlich habe ich das bei den wenigsten Eltern erlebt. Die Männer nehmen maximal ihre acht Wochen und verweisen auf den Chef, der leider nicht mehr genehmigen würde. Und ich glaube ihnen das auch gerne: Lange Elternzeiten sind bei vielen Arbeitgebern nicht gerne gesehen und so mancher Kollege hat vermutlich einen dummen Spruch auf den Lippen. Aber die Karrieren der Frauen sind auch im Eimer, warum denkt da keiner dran? Unter Karriere meine ich übrigens nicht einmal einen flotten Aufstieg Richtung Chefetage oder eine schicke Geschäftskarre, sondern einfach nur einen normalen Job, mit dem sie ihr Leben und vor allem im Alter eine Rente finanzieren können.

Auch Kirsten fragte unter meinem Artikel, wieso hier die Väter nicht genannt würden. Wenn ein Mann Vollzeit arbeitet und seine Frau Teilzeit, müsste er nach Adam Riese auch in etwa ein Drittel der Hausarbeit übernehmen, schreibt sie. Kirsten meint, dass Frauen ihren Gatten viel zu oft in Schutz nehmen. Ich kenne das: Meine Freundinnen erzählen, dass ihr Mann nach einem harten Arbeitstag seinen Sport brauche und aus diesem Grund zwei Mal die Woche zum Fußball müsse. Aber was ist mit meinem Freundinnen, die über Rückenschmerzen klagen, aber abends um 21 Uhr noch Wäsche bügeln?

Zum Ende dieses langen Textes möchte ich meine Worte an die drei Bekannten richten: Daniel, deine Frau ist einfach im Eimer, weil sie sich um alles kümmern muss. Ich weiß, dein Job macht dir Spaß, aber du wirst zuhause gebraucht. Und ganz ehrlich: die Sache mit der Kollegin geht gar nicht! Männer, die ihre Frau den ganzen Tag mit all dem Haushaltskram alleine lassen und sich am Ende beschweren, dass sie so ein Gesicht zieht, um dann der verzückten und entspannten, weil kinderlosen Kollegin selbst geschriebene Poesie vorzulesen, denen möchte ich mal gepflegt in den Allerwertesten treten. Einem Freund kann ich sowas ja sagen!

Und Micha: auch wenn du noch so scharf auf deinen Führungsjob bist – am Ende deines Lebens wirst du sicher nicht bedauern, dass du zu wenig gearbeitet hast. Du wirst bedauern, dass dir dein dicker Schlitten und deine Karriere wichtiger waren als deine Kinder und du viel zu wenig Zeit mit ihnen verbracht hast. Wenn du nicht erkennst, dass Melli ihren geliebten Job als Erzieherin vermisst und gerne wieder arbeiten würde, wenn das Baby größer ist, hast du bald eine sehr unglückliche Frau an deiner Seite.

Boris, warum hast du nicht genug Mumm und fragst deinen Chef einfach mal, ob eine kleine Reduzierung der Arbeitszeit drin wäre? Irgendeiner muss schließlich mal damit anfangen. Und was ist schon ein finanzielles Risiko gegenüber dem großen Unglück, wenn ihr beide euch nur noch streitet und sich deine Frau von dir im Stich gelassen fühlt? Mehr als „Nein“ sagen kann dein Boss ja nicht, aber ein Versuch wäre es doch wert, oder?

Dran bleiben!

Solange ich keine einzige Geschichte kenne, in der ein Vater zuhause bei seinen Kindern bleibt, die Frau Karriere macht, ihr Mann nach den ersten Jahren ordentlich gestresst ist von all der Arbeit daheim, seine Frau auf einer Geschäftsreise einen tollen Typ kennenlernt, der nicht dauernd grätig ist, sich verliebt und ihre Familie verlässt, der Mann traurig, arm und verlassen mit den Kindern dasteht und seine Frau auf Unterhalt verklagen muss, solange ist für mich noch einiges zu tun, meine Herren!

Bleibt fröhlich und unperfekt, setzt euch mal an den Tisch, sucht GEMEINAM nach Lösungen, um die Frauen von ihrem Druck zu befreien.

Eure Laura

Ps.: Ich habe einen Aufruf gestartet und nach Familien gesucht, in denen Mutter UND Vater beide reduziert arbeiten. Es haben sich viele Paare gemeldet und sie werden mir einige Fragen beantworten: Ein dickes DANKESCHÖN an euch! Ich erzähle euch bald davon, vielleicht inspiriert euch das ein oder andere Lebenskonzept?!

Pps: Wer mehr zu diesem Thema lesen möchte, dem empfehle ich das Buch Keine Kinder sind auch keine Lösung (Affiliate Link) von Juramama Nina Strassner, außerdem das Buch von Susanne Garsoffky und Britta Sembach: Der tiefe Riss (Affiliate Link). Aber vorsicht, danach seid ihr ziemlich auf Krawall gebürstet und haut vielleicht bald wie ich in die Tasten.

Mehr von Heute ist Musik! Wenn du Lust hast, öfter Beiträge von uns zu lesen, dann klick doch auf unserer Facebook-Seite auf Gefällt mir. Außerdem erfährst du dort alles über das große #Entspannungsprojekt. Wir freuen uns, dich wieder zu treffen!

Familien haben es schwer

Wie ist es eigentlich so, Familie zu haben? In der Zeit-Ausgabe Nr. 28 gab es ein Vier-Seiten-Spezial zum Thema Familie. Da war zum Beispiel einen Bericht darüber, wie alleine Paare sind, die neben Kindern, Job und Haushalt auch noch kranke Eltern pflegen. Tatsächlich gibt es in unserer Gesellschaft meiner Meinung nach ein ganz großes Manko: Pflegende, die sich um eigene Kinder, den Partner oder kranke Eltern kümmern bekommen für das, was sie tun, kaum Rentenbeiträge. Wer sorgt sich um die, die sich sorgen? Das sollte meiner Meinung nach wesentlich stärker thematisiert werden, wenn es um die Rentenversicherung in Deutschland geht.

So ist Familie

Ein anderer Artikel im Zeit-Special beschäftigte sich damit, wie Patchwork-Familien ihren Urlaub planen oder koordinieren. Ganz besonders interessiert hat mich Anna von Münchhausens Text „Die Unperfekte“, in dem sie beschreibt, mit welchen Herausforderungen sie in den 80er Jahren zu kämpfen hatte, als sie in Vollzeit beschäftigte Mutter war. Ist es heute einfacher für Mütter zu arbeiten? Nein, erklärt sie. Denn trotz Neuerungen wie Elterngeld, Teilzeitanspruch und Ganztageskindergärten stehen Frauen heute vor neuen, anderen Herausforderungen: Konkurrenzdruck in sämtlichen Branchen, unsichere Arbeitsverhältnisse dank befristeter Verträge (siehe meine eigene Erfahrung) und die allgemeine Hektik, die durch die Digitalisierung und die ewige Erreichbarkeit durch das Handy entstanden ist.

Familie haben ist schwer, oder nicht?

Also, alles in allem eine schöne und gute Beilage meiner Lieblingszeitung, die ich deshalb erwähne, weil ich mich gerne an der Aktion der Zeit beteiligen möchte. So ist Familie wirklich…. was sagen Sie? wurde gefragt und ich antworte hier auf meinem Blog liebend gerne.

Familie ist

Familie ist….

Um halb sechs Uhr morgens von einem Krabbelkind geweckt werden, das spielen, frühstücken und rausgehen möchte

Drei Wünsche gleichzeitig erfüllen müssen, und zwar pronto!

Manchmal einfach nicht mehr können, sich in ins Klo einschließen und heulen

Nie Zeit, nie den Kopf frei und nie Feierabend haben

Sich abhetzen zwischen Büro, Kita, Schule und Fußballtraining

Ewiger Streit zwischen Geschwistern

Nie mit dem Mann alleine sein

Ja. Familie ist anstrengend

Familie ist auch…

Drei wunderbare kleine Menschen aufwachsen zu sehen

Geschwister, die Hand in Hand allein in die Bücherei gehen

Das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben

Ein Knirps, der sagt: „Mama, du schaffst das schon“

Die Nase in duftende Kinderköpfe stecken und tief einatmen

Drei liebe Gesichter, die seit einer halben Stunde warten, dass ich nach Hause komme

Sich zu fünft in einem Doppelbett tummeln und selig sein

Im Alltagswahnsinn über sich hinauswachsen

Ja, Familie ist schön

Was ist Familie

Was muss sich für Familien ändern?

Am Ende möchte ich auf eine weitere Frage der Zeit eingehen: was müsste sich für Familien in Deutschland ändern?

  • Steuererleichertung für Familien, die das System tragen
  • Kindergartengebühren, die an das Gehalt der Familien gekoppelt sind und mehr Unterstützung für finanzschwache Familien
  • Bessere Arbeitsbedingungen für Eltern, Ausbau von Homeoffice und Teilzeitangeboten
  • Eine neue Konzeption von Elterngeld, die es Männern möglich macht, länger zuhause zu bleiben
  • Mehr Unterstützung für Alleinerziehende, sowohl finanziell als auch alltagsentlastend
  • Eine breite Akzeptanz der Tatsache, dass Kinder zum Leben dazu gehören. Ob in der Bahn, im Restaurant oder im Urlaub. Keine Separation und mehr Toleranz für die Bedürfnisse kleiner Menschen.
  • Eine Lokalpolitik, die die Bedeutung der Familien für das gesellschaftliche Leben nicht ignoriert

Ich freue mich total, wenn ihr in den Kommentaren beschreibt, was für euch Familie bedeutet und was sich in unserer Gesellschaft ändern muss!

Bleibt fröhlich und unperfekt,

eure Laura

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