Vor einiger Zeit habe ich hier zwei Texte veröffentlicht, die sich mit dem Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie befassten. In Mütter in der Zerreißprobe beschrieb ich, wie Mütter unter dem Druck leiden, zuhause für die Familie da zu sein und gleichzeitig den Anspruch an sich stellen, auch beruflich, sportlich und kreativ alles geben zu müssen. Wird das nicht einfach zu viel? Da viele Frauen fragten, warum denn die Männer nicht zur Sprache kamen, habe ich mit dem zweiten Text Papas an den Herd die leise Vermutung ausgesprochen, dass sich einige (und lange nicht alle) Väter um die Verantwortung zuhause drücken. Auch da haben sich wieder viele Eltern zu Wort gemeldet und ich möchte sagen, wie wichtig und wertvoll ich diese Diskussion finde, vor allem wenn sich Männer dazu äußern.

Natürlich sind nicht DIE Frauen schuld, weil sie sich zu viel Druck machen. Genauso wenig ist das Problem, dass DIE Männer keine Verantwortung für Kinder und Haushalt übernehmen. Das alles sind Pauschalisierungen, die ja schon einmal aus dem Grund Quatsch sind, weil wir Menschen unterschiedlich sind und wir nicht die Geschlechter über einen Kamm schweren dürfen. Schwierig ist aber definitiv, dass Eltern unter Druck stehen. Finanzielle Sorgen sind immer quälend und rauben die Kraft, sich über Gleichberechtigungsthemen Gedanken zu machen. Aber auch wenn das Geld reicht, sind die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt für Eltern in vielen Fällen schwer. Väter, die mehr Zeit mit den Kindern verbringen möchten, kämpfen gegen Windmühlen, weil eine Reduzierung der Arbeitszeit in unserem Land nicht gerne gesehen wird. Frauen kämpfen darum, den Arbeitsplatz nach der Elternzeit zurück zu bekommen. Ich selber habe in einem namhaften Verlag einen befristeten Vertrag nach dem anderen erhalten und wollte dennoch ein Kind. So lief der letzte Vertrag in der Elternzeit aus und mein Job war weg, was mich unglaublich verletzte und frustrierte.

Luxusprobleme der Eltern

Was machen wir denn nun mit diesem Dilemma? Winken wir dieses Thema als „Luxusproblem“ ab, wie es eine Leserin tat? Mir ist klar, dass es Eltern gibt, deren wichtigstes Problem darin besteht, überhaupt genug Geld für die Familie zu erwirtschaften. In meinem Artikel zum Thema Erhöhung der Kindergartengebühren habe ich einmal erklärt, warum Eltern das System tragen und keine soziale Gerechtigkeit herrsche, solange für Eltern am Rande des Existenzminimums auch noch die Kitagebühren erhöht würden. Aber darf diese Tatsache dazu führen, dass wir nicht länger für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder Gleichberechtigung unter Eltern reden dürfen? Wäre es besser, aus Rücksicht auf sozial schwächer Gestellte den Mund zu halten, wenn es darum geht, dass viele Väter reduziert arbeiten möchten und mehr Zeit mit ihren Kindern einfordern? Dagegen wehre ich mich mit allen Mitteln, denn dann hätten wir Frauen heute nicht das Recht zu wählen. Auch damals gab es dringendere Themen, müsste man dieser Theorie Glauben schenken!

Wege, wie es gehen kann

Ich möchte hier auf diesem Blog deshalb positive Beispiele geben für Eltern, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu aller Zufriedenheit gelöst haben. Das Ziel ist es, dass du dich als LeserIn inspiriert fühlst, auch an ein paar Stellschrauben zu drehen. Es gibt immer eine Möglichkeit, etwas zu ändern, und sei es nur ein ganz kleines bisschen. Denn um was geht es letztendlich? Es geht darum, dass Eltern sich nicht in ihrem Hamsterrad gefangen fühlen und keine Entscheidungen mehr treffen können, die ihr Leben und das ihrer Kinder betrifft. Frei über einen Teil der Zeit entscheiden zu können und die Möglichkeit zu haben, das Leben selbst zu gestalten, das macht glücklich. Ich erzähle dir nun von drei Paaren, die mit ihrem gemeinsamen Weg zufrieden sind.

Miri nicht allein zuhaus

Da sind zum Beispiel Miri und ihr Mann. Sie haben zusammen vier Kinder und leben in einem Dorf in der Nähe meiner Heimatstadt. Miri ist Hausfrau und hat ihren Job für die Kinder aufgegeben, denn mit Vieren ist immer eine Menge zu tun. Sie macht die Hausarbeit sehr gerne, meistens zumindest, und wenn ihr mal alles über den Kopf wächst, dann kann sie jederzeit ihren Mann um Hilfe rufen. Der arbeitet Vollzeit, so haben es beide gemeinsam entschieden. Aber Miris Mann möchte keine Karriere machen, sondern bewahrt sich die Flexibilität, seine Frau unterstützen zu können, wann immer es geht. Es ist nämlich Blödsinn, dass eine einzige Person Haus, Haushalt, Wäsche, Termine, Kids und Co alleine schaffen kann, ohne sich aufzureiben, wenn sie „nur“ Hausfrau ist. Das hat nämlich besagte Leserin hier kommentiert, die mir den Luxusprobleme-Vorwurf machte. Auch Miri braucht hin und wieder die Unterstützung ihres Mannes, wenn nämlich mal wieder etwas außer Plan läuft. Dann kann sie ihn anrufen und er macht früher Feierabend. So haben die beiden das gute Gefühl, sich gemeinsam für ihren Lebensentwurf entschlossen zu haben. Sie müssen mit dem Geld haushalten, denn vier Kids und ein Gehalt lässt die Familie nicht im Luxus schwelgen. „Die Kinder sind unser Luxus!“, sagt Miri. Übrigens schreibt sie einen ganz wunderbaren Foodblog, den ich dir unbedingt ans Herz legen möchte: Leckerleckerliese.de

Wenig Zeug, viel Zeit

Diese Woche habe ich für einen Zeitungsartikel mit Rachel gesprochen. Sie schreibt auf dem Blog mamadenkt.de über ihr Familienleben, Konsumverzicht und Minimalismus. Ihr und ihrem Mann war es gleichermaßen wichtig, viel Zeit mit den gemeinsamen drei Kindern zu verbringen. Deshalb arbeiten beide reduziert und haben nicht einmal eine ganze Stelle zusammen. Aus diesem Grund haben sie natürlich auch weniger Geld zur Verfügung, aber das macht gar nichts aus. Sie leben sowieso sehr nachhaltig und umweltbewusst und stellen jeden ihrer Käufe erst einmal in Frage. Die Familie verzichtet zum Beispiel auf Flugreisen und Unterhaltungselektronik, das Geld reicht aber immer für den Einkauf im Bio-Supermarkt. Weniger arbeiten heißt natürlich immer, an anderer Stelle zu verzichten. Aber die gemeinsame Zeit mit der Familie ist es den Eltern wert. Dazu kommt, dass eine Küche ohne eine Armee an Küchenmaschinen, ein Kinderzimmer mit deutlich weniger Spielzeug und ein Wohnzimmer ohne Fernseher noch so einige Vorteile bietet: Rachel muss sich nicht so viel um ihren Besitz kümmern, muss weniger aufräumen, sortieren und reparieren. Schau mal auf Rachels Blog vorbei. Dort findest du sicher auch viele tolle Inspirationen für dein Familienleben!

Der Traum vom Haus

Und da ist noch eine Familie, nämlich unsere! Wie ist das eigentlich bei Anton und mir? Anton arbeitet Vollzeit und ich Teilzeit, allerdings würde Anton sehr gerne mehr Zeit mit den Kindern verbringen und ich würde oft lieber ein wenig mehr arbeiten. Aber wir müssen Kompromisse machen, aus folgendem Grund: gerne hätten wir uns ein Haus gekauft, weil das immer unser Traum war. Anton arbeitet aber im Großraum Stuttgart und ein Traumhäuschen ist hier unglaublich teuer, sodass wir uns von dieser Idee verabschiedet haben. Weil wir aber mehr Platz brauchten und es uns am allerwichtigsten war, dass Anton einen kurzen Anfahrtsweg zur Arbeit hat (um mehr bei uns zu sein!), haben wir nun ein Haus in der Nähe seiner Arbeitsstelle gemietet. Du kannst dir vorstellen, dass in einer Gegend, in der ein Reihenhäuschen ohne Garten schlappe 600.000 Euro kostet, die Miete ordentlich hoch ist. Weil Anton wesentlich mehr verdient als ich (nein, ich würde niemandem mehr empfehlen, nur Geisteswissenschaften zu studieren), wäre bei unseren hohen Mietkosten eine Umverteilung der Arbeitszeit sehr unwirtschaftlich. Daher bin ich nachmittags für Kids und Haushalt zuständig, aber Anton kommt so schnell es geht, macht einmal die Woche Homeoffice und kümmert sich genauso oft um ein krankes Kind wie ich. Wichtig für uns ist es immer, die Entscheidungen gemeinsam zu treffen. Wir haben alles abgewägt und so wie es jetzt ist, ist es für uns am besten. Ich weiß nur eines: würde Anton beispielsweise Karriere machen wollen, weil ihm das ungemein wichtig ist und er deshalb öfter weg wäre, wäre für mich selbstverständlich, dass wir uns von dem höheren Gehalt eine Haushaltshilfe oder ein Aupair-Mädchen leisten würden. Denn ohne mich aufzureiben schaffe ich Job, Haushalt und die Kinder nicht, das habe ich in der Vergangenheit gemerkt.

Gemeinsam entscheiden – das zählt!

Ich finde es einfach wichtig, dass Eltern sich abstimmen. Ob nun eine Frau zuhause bei den Kindern bleibt, beide reduziert arbeiten oder einer Karriere macht, der andere dafür genug Hilfe für den Haushalt bekommt: wichtig ist, dass Frau und Mann das Gefühl haben, sie können Einfluss nehmen auf ihr Leben. Für mich war immer dann das Unglück groß, wenn ich mich hilflos gefühlt habe. Als mein Job in der Elternzeit einfach weg war oder ich mit dem dritten Kind zuhause saß, weil der Kitaplatz fehlte und ich doch so gerne wieder arbeiten gegangen wäre, da war ich oft sehr unglücklich.

Übrigens wirst du demnächst noch mehr zu diesem Thema lesen. Ich habe einen Aufruf gestartet und Familien befragt, die reduziert arbeiten. Viele tolle Antworten haben mich erreicht und ab nächster Woche werde ich sie dir hier aufschreiben. Es gibt sie, die verschiedenen Möglichkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren. Klar, alles geht nie. Wenig arbeiten, viel Zeit haben, nur im Bio-Supermarkt einkaufen und einen feinen Urlaub buchen mit all inclusive – das ist für die meisten von uns unmöglich. Die Lösungen sind immer auch sehr individuell, aber eines zählt: Frau und Mann haben sich gemeinsam entschieden und stimmen sich immer wieder ab, ob der momentane Weg der richtige ist. Und nun wünsche ich dir, dass auch bei euch zuhause immer Spielraum für Gespräche und Veränderungen sind. Auch kleine Dinge bewirken etwas: wenn ihr euch gegenseitig eine Stunde Zeit schenkt, damit der andere seinem Hobby nachgehen kann, ihr zusammen zum Lieblingsitaliener geht und bei einer Flasche Wein über eure Wünsche und Erwartungen sprecht oder du dich mal hinsetzt und überlegst, was für euch als Familie wirklich zählt, dann bringt das ganz, ganz viel, oder was meinst du?

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

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18 Comments

  1. Pingback: Wenn beide Eltern ihre Arbeitszeit reduzieren: weniger Geld, mehr Familienzeit - Heute ist Musik

  2. Liebe Laura, bei uns hat sich das gleiche Modell eingespielt, wie bei euch auch. Nur eben im Raum München. Ich arbeite Teilzeit mit 40% im Homeoffice. Mein Mann arbeitet Vollzeit und kann meistens auch einen Tag pro Woche von daheim aus arbeiten. An den 3 Tagen, an denen ich morgens um 6:00 das Haus verlassen muss, bringt er die Kinder in die Betreuungsstätten. Er hilft mir auch viel im Haushalt. Das klappt wunderbar bei uns. Klar hätten wir uns auch gerne was gekauft. Aber das ist hier ohne Unterstützung durch Dritte (also die reiche Erbtante oder so) eh fast nicht möglich.
    LG, Tina

    • Liebe Tina, ist ja witzig, fast wie bei uns. Ja, in der Tat ist ein eigenes Häuschen in Großstädten ein unglaubliches Luxusgut. Aber ich finde, eure Lösung klingt echt prima. Wichtig ist einfach, dass alle sich wohl fühlen und Eltern das Gefühl haben, an einem Strang zu ziehen! Wüsche euch das Beste, Laura

  3. Liebe Laura,
    man kann es nicht allen Recht machen;)
    Ich folge deinem Blog jetzt seit ein paar Wochen und dachte mir, jetzt ist der richtige Zeitpunkt einen Kommentar abzugeben. Diesbezüglich bin ich nämlich noch jungfräulich.
    Du schreibst mir wirklich aus der Seele. Vor einigen Wochen war ich ziemlich im Dilemma (meine ganz persönliche Zerreißprobe). Mir ging es sehr schlecht und dein Blog und die Kommentare haben mir wieder auf die Beine geholfen. Es tut einfach wahnsinnig gut zu lesen, dass man mit seinen Problemen nicht alleine dasteht und dass es so Vielen so geht. Ich dachte immer, ich wäre einfach nicht stressresistent und habe mit drei gesunden Kindern keinen Grund zu klagen. Aber es ist Fakt, dass es manchmal einfach anstrengend ist. Ich habe drei Jungs (2 mal 6 (Zwillinge) und 2 1/2). Ich arbeite aktuell noch (bis zum Ende der Elternzeit von meinem Kleinen) 40%. Danach wahrscheinlich etwas mehr. Mein Mann macht 80%. Vor 2 Wochen ist mir etwas Wunderbares passiert. Ich habe von meinem Arbeitgeber die Zusage bekommen, dass ich zum Teil im Homeoffice arbeiten kann ( meine Arbeit liegt 70km weit entfernt). Das ist wirklich ein Segen. Vor einem Jahr hat mein Mann seine Arbeitszeit reduziert. Wir waren zwar finanziell noch nie so „arm“ wie im Moment, aber trotzdem geht es uns viel besser:)
    Vielen Dank für deine wertvollen Beiträge (die mich zum Teil zum Weinen bringen und mich herzhaft lachen lassen… aber alles im guten Sinne)
    Mach weiter so!!!
    Liebe Grüße,
    Maud

    • Liebe Maud, ich freue mich so sehr über deinen lieben Kommentar. Und ich freue mich, dass deine Arbeitssituation besser wird! Mit drei Kids ist immer so viel los und ich kann dich gut verstehen. Es freut mich wahnsinnig, wenn ich mit den Texten ein wenig Erleichterung schaffen kann. Wir müssen zusammenhalten, wir Frauen! Und klasse, dass dein Mann reduziert arbeitet. Liebe Grüße, Laura

  4. Oma Wetterwachs Reply

    Zitat:
    „Es ist nämlich Blödsinn, dass eine einzige Person Haus, Haushalt, Wäsche, Termine, Kids und Co alleine schaffen kann, ohne sich aufzureiben, wenn sie „nur“ Hausfrau ist. Das hat nämlich besagte Leserin hier kommentiert, die mir den Luxusprobleme-Vorwurf machte.“

    Dazu möchte ich auch gerne etwas schreiben:
    So ganz „Blödsinn“ ist es nicht. Genau das mache ich nämlich. Ich kümmere mich um ganau das alles und habe sogar noch die Zeit, Blogs zu lesen und Kommentare zu schreiben. Und gestresst bin ich nur in Ausnahmefällen. Da unterstützt mich natürlich auch mein Mann, wenn es mir mal über den Kopf wächst. Aber er kann darauf vetrauen, dass ich es sonst auch alleine hinkriege.

    • Hallo, in 95% der Fälle läuft das bei uns auch so (mein Mann sitzt ja nicht den ganzen Tag im Geschäft und wartet auf einen Anruf von mir, sondern er weiß ganz genau, dass ich den Laden im Griff habe :-D). Ich habe Zeit einen Blog zu schreiben und bin (meistens) nicht gestresst ;-). Aber ich finde es einfach toll, zu wissen, dass ich ihn anrufen kann wenn alle Stricke reißen und er mich gern unterstützt. Hier in unserem Umfeld erlebe ich oft das Gegenteil, nämlich dass manche Frauen wirklich ‚alleinerziehend mit Mann‘ sind und das wäre für mich keine Option, Familie zu leben. Es geht um die gegenseitige Wertschätzung dafür, was der andere leistet – ob das jetzt im bezahlten Job ist oder unbezahlt in der Familie spielt dabei keine Rolle. LG Miri (die aus Lauras Beispiel oben)

    • Liebe Oma Wetterwachs, wie alt sind denn deine Kinder und sind sie einen Teil des Tages außer Haus (von Miri habe ich gelesen, dass keines mehr ganz zu Hause ist)? Unsere sind ca. 3,5 und 1,5 und sind den ganzen Tag zu Hause. Mein „Arbeitsalltag“ mit Kindern & Haushalt (den ich derzeit sehr minimalistisch führe) geht definitiv über 40 h hinaus, und Bereitschaft habe ich sowieso 24/7. Es gibt bessere und schlechtere Phasen, jedenfalls bin ich öfter als nur in Ausnahmefällen gestresst (obwohl: ich bekomme Übung!). Mein Mann unterstützt mich, so gut er kann, aber das beschränkt sich meist auf relativ kurze Zeit am Abend und manchmal am Wochenende (an diesem Umstand sind wir natürlich selbst schuld, denn wir „gönnen“ uns noch eine Hausbaustelle, auf der er sich in seiner „Freizeit“ abrackert). Blogs lese ich auch, weil es mir für meine persönliche Meinungsbildung wichtig ist. Die Zeit nehme ich mir. Meistens halt erst nach Mitternacht. Ich glaube, dass das Alter der Kinder und ihr Betreuungsbedarf eine wesentliche Rolle spielt. Jedenfalls wäre es für mich derzeit (wenn ich mir die Baustelle wegdenke) absolut indiskutabel, wenn mein Mann fände, dass er nach seinem Job in der Firma seinen Teil für die Familie schon erledigt hat… Ich bin grundsätzlich gerne bei meinen Kindern und habe mich ja auch bewusst dafür entschieden, aber ich möchte nicht behaupten, dass alles so easy wäre. Oder ich kenne einfach irgend einen Kniff noch nicht, den ihr alle draufhabt!

      • Liebe Angela, ich will Dir einfach kurz Mut zusprechen – ich weiß noch ganz genau wie es damals war, als die Kids noch richtig klein waren, so wie Deine jetzt. Das fand ich zwar total schön, aber zeitweise auch sehr anstrengend (wir haben auch gebaut in der Zeit und mein Mann war nach der Arbeit bis spät Abends auf der Baustelle, weil er viel selbst gemacht hat). Aber in ein paar Jahren wirst Du Dich fragen, wo die Zeit geblieben ist… ich weiß, das sagt sich immer so leicht, wenn man nicht (mehr) selbst drinsteckt, aber mein Nesthäckchen ist jetzt 5 und ich kann es einfach nicht fassen, wie schnell das vorbei ging. Meine drei Großen sind in der Schule und die Kleine vormittags im Kindi, aber um kurz nach zwölf sind alle wieder hier und der Trubel ist da – das ist jetzt aber einfach ein anderer Trubel als damals ;-). Ich sehne mich manchmal wieder nach der ‚Kleinkindzeit‘, ohne Schulstress, Lernen, Arbeiten schreiben, Vereine… unser Tagesablauf war einfach viel entspannter. Ich wünsch Dir viel Kraft für jeden Tag und vor allem viel Freude an und mit Deinen Süßen – die Zeit und Geduld und Liebe die Du jetzt in sie investierst ist nicht umsonst :-). Liebe Grüße von Miri

      • Liebe Miri, hab vielen Dank für deinen aufmunternden Kommentar, über den ich mich wirklich sehr gefreut habe! Im Grunde weiß man das ja eh alles 😉 Aber wenn man mittendrin steckt, fehlt einem einfach oft der Weitblick. Und dann gehen mir so Kommentare, dass ja eh alles easy ist für den/die, der/die „nur“ zu Hause ist, eben gegen den Strich. Denn in Familien mit kleinen Kindern (und von denen ist auf diesem Blog naturgemäß meistens die Rede) halte ich das für eine absolute Ausnahmeerscheinung. Dennoch: meidstens genieße ich die Zeit! 🙂 Liebe Grüße, Angela

  5. Oma Wetterwachs Reply

    Huhu! Hier meldet sich die Luxusthema-Kommentar-Schreiberin!

    Also dass du auf diesem Luxusthema-Thema so lange herumreitest, obwohl ich mehrfach (!) erwähnt hatte, dass dieser Hinweis einfach nur an nach mir folgende Leser, die vielleicht wesentlich schlimmere Probleme haben und sich durch MEINE (!) Argumente (z.B. dass das klassische Rollenmodell vielleicht doch ganz okay ist und ICH das 50/50 Modell fragwürdig finde. Das funktioniert natürlich nur bei Gutverdienern.) getriggert fühlen. Das hatte mit dir reichlich wenig zu tun. Ich hoffe, du verstehst jetzt, was ich meine. Dieses Missverständnis nervt langsam …

    Natürlich kann man das Thema ansprechen. Natürlich ist es auch für Mittel- bis Gutverdiener wichtig, über solche Themen zu sprechen.

    ABER bis auf diesen oben stehenden Text hier, erschienen all deine vorherigen Blogeinträge sehr einseitig. Ich schreib jetzt einfach mal, was bei mir so ankam:

    Mütter wollen Teilzeit arbeiten, deshalb sollen sie das auch leichter umsetzen dürfen. Dafür kämpfst du.

    Schuld ist zwar die Gesellschaft, aber unterschwellig gibst du in deinen Texten über Männer immer wieder auch den Vätern eine beachtliche Mitschuld am Dilemma (was ich mehr als unfair finde).

    Frauen (und Männer) die sich für das klassische Rollenmodell entscheiden, akzeptierst du zwar, aber dass dieses Rollenmodell für Eltern leichter umsetzbar ist (das ist es nämlich ganz und gar nicht! Dass einer arbeitet (egal ob Frau oder Mann oder welcher Elternteil auch immer) und einer die Betreuung der Kinder und die Hausarbeit übernimmt, ist nämlich in unserem System nicht minder schwierig umsetzbar. Meist müssen beide arbeiten, damit es reicht. Oder stark verzichten.), dafür machst du dich leider nicht im Geringsten stark.

    ICH finde einfach, dass du dich nur den Müttern, die Teilzeit arbeiten wollen, widmest. Alle anderen sind zwar irgendwie auch ok, müssen aber nicht tiefer thematisiert werden.

    • „Dass einer arbeitet (egal ob Frau oder Mann oder welcher Elternteil auch immer) und einer die Betreuung der Kinder und die Hausarbeit übernimmt, ist nämlich in unserem System nicht minder schwierig umsetzbar. Meist müssen beide arbeiten, damit es reicht. Oder stark verzichten.), dafür machst du dich leider nicht im Geringsten stark.“

      Ich würde mich für dieses Modell auch nicht stark machen. Ich sehe es bei meinen Eltern. Die Rente meiner Mutter wird einmal ein Witz sein, obwohl sie 4 Kinder groß gezogen hat. Ich finde es heutzutage fast schon kritisch, wenn einer sich entscheiden sollte, daheim zu bleiben. Man macht sich extrem abhängig vom Partner. Sollte es irgendwann einmal nicht mehr klappen, dann steht man mit Lücken im Lebenslauf da, die bei einer Bewerbung nie gut aussehen. Man ist raus aus dem Berufsleben, hat evtl. technische Fortschritte verpasst und findet den Anschluss nur noch schwer. Sollte man das Sorgerecht auch noch übernehmen (und meistens übernimmt gerade die Nichtarbeitende Hälfte das Sorgerecht) kommen extrem anstrengende Jahre auf einen zu. Und bei Berechnung der Rente beißt man ebenfalls in den sauren Apfel.
      Ich glaube, dass das Modell einfach keine Zukunft mehr hat. Ich selbst würde es auch gar nicht wollen, wenn es finanziell gehen würde.
      Vielleicht ändert sich was im Zuge der Digitalisierung. Wenn das Arbeitsumfeld vieler sich verändert und man flexibler arbeiten kann. Hier sind Politik und Wirtschaft am Zug. In dem Zusammenhang wird auch immer wieder das Bedingungslose Grundeinkommen diskutiert.

      • Oma Wetterwachs

        … und deshalb gibt es keine Entscheidungsfreiheit mehr …

        Wer sich (wie ich) für das klassische Modell entscheidet, zieht den Kürzeren. Es steht zwar überall, dass man sich selbst für ein Modell entscheiden soll, aber im Endeffekt nur dann, wenn es das „richtige“ Modell ist.
        Denn mal ganz ehrlich: Das klassische Modell können sich die wenigsten leisten. 50/50 schon eher. Oder 60/40 oder was weiß ich. Und darum empfinde ich es als einen Witz, überall herumzuposaunen, dass Frauen sich selbst entscheiden sollen, wenn hinter hervorgehaltener Hand aber nur gemeint ist: „Solange sie sich für die Arbeit und gegen Selbstbetreuung entscheiden.“

    • Ich finde schon, dass Laura sich grundsätzlich für Wahlfreiheit stark macht. Dass das in ihrem Umfeld meistens eine „gerechtere“ Aufteilung von Job und Familie zwischen den Partnern bedeutet, ist einfach ihre Erfahrung. Jetzt hat sie aber z.B. auch Miri vorgestellt. Ich kenne auch einige Mütter, die wirklich gerne wieder arbeiten gehen wollen – nicht primär aus finanziellen Gründen. Dass diese das können sollen, wenn sie tatsächlich wollen (und nicht, weil es sich sonst finanziell einfach nicht ausgeht), ist einfach ein großes Thema. Ich selbst habe dazu derzeit überhaupt keine Motivation – kann natürlich gut sein, dass sich das ändert, wenn die Kinder älter sind und mich nicht mehr so intensiv brauchen.

      Ich finde es auch ok, die Väter verstärkt in die Pflicht zu nehmen (manche nehmen diese Pflicht eh schon ernst, aber die meisten eben nicht) – viele Rechte, die wir Frauen heute haben, mussten auch vor gar nicht allzu langer Zeit erst von Frauen hart erkämpft werden. Und auch damals war „die Gesellschaft“ schuld. Die Gesellschaft sind wir!

      Ich habe keine Ahnung, wie das politisch ausschauen könnte, aber ich fürchte, die wirkliche Wahlfreiheit für alle (und ja, es gibt sehr verschiedene Lebensentwürfe!) ist sehr, sehr schwer umzusetzen. Irgend eine Gruppe fühlt sich immer benachteiligt. Hinzu kommt, dass es für den Staat wirtschaftlich (und meinungspolitisch) viel interessanter ist, wenn alle arbeiten gehen und die Kinder möglichst früh fremdbetreut werden…

      Dass das klassische Rollenmodell (auch) nicht „geschenkt“ ist, da stimme ich Oma Wetterwachs durchaus zu. Tinas Argument, sich für dieses Modell NICHT stark zu machen, halte ich allerdings für fadenscheinig, denn da beißt sich ja die Katze irgendwie in den Schwanz. Dass die Rente mal ein Witz sein wird, ist eine (gewollte?!) politische Rahmenbedingung, die sich beim entsprechenden Willen genauso gut ändern ließe, wahrscheinlich sogar leichter (weil die Arbeitgeber nicht gefragt werden müssten) als die Rahmenbedingungen für eine bessere Job&Familien-Aufteilung. Dass Kinderbetreuungszeiten als Lücke im Lebenslauf betrachtet werden, ist auch ein gesellschaftliches Phänomen, das so nicht sein müsste.

      Ich glaube auch nicht, dass es mir persönlich gut täte, langfristig wirklich nur zu Hause zu sein. In meinen alten Job kann ich aus verschiedenen Gründen nicht zurück und würde es auch gar nicht wollen – zu sehr haben sich meine Interessen mit der Mutterschaft gewandelt. Aber ich könnte mir z.B. gut vorstellen, mich ehrenamtlich irgendwo zu engagieren. Aber das bringt halt auch keine finanzielle Absicherung. In Ö ist man, glaube ich (!), immerhin noch besser dran als in DE was die Anrechnung der Kinderbetreuungszeiten auf die Pension anbelangt.

      • Liebe Angela,
        ganz lieben Dank, dass du dir die Mühe für so einen langen Kommentar gemacht hast. In der Tat geht es mir in erster Linie darum, dass Eltern im besten Fall die Wahl haben, wie sie ihr Leben gestalten. Und wenn Mütter (oder Väter) zuhause bleiben wollen und die Care-Arbeit machen möchten (oder keine andere Wahl haben), ist das ein wertvoller und guter Job. Und natürlich ist diese Tätigkeit für viele Eltern schlichtweg bereichernd. Immer wieder schreibe ich hier auf dem Blog über die Ungerechtigkeit, dass Care-Arbeit bei uns in Deutschland nicht ausreichend gewertschätzt wird, zum Beispiel auch durch höhere Rentenpunkte oder soziale Anerkennung. Du hast das auch anklingen lassen. Da gibt es tolle Bücher darüber, die darauf hinweisen, die ich oft empfohlen habe, zum Beispiel von Nina Strassner oder Susanne Garsoffky. Stark machen möchte ich mich aber auch für Frauen, die zurück in ihren Beruf wollen. So ging es mir ja auch. Schwierig finde ich in solchen Diskussionen immer, dass die eine Frau der anderen ihren Wunsch nicht gönnt. Wieso versetzen sich die Frauen, die arbeiten wollen, nicht in die Lage, dass es andere gibt, die es nicht möchten? Vermutlich fragen sie sich (zu unrecht) schuldbewusst, warum sie nicht bei den Kindern bleiben und dieses negative Gefühl entlädt sich dann auf Wut auf die Hausfrauen. Andersrum ist es genauso. Wieso aktzeptieren manche Frauen, die nicht erwerbstätig sind, dass es Frauen gibt, für die der Job wichtig ist und die eben nicht nur zuhause bei den Kindern bleiben wollen? Und lassen sie auch dafür kämpfen? Vermutlich stecken ähnliche Gefühle hinter. Es tut gut, Kommentare wie den deinen zu lesen. Er ist zielführend und wertschätzend und bringt uns weiter, denn der Austausch untereinander ist wichtig. Beste Grüße von Laura

      • Ja da stimme ich Dir auch zu, Angela. Eine ECHTE Wahlfreiheit gibt es nur, wenn der Staat BEIDE Möglichkeiten gleichermaßen unterstützen würde – egal ob die Frau erwerbstätig sein, oder zu Hause bleiben möchte. Heute haben viele Familien diese Wahlfreiheit eben nicht, weil es finanziell sonst nicht reicht. LG Miri

      • Liebe Laura,
        die Diskussion ist nun schon ziemlich lang und in der Chronologie weit unten, trotzdem möchte ich für spätere LeserInnen noch etwas hinzufügen:
        Mir ist auch noch nicht ganz klar, welche Mechanismen da wirken, aber ich denke, das mit dem schlechten Gewissen bzw. Schuldbewusstsein trifft’s ganz gut. Irgendwie haben wir Mütter es leider noch nicht ganz heraußen, wie wir uns gegenseitig wertfrei unterstützen können…
        Bei all meinem „Unverständnis“ erwerbstätigen jungen Müttern gegenüber (ich verwende hier bewusst diesen meist negativ behafteten Ausdruck, wobei er hier rein ausdrücken soll, dass es für mich derzeit einfach absolut nicht vorstellbar ist) bin ich ihnen im Grunde genommen dankbar. Das wurde mir bewusst, als ich einen großartigen (inzwischen schon gut zwei Jahre alten) Gastartikel von Liz von kiddothekid bei Mareice im Kaiserinnenreich gelesen habe: http://kaiserinnenreich.de/2015/10/27/die-veraenderung-in-der-welt/
        Ich glaube, dass ihr erwerbstätigen jungen Mütter die (Arbeits-)Welt ein ordentliches Stück besser, toleranter und menschlicher macht – so wie generell Heterogenität und Diversität im Leben ein Gewinn sind, wenn man es nur schafft, sie richtig zu nutzen… Ihr kämpft für familienfreundlichere Arbeitsbedingungen und bringt andere (familienbezogene) Sichtweisen ein, zu denen die meisten Männer dieser Arbeitswelt sonst nie Zugang bekommen würden. Ich wünsche euch also besonders viel Kraft für eure Aufgaben!! 🙂
        Beste Grüße von Angela, ganz ohne schlechtes Gewissen 😉

      • Liebe Angela, danke für deine ehrliche Meinung. Und na klar darfst du das alles genauso schreiben, denn solche Diskussionen bringen uns alle weiter. Besonders gefreut habe ich mich über den letzten Absatz, das greife ich auf. Beste Grüße von Laura

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