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Laura

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Schon länger frage ich mich, was Eltern für sich selbst tun können, um ihren Mental Load ein Stück zu reduzieren. Vor allem alleinerziehende Mütter und Väter wird die Frage interessieren, die aktuell niemanden haben, mit dem sie die mentale Last teilen können. Die ultimative Lösung aller Probleme wird es so schnell nicht geben, dafür brauchen Familien in erster Linie gesamtgesellschaftliche Unterstützung wie flächendeckende Kindergartenplätze und Ganztagsschulen mit Sportangeboten und intensiver Hausaufgabenbetreuung. Aber so lange das noch in den Sternen steht, können wir auch etwas im Privaten tun. Mutter unter Druck Seit Jahren wird Elternschaft immer professioneller. Es gibt kaum ein Thema, zu dem es keinen Ratgeber gibt, und wir planen viele Ereignisse wie Großprojekte. Kindergeburtstage, Buffetbeiträge fürs Kindergartenbuffet, selbstgenähte Kostüme zu Fasching – viele Eltern hängen sich beim Selbermachen richtig ins Zeug und achten bei Kleidung und Nahrung auf beste Qualität. Manchmal scheint es, als wären selbstgebastelte Schultüten und Wolle-Seide-Bodys…

Mich erreichte eine Mail von Christine Steinhart, die sich wie viele andere Eltern einschließlich mir über die Situation für Familien in der Corona-Krise ärgert. Sie hat mir einen Text geschickt, den ich hier als Gastbeitrag veröffentlichen darf, und der das Problem skizziert. Ende April hat das Kultusministerium beschlossen: Ab dem 18. Mai sollen Kindertageseinrichtungen ihr Betreuungsangebot wieder schrittweise ausbauen – doch noch immer fehlt dafür jeglicher Plan. Träger und Einrichtungen warten auf ein Signal der Stadt, die Stadt wartet auf die Rechtverordnung des Landes. Und Eltern warten auf Informationen – vergeblich. Seit mittlerweile zwei Monaten sind die Kindertagesstätten aufgrund der Krise geschlossen – eine schwierige Situation für Familien. Erschöpfte Mütter und Väter melden sich nach ihrem Spagat zwischen Kinderbetreuung und Arbeit zu Wort, wütende Mütter schreiben wütende Blogartikel mit Worten, die sie ihren Kindern verbieten würden. Aber nicht nur die Betreuungsarbeit wird für Eltern zur Belastungsprobe. Die wochen- und monatelange…

Das Problem erklären Die Frage, die mir in meinen Webinaren oder auf Instagram oft gestellt wird, lautet: wie erkläre ich das Mental Load-Problem meinem Partner und wie kann ich ihn davon überzeugen, dass wir das Problem gemeinsam lösen können? Mental Load birgt ein gewisses Konfliktpotential, weil es schnell so wirkt, als sei einer von beiden Schuld an all dem. Dann ist da noch diese Angst vor dem Gespräch, dass man das Problem mit dem Mental Load nicht erklären kann oder es lächerlich erscheint. Nach wie vor gibt es da dieses Missverständnis von Care-Arbeit und Familien-Organisation als einer Tätigkeit, die Mütter aus reiner Liebe tun. Scheinbar fällt es ihnen nicht schwer, sie machen alles aus dem Stehgreif und tun es vor allem gerne. Naja, ich spiele vielleicht gerne mit meinem Kind eine Runde Ligretto oder denke mir ein Geburtstagsgeschenk aus, aber nahezu die Hälfte all der Aufgaben tue ich nicht gerne,…

Mental Load bedeutet, den Kopf voll zu haben mit Aufgaben, die es zu erledigen gilt. Jede für sich ist oft keine große Sache, aber in der Summe werden die To-dos zu einem  riesigen Berg. Care-Arbeit ist eine Tätigkeit, die den Mental Load besonders fördert, und wird nach wie vor meist von Frauen gemacht, weshalb Mental Load vor allem ein Problem vieler Mütter ist. Grund genug, sich endlich mit den Folgen, dem Wert und der Wirtschaftsleistung dieser unsichbaren Arbeit auseinander zu setzen. Warum qualmt Menschen, die Care-Arbeit verrichten, der Kopf besonders stark und was ist der Unterschied zu einem Job am Computer oder am Fließband? Schauen wir uns doch mal an, was es zuhause alles zu tun gibt. Auf kleine Kinder aufzupassen ist zum Beispiel auch deshalb so anstrengend, weil sie laufend Bedürfnisse haben. Sie haben Hunger, sie sind müde und erschöpft, möchten spielen, müssen auf die Toilette, brauchen Hilfe, Motivation,…

So langsam fällt uns hier mehr und mehr die Decke auf den Kopf. Niemals zuvor waren wir so viel zuhause und manchmal kann ich unsere sonst so geliebten vier Wände nicht mehr sehen. Ob das mit dem Sommerurlaub klappt, ist ungewiss, meine Vorträge sind abgesagt und auch meine heiß geliebte Blogfamilia-Konferenz, auf die ich mich so gefreut habe, kann nicht stattfinden. Dabei habe ich so Lust auf Berlin! All meine Sehnsichtsorte kann ich nur in Gedanken besuchen, aber so ist es nun einmal. Verreisen in Zeiten von Corona geht am besten mit einem guten Buch. Darum stelle ich dir mal drei Bücher vor, die ich in den letzten Wochen verschlungen habe. Sie sind auch eine kleine Auszeit aus der Krise und ich gebe zu, auch eine Auszeit von meiner Familie. Fangen wir an mit Superbusen von Paula Irmschler Eine junge Frau gründet mit ihren Freundinnen eine Band namens Superbusen und…

Kinderschmerz In der Kindergarten-WhatsApp-Gruppe werden gerade Filme geteilt, die einem ans Herz gehen. Die kleine Mia, drei Jahre, schluchzt in die Kamera: „Sofia, ich vermisse dich so.“ Sofia, das ist unsere Erzieherin. Immer gut gelaunt, liebt Kinder bis zum Mond und zurück und hat die tollsten Bastel- und Spielideen der Welt. Wann Mia und unser Oskar Sofia wiedersehen, ich ungewiss. Bis zum Sommer sollen die Kindergärten zu bleiben, viel mehr konnte man dazu in den Medien nicht lesen. Auch Erik und Daniel haben Videos geschickt. Die beiden Jungs sind traurig, weil sie ihre Freunde nicht sehen. Sie vermissen den Bauwagen, den Matschberg und den Kletterbaum und fahren jeden Tag mit ihren Eltern am Kindergarten vorbei, um selbstgemalte Steine in die Steinschnecke zu legen, die die Erzieherinnen und Erzieher in der Corona-Krise initiiert haben, und die täglich wächst. Ein Zeichen, das sie alle noch da sind, die Kinder, die sonst nirgendwo…

Mutter weiß Bescheid „Wenn mein Mann die Wäsche wegräumen soll, legt er sie stapelweise in die Zimmer, ohne sie in die Schränke einzusortieren. Seine Begründung: er weiß nicht, wo die Kleidungsstücke hingehören. Ein Teil der Arbeit bleibt wieder an mir hängen und ich darf mich mit dem Sortieren rumschlagen“, klagte eine befreundetete Mutter. Dabei ist das ja nur ein Sinnbild für die Grundproblematik von Mental Load. Mamas funktionieren oft als Gehirn der gesamten Familie. Sie wissen eben, dass die blauen Socken in Größe 36 in die Schublade des Sohnes gehören, die schwarzen kurzen mit der 38 drauf in ihren eigenen Kleiderschrank, die nahezu identischen mit dem engen Bund in Größe 43 in Papas Strumpfkiste und alle bunten mit Schmetterlingen in die der Tochter. Sie wissen es, weil sie sich damit beschäftigen. Denn seien wir mal ehrlich, wer jeden Tag im Büro Dateien in entsprechende Ordner verschiebt, kann auch Socken sortieren.…

Oft habe ich gedacht, ich bin ein Alien unter den Müttern, gehöre nicht dazu und kriege den Job auch nicht ordentlich hin. Jedenfalls gelang mir die Umstellung nicht sehr geschmeidig, als mein erstes Kind geboren wurde, und ich war erschrocken, wie schmerzhaft Müdigkeit sein kann und wie sehr ich Ruhe und Freiheit vermissen würde. All das ist neun Jahre her, aber manchmal fühle ich mich immer noch wie ein Eltern-Alien. Vor allem dann, wenn ich das Gefühl habe, vor meiner Familie flüchten zu müssen, weil mir alles zu viel wird. (Stichwort Panic Room) Darf ich vorstellen: ich, hochsensibel Jedenfalls nahm ich neulich ein Buch zur Hand, das ich als Rezensionsexemplar geschickt bekommen hatte, und fand mich darin wieder wie niemals zuvor. Kathrin Borghoff, die Autorin, kenne ich von ihrem Blog ÖkoHippieRabenmutter und habe sie auch schon persönlich getroffen. „Hochsensibel Mama sein“ (Affiliate Link) lautet der Titel und manchmal hatte ich…

Fürsorge ist eine sehr bereichernde Arbeit. Ein Kind trösten, wenn es sich weh getan hat, für Freunde da sein, wenn es ihnen nicht gut geht, dafür sorgen, dass es alten und kranken Menschen besser geht, indem wir uns kümmern – es gibt kaum einen besseren Grund, sich anzustrengen. Ohne die Sorge füreinander geht es nicht, das spüren wir jetzt in der Krise besonders stark. „Fließbänder kann man stillstehen lassen, Kinder und Schwerkranke alleine zu lassen, ist unmenschlich“, schreibt Barbara Vorsamer in der Süddeutschen Zeitung (Bezahlschranke). Das macht deutlich, dass Fürsorge nicht nur bereichernd, sondern auch überlebensnotwendig ist. Diskriminierung von Fürsorge Wäre es nicht an der Zeit, diese Fürsorge-Arbeit endlich zu würdigen, sie besser zu entlohnen und sich einmal damit zu beschäftigen, was das für Folgen hat für die, die diese Arbeit ausführen? Auch wenn Väter sich mittlerweile viel selbstverständlicher um ihre Kinder kümmern, als sie das noch Generationen zuvor getan…

Schon vor der Krise war er mein Rettungsort: der Panic Room. Immer mal wieder eskalierten es bei uns nachmittags. Meist stritten sich die Kinder über irgendetwas. Luise schrie und rannte Jimmy hinterher, Oskar verteidigte sie. Jimmy schlug zurück und alle lagen auf einem Haufen. Ewige Diskussionen folgten, Schuldzuweisungen und lautes Brüllen. Geschwisterstreit An manchen Tagen kann ich es gut ab. Ich weiß es einzuschätzen, denn auch Anton und ich haben früher  mit unseren Geschwistern gestritten. Drei Kinder ist eine ungünstige Konstellation, immer bleibt eine(r) übrig. Ich helfe dann beim Klären oder trenne die Streithähne, lenke ab und tröste. An anderen Tagen bin ich dazu nicht immer in der Lage. Ich hatte viel Arbeit und keine Pause, bekomme wetterbedingte Kopfschmerzen, war müde oder schlecht gelaunt. Dann explodierte ich, stimmte mit ein in die Brüllerei, haute auf den Tisch und drohte mit Süßigkeitenentzug und „nie wieder Peppa Wutz“. Völlig daneben, ich weiß,…