Author

Laura

Browsing

Die wunderbare Marlene Hellene hat neulich mal wieder eine ihrer grandiosen und treffsicheren Feststellungen gepostet: Wussten Sie, dass es ausschließlich Müttern möglich ist, Geburtstagsgeschenke für Kinder zu besorgen oder Fragen nach Geschenkewünschen des Kindes zu beantworten? Ich wusste das auch nicht. Und wie es nicht anders von Twitter zu erwarten ist, hagelte es direkt Kommentare von Männern, die sich durch diese These auf den Schlips getreten fühlten. Ja, sich mit den eigenen Privilegien auseinander setzen zu müssen ist nicht einfach, das weiß ich. Es geht mir selber so, wenn ich Tweets von Schwarzen Menschen lese, die den weißen Rassismus zutage fördern, den wir manchmal alle nicht wahrhaben möchten. Wir wollen gute Menschen sein und wenn das in Frage gestellt wird, weil wir privilegiert sind, tut es weh und wir beginnen, uns zu verteidigen. Leider wissen wir im tiefen Inneren, dass all das wahr ist. Achtung: Privilegien Leider ist es so,…

Es gibt Tage, die fallen heraus aus dem Alltag, und zwar in ganz besonderer Weise. Gestern war so ein Tag, denn als der Postbote schellte und mir ein dickes Paket übergab, wusste ich sofort Bescheid: Die Wackelzahnpubertät ist da! Gemeint ist natürlich mein Buch, mein allererstes selbst geschriebenes Buch. Letztes Jahr ging mein Wunsch in Erfüllung, von dem ich schon als Kind träumte. Wenn man dann ein Exemplar mit dem eigenen Namen in den Händen hält, das es bald richtig und in echt zu kaufen gibt, dann ist das natürlich grandios. Und darum gehts: die Wackelzahnpubertät, das ist die Altersphase von 5 bis 8/9 Jahren, also das Vor- und Grundschulalter. Es gibt so viel zu entdecken, die Kinder entwickeln immer mehr individuelle Interessen, ihre Persönlichkeit schält sich heraus und wir wissen noch genauer, wen wir da vor uns haben: einen ganz wunderbaren Menschen, der unser Leben reicher macht. Aber an…

Mama, wo sind meine Pokémon-Karten? * Sag mal, Laura, hast du eine Ahnung, wo ich meinen Geldbeutel hingelegt habe? * Was wünschen sich die Kinder eigentlich zu Ostern? * Mama, wo ist mein Eselchen? * Wie hieß nochmal dieses Restaurant, in dem wir neulich essen waren? Wann Schulferien sind? Das weiß Laura am besten! Ich würde den Kindern gerne neue Sandalen kaufen, aber Anton weiß die Schuhgröße nicht. Kannst du sie mir bitte durchgeben? Mama, wann muss ich das Referat für das Leseprojekt fertig haben? Laura, du kannst dir das immer so gut merken: wie war nochmal gleich der Code für das Fahrradschloss? Und hast du eigentlich meine Wollmütze gesehen? Mama ist das Familien-Backup, auf das sich alle verlassen. Mama weiß Bescheid, denn sie ist ein wandelnder Kalender, eine Wünschelrute mit siebtem Sinn für Kuscheltiere, weiß alles in Sachen Büro-, Schul- oder Kindergartentermine und kennt die Kleidergrößen aller Familienmitglieder. Sie…

Lebenswerk von Rachel Cusk Wenn Mütter über ihr Leben mit Kindern erzählen, muss es ein Happy End geben. Denn wo kommen wir da hin, wenn Frauen anfangen, ein paar bittere Wahrheiten zu Papier zu bringen? Immerhin lebt unsere Gesellschaft davon, dass Frauen Kinder bekommen und dann oft ohne Wenn und Aber zuhause sind, Babybrei kochen, Krabbelgruppen besuchen und sich intuitiv und liebevoll ihrer Passion hingeben: sich anderen Menschen zu widmen und selbst im Hintergrund ihres Lebens Platz zu nehmen. Frauen, die Mutterschaft nicht immer nur in rosigen Bildern malen, ernten Kritik, das ist nicht erst seit Orna Donaths Studie mit dem Titel „Regretting Motherhood“ so. Aber auch Rachel Cusks Roman „Lebenswerk. Über das Mutterwerden“ wurde unterschiedlich aufgefasst und vor allem Frauen reagierten wütend auf die sehr ehrliche Schilderung des Mutterwerdens. Es darf nicht geschrieben werden, was nicht sein darf, denn würden wir zugeben, dass es nicht nur traumhaft ist, was…

In meinem Kühlschrank steht ein Joghurtbecher mit Skyr, einer isländische Spezialität. Auf dem Becher ist ein bärtiger Mann abgebildet, mit dem ich mich abends ab und zu austausche. Wir sprechen über Kinder, Feminismus und das Land meiner Träume: Island. „Hey Sigurdsson“, sage ich, als ich den Kühlschrank aufmache. Ich habe gerade den Tisch abgeräumt und die Butter zurück in den Kühlschrank gestellt, als ich den schönen Isländer auf dem Joghurt-Becher erblicke. „Hei Laura, prima Wetter heute!.“ „Mir ist nicht nach Smalltalk, lieber Sigurdsson, mir ist eher nach einer guten Konversation zumute. Daher habe ich eine Frage an dich: wie macht ihr Isländer es, dass bei euch alles so gut läuft mit der Gleichberechtigung? Wieso gibt es bei euch keine Machos, die sich zu schade sind für die Hausarbeit und die Kinderbetreuung?“ „Ach Laura, Machos gibt es bei uns auch. Wir Isländer finden uns ziemlich toll, aber wir finden Frauen eben…

Und, was hast du heute so gemacht? Ach, nicht viel, irgendwie ist der Tag an mir vorbeigerauscht. Dann erzähl doch mal! Also morgens habe ich Frühstück für die Kinder gemacht, ihnen die Brotboxen gefüllt und ihnen geholfen, sich anzuziehen. Etwas später bin ich zur Arbeit und habe in der kurzen Kaffeepause mit meiner Freundin telefoniert, der es gerade nicht so gut geht. Nach dem Mittagessen bin ich schnell nach Hause gefahren, habe die Kinder in Empfang genommen und mit ihnen Hausaufgaben gemacht. Anschließend sind wir zusammen zu meiner Großtante ins Krankenhaus gefahren. Sie hatte einen Schlaganfall und freut sich immer so über Besuch. Den Sohn haben wir erst beim Fußballtraining abgesetzt und hinterher wieder abgeholt. Dann war es schon Zeit fürs Abendessen. Mein Mann ist gerade auf Geschäftsreise, daher habe ich die Kinder alleine ins Bett gebracht. Ich war abends richtig platt und hatte doch das Gefühl, vieles nicht geschafft…

Wie spreche ich nur über Mental Load und wie erkläre ich meinem Partner, dass ich so viel um die Ohren habe mit all der Familien-Organsation? Und wie vermeide ich dabei diese nervigen Schuldzuweisungen, die zu nichts führen? Ich habe da mal einen Brief geschrieben, den du gerne verwenden oder umschreiben darfst. Oder er inspiriert dich zu deinem ganz eigenen? Lieber XXX, gestern haben wir uns wieder gestritten. Der Grund war eigentlich lächerlich, denn es ging um die Windeln, die du nicht gekauft hast. Ich habe mich beschwert und du hast mir geantwortet, dass ich schließlich nichts gesagt hätte, als ich dir den Einkaufszettel in die Hand gab. Mein Vorwurf an dich war dann der, dass du selber einmal an etwas hättest denken können. Aber eigentlich ist genau das unser Problem. Ich denke an alles und delegiere an dich. Du führst aus und hast Feierabend. Ich habe nie Feierabend, wirklich nie.…

Von kleinen Auszeiten, meinem neuen Buch und einer Podcastfolge Gestern habe ich mir freigenommen und bin in die Therme gefahren. Es war wundervoll! Ganz in Ruhe habe ich mich umgezogen, bin durch die Saunas gezogen, geschwommen und habe mich im heißen Whirlpool durchstrudeln lassen. Anschließend konnte ich duschen und meine Haare föhnen, ohne dass Jemand etwas von mir wollte. Um den Abend perfekt zu machen, holte ich noch Pizza von unserem Lieblingsitaliener. Warum mache ich das nicht einfach öfter? Ich habe oft beschrieben, wie Anton und ich unsere Termine koordinieren. Wer kümmert sich um die Weihnachtsfeier im Kindergarten, wer geht mit dem Kind zum Logopäden, wer macht die Steuererklärung? Aber wir vergessen immer, die allerwichtigsten Termine zu koordinieren: die Zeit für uns. Deshalb werden wir im nächsten Jahr eine sehr wichtige Rubrik in unser Trello-Board aufnehmen. Darin notiere ich dann auch die Termine für mich. Friseur, Massage, Schwimmbad, Wochenende bei…

Gestern war der zweite Tag in Folge, an dem ich zitternd vor Wut im Auto saß. Mir klopfte das Herz und ich war außer mir, auch wenn der Grund simpel schien. Ein Kind, drei Jahre alt, gebeutelt von ein paar Entwicklungsschritten und Müdigkeit. Kenne ich, erlebe ich jetzt das dritte Mal, ist alles ganz normal. Was sich nicht normal anfühlt, ist meine eigene Aggression. Denn in meinem Kopf passt sie nicht in das Mutterbild, das ich habe. Mütter sind geduldig und lieb, sie trösten und nehmen in den Arm. Ich aber sitze hier im Auto und möchte gerne etwas kaputt schlagen. Oskar saß im Möbelhaus glücklich in seinem Einkaufswagen. Um der heimischen Enge zu entfliehen, haben wir uns zu diesem Ausflug entschlossen. Es war ein besonderer Einkaufswagen, ein kleines Auto, das man herumschieben kann. Wir mussten es hinterher auf dem Parkplatz zurücklassen, Oskar aber wollte das Auto behalten. Er schlug…

Neulich war es mal wieder soweit: ich habe mir ein richtig schlechtes Mutter-Zeugnis ausgestellt. Also mangelhaft, mindestens. Schlechtes Betragen, Unruhe verbreiten, kein bisschen lieb und kreativ und generell versetzungsgefährdet. Wenn das nicht besser wird, muss das Jahr wiederholt werden. Ein Traum von einer Mutter Ich habe so ein Bild von einer guten Mutter im Kopf. Sie ist geduldig und bastelt gerne, sie liest vor und ist sehr, sehr lustig. Sie verbreitet gute Laune und lässt ihre Kinder auch mal laut sein. Tja, das ist ungefähr das Gegenteil von mir. Ich bin ungeduldig und neulich bin ich erschrocken, weil meine Tochter ein Glas auf den Teller hat fallenlassen, ganz aus Versehen. Ich habe einen Schrei losgelassen und fühlte mich wie eine nervöse Amsel im Angesicht der Katze. Was ist daran schlimm, wenn ein Glas kaputt geht? Nix! Aber ich habe ein Theater gemacht. (Ich attestiere mir selbst gerade eine extreme Form…