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Kinder erziehen

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Liebe Kinder,

dies ist ein Liebesbrief an euch! Ich finde, es ist mal an der Zeit, einen zu schreiben, denn Liebe kann man nie genug zeigen, oder? Und zwischen uns Vieren kracht es ja auch eine ganze Menge. Morgens gehts los, wenn ihr alle Drei am Tisch sitzt und streitet. Dann fällt immer irgendwann ein Becher um und ich bin richtig genervt von euch. Tagsüber ärgert ihr euch, haut euch und findet das Essen, das ich gekocht habe, doof. Abends wollt ihr weder aufräumen noch ins Bett gehen. Oh man, ist das oft ätzend. Dabei bin ich mir sicher, dass das in anderen Familien genau so ist. Und ich denke, dass sich auch in anderen Familien die Kinder streiten, vor allem, wenn sie wie Luise und Jimmy nur zwei Jahre auseinander sind. Also seid ihr eigentlich ganz normale Kinder, die tun, was Kinder eben so tun. Wenn ich mich also aufrege, dann bin ich so eine normale Mutter, wie eine normale Mutter eben ist – sie meckert ab und zu, weil ihre Nerven angespannt sind.

Ihr macht aber noch etwas anderes, als meine Nerven mit Streit und Gemecker zu strapazieren. Ihr macht mich nämlich die meiste Zeit sehr glücklich. Durch euch habe ich gelernt, dass sich mein Leben nicht um mich dreht. Das Gefühl ist schön, weil wir Erwachsenen oft nach dem Sinn des Lebens suchen. Schnell finden wir ihn dann, indem wir uns um uns selbst sorgen, um unsere Gesundheit, das Aussehen, die Sinnhaftigkeit unseres Jobs oder solcherlei Sachen. Wenn Kinder in das Leben treten, haben Erwachsene gar nicht mehr so viel Zeit, sich dauernd darüber Gedanken zu machen. Und sobald mal ein Kind krank ist, werden alle anderen Probleme sowieso ganz klein.

Weil ich euch habe, denke ich auch mehr an andere. Ich kann mir entfernt vorstellen, wie schrecklich sich eine andere Mutter fühlt, die mit ihren Kindern in ein gefährliches Boot steigt, um in einem anderen Land endlich Frieden zu finden. Ich kann es kaum aushalten, wenn ich im Fernsehen leidende Kinder und Eltern sehe, selbst wenn es um eine fiktive Geschichte geht. Und mir geht das Leid aller Lebenwesen nahe. Zuletzt habe ich beschlossen, so weit es geht auf Kuhmilchprodukte zu verzichten. Die Vorstellung, dass einer Kuh die Kälbchen nach der Geburt weggenommen werden, trifft mich tief im Herz.

Aber auch die Umwelt und deren Zerstörung betrachte ich anders. Denn ich weiß, dass es eure Erde ist, die wir mit Plastik und Abgasen verseuchen. Und der Rechtsruck in unserem Land macht mir Angst. Für euch wünsche ich mir ein tolerantes Deutschland, das Mitgefühl zeigt und Menschen nicht ausgrenzt.

Ich stelle mir außerdem vor, wie es gewesen wäre, wenn eines von euch mit einer Behinderung auf die Welt gekommen wäre. Ich würde mir dann wünschen, dass ihr teilhaben könntet wie alle anderen Kinder. Eines von euch hatte eine gefährliche Blutvergiftung, nur ein paar Tage nach der Geburt. Ich weiß, wie nahe wir an einer Katastrophe dran waren. Alle Eltern mit behinderten Kindern, die möchten, dass ihr Kind nicht ausgeschlossen wird: das hätten wir sein können.

Noch etwas hat sich verändert, nur durch euch. Ich habe viele Ängste. Um euch, um meine Verwandten, um unsere Gesundheit oder Sicherheit im Verkehr. Ich stehe jeden Tag vor der Wahl, ob ich Angst habe vor all dem, was passieren könnte und euch damit anstecke. Oder ob ich meine Ängste verdränge und sie nicht in meinen Kopf lasse, positiv und voller Zuversicht nach vorne blicke, damit auch ihr hoffnungsvoll und optimistisch sein könnt. Damit ihr voller Freude auf den Tag aus dem Haus geht und nicht mit einem Berg voller Bedenken.

Aber ich bin auch ein wenig vorsichtiger. Obwohl ich mit Fahrradhelm richtig bescheuert aussehe, ziehe ich ihn an. Ich möchte, dass ihr so lange es geht eine gesunde Mama habt.

Es gibt im Alltag so viele Kleinigkeiten, über die ich mich ärgere. Manchmal sage ich, dass ihr mir so auf die Nerven geht. Oder dass ich endlich meine Ruhe haben möchte. Vielleicht habt ihr neulich gehört, wie ich meiner Schwester zuflüsterte, dass ich gerne mal für sechs Wochen in den Urlaub fahren möchte – ganz ohne euch. Ihr macht mir das Leben ein bisschen schwer mit eurem Gezanke, der Mäkelei am Essen und diesem Gemecker und Geheule. Und ihr seid gleichzeitig das wunderbarste und wertvollste Geschenk, das mir das Leben machen kann. Ich bin glücklich, dass ich eure Mutter sein darf und dass ihr mich zu einem besseren Menschen gemacht habt.

Eure Mama Laura

Diesen Text schreibe ich für die Kampagne #LiebesbriefanmeinKind anlässlich des Weltkindertags, die Stefan vom Blog Vaterfreuden initiiert hat. Er spendet pro online gestellten Blogpost/Liebesbrief 1,00 Euro an das deutsche Kinderhilfswerk!

#Weltkindertag  #BlogparadeVaterfreuden #LiebesbriefanmeinKind

Hier findest du noch mehr der schönen Liebesbriefe:

https://rubbelbatz.de/liebesbrief-an-meinen-sohn/

https://www.facebook.com/beauty.mami.blog/posts/1929277153785400

https://schaumalher.blogspot.com/2018/09/blogparade-zum-weltkindertag.html

https://kuchenerbse.de/lass-uns-eine-zeitkapsel-bauen-liebesbrief-an-mein-kind/

https://mamablog-mamamichi.com/2018/09/23/liebesbrief-an-meine-kinder-blogparade-zum-weltkindertag/

https://heuteistmusik.de/liebesbrief-an-meine-kinder/

https://drachenmama-trotzkopfkind.jimdofree.com/2018/09/18/liebesbrief-an-mein-kind/

https://www.mumslife.de/mein-liebes-maeusekind/

https://sabirella.blogspot.com/2018/09/weltkindertag-liebesbrief-kind.html

https://www.einfachlosgebloggt.de/2018/06/27/liebesbrief-an-meine-tochter/

https://www.youtube.com/watch?v=H-llVZ2UoPs&feature=youtu.be

https://www.vegane-familien.de/ein-liebesbrief-an-meine-kinder/

https://mamastehtkopf.de/2018/09/20/liebesbrief-an-meine-kinder/

https://youdid.blog/15-jahre-mamaglueck-brief-an-meine-tochter/

https://www.mintundmalve.ch/single-post/2018/09/14/hier-sind-wir-oliver-jeffers

https://www.vatersohn.blog/ein-brief/

https://ploetzlich-mami.wixsite.com/blog/single-post/2018/09/16/Ein-Liebesbrief-an-mein-Kind

https://www.chaosandqueen.de/liebesbrief-an-mein-kind/

Luise und ich sind uns sehr ähnlich. Wir haben viel Power, im guten und im schlechten Sinne. Wir lachen viel und sind leicht zu begeistern, wir sehen die Dinge positiv und bringen gute Stimmung in den Raum, das kann man so sagen. Wir sind aber auch ziemlich schnell wütend, schreien rum und knallen mit den Türen. Noch dazu machen wir alles mit Schwung und Elan. Dabei fällt dann oft was um oder geht kaputt. Wir sind uns ähnlich und geraten vielleicht aus diesem Grund gerne aneinander. Denn in Luise erkenne ich mich und meine (unguten) Eigenschaften wieder und das sorgt in mir drin für Zunder.

Meine Tochter treibt mich in den Wahnsinn

Sie stürmt in die Küche, die kleine Dame, und will was trinken. Beim hastigen Einschenken verschüttet sie das Wasser. Das nervt mich enorm. Erst vor zehn Minuten ist mir eine Tasse Espresso auf den Küchenboden geplumpst und hat die ganze Wand versaut. Nun kann ich schon wieder aufwischen. Luise hilft, aber ist auch schnell davon geflitzt. Wie sie heute wieder aussieht! Die Leggings in Pink, das Shirt in Kunterbunt. Eine lila Strähne im Haar und die bunten Socken dazu – ich kann es kaum mit anschauen. Sie hat genaue Vorstellungen von dem, was sie trägt. Das geht mir bei meinen Sachen ganz genauso.

Und Luise brüllt. Wenn sie sich weh getan hat, ist sie eine Sirene. Sie macht alle Schleusen auf und heult los, den Mund offen, die Augen zusammengekniffen, der Ton löst ein Pfeifgeräusch in meinen Ohren aus und macht mich wahnsinnig. Bin ich selbst anders? Nein, kein bisschen. Ich bin Frau Laut. Mich hört man auch zwei Straßen weiter noch schreien, wenn ich mich aufrege, ich lache, fluche und brülle, wenn es nötig ist.

Mini-Me

Vielleicht regt mich Luise manchmal so ungemein auf, weil ich mich in ihr wiedererkenne. Wir sind uns nicht nur optisch ähnlich, sondern auch im Wesen. Genau wie ich erschrecke, wenn ich Anton genauso anpampe, wie es meine Mutter mit meinem Vater tut, finde ich es unangenehm, wenn Luise mal wieder zetert wie ich. Ich sehe mich in meiner Mutter und in Luise wieder. Das ist oft schön, denn wir haben viele gute Eigenschaften. Bei den (vermeintlich) schlechten Eigenschaften fühle ich mich aber irgendwie ertappt. Was mich daran manchmal traurig macht: weil mir die Jungs nicht besonders ähnlich sind, habe ich für sie vielleicht ab und zu mehr Verständnis.

Ich kam darauf, weil Anton jedes Mal an die Decke geht, wenn Jimmy kein Interesse hat, zu essen. Dabei lag ihm damit sein Vater früher dauernd in den Ohren und warf ihm vor, zu dünn zu sein. Anton war extrem genervt deshalb und nervt heute Jimmy. Jimmy rennt übrigens auch so wie der kleine Anton, er fuchtelt dabei mit den Armen in der Luft und er spielt stundenlang Schach mit sich selbst – wie Anton, als er sieben Jahre alt war. Mit Luise kommt er dagegen gut klar, sie ist so anders als er.

Wenn Eltern ausflippen

Um dieses Thema kreisten meine Gedanken letzte Woche, als Luise mit den Großeltern im Urlaub war. Ich hatte nämlich ein furchtbar schlechtes Gewissen, weil wir so einen Ärger hatten. Sie regte mich auf und war mir mal wieder zu laut, zu ungestüm und zu gruselig angezogen. Bin ich guter Dinge, sehe ich darüber hinweg. Wir aber hatten Stress zuhause, denn wenn Kinder Ferien haben und gelangweilt sind, die Mutter dagegen arbeiten muss, geht das selten gut aus. Und nachdem ich fünf Mal die Nerven bewahrt hatte, ist mir die Hutschnur gerissen. Ich habe Luise so richtig angeschnauzt, der Auslöser war scheinbar banal. Ich musste mich sogar aufs Klo retten, denn das wichtige ist dann, mich selbst raus aus der Situation zu nehmen. Ich zählte bis zehn und biß außerdem in die Klopapierrolle. Dann habe ich alle Handtücher durch die Gegend geschmissen und fünf Minuten im neuen Ikea-Katalog geblättert. Anschließend ging es mir besser.

Luise saß in ihrem Zimmer und tat das gleiche. Erst knallte sie mit der Tür, dann schmiss sie alle T-Shirts durchs Zimmer und las eine Weile in ihrem Conni-Buch. Da waren also zwei Damen mit ähnlichem Gesicht und Temperament, außer sich vor Wut und Entsetzen und in dem kurzen Glauben, die andere niemals wieder nett finden zu können.

Wenn wir in den Spiegel blicken

Aber irgendwann war der Zorn verraucht. Vielleicht war es auch genau der richtige Zeitpunkt für etwas Abstand und Jimmy und Luise brachen ohne Abschiedsschmerz in den Urlaub auf. Auch ich habe die Woche ohne die beiden Großen genossen und hatte die Auszeit dringend nötig. Nach und nach konnte ich wieder liebevoller auf meine Luise blicken und in diesem Zuge auch auf mich selbst. Luise ist nämlich wirklich in vielerlei Hinsicht mein Spiegel. Übrgens ist sie auch so lebenslustig, so voller Kraft und so witzig wie ich. Überhaupt ist sie ganz wunderbar und toll. Sie ist wie ich und doch ganz anders. Wir werden uns vermutlich unser ganzes Leben ein wenig aneinander reiben. Aber wir werden uns auch immer ziemlich schrecklich lieben.

Gehts dir mit einem deiner Kinder ähnlich? Macht dich eines vielleicht auch besonders wahnsinnig, gerade weil du dich in ihm wiedererkennst? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Ps.: Kennst du schon die Schwabenmoms? Miri, Joy und Sabine haben tolle Ideen, die dir den Mama-Alltag erleichtern. Sie unterstützen mich nun auf meinem Instagram-Kanal und laden dich ganz herzlich ein.

Mütter in der Zerreißprobe, zweiter Teil

Mütter in der Zerreißprobe, so hieß mein Text, den ich im Dezember letzten Jahres veröffentlicht habe. Darin ging es um die Zerrissenheit, die viele von uns schlaucht. Grund für meine Gedanken waren viele Freundinnen, die bei mir am Tisch saßen. Beim Kaffee trinken erzählten sie von zuhause und berichteten alles das gleiche: Die viele Arbeit im Haushalt und mit den noch kleinen Kindern, die Doppelbelastung mit dem Job und die Abwesenheit der Männer quälte sie.

Die Generationen vor uns

Ich recherchierte und stieß auf eine WDR-Reportage, die diese Zerrissenheit beschrieb und ein paar Erklärungen lieferte. Wir Frauen waren ein bis zwei Generationen früher in einer anderen Situation. Es war normal zu heiraten, Kinder zu bekommen und den Haushalt zu führen. Es war kein entspannteres Leben, denn Haushalt und Kids waren und sind ein Fulltime-Job. Aber Frauen haben von ihren Müttern gelernt, das als gegeben hinzunehmen. Noch meine eigene Oma hätte niemals meinen Opa dazu aufgefordert, ihr bei der Wäsche zu helfen. Ohne zu murren hat sie geschuftet, meinen Opa mittags und abends bekocht und dafür gesorgt, dass er nach der Arbeit seine Ruhe hatte. Sie hat ihr Leben nie in Frage gestellt und wusste auch, dass ihr Mann sich niemals trennen würde. Ob das jetzt rosige Aussichten sind, ist Ansichtssache. Aber ein wenig Sicherheit hat sie immerhin genossen.

Die Mütter-Generation danach war schon ein wenig selbstbestimmter, dennoch haben in Westdeutschland der Großteil der Frauen nach der Geburt der Kinder nicht gearbeitet. Sie waren zuhause, haben sich um Haushalt und Nachwuchs gekümmert und hatten vor allem dann Glück, wenn die Ehe hielt und sie von der Rente ihres Mannes leben konnten. Scheidungen gab es zwar nun öfter, aber immerhin konnten die Frauen vom Unterhaltsgesetz profitieren, ein Tropfen auf den heißen Stein.

Heute ist alles besser? Pustekuchen!

Wir Frauen heute leben anders. Einerseits geht es uns besser, denn wir haben viel mehr Freiheiten. Wir können Kinder bekommen und dann wieder halbtags arbeiten, wir können zuhause bleiben oder wir können ganztags arbeiten, theoretisch. Andererseits sieht alles ganz anders aus. Denn wenn wir Kinder bekommen und halbtags arbeiten, haben wir den Job unserer Mütter und Großmütter an der Backe UND noch einen Arbeitgeber, der Anwesenheit und Leistung fordert. Kein Wunder, dass wir ausgebrannt sind. Denn wer sich dieses Modell schön redet sagt, dass wir beides haben, Beruf und Kinder. In Wahrheit strampeln wir uns ab, zerreissen uns zwischen Kindererziehung und Karriere. Verdienen immer noch zu wenig und haben mit dem Halbtagsjob kaum Aufstiegsmöglichkeiten, weil in Deutschland gilt: Karriere macht nur, wer ganztags arbeitet und alles gibt, inklusive Überstunden. Also macht das wenn überhaupt der Vater, und das oft auf Kosten der Mutter. Sie darf sich zuhause und im Büro abrackern, kann alles immer nur „halbfertig“ machen und muss hinnehmen, dass der Mann spät nach Hause kommt oder im Ausland verweilt. Sie lebt das Leben unserer Großmütter, hat aber oben drauf noch die Pflicht, zum Einkommen dazu zu verdienen. Außerdem darf sie sich berechtige Sorgen darum machen was passiert, wenn die Beziehung nicht halten sollte. Ein Unterhaltsgesetz gibt es längst nicht mehr.

Wenn wir ganz zuhause bei den Kindern bleiben, haben wir diese Doppelbelastung nicht. Aber es ist ein großes finanzielles Risiko, wenn wir uns nicht absichern. Unsere Rente wird ein Lacher sein, wenn der Partner sich trennt oder ihm etwas passiert, denn dann stehen die Frauen schlecht da. Wenn eine Scheidung droht, gibt es keinen Unterhalt mehr, der unseren Müttern im Fall der Fälle noch ein wenig Geld in die Kasse spülte. Wer von den Frauen sichert sich für diesen Fall ordentlich ab? Ich vermute, es ist nur ein kleiner Teil, denn wir vertrauen ja gerne darauf, dass die Liebe hält. Eheverträge und Lebensversicherungen sind uns einfach zu unromantisch.

Wenn wir ganztags arbeiten und Kinder haben, haben wir auch Probleme an der Backe. Denn irgendwer muss sich ja um Kinder und Haushalt kümmern. Immer noch machen viel zu wenig Väter diesen Job, der nicht bezahlt und in der Gesellschaft schlecht anerkannt wird. Auch Vätern sitzt das Erbe im Nacken, das besagt, dass der Mann für das Geld zu sorgen hat. Schwingt er den Putzlappen, ist er ein Lappen, so lautet die befürchtete Resonanz von Freunden und Familie. Denn Vorbilder gibt es einfach (noch) nicht.

Schlechte Aussichten

Irgendwie sind all diese Möglichkeiten nicht so doll, oder? Und ich habe den Eindruck, dass Mütter oft die Leidtragendsten sind. Das spürte ich damals auch bei den Gesprächen mit meinen Freundinnen. Ich spürte auch, dass Frauen schnell unter Druck geraten. Es ist heute dank Sportkursen und Ernährungsratgebern möglich, nach einer Geburt schnell wieder schlank zu sein. Es ist auch möglich, mit Hilfe von Youtube-Videos Motivtorten zu backen und Stoffwindeln selbst zu nähen. Mütter können Sport treiben, sich bilden, kreativ  und nebenbei eine tolle Partnerin sein. Männer freuen sich, dass sie so eine vielseitige Frau haben, die nicht wie ihre Großmütter einzig und allein grübelte, wie sie den Fleck aus dem Hemd bekommen sollte. Nein, die Frau von heute macht den Haushalt UND bildet sich weiter, sie macht die Wäsche UND einen interessanten Job, sie ist eine liebevolle Mutter UND eine attraktive Partnerin.

Kein Wunder, dass so manche Frau nicht mehr kann. Denn leider gibt es da noch ein Problem, an dem wir Frauen nicht ganz schuldlos sind. Denk noch einmal an unsere Großmütter. Die waren ausschließlich zuständig für Haushalt und Co. Die haben sich nicht beschwert, sich ihrem Schicksal gefügt und haben das ja so von ihrer Mutter gelernt. Diese Einstellung haben sie natürlich an ihre Töchter weitergegeben, weil das nicht ausbleibt. Unsere Mütter waren emanzipierter, aber die Verpflichtung, immer für die Familie da zu sein, lässt sich nicht so eben abschütteln. Haushalt ist Frauensache, Kinder erziehen auch. Wusstest du, dass diese Auffassung nur in Deutschland so verbreitet ist? Aber in uns steckt sie auch immer noch fest. Hast du schonmal beim Einkauf mit Unbehagen daran gedacht, wie dein Partnern das mit den Kids und der nassen Wäsche wohl hinkriegen wird, obwohl er es am Ende ohne Probleme gewuppt hat? Siehst du!

Meine Mädels schon wieder

Meine Freundin Miri, die drei Tage die Woche ganztags arbeitet, erzählt, dass sie gegenüber ihren zwei kleinen Jungs ein schlechtes Gewissen hat. „Wieso?“, frage ich, „ihr Papa passt doch nachmittags auf sie auf!“ Meine Freundin kann schlecht loslassen, auch weil einer der Jungs so sehr an ihr hängt. Dabei ist der Papa da, macht seine Sache primosa und das Weinen nach Mama hört auch immer auf, sobald sie aus dem Haus ist.

Meine Freundin Barbara ist froh, einen modernen Mann zu haben. Für ihn ist selbstverständlich, dass er auch nach dem Büro anpackt, denn Wäsche und Klo putzen ist auch seine Sache. Und am Freitagnachmittag macht er den Hausputz, während sie länger im Büro bleibt. „Irgendwie saugt er nicht richtig!“ sagt Barbara, und sie findet, dass das Klo nicht blinkt, wenn er die Bürste schwingt. Max meint es gut, aber er ist nicht gründlich genug, lautet ihr Fazit. Und dann, Barbara, sei mir nicht böse, aber dann könnte ich manchmal meinen Kopf in den Sand stecken.

Frauen, packt das Problem bei den Hörnern

Wir Frauen haben es heute schwer, das finde ich wirklich. Aber wir Frauen müssen auch mithelfen, dass sich daran etwas ändert. Das beudetet auch, dass wir an uns arbeiten müssen. In uns steckt noch das Erbe unserer Großmütter, dafür können wir nichts. Aber indem wir uns das bewusst machen, können wir gemeinsam daran arbeiten, dieses Erbe abzuschütteln.

Wir können als Frauen zuhause bei den Kindern bleiben, wenn das unsere freie Entscheidung ist und nicht darauf basiert, dass wir uns dazu verpflichtet fühlen. Wir können uns finanziell absichern und Vorkehrungen treffen, um im Not- oder Scheidungsfall nicht verarmen zu müssen. Sophie und ich starten dazu gerade das Projekt „Mamas und Moneten“, um dir dabei behilflich zu sein. Wir können aber auch Vollzeit zurückkehren in den Job und dem Partner zuhause das Steuer übergeben. Alles, was wir dafür brauchen ist Vertrauen in die Männer und die Einsicht, dass ein krümeliger Küchenboden und ein schlafendes Baby in Papas Armen eine ganz wunderbare und attraktive Alternative sein kann.

Wir können uns Job und Haushalt, Kinder und Küche mit unserem Partner teilen, um uns zu entlasten und Männern endlich mehr Zeit mit ihren Kindern zu schenken. Wir können es von unseren Männern stärker einfordern und miteinander einen Plan aushecken, wie das gehen könnte. Wir dürfen nur nicht untätig sein und uns nur in unserem Elend suhlen, denn so schaffen wir es niemals raus aus der Ungleichberechtigung.

Was möchte ich dir hier mit diesem Text nun sagen? Ich möchte dir vor allem sagen, dass es unmöglich ist, alles zu schaffen. Wir machen uns fertig, wenn wir Kinder liebevoll erziehen, einen Job erfolgreich und den Haushalt ordentlich machen wollen. Nebenbei gut aussehen, die Torten fürs Kindergartenbuffet selber backen und für Familie und Freunde immer ein offenes Ohr haben. Also müssen wir Frauen in uns hinein hören und erkennen, was uns wichtig ist, dann die Prioritäten setzen und gemeinsam mit der Familie Kompromisse schließen.

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Auf Instagram diskutieren wir morgens in der Müttersprechstunde über verschiedene spannende Themen, auch über das Thema finanzielle Vorsorge. Es geht aber auch um Erziehung und Co, Pausen im Mama-Alltag und viele andere spannende Dinge. Bist du dabei? Ich freu mich auf dich!

Frauen und Finanzen

Sophie vom Blog Kinder haben und glücklich leben hat neulich einen ersten Beitrag über ihre Finanzplanung gebracht, dem weitere folgen sollen. Sie hat erzählt, dass sie sich endlich mal mit dem Thema Geld auseinander setzen möchte. Bisher hat sie sich davor gedrückt, nun aber wird sich das ändern, denn sie will langfristig Verantwortung für sich und die Familie übernehmen. Gehts dir da wie mir? Hast du dir auch noch nie so richtig Gedanken über die finanzielle Zukunft gemacht, etwa an deine Rente gedacht?  Sie schreibt, dass ihr Geld eigentlich nicht so wichtig ist. Unterschreibe ich gleich mit. Sie gibt aber auch zu bedenken, dass es da zwei Punkte gibt, die in diesem Zusammenhang für sie aber doch sehr  wichtig sind:

  1. Generelle finanzielle Sicherheit
  2. Meine persönliche finanzielle Unabhängigkeit

Sie schreibt: „Denn ganz so naiv, zu denken, dass mein aktuelles Leben als Teilzeit-Mutti schon nicht so schlimme Auswirkungen haben wird, ganz so blöd bin ich ja nicht. Und trotzdem habe ich bisher immer Ausreden gefunden, mich nicht mit meinen Finanzen zu beschäftigen.“

Wie recht sie hat…

Ich habe mich in Sophies Text so gut wiedererkannt und war beeindruckt, wie sie nun an die Sache rangeht. Daher habe ich ihr gleich geschrieben und wir werden da nun eine gemeinsames Projekt draus machen. Ziel ist es nicht nur, in unsere eigenen Finanzen etwas Ordnung reinzubringen, sondern auch dir ein paar Tipps zu geben. Denn ich möchte mal provokativ formulieren, dass sehr viele Frauen (ich eingeschlossen) tatsächlich viel zu naiv an die Sache rangehen. Sie heiraten und machen sich dabei Gedanken um Tischdeko und Kleid, nicht aber um das liebe Geld. Zugewinnausgleich, Unterhalt und Erbrecht sind halt nicht die Highlights, die wir uns aus einer Ehe versprechen. Wenn dann aber was schief geht, haben wir keine Ahnung und gucken dumm aus der Wäsche (hallo Laura, ja, genau, du bist gemeint!) Schwierig wird es aber auch für die Eltern, die nicht verheiratet sind und keinen Partnervetrag gemacht haben.

Die Ehe hält. Was, wenn nicht?

Natürlich bleiben Anton und ich für immer zusammen, ist ja klar. Aber die Scheidungsraten und eventuelle Schicksalsschläge sprechen dafür, sich zumindest mal mit dem Risiko auseinander zu setzen. „Auf das Beste hoffen, auf das Schlechteste vorbereitet sein“, das Zitat stammt aus dem Buch „Ein Mann ist keine Altersvorsorge“ (Affiliate Link) von Helma Sick und Renate Schmidt und fasst ganz gut zusammen, wie ich die Sache angehen möchte.

Zurück zu Sophie! Sie schreibt:

„Ich könnte jetzt also weiter dabei zusehen, wie mein geliebter Gatte als Angestellter bequem in die gesetzliche Rente und in eine betriebliche Altersvorsorge einzahlt und nebenbei noch eine stattliche Summe riestert, während ich als Selbstständige von der Hand in den Mund lebe. Ich kann aber auch einfach endlich dafür sorgen, dass wir uns finanziell fairer aufstellen und von unserem gemeinsamen Geld auch für mein Alter vorsorgen.“

Miese Mütter-Rente

Ganz schön gruselig, denn manchmal denke ich, Sophie schreibt über mich. Auch mein geliebter Gatte arbeitet seit acht Jahren Vollzeit, zahlt in seine gesetzliche Rente ein und wir riestern auch beide. Er natürlich viel mehr als ich, denn ich bin wie Sophie selbstständig, habe nach der Geburt der Kinder ein Jahr Elternzeit genommen und die restlichen Jahre halbtags gearbeitet. So wie es aussieht, werden wir damit den gesellschaftlichen Schnitt stärken, der besagt: Frauen verfügen im Alter durchschnittlich über eine Rente von 576 Euro, Männer dagegen über 994 Euro (westdeutsche Bundesländer, Quelle: Doku „Frauen in der Rentenfalle“).

Sophie jedenfalls steigt jetzt voll in das Thema ein und erklärt ihre Ziele:

  • sie möchte einen Notgroschen anlegen
  • für die eigene Rente sorgen
  • sie möchte finanzielle Freiheit, das bedeutet, dass sie und ihr Mann nicht 40 h arbeiten wollen
  • für die Kinder vorsorgen
  • nachhaltig konsumieren und sich mal was Schönes leisten
  • Geld für Urlaub sparen

Meine Pläne

Und jetzt zu mir. Ich finde es nicht ganz einfach, hier so viel über unsere Finanzen preiszugeben. Aber indem Sophie und ich darüber berichten, stoßen wir vielleicht viele unserer LeserInnen zum Nachdenken an. Denn ich bin mir sicher, dass viele von ihnen genau wie wir bisher ein wenig blauäugig durchs Leben gegangen sind.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

An meine Rente habe ich noch keinen Gedanken verschwendet (ich, die Sorglose), allerdings denke ich viel darüber nach, wie Anton und ich es besser schaffen können, Familie und Beruf zu vereinbaren. Mein großer Traum ist, dass wir beide in naher Zukunft, wenn alle Kinder in der Schule sind, 75% arbeiten und uns Haushalt und Job teilen. Um solche Pläne schmieden zu können, müssen wir uns aber um unsere Finanzen kümmern. Können wir uns das leisten? Wie hoch muss unser monatliches gemeinsames Einkommen sein? Wie hoch sind unser fixen Ausgaben, wie hoch ist unser Notgroschen? Daher möchte ich mich nun mit Anton zusammensetzen und eine genaue Aufstellung machen. Wo können wir sparen, was brauchen wir dringend? Was bleibt unterm Strich für uns und was sind wir bereit, an Materiellem einzusparen, um mehr Zeit für uns zu haben?

Rente

Mein erster Gedanke war die Deutsche Rentenversicherung. Bisher war das für mich ein Verein, der mir ab und zu Briefe schrieb, die ich ordentlich abgeheftet habe, ohne sie richtig zu lesen. Das soll sich ändern. Ich werde mich mit der gesetzlichen Rentenversicherung auseinandersetzen und habe für Oktober einen Termin vereinbart. Hier möchte ich mich beraten lassen. Wie hoch wird meine Rente voraussichtlich sein, wenn ich weitermache wie bisher? Was hat es mich gekostet, in Elternzeit zu gehen und danach halb- anstatt ganztags zu arbeiten? Und dann werde ich mit Anton einen Plan aushecken, wie wir meine Rentenlücke auffüllen. Sparen wir und zahlen was für mich ein? Sorgen wir noch privat vor? Wir haben einen Wohnriestervertrag, den ich bisher sehr stiefmütterlich behandelt habe. Ehrlich gesagt war ich auch immer zu bequem, mich mit dieser Thematik zu befassen. Was mir die Bankberater erzählt haben, habe ich auch nur so halb verstanden. Also arbeite ich mich gemeinsam mit Sophie auch mal in diese Sache ein.

Lebensversicherung

Was passiert denn, wenn einem von uns was passiert? Wenn einer alleine mit den Kindern dasteht, ist das schon schlimm genug. Wenn dann auch noch das Geld knapp wird, ist es doppelt grausam. Wie könnten wir für den Fall Vorkehrungen treffen, der hoffentlich NIEMALS eintritt?

Und nun möchte ich dich einladen, mitzumachen. Sophie und ich werden all unsere Recherche und die neuen Infos hier verbloggen, damit viele Frauen (und Männder) davon profitieren können. Vor allem aber möchte ich dich anregen, wie es Sophie bei mir und vielen anderen getan hat. Wir sollten vor allem im Sinne der Gleichberechtigung unseren Mut zusammennehmen und uns den Dingen stellen. Das größte Armutsrisiko in Deutschland ist, eine Frau zu sein, wusstest du das? Frauen sind im Alter oft arm, Tendenz steigend.

In Deutschland läuft etwas schief

Im Übrigen gibt es auch viele gesellschaftliche und politische Ungerechtigkeiten. Auch darüber sollten wir uns informieren und dagegen angehen. Die von mir sehr bewunderte Rita Süßmuth sagte in der Reportage „Frauen in der Rentenfalle“: Frauen, seid ungeduldig!

Diese Reportage möchte ich dir im Übrigen sehr ans Herz legen: schau sie dir an, trink am besten dazu einen guten Schluck, denn der Inhalt ist sehr schockierend. Wenn du mehr über das olle, veraltete und blöde System des Ehegattensplittings lesen möchtest, das laut Renate Schmidt und Rita Süßmuth nur noch besteht, weil ein männliches und konservatives Bollwerk in der Politik darauf besteht, schau mal auf den Text der genialen Juramama.

So ein Quatsch,  das Ehegattensplitting

Wusstest du zum Beispiel, dass dir der deutsche Staat mit dem Ehegattensplitting aus ökonomischer Sicht ans Herz legt, möglichst viel weniger als dein Mann zu verdienen (wir können das natürlich auch geschlechtlich umkehren), weil sich das steuerlich richtig dolle rechnet? Wenn ihr euch aber scheiden lasst, sagt dir der Deutsche Staat: Ätschbätsch, leider gibt es seit neuestem kein lebenslanges Unterhaltsrecht mehr. Hättest du mal lieber vorgesorgt und dich um einen anständigen Job gekümmert? Ja gehts denn noch? Wie passt das denn zusammen? Renate Schmidt erklärt dir jedenfalls in der Reportage sehr genau, wie sehr das alles auf den Köpfen der Frauen ausgetragen wird.

Ich freue mich, wenn du dabei bist. Egal, ob du voll oder halbtags arbeitest oder aber zuhause bei den Kindern bist. Wir sind noch jung genug, um das Steuer rumzureißen und dem Tiger ins Auge zu sehen. Raus aus der (teilweise) selbst verschuldeten Unmündigkeit und rein in die Thematik. Sophie und ich nehmen dich mit, sodass wir am Ende den Finanz-Ordner zufrieden schließen können, weil wir ein wichtiges Thema abgehakt haben. Ich bin sehr für Feminismus, denn ich möchte vor allem, dass meine Tochter später mal die gleichen Rechte (aber auch Pflichten) hat, wie ihr Mann.

In eigener Sache: ich möchte eines klar stellen, weil mir hier ab und zu vorgeworfen wird, ich propagiere hier mein Lebensmodell, also als Mutter arbeiten zu gehen: eine Frau, die sich bewusst dafür entscheidet, zuhause bei den Kindern zu bleiben, sich aber gleichzeitig um die Finanzen kümmert und sich Verluste in der Rente von ihrem Partner ausgleichen lässt, ist allemal ein Stück weiter und in meinen Augen mehr Feministin als eine Mutter, die viel arbeitet, aber sich vor dem Thema Finanzen und Rente drückt. Also, ran an die Moneten.

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Du möchtest zum Thema lesen? Dann empfehle ich dir das Buch „Ein Mann ist keine Altersvorsorge“ (Affiliate Link) von Helma Sick und Renate Schmidt. Außerdem spannend ist die Seite von der Geldfrau (Werbung, da Verlinkung), die wir demnächst interviewen werden. Und auch Madame Moneypenny (Werbung, da Verlinkung) beschäftigt sich mit dem Thema Frauen&Finanzen.

Und auf meinem Instagram-Kanal diskutieren wir gemeinsam in den Live-Storys. Ich freu mich, dich dort wiederzutreffen.

Béa vom Blog Tollabea hat neulich gefragt, ob Kinder klare Ansagen brauchen. Da wurde dann viel diskutiert, wie das nun einmal so ist bei Erziehungsfragen. Und natürlich habe ich mir auch so meine Gedanken gemacht. Klare Ansagen, mache ich die? Ehrlich gesagt, ja. Ich würde hier nicht behaupten, dass die Kinder sie brauchen, aber leider brauche ich sie.

Warum ich an die Decke gehe

Wie du vielleicht weißt, halte ich viel von bedürfnisorientierter Erziehung, von gewaltfreier Kommunikation und Ansprache auf Augenhöhe. Es gibt aber am Tag mindestens einen Moment, da lasse ich die gute Kinderstube hinter mir und mache eine ordentliche Ansage. Nicht weil ich es für pädagogisch richtig oder wertvoll halte, sondern weil es sein muss. Ich wurde von Natur aus nicht mit grenzenloser Geduld gesegnet, bemühe mich aber jeden Tag. Zum Beispiel versuche ich ruhig zu bleiben, wenn eines meiner Kinder die Schuhe anzieht. Das kann bei einem von den Dreien gerne mal zehn Minuten dauern. Denn während das Kind in aller Seelenruhe die Schuhe zunächst einmal sucht, dann gaaaanz langsam alle Klettverschlüsse einzeln löst, um sie dann umständlich in die Schlaufen zu friemeln, erzählt es auch noch alle möglichen Dinge, die ihm im Kopf rumschwirren. Das hält ihn dann vom Friemeln ab und ich verweise auf die Zeit, die knapp ist. Dann gebe ich den Ratschlag, dass es schneller gehen könnte, wenn das Kind sich konzentrieren und nicht reden würde. Als nächstes bitte ich flehentlich und erwähne den Zahnarztstuhl, auf dem wir in fünfzehn Minuten sitzen müssen. Dann kommt, was kommen muss – eine Ansage: „Jetzt quatsch nicht, sondern mach. Wir müssen los, sonst kommen wir zu spät. Du machst mich wahnsinnig.“ Das hören dann nicht nur die Nachbarn, sondern auch alle anderen Anwohner im Umkreis eines Kilometers.

Stress, Ärger, Wut und Angst: Boten einer Ansage

Ansagen mache ich immer dann, wenn ich gestresst oder verärgert bin. Manchmal ist das Chaos im Kinderzimmer so riesig und die Motivation der Kinder, da Ordnung reinzubringen, winzig klein. Wenn ich dann über einen Tischkicker fliege oder in Legosteine trete, dann gibts eine Ansage. Oder wenn es beim Abendessen wieder zugeht wie bei Hempels. Wenn Becher umkippen, massenhaft gekrümelt wird und beim Essen der Mund sperrangelweit offen bleibt.

Ansagen gibts auch dann, wenn es gefährlich wird und die Kinder nicht hören. Wenn ein Kind verträumt durch die Gegend schaut und vergisst, links und rechts zu gucken. Da kriege ich es dann mit der Angst zu tun und die löst immer wieder Ansagen aus, die es in sich haben. Ich bin dann oft außer mir, weil sich in meinem Kopf die schlimmsten Unfälle abspielen. Das setzt mein Denkvermögen dann außer Gefecht und ich tobe wie ein Rumpelstilzchen.

Müssen Ansagen sein?

Bringts denn was, die Ansage? Ja, hin und wieder. Wenn die Kinder sich erschrecken und dann schnell machen, was ich sage. Finde ich nicht so doll, wenn sie erschrecken. Daraus lernen sie auch nichts. Und manchmal werden sie dann selber sauer, es gibt mehr Schreierei und Vorwürfe, Wut und Gezicke auf allen Seiten. Auch nicht so prima. Schöner wäre es gewesen, wir hätten das alles in Ruhe gelöst. Aber manchmal gehs einfach nicht anders.

Ich glaube, es funktioniert einfach nicht ganz ohne. Weil Ansagen entweder wichtig sind, um Gefahren vorzubeugen oder weil sie wichtig sind, um den Wutpegel der Eltern zu verdeutlichen. Am Ende sind wir auch nur Menschen und Kinder möchten diese Menschen kennen. Daher fordern sie vermutlich die Wut auch manchmal heraus. Wie weit kann ich gehen, bis die Mama ausflippt? Ich denke, das ist ganz normal. Die Kinder träumen, wir wollen los. Die Kinder möchten alle Spielsachen im Raum verteilen, wir brauchen Ordnung. Ab und an krachen diese verschiedenen Bedürfnisse gegeneinander und entladen sich in Ansagen mit anschließendem Streit. Ich finde, so lange wir in den Ansagen kein Kind runter machen oder abwerten und uns versuchen, so lang es geht in Geduld zu üben, ist das ganze auch nicht schlimm. Ansagen bringen meist nicht viel, aber ich fühle mich ein wenig erleichtert, weil ich meine Wut ausdrücken kann.

Im Übrigen machen auch meine Kinder hin und wieder eine Ansage, und das ist auch ok. Es drückt aus, dass gleich eine Grenze überschritten wird oder das bereits passiert ist. Es ist kein pädagogsch wertvolles Mittel, aber ich bin auch keine Pädagogik-Expertin, sondern eine ganz normale Mama, die tut was sie kann. Kinder, die sich außerdem auch mal in Form einer Ansage ordentlich beschweren dürfen, wissen, dass sie gehört werden. Sie wissen, dass ihre Meinung zählt und wir respektieren, wenn auch ihr Geduldsfaden mal reisst.

Was sagst du dazu? Gibts bei dir hin und wieder auch mal eine ordentliche Ansage? Ich bin gespannt auf eine Diskussion. Danke an Béa für dieses spannende Thema, das hat mir sehr gefallen. Diese kleinen Fragen des Alltags bewegen uns im Punkt Erziehung doch am meisten!

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Hüpf gerne rüber auf meinen Instagram-Kanal! Da lade ich regelmäßig Familien-Ordnungshacks hoch und streue Glitzer in den Mama-Alltag!

Mein Kind ist krank

Na, wie oft hast du dich schon gefragt, ob ihr eine normale Familie seid? Ob das ein oder andere Kind vielleicht nicht der Norm entspricht, sein Verhalten wunderlich ist oder sein Charakter irgendwie abnorme Züge hat? Dann hast du gegoogelt, verschiedene Antworten bekommen, eine Diagnose erstellt und sie mit allen Freunden und Verwandten ausgiebig besprochen, oder?

Tja, dann ist wohl alles ganz normal. Denn ist es nicht so, dass wir irgendwie alle am liebsten normal wären und aus diesem Grund jede Abweichung, vor allem die unserer Kinder, besorgt betrachten und gedanklich bis zum Gehtnichtmehr bearbeiten? Ehrlich gesagt vermute ich, dass die meisten kleinen Abweichungen von der scheinbaren Norm eben eines sind: normal. Die meisten Eltern müssten sich eigentlich überhaupt keine Sorgen machen, könnten sich viele Arztgespräche und Therapien sparen und mal ganz gechillt die Füße hochlegen. Das ist aber nicht so einfach, schließlich sind die Kinder das wichtigste, das wir haben und ihr gesundes Großwerden unser bedeutendstes Ziel.

Natürlich gibt es viele Krankheiten, psychisch und physisch, die eine Behandlung oder eine Therapie mit sich bringen (müssen). Ob ADHS, eine Intoleranz, Schwierigkeiten mit dem Bewegungsapparat und viele andere Dinge – aber das alles meine ich hier nicht. Ich meine vielmehr folgende Überlegungen, die eine Mutter von drei Kindern vielleicht in dieser oder ähnlicher Form angestellt haben könnte, natürlich nur ganz theoretisch.

Diagnosen einer Mutter

  • Das ewig brüllende Kleinkind hat eine Persönlichkeitsstörung, vermutlich ausglöst durch das sorgenvolle Herumgegrübele in der Schwangerschaft über schadstofffreie Wickelunterlagen. Therapiert werden muss mit dreierlei Globuli, einem Badeeimer, Bernsteinketten und dem Lesen von drülfzig Baby-Ratgebern.

Dr. Laura würde heute raten: nur die Ruhe, einige Babys brüllen nun mal besonders viel, da beisst die Maus keinen Faden ab. Diagnose: Alles normal, Therapie: Durchatmen und Durchhalten!

  • Weil selbes Baby ausschließlich den Vater, nicht aber die Mutter anlächelt, ist die Mutter sicher, das Kind habe Baby-Autismus. Sie googelt und überlegt, es in der Pädiatrie vorzustellen.

Dr. Laura würde heute raten: das Baby ist genauso genervt von der Mutter wie sie von ihm. Es freut sich, endlich ein anderes Gesicht zu sehen und außerdem ist Papa im Gegensetz zu Mama immer völlig entspannt und googelt maximal nach neuen Kopfhörern oder einem Mountainbike. Diagnose: Alles normal, Therapie: chillaxen und Google abschalten.

  • Das Kleinkind läuft nicht, sondern liegt kurz vor dem ersten Geburtstag wie ein Käferlein auf dem Boden. Die Mutter attestiert eine Muskelschwäche und hyperventiliert, als der Kinderarzt sagt, dass sie bitte in einem halben Jahr mit dem Käfer wieder vorstellig werde, denn die meisten Kinder würden zu diesem Zeitpunkt wenigstens krabbeln.

Dr. Laura würde heute raten: Mutter, sei froh, dass dir der Käfer noch nicht davondüst und genieß die Zeit. Irgendwann laufen sie alle, die einen früher, die anderen später. Diagnose: Alles normal, Therapie: sich in den Park legen und all den nervösen Eltern zuschauen, die ihren Einjährigen hinterherrennen müssen.

  • Das Kleinkind interessiert sich nicht für Sand und Eimer, Frühmusizieren oder Klatschreime, es sehnt sich ausschließlich nach Straßenbahnen. Die Kindergärtnerin merkt an, das Kind würde den lieben langen Tag ausschließlich die Haltestellen der Linie U8 aufsagen. Die Mutter diagnostiziert sofort eine multiple Persönlichkeitsstörung und informiert sich über Hochbegabung und Asperger Syndrome.

Dr. Laura würde heute raten: kleine Kinder haben die abnormsten Interessen, bei denen sogar erfahrene Psychatrieärzte mit den Ohren schlackern. Das eine Kind geht nicht ins Bett, ohne ein Kaminwerkzeug fest umschlungen zu halten, das andere kann weder Mama noch Papa, dafür Trizaterops Trizeraldos sagen. Wieder andere gehen nicht ohne Taucherbrille aus dem Haus oder tragen im Hochsommer Gummistiefel. Diagnose: Alles normal, Therapie: sich einfach selber eine verrückte Eigenart ausdenken und diese zelebrieren.

  • Das Kind bekommt eine Schwester und interessiert sich keinen Zentimeter für das Baby. Es guckt nicht, spricht nicht und streichelt nicht. Die Mutter ist sich sicher, es verfüge über mangelnde soziale Fähigkeiten und würde vermutlich sein Leben lang keine menschlichen Beziehungen entwickeln können.

Dr. Laura würde heute raten: es gibt Brüder, die lieben ihre Schwester und zeigen das von Anfang an, es gibt aber auch Brüder, die lieben ihre Schwester, würden sie aber auch sofort gegen eine Miniaturstraßenbahn eintauschen. Das wird sich im Leben vielleicht sogar niemals ändern. Diagnose: Alles normal, Therapie: Menschen, die das Wort „Geschwisterplüsch“ verwenden, meiden, dafür unbedingt das Buch von Marlene Hellene, Man bekommt ja so viel zurück (Affiliate Link), lesen, der ging es nämlich genauso.

Einen Fall habe ich noch!

  • Das Kind hat zu Schulbeginn Schwierigkeiten, einen Stift zu halten, weil es zuvor noch nie einen Sinn darin gesehen hat, einen solchen zu benutzen. Die Mutter kommt noch einmal auf die Muskelschwäche zurück und denkt kurz darüber nach, mitsamt den andern Kindern einmal die Woche zu einer anstrengenden Ergotherapie-Sitzung zu dackeln (die in ganz vielen Fällen durchaus sinnvoll ist), auf die das Kind aber noch weniger Lust hat als aufs Schreiben.

Dr. Laura würde heute raten: Kinder, die nicht gerne malen, gibts genau so oft wie Kinder, die nicht gerne rechnen. Alles ist eine Frage der Übung und meist klappts nach einem halben Jahr schon viel besser. Diagnose: alles ganz normal. Therapie: Stifte mit Glitzerfußbällen oben drauf kaufen, Fußball-Sammelalben zum Ausfüllen besorgen oder Briefe an das Christkind schreiben lassen, zur Not auch im Hochsommer.

Alles normal, oder?

„Es ist normal, nicht normal zu sein“, lautet eine schöne Überschrift im Familienmagazin der Süddeutschen Zeitung, Mai/Juni-Aushabe von 2018. Darin spricht die Politikwissenschaftlerin Ursula Stark Urrestarazu über das Phänomen, dass Eltern so viel über die Eigenheiten ihrer Kinder nachdenken. Sie rät, dass sich Eltern bewusst machen sollten, wie vielschichtig und veränderbar Kinder sind. Jedes von ihnen trage so viele Eigenschaften, Interessen und Begabungen in sich, die sich ergänzen und auch widersprechen würden und fügt hinzu, dass die Bandbreite des Normalen viel größer ist, als wir denken.

Wenn ich auf Instagram poste, wie schlimm sich meine Kinder streiten, dann melden sich viele andere Eltern, die das gleiche erleben. Mir und ihnen tut es dann total gut zu wissen, dass das also normal ist. Denn wenn alles so läuft, wie es soll, dann haben wir ein gutes Gefühl und wissen, es geht in die richtige Richtung. Selbstverständlich sind wir und unsere Kinder in vielen Punkten auch ein wenig außergewöhnlich. Meine Kinder zum Beispiel streiten sich außergewöhnlich viel, der kleine Oskar wirft sich gerade außergewöhnlich intensiv brüllend auf den Boden und ich gehe in den Ferien außergewöhnlich oft in die Luft – und das ist eigentlich auch ganz normal!

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Falls du Lust hast, zu unserer obercoolen Eltern-Austausch-Community dazuzustoßen, dann schau doch mal bei Instagram vorbei. Da kann man ganz passabel miteinander quatschen, sich austauschen und merken, dass es in jeder Familie laut, chaotisch, anstrengend und doch irgendwie ungemein lustig zugeht.

Lieber kleiner Oskar,

so einfach haben wir es gerade nicht, wir beide! Daher schreibe ich dir einen Brief. Ich bin eine müde Mama mit viel Stress, du bist ein zweijähriger Junge, der die Welt entdeckt. Was wir gemeinsam haben: wir kommen täglich an unsere Grenzen. Meine Grenzen sind seit jeher meine Nerven, deine Grenze ist vor allem die Sprache. In deiner lustigen Bobo-Siebenschläfer-Manier versuchst du uns mitzuteilen, was du möchtest. Wenn du dein Müllauto suchst, können wir dir helfen.  „Müüüh“ rufst du dann. Auch „Hamham“ verstehe ich gut, du hast Hunger oder Durst. Und dein kleines Rutschauto heiß „Tutut“, wenn du das aussprichst, vibrieren deine Lippen und es klingt wie ein kleiner Traktor. Aber ganz oft weiß ich auch nicht, was du möchtest. Du bist dann wütend, versuchst, mir etwas zu sagen. Ich verstehe dich nicht und dann schmeißt du dich auf den Boden. Ich kann dich nicht trösten, du drückst mich weg oder fängst in deiner Empörung an zu beißen. Ich weiß, jetzt am besten einfach neben dir sitzen bleiben und dir zeigen, dass es in Ordnung ist, zu toben und deinem Kummer Luft zu machen. Aber oft muss ich Jimmy bei den Hausaufgaben helfen, die Wäsche aus der Maschine holen oder das Telefon bimmelt in genau diesem Moment.

Alles eine Phase

Ich weiß, dass diese Phase normal ist. Damals bei deinem großen Bruder habe ich mir noch Sorgen gemacht. Was ist nur mit dem Kind los? Wieso flippt es dauernd aus und nölt den ganzen Tag rum? Was mache ich als Mama falsch? Nun ist mir alles klar. Beim Welt entdecken stößt du dauernd an Grenzen, nicht nur sprachlich. Du möchtest Gummibären in rauen Mengen essen, Bobo Siebenschläfer-Hörspiele hören, bis deinen Eltern die Ohren bluten. Du möchtest morgens früh um sechs mit deinen Geschwistern spielen oder abends bis zehn Uhr aufbleiben. Du möchtest alles alleine machen und die Glasflasche selber tragen. Und du verstehst einfach nicht, warum wir dauernd all die schönen Dinge verbieten. Ich weiß, am besten ist es, wir nehmen uns für dich Zeit. Wir hören dir zu, knien uns zu dir runter, nehmen dich ernst und helfen dir, wo es nur geht. Dann klappt es mit uns immer ganz gut. Dein Papa kann das auch ganz wunderbar, mir gelingt es manchmal nicht. Ich bin nicht so geduldig mit dir oder habe keine Lust, deine Schreiattacken stundenlang zu begleiten. Das muss ich ganz ehrlich zugeben.

Zu wenig Geduld

Gestern bin ich mit dir zum Bäcker gegangen, wir brauchten dringend ein Brot zum Abendessen. Weil du gerne ein Eis gegessen hättest, hast du fürchterlich geweint und bist aus deinem Wagen rausgesprungen. Ich musste nach Hause, weil Jimmy bald kommen sollte. Er war bei einem Freund zu Besuch. Dein Wutgeschrei ist mir sehr auf die Nerven gegangen, weil ich zuvor auf einem Kindergeburtstag war, bei dem alle kleinen Gäste in Trillerpfeifen gepustet haben. Mein Kopf war ein einziges wummerndes Fass. Deshalb habe ich dich immer wieder in den Wagen zurück gesetzt und dich am Ende angeschnallt. Das hat dir nicht gefallen, ich weiß!

Zuhause hast du dich an die Treppe zur Garage gesetzt und nach Papa gebrüllt, ich habe Essen gemacht und hätte mir gerne die Ohren zugehalten. Ich wundere mich ja auch gar nicht, dass du so ein Papa-Kind bist. Ich an deiner Stelle würde es genauso machen. Ich möchte nur, dass du weißt, dass ich dich ernst nehme und mir so gerne mehr Zeit nehmen würde für dich und eine Wünsche. Weißt du was, bald fahren deine Geschwister in den Urlaub und wir beide sind alleine hier. Wir lesen dann Bobo so oft du willst, gehen gemeinsam in den Märchengarten und werden ganz viele Gummibärchen essen. Vielleicht bekommst du sogar mein Handy, denn damit fotografierst du so gerne. Mein liebes kleines Bärchen, wir haben es nicht so leicht zur Zeit. Aber ich habe dich so unglaublich gerne. Ich liebe es, wie du die Familie zusammen hältst und immer nach Nanna und Tatta fragst, wenn sie mal nicht da sind, wie du lauhals lachen kannst und mit so großem Appetit und Konzentration isst und genießt.

Bitte entschuldige, wenn ich mal wieder ungeduldig bin, kleiner Bär. Es tut mir sehr leid. Deine Mama

Mehr Gedanken zum Elternsein gibts auf dem Heute ist Musik-Instagram-Kanal. Ich freue mich auf dich und den Austausch mit dir!

Neulich saß ich morgens am Frühstückstisch und blätterte durch die Zeitung. Ein Artikel erregte sofort meine Aufmerksamkeit. Zu sehen war ein Bild mit einem Papa, zwei Kinder auf dem Arm, im Hintergrund die Wäsche. „Was ist bloß mit den Vätern los? Von wegen Vereinbarkeit! Sich um die Kinder zu kümmern macht Männer unzufrieden, sagt der Soziologe Martin Schröder“, lautete der Titel (Die Zeit, 21, Juni 18, Nr. 26)

„Da siehst du es!“ rief ich Anton zu, der gemütlich seinen Kaffee schlürfte. „Die Väter haben eben auch keinen Bock auf die Hausarbeit und den Vereinbarkeitswahnsinn. Aber wir Frauen sollen das ohne Murren machen.“ Bei diesem Thema geht mir ja immer die Hutschnur hoch, denn mindestens einmal pro Tag fluche ich, über die Dreckwäsche oder meine ewig streitenden Kinder gebeugt, dass ich es bin, die einen Großteil des Haushalts übernehmen muss. (Wir haben diese Entscheidung gemeinsam getroffen) Dass Anton währenddessen gemütlich mit Kollegen plauscht und es sich in der Kantine mit Burger und Pommes gut gehen lässt, so stelle ich es mir jedenfalls in solchen Momenten vor, regt mich dann richtig auf und ich hadere mit meinem Schicksal. (Na klar, natürlich ist es nicht so. Anton hat einen Haufen Arbeit, Stress und manchmal keine Zeit, mittags essen zu gehen, ich weiß…)

Die schockierende Studie

Im Text ging es wirklich um eine wissenschaftliche Untersuchung. Der Soziologe Martin Schröder wertete Daten von fast 60.000 Personen aus dem Jahr 1984 bis 2015 aus. Gefragt wurde nach der Lebenszufriedenheit auf einer Skala Null bis Zehn. Demnach sind Männer mit Kindern am zufriedensten, wenn sie 50 (!) Stunden die Woche arbeiten. Besonders daran ist, dass nichts anderes so viel Einfluss auf ihr Lebensglück hat wie die Dauer der Arbeitszeit. Das findet sogar der Soziologe schockierend. Übrigens wurden dabei relevante Faktoren wie der Wohnort, die Art des Arbeitsplatzes und der Gesunsheitszustand der Männer mitberücksichtigt. Bei Müttern ist das anders, ihre Zufriedenheit hängt nicht von der Zahl der Arbeitsstunden ab. Spannend ist übrigens auch, dass die Zufriedenheit der Frauen mit der Arbeitszeit des Partners ebenfalls steigt, bis sie bei mehr als 50 Stunden außer Haus wieder sinkt.

Die Ergebnisse scheinen also all dem zu widersprechen, was viele moderne Familien progagieren: dass Mutter und Vater sich die Arbeit zuhause und außerhalb der Familie teilen sollten. Denn stell dir vor, selbst dann, wenn beste Bedingungen für Mann und Frau herrschen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf scheinbar optimal klappen müsste, ist dieses Muster zu erkennen, und sogar noch deutlicher als in Familien, in denen das kaum möglich ist.

Die Erklärung

Der Soziologe erklärt sich dieses Phänomen so: in Deutschland ist es bisher immer noch normal und die Regel, dass der Mann in Vollzeit arbeitet. Und wir kennen das ja alle – es lebt sich angenehmer, wenn man es so macht wie alle anderen. Jede Frau, die berufstätig ist und nicht bei den kleinen Kindern zu Hause bleibt, kennt diese (vorwurfsvollen) Fragen. Warum machst du es nicht so wie alle anderen guten Mütter und bleibst daheim? Kein Wunder, dass sich auch die meisten Väter nicht gegen das wehren möchten, was eben schon immer so war; Der Mann als Ernährer der Familie geht tagsüber zum Geld verdienen ins Büro.

Im Übrigen verweist der Soziologe darauf, dass das alles Durchschnittswerte sind und es in vielen Familien natürlich anders sein kann. Aber die Zahlen belegen nun einmal, dass sich die meisten Männer mit der Reduzierung der Arbeitszeit schwer tun. Das kann ich als Feministin natürlich ätzend finden, aber Unzufriedenheit ist nun einmal ein Fakt, der nicht wegzudiskutieren ist.

Das ist unfair!

Auch Journalist Christoph Gurk meldete sich im Newsletter des SZ Familienmagazins zu der Studie. Er ist gerade nach einem Monat Elternzeit ins Arbeitsleben zurückgekehrt und noch ganz bezaubert vom Babyglück. Dann gibt er aber zu:

„Es ist schön, wieder im Büro zu sein. Ich mag meine Arbeit und meine Kollegen. Und die Wochenbett-Höhle ist ja auch oft eine Wochenbett-Hölle. Der Schlafmangel, das weinende Baby, die fordernde Vier-Jährige: Da ist es im Büro viel entspannter.“

Ich verstehe Journalist Gurk zu gut. Ich jedenfalls hätte mir wirklich an vielen Tagen mit einem kleinen Kind gewünscht, ins Büro fahren zu dürfen. Ich hätte jedes stressige Projekt gegen ein brüllendes Baby getauscht und auch heute noch würde ich keine Sekunde zögern, wenn mich jemand fragt: Wäsche oder Meeting? Aber als Frau spüre ich, dass ich in dieser Hinsicht benachteiligt bin. Weil mich mein Arbeitgeber nach der Schwangerschaft nicht mehr wollte, hätte ich gar nicht ins Büro gehen können. Frauen, die Kinder kriegen, sind oft raus aus dem Job, die Erfahrung haben viele andere Mütter gemacht.

Was macht uns zufrieden?

Was trägt denn überhaupt dazu bei, dass wir zufrieden sind? Ich denke, da ist in erster Linie das Gefühl, selbstwirksam zu sein. Dass das, was wir tun, einen Sinn und einen Nutzen hat. Wir möchten in unserem Leben dazu beitragen, dass es uns und unserer Familie gut geht, dass wir ein Teil einer Gemeinschaft sind und etwas bewirken können, wenn Probleme auftauchen. Schlimm ist das Gefühl, nichts ändern zu können. Hier kommt der Punkt: ich selber habe manchmal das Gefühl, als Frau an meiner Situation nichts ändern zu können. Daher hadere ich auch so oft mit meiner Rolle als Mutter, die den Großteil der Hausarbeit stemmt. Wer kennt nicht das Gefühl, den ganzen Tag für die Kinder hin und her gerannt zu sein, sich Wäsche und Kochtopf gewidmet zu haben und doch am Ende des Tages zu dem Ergebnis zu kommen: „Ich habe nichts geschafft!“ Klar, das ist nicht der Fall. Kinder zu versorgen, sie in den Arm zu nehmen, wenn sie weinen, auf sie aufzupassen und nebenher zu schauen, dass die Bude nicht völlig in Chaos versinkt, das ist eine große und wichtige Aufgabe. Aber es fühlt sich nicht immer so an. Dagegen fühlt es sich schon ziemlich gut an, wenn am Ende des Monats ein Gehalt überwiesen wird, mit dem die Rechnungen bezahlt werden können. Ich verstehe die Männer ja, sogar sehr gut.

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber mich macht das alles sauer. Es sind nicht die Männer, denen meine Wut gilt, es sind vielmehr die beruflichen und gesellschaftlichen Gegebenheiten. Wenn du länger hier liest, kennst du meine Meinung zu diesem Thema. Frauen und Männer sollten die Wahl haben. Eine Frau, die sich freiwillig entscheidet, bei den Kindern zu bleiben und ihren Beruf aufgibt, die soll das auch tun dürfen. Genauso sollten aber auch Frauen arbeiten gehen können, wenn die das möchten. Das Mindestmaß von allem ist, dass sich Eltern gleichberechtigt für ihren eigenen Weg entscheiden, der für BEIDE passt.

Wie gehts weiter?

Ich bin optimistisch, dass sich die Verhältnisse für Luise, Jimmy und Oskar ändern werden. Wenn meine Kinder groß sind, werden immer mehr Männer länger zuhause bei den Kindern bleiben und sich mit ihren Partnerinnen Erziehung und Haushalt teilen. Wenn dieses Bild von einem Vater zur Normalität wird, werden die Männer auch zufriedener sein, da bin ich mir sicher. Insofern ist für mich die Schlussfolgerung aus dieser Studie, dass wir Eltern weiter für die Vereinbarkeit kämpfen müssen, denn ich sehe es wie der Soziologe: „Es wäre nach diesen Ergebnissen sinnvoller, den Menschen Wahlmöglichkeiten zu eröffnen, auch die Chance, länger zuhause zu bleiben. Dann würde sich vielleicht auch das traditionelle Rollenbild ändern – und damit das Empfinden dessen, was uns glücklich macht.“

Lust auf Diskussion?

Und nun interessiert mich, ob es hier auch Väter unter den Lesern gibt, die zu diesem Thema etwas zu sagen haben. Versteht ihr die Ergebnisse der Studie, weil es euch ebenso geht? Fühlt ihr den Druck, wie alle Männer zu sein und so viel wie möglich arbeiten zu gehen? Oder ist es bei euch im Bekanntenkreis schon normal, sich Haushalt und Betreuung zu teilen? Ihr dürft auch ruhig sagen, wenn ihr sehr gerne ins Büro geht. Es soll keiner für sein Empfinden verurteilt werden!

In meiner Umfrage unter Eltern, die sich Job und Kinderbetreuung teilen, haben sich viele Männer gemeldet. Aber das waren immer Väter, die sich bewusst für die Kinder und gegen einen 100%-Job (gegen einen Teil des Geldes oder oft auch gegen Aufstiegschancen) entschieden haben und damit in ihrem Kollegenkreis ziemlich alleine dastanden. Wie siehst du das alles und was würdest du dir für dich und deine Familie wünschen?

Ich freue mich, wenn hier respektvoll und kräftig diskutiert wird. Vielleicht haben ja Elternblogger und -bloggerinnen Lust, das Thema aufzugreifen und ihre Texte hier zu verlinken? Besonders die Väterblogger möchte ich aufrufen, denn deren Meinung würde mich sehr interessieren! Falk vom wunderbaren Blog Papa macht Sachen ist schon mal dabei und wird demnächst einen Text veröffentlichen. Ich bin gespannt, was er zu der Studie sagt…

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Völlig out of topic, ich weiß, aber nach so viel ernster Kost muss man sich das Leben wieder etwas versüßen. Bist du zufällig auch auf Instagram unterwegs? Dann freue ich mich, wenn du auf meinem Kanal vorbei schaust! Da gibst zum Beispiel Rezepte für kleine Lecker-Schmecker-Sachen wie ein ratzifatzi Marshmallow-Nachtisch, Yummy!

Jimmy und der Computer – eine große Liebe

Jimmy ist jetzt sieben Jahre und interessiert sich neben Fußball, Sammelkarten und den Römern sehr für den Computer. Wir haben ein altes Notebook, mit dem er schon lange zu Gange ist. Auf dem hat er bereits vor ein paar Jahren Zahlen und Buchstaben getippt und Anton hat ihm ein kleines Programm geschrieben, mit dem er seine Tischkickerturniere abhalten und die Spielstände eingeben konnte. Dann durfte er mit Fotos und Bildern eine eigene Aufstellung der Nationalmannschaften machen und Anton hat ihm viele weitere kleine Tricks gezeigt. Nun ist es so, dass ich grundsätzlich der Meinung bin, dass kein Kind in dem Alter einen Computer braucht oder an den PC herangeführt werden muss. Aber seit Jimmy klein ist, faszinieren ihn diese Geräte sehr und er durfte deshalb gemeinsam mit uns den PC entdecken.

Internet hat er natürlich nie genutzt, aber mittlerweile weiß er, was das ist und dass er auf der Borussia Dortmund-Seite theoretisch stundenlang lesen und bei Youtube stundenlang Fußball-Videos schauen könnte. Das aber war der Moment, in dem ich mich näher mit dem Medien-Umgang meiner Kinder beschäftigt habe. Erst einmal habe ich das W-Lan am Notebook ausgestellt und angefangen, zu recherchieren. Was gibt es für Seiten, die Jimmy besuchen kann? Wie oft darf er das Internet nutzen? Welche Kindersicherungen gibt es? Davon möchte ich dir heute erzählen.

Medienkompetenz für unsere Kinder

In unserer Familie handhaben wir das mit den Geräten so: Jimmy darf mein Handy nehmen, um in der Bundesliga-App nach den aktuellen Ergebnissen zu schauen. Er darf auch in meinem Beisein an den Computer und ein bisschen recherchieren. Dafür habe ich ihm nun einen Ordner mit Kinderseiten gemacht. Auch auf die Borussia Dortmund-Seite darf er gucken. Apps zum Spielen haben wir kaum, aber Luise und Oskar gucken sich gerne Fotos an. Toll ist, dass man mit den modernen Smartphones in sekundenschnelle mit Musik hinterlegte Videos aus den letzten Fotos machen kann. Das lieben die Kinder sehr. Ab und an dürfen die Kinder auf dem Tablet ein paar Filmchen gucken. Eigentlich nur abends etwa eine halbe Stunde, wenn ich aber fix und alle bin, die Kids krank sind oder es den ganzen Tag regnet, bin ich da nicht so streng. Weil ich bei Youtube immer Bedenken habe, auf was die Kinder klicken, haben wir ein Abo bei einem Streaming-Dienst und dort suchen wir dann etwas raus. Oskar liebt Bobo Siebenschläfer, ich habe auch nichts gegen Conni oder Peppa Wutz. Schlimm finde ich My little Pony, aber da steht Luise drauf. Und Feuerwehrmann Sam ist nicht zum Aushalten. Aber das ist ja alles Geschmacksache.

Wir haben außerdem eine Konsole zuhause, die wir eigentlich ausschließlich nutzen, um DVDs zu schauen. Anton hat sie vor vielen Jahren mit Sammelpunkten seiner Online-Bank erworben. Jimmy fand heraus, dass darauf ein Fußball-Spiel installiert ist. Weil er es jetzt kennt (ich hätte es ihm nicht gezeigt ;-), haben wir einen Deal: an Feiertagen wie Geburtstag und Weihnachten und einmal in den Schulferien darf Jimmy zusammen mit seinem Papa eine Stunde zocken. Die beiden haben einen riesen Spaß dabei und für mich ist es mittlerweile in Ordnung.

Nun aber zu den Tipps für den Umgang mit den Medien. Ich habe eine tolle Broschüre „Gutes Aufwachsen mit Medien“, die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wurde. Dort findest du außerdem einen Haufen Hinweise, wie du dein Smartphone sicher machen kannst, wie du deine Kinder vor Onlinewerbung schützt oder wie ihr gemeinsam Mobbing vermeiden könnt. Auch von meiner Krankenkasse habe ich ein paar Broschüren zum Umgang mit den Medien. So kommt eine schöne kleine Sammlung zusammen, mit der ich mich informieren kann und die dir vielleicht auch ein paar Hinweise gibt.

Apps und Smart Toys – Vorsicht mit den Daten!

Eltern sollten beim Kauf von Smart-Toys, die digitale Funktionen haben, unbedingt etwas über den Datenschutz rausfinden. Hat das Gerät eine Kamera? Gibt es Daten ans Netz weiter? Übrigens: das Abhören des Kindes durch die Eltern via Spielzeug widerspricht der unantastbaren Menschenwürde, das sollte uns bewusst sein! Für mich gilt das auch für Smartwatches und ähnliche Kontroll-Apps. Ich finde, jeder darf die Erziehung seiner Kinder so handhaben, wie er das für richtig hält, auch den Umgang mit den digitalen Medien. Aber was diese Dinge betreffen, habe ich absolut kein Verständnis.

Mit den Daten und denen unserer Kinder müssen wir sorgfältig umgehen und auch schauen, ob Apps für Kinder sogenannte Inapp-Käufe beinhalten. Bei meinem Handy habe ich es so eingestellt, dass Käufe nur mit meinem Fingerabdruck getätigt werden können. So passiert Jimmy in der Fußball-App nichts. Für Luise habe ich ein digitales Pixie-Büchlein auf dem Tablet und die App „Schlaf gut“. Hier sind noch ein paar kostenlose Apps, die laut Broschüre empfehlenswert sind:

  • Sesamstraße 3+
  • Die Maus 4+
  • ZDFtivi 4+
  • Knietzsches Geschichtenwerkstatt 6+

Unter www.datenbank-apps-für-kinder.de findest du über 500 Bewertungen vom Deutschen Jugendinstitut. Übrigens weiß ich von einer Freundin, die in einer IT-Security-Firma arbeitet, dass es für Hacker ein Leichtes ist, sich auf einen PC zu stehlen und dort die Kamera zu benutzen. Darum haben wir am Notebook die Kamera zugeklebt. Ich habe Jimmy außerdem erklärt, warum wir nicht mit der Angabe von Email und Adresse bei dieser Fußballkarten-Sammelaktion im Netz mitmachen.

Wie lange ist ok?

Wir schützen unsere Kinder am besten davor, stundenlang vor den Geräten zu sitzen? Ich glaube, indem wir ihnen ein gutes Vorbild sind. Machen wir das Gerät selber auch mal aus oder schauen wir dauernd rein? Können wir es ohne das Gerät nicht lange aushalten und ist das Smartphone das erste, das wir morgens in die Hand nehmen? Sehen uns die Kinder selber dauernd vor einem PC sitzen? Ich denke aber, wenn wir Eltern ein gutes Vorbild sind und für uns das Gerät selbst nicht so einen hohen Stellenwert hat, wird es über kurz oder lang bei den Kindern ähnlich sein.

Ich beziehe mich mit meinen Tipps auf Kinder, die etwa so alt sind wie Jimmy, also frühes bis späteres Grundschulalter. Generell empfehle ich zu diesem Thema „Das gewünschteste Wunschkind“ (Affiliate Link), Kapitel „Wie viel Handy ist okay?“ Die Autorinnen erläutern, warum sich Eltern nicht vor den Medien fürchten müssen und dass Kinder beim Spielen und Entdecken mit Handy und Co auch sehr viel lernen. Sie nehmen die Panik aus dem Thema raus, erklären sachlich die Vor- und Nachteile und begründen, wie eine Abhängigkeit entstehen und wie wie sie verhindert werden kann. Es geht, wie bei vielem anderen auch, vor allem um das Ausmaß: (…) wie so oft macht die Dosis das Gift. Solange Kinder den größten Teil des Tages offline sind, sich draußen an der frischen Luft bewegen und mit anderen im freien Spiel versinken können, schaden Apps und Co nicht. (S. 188)

Ich habe mit Jimmy besprochen, was mir als Mutter wichtig ist. Wenn es nach ihm ginge, würde er sich mit dem Computer bei schönstem Wetter in sein Zimmer setzen und Tabellen führen. Deshalb habe ich ihm erklärt, warum mir das Rausgehen so viel bedeutet, dass ich mich sonst um seine Augen sorge und mir wünsche, dass er Zeit an der frischen Luft verbringt. Ich schlage ihm dann vor, eine Runde zur Bücherei zu laufen oder mit dem Nachbarn Fußball spielen zu gehen. Wegen mir dürfen sie dann anschließend ihre Spielergebnisse in eine Excel-Liste eintragen. Jimmy ist da ganz kooperativ, wenn ich seine Wünsche miteinbeziehe. Er fragt auch jedes Mal, ob er den Computer benutzen darf. Übrigens haben wir unsere Regeln gemeinsam besprochen, so fühlt es sich für Jimmy gut an, weil er mitreden durfte. Er kann in meiner Anwesenheit jeden Tag 10 Minuten auf seinen Lieblingsseiten surfen, was er aber selten macht. Außerdem darf er zwei Mal am Tag in mein Handy schauen und die Ergebnisse der Bundesliga (im Moment der Weltmeisterschaft) checken.

Sicherheit im Internet

Was das Internet betrifft, bin ich folgender Meinung: kein Kind muss schon mit sechs oder sieben Jahren im Netz unterwegs sein. Sei froh, wenn sich dein Kind nicht interessiert. Wenn es das aber tut, ist es doch besser, du gibst ihm die Möglichkeit, sicher zu surfen und nimmst es dabei an die Hand. Mit acht oder neun Jahren werden die Kinder garantiert ins Netz kommen, sei es bei Freunden zuhause oder bei Klassenkameraden, die schon ein Smartphone haben. Mir ist es da lieber, Jimmy weiß Bescheid über den Umgang, als dass er heimlich klickt und dann schlimme Dinge liest oder sieht.

Empfehlenswerte Seiten für Kinder im Netz findest du in folgender Liste. Wenn du möchtest, kannst du auf meine-startseite.de zusammen mit deinem Kind eine kindgerechte Startseite erstellen, einen Ordner mit Lesezeichen für Kinderseiten machen und dann gemeinsam mit ihm recherchieren und stöbern. Auf schau-hin.info gibts Infos über Jugendschutzsoftwares und über kinderserver.de hast du die Möglichkeit, mobile Geräte oder den Computer in einen sicheren Surfmodus zu stellen.

  • kika.de
  • tivi.de
  • tivitreff.de (Kindercommunity)
  • helles-köpfchen.de
  • Youtube Kids (im Elternbereich kann man die Seite mit Zahlencodes schützen, das Alter des Kindes eingeben und per Timer das Abschalten der App festlegen. Hier gibt es aber auch viele Werbevideos für Spielzeug, das von anderen getestet wird. Was Werbung ist und was sie bezweckt, sollte man mit Kindern besprechen, finde ich.)
  • blinde-kuh. de (Suchmaschine)
  • fragfinn.de (Suchmaschine)
  • klexikon.de (Kinderlexikon)
  • sandmann.de
  • knipsclub.de
  • naturdetektive.de (Tierisches entdecken)
  • abenteuer-regenwald.de
  • trickino.de (Filme selbermachen)

Ich habe Jimmy schon einmal erklärt, dass er nicht alles glauben darf, was im Internet steht. Das sollten Kinder von Anfang an lernen, damit sie auch später kompetente Surfer werden. Außerdem sprechen wir viel über Werbung. Weil Jimmy Sammelkarten sammelt, hat er dauernd neue Ideen, was er noch so alles braucht. Damit er nicht sein gesamtes Taschengeld in Fußballkarten investiert, versuche ich ihm klar zu machen, was die Sammelkartenproduzenten so im Schilde führen…

Achtung: Suchmaschinen zeigen manchmal bei von Kindern häufig gewählten Stichworten absichtlich verstörende Bilder. Das ist auch ein Grund, warum vor allem Kinder im Grundschulalter nicht alleine im Netz unterwegs sein sollten und Kindersuchmaschinen eine sinnvolle Alternative zu Google und Co sind.

Kreative Medien

Die Medien können Kinder auch prima nutzen, um selber kreativ zu werden. Wir haben ein Buch, mit dem Jimmy programmieren kann: Einfach programmieren für Kinder (Affiliate Link). Gemeinsam mit Anton hat er sich stundenlang damit beschäftigt und die beiden haben mit dem Smartphone und ein paar Legosteinen die Aufgaben durchgespielt.

Außerdem nehmen sich Jimmy und sein Freund gerne mit dem Computer auf, wenn sie ein Tischkickerturnier spielen. Dabei kommentieren sie das Spiel und schauen sich nachher alles noch einmal an. Die Kinder können mit den Handys von den Eltern oder einem Computer selber Bilder machen, Hörspiele aufnehmen oder ein kleines Theaterstück inszenieren. Auf diese Weise lernen sie, die vorhandenen Möglichkeiten zu nutzen und wir als Eltern zeigen, dass Computer und Telefon kein Teufelszeug sind, sondern richtig viel Spaß machen können. Wichtig ist dann aber natürlich nach gewisser Zeit: Gerät aus und ab nach draußen! Auch Skypen ist toll. Dank des Computers können wir mit der Oma quatschen oder die Tante anrufen. Das machen die Kinder gerne und ich finde, dass sie dadurch sehen, dass das Internet eine ganz tolle Sache ist.

Pin it, Baby!

Ich habe außerdem zuhause einen Leitfaden der Freien Waldorfschulen: Struwwelpeter 2.1. Ein Leitfaden für Eltern durch den Medien-Dschungel, den du hier runterladen kannst. Und ich emfehle immer wieder das Buch „Das gewünschteste Wunschkind“ (Affiliate Link) für allerlei Erziehungsfragen, auch was den Umgang mit Medien angeht.

Und nun wünsche ich dir ganz viel Spaß beim Surfen, ob alleine oder mit einem interessierten Kind.

Bleib fröhlich und unperfekt,

deine Laura

Zur Transparenz: für all diese Hinweise wurde ich nicht gesponsert oder bezahlt, sondern habe die Broschüren für mich zusammen getragen und nun für dich in einem Text aufbereitet.

Komm doch mal auf meiner Facebook-Seite vorbei. Da ist zur Zeit viel los und morgen gibts ein feines Gewinnspiel mit richtig viel Musik!

Sarah vom Blog Mamaskind hat zur Blogparade aufgerufen: Müssen Kinder teilen lernen? Das Thema hat mich sofort angesprochen und ich war total verwundert, wie ähnlich Sarah und ich uns sind. Dass wir beide drei Kinder haben, wusste ich. Aber dass es uns mit dem Teilen auch ganz ähnlich geht, das fand ich spannend.

Abgeben muss sein…

Wie bei Sarah auch sagte mir mein Bauchgefühl früher, dass ich den Kindern das Teilen beibringen muss. „Gib deinem Bruder was ab, das muss man so machen unter Geschwistern“, habe ich Jimmy befohlen und war sauer, wenn er von seinen Gummibären nichts abgab. Ich wollte auch, dass Luise ihre Freundinnen mit ihrem Lieblingspferdchen spielen lässt, wenn sie zu Besuch sind, und fand es von Oskar nicht in Ordnung, dass er dem Nachbarsjungen sein Laufrädchen nicht ließ.

Zur Not habe ich das Teilen per Mama-Dekret einfach verordnet. „So ist das eben, mit Geschwistern MUSS man teilen, Ende Aus Mickymaus“. Mich hat es auch nicht verwundert, dass mein Kind weinte, wenn es im Sandkasten saß und die Schaufel  nicht abgeben wollte. „Ist halt so, jetzt ist eben der andere Junge dran, du hattest die Schaufel lange genug“. Im Nachhinhein schäme ich mich dafür, da bin ich ehrlich. Wie dieser Wandel kam? Tjanun, das war aus demselbem Grund wie bei Sarah: ich habe ein Buch gelesen. Dieses Buch habe ich hier schon rezensiert und ich halte es für bedingungslos empfehlenswert: Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn. (Werbelink) Die beiden Autorinnen erklären sehr einfühlsam, wie Kinder denken und ich habe einen ganz einfachen Trick gelernt. Frag dich einfach selbst, wie es dir an des Kindes Stelle gehen würde. Und ganz oft bin ich dann verdutzt, wieso ich das nicht schon immer getan habe, denn meist wird ein Verhalten dann ganz logisch.

…oder etwa nicht?

Ich habe bisher oft nach dem Motto gelebt, dass das Kind gewisse Dinge so hinnehmen muss, weil ich es als Mutter so will. Ich bin die Mama, ich habe die Macht. Die Kinder wissen noch nicht viel, ich weiß es besser. Mama will nur das Beste, also müssen es die Kinder so akzeptieren. Natürlich ist es bei vielen Dingen auch so, denken wir nur mal ans Zähne putzen, in die Steckdose fassen oder über die Straße laufen. Na klar, müssen unsere Kinder vieles so hinnehmen, aber dass sie es nicht gerne machen oder Protest dabei äußern, das sollten wir ihnen lassen. Denken wir nur an uns selbst. Wenn wir gemütlich am Schreibtisch sitzen und einen Auftrag zu Ende bringen und der Chef kommt rein und verlangt, dass wir jetzt sofort aufhören müssen, weil doch dieses Meeting ansteht und zwar auf der Stelle und außerdem mögen wir uns doch bitte endlich was Vernünftiges anziehen, so läuft doch keiner rum! Dann machen wir entweder gar nicht mit oder nur widerwillig, erklären unseren Chef insgeheim für ätzend und sind ihm gegenüber eher negativ eingestellt.

Keine Sorge, ich bin wie alle Eltern hier zuhause ganz oft ein doofer Chef, aber seit ich das Buch kenne, wundere ich mich nicht, wenn meine Kinder dann Protest ankündigen und mich ätzend finden. Ich kann dir nur aus eigener Erfahung sagen: wenn ich gute Nerven habe und mit den Kindern so umgehe, wie ich selbst von anderen Menschen behandelt werden will, dann läuft es geschmeidig. Ganz besonders mit Jimmy, der mich und meine Worte als Siebenjähriger gut versteht.

Was hat das nun alles mit dem Teilen zu tun, fragst du dich, und findest zurecht, dass ich hier wieder ziemlich rumlabere. Aber es ist doch so: wenn der Chef kommt und sagt, dass ich das schöne Geschäftshandy ab morgen mit meinem Kollegen teilen soll und zwar ohne Meckern, ist das klar? Dann sage ich ihm: „Nein, ich brauche das Handy alleine. Ich kann das nicht teilen, was, wenn ein Kunde anruft, und überhaupt, wie soll das gehen? Das kommt mir nicht in die Tüte!“

Ich teile auch nicht alles

Und ich teile viele andere Sachen nicht. Meine schönen Kleider, zum Beispiel. Die möchte ich meinen Freundinnen nicht ausleihen. Mein Handy gebe ich auch nur ungern ab, genauso wie mein Arbeitsmaterial. Wenn Oskar an meine Washi-Tapes geht, gehe ich in die Luft. Und wenn Anton fragt, ob er was von meinem Frappuccino abhaben kann, sage ich „Nein!“

Wieso ist es uns dann nicht glasklar, dass das Kind im Sandkasten gerade so schön mit dieser blauen Schaufel spielt und sie unbedingt braucht, um weiter am Sandberg zu bauen? Stell dir vor, bei ganz kleinen Kindern ist es sogar so, dass sie manche Gegenstände als zu ihrem Körper gehörend ansehen und wenn die Mama dann die Schaufel schnappt, um sie dem zeternden Kind nebenan zu geben, es sich anfühlt, als reiße sie ihm ein Fingerchen ab? Seit ich das weiß, entschuldige ich mich insgeheim beim kleinen Jimmy.

Teilen ist freiwillig

Wieso wollen wir eigentlich, dass die Kinder teilen? Ist ja klar, wir möchten, dass sie merken, dass auch ein anderer Bedürfnisse hat. Dafür müssen sie sich in diesen hinein versetzen. Das können sie aber erst später, Kleinkindern gelingt das alles noch fast gar nicht. Aber Größere sollen unserer Meiung nach teilen lernen, weil wir es in einer Gruppe eben so machen, an den anderen denken, etwas abgeben, damit alle Spaß dran haben, ob Gummibären, sprechender Stift oder was auch immer. Und wir wollen, dass die Kinder es von sich aus machen. Ich glaube, das funktioniert nur auf der Basis von Freiwilligkeit. Zwingen wir sie zum Teilen, machen sie es vielleicht. Sie machen es widerwillig und wenn wir nicht hingucken, machen sie es gar nicht.

Daher mache ich es zuhause jetzt so: ich weiß, dass die Kinder später sowieso von mir lernen, wenn ich ein gutes Vorbild bin. Also teile ich mit den Kindern meine Dinge, die ich teilen möchte und bin auch mal großzügig. OK, Oskar, hier ist ein Stück vom Glitzer-Tape. Aber an meine Stifte und den Computer darfst du nicht dran gehen, ok? Oskar muss aber auch sein geliebtes Laufrad nicht mehr mit dem Nachbarsjungen teilen. Er liebt es, so wie ich meinen Computer. Wenn er nichts von den Süßis abgeben will, dann frage ich ihn, ob Luise nicht doch auch ein Gummibärchen haben darf, sie hat so Lust darauf. Will er nicht, dann ist es so.

Sei versichert: seitdem wir hier keinen Zwang mehr haben, klappt das mit dem Teilen besser. So auch bei Sarah. Die Dinge, die den Kindern furchtbar wichtig sind, die müssen sie nicht teilen. Bei allem anderen sind sie von selber sehr großzügig, der eine mehr, der andere weniger. Das ist auch Typsache. Wie bei so vielen anderen Dingen auch in Erziehungsfragen gilt das Sprichwort von Oswald Bumke:

„Erziehen heißt vorleben. Alles andere ist höchstens Dressur.“

Wenn wir das Teilen vorleben, den Kindern zeigen, dass wir auch an arme Menschen denken. Etwas spenden oder unsere Zeit verschenken. Wenn wir großzügig  mit unseren Mitmenschen, Freunden und Kindern sind, uns gegenseitig unterstützen und auch mal ein Auge zudrücken, dann lernen die Kinder das Teilen von ganz alleine.

Bleib fröhlich und unperfekt,

deine Laura

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