Eine Autofahrt, die ist lustig

Früher bin ich gerne im Auto gefahren. Als Fahrer und als Beifahrer. Ich kann dabei entspannen, nachdenken und auf dem rechten Sitz gemütlich lesen oder schlummern, während die Sitzheizung muckelig von unten wärmt. Das hat sich seit genau viereinhalb Jahren geändert. Denn seitdem wir nicht mehr zu zweit fahren, sondern die Rückbank mit Minderjährigen belegen, ist aus der entspannten Reise ein Abenteuer für die Nerven geworden. Am zweiten Weihnachtsfeiertag im letzten Jahr hat sich diese Tatsache mal wieder mehr als bewahrheitet, aber lest selbst….

Autofahrt

Etwas besser als zu Beginn unseres Elterndaseins sind die Umstände geworden: auf den Rücksitzen liegt nicht mehr ein Säugling in Babyschale, der jämmerlich vor sich hin brüllt und im Traum nicht ans Einschlafen denkt. Auch kann man mit dem Kleinkind namens Luise immerhin ein paar Takte sprechen und nach dem Befinden fragen. Dennoch – richtig Spaß macht Autofahren immer noch nicht. Ganz besonders wenig Spaß macht es am 26. Dezember, wenn außer uns die ganze Welt unterwegs ist, um Eltern und Schwiegerelten aufzusuchen. Noch dazu, wenn ich auf Grund des ganzen Trubels ums Christkind vergesse, ein anständiges Notfall-Auto-Paket zu schnüren. Beschäftigt damit, die Geschenken für Nichten und Neffen zu zählen,  alles Notwendige für zwei Übernachtungsbesuche einzupacken und die neuen Spielsachen im Auto zu verstauen, ohne die Jimmy und Luise keinen Schritt mehr tun, habe ich das Überlebenshandwerkszeug vergessen, das alle Eltern auf langen Autofahrten in der Regel dabei haben: Spiele, Hörspiele, Bücher, Essen, Trinkflaschen, Kissen.

Oben drauf kam der Umstand, dass Anton und ich völlig vergaßen, die Verkehrsnachrichten zu hören und naiverweise dachten, dass wir nach zweieinhalb Stunden Fahrzeit bei Oma zum Mittagessen einkehren würden.

Haha, nach 15 Minuten Fahrzeit und kurz nachdem wir die Autobahn erreicht hatten, kam, was kommen musste: ein Mörderstau versperrte uns die freie Fahrt und es ging nichts mehr. Rien de va plus, sozusagen. Natürlich hatte Jimmy bis dahin schon gefragt, wie lange die Fahrt noch dauert. Luise beschwerte sich bereits über die Musikauswahl ihres Bruders und forderte ein Bobo-Hörspiel, was wiederum Jimmy nicht in die Tüte kam. Anton blieb ruhig, ich ärgerte mich über uns. „Warum haben wir nicht an einen möglichen Stau gedacht und sind den anderen Weg gefahren?“ fragte ich ungeduldig. In diesem Moment signalisierte uns das Navigationssystem eine Verkehrsstörung und eine Verlängerung der Fahrt um 45 Minuten. Danke, TomTom, du A***. „Hunger!“, ertönte es von hinten und mir wurde heiß. Wie gesagt hatte ich nichts zu Essen eingepackt. Ein fataler Fehler. Eine fast leere Packung Nüsse aus meiner Handtasche stieß nicht gerade auf Hurra-Rufe, wurde aber sofort verputzt. Zum Glück hatte ich wenigstens eine Flasche Wasser dabei.

„Wann sind wir endlich da?“, fragte Jimmy erneut, und Luise stemmte sich in den Sitz. „Zu eng“, rief sie, und bekam einen roten Kopf vor Wut. Mir wurde so langsam schlecht, denn dieses Vorwärtskommen im Start-Stop Modus in Kombination mit andauerndem nach Hinten drehen bekommt meinem Magen nicht. „Haben wir was zum Angucken dabei?“, fragte Anton. „Das Tablet liegt im Kofferraum und die Batterie ist fast leer“, sagte ich schuldbewusst und sauer gleichzeitug. Warum noch mal sind immer die Frauen für das Packen verantwortlich? (Wenn ein Leser die Antwort weiß, bitte sofort in die Kommentare hämmern – Danke!)

Beim nächsten Stop sprang ich in Windeseile aus dem Auto, machte den Kofferraum auf, suchte das Tablet und ignorierte das Gehupe, weil es natürlich genau in diesem Moment weiterging. Zum Glück konnten wir auch das Batterieproblem lösen, denn Anton hat immer irgendwelche Kabel bei sich, die man dann in den Zigarrettenanzünder stecken kann.

Wer jetzt denkt, nun herrschte Ruhe, kennt unsere Kinder nicht. „Ich will kein Sandmännchen schauen“, beschwert sich Jimmy. „Ich mag kein Caillou“, antwortet Luise. „Dann guckt ihr eben Michel oder ich mache das Ding wieder aus“, meckere ich zurück. Als sich die beiden Kinder geeinigt haben, stimmt die Lautstärke nicht. Beim Sound hochdrehen wird es mir noch schlechter und ich merke, dass ich auf die Toilette muss. Anton warnt mich noch, dass wir zwar den nächsten Autorasthof ansteuern können, dieser aber sicher voll sein wird. Aber so langsam wird es dringend. Die Schlange auf der Standspur ist lang und bedeutet in der Tat nichts Gutes. Auf dem Rastplatz angekommen, traue ich meinen Augen nicht: vor der Toilette warten um die 30 Leute. Aber ich nutze die 20 Minuten und genieße die Zeit ohne Kindergeschrei. Weitere 15 Minuten Anstellen an der Kasse später verlasse ich die Tankstelle mit vier Brezeln für 8,50 Euro. Wenigstens die Hungerfrage ist geklärt. Ich steige ein und verteile sie an die hungrige Meute, dann machen wir uns auf in den Kampf zurück auf die Autobahn. Inzwischen hat die Oma angerufen und gefragt, warum wir nicht zum Mittagessen da sind. Jimmy und Luise haben keine Lust mehr auf die Filmchen und zetern um die Wette. Mein Vorschlag, einen Mittagsschlaf zu machen, wird abgelehnt. Wir hören Kinderlieder und singen dazu, aber unsere Nerven liegen blank.

„Raaauuuus“, brüllt Luise, und hört nicht mehr auf, wie eine Wahnsinnige zu heulen. Ich drehe mich nicht mehr um. Mir ist übel, ich bin gereizt, Anton verliert auch langsam die Nerven und von der Stimmung auf dem Rücksitz wollen wir gar nicht sprechen. Jimmy nimmt Luise die Sprudelflasche weg, Luise zieht ihm ihre Maltafel über den Schädel. Ich beschwere mich über Antons Art zu bremsen. „Dann fahr du doch“, ätzt er zurück. Weihnachten geht mir auf die Nerven, denke ich.

Nach vier Stunden haben wir es geschafft. Wir biegen bei Oma und Opa um die Ecke. Es herrscht Stille, denn Jimmy und Luise sind vor fünf Minuten eingeschlafen. Kennt ihr diese Situationen, wenn man gerade eingeschlafene Kinder aufweckt? Aber das ist ein anderes Thema….

Eure Laura

Ps.: Und hier die ultimative Liste für ein Auto-Notfall-Paket, die ich jetzt erstellt habe. Wer etwas hinzuzufügen hat, darf das gerne in die Kommentare tippen. Ansonsten bitte kopieren und nie mehr vergessen!

– Hörspiele und Musik-CDs aller Art (leihe ich gerne aus der Bücherei aus)
– Tablet mit einer Stunde Filme beladen (Bei uns bietet sich derzeit „Peppa Wutz“, „Zoeys Zauberschrank“ und „Die Sendung mit der Maus“ an)
– Eine Maltafel für jedes Kind
– eine Trinkflasche mit Wasser
– Knabberbrezeln, Obstschnitze, Notfall-Süßigkeiten
– Klopapier und Desinfektionsmittel für den Rastplatz
– Windeln, falls Wickelkind vorhanden
– Liederbuch, Rasseln und Mundharmonika
– Ohrenstöpsel für den Beifahrer
– Aufladekabel für diverse elektrische Geräte
– Ratespielideen
– Tip Toi samt Büchern und Kopfhörern
– Nackenkissen und Decken zum Schlafen

Pia Laura Froehlich

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.