Seid gut zu euch selbst! Mütter und ihr schlechtes Gewissen

Frauen, Meisterinnen der Selbstverurteilung

Das schlechte Gewissen ist ein ständiger Begleiter von uns Frauen. Oder habt ihr schon einen Mann erlebt, der sich Gedanken darüber gemacht hat, ob er heute morgen im Kindergarten vielleicht ein wenig zu unfreundlich zur netten Erzieherin war? Ob er den Kindern hätte länger winken sollen? Der sich vor dem Schlafengehen den Kopf zerbricht, weil er die eigene Mutter seit Tagen nicht mehr angerufen hat oder schon ewig nicht mehr mit dem besten Kumpel etwas trinken war? Nein, es sind wir Frauen, die uns selbst pausenlos für das eigene Verhalten verurteilen.

Mütter sind noch schlimmer

Noch schlimmer wird es, wenn eine Frau Mutter wird. Dann gehts erst richtig los. Vom Tag, an dem der Schwangerschaftstest zwei Striche zeigt, setzt sie sich einer ewigen Litanei an Selbstvorwürfen aus. Hat sie nicht erst letztes Wochenende eine halbe Flasche Rotwein getrunken? Wird die Kopfschmerztablette am Morgen danach Auswirkungen auf den Embryo haben? Wenn das Kind dann da ist, fallen der jungen Mutter täglich bis zu 50 Dinge ein, die sie beim Thema Stillen, Wickeln, Füttern, Erziehen, Schimpfen und Loben hätte besser machen können.

Auf dem Blog Frau Mutter hat Gastautorin Alina Rheindorf auf lustige Weise von diesen Gefühlen geschrieben, die natürlich in vollem Umfang auch mir bekannt sind. Eine Frage stellte ich mir aber beim Lesen:

Warum machen wir uns das Leben so schwer?

Ist uns Frauen eigentlich klar, dass es fast unmöglich ist, alles was wir uns so vornehmen zu schaffen? Top im Job, nebenher die Kinder versorgen, bespielen und bespaßen, die Wohnung sauber und die Wäsche frisch gebügelt halten? Kontakte zu Freunden pflegen und dem Mann eine verständnisvolle Partnerin und Zuhörerin zu sein? Übrigens gesellen sich zu all diesen anstrengenden Dingen gerne noch ein paar weitere dazu: Die Zutaten für das Essen sind bitte bio und  regional, die Kleider der Kinder fair produziert und gleichzeitig modisch, das Spielzeug aus Holz und plastikfrei, die Geburtstagstorte selbst gebacken, die Schlumperhose für das Baby genäht und die Schultüte in stundenlanger Heimarbeit eigenhändig geklebt. Und dann ist da noch die Sache mit den ständigen Entschuldigungen! Wir entschuldigen uns dafür, dass wir ein Jahr nach der Geburt noch keine Top-Figur haben, immer noch nicht in den Job zurückgekehrt sind, weil wir lieber zuhause bleiben wollen. Aber wir entschuldigen uns auch, wenn wir den ganzen Tag auswärts arbeiten, denn es tut uns leid, dass die Kinder den ganzen Tag in der Kita sind. Wir entschuldigen uns bei Freundinnen-Besuch, dass der Boden nicht gesaugt ist und bitten bei den Kindern um Verzeihung, dass wir heute noch keine Milch gekauft haben……

….ja spinnen wir denn eigentlich alle?

Umdenken ist angesagt

Ich möchte hier eine Lanze brechen – und zwar für uns selbst. Warum tun wir uns das eigentlich an? Sind wir es uns nicht schuldig, endlich mal all das Gute zu sehen, das wir Tag für Tag tun? Warum fühlen wir uns laut Rheindorf wie eine #Rabenmama, weil wir wieder arbeiten gehen, noch bevor die Kids drei Jahre sind? Ist doch klasse: wir leben unseren Kindern Eigenständigkeit vor, wir lieben unseren Job, wir verdienen Geld dazu, wir möchten, dass unsere Töchter später auch das tun, was sie gerne machen und gelernt haben. Warum stempeln wir uns als #Hausfrau4ever ab, wenn wir bei den Kindern zuhause bleiben? Ist doch eine mutige Entscheidung: wir kümmern uns um das Wertvollste, das wir haben. Sich um andere Menschen zu bemühen, Hausarbeit zu machen und die Familie zu managen ist eine äußerst ehrenwerte, wichtige Aufgabe. Sie wird zwar von der Gesellschaft leider zu wenig anerkannt, aber zumindest wir könnten unsere Einstellung dazu ändern.

Alles Einstellungssache

Und damit komme ich zu einer weiteren Rüge an uns Frauen. Ganz, ganz oft sehen wir uns selbst in einem negativen Licht. Es sind manchmal weniger die blöden Blicke oder die doofen Kommentare anderer, als unserer eigene Verurteilung der Dinge die wir tun, oder auch nicht tun. Versuchen wir doch mal gemeinsam, diesen Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen, und zwar  mit folgenden Maßnahmen: wenn ihr mal wieder denkt, ihr habt zu wenig mit dem Kind gespielt, dann seht es mal aus einem anderen Blickwinkel. Dafür habt ihr in der Zeit etwas für euch getan, die Lieblingszeitschrift gelesen, ins Handy oder in die Luft geguckt. Das tat euch gut und wenn es euch gut geht, ist das auch für das Kind äußerst prima. Wenn ihr mal wieder denkt, ihr habt eure Kinder nicht gleich behandelt, dann seht es mal so: Wenn Kinder immer auf dem Gerechtigkeits-Wahnsinn rumpochen und ihr dem nachgebt, werden sie ihr Leben lang alles gegeneinander aufwiegen.

Wir tun Tag für Tag so viel Gutes

Hören wir auf, uns wegen jeder Kleinigkeit rund um die Erziehung unserer Kinder ein schlechtes Gewissen zu machen. Schauen wir mehr auf all die liebevollen Gesten, die wir tagtäglich verschenken. Auf das, was wir leisten, ob im Job oder zuhause. Schauen wir auf das gemeinsame Kartenspiel mit dem Sohn oder die lustige Badesession mit der Tochter. Schreiben wir uns in ein Tagebuch, dass wir heute eine Familie mit gesundem Essen oder einem Gehaltsscheck versorgt haben. Dass wir kranke Kinder gepflegt, traurige ermutigt und ängstliche getröstet haben. Wir tun jeden Tag echt viel für die Kids, für unsere Familie und Freunde! Aber wir sehen nur, was wir nicht tun. Mütter, schaut positiv auf euch selbst. Und es gibt einen weiteren Grund, warum wir dass tun sollten: Am Ende werden eure Töchter sich selbst so sehen, wie ihr es heute tut, denn ihr seid ihr größtes Vorbild.

Also, habt nicht dauernd ein schlechtes Gewissen. Ihr seid toll im Mutter-Sein!

Und hier noch ein schöner Text der Blogprinzessin zum Thema Schuldgefühle Bingo

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Laura

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