Oskar geht an die Decke: Über Zweijährige und die besondere Zeit der großen Gefühle

Neben mir sitzt ein kleiner Mann. Er schreit und brüllt, sein Gesicht ist rot vor Wut. Wer kann es ihm verübeln, denn schließlich habe ich ihm erst gerade verboten, alle Uno-Karten zu kleinen Paketen zu knicken. Das macht ihn sauer, sogar sehr sauer. Genauso macht es ihn sauer, wenn ich ihm das Sammelalbum des großen Bruders aus der Hand nehme, das Handy von Papa oder selbstgemalte Bilder von Luise.

Oskar will es selbermachen

Alles, was er will, ist überall dabei zu sein und mitzuhelfen, und wer kann es ihm verübeln? Aber manchmal habe ich keine Lust darauf, dass er beim Decken fünfzehn Teller auf den Tisch stapelt und zwei dabei zerbrechen. Manchmal finde ich es auch nicht so super klasse, wenn er mal wieder bei der Wäsche helfen möchte und meine Seidentops in den Trockner steckt. Wenn ich dann laut „oh nein, das darfst du nicht!“ rufe, wird das fromme Helferlein sauer und explodiert in einem lauten Knall. Er rauft sich die Haare, legt sich auf den Boden und beißt in den Granit.

Das Leben mit einem Zweijährhigen ist ziemlich lustig. Ich schaue einem kleinen Jungen zu, der seine ersten Worte spricht, der die dicken Ärmchen um meinen Hals legt und einen feuchten Kuss auf meine Backe schmatzt, der blonde Löckchen und knuffige Luftkissenfüße hat, und finde ihn wunderbar. Manchmal liege ich neben diesem Kind und schaue ihm beim Schlafen zu, weil es nichts Wunderschöneres auf der Welt gibt als diesen Engel.

Alles ganz normal

Und dann raufe ich mir wieder selbst die Haare, weil es nichts gibt, das anstrengender ist als diese Wutbombe, die jederzeit hochgehen kann. Ich weiß inzwischen, dass dieses Verhalten harmlos ist. Das Kleinkind möchte selbstständig sein, alles selber machen und aussuchen. Es möchte nicht die Zähne putzen und nicht gewickelt werden, findet Messer, Bierflaschen und Elektronikgeräte viel besser als die olle Holzeisenbahn und hätte am allerliebsten so ein Smartphone wie sein Papa.

Auf diesem Smartphone schaut der Engel, formally known as „die Wutbombe“, gerne Bilder an. Papa hat mit dem Mist angefangen, damit sich das Kind wenigstens wickeln lässt. Also darf der Engel mit den knuffig dicken Beinchen auf dem Wickeltisch Familienfotos angucken und empört sich natürlich lautstark, wenn er das Gerät danach wieder abgeben soll. Zum Glück hat der Lockenkopf einen Papa mit butterweichem Herz und auch wenn Mama das nicht gerne sieht, darf er noch ein wenig daddeln. Dabei stellt er die Sprache des Geräts auf chinesisch um, schreibt ein paar Mails an den Chef und ruft den Cousin in Singapur an.

Wenn Ferkel Schokolade essen

Noch etwas gibt es über Zweijährige zu sagen. Sie sind wirklich die größten Ferkel unter der Sonne. Oskar, die Bombe, liebt Schokolade. Die isst er mit offenem Mund und dicke Schokosoße läuft auf den Pullover und in die Tischritzen. Neulich freute ich mich über fünf Minuten Ruhe, denn unseren Engel den ganzen Nachmittag zu betreuen kann an die Nieren und die Nerven gehen. Als ich aber zu lange nichts von ihm hörte, schaute ich nach. Er saß in seinem Lieblingsraum vor der Waschmaschine auf einem Berg frischer Wäsche. In der Hand hielt er einen goldenen Schokohasen, halb angebissen. Den hatte er wohl in meinem Osterhasenversteck gefunden. Im Mund hatte er einen dicken Klumpen Schokolade und ein paar Fetzen Staniolpapier. „Hamm Hamm“ sagte er und blickte selig zu mir hoch. Ich sah die weiße Wäsche mit den Schokoflecken und dann das Kind mit den blauen Augen und dem strahlenden Blick. Wer kann Engeln schon böse sein?

Da musst du durch

Jedenfalls sage ich dir eines, falls auch du gerade so einen Zweijährigen zuhause hast. Mörderanstrengend, die Geschichte. Und niemand glaubt dir, dass man wahnsinnig wird, wenn man mit dem süßen Knirps ein paar Stunden zuhause verbringt und auch noch den Haushalt erledigen muss. Sie wüten und trotzen und du fragst dich, wie du diese Wutbombe später mal in die Gesellschaft integrieren sollst. Keine Sorge, das gibt sich alles wieder. Du hast nichts falsch gemacht, sondern musst diese Zeit einfach überstehen. Kinder sind so, jedenfalls die meisten. Meine haben in diesen Kleinkindjahren ihre Emotionen so richtig ausgelebt, wie ich es mal freundlich formulieren möchte.

Dabei ist es immer gut, sich ein paar Minuten neben das schlafende Kind zu legen und diesen Anblick zu genießen. Das wiegt die Arbeit und die Schokoflecken, die Stirnfalten und die dünnen Nerven auf jeden Fall wieder auf.

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

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Laura

10 Comments

  1. Also die Trotzanfälle mit 2 Jahren sind wahrlich nichts gegen die, die mein Sohn jetzt im Alter von 3 Jahren erlebt. Damals hatte ich Zweifel, ob ich ihn mit zum Einkaufen nehmen sollte oder ob meine Nerven das nicht mitmachen. Inzwischen streikt man, wenn wir am weitesten von zu Hause weg sind und ich muss das Laufrad tragen. Das liebe ich ungemein, also gar nicht :p Aktuell kommen wir auch mit „selbst entscheiden lassen“, also zwei Alternativen anbieten nicht mehr weiter. Vor allem aber sind in letzter Zeit keinerlei Trigger erkennbar, die solch einen fiesen Trotzanfall auslösen…

  2. Das mit dem schlafenden Kind kann ich nur bestätigen! Dieser Frieden, der dann auf den Gesichtszügen ruht, ist einfach unbezahlbar. Das funktioniert übrigens auch noch gut, wenn sie älter sind, sagt meine Schwiegermutter. Und: was gibt es schöneres als ein schlafendes Kind? Zwei (oder drei oder …) schlafende Kinder! 😉

  3. Moin moin! Stimmt alles. Aber Dreijährige sind leider auch nicht besser. Ergänzt durch einen Erstklässler bringt mivh unserer auch an alle Grenzen. Mehr dazu in meinem Blog aus Vatersicht (ich bin Quotenmann)
    Viele Grüße aus Kiel
    Philip

    • Lieber Philip, willkommen, Quotenmann. Und ja tatsächlich, auch ein Dreijähriger kann einen in den Wahnsinn treiben. Jedes Alter ist anstrengend und gleichzeitig wunderschön, gilt eigentlich auch für uns Erwachsene, oder? Liebe Grüße, Laura

    • Liebe Hendrika, was für einen wunderschönen Namen du hast! Krass, diese Zweijährigen, oder? Sie bringen einen um den Verstand und sind doch sooo süß…

  4. Noch trennen uns fünf Monate vom zweiten Geburtstag. Danke schon mal für den Artikel und die Tips. So hoffe ich dann etwas entspannter zu werden.

    • Auf jeden Fall solltest du dich nicht stressen lassen oder denken, es liegt an dir. Kinder sind nunmal so und es soll wohl auch welche geben, die zahm sind wie Lämmchen 😉 Liebe Grüße von Laura

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