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Luise und ich sind uns sehr ähnlich. Wir haben viel Power, im guten und im schlechten Sinne. Wir lachen viel und sind leicht zu begeistern, wir sehen die Dinge positiv und bringen gute Stimmung in den Raum, das kann man so sagen. Wir sind aber auch ziemlich schnell wütend, schreien rum und knallen mit den Türen. Noch dazu machen wir alles mit Schwung und Elan. Dabei fällt dann oft was um oder geht kaputt. Wir sind uns ähnlich und geraten vielleicht aus diesem Grund gerne aneinander. Denn in Luise erkenne ich mich und meine (unguten) Eigenschaften wieder und das sorgt in mir drin für Zunder.

Meine Tochter treibt mich in den Wahnsinn

Sie stürmt in die Küche, die kleine Dame, und will was trinken. Beim hastigen Einschenken verschüttet sie das Wasser. Das nervt mich enorm. Erst vor zehn Minuten ist mir eine Tasse Espresso auf den Küchenboden geplumpst und hat die ganze Wand versaut. Nun kann ich schon wieder aufwischen. Luise hilft, aber ist auch schnell davon geflitzt. Wie sie heute wieder aussieht! Die Leggings in Pink, das Shirt in Kunterbunt. Eine lila Strähne im Haar und die bunten Socken dazu – ich kann es kaum mit anschauen. Sie hat genaue Vorstellungen von dem, was sie trägt. Das geht mir bei meinen Sachen ganz genauso.

Und Luise brüllt. Wenn sie sich weh getan hat, ist sie eine Sirene. Sie macht alle Schleusen auf und heult los, den Mund offen, die Augen zusammengekniffen, der Ton löst ein Pfeifgeräusch in meinen Ohren aus und macht mich wahnsinnig. Bin ich selbst anders? Nein, kein bisschen. Ich bin Frau Laut. Mich hört man auch zwei Straßen weiter noch schreien, wenn ich mich aufrege, ich lache, fluche und brülle, wenn es nötig ist.

Mini-Me

Vielleicht regt mich Luise manchmal so ungemein auf, weil ich mich in ihr wiedererkenne. Wir sind uns nicht nur optisch ähnlich, sondern auch im Wesen. Genau wie ich erschrecke, wenn ich Anton genauso anpampe, wie es meine Mutter mit meinem Vater tut, finde ich es unangenehm, wenn Luise mal wieder zetert wie ich. Ich sehe mich in meiner Mutter und in Luise wieder. Das ist oft schön, denn wir haben viele gute Eigenschaften. Bei den (vermeintlich) schlechten Eigenschaften fühle ich mich aber irgendwie ertappt. Was mich daran manchmal traurig macht: weil mir die Jungs nicht besonders ähnlich sind, habe ich für sie vielleicht ab und zu mehr Verständnis.

Ich kam darauf, weil Anton jedes Mal an die Decke geht, wenn Jimmy kein Interesse hat, zu essen. Dabei lag ihm damit sein Vater früher dauernd in den Ohren und warf ihm vor, zu dünn zu sein. Anton war extrem genervt deshalb und nervt heute Jimmy. Jimmy rennt übrigens auch so wie der kleine Anton, er fuchtelt dabei mit den Armen in der Luft und er spielt stundenlang Schach mit sich selbst – wie Anton, als er sieben Jahre alt war. Mit Luise kommt er dagegen gut klar, sie ist so anders als er.

Wenn Eltern ausflippen

Um dieses Thema kreisten meine Gedanken letzte Woche, als Luise mit den Großeltern im Urlaub war. Ich hatte nämlich ein furchtbar schlechtes Gewissen, weil wir so einen Ärger hatten. Sie regte mich auf und war mir mal wieder zu laut, zu ungestüm und zu gruselig angezogen. Bin ich guter Dinge, sehe ich darüber hinweg. Wir aber hatten Stress zuhause, denn wenn Kinder Ferien haben und gelangweilt sind, die Mutter dagegen arbeiten muss, geht das selten gut aus. Und nachdem ich fünf Mal die Nerven bewahrt hatte, ist mir die Hutschnur gerissen. Ich habe Luise so richtig angeschnauzt, der Auslöser war scheinbar banal. Ich musste mich sogar aufs Klo retten, denn das wichtige ist dann, mich selbst raus aus der Situation zu nehmen. Ich zählte bis zehn und biß außerdem in die Klopapierrolle. Dann habe ich alle Handtücher durch die Gegend geschmissen und fünf Minuten im neuen Ikea-Katalog geblättert. Anschließend ging es mir besser.

Luise saß in ihrem Zimmer und tat das gleiche. Erst knallte sie mit der Tür, dann schmiss sie alle T-Shirts durchs Zimmer und las eine Weile in ihrem Conni-Buch. Da waren also zwei Damen mit ähnlichem Gesicht und Temperament, außer sich vor Wut und Entsetzen und in dem kurzen Glauben, die andere niemals wieder nett finden zu können.

Wenn wir in den Spiegel blicken

Aber irgendwann war der Zorn verraucht. Vielleicht war es auch genau der richtige Zeitpunkt für etwas Abstand und Jimmy und Luise brachen ohne Abschiedsschmerz in den Urlaub auf. Auch ich habe die Woche ohne die beiden Großen genossen und hatte die Auszeit dringend nötig. Nach und nach konnte ich wieder liebevoller auf meine Luise blicken und in diesem Zuge auch auf mich selbst. Luise ist nämlich wirklich in vielerlei Hinsicht mein Spiegel. Übrgens ist sie auch so lebenslustig, so voller Kraft und so witzig wie ich. Überhaupt ist sie ganz wunderbar und toll. Sie ist wie ich und doch ganz anders. Wir werden uns vermutlich unser ganzes Leben ein wenig aneinander reiben. Aber wir werden uns auch immer ziemlich schrecklich lieben.

Gehts dir mit einem deiner Kinder ähnlich? Macht dich eines vielleicht auch besonders wahnsinnig, gerade weil du dich in ihm wiedererkennst? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

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Mein Kind ist krank

Na, wie oft hast du dich schon gefragt, ob ihr eine normale Familie seid? Ob das ein oder andere Kind vielleicht nicht der Norm entspricht, sein Verhalten wunderlich ist oder sein Charakter irgendwie abnorme Züge hat? Dann hast du gegoogelt, verschiedene Antworten bekommen, eine Diagnose erstellt und sie mit allen Freunden und Verwandten ausgiebig besprochen, oder?

Tja, dann ist wohl alles ganz normal. Denn ist es nicht so, dass wir irgendwie alle am liebsten normal wären und aus diesem Grund jede Abweichung, vor allem die unserer Kinder, besorgt betrachten und gedanklich bis zum Gehtnichtmehr bearbeiten? Ehrlich gesagt vermute ich, dass die meisten kleinen Abweichungen von der scheinbaren Norm eben eines sind: normal. Die meisten Eltern müssten sich eigentlich überhaupt keine Sorgen machen, könnten sich viele Arztgespräche und Therapien sparen und mal ganz gechillt die Füße hochlegen. Das ist aber nicht so einfach, schließlich sind die Kinder das wichtigste, das wir haben und ihr gesundes Großwerden unser bedeutendstes Ziel.

Natürlich gibt es viele Krankheiten, psychisch und physisch, die eine Behandlung oder eine Therapie mit sich bringen (müssen). Ob ADHS, eine Intoleranz, Schwierigkeiten mit dem Bewegungsapparat und viele andere Dinge – aber das alles meine ich hier nicht. Ich meine vielmehr folgende Überlegungen, die eine Mutter von drei Kindern vielleicht in dieser oder ähnlicher Form angestellt haben könnte, natürlich nur ganz theoretisch.

Diagnosen einer Mutter

  • Das ewig brüllende Kleinkind hat eine Persönlichkeitsstörung, vermutlich ausglöst durch das sorgenvolle Herumgegrübele in der Schwangerschaft über schadstofffreie Wickelunterlagen. Therapiert werden muss mit dreierlei Globuli, einem Badeeimer, Bernsteinketten und dem Lesen von drülfzig Baby-Ratgebern.

Dr. Laura würde heute raten: nur die Ruhe, einige Babys brüllen nun mal besonders viel, da beisst die Maus keinen Faden ab. Diagnose: Alles normal, Therapie: Durchatmen und Durchhalten!

  • Weil selbes Baby ausschließlich den Vater, nicht aber die Mutter anlächelt, ist die Mutter sicher, das Kind habe Baby-Autismus. Sie googelt und überlegt, es in der Pädiatrie vorzustellen.

Dr. Laura würde heute raten: das Baby ist genauso genervt von der Mutter wie sie von ihm. Es freut sich, endlich ein anderes Gesicht zu sehen und außerdem ist Papa im Gegensetz zu Mama immer völlig entspannt und googelt maximal nach neuen Kopfhörern oder einem Mountainbike. Diagnose: Alles normal, Therapie: chillaxen und Google abschalten.

  • Das Kleinkind läuft nicht, sondern liegt kurz vor dem ersten Geburtstag wie ein Käferlein auf dem Boden. Die Mutter attestiert eine Muskelschwäche und hyperventiliert, als der Kinderarzt sagt, dass sie bitte in einem halben Jahr mit dem Käfer wieder vorstellig werde, denn die meisten Kinder würden zu diesem Zeitpunkt wenigstens krabbeln.

Dr. Laura würde heute raten: Mutter, sei froh, dass dir der Käfer noch nicht davondüst und genieß die Zeit. Irgendwann laufen sie alle, die einen früher, die anderen später. Diagnose: Alles normal, Therapie: sich in den Park legen und all den nervösen Eltern zuschauen, die ihren Einjährigen hinterherrennen müssen.

  • Das Kleinkind interessiert sich nicht für Sand und Eimer, Frühmusizieren oder Klatschreime, es sehnt sich ausschließlich nach Straßenbahnen. Die Kindergärtnerin merkt an, das Kind würde den lieben langen Tag ausschließlich die Haltestellen der Linie U8 aufsagen. Die Mutter diagnostiziert sofort eine multiple Persönlichkeitsstörung und informiert sich über Hochbegabung und Asperger Syndrome.

Dr. Laura würde heute raten: kleine Kinder haben die abnormsten Interessen, bei denen sogar erfahrene Psychatrieärzte mit den Ohren schlackern. Das eine Kind geht nicht ins Bett, ohne ein Kaminwerkzeug fest umschlungen zu halten, das andere kann weder Mama noch Papa, dafür Trizaterops Trizeraldos sagen. Wieder andere gehen nicht ohne Taucherbrille aus dem Haus oder tragen im Hochsommer Gummistiefel. Diagnose: Alles normal, Therapie: sich einfach selber eine verrückte Eigenart ausdenken und diese zelebrieren.

  • Das Kind bekommt eine Schwester und interessiert sich keinen Zentimeter für das Baby. Es guckt nicht, spricht nicht und streichelt nicht. Die Mutter ist sich sicher, es verfüge über mangelnde soziale Fähigkeiten und würde vermutlich sein Leben lang keine menschlichen Beziehungen entwickeln können.

Dr. Laura würde heute raten: es gibt Brüder, die lieben ihre Schwester und zeigen das von Anfang an, es gibt aber auch Brüder, die lieben ihre Schwester, würden sie aber auch sofort gegen eine Miniaturstraßenbahn eintauschen. Das wird sich im Leben vielleicht sogar niemals ändern. Diagnose: Alles normal, Therapie: Menschen, die das Wort „Geschwisterplüsch“ verwenden, meiden, dafür unbedingt das Buch von Marlene Hellene, Man bekommt ja so viel zurück (Affiliate Link), lesen, der ging es nämlich genauso.

Einen Fall habe ich noch!

  • Das Kind hat zu Schulbeginn Schwierigkeiten, einen Stift zu halten, weil es zuvor noch nie einen Sinn darin gesehen hat, einen solchen zu benutzen. Die Mutter kommt noch einmal auf die Muskelschwäche zurück und denkt kurz darüber nach, mitsamt den andern Kindern einmal die Woche zu einer anstrengenden Ergotherapie-Sitzung zu dackeln (die in ganz vielen Fällen durchaus sinnvoll ist), auf die das Kind aber noch weniger Lust hat als aufs Schreiben.

Dr. Laura würde heute raten: Kinder, die nicht gerne malen, gibts genau so oft wie Kinder, die nicht gerne rechnen. Alles ist eine Frage der Übung und meist klappts nach einem halben Jahr schon viel besser. Diagnose: alles ganz normal. Therapie: Stifte mit Glitzerfußbällen oben drauf kaufen, Fußball-Sammelalben zum Ausfüllen besorgen oder Briefe an das Christkind schreiben lassen, zur Not auch im Hochsommer.

Alles normal, oder?

„Es ist normal, nicht normal zu sein“, lautet eine schöne Überschrift im Familienmagazin der Süddeutschen Zeitung, Mai/Juni-Aushabe von 2018. Darin spricht die Politikwissenschaftlerin Ursula Stark Urrestarazu über das Phänomen, dass Eltern so viel über die Eigenheiten ihrer Kinder nachdenken. Sie rät, dass sich Eltern bewusst machen sollten, wie vielschichtig und veränderbar Kinder sind. Jedes von ihnen trage so viele Eigenschaften, Interessen und Begabungen in sich, die sich ergänzen und auch widersprechen würden und fügt hinzu, dass die Bandbreite des Normalen viel größer ist, als wir denken.

Wenn ich auf Instagram poste, wie schlimm sich meine Kinder streiten, dann melden sich viele andere Eltern, die das gleiche erleben. Mir und ihnen tut es dann total gut zu wissen, dass das also normal ist. Denn wenn alles so läuft, wie es soll, dann haben wir ein gutes Gefühl und wissen, es geht in die richtige Richtung. Selbstverständlich sind wir und unsere Kinder in vielen Punkten auch ein wenig außergewöhnlich. Meine Kinder zum Beispiel streiten sich außergewöhnlich viel, der kleine Oskar wirft sich gerade außergewöhnlich intensiv brüllend auf den Boden und ich gehe in den Ferien außergewöhnlich oft in die Luft – und das ist eigentlich auch ganz normal!

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Falls du Lust hast, zu unserer obercoolen Eltern-Austausch-Community dazuzustoßen, dann schau doch mal bei Instagram vorbei. Da kann man ganz passabel miteinander quatschen, sich austauschen und merken, dass es in jeder Familie laut, chaotisch, anstrengend und doch irgendwie ungemein lustig zugeht.

Es gibt so Tage im Leben einer Familie, die beginnen ziemlich unschön. Bei uns lief heute Morgen ein Drama in drei Akten ab, das absolut filmreif war. In den Hauptrollen sahen die Zuschauer einen Vater unter Zeitdruck, eine Mutter am Rande eines Nervenzusammenbruchs und ein wütendes Kleinkind. Gespielt haben die drei fantastisch, ihre Emotionen waren auf der Bühne wie auch in der Nachbarschaft spürbar. Das Publikum, eine Schwester des Kleinkinds und alle Nachbarn in der näheren Umgebung waren gebannt und nach der Aufführung mehr als beeindruckt von der schauspielerischen Leistung der drei Protagonisten.

Auf jeden Fall erwachte im ersten Akt ein etwa zweijähriger Bub mit knatschigem Temperament, der schon mal das Haus zusammenbrüllte. Auf die Bühne kamen außerdem Papa Anton mit zermatschter Visage, auch bei Mutter Laura hatte die Visagistin ganze Arbeit geleistet: die Augenringe hingen tief, die Frisur saß schief. Gemeinsam mit einer zauberfrischen Luise setzten sich drei miesepetrige Menschen an einen Tisch. Beim Frühstück wollte der kleine Oskar dann erst eine Milch, dann einen Löffel, dann lieber Wasser und Brot ohne Rinde. Die Milch fiel um, die Mutter schrie nach einem Lappen. Papa Anton verwies darauf, dass er jetzt ins Bad ginge, er habe einen frühen Termin. Geheule von Oskar, der nicht ohne Papa sein will, jetzt nicht und später nicht und überhaupt niemals.

Anton schaut mit gestresster Mine, „ich kann mich mit Oskar nicht schnell fertig machen“, fleht er. Aus dem Zuschauerraum klingt mitfühlendes „oh je“ und „ach, der Arme“. Da hat Mutter Laura ihren großen Auftritt: „Aber Oskar lässt sich von mir nicht wickeln“ zetert sie los und wischt dabei Milch vom Boden. „Immer ich und alles bleibt an mir hängen, du gehst und ich bin hier alleine mit den Kindern“ ruft sie ausdrucksstark und Nachbar Peter schaut neugierig zu den Fenstern hinein. Die Nachbarin macht wieder Theater, scheint er zu denken, und bleibt unauffällig hinter der Hecke stehen.

Auf der Bühne wendet sich nun das Blatt, Anton nimmt wutschnaubend das Kleinkind mit, das bis über beide Ohren mit Marmelade verschmiert ist. Von oben hört man aus dem Badezimmer Gebrüll und Gefluche. Währenddessen räumt die Protagonstin die Küche auf und wirkt gestresst, sie zieht sich den zweiten Kaffee hinein und scheint mit den Gedanken weit weg zu sein.

Der Vorhang schließt und öffnet sich kurz darauf zum zweiten Akt. Ein geduschter Anton und ein sauberer Oskar stehen bereit zum Abmarsch, Anton drängelt. Oskar packt ein Auto und einen Wecker in seine Tasche und sucht sein überdimensionales Müllauto. „Ich muss nun aber los, kannst du Oskar nicht bringen?“ ruft der Held in seiner Not, erbost von dieser Zumutung blitzen die Augen der Gegenspielerin, die nun in einer scheinbar spontanen Geste den Zeigefinger an die Stirn legt. Das Kleinkind flippt jetzt völlig aus, weil die Mutter darauf verweist, dass es heute auch mal ohne sämtliches Spielzeug los gehen möge, „schnapp ihn dir und bring ihn rüber“ ruft sie verzweifelt und zeigt ihr ganzes schauspielerisches Können, läuft rot an und rauft sich die wirren Haare. „Ist doch sch… sowas“ fasst der Vater die infame Forderung zusammen, denn er ist der Mann der Worte und der Zeit, kniet sich sonst nieder und bringt jedes Kind dazu, durch freundliches Zureden und kreative Ideen selbst rohen Brokkoli zu essen oder um halb sieben ins Bett zu gehen. Anton aber hat heute wirklich einen dringlichen Termin und geht nun aus dem Haus. Das Kind scheint alsbald zu platzen vor Entsetzen und erleidet einen Nervenzusammenbruch, weil der geliebte Herr Vater geht. Frau Mutter wirft mit dem Geschirrtuch nach dem Gatten und ruft Dinge, die sich hier aus Gründen der Pietät nicht niederschreiben lassen. Nachbar Peter schaut gebannt hinter der Hecke hervor, nachher im Büro hat er Einiges zu erzählen.

Im dritten Akt sieht man eine Mutter, die fix und alle und im Schlafanzug ein Kind wortlos bei der Tagesmutter abgibt und sich umdreht. Auf dem Weg nach Hause murmelt sie wirre Worte und heult herum. Leiser Applaus aus dem Publikum, sowas kann doch keiner spielen. „Oskar-reif“ ruft einer passenderweise, ein anderer wirft gelbe Nelken auf die Bühne. Zuhause haut sich die Heldin noch den nackten Zeh an der Haustür an und bricht auf dem Boden zusammen, nicht ohne „Bummsblöderbockmistmachteurenkramdochalleineichhabkeinelustmehrichgehejetztfürimmer“ herauszubrüllen. Dann fällt der Vorhang. Das Publikum ist außer sich und ruft laut „Zugabe“. Für morgen früh gibts noch Karten, Interesse?

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Wenn ich mit meinen Kindern im Freibad bin und mit den Füßen im pippi-warmen Kinderplanschbecken stehe, denke ich daran, wie Freibad früher war. Früher, in den 90er, da war ein Tag dort unglaublich spannend. Verliebt in den blondgelockten Matze hing ich mit meiner Freundin auf dem Take That-Badelaken rum, hörte  „Mmm Mmm Mmm Mmm“ von den Crash Test Dummies im Walkman und kaufte mir für 1,50 DM eine Tüte mit sauren Zungen, weißen Mäusen und blauen Gummischnüren. War das eine Zeit! Und deshalb habe ich nun mein ganz persönliches 90er Revival gemacht mit einer Playlist und einem Süßigkeiten-Mix von World of Sweets, einfach weil es so schön war. Hast du Lust, mich zu begleiten?

Playlist mit den besten Hits der 90er:

Oasis – „Don`t look back in anger“, da sehe ich mich sofort in Schlaghosen und Spaghetti-Träger-Top, um die Schultern trage ich eine blaue Tasche im Armee-Look. An den Füßen Chucks mit Glöckchen dran. Eine Frage stellt sich mir heute: war das nicht furchtbar unangenehm, wenn sich die Schlaghosen bei Regen bis zu den Kniekehlen voll Wasser sogen?

Nek – „Laura Non C’è“. Ist ja wohl klar, warum ich mir diesen Hit aus dem Radio aufgenommen hatte. Warum singt der eigentlich mitten im italienischen Text „Niemand kann das bezahlen“? Mistig war nur, dass der Radiomoderator kurz vor Schluss eine Staumeldung auf dem Autobahnkreuz Oberhausen durchgegeben hat. So war das Tape natürlich nicht zu gebrauchen.

Seal – „Kiss From A Rose“. Ich habe die 90er Jahre hindurch penetrant nach Vanilla Kisses geduftet. Kein anderer Geruch als eine Tüte voll Colafläschchen erinnert mich mehr an die 90er. Jedenfalls hatte ich in meiner Armee-Tasche eine Pulle parat und habe fleißig alle zehn Minuten eine neue Wolke versprüht.

Wet Wet Wet – „Love Is All Around“. Ich weiß noch genau, wie ich auf meinem aufblasbaren Sofa saß und ein paar weiße Mäuse futterte, während ich überlegte wie ich es wohl anstelle, bei Maurens Party am Samstag die leere Colaflasche so zu drehen, dass der Flaschenhals am Ende auf Matze zeigen würde.

Backstreet Boys – „I Want It That Way.“ Der blonde Matze sah ein bisschen aus wie Nick von den Backstreet Boys. Und so habe ich ihn während der Mathestunde angeschmachtet. In Deutsch schrieb ich ihm ein Zettelchen mit „Hey, was machst du?“, in Latein malte ich eine weinende Didl-Maus in mein Heft.

The Cranberries – „Ode To My Family“. Dieses Lied schmeckt nach 20 cm langen, bunten Gummischlangen. Auf denen kaute ich, während ich im Freibad überlegte, ob ich mich jetzt im tiefen Becken von Matze tunken lassen oder vielleicht doch lieber an den Kiosk laufen wollte, um für 50 Pfennig süßen Nachschub zu holen.

Los Del Rio – „Macarena“. Auf Maurens legendärer Party tanzten wir Mädels den ultimativen Flirttanz. Mein Outfit war grandios: ein selbst gebatiktes Top, an den Füßen schwarzweiße Buffalos, die mich 10 cm größer machten und mit denen ich ganz prima in Matzes Arme stolpern konnte. Am Buffet gab es Gläser voll mit sauren Schnullern und Lakritzschnüren.

PUR – „Abenteuerland“. Es fällt mir ein wenig schwer, es zuzugeben, aber ich kann bis heute den Text mitsingen. Gibs zu, du auch! Ich war sogar auf einem Konzert, aber das hätte ich vor Matze niemals zugegeben.

Shania Twain – „You’re Still the One“. Stell dir vor, an einem Nachmittag im Sommer 1998 kamen Matze und ich zusammen, nachdem er mich im Schwimmbecken erst 30 Sekunden getunkt und dann geknutscht hatte. Wir teilten uns eine Tüte mit grünen Fröschen, roten Kirschen und Fruchtkrachern und stellten unsere G-Shock Uhren von nun an auf die Zeit unseres ersten Kusses. Die Mathelehrerin im Nachmittagsunterricht war sehr genervt, weil pünktlich um 15.21 Uhr unsere Uhren drei Mal piepsten. Auf meinem Display drehten sich übrigens die Buchstaben M-A-T-Z-E.

Emilia – „Big Big World“. Unsere Beziehung nahm ein jähes Ende, als sich Matze in jugendlichem Überdruss mit seinen Kumpels die langen Locken abrasierte und ich darauf hin die G-Shock leise stellte. Nun fiel mir auf, dass der Neue in der Klasse mega Inline Skates fahren konnte und ich saß nachmittags schmachtend auf meinem Luftsofa, futterte Cola-Stangen und überlegte mir eine Taktik, wie ich Sebi im Freibad auch mich aufmerksam machen konnte.

World of Sweets

Neben meiner ultimativen Revival-Playlist habe ich mir außerdem bei World of Sweets zwei Kilo süßes Zuckerzeug zusammengestellt. Erst habe ich im Supermarkt geschaut, aber da ist die Auswahl zu klein. Auf der Internetseite von World of Sweets fand ich dann aber alles, was das Herz begehrt. Hier gibts Süßwaren aus aller Welt, die du so nicht kaufen kannst. Ob Kaugummis, Marzipan, Kekse, Lakritz – für Jeden ist was dabei, sogar Süßis in vegan und halal können in den Warenkorb wandern. Du kannst auch nach Geschenkideen, Marken oder Themen wählen. Es gibt zum Beispiel unter dem Thema Kindergeburtstag tolle Leckerein für die Mitbringsel-Tüte und Süßis fürs Topschlagen.

Meine Mischung war natürlich klar: in der Sparte Pick&Mix, bei der du dir eine Auswahl ganz nach Geschmack zusammenstellen kannst, habe ich mir die 2000 Gramm-Dose Fruchtgummi-Lakritz-Schaumzucker mit den besten Leckereien der 90er ausgesucht. Mein Mix trägt den Namen „90-Revival – in love“, der sogar auf dem Verpackungs-Etikett erscheint und immer wieder nachbestellt werden kann. Daher ist das auch eine gute Idee für ein Geschenk an meine beste Freundin, die mit mir auf dem Take That-Laken saß und sich stundenlang anhören musste, wie süß Matze doch ist.

Dieser Mix gehört nur mir und ich halte sie vor den Kindern und Anton versteckt, denn in dieser Hinsicht kenne ich beim Teilen kein Pardon. Wenn es mich dann packt, schalte ich die Crash Test Dummies ein und summe „Mmm Mmm Mmm Mmm“. Und manchmal packe ich uns eine kleine Tüte fürs Freibad. Die brauche ich nämlich als Nervennahrung, wenn mal wieder der Bademeister mit dem Kescher zum Kinderbecken eilt. Dann denke ich an Matze mit den schönen Locken und pfeife die Melodie von the Cardigans – Lovefool.

Na, was erinnert dich auch so gut an die 90er? Dann nix wie ran an deine ultimative Playlist. Nichts erinnert so sehr an unsere Jugendzeit wie Musik und der Duft von Gummischnullern in Apfelgeschmack. Falls du Lust hast, dir eine ultimative Erinnerungsmischung zusammen zu stellen, habe ich noch was für dich. Du bekommst mit diesem Code 10% Rabatt auf deine Bestellung in der Pick&Mix-Abteilung: heuteistmusik10

Bleib fröhlich und unperfekt,

deine Laura

Warum hier Anzeige in der Überschrift steht? Das verrate ich dir hier.

Luises Klamottengeschmack

Ich finde meinen Kleidungsgeschmack außerordentlich gut. Das behaupten vermutlich die meisten Menschen von sich selbst. Den Klamottengeschmack manch anderer Menschen dagegen finde ich oft ungewöhnlich, das geht vermutlich auch den meisten Menschen so. Am ungewöhnlichsten jedoch finde ich den Klamottengeschmack meiner Tochter. Ich möchte sogar sagen, ich finde ihn scheußlich. So, jetzt ist es raus! Nenn mich Rabenmutter, aber ich würde behaupten, dass meine Tochter sogar den allerschlimmsten Kleidungsstil weit und breit hat. Aber das sage ich ihr natürlich nicht.

Pink ist Trumpf

Ginge es nach mir, würde ich Luise morgens hellblaue Twill-Shorts rauslegen und ein rotes T-Shirt dazu. Auf den Kopf setzte sie ein weißes Leinenhütchen gegen die Sonne. Ich mag gerne einfarbige Shirts mit Streifen oder Punkten. Hosen an Mädchen finde ich toll. Luise trifft eine andere Wahl: Sie zieht sich einen türkisfarbenen Glitzerrock an und wählt dazu ein pinkes Shirt mit einem Delfin-Motiv aus Pailletten. Auf das Haupt kommt eine lilafarbene Sonnenmütze mit Schirm – in Stirn und Nacken. Vorne drauf ist ein Pony mit Einhorn. So marschiert sie von dannen.

An manchen Tagen würde ich ihr gerne das Leinenkleid aus dem Schrank holen, das mit dem dünnen Ledergürtel um die Hüfte. Hübsche Sandalen dazu, fertig! Luise findet dieses Kleid scheußlich. Sie zieht viel lieber Leggings an. Neulich haben wir drei im Sparpack gekauft. Ich nahm eine blauweiß-gestreifte und eine bunt- geringelte, Luise durfte sich die dritte aussuchen. Sie griff beherzt zu Hellrosa-Glitzer. Nun trägt sie letztere mit Ausdauer, kombiniert dazu ein fliederfarbenes My-Little-Pony-Shirt, das wir irgendwoher vererbt bekommen haben. Wird es kühl, stehe ich mit einem grauen Strickjäckchen parat, da holt Luise den türkisen Hoodie mit den vielen kleinen Flitter-Schmetterlingen hervor. Die Füße stecken in billigen Gummistiefeln mit Fluttershy- und Rainbow-Dash-Motiv, bitte frag nicht!

Werden die Tage kühler, sind Luise und ich ähnlich ungleicher Meinung. Ich kaufe gerne Jacken und Mäntel, die beide Geschlechter anziehen können. Naturfarben, Wollfilz in Rot oder Beige, maximal Grün. Luise mag Polyester lieber, am besten kreischt die Farbe aus zehn Metern Entfernung in schrillem Neon oder Rosaton. Auch Farbtöne mit den gruseligen Namen Lagune oder Lachs passen in ihr Schema.

Von Glitzerelfen und Pferdeköniginnen

Luise liebt Zahnbürsten, Kindergartenrucksäcke und Geschirr in grellen Schattierungen und im besten Fall mit fiesen Comic-Ponys drauf. Auch Eisprinzessin Elsa stößt auf große Leidenschaft. Während ich durch die Kinderabteilung einer schwedischen Modekette streife und mir am liebsten die Augen zuhalten möchte aufgrund diverser Scheußlichkeiten, glitzern Luises Augen angesichts der Tüllträume vor Entzücken. Hängt da zum Beispiel ein kreischend pinkes Tütü, an dessen Vorderteil ein halber Pferdekopf angenäht ist und aus dessen Gesäß das passende Hinterteil wächst, flippt das Kind völlig aus.

Die größte Freude ihres Lebens habe ich ihr mit einem Elsa-Kleid gemacht, das ich ihr zu Fasching kaufte. Ich hätte ihr auch ein Prinzessinnenkleid genähnt, weiß aber, dass ich als Kind die gekauften Outfits meiner Freundinnen auch viel schöner fand als das von meiner Mutter liebevoll aus Tüchern und Schals kombinierte Dress. Ich werde nicht weiter ausführen müssen, wie Luises Badeanzug, ihr Bademantel und ihre Turnschläppchen aussehen. Und vor dem Schulranzenkauf im nächsten Jahr graut es mir gewaltig.

Ich muss zwar sagen, dass ich das Verhalten von schwedischen Kinderabteilungs-Chefeinkäufern gemeingefährlich finde und ich mich echt aufrege, dass Mädchen mit diesem Glitzer und Rosa zu wandelnden Barbies hinerzogen werden. Aber so richtig ankommen kann ich dagegen nicht. Wir bekommen viele Kleidungsstücke geschenkt oder vererbt, manches kauft Luise mit Oma ein und ab und zu bringe ich dann ein paar blaue, schlichte Teile als Ausgleich mit. Hat das Mädchen irgendwo die Wahl, sei es Duschgel oder ein Windrädchen, nimmt sie das rosane. Ich habe es als Kind genau so gemacht.

Eleganz kommt von innen

Also staffiere ich Lusie nur in meinem Träumen aus, wie ich es will. Denn noch wichtiger als der exquisite Style ist mir, dass sie weiß, dass ihre Meinung zählt. Also halte ich meine Klappe. Neulich zogen die Kinder mit ihrer Tante durch die Stadt und Luise durfte sich einen Traum erfüllen: sie erwarb vier Plastikhaarsträhnen in Türkis, Blau, Pink und Rosa, die sie sich per Ponyspange in die Haare knipsen kann. Als ich sie sah, traf mich der Schlag angesichts dieser massiven Scheußlichkeit. Aber ihr Blick, ihr stolzer Gesichtsausdruck und ihre Geste, als sie sich kokett die rosa Strähne über die Schultern warf, das alles war so unglaublich hübsch und reizend und rührend, dass ich sie nie zuvor wundervoller gefunden habe als genau in diesem Moment. Da lief sie mit ihren bunten Haaren, einem Paillettenshirt mit Einhornmotiv und einer pinken Leggings mit vielen kleinen Elsa-Schneemännern drauf – und war so elegant wie Kate Moss in der Vogue. Ich denke, genau das macht guten Stil aus, oder?

Bleib fröhlich und unperfekt,

deine Laura

Lust auf mehr Glitzer im Mama-Alltag? Dann schau doch mal auf meinem Instagram-Kanal vorbei. Schönes, Leckeres, Erheiterndes und öfter mal ne Pause, das ist das Motto dort. Ich freu mich auf dich!

Wieso bekommen Menschen Kinder oder besser gefragt: wie entsteht eigentlich dieses Gefühl, dass es jetzt wunderbar wäre, ein Kind zu kriegen? Wieso starren wir irgendwann mal verzückt in Kinderwägen und kriegen schon Bauchkribbeln bei dem Gedanken, Eltern zu werden? Das frage ich mich manchmal, wenn ich mir junge Paare anschaue, die seelenruhig durch die Stadt bummeln, alle Zeit der Welt haben und sich dann gemütlich beim Italiener um die Ecke niederlassen, um in aller Ruhe Pizza und Wein zu genießen. Die dann vielleicht am nächsten Tag in den Abenteuer-Urlaub aufbrechen und beruflich gerade an einer famosen Karriere basteln. Wie zum Teufel passiert es, dass genau diese beiden jungen und freien Menschen künftig auf Shoppingbummel, Erwachsenenurlaube und Jobaufstieg verzichten, um fortan ein weinendes Baby durch die Nächte zu tragen, Ferien auf dem Bauernhof zu machen und den Chefposten im Büro dem Kollegen zu überlassen? Gibt es nicht genug Gründe, keine Kinder zu kriegen?

Kinderkriegen ist nichts für Weicheier

1. Bisher haben die beiden vielseitig interessierten Menschen über Politik, Kultur und ihren Freundeskreis diskutiert. Das ist mit dem Kind erst einmal vorbei. Erstlingseltern werden die Wochen und Monate der Schwangerschaft über Kinderwägen, Vorsorgeuntersuchungen, Geburtstermin und Vornamen sprechen, dann über Schlafdefizit und Windelinhalt, im nächsten Schritt kommt dann die Kitaeingewöhnung, Trotzphasen und die ersten Worte des Juniors. Nach ein paar Jahren thematisieren Eltern gerne die Arbeitsaufteilung, verschiedene Erziehungsstile oder Sinn und Widersinn von Frühförderung.

2. Zeit zu zweit? Damit ist erst einmal Schluss. Wenn der eine das Baby hütet, versucht der andere, eine Mütze Schlaf zu bekommen. So übergeben sich Frau und Mann mal eben das Kind oder den Staubsauger, etwas später geht der eine arbeiten, der andere kutschiert den Knirps herum. Ist das Kind aus dem Gröbsten raus, gibts noch einen romantischen Wochenendurlaub, während die Großeltern das Kindlein hüten. Dann kommt schon das zweite Kind und spätestens ab Kind drei winken die Babysitter freundlich ab.

3. Auch jobtechnisch ist Kinderkriegen eher das Gegenteil eines Karrierebeschleunigers, und damit meine ich nicht die Karriere mit AT-Vertrag und fetter Geschäftskarre, sondern eher den ganz normalen Werdegang, der mit der Zeit und etwas Leistungsbereitschaft ab und an eine Gehaltserhöhung bringt. Vielmehr ist nun Ende-Gelände, leider in erster Linie bei der Person, die erst einmal beim Kind bleibt. Mangelnde Teilzeitstellen, Skepsis gegenüber Elternschaft und starre Strukturen machen es Väter und Müttern nach wie vor oft schwer, beruflich voran zu kommen und Kids und Karriere zu vereinbaren.

4. Eine Weltreise, ein Traumauto oder eine Ferienwohnung am See ist wahrscheinlich bei den meisten Menschen nicht drin. Wenn Eltern aber auf ihre Kinder verzichten würden, dann könnten sie sich Träume wie diese locker leisten. 130.000 Euro kostet ein Kind so im Laufe seines Lebens. Möchte unser Paar zwei davon, wären Weltreise, Porsche, Rennpferd oder eine Ferienwohnug am Meer in den meisten Fällen verloren.

5. Unser adrettes junges Paar ist überall gerne gesehen, ob im Restaurant, im Zugabteil oder bei der Wohnungssuche. Sie sind ruhig und machen einen tippetoppe Eindruck. Das wird sich zwangsläufig ändern, sollten die beiden Eltern werden. Kurz noch stößt ein Baby auf Entzücken. Kann der Nachwuchs aber laufen, sprechen oder gar kreischen, werden die beiden Erwachsenen schon bald kritische Blicke ernten. Wer Kinder hat, kennt den genervten Gesichtsausdruck des älteren Herren im Restaurant, wenn die Fanta umfällt. Auch der Blick der Mitmenschen, sobald ein Kleinkind im Zugabteil mal Vollgas gibt, wird für unser Pärchen neu sein.

6. Bis heute waren sie Lieblingskandidaten bei der Wohnungssuche. Mit Kind rutschen die Beiden schnell mal nach unten in der Auswahlliste. Die Möglichkeit, das Kind könnte das teure Parkett mit dem Lauflernwagen zerkratzen, die Nachbarn durch Geschrei stören oder noch ein Geschwisterchen bekommen, schreckt genauso ab wie das einfache Einkommen der Eltern. Double income, no Kids dagegen erleichtert die Wohnungssuche besondes in Großstädten dagegen ungemein.

7. Es wäre bald an der Zeit gewesen, sich ein schönes neues Sofa zu kaufen. Raus mit dem ollen Klippan und rein mit einer hellgrauen Luxusliege. Vergesst es, werden erfahrene Eltern unserem Paar raten. Wenn ihr Kinder wollt, ist Klippan genau das richtige für die nächsten zehn Jahre, in denen sich Kinder übergeben, Schokolade essen oder kneten. Überhaupt verliert das Wort stilvolle Einrichtung an Bedeutung, denn wie den meisten anderen Eltern wird dem Paar angesichts türkisfarbener Elsa-Tischsets und quietschbunten Kinderstühlen ewig ein Rätsel bleiben, wie Menschen unter dem Motto „White Living“ oder „Skandi-Chic“ ihre Wohnungen homestorytauglich halten.

8. Bisher hat die junge Frau in ihrer Freizeit Bestseller gelesen, ausgewählte Schallplatten aufgelegt und Serien geschaut. Er verbrachte sein Wochenende auf dem Basketballplatz, hat seinen Bizeps gestählt und eine Wochenzeitung abonniert. Sie liest die nächsten Jahre nurmehr Bobo Siebenschläfer (vor), hört Hits wie „Die Räder vom Bus“ und guckt ab und an mal eine Folge „Caillou“. Er hängt samstags auf dem Spielplatz ab, futtert sich mit Weißmehlbrezeln und Bananenresten eine kleine Wampe an und benutzt die Zeitung zum Hütchen falten.

9. War einer der beiden Liebenden bisher krank, hat der andere ihn gepflegt. Außerdem ließ eine Krankschreibung, das Netflix-Abo und eine frische Suppe den Leidenden schnell genesen. Mit Kindern siehts da anders aus. Egal ob Magen-, Hals-Nasen-Ohr- oder Gelengbeschwerden, mit Kindern geht für Mamas und Papas alles weiter wie sonst inklusive frühem Aufstehen, sich auf dem Spielplatz die Beine in den Bauch stehen oder das Kleinkind durch die Gegend schleppen – nur mit wehem Bauch, einer Rotznase oder schmerzenden Knien.

10. Schliefen unsere beiden jungen Menschen bisher um die Wette, standen sonntags nie vor elf Uhr auf und schätzten kleine Nickerchen nach Feierabend, so dürfen sie sich von diesem Hobby wie von so vielen andern verabschieden. Schlimm ist die Babyzeit, in denen die Lider dauernd bleischwer sind, mäßig geruhsam ist die Kleinkindphase mit Winzlingen, die gegen 4:30 Uhr mit Papa die Eisenbahn aufbauen möchten.

Was lernen wir daraus?

Ziemlich bitter, meine Liste, oder? Haben die Beiden beim Lesen ihre Pläne schnell geändert? Halt, Stopp, möchtest du nun wahrscheinlich rufen. Nein, es ist es alles wert, wirklich alles! Und ich gebe dir hier auf der Stelle recht. Echt happig, was Kinderhaben so bedeutet. Darüber machen wir uns vorher keine Gedanken – und das ist auch gut so. Wir sehnen uns danach, Kinder zu haben und freuen uns unbändig darauf, das liegt wohl in unseren Genen. Und all die Dinge, die ich hier aufgelistet habe, ertragen wir, wenn auch manchmal mit Murren und Knurren. Denn nichts ist so wunderbar wie Kinder zu bekommen, zu haben und groß werden zu sehen. Das Gefühl, nach dieser Negativliste auf der Stelle zu wissen, dass wir doch alles richtig gemacht haben, ist einfach toll. Pfeifen wir aufs Ausschlafen, kritische Blicke im Restaurant und schicke Möbel – Momente wie die, in denen wir auf unsere schlafenden Kinder schauen, in denen wir das erste Zähnchen feiern oder erfolgreich weinende Krabbler trösten, die uns ihre dicken Ärmchen um den Nacken legen, wiegen alles dreifach auf. Wer will schon eine Ferienwohnung am Meer?

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Lust auf mehr Glitzer im Eltern-Alltag? Dann schau doch mal auf meinem Instagram-Kanal vorbei. Kurze Pause machen, ne Runde lachen oder die kleinen Glücksmomente genießen – genau das richtige im Alltag mit Kindern!

Eigentlich müssten wir es besser wissen, vor allem ich, die doch immer so gut planen kann! Aber dann stehen sie da, im Kalender: die Ferien. Als hätte sie über Nacht ein kleiner Gnom in meinen Kalender gepinselt. Und tatsächlich steigen die Ferientage im Laufe des Jahres proportional mit den Temperaturen. Nun haben wir also Pfingstferien und ich wage nicht, an den Sommer zu denken. Ein Schulkind bleibt ganze sechs Wochen zuhause, das wird mir erst jetzt so langsam bewusst.

Unser Ferien-Alltag

Jedenfalls sitze ich dann eines Tages mit allen drei Kindern da, die sich so einer nach dem anderen aus dem Bett gepult haben. Um halb sieben, versteht sich. Nach einem kleinen Frühstück (es gibt Schokocreme, weil es in den Ferien immer Schokocreme gibt) bekundet der erste seine Langeweile, die zweite möchte zur Freundin gehen. Leider sind wirklich alle um uns rum im Urlaub, die Nachbarschaft ist total verwaist. Ich wische die Schokocreme von Tisch, Stuhl und Lichtschalter und kehre Krümel auf. Nach einer kleinen Runde Kartenspiel, bei der Oskar nicht mitmachen kann, weil er zu klein ist und aus diesem Grund die Karten erst mopst und dann zusammenknickt, muss ich die wütende Bande befrieden. Ich überlege, ob ich meinen Joker jetzt schon ziehe, entschließe aber, das Gerät mit den Kinderliedern (die Räder vom Bus, du weißt schon) für später aufzubewahren. Dann widme ich mich dem Haushalt und denke darüber nach, wie ich meinen Zeitungsartikel heute noch fertig schreiben kann, den ich morgen abgeben muss.

Nachdem ich dann Wäsche gefaltet, vier handfeste Streitereien zwischen Jimmy und Luise gelöst und zwei Mal einen Schrei losgelassen habe, gehen wir eine Runde raus. Aber auch da wird die Stimmung nicht besser. Ich spendiere ein Eis und überlege, was es heute zum Mittagessen gibt. Nudeln mit Tomatensoße steht auf dem Plan und nach dem Verzehr putze ich zum zweiten Mal an diesem Tag Tisch, Stühle und Lichtschalter.

Oskar flippt nun aus, weil er müde ist, sich aber nicht hinlegen möchte. Während ich ihn zu überreden versuche und grübele, wieso das bei der Tagesmutter immer so schnell klappt, schlafe ich selbst ein wenig ein. Zwischendrin platzen die Großen rein und zwar immer dann, wenn Oskar gerade seine Äuglein geschlossen hat. Mittlerweile kann ich das Wort „Mamaa“ nicht mehr hören.

Luise ist es wieder langweilig, zum zwanzigsten Mal an diesem Tag, sie will mit einer Freundin spielen. Ich telefoniere die Kindergartengruppe durch und juchu, ein Mädchen hat Zeit. Sie wird von ihrem Vater gebracht und ich möchte eine halbe Stunde an den Computer, um die Mails zu checken. Aber alle fünf Minuten stehen nun zwei kleine Damen neben mir. Sie haben erst Hunger, dann Durst. Dann soll ich die Playmobil-Rutsche aufbauen, dann die Verkleidungskiste vom Schrank holen. Dann ärgert Jimmy die beiden und das Besuchskind weint. Mein Puls geht schneller und das ist einer der Momente, in denen ich Anton beneide. Der sitzt in einem ruhigen Büroräumchen und kann wenigstens eine Sache nach der anderen abarbeiten. Ich habe weder die Wäsche fertig noch aufgeräumt, dafür aber mittlerweile vier unzufriedene Kinder um mich herum, denn Oskar ist wach und mäßig gelaunt. Jetzt kommt das Endgerät auf den Tisch, die fatalen Folgen eines Gehirnschadens bei Kleinkindern durch sinnlose Videos über Kittens, die ihre Nittens verlieren, sind mir nun völlig egal. Es geht ums Überleben!

Habe ich schon einmal gesagt, dass ich diesen Haushalt und all seine Pflichten nervig finde? Besonders ätzend ist es aber, wenn mich die Kinder nebenher davon abhalten. Dann lass ich Wäsche Wäsche sein und biete dafür ein kleines Programm: Wasserfarben malen auf dem Balkon, Bügelperlen stecken und mit den Jungs Ball spielen. So verdaddeln wir den Nachmittag und nie fühlt sich ein Tag mehr wie Kaugummi an als in den Kindergarten- und Schulferien. Morgen ist Anton mit Kind und Kegel an der Reihe. Achso, habe ich erwähnt, dass ich den Armen nach einem solchen Tag grundsätzlich ankeife? Einen Grund dafür zu finden ist mir ein leichtes, dieses Mal entscheide ich mich für den Klassiker: „Wieso bist du so spät?“

Ich weiß nicht, ich kann mich mit dem Gedanken, dass Schule und Kindergarten geschlossen sind, beim besten Willen nicht anfreunden. Schön ist natürlich, dass wir mal ein paar Dinge unternehmen können. Morgen zum Beispiel wollen wir in den Märchengarten gehen, einen Ausflug in den Freizeitpark wäre toll und wir könnten mal wieder auf den Bauernhof. Aber auch wenn Kinderbetreuungseinrichtungen pausieren, geht der Alltag mit Haushalt, Job und Erledigungen für mich weiter. Last but not least brauche ich einfach mal Zeit für mich sowie eine kleine Belohnung für all die Mühen und offenen Ohren. Falls dir das auch so geht, verrate ich dir nun zwei kleine Rezepte für eine extra gute Mama- oder Papapause:

Cold brew coffee

Dafür fülle ich 200 g Kaffeepulver  mit einem Liter Wasser auf und lasse dieses Gebräu einen Tag stehen. Dann siebe ich das Pulver mit einem feinen Sieb ab und stell die Kanne mit dem Kaffee in den Kühlschrank. Für den perfekten Kaffeegenuss fülle ich eine kleine Menge in einen Becher, gebe Eiswürfel dazu, Milch oder einen Löffel Vanilleeis. Das Rezept habe ich übrigens von Miris tollem Blog Leckerleckerliese.

Kokos-Shortbread (vegan)

Für diese kleine Leckerei vermische ich 70 g Puderzucker mit 120 g Kokosmus (aus der Drogerie) und gebe noch drei EL Kakaopulver dazu. Das ganze mit den Fingern verkneten und in Frischhaltefolie gewickelt als Ball in den Kühlschrank legen. Nach einer halben Stunde rausnehmen und auf einem Blech zu einem 1 cm dicken Kreis ausrollen. Mit der Gabel Löcher reinpieksen und mit Salz betreuen, dann eine halbe Stunde bei 160 Grad Ober- und Unterhitze im Backofen backen.

So setze ich mich nach dem Mittagessen und am späten Nachmittag für jeweils 15 Minuten auf die Bank vor dem Haus, verkünde den Kindern, dass ich für diese Weile nicht ansprechbar bin und genieße meinen Kaffee und einen Haps Shortbread sowie wahlweise meinen Instagramfeed oder eine Zeitung.

Falls es dir so geht wie mir, kann ich dir nur empfehlen, das gleiche zu tun. Nach außen scheint das mit den Kindern alles ganz easy zu sein, aber in Wahrheit ist es Schwerstarbeit. Und wer schwer arbeitet, muss auch viele Pausen machen!

Bleib fröhlich und unperfekt,

deine Laura

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So gut möchte ich es auch mal haben

Folgende Szene spielt sich in vielen Familien-Haushalten ab: am frühen Abend kommt der Papa von der Arbeit nach Hause und tritt ins Wohnzimmer. Auf dem Tisch stapeln sich Kaffeetassen und Kuchenteller. Kekskrümel sind verstreut und im Kinderzimmer wird eifrig Lego gebaut. Auf dem Sofa sitzen zwei Mütter, eine davon ist des Papas Frau. Er zieht sich die Schuhe aus, hängt den Mantel auf und sagt:

„So gut möchte ich es auch mal haben. Den ganzen Tag Kaffee trinken und quatschen, während die Kids friedlich spielen!“

Wenn du wüsstest…

Warum die beiden Damen dem Herrn Papa nach dieser Aussage am liebsten die Kuchenschaufel über den Schädel ziehen möchten, danach die Kinder zum Aufräumen ermahnen, die eine dann unter lautem Wutgeheul der Tochter Trinkflasche, Kuschelpony, Lätzchen und Schnuller zusammensammelt und sich auf den Heimweg macht, während die andere Mutter die Spuren der Tortenschlacht beseitigt und ihre Nerven beruhigen muss, erzähle ich dir jetzt!

Als ich noch keine Kinder hatte, dachte ich wie dieser Herr Papa. Aber nun bin ich schlauer. Spiele-Dates mit anderen Müttern samt ihrer kleinen Kinder klingen famos. In Gedanken sah ich mich auf dem Balkon sitzen, einen schaumigen Milchkaffee in der Hand, eventuell ein Gläschen Prosecco daneben, lecker Törtchen auf dem Teller und eine sympathische Frau, mit der ich mich bestens über angesagte Themen aus Gesellschaft, Politik, Musikszene und Literatur unterhalten kann. Währenddessen spielen die beiden kleinen Mädchen herzallerliebst mit dem Puppenhaus und verkleiden sich als Prinzessinnen.

Die Wahrheit über Spiele-Dates

Die Wahrheit sieht anders aus. Spiele-Dates sind meistens purer Horror und ich bin danach so platt wie eine Flunder. Meine Ohren klingeln und ich habe das dringende Bedürfnis, mich für drei Tage in ein buddhistisches Schweigekloster zu beamen. Meist liegt das an folgenden drei Punkten, die entweder geballt, einzeln oder miteinander kombinierbar auftreten:

Die beiden Mädchen, knappe drei Jahre alt, verstehen sich im Kindergarten bestens. Aber hier und heute hauen sie sich die Köpfe ein. Meine eigene Tochter möchte keinesfalls das Kuschelpony verleihen und die kleine Freundin darf nicht mit den Puppen, dem Playmobil oder den Autos spielen. Das Gastkind weint und nimmt das Pony trotzdem, die eigene Tochter schlägt zu, das Gastkind weint noch mehr. Die Gastmutter mischt sich ein. Alle schimpfen, weinen, schlichten, drohen und erklären wild durcheinander. Nach einer Stunde haben wir die Kinder so weit, dass sie wieder spielen. Jeder für sich und möglichst weit voneinander entfernt. Eine halbe Stunde, bevor die Gäste gehen müssen, vertragen sich die beiden Damen auf magische Weise wieder und können sich von da an nicht mehr voneinander trennen.

Die Gastmutter, die sich beim Smalltalk vor den Kindergartentüren als sehr freundlich erwies, zeigt hier an diesem Nachmittag ihr wahres Gesicht. Ihre Welt dreht sich einzig und alleine um Kind und Kegel. In stundenlangen Ausführungen beschreibt sie das Schlaf-, Ess- und Trotzverhalten ihrer Tochter, erzählt eine Stunde von allen Einzelheiten rund um Schwangerschaft und Geburt und berichtet on top von allen bisher durchgemachten Erkältungskrankheiten. Während ich mich bemühe, ihren Ausführungen über Arnika-Globuli und Einschlafbegleitung zu folgen, spielen die Mädchen auf dem Glockenspiel in Endlosschleife die Tonleiter, hören eine Bibi&Tina-Cd und singen dazu „In der Weihnachtsbäckerei“. Meine Ohren bluten und mein Puls rast, denn während die Gastmutter sich um ihr Leben quatscht, trinke ich einen Kaffee nach dem anderen.

Es ist jedes Mal wieder ein Erlebnis, wie zwei kleine Mädchen die Bude in eineinhalb Stunden in ein solches Chaos verwandeln können. Weil sie anfangs nicht so weit weg von den Mamas spielen möchten, schleppen sie das halbe Inventar ins Wohnzimmer, kippen dort Legokisten aus und holen den CD-Player samt siebzehn Kinder-Cds hervor. Gegen später verteilen sie die andere Inventar-Hälfte im Kinderzimmer. In der Küche herrscht ein ähnliches Bild: Dort wird Kuchen gegessen und jedes Stück zur Hälfte liegen gelassen. Das Gastkind wollte außerdem Apfelschnitze essen, mochte dann aber die Schale nicht. Jeder hatte ein Glas mit Wasser, zwei davon sind umgefallen. Milch wurde aufgeschäumt und als Kinder-Cappuccino gereicht, anschließend jedoch verschmäht. Die Tochter hat sich eine Banane geschält, die Gastmutter ein glutenfreies Hörnchen sowie drei Berliner mitgebracht, deren Marmeladeninhalt es nur zum Teil in die Münder der Mädchen schaffte. Zwei Rollen Küchenpapier, zwei Stofflätzchen und ein Lappen zum Aufwischen runden die Szene ab.

Niemals nach Hause einladen

Seit einigen Jahren weiß ich nun, dass Spiele-Dates nichts, aber auch rein gar nichts mit ruhigen Nachmittagen gemeinsam haben. Viel mehr weiß ich, dass man auf keinen Fall Bastelangebote mit Wasserfarben und Knete macht, sondern lieber erst gar nicht auf die Idee kommt, drinnen zu bleiben. Rausgehen ist viel besser, am besten verabredet man sich direkt im Wald oder auf dem Spielplatz. Und weil das mit dem Prosecco nichts wird, weil ich angeschickert noch weniger gut Streits schlichten und Kaffee ausschenken kann, verschiebe ich den Genuss eines Gläschens lieber auf den Abend, wenn endlich Ruhe herrscht.

Schnelle Vanillekekse

Übrigens ist Futtern immer noch der entspannteste Zeitvertreib. Dann sind die Mädchen beschäftigt und die Gastmutter hat den Mund voll. Daher habe ich für dich ein ganz einfaches Keksrezept, das du in Nullkommamix vorbereiten und kredenzen kannst.

Du nimmt

  • 180 Gramm Butter
  • 80 Gramm Zucker
  • eine Packung Vanillezucker
  • einen halben TL Vanilleextrakt
  • 180 Gramm Mehl
  • 2 Päckchen Vanille-Puddingpulver

Vermisch das ganze zu einem Knetteig und lagere ihn für eine halbe Stunde im Kühlschrank. Dann stichst du kleine Kugeln ab und legst sie auf ein Backblech. Anschließend mit der Gabel etwas platt drücken und bei 180 Grad 12 Minuten backen. Abkühlen lassen und mit Puderzucker bestäuben. Dazu passt Kinder-Cappuccino mit Marshmallows oben drauf. Es ist dir natürlich erlaubt, deine Milch mit 43-Likör aufzupeppen.

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Ps.: Übrigens wird es mit älteren Kindern nicht unbedingt besser. Zwar kommen da die Mütter nicht mehr mit, während ich mich aber glücklich schätze und meinen Espresso schlürfe, verstopft meine Tochter still und leise mit ihrer kleinen Kollegin den Abfluss mit Gesichtscreme oder zerknittert munter die Fußballbildchen des Bruders, weil dieser die Freundin zuvor „dumme Nuss“ genannt hat. Meist finde ich am Abend Ponys mit von Haarspray verklebter Miene oder nasse Puppenkleidung unter dem Bett.

Pps.: Mehr von Heute ist Musik! Wenn du Lust hast, öfter Beiträge von uns zu lesen, dann klick doch auf unserer Facebook-Seite auf Gefällt mir. Dort posten wir neben unseren Artikeln auch tolle Texte von KollegInnen und eine ganze Menge Inspiration für deinen Eltern-Alltag!

Neulich auf Twitter

FinanceMaster: Drei Tage durchgeackert – fühle mich wie ein Held. Life is good.

Dadoftwo: Wie bitteschön kann man sich gut fühlen, wenn man nur am Ackern ist?

Financemaster: Versteh die Frage nicht

Dadoftwo: Nichts ist doch so erfüllend wie die Zeit mit der Familie

Financemaster: Oh man, gehts noch? Noch son Vaddi mit Tragetuch, oder was?

Dadoftwo: Ja und, Problem damit? Ich bin hier Hausmann und schmeiß den Laden.

Financemaster: Wie naiv bist du denn? Und wenn dich deine Alte verlässt? Dann stehst du da mit nix.

Dadoftwo: Ich habe meine Kinder, die sind für mich alles. Ich will sie aufwachsen sehen und nicht den ganzen Tag ackern.

Financemaster: Oh man, so ein Geheule. Ihr modernen Väter heult in euren Kaffee, wenn euch dann eure Frau verlässt für einen echten Kerl!

Dadoftwo: Und du, hast du Kinder? Wenn ja, dann verpasst du alles. Erste Schritte, erstes Wort, erster Schultag…

Financemaster: Ja, habe Kinder. Und die kriegen mal die beste Ausbildung, weil ihr Vater ranklotzt und Kohle heimbringt. Wie kann man denn nur zuhause rumhocken, staubsaugen und Hirsekringel formen? Was bist denn du für ein Mann?

Ja, so ging es neulich ab in meiner Timeline. Was, du glaubst mir nicht?

Bluff: Das gibts nur unter Frauen

Tja, erwischt. Stimmt, so reden keine Männer. Echt nicht. So reden nur Frauen. Nicht, dass es keine Männer gebe, die grundsätzlich so denken wie Dadoftwo oder Financemaster. Klar, die gibts. Aber Männer quatschen sich nicht so eklatant in des anderen Lebensentwurf rein, denn was Dadoftwo macht, wie er sein Leben gestaltet und ob er arbeitet oder Kinder versorgt, ist Financemaster vom Grundsatz her völlig egal. Das ist jedenfalls meine Erfahrung. Ganz anders die Frauen. Die haben nicht nur zu kämpfen mit schlechterer Bezahlung oder sind am Arbeitsplatz benachteiligt, weil sie theorisch Kinder kriegen könnten und dann Elternzeit nehmen. Sie müssen nicht nur in Sachen „Me too“ auf die Straße gehen, haben ein größeres Armutsrisiko oder ein bescheidenes Rentenpunktekonto, weil meist sie die Kinderbetreuung machen. Nein, sie spucken sich auch noch gegenseitig dauernd in die Suppe, und zwar ganz besonders gerne und häufig in den sozialen Medien.

Auf Mamiblogs wird nur gehäkelt

Da hat zum Beispiel neulich die hundertsiebzigtausendste Dame öffentlich über Mami-Blogs hergezogen, die nichts anders im Sinn hätten, als Tischdecken zu häkeln und ihre Kinder in Wolle-Seidebodys einzuwickeln. Sie förderten mit dem Mutti-Image die konservative Einstellung, Frauen gehörten an den Herd und zeigten auf Instagram eine heile Welt, die nichts mit der Realität zu tun habe. So der Vorwurf, der noch dazu völlig unbegründet ist, denn politisch ist bei den Elternblogs echt was los!

Das Kind verliert das Urvertrauen!

Dann gibts da aber noch die andere Front, die sich gerne in Foren rumtreibt. Bauchzwerg04 wettert da, wie verantwortungslos es sei, Kinder unter drei Jahren „fremdbetreuen“ zu lassen und gibt zu Bedenken, dass das Urvertrauen des Kindes in die Welt damit für immer und alle Ewigkeiten verloren gehe. Familienbett-Missionarinnen beschimpfen Mütter, die gerne alleine und ungestört schlafen und Mamas, die dem Säugling ein Gläschen verabreichen, könnten es ja gleich vergiften, so die einschlägige Meinung in Mama-Foren.

Kinderkriegen ist eine Schnapsidee

Vor allem aber toben Kämpfe zwischen den Frauen, die für die Kinder lange zuhause bleiben und denen, die früh arbeiten gehen. Und tatsächlich, das Thema ist streitbar: die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gleicht in vielen Familien einem ewigen Kampf. Kein Wunder, dass sich so manche Mutter das nicht antut und zuhause bleibt, wenn das Geld denn dafür ausreicht. Die Tatsache, dass Kinderkriegen aus finanzieller Sicht eine ziemliche Schnapsidee ist, obwohl Familien das System tragen, führt oft dazu, dass beide Eltern arbeiten müssen. Nachzulesen im Buch Keine Kinder sind auch keine Lösung (Affiliate Link) von Nina Straßner. Und weil Frauen heutzutage immer besser ausgebildet sind und nicht länger nur die Hauswirtschaftsschule besuchen, um dem Mann später ein Hemdchen knitterfrei bügeln zu können, wollen sie in vielen Fällen auch einfach ihren Job machen, weil er Geld bringt und Spaß macht.

 

Geimeinsam auf die Straße!

Wenn wir uns gegenseitig wirklich unterstützen würden, dann quatschten wir uns nicht in unser Leben, sondern gingen gemeinsam dafür auf die Straße, dass Eltern für die Betreuung ihrer kleinen Kinder mal ordentlich Rentenpunkte bekommen. Dass es ihnen außerdem leichter gemacht wird, wieder in ihren Beruf zurückzukehren. Und für den Fall, dass einer mit den Kindern alleine da steht, er oder sie besser abgesichert ist und das Armutsrisiko für Alleinerziehende sinkt.

Wir Frauen stecken in einer ungeheuren Zerreißprobe, darüber habe ich schon einmal geschrieben und eine Menge Zustimmung bekommen. Einerseits steckt in uns etwas Mütterliches und Behütendes, das ist wohl auch durch die Evolution bedingt. So, wie viele kleine Jungs magisch von Holzschwertern angezogen werden und eine Menge Mädchen ihre Püppchen wiegen, so lieben viele Männer die Arbeit am offenen Feuer (heute bekannt als „Grillen“). Beim einen ist das eben mehr ausgeprägt, bei dem anderen weniger. Und auch wenn wir gegen unsere Gene nichts tun können, so wollen und sollen wir alle frei sein. Jungs sollen mit Puppen spielen, wenn sie wollen. Männer dürfen ihre Babys in der Trage tragen, Mädchen mit Schwertern kämpfen und wir Frauen: wir dürfen und können im Beruf alles geben, wenn wir das möchten.

Was heißt Feminismus?

Ich finde, es bringt überhaupt nichts, Frauen dafür anzuklagen, dass sie auf Instagram die behütende Mama geben, die in ihrer Freizeit Wolljacken klöppelt und ihren frisch gebackenen Hefezopf in die Kamera hält. Wenn wir merken, dass es die Frauen ausschließlich zurück an den Herd zieht, dann müssen wir uns fragen, ob es etwas gibt, was ihnen auf dem Arbeitsmarkt vielleicht Angst oder Sorgen macht. Schlechte Bedingungen gibt es für Mütter genug, da muss man sich nur mal verschiedene Texte hier im Netz anschauen. Oder aber wir lassen sie einfach machen, was sie für richtig halten und hauen nicht auf Twitter in die Keule. Feminismus heißt, als Frau frei zu sein in der eigenen Lebensgestaltung. Wenn ich mich als freier Mensch dafür entscheide, Beruf und Karriere aufzugeben und nurmehr für Mann und Kinder da sein möchte, dann trage ich eben ein gewisses finanzielles Risko und kalkuliere das mit ein. Es meckert doch auch keiner, wenn sich Menschen bei der Bank für ein Haus verschulden oder risikoreiche Finanzgeschäfte abschließen. Das würden wir als Bevormundung rügen.

Übrigens finde ich es ebenso falsch, Müttern ihre Mama-Qualitäten abzusprechen, weil sie wieder arbeiten gehen wollen. Und auch das gibts oft genug. Da kloppen sich die Mamas, weil die andere nicht stillt, sondern sechs Wochen nach Geburt wieder an den Schreibtisch rennt. Denn auch wenn das ihr gutes Recht ist, der Vorwurf, sein Kind im Stich zu lassen, ist immer ein Totschlagargument und tut jeder Mutter weh.

Ich plädiere daher dafür, sich nicht mehr gegenseitig abzukanzeln, sondern gemeinsam für bessere Bedingungen für Eltern einzutreten. Unser aller Ziel ist es doch, dass Mütter und Väter ihr Leben so gestalten können, wie sie es für richtig halten. Sie brauchen vernünftige Bedingungen in der Arbeitswelt, bessere Absicherung gegen Armut und mehr Rentenpunkte für Kinderbetreuung, denn der Job zuhause ist hartes Brot, trotz Hefezopf und Klöppelei.

Bleib fröhlich und unperfekt,

deine Laura

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Konstanz, my love

Wir Fünf kommen gerade aus dem Urlaub und es war wirklich sehr, sehr schön. Wobei, ich denke da an den Tag, an dem wir in unsere Herzstadt Konstanz fuhren. Die Sonne schien, die Berge waren in Sicht, der See glitzerte in der Sonne. Mit der Fähre kamen wir in Staad an und ich war glücklich, denn ich liebe diese Stadt. Hier habe ich sechs Jahre gelebt, studiert und meine große Liebe gefunden. Wie schön, zwölf Jahre, nachdem Anton und ich uns kennengelernt haben, hier wieder anzukommen. Wir schlenderten zum Fisch-Restaurant, einem kleinen Imbiss direkt am See. Wir nahmen draußen Platz und ich blickte mich selig um. Nun noch ein Lachs-Brötchen und ein kühles Radler und mein Glück war perfekt. Es war ein bisschen wie früher…. doch halt, etwas war anders. Da waren jetzt nicht mehr nur Anton und ich, da waren nun auch drei Kinderchen. Das eine schrie: „Bäääh, ich mag keinen Fisch, gibts hier auch Pommes?“ Das andere rief: „Ihr habt mir aber versprochen, dass ihr mir als erstes einen neuen Fußball kauft!“ Das dritte fing an zu heulen und jammerte nach einem Getränk.

Liebesschwüre im Fisch-Imbiss

Ich ging ins Restaurant, fragte nach Pommes, bestellte Fischbrötchen für Anton und mich und hoffte auf eine Wendung der Geschichte, die so romantisch begann und nun ein wenig an Glitzer einzubüßen schien. Pommes gabs nicht, dafür Bratkartoffeln. Ich nahm einen kleinen Teller und drei Limonaden. „Iiiiih, sowas ess ich nicht!“ ertönte es prompt, als ich das Essen servierte. „Gibts keinen Ketchup?“ motzte eine helle Stimme. Das kleinste der drei Kinder griff beherzt nach der Limo und kippte sie um. Hose nass, erneutes Geheule, weitere Igitt-Rufe von rechts – ich nahm einen großen Schluck meines Bieres. Nachdem sich das eine Kind für ein Lachsbrötchen begeisterte, dann aber die Zwiebeln eklig fand, nach Eis verlangte und anschließend auf der Stelle in die Stadt zu fahren gedachte, um SOFORT UND AUF DER STELLE einen Fußball zu kaufen, war die Romantik endgültig dahin. Anton, den ich noch zuvor mit verliebten Augen angeschaut hatte, weil ich an unsere gemeinsame Studentenzeit dachte, war genervt bis über beide Ohren und raunzte mir ein „komm, wir gehen“ entgegen. „Was pampst du mich denn so an?“ erwiederte ich. Und kurz kam mir ein schrecklicher Gedanken in den Sinn: Wir hätten es so einfach haben können, nur wir beide.

Große Träume im Sportgeschäft

Jedenfalls fuhren wir dann mit dem Bus in die Stadt und liefen in das große Sportgeschäft. Natürlich mussten dort alle Kinder einmal für ein größeres Geschäft auf das stille Örtchen, Oskar war müde und quengelig und Jimmy und Luise jagten sich mit Hockeyschlägern durch die Abteilung. Am liebsten hätte ich die Meute gelassen, wo sie ist, hätte mich in den Neuner-Bus Richtung Uni gesetzt und mich für ein Stündchen gefühlt wie eine junge Studentin, die Zukunft vor mir und jede Minute in meinen Händen. Anton, ebenfalls Student und frei wie der Wind, wäre abends mit mir eine Runde in den See gesprungen, um anschließend gemeinsam mit mir bei Sonnenuntergang ein Picknick mit Baguette und Wein zu genießen. Hand in Hand sitzen wir dann am Ufer und schauen uns tief in die Augen, bis mich ein Fußball am Kopf trifft – Bumms! Aufgewacht aus meinem Traum. Soeben hat mich Jimmy mit dem neuen Ball abgeschossen und ich blute aus der Nase. Der Verkäufer reicht mir ein Taschentuch und ich verlasse den Laden.

Urlaub für Verliebte

Den Tag haben wir dann doch noch gut verlebt, auch wenn sich Oskar eine Wutexplosion allererster Klasse gegeben hat, so richtig mit alle Leute glotzen und schütteln den Kopf und zeigen auf mich und ich werde rot und fühle mich wie die schlechteste Mutter aller Zeiten… Aber sonst, nun ja, es war schön.

So ist Urlaub mit Kindern. Es ist ein einziges großes Abenteuer und beginnt mit einem Tag unendlicher Packerei, geht weiter mit einer Fahrt, auf der viel gemeckert und gerufen wird „wann sind wir endlich da?“ Dann ist da eine Ferienwohnung, in der es genauso zugeht wie zuhause, nur enger und ohne Spülmaschine. Kinderklamotten aufheben, Spielsachen suchen, kochen, kehren, Kekse verteilen. Aber es lohnt sich, ich schwöre es. Es lohnt sich, weil wir zu fünft auf der Fähre sitzen, die Stadt unseres Herzens verlassend, auf die Wellen, die Alpen und die untergehende Sonne schauend und wissend: wir haben alles, aber auch alles richtig gemacht.

Bleib fröhlich und unperfekt und genieße jeden Urlaub,

deine Laura