Kids on the rocks: mein 24-Stundendienst

Out of order

Ich bin diese Woche out of order, zumindest was das Bloggen betrifft. Mit Mühe und Not schleppe ich mich an diesem Abend an den Computer und haue ein wenig in die Tasten. Meine Augen brennen, mein Akku läuft auf Notbetrieb und ich bin am Ende meiner Kraft. Was los ist? Nun ja, der Kindergarten hat zu und ich habe kids on the rocks, und zwar 24 Stunden am Stück. Die Nacht gehört Oskar, aber meist hat Luise gegen drei Uhr ihren dramatischen Auftritt. Morgens um sieben, wenn ich mich leise aus dem Bett schleiche, den Kaffeeautomaten angeschmissen und mir mein Müsli geschnibbelt habe, geht schon die Türe auf und das erste Kind tappst zu mir. Es verlangt nach einem Becher Milch, wenn es Luise heißt gerne auch nach Fernsehen oder Süßigkeiten. Kopfschüttelnd kredenze ich das Rosinen-und-Milchschaum-Frühstück und weiter gehts im Familienwahnsinn.

Der Schwimmkurs

Und weil ich mal wieder so große Angst vor gähnender Langeweile habe, wenn die Kinder von morgens bis abends in meiner Obhut sind (Achtung, Ironie!), habe ich die Messlatte von Anfang an hoch gehängt: ab viertel vor neun wird es nämlich hektisch, da alle Kinder angezogen und Badesachen in die Tasche gesteckt werden müssen, denn Jimmy lernt in den folgenden zwei Wochen das Schwimmen. Aber nicht nur das Transportieren aller Kinder in die Schwimmhalle und das möglichst vollständige Packen aller notwendigen Dinge ist eine Herausforderung der besonderen Art. Auch die Aufsicht über drei kleine Nichtschwimmer ist eine Meisterleistung und ich fühle mich dieser Tage den Fluglotsen auf dem Frankfurter Flughafen verteufelt nah.

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Drei Taschen, ein Kinderwagen und zwei aufblasbare Schwimmringe begleiten uns

Jimmy jedenfalls hat seinen Einstand in den Schwimmkurs formidabel gemeistert und spricht bereits am ersten Tag davon, den Kindergarten in 14 Tagen nicht nur mit dem Seepferdchen, sondern auch mit dem bronzenen, dem silbernen und dem goldenen Schwimmabzeichen zu betreten. Er fragte am Sonntag, ob das Schwimmbad über einen Fünf-Meter-Sprunturm verfüge. Nachdem ich ihn aber am Montag beobachten durfte, wie er sich vor dem Sprung vom Beckenrand ins Nichtschwimmerbecken ein wenig zierte, bin ich äußerst gespannt auf die Durchführung des Vorgenommenen.

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Während Jimmy seine Tapferkeit beweist und beim Unterricht den Kopf beinahe ein winziges Stück zumindest ein wenig oder ein klitzekleines bisschen minimal Richtung Wasseroberfläche richtet, und hinterher mit stolz geschwellter Brust vom „Tauchen“ spricht, schwimmt Luise mit Schwimmflügeln ausgestattet ein paar Runden. Ich kümmere mich um den Kleinsten und schaue verträumt zu all den Menschen, die hier in aller Ruhe ihre Bahnen ziehen, ungestört, entspannt und mit sich und der Welt im Reinen.

Wäscheberge säumen den Weg

Mit sich und der Welt im Reinen sein, das wäre ich auch gerne. Ich denke an den Wutanfall, oder besser gesagt, die Anfälle, die ich in den ersten drei Tagen „kids on the rocks“ bereits verbrüllt habe. Meist galten sie mit einem gewissen Töchterlein, so um die drei Jahre alt. Und ich denke an all die schönen Dinge, die ich so tun KÖNNTE, wenn ich denn mal Zeit HÄTTE. Yoga, Lesen, Schreiben, Walken – das alles fällt die nächsten zwei Wochen flach. Ich bin ja froh, dass ich überhaupt dazu komme, Kontaktlinsen in meine Augen zu drücken und den Kühlschrank aufzufüllen. Wenn ich gerade dies nicht tue und auch nicht alle drei Kinder beaufsichtige, weil sie schlafen, Bibi und Tina hören oder Tischkicker zocken, dann widme ich mich den Bergen von Wäsche. Jeden Tag Schwimmen gehen und ein Baby in der Familie ist eine Kombination, die ziemlich schnell für einen Burn-Out der Waschmaschine sorgt. Sie beschwert sich schon bei mir und droht mit Trommelschaden.

Weil ich gerade dermaßen beschäftigt bin, könnte es sein, dass es die nächsten zehn Tage ein wenig still wird auf diesem Blog. Aber dann bin ich zurück, und ich habe sicherlich eine Menge zu berichten. Kids on the rocks ist echt das Eltern-Boot-Camp schlechthin. Aber natürlich ist es auch ziemlich oft ziemlich schön mit meinen drei Verrückten. Vom Schwimmbad habe ich aber wahrscheinlich für dieses Jahr genug und den Erwerb sämtlicher edelmetallischer Schwimmabzeichen darf Anton übernehmen. Bis dahin wünsche ich allen Eltern fröhliche Sommerferien.

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Laura

4 Comments

  1. Ohje, ich kann mir vorstellen, dass es derzeit sehr anstrengend für dich ist. Das Gute daran: Wenn man viel zu tun hat, verfliegt die Zeit im Flug. Die zwei Wochen werden sehr schnell vergehen und dann ruhst du dich aus. (())
    Und zum Glück hast du inzwischen ja auch Unterstützung durch die Oma.

    Vielleicht können deine Kinder auch den ein oder anderen Kitafreund besuchen oder ihr trefft euch auf dem Spielplatz oder zum Picknick? So hast du noch andere Eltern zum Beaufsichtigen an der Seite und die Kinder jemand anderen zum Spielen.

    Die Eltern der Kitafreunde können sich sicher vorstellen, dass du dich über die Entlastung freust, wenn auch nur eines der Kinder zum Spielenachmittag oder gar zum Übernachten abgeholt wird. Bei uns in der Kita ist es üblich, andere Kinder zu sich einzuladen, manchmal eben ganz simpel auch, um zum Beispiel alleinerziehenden Eltern oder Eltern mit vielen Kindern mal einen freien Nachmittag zu bescheren. Vielleicht bei euch ja auch?

    • Liebe Sara, tatsächlich treffen wir uns mit anderen Eltern, immer eine gute Idee! Und letzte Woche war Jimmy bei einem Freund. Es ist so wahnsinnig wichtig, dass Eltern zusammen halten, ob im Netz oder im Alltag. Bei uns klappt das toll, ich habe viele wunderbare Mütter um mich rum. Danke dir für deinen lieben Kommentar! Laura

  2. Ich wünsche dir ein gutes Durchhaltevermögen für die kommenden zwei Wochen … Kleiner Tipp zum Luft holen: Gibt es eine Omi in der Nähe, die sich über Enkelbesuch freut? 😉

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