Papa ist der Beste

Lach- und Krachgeschichten

Ich habe geheiratet mit der Hoffnung, dass ich für meinen Liebsten immer die einzige Frau im seinem Leben bleiben werde. Und das ging bisher auch ganz gut. Neuerdings beobachte ich aber ein wenig argwöhnisch die Konkurrenz, die mir langsam aber sicher und mit viel Charme den Rang abläuft.

Diese gewisse Dame hat es faustdick hinter den Ohren, und umgarnt Papa HeuteistMusik, wo sie nur kann. Nennen wir besagten Liebsten der Einfachheithalber ab jetzt Anton. Wenn sich Anton in der Frühe seinen Anzug anzieht und die Krawatte umbindet, steht neben ihm eine um genau zu sein 110 Zentimeter kleinere Person im Schlafsäckchen, nimmt den Schnuller aus dem Mund und sagt: „Sick aus!“, was so viel bedeutet wie „Du schöner Mann, du siehst aber heute morgen mal wieder besonders schick aus.“ Ihr vermutet, es handele sich hier um meine Tochter Luise und ich solle mich nicht so anstellen, schließlich ist sie unser Kind und ein fast zwei-Jähriges Mädchen keine ernstzunehmende Konkurrenz. Also, stell dich nicht so an, du Mimose, höre ich die Leser rufen.

Da muss ich allerdings heftig widersprechen. Besagter Anton hat nur Augen für Luise und Luise nur für ihn. Ich beantworte 10 mal pro Tag die Frage, wo Papa sei und was er mache. Das Kind reisst mir mein Telefon aus der Hand und brüllt ein herzhaftes „Haichooo Papaaaa“ in den Apparat. Kommt der heiß Ersehnte dann nach getaner Arbeit endlich zur Haustür herein, lässt Luise Puppe Puppe sein und stürzt ihm entgegenen, um Küsschen auf Antons Backe zu schmatzen. Beim Abendessen schiebt sie ihren Stuhl weg und stellt sich vor ihren Vater. „Papa, Soooß!“, worauf Anton die kleine Dame hochnimmt, um sie auf seinem Schoß mit Ziegenkäse ohne Brot oder Weintrauben ohne Kern zu verwöhnen. Sie streicht ihm übers Haar und ist selig. Wenn Papa bei ihrem Lieblingsspiel – Gurkenscheiben durch die Gegend pfeffern – doch mal (ein wenig) sauer wird, bricht die Dame in Tränen aus und kann es nicht glauben, dass ihr lieber Papa tatsächlich mit seinem Luischen schimpfen kann. Sie ist untröstlich und zieht, nachdem sie sich beruhigt hat, mit beleidigter Miene in ihr Kinderzimmer.

Gegen Abend fährt sie dann noch einmal alle Geschütze auf: nur Papa darf sie wickeln, nur Papa kann den Schlafanzug richtig anziehen, nur Papa liest so schön Bobo vor. Nach einem lieblosen und erzwungenen Küsschen für Mama lässt sie sich von Anton in den Schlaf wiegen. An schlechten Tagen brüllt sie aber auch gut und gerne 10 Minuten nach dem Angebeteten, wenn dieser sich doch zu früh aus dem Staub Kinderzimmer gemacht hat.

Ich rege mich über all das gar nicht mehr auf. Gegen Anton habe ich schon immer verloren. Bereits als wir keine Kinder hatten, zog er kleine Menschen an wie die Lampe die Insekten. Klar, ich kann weder Straßenbahnstationen und vierstöckige Aufzüge aus Legosteinen zusammenstecken, noch Ball spielen oder Höhlen mit vier Zimmern bauen. Aber das ganze Ausmaß meiner Wirkung auf Kinder wurde mir mit meinen eigenen bewusst. Denn auch Jimmy hat in den ersten zwei Lebensjahren nur für Papa Anton geschwärmt. Für sein Mütterlein hatte er nicht mal ein Lächeln übrig. Das hat sich zum Glück geändert, und dank dieser Erfahrung blicke ich Luises völliger Ignoranz mir gegenüber ganz sachlich entgegen. Ich habe sie höflich gebeten, ihren Schlafplatz wieder in ihr eigenes Bett zu verlegen. Habe Schnuller und Flaschen aus dem Bettzeug gepickt und damit eindeutig mein Revier zurückerobert. Heute morgen stehe ich vor Anton, mache große Kleinkindaugen: „Wow, siehst du aber heute schick aus!“

Da fährt mir von hinten ein Puppenwagen in die Knie.

Pia Laura Froehlich

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.