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Die vier größten Schwierigkeiten des Elternseins

Was ist eigentlich das schwierigste am Elternsein? Denn so wahnsinnig schön und erfüllend es ist, so schwierig kann es auch sein, wenn wir Mama oder Papa werden. Aber ich habe da eine kleine Hilfestellung, um deine Ängste etwas in den Griff zu bekommen, die eigenen Ansprüche an dich selbst runter zu schrauben und den Blickwinkel auf dein Kind zu verändern. Und am Ende des Textes wartet dann noch eine kleine Überraschung auf dich!

Den eigenen Ansprüchen genügen

Sehr schwierig ist es sicherlich, dem eigenen Anspruch zu genügen. Der ist meist hoch, denn wir wissen ja oft schon früh, wie wir gerne mit unseren Kindern umgehen möchten. Ich zum Beispiel wollte immer gerne eine Mutter sein, die immer ruhig bleibt, Nerven wie Drahtseile hat und am liebsten mit ihren vier Kindern im Kinderzimmer stundenlang Höhlen baut. Nun ja, das war der Plan, die Umsetzung scheitert ziemlich oft.

Der skeptische Blick auf das Kind

Wir Eltern haben ein Bild unseres Kindes im Kopf, noch bevor es überhaupt auf der Welt ist: Ein niedliches Mädchen mit wilden Zöpfen, total tough und stark, mit dem Freunde Pferde stehlen können. Aber genau die Mütter, die sich dieses Räubermädchen wünschen, bekommen garantiert eine Prinzessin Lillifee, die bei jedem Pups zu weinen beginnt. Wenn dann das Kind für unsere Ansprüche zu spät Laufrad fahren lernt oder beim Schuleignungstest nicht auf einem Bein hüpfen kann, kriegen wir die Panik. Wir schauen voller Skepsis auf die Tochter oder den Sohn und vergleichen sie dauernd mit den gleichaltrigen Kindern unserer Bekannten. Über diese Erfahrungen habe ich hier einmal geschrieben.

Die Einsamkeit der Mütter

Wenn du schon einmal tagelang mit deinem neugeborenen Baby alleine warst, weißt du, wovon ich spreche! Da ist es, das Traumkind, und als Mutter müsstest du so glücklich sein. Dann aber geht der Partner das erste Mal wieder zur Arbeit, Krabbelgruppe ist nur einmal die Woche und viele, viele Stunden sitzt du einsam auf dem Sofa. Ein Jahr Elternzeit kann sich ziehen, wenn du nicht genug Freunde und Familie hast, die dich unterstützen, dir zuhören oder dir mal das Baby abnehmen. Und auch später gibt es vielleicht Momente, in denen du mit deinem Krabbelkind bei miesem Wetter auf irgendeinem Spielplatz sitzt und dich in dein warmes Büro sehnst, in dem du bei einer Tasse Kaffee mit den Kollegen plauschen und in der Mittagspause gemeinsam essen gehen kannst.

Die große Angst

Eine der größten Herausforderungen ist es wohl, die große Angst, die du um deine Kinder hast, in den Griff zu bekommen. Sie wird immer da sein, egal ob du dich um ein Baby sorgst, dessen Atem du im Minutentakt kontrollierst, um ein Schulkind, das viel zu spät aus der Schule kommt oder ein Teenie, der zum ersten Mal die Nacht durchfeiern darf. Sie kann dir den Atem nehmen und den Hals abschnüren, dich verrückt machen und dazu führen, dass du deine Kinder am liebsten nicht mehr aus dem Auge lassen würdest. So birgt die Angst aber auch die Gefahr, dass du den Kindern alles abnimmst, vom Ranzen bis hin zur Studienwahl.

„Das Leben darf leicht sein“*!

Aber jetzt kommt die gute Nachricht. Ich habe da etwas für dich, was dir sicher ein wenig über diese vier großen Hürden hinweg hilft: ein ganz wunderbares Büchlein mit dem Titel „Die Fiebel der Gelassenheit“ (Affiliate Link) von der großartigen Uta Allgaier, Bloggerin auf wer-ist-eigentlich-dran-mit-katzenklo, Coach, Autorin und zweifache Mutter. Sie hat zusammen mit der Illustratorin Sabine Frielinghaus dieses zauberhafte Werk herausgebracht, das mächtig viel Ballast von Eltern-Seelen nehmen kann. Wenn Uta schreibt, möchte man immerzu sagen: stimmt, sie hat recht, warum mache ich mir selber nur das Leben schwer. Zum Beispiel berichtet sie von den drei Leitsätzen, die sie selbst einmal nach einem Coaching mit zu ihren Lieben nach Hause nahm und die ihr Leben und das ihrer Kinder verändert haben:

Ich bin gut genug

Es muss weder beruflich noch privat irgendetwas über mich bewiesen werden

Leben darf leicht sein

(S. 15)

Uta Allgaier, Sabine Frielingshaus: Die Fibel der Gelassenheit, Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2017

Der Inhalt

In den ersten Kapiteln erklärt Uta Allgaier, wie du an die eben beschriebenen großen Schwierigkeiten des Elternseins heran gehen kannst. Sie beschreibt, dass unser eigener Anspruch an uns meist zu groß ist. Zum Beispiel kann niemand immer ruhig und geduldig sein. Wenn wir aber diesen hohen Anspruch an uns stellen, setzen wir uns unter Druck, es entstehen Schuldgefühle, wir sind unglücklich.

Sie geht auf die innere Haltung zu unseren Kindern ein. Kinder, die einen pessimistischen Blick auf sich spüren, fühlen sich überfordert. Alleine unsere eigene Haltung zu ihnen zu ändern und den Blickwinkel zu verschieben, so Allgaier, kann sehr viel im Wesen des Kindes verändern.

Uta gibt auch zu Bedenken, dass es für uns Menschen nicht artgerecht ist, alleine mit einem Baby zu sein. Wir sind es aus Urzeiten gewohnt, Menschen um uns herum zu haben. Sie will damit nicht die alten Zeiten verklären, sondern darauf hinweisen, dass es klar ist, dass Müttern von Neugeborenen die Decke auf den Kopf fallen kann, wenn sie niemanden haben.

Außerdem stößt sie ein Thema an, das mich auch schon lange beschäftigt und das ich neulich in einem Text zum Thema Schulweg beschrieben habe: wir Eltern haben Angst um die Kinder, das ist die eine Sache. Aber wir dürfen diese Angst nicht dazu führen lassen, dass wir Kinder in ihrem Leben einschränken. Kinder hätten ein Recht auf ein aufgeschlagenes Knie, formuliert sie, und macht mit ihrem Text Eltern Mut, die Kinder auch loszulassen.

Nach diesen schönen und anregenden Gedanken folgt ein kleines ABC der Gelassenheit für ein entspanntes Familienleben. Die hübsch gestalteten Seiten sind optimal, um sie sich zusammen mit einer Tasse Kaffee für eine kurze Pause vom Alltag mal anzuschauen. Sie geben eine Menge Inspiration für ein Leben mit Kindern und richten den Blick auf das, was du selbst wie viele andere Mütter auch vermutlich oft vergisst: den Kindern geht es gut, wenn es der Mama gut geht.

Gewinnspiel für dich!

Jetzt freue ich mich richtig, dass ich auf unserer Facebook-Seite zwei Exemplare der Bücher verlosen darf. Was du dafür tun musst? Einfach auf unserer Facebook-Seite vorbei schauen. Dort geht das Gewinnspiel am 7. November 2017 abends um 20 Uhr online.

Und nun wünsche ich dir eine Menge Gelassenheit im Umgang mit deinen Kindern. Ach so, und schau unbedingt mal auf Utas Blog vorbei.

Bleib fröhlich und unperfekt,

deine Laura

Ps.: Das Buch von Uta samt zwei Verlosungsexemplare wurde mir vom Verlag zur Verfügung gestellt ohne Verpflichtung, eine Rezension zu schreiben. Ich habe es getan, weil ich es dir wirklich sehr ans Herz legen möchte und es einfach großartig finde.

*Zitat aus Uta Allgaiers Buch, vgl. S. 15

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Was es heißt, ein toller Vater zu sein

Jede Frau hat so ihr Bild von einem tollen Mann im Kopf. Einer, der einen ebenso tollen Vater abgeben wird. Aber was macht eigentlich einen tollen Vater aus?

Das kann natürlich keinesfalls pauschal beantwortet werden, aber beim Lesen des Buches „Alles, was mein kleiner Sohn über die Welt wissen muss“ von Fredrik Backman, das mir der Verlag als Rezensionsexemplar überlassen hat, fand ich den Autor in seiner Rolle als Papa ganz schön vorbildlich. Er ist humorvoll, widmet sich hingebungsvoll seinem Sohn, hat Respekt vor Frauen, ist weltoffen und sozial – und kann gut schreiben.

Das Taschenbüchlein liest sich so geschwind einmal durch, denn es besteht aus lauter kleinen Geschichten. Fredrik Backman, der mit Frau und mittlerweile zwei Kindern in Stockholm, Schweden lebt, ist vielen sicher bekannt: Er hat den Bestseller „Ein Mann namens Ove“ geschrieben, der mittlerweile auch verfilmt wurde. In diesem Buch wendet er sich an seinen noch kleinen Erstgeborenen und erklärt ihm auf sehr witzige Weise die Welt. Dabei wird klar, dass es sich bei diesem Papa, der groß und schwer wie ein Bär ist, um einen äußerst humorvollen, selbstironischen und liebenden Elternteil handelt.

Worüber schreibt der tolle Papa?

Fredrik Backman rechtfertigt sich, dass Eltern heutzutage alles richtig machen müssen. Die Generationen vor uns hatten noch die Pauschal-Ausrede zur Verfügung: Wir haben es nicht besser gewusst! Wir dagegen wissen dank Google und Co alles und stehen unter Druck, denn wenn was schief geht, sind wir Schuld! (S. 13). Recht hat er, der Mann. Wir wissen viel zu viel und pinkeln uns beinahe vor Angst in die Hosen, weil die Kinder heute Nachmittag schon wieder Mohnschnecken gegessen haben, und dabei WEISS DOCH JEDER, dass Weißmehl und Zucker GIFT sind, pures GIFT.

Kinder zu bekommen ist in vielerlei Hinsicht, als würde man versuchen, in einem Porzellangeschäft Bagger zu fahren. Mit Gipsbein. Und Tarnmaske. Sternhagelvoll. (S. 15)

Jede Mutter, die sich schon einmal mit dem richtigen Zeitpunkt der Beikosteinführung beschäftigt hat, weiß, dass wir beim Kindergroßziehen in mancherlei Hinsicht nur scheitern können. Ich liebe Menschen, die sich über überambitionierte Eltern lustig machen, wenn sie selber dazu gehören. Sich selbst nicht zu ernst nehmen, das ist ein guter Hinweis auf einen tollen Papa.

Über Ikea

Papas, die lustig sind, sind überhaupt ziemlich gut. Und Papas, die witzige Texte über Ikea schreiben, sind außerordentlich gut. Das tut Fredrik Backman und gibt seinem Sohn am Ende dieser kleinen Geschichte über einen Ausflug ins Möbelgeschäft diese weisen Worte mit auf den Weg:

Also spiel. Lerne. Werde groß. Renn deiner Leidenschaft hinterher. Finde jemanden, den du lieben kannst. Gib dein Bestes. Sei nett, wenn es geht, hart, wenn es sein muss. Halte an deinen Freunden fest. Lauf nicht entgegen der Pfeilrichtung. Dann wirst du alles gut hinkriegen. (S 32)

Er ist Schwede und muss es wissen.

toller Vater

Über Männlichkeit

Gänzlich überzeugt hat mich das Kapitel „Was du über Männlichkeit wissen musst“. Das beinhaltet eine so sympathische, sensible und kluge Ansicht über das Bild von einem Mann, und wenn meine Söhne mal in diese Richtung denken, dann habe ich alles richtig gemacht.

Überhaupt geht Fredrik Backman mit Frauen im Allgemeinen und seiner im Besonderen sehr respekt- und liebevoll um. Über sie sagt er: „Denn wenn man mit ihr zusammen ist, ist jeden Tag Sonntagmorgen.“ (S.111)  Ist das nicht eine wundervolle Liebeserklärung?

Über Philosophie

Mein zweites Lieblingskapitel ist „Was du über Gott und Flughäfen wissen musst.“ Fredrik Backman schreibt nicht nur über Playstation spielen, Bier trinken und andere Männerdinge, sondern ist durchaus auch Philosoph und beantwortet hier in leicht verständlicher Weise, für mich absolut nachvollziehbar und noch dazu kindgerecht die Theodizee-Frage.

Der schönste Satz von allen aber ist folgender, und wir sollten ihn alle miteinander unseren Kindern mitgeben:

Du sollst immer wissen, dass du alles werden kannst, was du willst. Aber das ist nicht annähernd so wichtig, wie dass du weißt, dass du immer der sein darfst, der du bist. (S. 81)

Wer also ein Büchlein darüber lesen will, wie es ist Kinder zu haben. Welche Werte wir ihnen mitgeben sollten. Wie lustig es sein kann und wie schwierig. Wie wir ihnen vorleben können, ein guter Mensch zu sein, der liebt, lacht und leuchtet, der lese Fredrik Backmans Büchlein „Alles, was mein kleiner Sohn über die Welt wissen muss.“ Es eignet sich übrigens auch ganz wunderbar als Geschenk für werdende und bereits seiende tolle Väter.

Gewinnspiel

Ich verlose mein Rezensions-Exemplar an euch und so könnt ihr am Gewinnspiel teilnehmen:

​1. Schreibt einen Kommentar unter den Beitrag und verratet mir, für welchen tollen Vater ihr das Buch gerne gewinnen möchtet.

2. Wenn ihr den Beitrag auf Facebook teilt ODER unsere Facebook-Seite liked, zählt eure Teilnahme doppelt. Das ist aber kein Muss, um das Buch zu gewinnen.

Ich benachrichtige euch per Mail oder Facebook, wenn ihr gewonnen habt. Bitte hinterlasst aus diesem Grund bei eurem Kommentar eine gültige Emailadresse. Das Los entscheidet über den Gewinner / die Gewinnerin. Das Gewinnspiel läuft bis zum 10. Mai 2017 um 23:59 Uhr. Teilnahmeberechtigt sind alle Personen ab 18 Jahren aus Deutschland. Eine Barauszahlung des Gewinnwerts ist nicht möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Fredrik Backman: Alles, was mein kleiner Sohn über die Welt wissen muss, Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 2017, 190 Seiten, 9,99 Euro.

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Unser Steinzeiterbe

Wusstet ihr, dass noch eine Menge Steinzeit in uns steckt? Es war damals nämlich so, dass die Kinder von Müttern, die allzu sorglos mit ihrem Nachwuchs umgingen, ganz schnell von wilden Tigern, Wölfen und Füchsen aus der Höhle gezerrt und verspeist wurden. Also kümmerten sich die Steinzeitfrauen wie nervöse Oberglucken um ihren Nachwuchs, allzeit bereit, den Tiger mit der Keule zu verscheuchen, während die Steinzeitpapas sorglos und unbeschwert auf Jagd gingen.

Mein Plan: eine Therapie

Unser steinzeitliches Erbe ist also immer mit uns dabei und so erklärt sich auch dieses beissende und stechende Gefühl, dass uns Mütter immer wieder befällt und uns den Kopf zerbrechen lässt, ob die Kinder gesund, gut entwickelt und bestens sozialisiert sind. Manchmal schießen wir aber, um im Steinzeitjargon zu bleiben, über das Ziel hinaus. Zum Beispiel habe ich mir bei Jimmy eine ganze Menge Sorgen gemacht, die eigentlich unnötig waren. Er war ein Schreibaby, das dauernd nervös und gereizt schien, und so googelte ich tatsächlich den Begriff „frühkindlicher Autismus“ und fand im Netz meine schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Vielleicht sollte ich den Kinderarzt darauf ansprechen? Auf jeden Fall konnten drei teuer Ostheopatiesitzungen nicht schaden, da war ich mir sicher. Ein Jahr später fiel mir sein linker Fuß auf, der beim Laufen immer nach innen zeigte. Ich dachte über Krankengymnastik nach. Der Hals-Nasen-Ohrenarzt wies uns auf den fehlenden Mundschluss Jimmys hin und empfahl Logopädie. Die Zahnärztin schickte uns wegen des schiefen Schneidezahns zur Kieferorthopädin, von der wir ein schnullerartiges Plastikdings mitnahmen, das Jimmy nun tragen sollte.

© Fischer Verlag
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In keinster Weise will ich hiermit die Therapien der jeweiligen Spezialisten in Frage stellen. Ich stelle mich nur selbst in Frage, denn meine übertriebene Sorge hat höchstens dazu geführt, dass Jimmy und ich stundenlang in Wartezimmern saßen, die Nachmittage in diversen Praxen verbrachten und uns stritten, weil das Kind zuhause keine Lust auf Zahnspange, Logo-Übungen und Fußgymnatik hatte.

Kein Grund zur Sorge!

Alles erledigte sich nämlich ganz von alleine: Die Osteopathie brachte (nur in unserem Fall) leider nichts, der frühkindliche Autismus war eine Fehldiagnose von Frau Dr. Mutter, der schiefe Fuß begradigte sich, wie vom Kinderarzt vorausgesagt, von ganz alleine, der nicht vorhandene Mundschluss ist ein Familienerbstück und den schiefen Zahn haute sich Jimmy beim Toben einfach selbst raus.

Alle Eltern, die wie ich unter dem Eltern-Angsthasen-Syndrom leiden und dauernd glauben, ein verspäteter Entwicklungsschritt führte geradewegs ins Unglück, dem lege ich das Buch „Kindheit ist keine Krankheit“ ans Herz. Der Kinderarzt Dr. Michael Hauch erklärt hier, warum in einigen Fällen Therapien bei Kindern unnötig sind, vor allem dann, wenn die Eltern schon  mit einer fertigen Diagnose und der Bitte nach Logo-, Ergo- oder sonstigen Therapiestunden in die Praxis kommen, ohne mit dem Arzt überhaupt gesprochen zu haben.

Therapien sind nützlich: es kommt drauf an, für wen!

Natürlich sind Therapien sinnvoll und nützlich, ganz besonders für behinderte oder kranke Menschen. Gerade die brauchen sie dringend, und deshalb kritisiert der Kinderarzt, dass Praxen voll von Kinder sind, die eigentlich eher die Aufmerksamkeit der Eltern, Ruhe im trubeligen Alltag oder Bewegung an der frischen Luft von nöten hätten. Denn Kinder, die unruhig sind, und deshalb schnell den Stempel „ADHS“ erhielten, brauchen in vielen Fällen einfach mehr Auslauf, gerade wenn es sich um Jungs im Alter zwischen sieben und acht handelte. Er beruhigt in seinem Buch die Eltern, die anhand eines x-beliebigen Ratgebers die Entwicklung ihres Kindes kritisch betrachten. Denn Entwicklungsstörungen seien eben auch Definitionssache und jedes Kind entwickele sich in seinem eigenen Tempo (vgl. S. 83).

Der Zwei-jährige, der noch keine Dreiwortsätze bildet, dafür aber Fußball spielt wie ein Profi, ist deshalb genauso „normal“ wie der Fünf-jährige, der nachts noch eine Windel braucht und Bilder malt wie Picasso. Oft fehlt uns das Vertrauen in die eigenen Kinder, die ja nicht als Mangelwesen auf die Welt kommen, sondern mit einer tollen Ausstattung, um dem Leben gewappnet zu sein. Ich selbst halte überhaupt nichts von der sogenannten Frühförderung, Early Englisch-Kursen oder dem Kindergarten-Label „Haus der kleinen Forscher“, und finde mich damit im Buch bestätigt:

Kinder brauchen Papier und Stifte, Sand und Matsch, Klettergerüste und Fahrzeuge. Und sie brauchen den Kontakt zu der vertrauten Erzieherin, die sie bei ihren Aktivitäten unterstützt und hilft, ihre Erfahrungen einzuordnen. (S. 101)

Hoher Druck lastet auf Eltern

Doch noch einmal zurück zu den Therapien: Ich habe Dr. Hauch bei einem Vortrag gehört, in dem er erzählte, dass nur 60 % aller Kinder bis zu einem Alter von 15 Jahren ohne medizinische Therapien durchs Leben gehen. Der Rest hat scheinbar irgendein Defizit, das es auszumerzen gilt. Denn das Kind sei in unserer Zeit für viele Eltern eine Art „Projekt“, das gelingen müsse. Tests, Ultraschalls und Vorsorgeuntersuchungen verunsicherten die Eltern heute teilweise auch, denn was ist, wenn die Ergebnisse nicht so ausfallen, wie gewünscht?

Die Vielfalt an Infos, auch aus dem Netz, durch Ärzte, Hebammen und andere Eltern sind nicht nur von Vorteil, und so schwindet das Vertrauen in das eigene Urteil bereits bei einem lapidaren „Wie, dein Baby dreht sich noch nicht?“, diese Erfahrungen habe ich selbst gemacht.

Eine gewisse Leichtigkeit, Gelassenheit und die Fähigkeit, einfach mal abzuwarten, fehle manchen Müttern und Vätern, attestiert Hauch. Sie lösten die Konflikte ihrer Kinder, griffen zu schnell ein, vermeideten Gefahrensituationen und erwarteten oft von ihrem Kind, dass es leistungsmäßig mindestens „im vorderen Drittel“ mitspielte. Wenn dies nicht der Fall sei, dann müssten doch wenigstens Therapien helfen, so die heutige Meinung.

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Ich war schwer beeindruckt von dem Vortrag, dessen Inhalt in ähnlicher Form auch im Buch zur Sprache kommt. Und ich fühlte mich ein wenig schlecht, weil ich in den letzten Jahren zu wenig in Jimmys Entwicklung vertraut hatte. „Lieber eine Therapie zu wenig“, war das Schlusswort, das Dr. Hauch den Zuhörern mit auf den Weg gab. Und zuhause habe ich sofort unseren Gummischnuller in den Mülleimer geworfen.

Vielen Dank an den Fischer Verlag, der mir das Buch von Herrn Hauch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Dr. Michael Hauch: Kindheit ist keine Krankheit, Frankfurt am Main, August 2015, 316 Seiten, 14,99 Euro.

© Fischer Verlag
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#Regretting Motherhood ist in aller Munde. Dieses Stichwort entstand, nachdem die Soziologin Orna Donath israelische Mütter im Alter von Mitte 20 bis Mitte 70 zum Thema Mutterschaft befragt hatte. Die meisten dieser Frauen waren der Meinung, dass sie durch ihre Kinder ihre Autonomie und Identität verloren hätten und sie sich heute gegen Kinder entscheiden würden. Klar, dass das Thema durch die Decke ging. Sämtliche Zeitungen und Magazine widmeten sich der Studie und die sozialen Netzwerke liefen heiß. Dürfen Frauen sowas sagen? Machen da endlich mal welche den Mund auf? Spinnen die jetzt alle?

„Die Mutterglücklüge“ von Sarah Fischer

Zur Zeit kocht das Thema #Regretting Motherhood erneut auf. Und auch ich habe mich damit beschäftigt: Sarah Fischer, selbstständige Vortragsreferentin und Mongolei-Expertin, hat ein Buch geschrieben mit dem Titel: Die Mutterglücklüge. Regretting Motherhood – warum ich lieber Vater geworden wäre (Affiliate Link). Der Ludwig Verlag hat es mir dankenswerterweise zur Verfügung gestellt und ich habe es im Urlaub gelesen. Mein Resümee: Traurig, die Geschichte über eine Frau, der alles über den Kopf wächst, die einen Burnout erleidet und daraufhin das Bedürfnis hat, endlich etwas auszusprechen, was sie tief in ihrer Seele empfindet: „Ich liebe mein Kind, aber in der Rolle als Mutter könnte ich verzweifeln.“ Gezeigt hat mir diese sehr ehrliche Biografie einerseits, dass es sich in erster Linie Mütter gegenseitig schwer machen. Frauen, die sich von der Meinung anderer „Super-Mütter“ in diesem Maße beeinflussen lassen, haben es tatsächlich nicht leicht, ihr Kinderglück zu genießen. Und nicht jede kann ehrlich dazu stehen, dass sie keinen Kuchen backen und keine Pumphosen nähen kann oder sich wünscht, nicht dauernd auf Spielplätzen rumhängen zu müssen.

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Sarah Fischer: Die Mutterglücklüge, Ludwig Verlag, München 2016

Andererseits empfinde ich während des Lesens, dass sich bei so vielen Menschen heutzutage jeder Gedanke um die eigene Persönlichkeit dreht. Alles wird zum eigenen Besten optimiert und geformt. Das Leben soll jedem Einzelnen alles bieten, was drin ist: ein traumhafter Job, ein traumhafter Partner und eine Freizeit voller Entfaltungsmöglichkeiten. Nebenher werden kleine Psychomacken und Nahrungsmittelunverträglichkeiten gehegt und gepflegt und vor sich her getragen wie ein Schoßhündchen in der Handtasche. Da kann es manchmal gut tun, dem eigenen Ego eine Verschnaufpause zu verschaffen. Dazu hat Sabine Rückert in ihrem (umstrittenen) Artikel „Macht euch nicht klein! – Zehn Wahrheiten über junge Frauen“ in der Zeit geschrieben: „Wer ein Kind hat, muss sich von sich selbst verabschieden, den Blick vom eigenen Nabel erheben und in die Ferne richten. Das ist schmerzhaft, aber befreiend.“ Und sie bezieht diese Befreiung nicht nur auf das Kinderkriegen, sondern generell auf die Aufgabe, für andere Menschen Verantwortung zu übernehmen. Das scheint in der heutigen Zeit, siehe Flüchtlingskrise, notwendiger denn je.

Der Buchinhalt

Aber zurück zu Sarah Fischers Buch und zum Thema #Regretting Motherhood. Eine Frau bekommt ein Baby, und anfangs scheint alles perfekt. Toller Mann, tolle Schwangerschaft, Sarah kann ihren Job weiter ausüben und ihr geht es gut. Als das Kind auf der Welt ist, verändert sich alles. Sie empfindet die finanzielle Abhängigkeit von ihrem Mann als unangenehm und fängt relativ schnell wieder an zu arbeiten. Auch, weil ihr der Job so fehlt. An sich ja kein Problem, aber sie hat viele, wie ich sagen würde, komische Freunde und Mitmütter, die ihr reinreden und ihr ein schlechtes Gewissen machen. Oder aber lässt Sarah sich das schlechte Gewissen einfach viel zu leicht einreden? Sie fühlt sich unwohl in Krabbelgruppen oder auf dem Spielplatz, auf dem Mütterkriege um Ernährung, Frühentwicklung und Co toben. Und so wird sie Stück für Stück unglücklicher und beginnt, obwohl ihre Tochter wunderbar ist und Sarah sie sehr liebt, sich nach ihrem früheren Leben zu sehnen. Sie fühlt sich schlecht, weil nicht alles , was Tochter Emma erfreut, auch sie erfreut. Das scheint bei den Müttern in ihrem Umkreis jedoch ausnahmslos der Fall zu sein. Sarah spürt, dass sie die eigene Unzufriedenheit als Mutter nicht ausdrücken darf. Jede kleinste Anmerkung, dass es manchmal ganz schön nervt, dauernd präsent sein zu müssen und einen Haushalt zu schmeißen, anstelle zu verreisen, ist verpönt unter den Rosa-Wolken-Mamas. Auch spürt sie die Ungerechtigkeit zwischen Männern und Frauen: die einen leben so weiter wie bisher, die anderen finden sich in einer völlig neuen Welt zwischen Spucktüchern und Windeleinerlei wieder. Und damit kann einfach nicht jede Frau freudestrahlend leben.

Viele ihrer Gefühle kann ich nachempfinden. Und vor allem empfinde auch ich selbst die Einmischung anderer als überaus nervig. Sobald frau ein Kind bekommt, reden alle mit. Ob Bäuche betatschen, Kommentare zum Körperumfang, später dann Erziehungs- und Impftipps – auf einmal wird dein Leben und werden deine Entscheidungen von der Umwelt in Frage gestellt oder beurteilt. Dabei schwingt immer dieser Unterton mit: „Eine gute Mutter darf / muss / soll dies und jenes unbedingt oder auf keinen Fall tun.

Oder bilden wir Mütter uns das manchmal auch nur ein und fliehen vor einem Feind, den es eigentlich gar nicht gibt? Sind wir es selbst, die viel zu verunsichert sind in dem, was wir tun? Diese Frage weiß ich manchmal selbst nicht zu beantworten. Sarah schreibt dazu: „Weil ich ein Kind habe, höre ich doch nicht auf, ich selbst zu sein! Doch die Gesellschaft stellt nun völlig andere Ansprüche an mich und urteilt unbarmherzig darüber, was eine Mutter darf und vor allem, was nicht.“ (S. 19)

Im Laufe des Buches beschreibt sie auch das gespaltene Mutterbild, das wir in Deutschland haben. Einerseits soll sich diese aufopferungsvoll um ihren Nachwuchs kümmern. Dieses Mutterbild ist nahezu ein heiliges. Andererseits sind Frauen, die in ihrer Mutterrolle total aufgehen und auf Beruf und Karriere jahrelang verzichten, großer Kritik ausgesetzt und müssen sich Vorwürfe zum Thema Rente, Abhängigkeit von Männern und Berufsfaulheit anhören. Nun ja, da hat frau es bei uns in Deutschland nicht leicht.

Fazit: Nichts bereuen vs. Regretting Motherhood

Ich finde das Buch lesenswert, erkenne mich in manchen Dingen wieder und finde es mutig, dieses Thema anzusprechen. Ich habe großes Mitleid mit einer Frau, die so leidet. Sarah Fischer ging es wirklich schlecht, das erfährt man nicht nur daran, dass sie mit Anfang 40 kurz vor einem Herzinfarkt stand. Ich finde auch, dass eine Frau laut sagen darf, dass sie das Mutterleben nicht als große Erfüllung empfindet.

Allerdings bin ich auch der Meinung, dass wir unser Schicksal doch mehr in der Hand haben, als Sarah Fischer es beschreibt. Ganz besonders in Hinblick auf die Anderen: wir gestalten unser Leben mit Kind so, wie wir es für richtig halten. Ich hätte den Traumauftrag an ihrer Stelle angenommen, der herein trudelte, als Emma noch klein war. Sarahs Mann hatte ihr angeboten, die paar Wochen auf Emma aufzupassen. Aber der Vorwurf einer Freundin, sie verpasse es, wie die Tochter sitzen lernt, stimmte sie um.

In dieser Debatte geht es nicht darum, ob Frauen ihre Kinder lieben. Das tun sie alle, da bin ich mir sicher. Eher geht es um Toleranz denen gegenüber, die anders denken, anders handeln, ihre Kinder anders erziehen als man selbst. Schließlich sollte jede Mutter auch ihr eigenes Glück vor Augen haben, denn nur eine glückliche Mutter hat auch glückliche Kinder. Und so manche Mutter sollte definitiv an ihrem Selbstbewusstsein arbeiten: sie ist es, die das Leben mit ihren Kindern gestaltet. Und da haben Freunde, Familie und Bekannte kein Recht auf Kritik.

Gestern habe ich in der Zeit passenderweise den Artikel „Gehts noch“ von Susanne Mayer gelesen, die der Debatte #Regretting Motherhood nichts abgewinnen kann. Sie empfindet das Jammern, Nölen und Kreischen der Mütter als Larmoyanz und spricht genau dieses Gefühl von mir an, das ich eingangs erwähnte: es dreht sich einfach auch sehr viel um das eigene Ich.  Verantwortung für andere zu übernehmen gehört nunmal zu einem erfüllten Leben dazu, das denke ich auch. Das müssen natürlich nicht zwangsläufig Kinder sein. Aber zu ihnen sagt Mayer so schön in ihrem Schlusswort: „Das Leben unterhalb und oberhalb der Optimierungskruste ist manchmal nur auszuhalten, die besten Kommentare zum „Wie denn?“ liefern Kinder selber, mit ihrer nicht kaputtbaren Energie und diesem durchgeknalltem Lachen, das sie schon als Baby besser können als die Großen.“

Mein Schlusswort: Nichts bereuen und den kritischen Geistern in näherer Umgebung lieber mal ne Windel an den Kopf schmeißen! Viel Spaß beim Lesen und diskutieren. Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

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