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Das Eltern-Hamsterrad

Ich hätte ja gerne alles! Glückliche Kinder, einen bereichernden Job, Zeit für mich, Zeit für Anton, meine Hobbys und Zeit für Nachmittage im Zoo, auf dem Spielplatz und im Freibad. Dazu natürlich das nötige Kleingeld und die Möglichkeit, mein Hab und Gut zu pflegen und sauber zu halten. Leider funktioniert das nur bei Pipilotta und nicht bei mir, denn Zeit und Geld sind leider endlich. Leider komme ich meist nicht aus, weder mit dem einen, noch mit dem anderen. Immer ist zu wenig da und ich verzweifele daran, dass der Tag 24 Stunden und mein Geldbeutel nur 30,63 Euro umfasst. Wie komme ich raus aus diesem Schlamassel, denn eigentlich möchte ich vor allem eines: ein zufriedenes Leben führen. Das ist vermutlich unser aller Ziel und ich nehme mal an, dass es auch dir oft an Zeit mangelt. Hätten wir davon mehr, könnten wir uns jeden Tag unseren Kindern widmen, um mit ihnen die Eisenbahn aufzubauen, Geschichten vorzulesen oder ins Theater zu gehen. Wir könnten außerdem in unserem Job arbeiten und die Projekte fertig kriegen. Außerdem hätten wir Zeit für die Wäsche und die Spülmaschine und danach könnten wir Sport machen, ein Bild malen oder einen Schal stricken – je nach Lust und Laune.

Stattdessen hetzen wir von A nach B und haben immerzu ein schlechtes Gewissen gegenüber Kindern, Chef, dem Haushalt und uns selbst. Wie fangen wir an, etwas zu ändern? Nun, ich habe da neulich von einer schönen Methode gehört. Anstatt uns immerzu über all das, was uns fehlt und was schlecht läuft, zu ärgern, könnten wir unser Leben mal von einer anderen Seite betrachten. Wie wäre denn eigentlich ein optimaler Tagesablauf? Wie sähe der aus und was ist uns denn eigentlich am allerwichtigsten?

Das perfekte Leben

Klar ist auch, dass sich kein Leben von heute auf morgen umkrempeln lässt. Manche Dinge lassen sich vielleicht sogar nicht in diesem oder im nächsten Jahr ändern. Aber wenn wir einen Traum von einem zufriedenen Leben haben, können wir ihm vielleicht in kleinen Schritten näher kommen. Und diesen Traum zu kennen, beflügelt uns. Außerdem tut es gut, sich klar darüber zu werden, welche Faktoren in unserem Leben zu ändern sind und welche nicht, sich mit Gegebenheiten auseinander zu setzen und sie vielleicht zu aktzeptieren.

Stand der Dinge

Ich ärgere mich sehr oft darüber, dass ich so wenig Zeit zum Arbeiten habe. Und ich könnte an die Decke gehen, wenn ich weiß, dass ich in dieser typischen Frauen-Teilzeit-Falle sitze. Toll wäre es, Anton und ich würden uns Job und Kids teilen, das geht aber nicht, weil wir einfach unterschiedlich verdienen und wir für unser Haus viel Miete bezahlen müssen. Wir sprechen regelmäßig über den Stand der Dinge und quatschen über unsere beruflichen Wünsche und Ziele, darum haben wir auch schon viele Faktoren gegeneinander abgewogen. Außerdem möchte ich in dieser Hinsicht ernst genommen werden, auch wenn mein Gehalt mit Antons nicht zu vergleichen ist. Es kommt nämlich nicht nur auf das Geld an, sondern auch auf die Freude am Job und die finanzielle Absicherung.

Fakt ist, dass ich nun in Teilzeit arbeite und selbstständig bin, an beiden Dingen gibt es derzeit nichts zu rütteln. Außerdem sind da noch die Kinder, deren Glück und Freude mir am allerwichtigsten ist. Müsste ich jetzt einen perfekten Tag zusammenbasteln, liege ich ehrlich gesagt gar nicht so weit weg davon. Denn ich arbeite vormittags, nachmittags sind die Kinder und ich zusammen. Wollte ich es anders? Nein! Warum gräme ich mich denn dann nur so?

Eigentlich ist momentan alles ganz gut so, wie es ist. Allerdings werden wir als Familie immer wieder schauen, ob sich an der Aufteilung der Arbeit nicht doch in Zukunft etwas ändern lässt. Vielleicht kann Anton irgendwann mal seine Arbeitszeit reduzieren und einen Nachmittag die Kinder betreuen. Wenn wir dann etwas weniger Geld zur Verfügung haben, werden wir schon etwas finden, woran wir sparen. Wir sind zum Beispiel nicht so große Urlauber und fahren lieber ins Allgäu statt in die Karibik zu fliegen. Dafür war uns mehr Platz für die Familie wichtig und so nimmt das Haus einen großen Teil unseres Budgets ein.

Bleibt alles anders

Es gibt doch einige Stellschrauben, an denen sich drehen lässt, wenn auch nicht sofort. Ich glaube, wir Eltern müssen uns klar darüber werden, was uns wichtig ist und in welcher Priorität. Das ändert sich natürlich auch immer mal wieder. Der nächste Schritt ist, gemeinsam nach einer guten Lösung zu suchen und sich auch Ziele zu setzen, die erst in ein paar Jahren verwirklicht werden können.

Vielleicht ist es dir am wichtigsten, ganz für deine Kinder da zu sein. Du verzichtest auf deinen Job und bleibst gerne zuhause. Oder du arbeitest in Vollzeit und siehst die Kinder seltener, dafür ist die Zeit mit ihnen intensiver. Vielleicht ist es bei dir auch eine Mischung von allem, wie bei mir. Vielleicht findest du alles toll so, wie es ist, oder du bist unzufrieden. Und natürlich spielt unsere finanzielle Situation immer eine große Rolle und wir können gar nicht anders, weil sonst das Geld nicht reicht. In jedem Fall aber ist es eine gute Idee, sich mal mit dem Traumleben zu beschäftigen.

Mutig sein

Hin und wieder könnten wir auch Dinge ändern, trauen uns aber nicht. Wir könnten uns einen anderen Job suchen, den alten kündigen. Oder uns überhaupt einen Job suchen. Wir könnten aufhören zu arbeiten und uns um die Kinder kümmern, im Gegenzug in eine kleiner Wohnung ziehen und sparsam leben. Vielleicht lässt sich Arbeitszeit reduzieren, aber wir scheuen uns, mit dem Chef zu sprechen. Oder wir fangen noch einmal an zu studieren oder einen Schulabschluss nachzuholen. Die Kinder könnten länger betreut werden, damit die Eltern mehr arbeiten. Oder aber die Kinder gehen nicht länger in die Betreuung, weil Papa ab jetzt nachmittags zuhause bleibt. Vielleicht ist ein Au Pair-Mädchen im Budegt drin oder die Freundin hilft mal aus. Vielleicht ist niemand da, der hilft, dafür brauchen Mama und Papa öfter mal eine Pause. Vielleicht lohnt sich das Ackern, weil das Haus schön und groß sein soll und Eltern unbedingt ein schickes Auto fahren möchten. Vielleicht brauchen Eltern aber auch wenig Platz und einen Fiat Panda, dafür wollen sie viel Zeit mit der Familie. Jeder hat so seine Prioritäten und sollte über die der anderen nicht urteilen.

Ich finde übrigens nicht, dass wir uns von nun an mit allem zufrieden geben sollen. Wir müssen weiter für bessere Arbeitsbedingungen, Frauenrechte und mehr Familienzeit für Männer kämpfen. Aber vielleicht finden wir jetzt schon einen Weg, um ein gutes Leben zu führen, auch wenn in unserer Gesellschaft vieles noch nicht gerade familienfreundlich ist.

Dein Traumtag

Ich drücke dir jedenfalls ganz feste die Daumen, dass du eine Idee von einem zufriedenen Leben hast und auch ein paar Schrauben drehen kannst, um diesem näher zu kommen. Zufrieden sein, das ist doch irgendwie das größte aller Ziele. Und nun wünsche ich dir viel Spaß dabei, dir mal den perfekten Tag auszudenken. Nimm Papier und Stift oder den Computer und verteile die Stunden so, wie es für dich am schönsten wäre. Vielleicht bist auch du gar nicht so weit entfernt von deinem Traum? Oder dir fallen ein paar Dinge ein, die sich ändern ließen, auch wenn sie nur ganz klein sind.

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

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Familien haben es schwer

Wie ist es eigentlich so, Familie zu haben? In der Zeit-Ausgabe Nr. 28 gab es ein Vier-Seiten-Spezial zum Thema Familie. Da war zum Beispiel einen Bericht darüber, wie alleine Paare sind, die neben Kindern, Job und Haushalt auch noch kranke Eltern pflegen. Tatsächlich gibt es in unserer Gesellschaft meiner Meinung nach ein ganz großes Manko: Pflegende, die sich um eigene Kinder, den Partner oder kranke Eltern kümmern bekommen für das, was sie tun, kaum Rentenbeiträge. Wer sorgt sich um die, die sich sorgen? Das sollte meiner Meinung nach wesentlich stärker thematisiert werden, wenn es um die Rentenversicherung in Deutschland geht.

So ist Familie

Ein anderer Artikel im Zeit-Special beschäftigte sich damit, wie Patchwork-Familien ihren Urlaub planen oder koordinieren. Ganz besonders interessiert hat mich Anna von Münchhausens Text „Die Unperfekte“, in dem sie beschreibt, mit welchen Herausforderungen sie in den 80er Jahren zu kämpfen hatte, als sie in Vollzeit beschäftigte Mutter war. Ist es heute einfacher für Mütter zu arbeiten? Nein, erklärt sie. Denn trotz Neuerungen wie Elterngeld, Teilzeitanspruch und Ganztageskindergärten stehen Frauen heute vor neuen, anderen Herausforderungen: Konkurrenzdruck in sämtlichen Branchen, unsichere Arbeitsverhältnisse dank befristeter Verträge (siehe meine eigene Erfahrung) und die allgemeine Hektik, die durch die Digitalisierung und die ewige Erreichbarkeit durch das Handy entstanden ist.

Familie haben ist schwer, oder nicht?

Also, alles in allem eine schöne und gute Beilage meiner Lieblingszeitung, die ich deshalb erwähne, weil ich mich gerne an der Aktion der Zeit beteiligen möchte. So ist Familie wirklich…. was sagen Sie? wurde gefragt und ich antworte hier auf meinem Blog liebend gerne.

Familie ist

Familie ist….

Um halb sechs Uhr morgens von einem Krabbelkind geweckt werden, das spielen, frühstücken und rausgehen möchte

Drei Wünsche gleichzeitig erfüllen müssen, und zwar pronto!

Manchmal einfach nicht mehr können, sich in ins Klo einschließen und heulen

Nie Zeit, nie den Kopf frei und nie Feierabend haben

Sich abhetzen zwischen Büro, Kita, Schule und Fußballtraining

Ewiger Streit zwischen Geschwistern

Nie mit dem Mann alleine sein

Ja. Familie ist anstrengend

Familie ist auch…

Drei wunderbare kleine Menschen aufwachsen zu sehen

Geschwister, die Hand in Hand allein in die Bücherei gehen

Das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben

Ein Knirps, der sagt: „Mama, du schaffst das schon“

Die Nase in duftende Kinderköpfe stecken und tief einatmen

Drei liebe Gesichter, die seit einer halben Stunde warten, dass ich nach Hause komme

Sich zu fünft in einem Doppelbett tummeln und selig sein

Im Alltagswahnsinn über sich hinauswachsen

Ja, Familie ist schön

Was ist Familie

Was muss sich für Familien ändern?

Am Ende möchte ich auf eine weitere Frage der Zeit eingehen: was müsste sich für Familien in Deutschland ändern?

  • Steuererleichertung für Familien, die das System tragen
  • Kindergartengebühren, die an das Gehalt der Familien gekoppelt sind und mehr Unterstützung für finanzschwache Familien
  • Bessere Arbeitsbedingungen für Eltern, Ausbau von Homeoffice und Teilzeitangeboten
  • Eine neue Konzeption von Elterngeld, die es Männern möglich macht, länger zuhause zu bleiben
  • Mehr Unterstützung für Alleinerziehende, sowohl finanziell als auch alltagsentlastend
  • Eine breite Akzeptanz der Tatsache, dass Kinder zum Leben dazu gehören. Ob in der Bahn, im Restaurant oder im Urlaub. Keine Separation und mehr Toleranz für die Bedürfnisse kleiner Menschen.
  • Eine Lokalpolitik, die die Bedeutung der Familien für das gesellschaftliche Leben nicht ignoriert

Ich freue mich total, wenn ihr in den Kommentaren beschreibt, was für euch Familie bedeutet und was sich in unserer Gesellschaft ändern muss!

Bleibt fröhlich und unperfekt,

eure Laura

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Das Vereinbarkeits-Problem

Neulich beim Besuch bei meiner Freundin Rike: Die Kinder spielten im Garten, wir genossen unseren Cappuccino und zehn Minuten Ruhe. Endlich hatten wir Zeit für ein Gespräch unter Frauen – unbezahlbar und äußerst selten. Rike erzählte, wie chaotisch der letzte Sonntag ablief, als der Familienvater mit der Bande allein zuhause war. „Als ich wiederkam, sah es schrecklich aus. Der Boden war mit Spielzeug übersät, die Wäschekörbe standen gefüllt im Flur. Mittags hatte Thorsten nur Pommes gemacht und kein Stück Gemüse. Und der Große hatte seine Hausaufgaben nicht erledigt“, erzählte sie. „Kenn ich“, habe ich geantwortet. „Wenn Anton mit den Kindern spielt, entstehen die tollsten Lego-Bauten. Aber die Wäsche bleibt liegen.“ So beklagten wir uns und erfreuten uns weiterhin an der Schilderung, wie gut organisiert und aufgeräumt alles ist, wenn WIR das Zepter in der Hand haben. Kurz bevor sich die Jungs in die Haare kriegten und wir unser Gespräch unterbrechen mussten, rief ich noch laut: „Wenn die Männer für den Urlaub packen müssten, würde die Hälfte fehlen“ und wir lachten ganz, ganz laut.

Lasst die Männer machen

Habt ihr was gemerkt? Und kennt ihr Gespräche wie diese? Ein bisschen verraten sie etwas über uns Frauen. Und sie verraten auch ein bisschen über das Grundproblem, das wir haben. Nein, das sind nicht unorganisierte Männer oder unvollständig gepackte Koffer. Es ist der hohe Anspruch an den perfekten Haushalt, den viele von uns haben, und mit dem wir uns das Leben im Grunde genommen viel zu schwer machen. Denn ganz ehrlich, viele Männer und Familienväter sind äußerst bemüht um ihre Kinder und um das, was der Volksmund unter „dem bisschen Haushalt“ versteht. Es gibt viele Papas, die mit Sohn und Tochter spielen, sich an den Herd stellen, den Einkauf übernehmen und den Staubsauger schwingen. Oft haben diese tollen Typen eine äußerst anspruchsvolle Frau, die in allen Bereichen glänzen möchte, weil sie denkt, dass sie es muss. Und sie hat ihr Revier, dass sie eigentlich nicht abgeben möchte: die Familien-Organisation. Die hat sie im Griff. Und möchte der Mann unterstützend helfen und schickt sie gar zum Ausspannen aus dem Haus, hat sie bei ihrer Rückkehr einiges zu beanstanden. Sie meckert dann, dass die Legoburg zwar gigantisch und die Kuschelhöhle traumhaft ist, aber der liebe Mann doch in der Zeit wenigstens mal die nasse Wäsche hätte verarbeiten können. Sie sieht lieber richtig viel Gemüse auf dem Teller, und nicht die eben in den Ofen geschobenen Fischstäbchen aus der Gefriertruhe. Sie beschwert sich, dass Milch und Joghurt aus dem Supermarkt nicht bio oder demeter sind und kritisiert den Zustand des Flurbodens, den der Liebste beim Saugen vergessen hat.

Viel zu hohe Ansprüche

In der Zeitung von dieser Woche las ich über besagtes Problem, auch „gatekeeping“ genannt. Die Soziologin Karin Jurczyk erklärte im Wirtschaftsteil, warum Eltern so erschöpft sind und wie sie Job und Familienarbeit besser organisieren könnten. Ich verschlinge alle Artikel zu diesem Thema und habe auch schon oft darüber geschrieben. Ich finde viele Schuldige, die es uns Familien schwer machen, ein entspannteres Leben zu führen. Aber bisher habe ich noch nie darüber geschrieben, dass es manchmal auch an uns Müttern selbst liegt. Viele von uns, das höre ich in Gesprächen mit Freundinnen, haben einen sehr hohen Anspruch an Organisation und Haushalt. Leider ist es nun mal aber so, dass wir auch nur 24 Stunden pro Tag zur Verfügung haben. Wir erziehen unsere Kinder, kümmern uns um den Haushalt, kaufen ein, haben einen Halb- oder Ganztagsjob und organisieren Urlaube, Familienfeiern und Geburtstagsgeschenke. Nebenbei müssen wir auch die ein oder andere Stunde in der Nacht schlafen. Daneben sind wir um unser Äußeres bemüht, gehen zum Sport und ernähren die Familie gesund, bio und nachhaltig. Am Ende des Tages sind wir platt wie eine Flunder, mies gelaunt und hundemüde. Die Männer, die uns raten, doch mal fünfe gerade sein zu lassen und sich zu ihnen aufs Sofa zu fläzen, ernten ein bissiges „und wer macht dann die Wäsche?“.

Jurczyk schreibt im Artikel, dass Frauen zwar von ihrem Partner Unterstützung in der Hausarbeit erwarten, aber die Hoheit über Küche und Co nur ungern aus der Hand geben. Wenn sie das dann überhaupt mal tun, sind sie verärgert, dass ihr hoher Standard nicht eingehalten wird. Ich kenne das aus eigener Erfahrung: Da sind die Kinder falsch angezogen und die Küchenplatte nicht sauber genug geschrubbt. Aber ist das eigentlich so schlimm? Und ist die hohe Legoburg nicht eigentlich viel, viel wichtiger als ein Kind mit fleckenloser Kleidung?

In Gelassenheit üben – so gehts:

Eines sollten wir Frauen mit hohen Ansprüchen tun: lockerer werden. Das geht nicht von heute auf morgen, aber wir können in kleinen Schritten anfangen. Ich schlage folgende Übung für besonders schwierige Fälle wie mich vor:

Schritt 1: Setzt euch mit einem Buch auf die Terrasse, OBWOHL der Abwasch wartet.

Schritt 2: Lasst jeden Tag einen Korb Schmutzwäsche in der Wohnung stehen.

Schritt 3: Lasst den Staubsauger drei Tage am Stück in der Ecke und ignoriert den krümeligen Boden.

Schritt 4: Geht spontan mit den Kindern raus und lasst das gesamte Equipment an Wechselklamotten, Apfelschnitzen und Klopapier zuhause.

Klar, manchmal geht dann was schief, aber Improvisation ist alles, das können wir von den Männern lernen. Wir lernen außerdem, Schmutz auch mal zu übersehen, und trotzdem GLÜCKLICH und ENTSPANNT zu sein. Wir leihen uns im Notfall Kleidung von einer anderen Mutter, kaufen Sprudel für 3 Euro beim Bäcker oder nehmen ein altes Tempo, wenn das Kind mal muss.

Ganz mutige Frauen gehen über zu Schritt 5: Sie lassen vor dem Urlaub die Männer packen. Sonnencreme, drei Kinderunterhosen und einen Schirm gibt es auch im Urlaubsort zu kaufen, das ist kein Beinbruch.

Dieser Appell geht auch an mich selbst: Lasst uns die Hoheit über den Haushalt abnehmen, hören wir auf, die Väter für ihren eigenen, lässigen Weg zu kritisieren und legen wir endlich mal die Beine hoch! Rike und ich jedenfalls haben es uns fest vorgenommen. Wir kämpfen weiter für Vereinbarkeit und akzeptieren, dass der Tag nur 24 Stunden hat. Was sind schon Wäscheberge und blanke Arbeitsplatten gegen einen tollen Mann, der mit den Kindern riesige Burgen baut? Genau, Nebensache! Und wir spielen nicht länger Wachhund, der in der Küche das Revier verteidigt. Gatekeeping ist out, wenn wir Frauen wirklich an Gleichberechtigung und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie glauben.

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