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Mütter in der Zerreißprobe, zweiter Teil

Mütter in der Zerreißprobe, so hieß mein Text, den ich im Dezember letzten Jahres veröffentlicht habe. Darin ging es um die Zerrissenheit, die viele von uns schlaucht. Grund für meine Gedanken waren viele Freundinnen, die bei mir am Tisch saßen. Beim Kaffee trinken erzählten sie von zuhause und berichteten alles das gleiche: Die viele Arbeit im Haushalt und mit den noch kleinen Kindern, die Doppelbelastung mit dem Job und die Abwesenheit der Männer quälte sie.

Die Generationen vor uns

Ich recherchierte und stieß auf eine WDR-Reportage, die diese Zerrissenheit beschrieb und ein paar Erklärungen lieferte. Wir Frauen waren ein bis zwei Generationen früher in einer anderen Situation. Es war normal zu heiraten, Kinder zu bekommen und den Haushalt zu führen. Es war kein entspannteres Leben, denn Haushalt und Kids waren und sind ein Fulltime-Job. Aber Frauen haben von ihren Müttern gelernt, das als gegeben hinzunehmen. Noch meine eigene Oma hätte niemals meinen Opa dazu aufgefordert, ihr bei der Wäsche zu helfen. Ohne zu murren hat sie geschuftet, meinen Opa mittags und abends bekocht und dafür gesorgt, dass er nach der Arbeit seine Ruhe hatte. Sie hat ihr Leben nie in Frage gestellt und wusste auch, dass ihr Mann sich niemals trennen würde. Ob das jetzt rosige Aussichten sind, ist Ansichtssache. Aber ein wenig Sicherheit hat sie immerhin genossen.

Die Mütter-Generation danach war schon ein wenig selbstbestimmter, dennoch haben in Westdeutschland der Großteil der Frauen nach der Geburt der Kinder nicht gearbeitet. Sie waren zuhause, haben sich um Haushalt und Nachwuchs gekümmert und hatten vor allem dann Glück, wenn die Ehe hielt und sie von der Rente ihres Mannes leben konnten. Scheidungen gab es zwar nun öfter, aber immerhin konnten die Frauen vom Unterhaltsgesetz profitieren, ein Tropfen auf den heißen Stein.

Heute ist alles besser? Pustekuchen!

Wir Frauen heute leben anders. Einerseits geht es uns besser, denn wir haben viel mehr Freiheiten. Wir können Kinder bekommen und dann wieder halbtags arbeiten, wir können zuhause bleiben oder wir können ganztags arbeiten, theoretisch. Andererseits sieht alles ganz anders aus. Denn wenn wir Kinder bekommen und halbtags arbeiten, haben wir den Job unserer Mütter und Großmütter an der Backe UND noch einen Arbeitgeber, der Anwesenheit und Leistung fordert. Kein Wunder, dass wir ausgebrannt sind. Denn wer sich dieses Modell schön redet sagt, dass wir beides haben, Beruf und Kinder. In Wahrheit strampeln wir uns ab, zerreissen uns zwischen Kindererziehung und Karriere. Verdienen immer noch zu wenig und haben mit dem Halbtagsjob kaum Aufstiegsmöglichkeiten, weil in Deutschland gilt: Karriere macht nur, wer ganztags arbeitet und alles gibt, inklusive Überstunden. Also macht das wenn überhaupt der Vater, und das oft auf Kosten der Mutter. Sie darf sich zuhause und im Büro abrackern, kann alles immer nur „halbfertig“ machen und muss hinnehmen, dass der Mann spät nach Hause kommt oder im Ausland verweilt. Sie lebt das Leben unserer Großmütter, hat aber oben drauf noch die Pflicht, zum Einkommen dazu zu verdienen. Außerdem darf sie sich berechtige Sorgen darum machen was passiert, wenn die Beziehung nicht halten sollte. Ein Unterhaltsgesetz gibt es längst nicht mehr.

Wenn wir ganz zuhause bei den Kindern bleiben, haben wir diese Doppelbelastung nicht. Aber es ist ein großes finanzielles Risiko, wenn wir uns nicht absichern. Unsere Rente wird ein Lacher sein, wenn der Partner sich trennt oder ihm etwas passiert, denn dann stehen die Frauen schlecht da. Wenn eine Scheidung droht, gibt es keinen Unterhalt mehr, der unseren Müttern im Fall der Fälle noch ein wenig Geld in die Kasse spülte. Wer von den Frauen sichert sich für diesen Fall ordentlich ab? Ich vermute, es ist nur ein kleiner Teil, denn wir vertrauen ja gerne darauf, dass die Liebe hält. Eheverträge und Lebensversicherungen sind uns einfach zu unromantisch.

Wenn wir ganztags arbeiten und Kinder haben, haben wir auch Probleme an der Backe. Denn irgendwer muss sich ja um Kinder und Haushalt kümmern. Immer noch machen viel zu wenig Väter diesen Job, der nicht bezahlt und in der Gesellschaft schlecht anerkannt wird. Auch Vätern sitzt das Erbe im Nacken, das besagt, dass der Mann für das Geld zu sorgen hat. Schwingt er den Putzlappen, ist er ein Lappen, so lautet die befürchtete Resonanz von Freunden und Familie. Denn Vorbilder gibt es einfach (noch) nicht.

Schlechte Aussichten

Irgendwie sind all diese Möglichkeiten nicht so doll, oder? Und ich habe den Eindruck, dass Mütter oft die Leidtragendsten sind. Das spürte ich damals auch bei den Gesprächen mit meinen Freundinnen. Ich spürte auch, dass Frauen schnell unter Druck geraten. Es ist heute dank Sportkursen und Ernährungsratgebern möglich, nach einer Geburt schnell wieder schlank zu sein. Es ist auch möglich, mit Hilfe von Youtube-Videos Motivtorten zu backen und Stoffwindeln selbst zu nähen. Mütter können Sport treiben, sich bilden, kreativ  und nebenbei eine tolle Partnerin sein. Männer freuen sich, dass sie so eine vielseitige Frau haben, die nicht wie ihre Großmütter einzig und allein grübelte, wie sie den Fleck aus dem Hemd bekommen sollte. Nein, die Frau von heute macht den Haushalt UND bildet sich weiter, sie macht die Wäsche UND einen interessanten Job, sie ist eine liebevolle Mutter UND eine attraktive Partnerin.

Kein Wunder, dass so manche Frau nicht mehr kann. Denn leider gibt es da noch ein Problem, an dem wir Frauen nicht ganz schuldlos sind. Denk noch einmal an unsere Großmütter. Die waren ausschließlich zuständig für Haushalt und Co. Die haben sich nicht beschwert, sich ihrem Schicksal gefügt und haben das ja so von ihrer Mutter gelernt. Diese Einstellung haben sie natürlich an ihre Töchter weitergegeben, weil das nicht ausbleibt. Unsere Mütter waren emanzipierter, aber die Verpflichtung, immer für die Familie da zu sein, lässt sich nicht so eben abschütteln. Haushalt ist Frauensache, Kinder erziehen auch. Wusstest du, dass diese Auffassung nur in Deutschland so verbreitet ist? Aber in uns steckt sie auch immer noch fest. Hast du schonmal beim Einkauf mit Unbehagen daran gedacht, wie dein Partnern das mit den Kids und der nassen Wäsche wohl hinkriegen wird, obwohl er es am Ende ohne Probleme gewuppt hat? Siehst du!

Meine Mädels schon wieder

Meine Freundin Miri, die drei Tage die Woche ganztags arbeitet, erzählt, dass sie gegenüber ihren zwei kleinen Jungs ein schlechtes Gewissen hat. „Wieso?“, frage ich, „ihr Papa passt doch nachmittags auf sie auf!“ Meine Freundin kann schlecht loslassen, auch weil einer der Jungs so sehr an ihr hängt. Dabei ist der Papa da, macht seine Sache primosa und das Weinen nach Mama hört auch immer auf, sobald sie aus dem Haus ist.

Meine Freundin Barbara ist froh, einen modernen Mann zu haben. Für ihn ist selbstverständlich, dass er auch nach dem Büro anpackt, denn Wäsche und Klo putzen ist auch seine Sache. Und am Freitagnachmittag macht er den Hausputz, während sie länger im Büro bleibt. „Irgendwie saugt er nicht richtig!“ sagt Barbara, und sie findet, dass das Klo nicht blinkt, wenn er die Bürste schwingt. Max meint es gut, aber er ist nicht gründlich genug, lautet ihr Fazit. Und dann, Barbara, sei mir nicht böse, aber dann könnte ich manchmal meinen Kopf in den Sand stecken.

Frauen, packt das Problem bei den Hörnern

Wir Frauen haben es heute schwer, das finde ich wirklich. Aber wir Frauen müssen auch mithelfen, dass sich daran etwas ändert. Das beudetet auch, dass wir an uns arbeiten müssen. In uns steckt noch das Erbe unserer Großmütter, dafür können wir nichts. Aber indem wir uns das bewusst machen, können wir gemeinsam daran arbeiten, dieses Erbe abzuschütteln.

Wir können als Frauen zuhause bei den Kindern bleiben, wenn das unsere freie Entscheidung ist und nicht darauf basiert, dass wir uns dazu verpflichtet fühlen. Wir können uns finanziell absichern und Vorkehrungen treffen, um im Not- oder Scheidungsfall nicht verarmen zu müssen. Sophie und ich starten dazu gerade das Projekt „Mamas und Moneten“, um dir dabei behilflich zu sein. Wir können aber auch Vollzeit zurückkehren in den Job und dem Partner zuhause das Steuer übergeben. Alles, was wir dafür brauchen ist Vertrauen in die Männer und die Einsicht, dass ein krümeliger Küchenboden und ein schlafendes Baby in Papas Armen eine ganz wunderbare und attraktive Alternative sein kann.

Wir können uns Job und Haushalt, Kinder und Küche mit unserem Partner teilen, um uns zu entlasten und Männern endlich mehr Zeit mit ihren Kindern zu schenken. Wir können es von unseren Männern stärker einfordern und miteinander einen Plan aushecken, wie das gehen könnte. Wir dürfen nur nicht untätig sein und uns nur in unserem Elend suhlen, denn so schaffen wir es niemals raus aus der Ungleichberechtigung.

Was möchte ich dir hier mit diesem Text nun sagen? Ich möchte dir vor allem sagen, dass es unmöglich ist, alles zu schaffen. Wir machen uns fertig, wenn wir Kinder liebevoll erziehen, einen Job erfolgreich und den Haushalt ordentlich machen wollen. Nebenbei gut aussehen, die Torten fürs Kindergartenbuffet selber backen und für Familie und Freunde immer ein offenes Ohr haben. Also müssen wir Frauen in uns hinein hören und erkennen, was uns wichtig ist, dann die Prioritäten setzen und gemeinsam mit der Familie Kompromisse schließen.

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Auf Instagram diskutieren wir morgens in der Müttersprechstunde über verschiedene spannende Themen, auch über das Thema finanzielle Vorsorge. Es geht aber auch um Erziehung und Co, Pausen im Mama-Alltag und viele andere spannende Dinge. Bist du dabei? Ich freu mich auf dich!

Was es heißt, ein toller Vater zu sein

Jede Frau hat so ihr Bild von einem tollen Mann im Kopf. Einer, der einen ebenso tollen Vater abgeben wird. Aber was macht eigentlich einen tollen Vater aus?

Das kann natürlich keinesfalls pauschal beantwortet werden, aber beim Lesen des Buches „Alles, was mein kleiner Sohn über die Welt wissen muss“ von Fredrik Backman, das mir der Verlag als Rezensionsexemplar überlassen hat, fand ich den Autor in seiner Rolle als Papa ganz schön vorbildlich. Er ist humorvoll, widmet sich hingebungsvoll seinem Sohn, hat Respekt vor Frauen, ist weltoffen und sozial – und kann gut schreiben.

Das Taschenbüchlein liest sich so geschwind einmal durch, denn es besteht aus lauter kleinen Geschichten. Fredrik Backman, der mit Frau und mittlerweile zwei Kindern in Stockholm, Schweden lebt, ist vielen sicher bekannt: Er hat den Bestseller „Ein Mann namens Ove“ geschrieben, der mittlerweile auch verfilmt wurde. In diesem Buch wendet er sich an seinen noch kleinen Erstgeborenen und erklärt ihm auf sehr witzige Weise die Welt. Dabei wird klar, dass es sich bei diesem Papa, der groß und schwer wie ein Bär ist, um einen äußerst humorvollen, selbstironischen und liebenden Elternteil handelt.

Worüber schreibt der tolle Papa?

Fredrik Backman rechtfertigt sich, dass Eltern heutzutage alles richtig machen müssen. Die Generationen vor uns hatten noch die Pauschal-Ausrede zur Verfügung: Wir haben es nicht besser gewusst! Wir dagegen wissen dank Google und Co alles und stehen unter Druck, denn wenn was schief geht, sind wir Schuld! (S. 13). Recht hat er, der Mann. Wir wissen viel zu viel und pinkeln uns beinahe vor Angst in die Hosen, weil die Kinder heute Nachmittag schon wieder Mohnschnecken gegessen haben, und dabei WEISS DOCH JEDER, dass Weißmehl und Zucker GIFT sind, pures GIFT.

Kinder zu bekommen ist in vielerlei Hinsicht, als würde man versuchen, in einem Porzellangeschäft Bagger zu fahren. Mit Gipsbein. Und Tarnmaske. Sternhagelvoll. (S. 15)

Jede Mutter, die sich schon einmal mit dem richtigen Zeitpunkt der Beikosteinführung beschäftigt hat, weiß, dass wir beim Kindergroßziehen in mancherlei Hinsicht nur scheitern können. Ich liebe Menschen, die sich über überambitionierte Eltern lustig machen, wenn sie selber dazu gehören. Sich selbst nicht zu ernst nehmen, das ist ein guter Hinweis auf einen tollen Papa.

Über Ikea

Papas, die lustig sind, sind überhaupt ziemlich gut. Und Papas, die witzige Texte über Ikea schreiben, sind außerordentlich gut. Das tut Fredrik Backman und gibt seinem Sohn am Ende dieser kleinen Geschichte über einen Ausflug ins Möbelgeschäft diese weisen Worte mit auf den Weg:

Also spiel. Lerne. Werde groß. Renn deiner Leidenschaft hinterher. Finde jemanden, den du lieben kannst. Gib dein Bestes. Sei nett, wenn es geht, hart, wenn es sein muss. Halte an deinen Freunden fest. Lauf nicht entgegen der Pfeilrichtung. Dann wirst du alles gut hinkriegen. (S 32)

Er ist Schwede und muss es wissen.

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Über Männlichkeit

Gänzlich überzeugt hat mich das Kapitel „Was du über Männlichkeit wissen musst“. Das beinhaltet eine so sympathische, sensible und kluge Ansicht über das Bild von einem Mann, und wenn meine Söhne mal in diese Richtung denken, dann habe ich alles richtig gemacht.

Überhaupt geht Fredrik Backman mit Frauen im Allgemeinen und seiner im Besonderen sehr respekt- und liebevoll um. Über sie sagt er: „Denn wenn man mit ihr zusammen ist, ist jeden Tag Sonntagmorgen.“ (S.111)  Ist das nicht eine wundervolle Liebeserklärung?

Über Philosophie

Mein zweites Lieblingskapitel ist „Was du über Gott und Flughäfen wissen musst.“ Fredrik Backman schreibt nicht nur über Playstation spielen, Bier trinken und andere Männerdinge, sondern ist durchaus auch Philosoph und beantwortet hier in leicht verständlicher Weise, für mich absolut nachvollziehbar und noch dazu kindgerecht die Theodizee-Frage.

Der schönste Satz von allen aber ist folgender, und wir sollten ihn alle miteinander unseren Kindern mitgeben:

Du sollst immer wissen, dass du alles werden kannst, was du willst. Aber das ist nicht annähernd so wichtig, wie dass du weißt, dass du immer der sein darfst, der du bist. (S. 81)

Wer also ein Büchlein darüber lesen will, wie es ist Kinder zu haben. Welche Werte wir ihnen mitgeben sollten. Wie lustig es sein kann und wie schwierig. Wie wir ihnen vorleben können, ein guter Mensch zu sein, der liebt, lacht und leuchtet, der lese Fredrik Backmans Büchlein „Alles, was mein kleiner Sohn über die Welt wissen muss.“ Es eignet sich übrigens auch ganz wunderbar als Geschenk für werdende und bereits seiende tolle Väter.

Gewinnspiel

Ich verlose mein Rezensions-Exemplar an euch und so könnt ihr am Gewinnspiel teilnehmen:

​1. Schreibt einen Kommentar unter den Beitrag und verratet mir, für welchen tollen Vater ihr das Buch gerne gewinnen möchtet.

2. Wenn ihr den Beitrag auf Facebook teilt ODER unsere Facebook-Seite liked, zählt eure Teilnahme doppelt. Das ist aber kein Muss, um das Buch zu gewinnen.

Ich benachrichtige euch per Mail oder Facebook, wenn ihr gewonnen habt. Bitte hinterlasst aus diesem Grund bei eurem Kommentar eine gültige Emailadresse. Das Los entscheidet über den Gewinner / die Gewinnerin. Das Gewinnspiel läuft bis zum 10. Mai 2017 um 23:59 Uhr. Teilnahmeberechtigt sind alle Personen ab 18 Jahren aus Deutschland. Eine Barauszahlung des Gewinnwerts ist nicht möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Fredrik Backman: Alles, was mein kleiner Sohn über die Welt wissen muss, Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 2017, 190 Seiten, 9,99 Euro.

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Eine Clownsgeschichte

Es war einmal eine Familie. Die Familie hatte vier Mitglieder: Den dummen Julius, die dumme Juliana, den Julo und die Jula. Sie wohnten gemeinsam in einem großen, gemütlichen Bauwagen. Außerdem waren da noch der Hund Poppel, die Katze Samira und ein Papagei, der Lora hieß. Der Bauwagen war nagelneu, gehörte zu einem großen Zirkus und stand zwischen dem Elefantenhaus und dem Tigerkäfig.

Jeden Tag trat Papa Julius im Zirkus auf. Er war ausgebildeter Clown, hatte lange studiert und am Ende sogar noch eine Promotion drauf gesetzt. Deshalb war er auch so gut, dachte er. Und tatsächlich erhielt er jeden Tag viel Applaus von seinem Publikum. Seine Show war äußerst beeindruckend: er machte Saltos, lief auf den Händen, ritt auf einem Elefanten und blies auf seiner Mundharmonika. Manchmal fing er Streit an mit dem Zirkusdirektor oder stellte dem Eisverkäufer ein Bein. Dann stolperte er selbst und fiel auf die Nase. Die Zuschauer klatschten und lachten und riefen: was für ein einmalig toller Doktor Julius, ein Bild von einem Mann, den muss man einfach gesehen haben. Wenn Julius dann müde, aber glücklich über all den Beifall nach Hause kam, legte er sich auf das Sofa, nahm sein Smartphone aus der Clownshose, las Nachrichten und schaute sich neue Clownsschuhe im Online-Versandhaus an.

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Aber was tat die dumme Juliana in der Zwischenzeit? Sie machte Julo und Jula das Frühstück, brachte sie in den Kindergarten, kümmerte sich um den Haushalt, backte Kuchen für die Weihnachtsfeier, kaufte Klopapier, verteilte kiloweise frische Wäsche in die Kleiderschränke und verdiente in ihren kurzen Pausen, die sie manchmal hatte, mit selbst genähten Kindersachen ein paar Taler für das Haushaltsgeld dazu. Außerdem musste sie für die ganze Juliusfamilie kochen, und zwar nachhaltig und vegetarisch, denn darauf legte Clown Julius viel wert. Sie spülte abends die Teller, machte noch sauber und brachte die Kinder ins Bett, weil Julius von seiner Clownsshow einfach zu müde war.

Wenn sie selbst endlich im Bett lag, hörte sie vom Zirkuszelt die Leute lachen. Dann träumte sie ein wenig von einer eigenen Karriere als Clown. Schließlich hatte auch sie eine staatlich anerkannte Ausbildung absolviert, und war immer gerne aufgetreten. Aber seit die Kinder da waren und ihr einfach keine Zeit mehr blieb, um sich eine sensationelle Show auszudenken, war Julius viel erfolgreicher. Und wer erfolgreicher ist, bringt mehr Taler nach Hause. Und wer mehr Taler nach Hause bringt, der geht arbeiten. Schließlich muss der schöne, neue Bauwagen abbezahlt werden, das war der dummen Juliana natürlich klar.

Aber als sie eines Tages mit ihrem Mann darüber sprach, da hat er gelacht. „Nee, nee, nee, ich habe neun Jahre Clownsein studiert, heiße mit vollem Namen Doktor Clown Julius, bringe jeden Monat siebenhundert Taler nach Hause und werde wohl im nächsten Jahr zum Chef-Clown aufsteigen. Kümmer du dich mal lieber um die Kinder. Du bist die Frau, du gehörst in die Küche, du besuchst die Elternabende im Kindergarten, du musst packen, wenn der Zirkus umzieht, und du musst dich um die Geschenke für die Clownsfamilie kümmern. Da bleibt keine Zeit, um eine so sensationelle Clowns-Show auszudenken, wie ich sie jeden Abend abziehe.“

Und es wäre alles beim Alten geblieben, wenn nicht der dumme Julius eines Tages schreckliche Knieprobleme bekommen hätte. An einem Montag im November war es so schlimm, dass er nicht auftreten konnte, und zum Orthopäden um die Ecke humpelte. Das Wartezimmer war so voll, dass er vier Stunden sitzen musste, bis er dran kam.

In der Zwischenzeit fing im Zirkus die Vorstellung an, und der Direktor klopfte aufgeregt an Julianas Bauwagen, die gerade damit beschäftigt war, die Adventskalender der Kinder zu füllen. „So geht es aber nicht“, schimpfte er. „Was sagen wir bloß den Leuten, wenn Doktor Julius nicht auf der Stelle in der Manege auftaucht? Schließlich haben sie viel Geld bezahlt, um ihn zu sehen!“ Die dumme Juliana hat sich die Vorwürfe des Direktors angehört und dann gesagt: „Kein Problem, ich weiß eine Lösung!“ Sie hat sich in null komma nix ihre Clowns-Klamotten angezogen, ist rüber zum Zirkus gerannt und hat inmitten der Manege durchs Mikrofon gebrüllt: „Verehrtes Publikum, der dumme Julius hat Knieschmerzen. Deshalb sehen Sie heute die einmalig dumme Juliana mit ihrer sensationellen Show“

Und dann zeigte sie alles, was sie konnte: sie schlug sieben Saltos hintereinander, sie ritt auf einem weißen Löwen, spielte ein Brahms-Stück auf der Violine, geriet mit dem Zirkusdirektor in einen Streit, fiel über ihre Clownsschuhe und landete auf der Nase. Die Leute waren außer sich und klatschten im Stehen, vier Minuten lang. Der dumme Julius war inzwischen von seinem Arztbesuch heimgekehrt, stand hinter dem Vorhang und traute seinen Augen nicht. „Bravo“, rief er, „du bist ja großartig, geliebte Juliana!“

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An diesem Abend, Ende November, saßen der dumme Julius und die dumme Juliana noch lange vor ihrem wunderschönen Bauwagen. „Weißt du was, Juliana, ich habe mir etwas überlegt. Ab heute teilen wir uns die Aufgaben gerecht auf. Du bist ein ebenso wunderbarer Clown wie ich. Und auch wenn ich ein paar Taler mehr verdiene  – darauf kommt es im Leben eigentlich gar nicht an. Wichtig ist, dass du glücklich bist. Denn nur wenn du glücklich bist, sind es die Kinder und ich auch. Deshalb werde ich den Direktor um eine 50 %-Stelle bitten, und du kannst dich bei ihm als Clown bewerben. Ich unterstütze dich im Haushalt und mit den Kindern. Zwar wäre ich wirklich gerne Clowns-Chef geworden, aber wenn du dafür so viel zurückstecken musst, verzichte ich lieber. Schließlich wollten wir beide Kinder haben. Und unseren wunderschönen Bauwagen zahlen wir irgendwann schon ab, denn gemeinsam schaffen wir alles.“ Nach dieser bewegenden Rede gab Juliana ihrem Mann einen dicken Kuss.

Diesen Text schrieb ich frei nach Otfried Preußlers „Die dumme Augustine“. Das zauberhafte Bilderbuch gehört in das Buchregal aller Kinder, ob männlich oder weiblich, damit unsere Söhne und Töchter später einmal gleichberechtigt leben können. Ich widme die Geschichte meinen lieben Clowns-Freundinnen und Clowns-Mitmüttern, die sich tagtäglich abrackern und die wertvollste und schlecht bezahlteste Arbeit leisten, die es gibt: sich um andere Menschen zu kümmern. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um minderjährige Blutsverwandte.

Außerdem schrieb ich diesen Text für Clown Anton, der das alles schon lange kapiert hat, sowie für alle anderen Clowns, die ihre Frauen nach Leibeskräften unterstützen.

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Das Thema Gleichberechtigung ist besonders unter Eltern in: welche Mutter gibt schon gerne zu, sie sei abhängig von ihrem Partner und welcher Papa sagt ohne Skrupel, dass er zuhause keinen Finger rührt? Frage ich in meinem Bekanntenkreis herum, pflichten mir die meisten Paare mit Kindern bei, dass sie sich die Hausarbeit teilen. Viele der Mütter arbeiten, so wie ich auch. Und da kann und darf schließlich nicht alles an uns Frauen hängen bleiben.
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Dennoch traue ich dem Gender-Frieden nicht ganz über den Weg. In meinem Kopf schleicht sich immer mal wieder die Idee ein, dass vieles an mir hängen bleibt. Das Gefühl ruft in meinem Innnersten zuerst ganz leise, um dann immer lauter zu brüllen und sich anschließend in Form eines lauten Vortrags, der mit Schimpfwörtern gespickt ist, zu entladen. Die Adressaten hören erst gebannt zu, neigen dann schuldbewusst die Köpfe (oder sehe ich da etwa Jemanden die Augen verdrehen?) und bekunden dann ihr Verständnis und baldige Besserung des Zustands. Spätestens an dieser Stelle verdrehe dann ich die Augen und bereite mich auf den nächsten Vortrag in etwa acht Wochen vor. Selbes Thema, selbe Adressaten, selbe Schimpftirade.

DIE LISTE

Auf dem Blog von Patricia Cammarata habe ich heute über ein ähnliches Thema gelesen. Sie sammelt eine Menge Fragen zur Hausarbeit und empfiehlt auszuwerten, ob nicht doch eine Person innerhalb der Familie den Löwenanteil trägt. Nun möchte ich gleich eine vorsichtige Prognose abgeben: in den meisten Haushalten erledigen die Frauen diesen Löwenanteil. Zu Patricias Punkten habe ich noch ein paar hinzugefügt. Testet doch mal selber, wer ist zuständig?

 

  • Klo putzen
  • Fenster putzen
  • Wäsche waschen
  • Wäsche aufhängen
  • Wäsche falten
  • Wäsche in den Schrank räumen
  • Bügeln
  • Am Wochenende mit den Kindern aufstehen
  • Betten beziehen
  • Einkausliste erstellen
  • Menüplanung
  • Blumen gießen
  • Kaputte Kleidung reparieren
  • Müll runterbringen
  • Mülltüten in die Eimer spannen
  • Saugen
  • Staub wischen
  • Boden wischen
  • Schränke auswischen
  • Sich um Geburtstagsgeschenke und Mitbringsel kümmern
  • An Geburtstage der Verwandten denken
  • Darauf achten, dass Kinderschuhe passen
  • Neue Schuhe kaufen
  • Großeinkauf erledigen
  • Frisches Obst, Gemüse und Brot besorgen
  • Windeln kaufen
  • Zum Elternabend gehen
  • Kinderkleidung sortieren
  • Kinder-Fingernägel schneiden
  • An U-Untersuchungen beim Kinderarzt denken
  • Kinderarztbesuche machen
  • Fahrrad reparieren
  • Sich um die Wechselwäsche im Kindergarten kümmern
  • Kinderzimmer entrümpeln
  • Ofen und Grill sauber machen
  • Kinderbrote schmieren
  • Spülmaschine ausräumen / einräumen
  • Behörengänge erledigen
  • Kochen / Backen
  • Tischdecken
  • Tisch abräumen
  • Schuhe putzen
  • Kindergeburtstage organiesieren
  • Briefmarken kaufen
  • Bücher zur Bücherei bringen
  • Drogerieartil nachkaufen
  • Adventskalender füllen
  • kranke Kinder hüten
  • Steuererklärung machen
  • Autoreifen wechseln
  • ….

Und, ist euch schon schwindelig? Dann lege ich euch ans Herz, diese Liste tatsächlich zu überprüfen und auszufüllen. Werden die einzelnen Aufgaben immer von derselben Person gemacht? Macht einer von euch immerzu den Löwenanteil? Muss einer immer wieder aufgefordert werden, dies oder jenes zu tun?

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Meine These zur Gleichberechtigung

Ich wage jetzt mal eine verwegene These: 70 % der Aufgaben werden ausschließlich von den Müttern erledigt. Und warum? Weil die nämlich mehr Zeit zuhause verbringen, weil sie gar nicht oder in Teilzeit arbeiten. Und warum ist das so? Weil sie oft weniger verdienen als die Männer und aus diesem Grund erst gar nicht diskutiert wird, wer die Hausarbeit übernimmt.

Das Gemeine daran: im Büro ein Projekt wuppen, ein super Chef für seine Angestellten sein, einen ordentlichen Batzen Kohle nach Hause bringen und eine Beförderung kassieren ist ne Leistung, die entsprechend anerkannt und für die gelobt wird. Mensch, was für ein Kerl! Der versorgt eine ganze Familie, bezahlt die Rechnungen, spart nebenbei für die Zukunft an und steigt stetig die Karriere-Leiter hoch.

Aber wie sieht es damit aus, dass die Kinder immer passende, saubere und warme Klamotten haben, die Spülmaschine immer aufgeräumt und der Kühlschrank voll von gesundem und frischem Essen ist? Dass die Geburtstagssause für das Söhnchen ein Renner war und der Impfausweis der Tochter immer auf dem neuesten Stand ist? Dass Windeln, Briefmarken, Klopapier und Seife aufgefüllt und Staubmäuse aus den Ecken gesagt werden?

Den ganzen Tag Listen abzuarbeiten, die obig genannte Punkte enthält, ist zwar auch ein Projekt, wird aber nicht als solches gesehen. Dafür gibt es keine Kohle, keine Beförderung und kein Schulterklopfen. Leider ist es aber ähnlich anstrengend und nicht selten braucht frau dafür ein digitales Projektmanagement-Tool, das an Umfang dem eines Unternehmensvorstandes nahe kommt.

Mütter haben doch die Wahl

Um dem ganzen noch einen Hut aufzusetzen, hat die moderne Mutter noch drei Wahlmöglichkeiten:

  1. sie bleibt zuhause, um das Pensum einschließlich der Kindererziehung und -betreuung einigermaßen erledigen zu können. Nachteil: ist raus aus dem Beruf und hat es schwer, später wieder einzusteigen. Ist finanziell von ihrem Partner abhängig und darf sich von anderen anhören, eine Glucke zu sein.
  2. sie arbeitet in Teilzeit, weil sie ja mittags die Kinder abholen muss und die erwähnte Haushalts-To do-Liste auf dem Küchentisch liegt. Nachteil: sie verdient damit relativ wenig Geld, hat aber einen Mörder-Stress und nie genug Zeit.
  3. sie arbeitet Vollzeit und bringt die Kinder in eine Ganztages-Kita. Nachteil: sie hat ein schlechtes Gewissen, da wenig Zeit für die Kinder bleibt. Sie ist zwar finanziell unabhängig, wird aber gerne von anderen Menschen auf diverse Studien hingewiesen, die bezeugen, dass fremdbetreute Kinder den ganzen Tag nur in der Ecke sitzen und weinen. Der Vater selbiger Kinder hingegen hat von Studien wie diesen natürlich noch nichts gehört.

Und zum Abschluss dieses Artikels möchte ich alle auffordern, meine Thesen zu widerlegen und dieses in den Kommentaren anzumerken. Vielleicht habe ich mich doch geirrt – es wäre zu schön.