Jimmy und der Computer – eine große Liebe

Jimmy ist jetzt sieben Jahre und interessiert sich neben Fußball, Sammelkarten und den Römern sehr für den Computer. Wir haben ein altes Notebook, mit dem er schon lange zu Gange ist. Auf dem hat er bereits vor ein paar Jahren Zahlen und Buchstaben getippt und Anton hat ihm ein kleines Programm geschrieben, mit dem er seine Tischkickerturniere abhalten und die Spielstände eingeben konnte. Dann durfte er mit Fotos und Bildern eine eigene Aufstellung der Nationalmannschaften machen und Anton hat ihm viele weitere kleine Tricks gezeigt. Nun ist es so, dass ich grundsätzlich der Meinung bin, dass kein Kind in dem Alter einen Computer braucht oder an den PC herangeführt werden muss. Aber seit Jimmy klein ist, faszinieren ihn diese Geräte sehr und er durfte deshalb gemeinsam mit uns den PC entdecken.

Internet hat er natürlich nie genutzt, aber mittlerweile weiß er, was das ist und dass er auf der Borussia Dortmund-Seite theoretisch stundenlang lesen und bei Youtube stundenlang Fußball-Videos schauen könnte. Das aber war der Moment, in dem ich mich näher mit dem Medien-Umgang meiner Kinder beschäftigt habe. Erst einmal habe ich das W-Lan am Notebook ausgestellt und angefangen, zu recherchieren. Was gibt es für Seiten, die Jimmy besuchen kann? Wie oft darf er das Internet nutzen? Welche Kindersicherungen gibt es? Davon möchte ich dir heute erzählen.

Medienkompetenz für unsere Kinder

In unserer Familie handhaben wir das mit den Geräten so: Jimmy darf mein Handy nehmen, um in der Bundesliga-App nach den aktuellen Ergebnissen zu schauen. Er darf auch in meinem Beisein an den Computer und ein bisschen recherchieren. Dafür habe ich ihm nun einen Ordner mit Kinderseiten gemacht. Auch auf die Borussia Dortmund-Seite darf er gucken. Apps zum Spielen haben wir kaum, aber Luise und Oskar gucken sich gerne Fotos an. Toll ist, dass man mit den modernen Smartphones in sekundenschnelle mit Musik hinterlegte Videos aus den letzten Fotos machen kann. Das lieben die Kinder sehr. Ab und an dürfen die Kinder auf dem Tablet ein paar Filmchen gucken. Eigentlich nur abends etwa eine halbe Stunde, wenn ich aber fix und alle bin, die Kids krank sind oder es den ganzen Tag regnet, bin ich da nicht so streng. Weil ich bei Youtube immer Bedenken habe, auf was die Kinder klicken, haben wir ein Abo bei einem Streaming-Dienst und dort suchen wir dann etwas raus. Oskar liebt Bobo Siebenschläfer, ich habe auch nichts gegen Conni oder Peppa Wutz. Schlimm finde ich My little Pony, aber da steht Luise drauf. Und Feuerwehrmann Sam ist nicht zum Aushalten. Aber das ist ja alles Geschmacksache.

Wir haben außerdem eine Konsole zuhause, die wir eigentlich ausschließlich nutzen, um DVDs zu schauen. Anton hat sie vor vielen Jahren mit Sammelpunkten seiner Online-Bank erworben. Jimmy fand heraus, dass darauf ein Fußball-Spiel installiert ist. Weil er es jetzt kennt (ich hätte es ihm nicht gezeigt ;-), haben wir einen Deal: an Feiertagen wie Geburtstag und Weihnachten und einmal in den Schulferien darf Jimmy zusammen mit seinem Papa eine Stunde zocken. Die beiden haben einen riesen Spaß dabei und für mich ist es mittlerweile in Ordnung.

Nun aber zu den Tipps für den Umgang mit den Medien. Ich habe eine tolle Broschüre „Gutes Aufwachsen mit Medien“, die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wurde. Dort findest du außerdem einen Haufen Hinweise, wie du dein Smartphone sicher machen kannst, wie du deine Kinder vor Onlinewerbung schützt oder wie ihr gemeinsam Mobbing vermeiden könnt. Auch von meiner Krankenkasse habe ich ein paar Broschüren zum Umgang mit den Medien. So kommt eine schöne kleine Sammlung zusammen, mit der ich mich informieren kann und die dir vielleicht auch ein paar Hinweise gibt.

Apps und Smart Toys – Vorsicht mit den Daten!

Eltern sollten beim Kauf von Smart-Toys, die digitale Funktionen haben, unbedingt etwas über den Datenschutz rausfinden. Hat das Gerät eine Kamera? Gibt es Daten ans Netz weiter? Übrigens: das Abhören des Kindes durch die Eltern via Spielzeug widerspricht der unantastbaren Menschenwürde, das sollte uns bewusst sein! Für mich gilt das auch für Smartwatches und ähnliche Kontroll-Apps. Ich finde, jeder darf die Erziehung seiner Kinder so handhaben, wie er das für richtig hält, auch den Umgang mit den digitalen Medien. Aber was diese Dinge betreffen, habe ich absolut kein Verständnis.

Mit den Daten und denen unserer Kinder müssen wir sorgfältig umgehen und auch schauen, ob Apps für Kinder sogenannte Inapp-Käufe beinhalten. Bei meinem Handy habe ich es so eingestellt, dass Käufe nur mit meinem Fingerabdruck getätigt werden können. So passiert Jimmy in der Fußball-App nichts. Für Luise habe ich ein digitales Pixie-Büchlein auf dem Tablet und die App „Schlaf gut“. Hier sind noch ein paar kostenlose Apps, die laut Broschüre empfehlenswert sind:

  • Sesamstraße 3+
  • Die Maus 4+
  • ZDFtivi 4+
  • Knietzsches Geschichtenwerkstatt 6+

Unter www.datenbank-apps-für-kinder.de findest du über 500 Bewertungen vom Deutschen Jugendinstitut. Übrigens weiß ich von einer Freundin, die in einer IT-Security-Firma arbeitet, dass es für Hacker ein Leichtes ist, sich auf einen PC zu stehlen und dort die Kamera zu benutzen. Darum haben wir am Notebook die Kamera zugeklebt. Ich habe Jimmy außerdem erklärt, warum wir nicht mit der Angabe von Email und Adresse bei dieser Fußballkarten-Sammelaktion im Netz mitmachen.

Wie lange ist ok?

Wir schützen unsere Kinder am besten davor, stundenlang vor den Geräten zu sitzen? Ich glaube, indem wir ihnen ein gutes Vorbild sind. Machen wir das Gerät selber auch mal aus oder schauen wir dauernd rein? Können wir es ohne das Gerät nicht lange aushalten und ist das Smartphone das erste, das wir morgens in die Hand nehmen? Sehen uns die Kinder selber dauernd vor einem PC sitzen? Ich denke aber, wenn wir Eltern ein gutes Vorbild sind und für uns das Gerät selbst nicht so einen hohen Stellenwert hat, wird es über kurz oder lang bei den Kindern ähnlich sein.

Ich beziehe mich mit meinen Tipps auf Kinder, die etwa so alt sind wie Jimmy, also frühes bis späteres Grundschulalter. Generell empfehle ich zu diesem Thema „Das gewünschteste Wunschkind“ (Affiliate Link), Kapitel „Wie viel Handy ist okay?“ Die Autorinnen erläutern, warum sich Eltern nicht vor den Medien fürchten müssen und dass Kinder beim Spielen und Entdecken mit Handy und Co auch sehr viel lernen. Sie nehmen die Panik aus dem Thema raus, erklären sachlich die Vor- und Nachteile und begründen, wie eine Abhängigkeit entstehen und wie wie sie verhindert werden kann. Es geht, wie bei vielem anderen auch, vor allem um das Ausmaß: (…) wie so oft macht die Dosis das Gift. Solange Kinder den größten Teil des Tages offline sind, sich draußen an der frischen Luft bewegen und mit anderen im freien Spiel versinken können, schaden Apps und Co nicht. (S. 188)

Ich habe mit Jimmy besprochen, was mir als Mutter wichtig ist. Wenn es nach ihm ginge, würde er sich mit dem Computer bei schönstem Wetter in sein Zimmer setzen und Tabellen führen. Deshalb habe ich ihm erklärt, warum mir das Rausgehen so viel bedeutet, dass ich mich sonst um seine Augen sorge und mir wünsche, dass er Zeit an der frischen Luft verbringt. Ich schlage ihm dann vor, eine Runde zur Bücherei zu laufen oder mit dem Nachbarn Fußball spielen zu gehen. Wegen mir dürfen sie dann anschließend ihre Spielergebnisse in eine Excel-Liste eintragen. Jimmy ist da ganz kooperativ, wenn ich seine Wünsche miteinbeziehe. Er fragt auch jedes Mal, ob er den Computer benutzen darf. Übrigens haben wir unsere Regeln gemeinsam besprochen, so fühlt es sich für Jimmy gut an, weil er mitreden durfte. Er kann in meiner Anwesenheit jeden Tag 10 Minuten auf seinen Lieblingsseiten surfen, was er aber selten macht. Außerdem darf er zwei Mal am Tag in mein Handy schauen und die Ergebnisse der Bundesliga (im Moment der Weltmeisterschaft) checken.

Sicherheit im Internet

Was das Internet betrifft, bin ich folgender Meinung: kein Kind muss schon mit sechs oder sieben Jahren im Netz unterwegs sein. Sei froh, wenn sich dein Kind nicht interessiert. Wenn es das aber tut, ist es doch besser, du gibst ihm die Möglichkeit, sicher zu surfen und nimmst es dabei an die Hand. Mit acht oder neun Jahren werden die Kinder garantiert ins Netz kommen, sei es bei Freunden zuhause oder bei Klassenkameraden, die schon ein Smartphone haben. Mir ist es da lieber, Jimmy weiß Bescheid über den Umgang, als dass er heimlich klickt und dann schlimme Dinge liest oder sieht.

Empfehlenswerte Seiten für Kinder im Netz findest du in folgender Liste. Wenn du möchtest, kannst du auf meine-startseite.de zusammen mit deinem Kind eine kindgerechte Startseite erstellen, einen Ordner mit Lesezeichen für Kinderseiten machen und dann gemeinsam mit ihm recherchieren und stöbern. Auf schau-hin.info gibts Infos über Jugendschutzsoftwares und über kinderserver.de hast du die Möglichkeit, mobile Geräte oder den Computer in einen sicheren Surfmodus zu stellen.

  • kika.de
  • tivi.de
  • tivitreff.de (Kindercommunity)
  • helles-köpfchen.de
  • Youtube Kids (im Elternbereich kann man die Seite mit Zahlencodes schützen, das Alter des Kindes eingeben und per Timer das Abschalten der App festlegen. Hier gibt es aber auch viele Werbevideos für Spielzeug, das von anderen getestet wird. Was Werbung ist und was sie bezweckt, sollte man mit Kindern besprechen, finde ich.)
  • blinde-kuh. de (Suchmaschine)
  • fragfinn.de (Suchmaschine)
  • klexikon.de (Kinderlexikon)
  • sandmann.de
  • knipsclub.de
  • naturdetektive.de (Tierisches entdecken)
  • abenteuer-regenwald.de
  • trickino.de (Filme selbermachen)

Ich habe Jimmy schon einmal erklärt, dass er nicht alles glauben darf, was im Internet steht. Das sollten Kinder von Anfang an lernen, damit sie auch später kompetente Surfer werden. Außerdem sprechen wir viel über Werbung. Weil Jimmy Sammelkarten sammelt, hat er dauernd neue Ideen, was er noch so alles braucht. Damit er nicht sein gesamtes Taschengeld in Fußballkarten investiert, versuche ich ihm klar zu machen, was die Sammelkartenproduzenten so im Schilde führen…

Achtung: Suchmaschinen zeigen manchmal bei von Kindern häufig gewählten Stichworten absichtlich verstörende Bilder. Das ist auch ein Grund, warum vor allem Kinder im Grundschulalter nicht alleine im Netz unterwegs sein sollten und Kindersuchmaschinen eine sinnvolle Alternative zu Google und Co sind.

Kreative Medien

Die Medien können Kinder auch prima nutzen, um selber kreativ zu werden. Wir haben ein Buch, mit dem Jimmy programmieren kann: Einfach programmieren für Kinder (Affiliate Link). Gemeinsam mit Anton hat er sich stundenlang damit beschäftigt und die beiden haben mit dem Smartphone und ein paar Legosteinen die Aufgaben durchgespielt.

Außerdem nehmen sich Jimmy und sein Freund gerne mit dem Computer auf, wenn sie ein Tischkickerturnier spielen. Dabei kommentieren sie das Spiel und schauen sich nachher alles noch einmal an. Die Kinder können mit den Handys von den Eltern oder einem Computer selber Bilder machen, Hörspiele aufnehmen oder ein kleines Theaterstück inszenieren. Auf diese Weise lernen sie, die vorhandenen Möglichkeiten zu nutzen und wir als Eltern zeigen, dass Computer und Telefon kein Teufelszeug sind, sondern richtig viel Spaß machen können. Wichtig ist dann aber natürlich nach gewisser Zeit: Gerät aus und ab nach draußen! Auch Skypen ist toll. Dank des Computers können wir mit der Oma quatschen oder die Tante anrufen. Das machen die Kinder gerne und ich finde, dass sie dadurch sehen, dass das Internet eine ganz tolle Sache ist.

Pin it, Baby!

Ich habe außerdem zuhause einen Leitfaden der Freien Waldorfschulen: Struwwelpeter 2.1. Ein Leitfaden für Eltern durch den Medien-Dschungel, den du hier runterladen kannst. Und ich emfehle immer wieder das Buch „Das gewünschteste Wunschkind“ (Affiliate Link) für allerlei Erziehungsfragen, auch was den Umgang mit Medien angeht.

Und nun wünsche ich dir ganz viel Spaß beim Surfen, ob alleine oder mit einem interessierten Kind.

Bleib fröhlich und unperfekt,

deine Laura

Zur Transparenz: für all diese Hinweise wurde ich nicht gesponsert oder bezahlt, sondern habe die Broschüren für mich zusammen getragen und nun für dich in einem Text aufbereitet.

Komm doch mal auf meiner Facebook-Seite vorbei. Da ist zur Zeit viel los und morgen gibts ein feines Gewinnspiel mit richtig viel Musik!

Write A Comment