Heute möchte ich dir mal wieder von Paaren mit Kindern berichten, die beide ihre Arbeitszeit reduziert haben. Ich bin ja, wie du weißt, sehr begeistert von der Idee, dass sich Eltern Beruf und Haushalt teilen. Klar, das klappt einfach nicht immer, denn in vielen Fällen verdient der eine erheblich mehr als der andere und arbeitet deshalb Vollzeit, oder es gibt für einen von beiden keine Möglichkeit, die Arbeitszeit zu reduzieren. Manche Mütter möchten auch nicht in ihren Job zurück oder beide Eltern sind gezwungen, Vollzeit zu arbeiten, weil das Geld sonst nicht reicht. Es ist daher in erster Linie eine ganz individuelle Entscheidung. Für alle Eltern aber, die das Konzept so gut finden wie ich, habe ich im Dezember 2017 einen Aufruf gestartet. Ich wollte von Paaren, die beide reduziert arbeiten, wissen, wie das bei ihnen klappt und warum sie sich dafür entschieden haben. Hier habe ich schon einmal über zwei Elternpaare berichtet, die dieses Konzept leben und toll finden. Heute stelle ich zwei weitere vor.

 

Haben beide das Recht, glücklich zu sein: Sophie und Marius

Sophie und Marius haben zwei Kinder, die vier Jahre und sieben Monate alt sind. Ich kenne Sophie von ihrem schönen Blog Kinder haben und glücklich leben. Sie ist genau wie ich freiberufliche Texterin und er Grafikdesigner von Beruf. Momentan ist Sophie in Elternzeit, hat aber vorher 40 % gearbeitet. Die beiden teilen sich in erster Linie die Elternzeit auf, damit Sophie den beruflichen Anschluss nicht verliert. Das kann ich sehr gut verstehen, denn auch ich war in der Situation, dass ich mir nach der Zeit mit dem Baby zuhause den Kundenstamm immer wieder selber aufbauen musste.

Dank Elterngeld Plus arbeitet Marius zur Zeit 67 %. Für das geteilte Modell haben sich die beiden schon entschieden, bevor sie das zweite Kind bekommen haben. Aber beim ersten Kind haben sie den Rollentausch noch konsequenter durchgezogen:

Sophie: Nach 6 Monaten habe ich das für mein Studium nötige Abschlusspraktikum in Vollzeit gemacht und danach meine Masterarbeit geschrieben. Deswegen hat Marius 5 Monate Vollzeitelternzeit genommen und ich bin voll arbeiten gegangen. Das hat damals super funktioniert. Jetzt beim zweiten sind wir dank meiner Selbstständigkeit flexibler und wir haben in einer privaten Elterngeldberatung ausrechnen lassen, was sich finanziell für uns am meisten lohnt. Da kamen dann die 27 Stunden/Woche raus, die Marius jetzt in Teilzeit-Elternzeit arbeitet.

Marius weiß, wie unglücklich ich wäre, wenn ich für längere Zeit nicht arbeiten könnte. 😉 Kurz und knapp kann man vielleicht einfach sagen: Wir machen beide alles gerne. Wir arbeiten beide gerne, verbringen aber auch beide gerne Zeit mit den Kindern. Haushalt machen wir beide gleich ungerne, hier hat also auch keiner einen Vor- oder Nachteil. Und wir finden, dass wir beide das Recht haben, glücklich zu sein. Wir wollen einfach nicht, dass eine*r das Gefühl haben muss, für längere Zeit zurückstecken zu müssen.

Die Frage, traditionell zu leben, hat sich für Sophie und Marius nie gestellt, da sie beide ungerne alleine die Hausarbeit machen möchten. Sie sind der Überzeugung, dass es keine „natürliche“ oder irgendwie biologische Begründung für die sogenannte traditionelle Rollenverteilung gibt. Spätestens dann, wenn die Kinder seltener gestillt werden müssen, könne man sich doch alles vernünftig aufteilen, meint Sophie. Beiden Eltern ist die Unabhängigkeit und die Freiheit des anderen wichtig:

Sophie: Ich finde es auch schön, zu wissen, dass mein Mann noch ein Leben außerhalb unserer vier Wände und zwei Kinder hat. Dazu gehört natürlich nicht nur der Beruf, sondern auch Hobbys, Freunde etc. Aber ein Arbeitsleben ist nun mal ein wichtiger Punkt in einem eigenständigen Leben. Mir persönlich ist auch der Aspekt der finanziellen Abhängigkeit nicht geheuer. Von Themen wie Altersvorsorge und drohender Altersarmut im Falle einer Trennung ganz zu schweigen.

Marius hatte ziemlich Glück mit der Reaktion seines Chefs, als er ankündigte, die Arbeitszeit reduzieren zu wollen. Der ist der Meinung, dass sich die Arbeit an das Leben anpassen muss und nicht umgekehrt.

Marius: In der Firma geht es insgesamt recht familiär zu, alle zeigen großen Einsatz und identifizieren sich mit dem Laden. Der Chef hat also allen Grund, seinen Arbeitnehmern zu vertrauen und das tut er auch. Was bei Elternzeit aber auch noch hinzu kommt: Die rechtliche Lage ist da ja sehr eindeutig und das weiß der Chef auch.

Negative Reaktionen hat Marius nicht erfahren, weder von seinen Kollegen noch von seiner Familie. Dennoch ist er in seinem Büro der einzige, der reduziert hat. Er hat schon ein wenig das Gefühl, dass seine berufliche Karriere etwas beschränkter ist als mit einem Full-Time-Job, aber das liege auch an seinem Beruf, meint er:

Ich bin weiterhin für meine Kunden da, wenn auch nicht rund um die Uhr. Wichtig ist sicher auch, dass ich schon einige Jahre dort arbeite und mich in dem Sinne nicht mehr „beweisen“ muss. Im projektbezogenen Arbeiten kommt es aber natürlich vor, dass ich auch mal ein paar Stunden dranhänge, weil es eine Deadline gibt. Mein Chef weiß, dass er da auf mich zählen kann und dass ich, genau wie alle anderen Kollegen, nicht nur „Dienst nach Vorschrift“ mache.

Die beiden teilen sich die Hausarbeit und stimmen sich auch mit den Terminen regelmäßig mit einem digitalen und einem schriftlichen Kalender ab. Es ist dann auch klar, dass sich alle an diese Termine halten müssen. Finanziell müssen sie sich dank Elterngeld momentan nicht allzusehr einschränken, aber auch langfristig würden sie gerne nicht beide 40 Stunden arbeiten. Dass sie dafür ggf. ihren Lebensstil anpassen müssen, ist ihnen klar. Allen Paaren, die die Elternzeit gemeinsam und möglichst gewinnbringend gestalten wollen, empfehlen sie, eine Elterngeldberatung in Anspruch zu nehmen. Dort wird einer Familie nämlich das für sie beste Modell erklärt.

Sind gespannt, was kommt: Sina und Michael

Die PR-Referentin Sina* und der Projektmanager Michael* haben im Februar ihr erstes Kind bekommen. Sina wird nach dem Mutterschutz in ihren Job zurückkehren und 78 % arbeiten, Michael nimmt drei Monate Elternzeit und arbeitet dann 75%. Schon lange, bevor Sina schwanger wurde, haben die beiden über die Arbeitsteilung gesprochen. Sie teilen zum Glück ihre Ansichten und hängen nicht am klassischen Rollenmodell. Sina liebt ihren Job und möchte nicht den Anschluss an die Arbeitswelt verlieren, außerdem scheut sie die damit einhergehende Abhängigkeit, Gehalts- und Rentenverluste. Aber auch Michael möchte sich zuhause engagieren und wollte nie ein Vater werden, der nur nach der Arbeit und dann nur wenig Zeit für seine Kinder hat.

Wie in Sinas Büro hat auch Michaels Arbeitgeber sehr positiv auf die Entscheidung der beiden reagiert. Ebenso seine männlichen Kollegen, auch wenn die eher klassisch leben, zwei Monaten Elternzeit nehmen und dann wieder voll berufstätig sind. Die Familie von Sina und Michael ist tolerant und unterstützt die beiden. Aber im Freundeskreis gibt es unterschiedliche Ansichten.

Michael: Diejenigen, die es respektieren und neugierig sind und unsere Entscheidung nicht in Frage stellen und diejenigen, die schon, bevor Kinder überhaupt akut wurden, immer betont haben, warum man sich generell für Kinder entscheide, wenn man doch schnell wieder in den Job einsteigen wolle – immerhin: statt unsere Entscheidung mit negativen Kommentaren zu belegen, schweigen sie zu unseren Plänen

Die beiden organisieren den Haushalt gemeinsam und besprechen organisatorische Fragen. Jeder erledigt seine Aufgaben und ist dennoch so flexibel, dass der eine den anderen auch mal entlasten kann. Wenn das Kind mal krank sein wollte, werden sie schauen, wer im Büro wichtige Termine oder Deadlines hat und dann gemeinsam entscheiden. Klar haben sie weniger Geld, denn jeder arbeitet in etwa einen Tag weniger. Aber es ist machbar, sagen Sina und Michael. Wie es alles so läuft, werden sie in diesem Jahr sehen:

Sina: Vielleicht werden wir merken, dass wir uns zu viel vorgenommen haben, wenn beide nach der Geburt weiter arbeiten, auch wenn es nur mit begrenzter Stundenzahl ist. Vielleicht ist es aber auch genau das richtige für uns, weil wir es beide so wollen und man dann ja viele Dinge leichter gewuppt bekommt, als wenn sie einem aufgezwungen werden.

*Die Namen habe ich geändert

Ganz herzlichen Dank an euch Vier, dass ihr uns einen Einblick in euer Leben und eure Ansichten gegeben habt. Mir ist es sehr wichtig zu zeigen, dass es in vielen Familien gar nicht so unmöglich ist, Job und Haushalt aufzuteilen. Auf jeden Fall spielt das Finanzielle eine große Rolle und die beiden Eltern hier im Text leben ganz bestimmt nicht am Existenzminimum. Wenn Vater und Mutter jeden Cent zwei Mal umdrehen müssen, ist nicht die Frage, wer arbeiten geht. Vielmehr muss dann einfach so viel Kohle wie möglich her, um Wohnen, Essen und Windeln zu bezahlen. Aber in meinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es unglaublich viele Eltern, die mir versichern, dass der Vater nicht reduzieren könne, auch wenn er wollte. Diese Ansicht möchte ich in Frage stellen und dazu ermuntern, über neue Wege nachzudenken. Wie Sophie und Sina lieben so viele Mütter ihren Job und wenn wir gleichberechtigt leben wollen, müssen wir auch die Kinderbetreuung neu gestalten. Grandios, wenn auch mal Papa nachmittags zuhause ist, oder? In zwei Wochen folgen weitere Eltern, die ihren eigenen Weg gehen.

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Wenn du mehr von mir zu diesem Thema lesen möchtest, dann schau doch mal in unsere Rubrik Familie und Beruf vorbei. Mein Text Mütter in der Zerreißprobe ist im Dezember bei Facebook durch die Decke gegangen, und auch Papas an den Herd hat viel Resonanz gebracht. Vor einiger Zeit habe ich mal zum Aufstand aufgerufen, denn Eltern müssen selbst das Ruder in die Hand nehmen, um etwas zu ändern. Die Politik mach da noch eindeutig zu wenig, wie ich finde. In jedem Fall freue ich mich über rege und respektvolle (!) Diskussion.

*Die Namen habe ich geändert

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