Mütter in der Zerreißprobe: Warum Frauen heute unter Druck stehen

Freudinnen-Besuch

Mädels, ich mache mir Sorgen. In den letzten Wochen saßen hier in meiner Küche drei von euch und haben erzählt. Es war immer das gleiche: ihr habt das Gefühl, nicht mehr zu können. Eine von euch spürt eine wahnsinnige Traurigkeit, die andere hat starke Rückenschmerzen, die dritte sieht im Alltagswahnsinn kein Land mehr. Was ist los mit uns Müttern? Wir bekommen Elterngeld, haben Kitaplätze für Kleinkinder und moderne Haushaltsmaschinen. Wieso geht es uns so schlecht? Ich wollte der Frage auf den Grund gehen und habe Antworten gefunden!

Kathi im Stress

Da ist Kathi, Mama von zwei Mädels und Psychologin in einer Personalabteilung. Ich mache ihr einen Cappuccino, lege ein paar Plätzchen auf den Tisch und wir quatschen eine Runde, während die Kinder spielen. Jeden Morgen macht Kathi ihre Kinder fertig, schmiert Brote und füllt Thermosflaschen. Die Nächte sind turbulent, weil Nicki nachts so schlecht schläft und zu Kathi ins Bett kriecht und weint. Morgens bringt sie um halb acht die Mädels in den Kindergarten und eilt im Stechschritt ins Büro. Nachmittags unternimmt sie was mit den Mädchen, macht den Haushalt, fährt die Kinder zum Turnen oder erledigt mit ihnen den Einkauf. Markus, ihr Mann, kommt spät. Er ist mittlerweile Abteilungsleiter und braucht zum Ausgleich sein Hanteltraining im Fitness-Studio. Deshalb bringt Kathi die Mädchen meist alleine ins Bett. Zum Sport kommt sie selten und weil Nelli mit ihren drei Jahren noch gerne getragen wird, hat sie unsägliche Rückenschmerzen. Sie bittet ihren Mann, weniger zu arbeiten, aber der verweist auf den Hauskredit und auf seinen strengen Chef.

Lea und ihr Baby

Eine Woche später kommt mich Lea besuchen. Sie sieht klasse aus und das ist auch kein Wunder, denn sie ist Yogalehrerin. Jetzt gibt sie keine Kurse mehr, auch wenn viele Kunden nachfragen. Jede Absage, die sie geben muss, schmerzt sie, denn ihren guten Ruf hat sie in den letzten Jahren stetig aufgebaut. Aber Lea hat ein Baby: Thilda, die vier Monate alte Tochter, macht ihren Eltern die Nacht zum Tag und brüllt, was das Zeug hält. Lea stillt und trägt und beruhigt und tut nichts anderes, als sich um Thilda zu kümmern. Es gibt Tage, da weinen alle beide: Thilda und Lea. Papa Daniel tut zwar was er kann, nimmt ihr abends das Baby ab und schickt sie raus zum Spaziergang, aber im Gegensatz zu Lea hat Daniel keine Nerven wie Drahtseile und hält das Babygeschrei nachts kaum aus. Lea merkt, dass er manchmal ganz froh ist, morgens ins Büro fahren zu können. Elternzeit wollte er nicht länger als zwei Monate nehmen, weil er dann raus ist aus allen Projekten, das hat ihm seine Vorgesetzte gleich klar gemacht. Lea kümmert sich neben dem Baby auch noch um alle Angelegenheiten rund um Steuern und Versicherungen und besorgt Geschenke für Familienangehörige. „Du kannst das einfach besser“, sagt Daniel dazu. Und weil Lea weiß, dass gar nichts passiert und die Schwiegermutter beleidigt ist, wenn sie sich nicht drum kümmert, hat sie sich damit arrangiert.

Uli muss zur Kur

Gestern Abend saß Uli hier am Tisch. Sie kam auf einen Sekt vorbei, denn sie musste raus. Ihre vier Wunschkinder, zwei davon drei-jährige Zwillinge, kleben an ihr wie Honig. Nicht einmal auf die Toilette kann sie gehen. Sie arbeitet halbtags in einer Bücherei, um ein wenig zum Haushalt dazu zu verdienen, denn eine Wohnung für sechs Personen im Kreis Stuttgart ist sehr, sehr teuer. Uli hat einen Schnupfen, aber keinen, der in der Nase steckt. Ihr Schnupfen sitzt in der Seele, das hat ihr der Hausarzt bestätigt. Deshalb muss sie unbedingt raus aus dem Alltag und am besten drei Wochen in eine Mutter-Kind-Kur, und zwar ohne Kinder. Aber wie soll sie jetzt drei Wochen wegfahren, wo es Probleme mit der ältesten Tochter gibt, die wahrscheinlich die vierte Klasse wiederholen muss? Sie ist nun krank geschrieben und würde sich gerne hinlegen, hat aber vor Weihnachten eine To-Do-Liste wie eine Großkonzern-Managerin. Ihr Mann Micha arbeitet als Ingenieur und kommt nach Hause, so früh es geht. Aber er fährt eine Stunde mit der S-Bahn ins Büro und ist mit seiner Pflicharbeitszeit zehn Stunden des Tages von zuhause weg.

Mamas am Limit

Alle drei, die hier am Tisch saßen, haben etwas gemeinsam: sie reiben sich auf. Ob mit Job oder ohne, mit einem Kind oder mit vieren, mit finanziellen Sorgen oder einem guten Polster auf dem Konto: alle tragen eine schwere Last auf den Schultern.

Warum sind wir Frauen heute alle so ausgebrannt? Haben wir es nicht viel leichter als die Mütter früher? Wir haben Erziehungsgeld und tolle Waschmaschinen, nehmen Elternzeit und haben Kitaplätze für Einjährige. Davon konnten die Damen Generationen vor uns nur träumen. Allerdings war früher klar: die Frau heiratet, steigt aus dem Job aus und wird Mutter. Sie kocht, putzt und wäscht und beschwert sich nicht, denn das ist nun einmal ihr Los. Sie waren deshalb nicht glücklicher, aber in ihrem Leben war vermutlich mehr Ruhe.

Stehen wir uns selbst im Weg?

Wir wollen alles perfekt machen und geben uns nicht nur Mühe mit den Kindern, sondern auch mit dem Haushalt und dem Job. Wir engagieren uns im Kindergarten und übernehmen Fahrdienste und die Öffentlichkeitsarbeit. Wir möchten uns nicht vor der Verantwortug drücken, überlegen auch noch, uns politisch zu engagieren und backen das Dinkelbrot selbst.

Ein toller Film aus FrauTV ging neulich genau dieser Frage nach: Haben Mütter heute mehr Druck? Die Soziologin Christina Mundlos hat mit mehr als 100 Frauen über ihre Mutterrolle gesprochen und über die Gründe, die ihnen Druck machten. Sie sagt:

„Frauen werden auch heute noch fast ausschließlich über ihre Mutterschaft und über ihre Kinder definiert. Das heißt, die Identitärt von Frauen steht und fällt damit, ob sie von außen als gute Mutter angesehen werden.“

Mädels, ich denke, hier liegt der Hund begraben. Wir beobachten uns den ganzen Tag selbst und in uns drinnen spricht eine innere Stimme, die das sagt, was andere Menschen VERMEINTLICH denken: Na, mal wieder die Kinder angepampt, obwohl Mütter liebevoll und geduldig sein müssen? Und dann noch Hefezopf beim Bäcker gekauft, wo doch die anderen Mamas alles selbermachen! Kann es sein, dass du das Kind trotz Schnupfen in der Kita abgibst, weil dir der Job heute einfach wichtig war? Und dein Ausraster neulich im Supermarkt war ja wohl voll daneben.

„Die gute Mutter hat Zeit, koch, bastelt und backt selber. Sie fördert ihre Kinder, ist beruflich erfolgreich und sieht natürlich gut aus“, heißt es in der Sendung. Viele Frauen nehmen diesen Druck an und fühlen sich davon eben auch belastet, weil sie versuchen, einem menschenunmöglichen Ideal hinterherzurennen, sagt Christina Mundlos dazu.

Die Sprecherin der Sendung benennt eine Annahme, die auch alle meine Freundinnen äußerten: Andere bekommen es doch auch hin. Und hier liegt der nächste tote Hund! Das ist nämlich eine irrige Annahme. Klar, es gibt eine Bekannte, die bleibt immer ruhig und schreit ihre Kinder nie an. Sie backt außerdem irre leckere Schokokekse. Dafür arbeitet sie nicht und staubfreie Regale sind ihr Bumms. Dann ist da noch die Nachbarin, deren Garten aussieht wie aus dem Ei gepellt. Ebenso ihre Kinder. Sie arbeitet Vollzeit und leistet sich von dem verdienten Geld ein Aupair und eine Haushaltshilfe. Mit den Kindern zu basteln oder Kekse zu backen fiele ihr nicht im Traum ein. Keine Frau kann einfach alles! Nur gibts da noch die hunderttausend anderen, die denken, sie müssten das als gute Frauen und Mütter hinkriegen und am Ende können sie nicht mehr: so wie meine Mädels!

Die Zerreißprobe

Die Belastungen seien immer schon da gewesen, auch bei den Frauen früher, erzählt Anne Schilling im FrauTV-Film, Geschäftsführerin eines Frauen-Genesungswerk. Aber früher waren die Rollen irgendwie einfacher. Frauen und Mütter wussten, was zu tun war. Heute trifft ein modernes Frauenbild auf ein traditionelles Mutterbild. „Die Familie hat immer Vorrang, die eigenen Bedürfnisse zurückstellen, also was ganz Traditionelles rollt (…) auf die Mütter zu und kollidiert mit dem eigenen Anspruch und mit allen Bildern von Gleichberechtigung, von Frauenleben, das bisher verfolgt wurde“, sagt Schilling. „Diese unterschiedlichen Bilder zusammen zu bekommen, ist eine Zerreißprobe.“ Was Frauen krank mache, ist, dass sie in dieser Zerreißprobe ihre Bedürfnisse zurückstellen. Obwohl sie das nicht einmal wollten, denn sie sind ja modern, schließt Anne Schilling ihre Überlegungen ab.

Also trifft das traditionelle Bild der Frau, eine sich selbst aufopfernde, liebevolle Mutter, auf ein neues Bild, das die modernen Frauen von sich haben: Eine Frau ist eben nicht nur Mutter. Sie kann auch eigene Wege gehen, sich für den Beruf entscheiden oder ihn zumindest nicht aufgeben. Sie ist modern und unabhängig, dabei schlank, sportlich und attraktiv wie vor der Schwangerschaft.

Wir Frauen heute können den Traum von beruflicher Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung wagen, der für die Frauen früher unerreichbar war. Aber wir wachen nicht selten in einem Alptraum auf, weil die Vereinbarkeit von Job und Kind, von Vollzeitmama und unabhängiger Superfrau einfach nicht gelingen mag. Wir sind hin und hergerissen zwischen dem alten Frauenbild, das wir alle doch irgendwie nicht ablegen können, dafür steckt es uns noch zu tief in den vererbten Knochen. Eine meiner Freundinnen möchte ihrem Mann den Rücken freihalten, damit er in Ruhe seine Projekte zu Ende bringen kann. Andererseits liebt sie ihren erlernten Beruf und findet es schade, dass sie selbst nicht arbeiten kann. Eine andere Freundin möchte einen pickobello Haushalt führen und freut sich, wenn die Küche blinkt. Andererseits denkt sie jedes Mal: wäre ich doch lieber ne Runde laufen gegangen, dann hätte ich nicht solche Rückenschmerzen vom Putzen. Ich selbst hadere mit mir, weil ich es nicht schaffe, eine stets liebe, gütige Mami zu sein, die ihre Bande mit offenen Armen empfängt und an ihre Kittelschürze drückt. Ich bin statt dessen oft genervt und möchte lieber lesen oder schreiben, anstatt mit meinem Kleinkind auf dem Teppich Klötze zu bauen.

Die Quintessenz

Der kleine Film hat eine starke Quintessenz: „Es geht nicht darum, so stark zu sein wie die Frauen früher. Denn sie waren stark im Machen und Tun, aber sie waren schwach, wenn es darum ging, die eigenen Grenzen der Kraft zu verteidigen und zu sagen: ich kann nicht mehr und ich habe auch keinen Bock mehr. Und dass es kein Jammern ist, wenn Mütter heute ehrlich sind.“

So leicht kommen wir nur leider nicht raus aus der eingefahrenen Situation, vor allem nicht alleine. Auch wir sind Teilnehmer einer Gesellschaft, die die Rahmenbedingungen schafft. Ich habe schon oft über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geschrieben, und dass es da in unserem Land ne Menge zu tun gibt.

Ich könnte noch mehr schreiben, aber hier soll einmal Schluss sein. Dieses Thema lässt sich auch nicht mit einem einfachen „in zehn Schritten raus aus dem Mama-Tief“ abschließen, sondern es ist vermutlich ein Generationsproblem. Es lohnt sich aber, es anzupacken. Denn ich wünsche mir so sehr, dass es meiner Luise später anders geht.

Aber ich habe trotzdem ein paar Denkanstöße für mich, für Kathi, für Lea, Uli und für dich:

  • Es ist nicht schlimm, die eigene Überforderung anzusprechen und sich dazu zu bekennen, dass wir als Mütter oft nicht mehr können. Es ist sogar sehr, sehr wichtig. Die, die sich trauen, das zu sagen, ebnen den Weg für viele andere. Es ist ein Märchen, „dass alle anderen es doch auch hinkriegen“ und es ist kein Gejammer auf hohem Niveau. Die Burnout-Erkrankungen von Müttern steigen von Jahr zu Jahr und das Leid von betroffenen Familien, ganz besonders das der Kinder, ist groß. Also sprecht aus, dass der Druck hoch und die Arbeitsbelastung viel ist!
  • Wir selber stehen unter Druck und das liegt nicht nur an uns. In Müttermagazinen wird von „Fails“ geschrieben, wenn Mamas die Vesperdose vergessen. In Blogs und Foren werden Mütter, die nicht stillen oder früh wieder arbeiten gehen als „Rabenmütter “ beschimpft. Der Ratschlag, all das einfach nicht mehr zu kosumieren, ist Quatsch. Genau so könnte man einer Frau, die sich für ihren fülligen Körper schämt, sagen, sie solle die Models in der Werbung einfach ignorieren.
  • Wir können bei uns selbst anfangen und uns fragen, was wir eigentlich sein wollen. Alle Rollen auszufüllen ist unmöglich. Aber wir können überlegen, ob wir nicht einfach den Teil unserer Persönlichkeit akzeptieren, den wir immer bekämpfen. Wenn wir keine Übermutter sind, sind wir für unsere Kinder trotzdem toll. Wenn wir gerne arbeiten, sind wir keine Rabenmütter. Wenn wir lieber zuhause bleiben und nicht zurück ins Büro möchten, sind wir keine Glucken.

Bis dahin wünsche ich meinen Mädels, mir und dir, dass wir wieder lernen, auf unser Inneres zu hören. Und auch mal aufzustehen und zu rufen: „Ich habe kein Bock mehr, mich um alles zu kümmern!“ Wenn du Lust hast, mehr über das Thema zu lesen, schau mal unter unserer Rubrik Mütter und „Mutmach-Texte“ nach.

Bleib fröhlich und vor allem eines: unperfekt!

Deine Laura

Ps.: Eine kleine Anmerkung zur Diskussionskultur im Netz: alle LeserInnen sind herzlich eingeladen, ihre Meinung zu äußern. Auf Vorwürfe, dies alles sei Jammern auf hohem Niveau, werde ich nicht eingehen. Es gibt eine Form der Kommunikation, die „whataboutism“ genannt wird. Jeder, der einen Missstand beklagt, kann mit einem „und was ist mit denen, denen es viel schlechter geht“ zum Schweigen gebracht werden, denn dieser Vorwurf zerstört jede Form von Diskussion. Vielen Frauen geht es nicht gut, das ist eine Tatsache. Etwas daran zu verändern beginnt mit dem Aufzeigen von Missständen. Ich danke deshalb allen, die sich respekt- und verständnisvoll äußern, natürlich gerne auch mit höflichen Gegenargumenten.

Pps.: Ich spreche hier von Frauen, die einen Partner haben. Der Druck auf Alleinerziehende muss noch viel größer sein.

Mehr von Heute ist Musik! Schau doch mal auf meinem Instagram-Kanal vorbei. Dort streue ich Glitzer in den Mama-Alltag, poste leckere Rezepte oder Gedanken zum Thema Kinderhaben. Ich freu mich auf dich!

Laura

57 Comments

  1. Ihr Lieben,
    ich habe mit Interesse den Artikel gelesen und mich ebenso in vielen Punkten wiedergefunden.
    Was ich bei den Kommentaren z.T schwierig finde: Es geht manchmal für mich zu sehr in eine Richtung, die sich nach „arme Frau – böser Mann, der ja NIE mithilft“ anhört. Ja, Mütter arbeiten viel, auch wenn sie nicht berufstätig sind, und es gebührt ihnen Respekt und Anerkennung. Solange ich die aber nicht in mir selbst finde, und meine horrenden Ansprüche hinterfrage und ggf. ändere – solange wird auch keine Anerkennung von außen kommen. Bzw. wird es dann zu „seht mich an, wie arm ich bin, wie viel ich arbeite, und keiner lobt mich dafür!“
    Das ist etwas, das ich absolut auch von mir selbst kenne, keine Frage – UND es ist etwas, das ich so nicht weiter verfolgen will. Denn erst wenn ich mich und das was ich tue liebe und anerkenne, dann wird es auch von außen zu mir kommen. Und im Gegenzug: Wenn ich diese innere Liebe und Anerkennung nicht selbst in mir und für mich spüre, wird mir kein Lob der Welt helfen können.
    Mein Tenor: hört auf, euch selbst zu sabotieren – und hört auf, eure Männer dafür verantwortlich zu machen.
    Alles Liebe euch.

    • Liebe Martina, wenn alle Menschen auf der Welt so respektvoll Kritik äußern würden, wären wir ein ganzes Stück weiter. Also danke für deine Worte. Ich würde dir auch sofort zustimmen, denn das wäre sicher erst einmal der richtige Schritt. Vielleicht liegt es daran, dass Frauen das oft nicht zu können scheinen (anerkennen, was sie leisten und sich selber mehr Liebe entgegen bringen), weil ihnen von unseren Müttern anderes vorgelebt wurde? Aber vielleicht sind wir auf einem richtigen Weg und wenn wir immer selbstbestimmter werden, dann können unsere Töchter sich da mehr abschauen und selber das Ruder herumreißen? Ich finde und erlebe, dass Frauen oft zu hohe Ansprüche an sich selbst (und auch an ihre Männer haben). Dass dieser Text so ankam zeigt, wie vielen es ähnlich geht. Das aber mal eben zu ändern ist schwierig, es ist ein Generationenproblem. Diskutieren und kritisieren, so wie du es tust, hilft. Liebe Grüße, Laura

  2. Es ist mir so aus der Seele geschrieben. Meine Ärztin hat mir immer gesagt, bei dem, was sie alles machen, ist es kein Wunder, wie es ihnen geht. Ich habe mich dann immer wie eine Lügnerin gefühlt. Ich habe und kann es oft immer noch nicht sehen, was ich leiste. Manchmal mache ich es jetzt wie mein Mann und meine Söhne und kommentiere laut, was ich mache- tja, es ist verdammt viel.
    Wenn ich mit jungen Frauen spreche, denke ich oft, ja, wir haben es euch falsch vorgelebt. Das sie in Sorge sind, genauso zu „enden“ wie ihre Mütter, kann ich verstehen. Viele wollen keine Kinder ohne legen keinen Wert auf eine gute Ausbildung, weil sie Mutter werden wollen. Ich hoffe, die kommenden Generationen finden eine bessere Lösung.

    • Ja, ich hoffe auch, dass unsere Töchter mal ein wenig mehr auf sich hören und einen Weg finden, wie sie sich selbst treu bleiben können. Mehr Mut, das ist auch so ein Punkt. Aber in den Kommentaren zeigt sich immer wieder, dass das einfacher gesagt ist. Ich denke aber, wir Frauen sind auf einem guten Weg!

  3. Wir Mamas haben heute sehr hohe Anforderungen an uns selbst und sind einsam, obwohl wir ständig Programm haben: arbeiten, die Kids bringen und abholen, den Haushalt organisieren und die attraktive Partnerin für den Lebenspartner darstellen. Was wir fast nie sind: alleine und was wir nicht kennen: Langeweile. Aber genau diese Musezeiten würden wir so dringend brauchen, um wieder wir selbst sein zu können. Weniger ist also mehr, um ganz ich & du selbst zu sein, das ist mein Rezept, wie ich alles, was ich mir wünsche unter einen Hut bringe.

  4. Liebe Frauen und Mütter,
    vielleicht solltet ihr euch darüber klar werden was ihr auch mit Kindern wollt, bevor und mit Wem ihr welche in die Welt setzt? Jedem sollte klar sein, das nicht mehr beide Partner Vollzeit arbeiten gehen können wenn Kinder im Anmarsch sind. Meine Frau und ich haben vorher drüber gesprochen, sind uns einig wie wir es machen und niemand hat hinterher eine übersteigerte Erwartungshaltung an den anderen.
    Und ganz ehrlich, wenn ich mich von Hans Wurst bei Facebook unter Druck setzen lasse, das Milch abpumpen schlecht ist und mein Bauch nach 3 Tagen wieder aussehen muss wie vorher, dann ist man vielleicht noch nicht erwachsen und emanzipiert genug für Kinder.
    Und der heißeste Tip, wenn eure Kerls sich hinterher nicht an Vereinbarungen halten, dann tretet ihnen in den Arsch, die können das ab. Aber jammern im Internet hilft kein bisschen.
    Viele Grüße,
    Stefan

    • Lieber Stefan, ich freue mich sehr, wenn hier Männer kommentieren. Deine Einstellung finde ich aber sehr fragwürdig. Nicht alle Eltern können so reflektiert über Vereinbarkeit von Familie und Beruf sprechen, bevor sie Kinder kriegen. Manche Kinder kommen überraschend oder sehr früh, so ist das Leben. Sich nicht unter Druck setzen zu lassen ist auch ein Anspruch, den du nicht an alle Menschen stellen kannst. Na klar, wenn jeder so vernunftgesteuert ans Familie gründen gehen würde wie du, gäbe es weniger Gejammer. Ist leider nicht so. Aber vielleicht gehts dir besser, wenn du nicht so viel im Internet liest? Liebe Grüße, Laura

    • Danke, Stefan, deinen Worten ist absolut nichts hinzuzufügen! Dein Kommentar ist nicht fragwürdig, sondern das Gescheiteste, was hier steht. Speziell die Aussage über die Männer, die sich nicht an die Vereinbarungen halten und die Mütter allein lassen. Das ist doch ganz oft der Kern des Problems. Dann müssen die Mütter ihr Recht einfordern, und zwar laut.

  5. Sehr guter Artikel. Das Thema kennen alle Mütter mit einem, zwei, drei … Kindern. Was ich vermisse ist, dass hier mal die Männer in die Pflicht genommen werden. Es sind übrigens auch ihre Kinder! Wie wäre es denn mal mit Elternzeit die beide Partner zu gleichen Teilen nehmen? Und wenn das auch Gesellschaftlich so gewollt ist. So ist irgendwann klar: jeder Mensch egal ob männlich oder weiblich bekommt Kinder und steht dann halt der Wirtschaft nicht mehr uneingeschränkt zur Verfügung. Väter die mehr als die zwei Monate Alibi/Weltreise Elternzeit nehmen fühlen sich im übrigen auch danach verantwortlicher für ihren Nachwuchs. Liebe Frauen, lasst nicht zu dass euch der Vater eurer Kinder euch karrieremässig ins Abseits manövriert. Nur zur Erinnerung: nach einer Scheidung gibt es keinen Unterhalt mehr für euch. Sorgt also auch immer selber für euch und das Alter vor. Nehmt euch euren Platz im Leben und lasst den Mann mal Geschenke kaufen und beim kranken Kind zu Hause bleiben. Dann ist auch wieder Zeit für Yoga oder ein Buch. Und an den lieben Staat: die mangelhafte und teure Kinderbetreuung in manchen Teilen dieses Landes ist purer Sexismus und sollte für brennende Barrikaden sorgen. Wenn wir nur leider nicht immer alle so müde wären.

    • Liebe Barbara, bin in alle deinen Punkten bei dir. Und hier auf dem Blog werde ich mich diesem Thema auf jeden Fall mehr widmen. Ich hatte in einem ersten Entwurf gleich eine kleine Ansprache an die Männer, aber hier sollte es erst einmal nur um die Gefühle der Frauen gehen. Sei versichert, dass mir das unter den Nägeln brennt: warum bleiben die Männer nicht mal zuhause und kümmern sich um all den Kram, der da anfällt. Danke dir für deine Worte, Laura

      • Hallo Laura, das kann ich dir sagen. Weil von den Frauen erwartet wird, das wir stillen. Ich muss mir jetzt schon anhören (und das Kind ist noch nicht da) dass das Abpumpen sich auf die Qualität auswirkt. Dass das Kind eine Saugverwirrung bekommt. Dass das Kind mit Palmöl vollgestopft wird etc. (aber natürlich immer ohne Wertung).
        Und jeden Tag hardere ich wieder mit mir, ob ich nun wieder arbeiten gehen soll und es mir mit meinem Mann teile, oder doch meine Position sausen lasse, damit mein Kind artgerecht gefüttert wird. 🙁
        Es ist immer ein Aufgeben von irgendwas.
        Gruß Jasmin (Leidensgenossin)

      • Liebe Jasmin. Also so ein Quatsch. Dazu schon mal dieses hier: ich wurde nicht gestillt, weil das früher nicht so der Trend war. Ich bin gesund und habe keinerlei Allergie, die beste Beziehung zu meiner Mutter und überhaupt – meine Freundin hat das mit dem Abpumpen gemacht, hat einen pudelgesunden Sohn und ist arbeiten gegangen. Tu das, was ihr für richtig haltet und lass dir in einer solche intimen Sache wie dem Stillen nicht reinquatschen. Alleine eure Erwartungen als Familie zählen für euch. Liebe Grüße, Laura

    • Ja.Ganz genau so ist es..Danke.Das spiegelt gerade meine Situation..
      Habe heute morgen mal wieder versucht dem Mann klarzumachen ,dass 3 Kinder allein zu versorgen nich einfach ist..Das dies teils echt hart ist immer allein fuer alles Verantwortlich zu sein.. Aber er hat ja den Hausbau und die Arbeit..Alle sagen der arme Mann was der leistet..Und ich???? Ich höre nur ich wollte das ja..Keine Wertschätzung.Ja ich wollte 3 Kinder..Aber ich wollte sie nicht alleine großziehen…und ja ich habe leider auch zu hohe Ansprüche an mich..Alles muss perfekt sein..Vorallem ich mit meinem Mutterdasein und auch der Haushalt..das sind absurde Ansprüche..Schwierig..

      • Liebe Leonie, ich kann dich sooo gut verstehen. Und dir versichern, dass drei Kids und Haushalt mehr als nur ein Job ist. Es ist ein Fulltime-Job und alleine kaum zu schaffen. Also ich sage dir, die arme Leonie. Schaut euch an, was sie da so auf die Beine stellt. Ich drück dich, Laura

  6. Liebe Laura,

    Vielen Dank für diesen tollen Artikel der endlich mal wieder ehrlich sagt was vielen Müttern, auch mir auf der Seele brennt. Ich bin 35, habe einen fast 4 jährigen Sohn und eine 15 Monate alte Tochter. Das Perfekt sein wollen begleitete mich schon vor dem Tag an dem ich Mama wurde. Es gibt momentan Tage an denen ich wirklich froh bin wenn meine beiden Wirbelwinde endlich abends schlafen. Ich werde in drei Monaten wieder Teilzeit ( realistisch ist wahrscheinlich Vollzeit) arbeiten gehen und habe wirklich Angst davor. Alles unter einen Hut zu bringen ist jetzt schon echt schwierig. Mein Partner hatte vor ein paar Monaten eine OP und konnte sich seit dato nicht viel bewegen. Da ging ich wirklich am Stock. Meine Mama wohnt weiter weg und hatte selber einen Bandscheibenvorfall und konnte mir seitdem auch nicht helfen mit den Kindern. Meine Schwiegermutter wohnt im Ort, kommt auch ein bis zwei Mal die Woche für eine Stunde am Nachmittag vorbei. Aber meine Tochter kann sich nicht gut auf sie einlassen und weint wenn ich aus dem Raum gehe. Sie vertritt auch die Ferbermethode wonach die Kinder auch mal schreien sollten. „Jetzt kommt wieder der Gnatz. Na dann brüll doch. Dann kommst du hier ins Laufgitter. Irgendwann hörst du auch auf.“ Natürlich ist es nicht erwünscht das die Kleine im Kinderwagen weint wenn sie sie schiebt, was sollen da die Leute denken. Also hat sie sie auch nur ein Mal geschoben in den 15 Monaten die sie auf der Welt ist: „Mit einem brüllenden Kinderwagen gehe ich nicht!“ Da bekomme ich wirklich das kalte Grausen und nehme meine Tochter in die Trage und verrichte lieber so meinen Haushalt als mein Kind unnötig weinen zu lassen. Wie viel Nähe soll denn in dem Alter bitte schädlich sein? Unsere Kinder haben nunmal das Bedürfnis sich anzukuscheln, auf den Arm genommen zu werden. Das sollten wir Ihnen auch zugestehen. Natürlich bin ich auch oft einfach kaputt und reagiere dann gereizt, auch bei meinen Kindern. Danach plagt mich das schlechte Gewissen. Aber ich bin eben auch nur ein Mensch und eben nicht Superwoman oder Supermama. Was dann manchmal wirklich hilft zu sagen was ich denke, auch wenn ich damit Gefahr laufe anzuecken. Mache ich das nicht platze ich. Nur so kann man dann auch gesund bleiben. Wir Mütter können es nicht allen recht machen. Das ist aber auch nicht unsere Aufgabe und auch nicht zu schaffen.
    LG und macht weiter so.

    • Liebe Nicole, vielen Dank für deine lieben Worte am Ende deines Kommentars! Aber was du schreibst, ist wirklich belastend. Da kann ich dich nur zu gut verstehen. Und ich bin deiner Meinung: die Kinder brauchen die Nähe. Sie ihnen zu entziehen hilft niemandem etwas. Besser werden wir Mütter entlastet, damit wir ihnen diese Zuneigung weiter geben können und nicht nebenher auch noch alles andere erledigen müssen. Aber da sind wir wieder am Anfang des Problems. Ich werde weiter über dieses Thema schreiben und darüber nachndenken! Liebe Grüße von Laura

  7. Hallo mein Name ist vanessa ich bin 23 Jahre alt und habe mittlerweile eine 11 Monate alte Tochter zuhause. Ich konnte mich (leider) zu 100% in deinem Text wieder finden. Komischer weise habe ich immer das Gefühl, dass viele vergessen wie es mit ihren Kindern früher war. Ich erinnere mich noch sehr gut daran das ich von meinen Eltern auch mal schreien gelassen worden bin, heute wenn mein Kind auch nur den geringsten laut von sich gibt wird man sofort doof angeguckt oder bekommt sogar doofe Sprüche zu hören. Wenn ich so Sachen gesagt bekomme wie „lass den armen Mann doch sein Hobby er arbeitet ja auch den ganzen Tag, du bist ja nur Mutter“ oder „ er kommt ja nie mit uns feiern seitdem ihr ein Kind habt, hätte ich so eine Freundin dann könntest du dein Kind allein erziehen“ dann bringt mich das zur Weißglut. Ich denke was sollen wir Frauen denn noch alles machen ?
    Wenn der Partner am arbeiten ist muss unsereins Haushalt, Küche, Kind, Haustiere, Finanzen, Post, Einkäufe … und viele mehr machen und wenn der Werte her es dann endlich mitten in der Nacht nach Hause Schaft dann können wir noch 10 mal aufstehen da das Kind Hunger hat oder die Windel voll ist.
    Ja und dann noch arbeiten gehen dazwischen. Und das würdigt keiner ! Stattdessen heist es immer wieder der arme man. Aber warum ? Ich meine ja arbeiten nimmt viel Zeit in Anspruch aber hallo ich würde sofort Vollzeit wieder arbeiten wenn ich tauschen könnte. Lieber ein chilligen Tag auf der Arbeit als der ganze Stress zuhause. Jeden Tag denke ich abends wo ist bloß die Zeit heute geblieben? Wie viel heute wieder liegen geblieben ist omg. Leider habe ich oft das Gefühl früher war es auch so oder schlimmer es war auch nich alles pick fein Sauber und die Kinder mussten auch was machen nur heute sehen die Leute das nicht mehr oder wollen es nicht sehen. Das Ideal einer Frau ist viel zu hoch angesetzt und der Mutter Job zu wenig gewürdigt. Ich sehe mich trotz Partner wie eine alleinerziehende Mutter an da mein Partner der Vater der kleinen sich nur kümmert wenn er besuch hat. Dann kann man seine kleine ja schön rum zeigen. Und ich muss dazu sagen ich bin keine Frau die das so wortlos hinnimmt nein ich kämpfe jeden Tag mit dem Vater sagen ihm immer wieder er muss pünktlich sein und zuverlässig. Leider stoße ich hier auf uralte ideale. Ja früher ging es auch Haushalt und Kinder da haben sämtliche ältere Frauen die ich kenne und sprechen konnte recht nur haben die nicht noch arbeiten müssen um ihre Miete zahlen zu können oder essen kaufen zu können.
    Zum guten Schluss muss ich sagen ich stimme dir voll und ganz zu jede Frau muss selbst das Ideal einfach ein wenig ausblenden um die Gesellschaft ein Stück weit auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen.

    • Liebe Vanessa, es ist traurig, wie viele Frauen so fühlen. Ich kann ich super gut verstehen und bin ein bisschen schockiert von dem, was du da schreibst. Aber Kommentare wie der deine motivieren mich, mehr in diese Richtung zu schreiben. Wenn über Mütter und ihre Gefühle mehr berichtet wird, bekommt das Thema mehr Aufmerksamkeit. Ich wünsche dir alles, alles Gute und freue mich, wenn du mal wieder hier vorbei schaust. Du bist in jedem Fall nicht alleine mit deinen Gedanken. Liebe Grüße von Laura

  8. Liebe Laura, vielen Dank für deine Worte! Ich selbst befinde mich auch in dieser inneren Zerreisprobe, oft in einer unendlichen Traurigkeit und wünsche mir nichts sehnlicher als wieder etwas Leichtigkeit und Freude im Alltag mit meinen beiden Kindern zu haben. Im Spätsommer diesen Jahres habe ich den Mut zusammen genommen und angefangen offen darüber zu kommunizieren, dass ich nicht mehr kann und all meine Kraftreserven aufgebraucht sind. Einiges hat sich auch dadurch auch bei meinem Mann getan, er sieht jetzt selbst, dass die Zeit mit den Kindern in diesen jungen Jahren wichtiger ist als die Zeit im Büro (berufliche Veränderung steht an). Ich selbst gehe mit beiden Kindern Anfang nächsten Jahres zur Kur und hoffe sehr dort meine Akkus wieder auftanken zu können… Dennoch habe ich Angst all das nicht zu schaffen. Aber es tut verdammt gut darüber zu sprechen und damit den Druck von einem selbst zu nehmen immer perfekt sein zu müssen!

    • Liebe Julia, wie wichtig ist es, dass wir darüber sprechen, das erlebe ich hier auf dem Blog tagtäglich. Danke, dass auch du erzählst und ich werde das Thema weiterhin hochhalten. Es sind so viele Mütter, die sich überlastet fühlen und die den Druck erfahren. Daran müssen wir gemeinsam etwas ändern. Reden ist der erste Schritt. Alles Liebe für dich. Kur ist übrigens auch ein Projekt von uns für nächstes Jahr. Ich werde berichten!

  9. Liebe Laura,
    Vielen Dank für deinem wertvollen Text über dieses wichtige Thema.
    Ich sehe das ganze auch in einer gesamtgesellschaftlichen Perspektive und sehe einfach, dass sich vor allem in westdeutschen Bundesländern Strukturen grundlegend ändern müssen, um eine echte Gleichberechtigung von Frauen und Männern bzw Müttern und Vätern zu ermöglichen.
    Ich selbst lebe mit meiner Frau und unserer 4jährigen Tochter in Berlin in einem Haus mit dem Papa der Kleinen, wir teilen uns so gut es geht alle Aufgaben in Haushalt und Kindererziehung. Ich arbeite als Erzieherin, kenne also sowohl die Perspektive der Mutter, die an besonders stressigen Tagen das Kind hustend in die Kita bringt und sich schwört, es dann eben etwas früher abzuholen (10 gesetzlich vorgesehene Kind-krank-Tage fürs ganze Jahr sind mit Kitakind einfach zuwenig), als auch das der Erzieherin, die bei jedem verrotzten Kind Angst hat, dass sich jetzt wieder andere Kinder und Kollegen anstecken und ich nächste Woche die Gruppe allein betreue weil einfach Personal fehlt.
    Meine guten Freundinnen in Bayern haben da noch ganz andere Sorgen. Die teilweise horrenden Kitagebühren, die Fahrtwege und der Hauskredit lassen viele modern denkende heterosexuelle Paare, kaum dass sie Eltern sind, in traditionelle Rollenmodelle fallen. Sie fangen an zu rechnen (wer würde das nicht?) und dann bleibt entweder die Frau gleich zuhause weil ihr Teilzeit-Verdienst für die Kita draufgehen würde, oder sie arbeitet 30 Stunden und schmeißt zuhause alles, damit Er länger arbeiten und möglichst Karriere machen kann, um die Familie zu ernähren und den Kredit zu bezahlen. Alles für mich nachvollziehbare Entscheidungen, und das Grundproblem liegt für mich nicht in diesen Entscheidungen, sondern in den Strukturen die eigentlich nur diese Entscheidungen ermöglichen. Chancengleichheit und Wahlfreiheit sehen anders aus!
    Danke, dass du darüber schreibst, ich freue mich auf mehr.

    • Liebe Anne, ich danke dir für deinen langen Kommentar. Tatsächlich sehe ich wie du, dass die traditionellen Rollenmodelle eines unserer großen Probeme sind. Wir sind modern und frei, gleichberechtigt und gleichwertig – bis Kinder dazu kommen. Wie viele meiner gut ausgebildeten Freundinnen schwingen zu Hause den Staubsauger und würden so gerne arbeiten. Männer dagegen üben ihren Beruf aus, ohne darüber nachzudenken, dass auch sie die Möglichkeit hätten, in Teilzeit zu arbeiten und mehr zu Hause zu sein. Klar, dann sieht es oft finanziell nicht mehr so dufte aus, aber was ist schon ein Zweitwagen oder ein feiner Hotelurlaub gegen Familienglück und zufriedene Eltern? Liebe Grüße von Laura

  10. Hallo Laura,
    wo bleiben bloß die Männer, die ja die Väter der Kinder sind, in all diesen Artikeln und Beiträgen? Wir leben doch in gleichberechtigten Zeiten (oder etwa nicht?). Wenn er Vollzeit arbeitet ( 40 Stunden, entspricht im folgenden Beispiel ca. 2 Drittel der gemeindschaftlich erbrachten außerhäusigen Arbeitszeit) und sie Teilzeit (20 Stunden, also 1 Drittel) – dann muss er im Umkehrschluss 1 Drittel Haushalt/Kinder regeln und die Frau 2 Drittel, was sie schon längst und seit Jahren macht. – So viel zur Theorie.
    Bei 1 Drittel Zuständigkeit für ihn, den Vater, kommt doch so manche Wäscheladung, Kinderbegleitung oder Essensvorbereitung auf ihn zu. Aber macht er das auch? Bringt er so viel Zeit für die „Familie“ auf? Ich befürchte, dass hier viele Frauen viel zu bereitwillig ihren Gatten in den Schutz nehmen und ihm zu wenig abverlangen (wie auch ihren Kindern). Der arme Mann ist erschöpft. Das ist unschön. Du, als Mutter und Frau, bist absolut am Ende deiner Kräfte, vollkommen ausgelaugt und kannst dich nicht (wegen „nur“ Teilzeit) ganz so stark in berufliche Verpflichtungen verpissen. Aber du bringst seit Jahren weit mehr als 100 %. Aber na ja. Wird schon.
    Die Existenz modernen Haushaltshaltgeräte ersetzt doch nicht das Windelwechsel, Essenkochen, Einkaufen, Kinder auf ihren Wegen begleiten und Gute-Nacht-Geschichten-Vorlesen! Von diesen Geräten profitieren Mann und Frau. Die übrig bleibende Zeit ist das, wovon hier gesprochen werden sollte, die Zeit für Kinder. Und die bleibt, in welcher Drittelung auch immer, übrig für: Mann und Frau!

    • Liebe Kirsten, ich gebe dir absolut recht, bei allem, was du schreibst. Ursprünglich hatte ich im Text am Ende einen weiteren Punkt: denn auch ich fordere, dass Männer zuhause mehr mithelfen und anstelle ihre Kräfte in ihre Karriere zu buttern, wie es einige Papas nur zu gerne tun, die Frau zuhause zu unterstützen. Und genau wie du bin ich der Meinung, dass Männer auch bei einem Fulltime-Job mitanpacken müssen. Früher hieß es, der Mann muss sich nach der Arbeit ausruhen. Zumindest bei uns zuhause ist es so, dass ich mich abends nach dem Kinderhüten meist mehr ausruhen muss als mein Mann. Zum Glück habe ich einen Partner, der mich total unterstützt und ich fordere das auch von ihm. Bei vielen Freundinnen erlebe ich, dass sie das nicht einfordern. Da steckt das alte Bild in den Knochen, wie im Text beschrieben. Ich habe mich entschieden, diesen Punkt aus dem Text rauszulassen. Es sollte sich nur um die Gefühle der Frauen drehen. Hätte ich meinen Punkt drin gelassen, wäre die Diskussion wieder davon abgewichen. Sei aber versichert: das Thema kam hier bereits zur Sprache und wird es auch im nächsten Jahr. Auf Facebook haben sich auf meine Anfrage, wer sich von den Eltern die Arbeit (Haushalt und Job) teilt, viele gemeldet. Darüber berichte ich im neuen Jahr, denn es ist für mich in vielen Fällen der einzige Weg, nur leider nicht immer möglich, besonders wenn Familien mit dem Geld knapsen müssen. Schau doch mal auf meinem Blog auf diese beiden Texte: https://heuteistmusik.de/was-keiner-sieht/ und https://heuteistmusik.de/was-keiner-sieht-vol-2/
      Ich danke dir für deinen Kommentar, der mir aus der Seele spricht. Alles Liebe von Laura

  11. Hallo Laura,
    Ich bin Mutter einer zweijährigen Tochter, arbeite fast Vollzeit und kenne das Problem auch- wenn es knapp wird, sind es unterm Strich meistens die Mamas die Situation retten müssen (Geschenke besorgen, den leeren Kühlschrank füllen, etc.), damit die Familie läuft. Das kann super anstrengend sein!
    Schade finde ich dennoch, dass einige hier schreiben, dass mit ein Problem ist, dass sich heutzutage alles um die Kinder dreht. Das Problem auf die Kleinsten in der Familie auszulagern und ihre Bedürfnisse hinten anzustellen ist ja auch keine gute Lösung! Früher liefen die Kinder nebenher, mag sein, aber früher war eben auch nicht ALLES besser
    Die richtige Balance zwischen allen Bedürfnissen ist aber nicht so einfach…

  12. Liebe Laura, danke, das ist ein so wichtiges, allgegenwärtiges Thema, welches mich regelmäßig auf die Palme bringt! Ich ärgere mich über viele Aspekte: die Frauen selber, die in so vieler Hinsicht um jeden Preis einem bestimmten Ideal entsprechen wollen und dabei, wie ich finde oft die „falschen“ Prioritäten zu ihren eigenen Ungunsten setzen. Beispielsweise gilt es einen perfekten Haushalt vorzuweisen, was eher dem Ideal einer 50er- Jahre Hausfrau entspricht (ganz anders als in den 80er Jahren, wo zumindest in alternativen Kreisen Frauen auch Beruf und Kind vereinen mussten, aber ein unperfekter Haushalt fast schon zum Selbstbild der Frau gehörte).
    Ich selbst ertappe mich zum Beispiel dabei, dass ich auch deshalb keine Hilfe von Freundinnen annehme, weil gerade wenn’s besonders schlimm ist, das Haus meiner Ansicht nach nicht vorzeigbar ist…
    Zum anderen sind da die hier auch schon oft erwähnten gesellschaftlichen Strukturen, die Männer und Frauen, sobald Kinder da sind, in die alten Rollen verweisen. Aber hier fände ich es angebracht, dass Frauen ihre Männer mehr fordern! Auch da geht es wohl um das Thema Prioritäten, da eine Veränderung der Arbeitsverteilung leider definitiv weniger Sicherheit bedeutet. Aber wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann, lohnt es sich! Wir haben mit 2 Kindern nahezu alle Modelle durch, und am besten für alle war unterm Strich immer, wenn wir nahezu das Modell 50/50 hatten. Nur der Haushalt funktioniert nicht ganz nach diesem Modell – was mitunter auch an meinem grundlos hohen Anspruch liegen mag 😉

    • Liebe Lea, du fasst es genau zusammen und ich werde künftig noch einmal einen Text dazu schreiben, bei dem ich dich mit oder ohne Namen gerne zitieren möchte. Wäre das ok? Vielleicht könnte ich dir noch ein paar weitere Fragen zu euren Versuchen stellen? Danke dir und liebe Grüße

  13. Liebe Laura! Dein Text spricht mir aus dem Herzen. Ich habe den Beitrag von FrauTV kürzlich das zweite Mal gesehen. Wir Frauen heute stecken echt in einem Dilemma. Hilfe von außen gibt es oft zu wenig, nicht nur, weil wir für unsere guten Jobs weit von der Verwandtschaft fortgezogen sind. Ich selber spüre einen immensen Druck und habe ständig das Gwfühl, in allen Bereichen zu scheitern. Es wird einem sogar von außen suggeriert – manchmal sogar vom eigenen Ehemann. Aber natürlich nicht von allen und deswegen sind Texte wie Deiner so wichtig. Darf ich ihn auch rebloggen?

    • Danke dir für deinen lieben Kommentar. Na klar, darfst du den Text rebloggen, teilen, weiterleiten – was auch immer. Ich freu mich darüber. Liebe Grüße von Laura

  14. Liebe Laura, danke für den tollen Artikel. Es tut so gut zu hören, dass es anderen auch so geht! Ich bin Mama einer dreijährigen Tochter und arbeite quasi Vollzeit (eigentlich „nur“ 30 Stunden, aber wenn man ehrlich ist, dann mache ich einfach den gleichen Job wie vorher, nur in weniger Zeit und mit weniger Geld). Den Haushalt schmeiße ich alleine, da mein Mann unter der Woche so gut wie nie zu Hause ist. Und manchmal ist es einfach zu viel. Dann ist da als allererstes das schlechte Gewissen, wenn ich mal wieder nicht so geduldig mit meiner Tochter bin, wie ich es eigentlich sein möchte. Oder wieder mal viel zu kaputt bin, um noch abends um 8 enthusiastisch mit ihr Verstecken zu spielen. Dann kommen sofort die Zweifel, ob das alles richtig ist, wie es läuft. Vielleicht bin ich ja doch eine Rabenmutter, weil ich eben nicht mit meinem Kind zu Hause bleibe? Mein Verstand sagt mir natürlich, dass dem nicht so ist – aber tief im Inneren sind da immer diese Zweifel, die an mir nagen… aber was ist die Lösung? Mein Mann kann durch seine Selbständigkeit erstmal nichts an seinen Arbeitszeiten ändern. Soll ich meinen Job aufgeben? Eigentlich möchte ich das nicht.. Soll ich mir einen anderen Job suchen? Ich habe mir die Position, die ich habe hart erarbeitet – soll ich wirklich wechseln und Gehaltseinbußen etc. in Kauf nehmen?

    Es ist definitiv ein gesellschaftliches Problem! Ja, wir haben eine Kita mit tollen Öffnungszeiten (die wir teuer bezahlen), aber reicht das um Familie und Beruf zu vereinbaren? Ganz sicher nicht!

    • Liebe Sandra, ich kenne deine Gedanken so gut und ich bin auch deiner Meinung: es muss sich in der Gesellschaft etwas ändern. Ich wünsche mir so sehr, dass meine Tochter mal nicht unter diesem Dilemma leidet. Liebe Grüße, Laura

  15. Hallo,

    ich, 31, eine 17 Monate alte Tochter, habe den Artikel mit Erleichterung gelesen, weil ich nicht alleine bin mit meinen Gefühlen.

    Ich und mein Mann wohnen zur Miete in einer Stadt und leider kümmert sich die hier vorhandene Verwandtschaft nicht umeinander. Mein Mann geht arbeiten und somit bin ich viel allein mit unserer Tochter. Da ich mir ein zweites Kind wünsche, aber für alles Verwandte und Freunde aus der Ferne „rekrutieren“ muss, frage ich mich natürlich, wie ich es mit zwei Kindern schaffen soll. Ein Einzelkind finde ich aber schrecklich. Außerdem versuche ich mich in der Kinderzeit beruflich weiterzubilden, was mit Kind und Haushalt ganz schön schwierig ist.

    Alles in allem eine verzwickte Situation. Irgendwann wollen wir umziehen, aber erst, wenn ein adäquater Ersatzjob für meinen Mann vorhanden ist.

    Ich finde es sehr schade, dass die Familien so auseinanderfallen und verstreut wohnen. Eine der vielen Kritikpunkte meinerseits an unserem „modernen Lebensstil“. Früher hatte man eben Schwiegermütter, Omas und Opas, Onkel, Tanten, Nichten, Neffen, Cousins und Cousinen zum Aufpassen und Erziehung teilen vor Ort.

    Außerdem wurde mit Sicherheit nicht so ein Bohei um das Kind veranstaltet. Heutzutage muss man ja schon aufpassen, dass nicht irgendein überfürsorglicher Nachbar das Jugendamt informiert, wenn das Kind mal öfters lauthals schreit und die ganze Bude zusammenbrüllt, weil es einen Trotzanfall hat. Auch im schärferen Ton das Kind maßregeln oder schimpfen wird regelrecht sanktioniert. Ein Erziehungsstil, wie er heute propagiert wird, ist einfach suuuuper anstrengend. Nach Bedürfnissen erziehen ist ja schön und gut, nur…. wo bleiben da die Bedürfnisse der Menschen „Mutter“ und „Vater“??? Es kann doch nicht das Ziel sein, dass Eltern am Stock gehen und Kinder auf dem Königsthron sitzen und nur noch gepampert werden….. Liebe, Zuwendung und Fürsorge, JA BITTE!!! Aber bitte auch die Bedürfnisse aller respektieren und berücksichtigen.

    So danke, jetzt konnte ich mich mal auslassen. 🙂

    Allen einen schönen Tag.

    LG

    • Liebe Ellen, ich freue mich, dass dir der Text gefallen hat. Aber es ist wirklich schlimm, dass es so vielen Frauen schlecht geht. Ich kann deine Gedanken gut nachvollziehen und merke immer mehr, dass sich was ändern muss. Hunderttausende Familien leiden unter dieser Zerrissenheit. Ich wünsche euch alles Gute, deine Laura

  16. Hallo Laura, danke für den Artikel, der mal ein bisschen tiefer schürft und aufzeigt, dass in unserer Gesellschaft einfach der „Innere Antreiber“ und „Perfektionist“ hoch angesehen ist – ob er nun im Familienleben oder Beruf wirksam wird. Was mir fehlt: Was ist mit unseren Männern? Ich finde, dass auch sie gefordert sind für mehr Zeit mit ihren Kindern und Frauen an ihren Arbeitsplätzen und auch im gesellschaftlichen Diskurs einzutreten! Da sagen die Männer immer wieder: Ich würde ja so gerne, aber es geht nicht. Aber so wird sich nie was ändern. Ich glaube, dass in unserer heutigen Zeit, wo eben selten eine Oma oder Tante um die Ecke wohnt die geteilte Kinderbetreuung von Mutter und Vater so gewinnbringend ist. Nicht nur für die Mutter, sondern auch die Kinder. Wir haben zwei Jahre beide Teilzeit gearbeitet und die Zeit, die mein Mann alleine mit unserer Tochter verbrachte hat eine ganz tiefe Bindung zwischen den beiden geschaffen und wir alle Drei haben so davon profitiert. Ich glaube sogar fürs Leben, denn diese kostbare Zeit kann den beiden niemand mehr nehmen.

    • Liebe Eva, ich gebe dir total recht. Ich hatte sogar einen weiteren Punkt unter dem Text, in dem ich die Väter angesprochen habe. Den habe ich gelöscht, weil ich dann ein riesen Fass aufgemacht hätte und es sollte wirklich erst einmal nur um die Frauen gehen. Ich grübele aber schon an einem Text, der sich mal an die Herren der Schöpfung wendet. Hättest du Lust, mir von deinen Erfahrungen zu berichten? Liebe Grüße von Laura

  17. Danke für diese tiefgründigen Worte! Ein sehr interessanter Artikel der zum Nachdenken auffordert und vielleicht doch mal zum Mut anregt, ein wenig jammern zu dürfen…und sich selbst und sein Denken etwas zu korrigieren. Es gibt bei jedem Zeiten ( also den Frauen die ich kenne), da fühlt man sich als Mutter alleine. Warum? Weil wir allzu oft ungnädig miteinander umgehen… Umso schöner zu lesen, wie aufrichtig und herzlich Ihr an das Thema rangeht… Mehr davon liebe Laura. http://www.classicgratefulmom.blog

  18. Eigentlich sollten wir Mütter uns vernetzen, zusammen tun und uns gegenseitig unterstützen gerade wenn die Familie weit weg und/oder nicht verfügbar ist. Aber auch damit habe ich leider schon schlechte Erfahrungen gemacht bzw unverlässliche Erfahrungen. In der Realität ist es leider so, dass sich Mütter untereinander (vielleicht auch unbewusst) zerfleischen. Wie oft musste ich mir beispielsweise anhören, wie ich es nur wagen konnte meine Kinder schon unter einem Jahr in die Krippe mit liebevollen Erzieherinnen zu geben! Oder andere ähnlich Begebenheiten.
    Und ja: wenn ich meiner Oma zu höre, wie es früher war: damals gab ’s Unterstützung von der Familie/Nachbarn/Freunde etc UND die Kinder liefen im wahrsten Sinne des Wortes nebenher. Keine Mutter kam auf die Idee sich mit ihrem Kind in dem Ausmaß zu beschäftigen wie heute! Die Kinder haben sich selber und miteinander beschäftigt und zwar draußen (Straße, Wald, Spielplatz etc). Erst kam der Haushalt, dann der Mann (oder umgekehrt ;-)) und irgendwann die Kinder. Heute sind die Prioritäten anders. Und der Druck auch. Heute muss man alles schaffen: Kinder großziehen (und zwar „richtig“), Haushalt, super Partnerschaft, mega Job (mit Karriere!) und dabei umwerfend aussehen. Das macht uns fertig.
    Eine Lösung ist, sich selbst nicht im Weg zu stehen. Sich aus dem „andere schaffen es auch“ und „was sollen die Leute denken“ rausmanövrieren. Prioritäten setzen was man will und was gerade wichtig ist. Aber genau das ist so verdammt schwer!
    Wo sind die Männer? Was machen die? In den meisten Kommentaren steht, dass der Mann morgens und abends nicht da ist, wegen dem Vollzeitjob. Einer muss ja die Kohle heim bringen. Also machen die Mütter den Rest. Es ist ärgerlich wenn der Mann und Papa nicht in dem Maße unterstützen kann wie es die Familie gerne hätte und bräuchte. Einige Männer sind sicherlich bequem und nutzen gerne das Schlupfloch „Büro“ um dem Chaos und den Verpflichtungen zu Hause zu entgehen. Doch auch die Männer stehen unter Druck. Deren Gehalt alleine reicht heute für eine Familie kaum mehr aus und sie haben Angst ihren Job, der für die Familie so wichtig ist, zu verlieren. Es dauert noch lange, bis sich die verkrusteten Strukturen öffnen und wir alle wirklich gleichberechtigt sein werden.
    Laura, ich bewundere dich, wie du es schaffst mit 3 Kindern einen Blog zu pflegen, selbständig zu sein und uns bei Laune zu halten :-). Ich selber habe null Kraft und Energie nach dem Alltag mit 4 Kindern noch irgendwas zu schreiben (ich bin abends platt ;-)) Mach weiter so! 🙂

    • Liebe Juliana, danke für deinen Kommentar und deine Gedanken. Besonders der letzte Satz hat mich ungemein motiviert! Und ein Hinweis mit den Männern ist berechtigt. Ein Text dazu wird folgen, denn diese Gedanken habe ich auch. Liebe Grüße, Laura

  19. Liebe Laura, ich danke Dir für diesen wunderbaren Mutmachtext. Vor allem dieses Gefühl von „Alle anderen kriegen es doch auch hin…“, das Du beschreibst, macht mir selbst oft sehr zu schaffen. Ich fühle mich oft als Versagerin, weil ich momentan mit einem 6-Jährigen und einem 2,5-Jährigen nicht „wirklich“ arbeite (ich versuche zwar, mich endlich auf den Abschluss einer langjährigen Weiterbildung vorzubereiten, schaffe aber auch da nur wenig) und trotzdem oft das Gefühl habe, dass ich trotz Vormittagsbetreuung auch des Kleinen nicht mal mit dem Haushalt hinterherkomme…Es tut gut, das in Deinem Artikel mal so prägnant zu lesen! Danke nochmal dafür!

    • Liebe Andrea, ich finde, zwei Kinder zu versorgen ist ein Fulltime-Job, also kein Wunder, dass im Haushalt was liegen bleibt. Du wirst das auf jeden Fall schaffen, wenn du eines tust: auf deine Grenzen achten, um Hilfe bitten und schauen, wie viel dich auch der Papa der Kinder unterstützen kann. Wenn du wieder arbeiten willst, dann erst recht. Und lass dir von niemandem ausreden, dass du wieder arbeiten gehst, wenn du dir das wünschst und es dir gut tut. Ihr werdet alle einen Weg finden, da bin ich mir sicher. Ich drücke die Daumen! Alles Liebe, Laura

  20. Wenn ich die Frauen von früher frage, wie habt ihr alles geschafft, kommt irgendwann die Antwort: ach ja, meine Mutter war dreimal die Woche da … meine Schwester und ich haben uns abgewechselt und jede hat die Kinder der anderen genommen … die Nachbarin/ Schwiegereltern ect. hat geholfen… usw usw… und was bei Gesprächen auch raus kommt: wir haben Kinder nicht so wichtig genommen und sie eben auch mal weinen und schreien gelassen.
    Und: wir haben Familienausflüge immer mit anderen zusammen gemacht. Anderen Familien und anderen kinderlosen Verwandten. Heute leben viele Familien weit von eisender entfernt. Und wenn die Kinder krank sind, ist der Chef sauer und wenn man ein erkältetes Kind zur Kita bringt, sind die Erzieher sauer.
    Meine Mutter und ihre Mutter hatten einmal die Woche Zeit für sich… das klappt bei mir leider nicht :))

    • Liebe Ela, tatsächlich ist das Zusammenhalten beim Kindererziehen eigentlich das beste Mittel, aber wer hat heute schon Schwester und Mutter in der Nähe… alleine (tagsüber) Kinder groß zu ziehen ist ein ziemlich harter Job. Es wäre zu schön, wenn Mütter mehr Unterstützung hätten. Vielleicht ist es eine Lösung, wenn sich Freundinnnen zusammentun oder sich gegenseitig um Hilfe bitten? Liebe Grüße von Laura

  21. Liebe Laura, darf ich diesen tollen Beitrag rebloggen? Ich würde mich freuen, denn er spricht mir aus der Seele. Liebe Grüße „Mara“

  22. Ich bin Lila, 34 Jahre alt, ein Kind (Alex, 3 1/2) und wohne mit meinem Mann in der Nähe von Karlsruhe. Ich habe den Artikel mit Aufmerksamkeit gelesen denn ich bin jetzt schwanger und frage mich, wie Belastung zunehmen wird, wenn das zweite Kind da ist. Vor allem will ich meine Nebentätigkeit in den kommenden Jahren ausbauen.
    Ich denke, dass es oft schwer ist, uns einzugestehen, dass wir eben nicht alles alleine schaffen. Viel Druck kommt, weil Hilfe holen – im Form einer Haushaltshilfe oder Babysitter oder Gärtner etc. – als eine Art „Versagen“ angesehen wird. Hilfe holen ist aber menschlich, schon seit immer verlassen sich Menschen – vor allem Frauen – auf ihre Netzwerke – um den Alltag zu bewältigen. Nur in unserer modernen Gesellschaft mit dem Individuum im Mittelpunkt gehen Mann und Frau davon aus, dass wir eine Art Superhero sind und alleine die Welt retten.
    Ich hätte die ersten Jahren mit Alex ohne meine Mutter, mein Mann, Haushaltshilfe und gute Freunde nicht bewältigen können und bin ihnen allen sehr dankbar.
    Um Hilfe bitten ist ein Zeichen von innerer Stärke, nicht Schwäche.

    • Liebe Lila, ich danke dir für deine Anmerkungen. Uns fällt es tatsächlich schwer. Sogar ich ertappe mich manchmal bei dem Gedanken: jetzt hast du wieder deine Eltern um Hilfe gebeten, dabei sind es DEINE Kinder. Eigentlich totaler Quatsch. Vor allem dein letzter Satz ist sowas von wahr. Alles Liebe, Laura

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