Béa vom Blog Tollabea hat neulich gefragt, ob Kinder klare Ansagen brauchen. Da wurde dann viel diskutiert, wie das nun einmal so ist bei Erziehungsfragen. Und natürlich habe ich mir auch so meine Gedanken gemacht. Klare Ansagen, mache ich die? Ehrlich gesagt, ja. Ich würde hier nicht behaupten, dass die Kinder sie brauchen, aber leider brauche ich sie.

Warum ich an die Decke gehe

Wie du vielleicht weißt, halte ich viel von bedürfnisorientierter Erziehung, von gewaltfreier Kommunikation und Ansprache auf Augenhöhe. Es gibt aber am Tag mindestens einen Moment, da lasse ich die gute Kinderstube hinter mir und mache eine ordentliche Ansage. Nicht weil ich es für pädagogisch richtig oder wertvoll halte, sondern weil es sein muss. Ich wurde von Natur aus nicht mit grenzenloser Geduld gesegnet, bemühe mich aber jeden Tag. Zum Beispiel versuche ich ruhig zu bleiben, wenn eines meiner Kinder die Schuhe anzieht. Das kann bei einem von den Dreien gerne mal zehn Minuten dauern. Denn während das Kind in aller Seelenruhe die Schuhe zunächst einmal sucht, dann gaaaanz langsam alle Klettverschlüsse einzeln löst, um sie dann umständlich in die Schlaufen zu friemeln, erzählt es auch noch alle möglichen Dinge, die ihm im Kopf rumschwirren. Das hält ihn dann vom Friemeln ab und ich verweise auf die Zeit, die knapp ist. Dann gebe ich den Ratschlag, dass es schneller gehen könnte, wenn das Kind sich konzentrieren und nicht reden würde. Als nächstes bitte ich flehentlich und erwähne den Zahnarztstuhl, auf dem wir in fünfzehn Minuten sitzen müssen. Dann kommt, was kommen muss – eine Ansage: „Jetzt quatsch nicht, sondern mach. Wir müssen los, sonst kommen wir zu spät. Du machst mich wahnsinnig.“ Das hören dann nicht nur die Nachbarn, sondern auch alle anderen Anwohner im Umkreis eines Kilometers.

Stress, Ärger, Wut und Angst: Boten einer Ansage

Ansagen mache ich immer dann, wenn ich gestresst oder verärgert bin. Manchmal ist das Chaos im Kinderzimmer so riesig und die Motivation der Kinder, da Ordnung reinzubringen, winzig klein. Wenn ich dann über einen Tischkicker fliege oder in Legosteine trete, dann gibts eine Ansage. Oder wenn es beim Abendessen wieder zugeht wie bei Hempels. Wenn Becher umkippen, massenhaft gekrümelt wird und beim Essen der Mund sperrangelweit offen bleibt.

Ansagen gibts auch dann, wenn es gefährlich wird und die Kinder nicht hören. Wenn ein Kind verträumt durch die Gegend schaut und vergisst, links und rechts zu gucken. Da kriege ich es dann mit der Angst zu tun und die löst immer wieder Ansagen aus, die es in sich haben. Ich bin dann oft außer mir, weil sich in meinem Kopf die schlimmsten Unfälle abspielen. Das setzt mein Denkvermögen dann außer Gefecht und ich tobe wie ein Rumpelstilzchen.

Müssen Ansagen sein?

Bringts denn was, die Ansage? Ja, hin und wieder. Wenn die Kinder sich erschrecken und dann schnell machen, was ich sage. Finde ich nicht so doll, wenn sie erschrecken. Daraus lernen sie auch nichts. Und manchmal werden sie dann selber sauer, es gibt mehr Schreierei und Vorwürfe, Wut und Gezicke auf allen Seiten. Auch nicht so prima. Schöner wäre es gewesen, wir hätten das alles in Ruhe gelöst. Aber manchmal gehs einfach nicht anders.

Ich glaube, es funktioniert einfach nicht ganz ohne. Weil Ansagen entweder wichtig sind, um Gefahren vorzubeugen oder weil sie wichtig sind, um den Wutpegel der Eltern zu verdeutlichen. Am Ende sind wir auch nur Menschen und Kinder möchten diese Menschen kennen. Daher fordern sie vermutlich die Wut auch manchmal heraus. Wie weit kann ich gehen, bis die Mama ausflippt? Ich denke, das ist ganz normal. Die Kinder träumen, wir wollen los. Die Kinder möchten alle Spielsachen im Raum verteilen, wir brauchen Ordnung. Ab und an krachen diese verschiedenen Bedürfnisse gegeneinander und entladen sich in Ansagen mit anschließendem Streit. Ich finde, so lange wir in den Ansagen kein Kind runter machen oder abwerten und uns versuchen, so lang es geht in Geduld zu üben, ist das ganze auch nicht schlimm. Ansagen bringen meist nicht viel, aber ich fühle mich ein wenig erleichtert, weil ich meine Wut ausdrücken kann.

Im Übrigen machen auch meine Kinder hin und wieder eine Ansage, und das ist auch ok. Es drückt aus, dass gleich eine Grenze überschritten wird oder das bereits passiert ist. Es ist kein pädagogsch wertvolles Mittel, aber ich bin auch keine Pädagogik-Expertin, sondern eine ganz normale Mama, die tut was sie kann. Kinder, die sich außerdem auch mal in Form einer Ansage ordentlich beschweren dürfen, wissen, dass sie gehört werden. Sie wissen, dass ihre Meinung zählt und wir respektieren, wenn auch ihr Geduldsfaden mal reisst.

Was sagst du dazu? Gibts bei dir hin und wieder auch mal eine ordentliche Ansage? Ich bin gespannt auf eine Diskussion. Danke an Béa für dieses spannende Thema, das hat mir sehr gefallen. Diese kleinen Fragen des Alltags bewegen uns im Punkt Erziehung doch am meisten!

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

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9 Comments

  1. Ich schimpfe tatsächlich relativ wenig, aber das liegt auch daran, dass ich meine Tochter nur zur Hälfte der Zeit bei mir habe. Bei 0,5 Kindern reichen – keine Kunst – die Ressourcen recht weit. Meine Tochter ist allerdings eine Trödeltante, verbunden mit starkem Verhandlungswillen, und alle paar Tage greife ich auf Ansage-Techniken zurück, wenn trotz Erklären kein Erfolg in Sicht ist: sei es „Das diskutiere ich nicht, das ist jetzt so.“ oder „Ich zähle bis drei!“ oder ich schleppe das Kind halt ins Bad oder Ähnliches. Aber ich versuche, das nicht zu oft zu machen, weil ich mich dann nicht als die Mutter fühle, die ich gerne sein möchte.

    • Ich weiß, was du meinst. Mir geht es ebenso. Es ist auch echt nicht einfach, immer ruhig und freundlich zu bleiben. Vielleicht ist es auch gut so, wie es ist. Die Kinder erkennen, dass auch wir nur Menschen sind. Liebe Grüße

  2. Ich finde den Text gut. Ich denke es gibt nur ganz wenige Menschen, die es tatsächlich schaffen ihre Kinder ohne Ansagen und gelegentlichen Wutausbrüchen zu erziehen. Eine Psychologin hat mir mal gesagt wir müssen autentisch bleiben und unseren Ärger transportieren. Wenn wir wütend sind müssen wir das auch entsprechend zeigen (sonst spüren das die Kinder und nehmen uns nicht ernst) und klare Ansagen sind in solchen Fällen wichig. Das gilt natürlich in beide Richtungen.

  3. Da gibt es gar keine Diskussion drüber zu führen. 100%ige Zustimmung in allen Punkten. Ich liebe deine Texte! Danke dafür! <3

  4. Toller Text, liebe Laura!
    So bin auch ich…jeden Morgen sage ich mir, heute bist du den ganzen Tag verständnisvoll und bleibst ruhig. Doch mindestens einmal am Tag tobe ich und schimpfe ganz doll! Danach tut es mir immer ein wenig weh. Aber in diesem Moment platzt es einfach aus mir heraus und ich kann nicht anders!
    Ich denke, die Kinder müssen uns innallen Facetten kennenlernen, dann ist es nicht so schlimm!
    Morgen früh wieder…ich werde ruhig bleiben!
    Liebe Grüße
    Melisande

  5. Oh ja, liebe Laura, ich erkenne mich mal wieder vollständig wieder in diesem Text. Und ich bin froh, dass du so offen und ehrlich darüber schreibst.
    Wie oft wünsche ich mir, dass ich gelassener werde… Aber ein wesentlicher Punkt bei meiner Situation und Konstellation ist auch, dass ich im Prinzip 24/7 immer jemanden um mich habe… Mir fehlt unglaublich viel Zeit für mich ganz alleine. Und das macht mich zusätzlich zu all den anderen Faktoren, die du genannt hast, nervös. Dann werde ich ungeduldig mit mir, mit dem Mann und mit den Kindern. Das mag ich nicht und es macht mich traurig. Aber ich weiß momentan einfach nicht, wie ich mehr Entlastung und Zeit für mich bekommen könnte…
    Unperfekte Grüße
    Christine

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