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In den letzten Wochen kamen meine Kinder ganz unabhängig voneinander zu mir und wollten etwas wissen. Jimmy interessierte sich für das Wort mit F, das er in der Schule gehört hatte und Luise fragte nach, wo denn jetzt genau die Babys herkommen. Jimmy ist sieben, Luise ist fünf, also durchaus alt genug, um mit ihnen Tacheles zu reden. Geschichten von Störchen und Bienen finde ich albern, aber ich war mir bei Luise auch nicht so sicher, welche Details ich lieber rauslasse. Anton zog sich schnell zurück, also nahm ich das Ruder in die Hand und dachte das erste Mal über Aufklärung für Kinder nach.

Das muss mal raus!

Wir standen gemeinsam im Bad und putzten Zähne, als mir Jimmy geheimniskrämerisch und kichernd das Wort mit Fxxx zuflüsterte. Ein bisschen erschrocken war ich schon, aber ich merkte ihm an, dass er selbst wusste, welche Wirkung die paar Buchstaben hatten. Ich fragte ihn, woher er das Wort kennt und er erzählte es mir. In der Schule haben es ein paar Jungs gesagt und außerdem erwähnt, dass das etwas Verbotenes sei. Manchmal wäre ich zu gerne dabei, wenn sich ein paar Siebenjährige unterhalten, dachte ich, und musste mir das Lachen wirklich verkneifen. Dann habe ich Jimmy aber gesagt, dass die Sache an sich überhaupt nicht unbedingt schlimm und verboten sei, jedenfalls nicht für Erwachsene. Allerdings wäre das Wort nicht fein und es gäbe da ganz andere Ausdrücke für das, was gemeint ist.

Wo sind die Grenzen?

Na toll, nun musste ich wirklich zur Sache kommen. Aber in der Tat war mir dieses Thema wichtig, denn ich finde, Kinder haben ein Recht auf Aufklärung und auch auf ihre eigene Sexualität. Noch wichtiger als das Recht auf Wissen ist mir aber in diesem Zusammenhang, dass sie Bescheid wissen über ihren Körper, ihre Grenzen und die Grenzen anderer. Kinder vor Missbrauch zu schützen funktioniert meiner Meinung nach am besten, wenn wir ihnen von klein auf erklären, dass sie der Herr oder die Herrin über ihren eigenen Körper sind. Dass Niemand, auch Mama und Papa nicht, sie anfassen, umarmen oder küssen darf, wenn sie das nicht möchten. Und dass gewisse Körperbereiche unterhalb des Bauchnabels nur von ihnen selbst berührt werden dürfen, wenn sie alleine für sich sind.

Ebenso gilt das für ihre Freunde. Wenn Luises Freundin nicht umarmt werden möchte, muss Luise das akzeptieren. Der zweijährige Oskar ist zur Zeit ein leidenschaftlicher Küsser. Aber nicht alle kleinen Fräuleins finden das toll. Zwar reagiert er momentan beleidigt, wenn ich ihn darauf hinweise, schmeißt sich gar auf den Boden und vergräbt sein Gesicht in den Händen, aber in ein zwei Jahren wird er es noch besser verstehen.

Du Uhrensohn!

Zurück zu Jimmy: er interessiert sich überhaupt nicht für Mädchen, dafür wird er in seinem Verhalten gerade merklich älter. Wer ist größer, besser, schneller im Fußball, wer kann die tollsten Tänzchen auf dem Platz, wenn ein Tor gefallen ist? Und er hat über den Fußball viel Kontakt zu älteren Jungs, die für ihn eine faszinierden Sprache sprechen. Luise ist ein Uhrensohn, rief er neulich durch den Supermarkt und wusste genau, dass er mit diesem seltsamen Wort ein paar Glocken zum Klingeln brachte.

Wir sprachen dann darüber, was das für ein Wort ist, dass es eigentlich anders heißt und was dahinter steckt. Dass es andere Menschen verletzt und beleidigt und Jimmy das Wort lieber schnell aus seinem Wortschatz verbannt. Zuhause durfte er es nochmal sagen, irgendwie musste es raus. Dann war es aber gut. Ich mache mir in dieser Beziehung auch keine Gedanken, denn die Kinder wissen die Macht der Worte einzuschätzen und haben so zu sprechen gelernt, wie wir es hier zuhause machen. Wenn er in Schule und Fußballverein mal mit vulgärem Wortschatz in Kontakt kommt und das eine oder andere Wort ausprobiert, wird es auf ihn lange nicht so viel Einfluss haben wie die Art, wie unsere Familienmitglieder und seine besten Freunde sprechen – respektvoll und einigermaßen gewählt.

Aufklärung im Kindergarten

Als nächstes fing Luise mit dem Baby-Thema an: Wie kommt denn das Baby in den Bauch der Mama, fragte sie. Und weil ich nicht so recht weiter wusste, habe ich mit ihr zwei Bücher aus der Bücherei ausgeliehen: Wir entdecken unseren Körper (Affiliate Link) aus der Wieso Weshalb Warum-Reihe von Ravensburger sowie den Band Woher die kleinen Kinder kommen (Affiliate Link) aus der gleichen Reihe. Hier wird in kindgerechten Worten erklärt, wie das denn so alles wirklich läuft mit den Babys und auch Jimmy hörte interessiert zu.

Irgendwie ist es ja auch für uns Großen manchmal schwierig, die Geschlechtsteile in Worte zu fassen. Meine Freundinnen und ich haben noch bis ins Studentenalter Penis rückwärts gesagt: Sinep. Ganz schön albern, oder? Auch Scheide oder Vagina kam uns nicht über die Lippen. Irgendwie will ich diese Verklemmtheit nicht an die Kinder weitergeben, deshalb lso nennen wir alles beim richtigen Namen. Also nichts gegen lustige Wörter, die sich eine Familie für ihre besten Stücke ausdenkt. Aber im Kindergartenalter dürfen die Kinder schon wissen, wie ihre Geschlechtsteile richtig heißen.

Auch Kinder sind sexuelle Wesen

Witzigerweise habe ich dann ein paar Tage später noch einen spannenden Podcast gehört: Bei SRW2 Wissen lautete das Thema Wie geht gute Aufklärung. Dort wurde spannend und interessant erläutert, wie Kindern verschiedener Altersstufen Sexualität verstehen lernen können. Denn schon kleine Kinder sind sexuelle Wesen, nur eben in einem ganz anderen Sinne als wir Erwachsenen. Es ist auch Quatsch, vor Frühsexualisierung zu warnen, so wie es viele konservative Menschen tun. Im Gegenteil, auch kleine Kinder dürfen Fragen stellen und sollen vernünftige, ihrem Alter entsprechende Antworten bekommen.

Mir ist es außerdem sehr, sehr wichtig, meinen Kindern früh zu erzählen, dass die Welt bunt ist. Dass es Menschen gibt, die das andere Geschlecht lieben, dass es aber auch gleichgeschlechtliche Liebe gibt. Dass sogar Menschen auf die Welt kommen, bei denen nicht klar ist, ob sie männlich oder weiblich sind und die das dann im Laufe des Lebens erst rausfinden. Einige Menschen finden es nie raus und wollen auch keines von beidem sein. Dass das am Ende aber alles völlig egal ist und meine Kinder in ihrem Gegenüber einen individuellen Menschen mit Gefühlen sehen, das ist das, was zählt.

In Sachen Sexualität zählt also vor allem der Respekt voreinander und das Wahren der Grenzen jeder Person. Viel mehr als der Inhalt der beiden Bücher aus der Bücherei müssen Jimmy und Luise dann auch erst einmal gar nicht wissen. Wenn sie älter sind und jugendlich, schaffe ich mir ein weiteres Buch an. Make love (Affiliate Link) von Ann-Marlene Henning. Es wird eine Zeit kommen, da möchten sie mit mir nicht mehr über solche Themen reden und dann ist ein verbünftiges Buch im Schrank viel wert.

Ganz wundervolle Ideen für Aufklärung von Kindern hat auch Susanne vom Blog Hallo liebe Wolke. Sie macht das ganz wunderbar und einfühlsam, finde ich. Schau mal hier nach. Wie machst du das denn so mit deinen Kindern? Hast du weitere Buchtipps, Links oder Ideen?

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Ps.: Ich habe noch tolle Tipps von anderen Eltern bekommen. Ganz viele sind begeistert von dem Buch Peter, Ida und Minimum. Familie Lindström bekommt ein Baby (Affiliate Link) und hier ist noch ein toller kleiner Film von Löwenzahn. Aber Achtung: auf Youtube immer vorher selber mal gucken, ob der Film für die Kinder geeignet ist und sie nicht mit dem Tablet oder dem Handy alleine lassen. Da werden danach nämlich die schlimmsten Empfehlungen angezeigt. Mehr zur Gefahr beim Youtube schauen gibts hier.

Liebe Kinder,

dies ist ein Liebesbrief an euch! Ich finde, es ist mal an der Zeit, einen zu schreiben, denn Liebe kann man nie genug zeigen, oder? Und zwischen uns Vieren kracht es ja auch eine ganze Menge. Morgens gehts los, wenn ihr alle Drei am Tisch sitzt und streitet. Dann fällt immer irgendwann ein Becher um und ich bin richtig genervt von euch. Tagsüber ärgert ihr euch, haut euch und findet das Essen, das ich gekocht habe, doof. Abends wollt ihr weder aufräumen noch ins Bett gehen. Oh man, ist das oft ätzend. Dabei bin ich mir sicher, dass das in anderen Familien genau so ist. Und ich denke, dass sich auch in anderen Familien die Kinder streiten, vor allem, wenn sie wie Luise und Jimmy nur zwei Jahre auseinander sind. Also seid ihr eigentlich ganz normale Kinder, die tun, was Kinder eben so tun. Wenn ich mich also aufrege, dann bin ich so eine normale Mutter, wie eine normale Mutter eben ist – sie meckert ab und zu, weil ihre Nerven angespannt sind.

Ihr macht aber noch etwas anderes, als meine Nerven mit Streit und Gemecker zu strapazieren. Ihr macht mich nämlich die meiste Zeit sehr glücklich. Durch euch habe ich gelernt, dass sich mein Leben nicht um mich dreht. Das Gefühl ist schön, weil wir Erwachsenen oft nach dem Sinn des Lebens suchen. Schnell finden wir ihn dann, indem wir uns um uns selbst sorgen, um unsere Gesundheit, das Aussehen, die Sinnhaftigkeit unseres Jobs oder solcherlei Sachen. Wenn Kinder in das Leben treten, haben Erwachsene gar nicht mehr so viel Zeit, sich dauernd darüber Gedanken zu machen. Und sobald mal ein Kind krank ist, werden alle anderen Probleme sowieso ganz klein.

Weil ich euch habe, denke ich auch mehr an andere. Ich kann mir entfernt vorstellen, wie schrecklich sich eine andere Mutter fühlt, die mit ihren Kindern in ein gefährliches Boot steigt, um in einem anderen Land endlich Frieden zu finden. Ich kann es kaum aushalten, wenn ich im Fernsehen leidende Kinder und Eltern sehe, selbst wenn es um eine fiktive Geschichte geht. Und mir geht das Leid aller Lebenwesen nahe. Zuletzt habe ich beschlossen, so weit es geht auf Kuhmilchprodukte zu verzichten. Die Vorstellung, dass einer Kuh die Kälbchen nach der Geburt weggenommen werden, trifft mich tief im Herz.

Aber auch die Umwelt und deren Zerstörung betrachte ich anders. Denn ich weiß, dass es eure Erde ist, die wir mit Plastik und Abgasen verseuchen. Und der Rechtsruck in unserem Land macht mir Angst. Für euch wünsche ich mir ein tolerantes Deutschland, das Mitgefühl zeigt und Menschen nicht ausgrenzt.

Ich stelle mir außerdem vor, wie es gewesen wäre, wenn eines von euch mit einer Behinderung auf die Welt gekommen wäre. Ich würde mir dann wünschen, dass ihr teilhaben könntet wie alle anderen Kinder. Eines von euch hatte eine gefährliche Blutvergiftung, nur ein paar Tage nach der Geburt. Ich weiß, wie nahe wir an einer Katastrophe dran waren. Alle Eltern mit behinderten Kindern, die möchten, dass ihr Kind nicht ausgeschlossen wird: das hätten wir sein können.

Noch etwas hat sich verändert, nur durch euch. Ich habe viele Ängste. Um euch, um meine Verwandten, um unsere Gesundheit oder Sicherheit im Verkehr. Ich stehe jeden Tag vor der Wahl, ob ich Angst habe vor all dem, was passieren könnte und euch damit anstecke. Oder ob ich meine Ängste verdränge und sie nicht in meinen Kopf lasse, positiv und voller Zuversicht nach vorne blicke, damit auch ihr hoffnungsvoll und optimistisch sein könnt. Damit ihr voller Freude auf den Tag aus dem Haus geht und nicht mit einem Berg voller Bedenken.

Aber ich bin auch ein wenig vorsichtiger. Obwohl ich mit Fahrradhelm richtig bescheuert aussehe, ziehe ich ihn an. Ich möchte, dass ihr so lange es geht eine gesunde Mama habt.

Es gibt im Alltag so viele Kleinigkeiten, über die ich mich ärgere. Manchmal sage ich, dass ihr mir so auf die Nerven geht. Oder dass ich endlich meine Ruhe haben möchte. Vielleicht habt ihr neulich gehört, wie ich meiner Schwester zuflüsterte, dass ich gerne mal für sechs Wochen in den Urlaub fahren möchte – ganz ohne euch. Ihr macht mir das Leben ein bisschen schwer mit eurem Gezanke, der Mäkelei am Essen und diesem Gemecker und Geheule. Und ihr seid gleichzeitig das wunderbarste und wertvollste Geschenk, das mir das Leben machen kann. Ich bin glücklich, dass ich eure Mutter sein darf und dass ihr mich zu einem besseren Menschen gemacht habt.

Eure Mama Laura

Diesen Text schreibe ich für die Kampagne #LiebesbriefanmeinKind anlässlich des Weltkindertags, die Stefan vom Blog Vaterfreuden initiiert hat. Er spendet pro online gestellten Blogpost/Liebesbrief 1,00 Euro an das deutsche Kinderhilfswerk!

#Weltkindertag  #BlogparadeVaterfreuden #LiebesbriefanmeinKind

Hier findest du noch mehr der schönen Liebesbriefe:

https://rubbelbatz.de/liebesbrief-an-meinen-sohn/

https://www.facebook.com/beauty.mami.blog/posts/1929277153785400

https://schaumalher.blogspot.com/2018/09/blogparade-zum-weltkindertag.html

https://kuchenerbse.de/lass-uns-eine-zeitkapsel-bauen-liebesbrief-an-mein-kind/

https://mamablog-mamamichi.com/2018/09/23/liebesbrief-an-meine-kinder-blogparade-zum-weltkindertag/

https://heuteistmusik.de/liebesbrief-an-meine-kinder/

https://drachenmama-trotzkopfkind.jimdofree.com/2018/09/18/liebesbrief-an-mein-kind/

https://www.mumslife.de/mein-liebes-maeusekind/

https://sabirella.blogspot.com/2018/09/weltkindertag-liebesbrief-kind.html

https://www.einfachlosgebloggt.de/2018/06/27/liebesbrief-an-meine-tochter/

https://www.youtube.com/watch?v=H-llVZ2UoPs&feature=youtu.be

https://www.vegane-familien.de/ein-liebesbrief-an-meine-kinder/

https://mamastehtkopf.de/2018/09/20/liebesbrief-an-meine-kinder/

https://youdid.blog/15-jahre-mamaglueck-brief-an-meine-tochter/

https://www.mintundmalve.ch/single-post/2018/09/14/hier-sind-wir-oliver-jeffers

https://www.vatersohn.blog/ein-brief/

https://ploetzlich-mami.wixsite.com/blog/single-post/2018/09/16/Ein-Liebesbrief-an-mein-Kind

https://www.chaosandqueen.de/liebesbrief-an-mein-kind/

Béa vom Blog Tollabea hat neulich gefragt, ob Kinder klare Ansagen brauchen. Da wurde dann viel diskutiert, wie das nun einmal so ist bei Erziehungsfragen. Und natürlich habe ich mir auch so meine Gedanken gemacht. Klare Ansagen, mache ich die? Ehrlich gesagt, ja. Ich würde hier nicht behaupten, dass die Kinder sie brauchen, aber leider brauche ich sie.

Warum ich an die Decke gehe

Wie du vielleicht weißt, halte ich viel von bedürfnisorientierter Erziehung, von gewaltfreier Kommunikation und Ansprache auf Augenhöhe. Es gibt aber am Tag mindestens einen Moment, da lasse ich die gute Kinderstube hinter mir und mache eine ordentliche Ansage. Nicht weil ich es für pädagogisch richtig oder wertvoll halte, sondern weil es sein muss. Ich wurde von Natur aus nicht mit grenzenloser Geduld gesegnet, bemühe mich aber jeden Tag. Zum Beispiel versuche ich ruhig zu bleiben, wenn eines meiner Kinder die Schuhe anzieht. Das kann bei einem von den Dreien gerne mal zehn Minuten dauern. Denn während das Kind in aller Seelenruhe die Schuhe zunächst einmal sucht, dann gaaaanz langsam alle Klettverschlüsse einzeln löst, um sie dann umständlich in die Schlaufen zu friemeln, erzählt es auch noch alle möglichen Dinge, die ihm im Kopf rumschwirren. Das hält ihn dann vom Friemeln ab und ich verweise auf die Zeit, die knapp ist. Dann gebe ich den Ratschlag, dass es schneller gehen könnte, wenn das Kind sich konzentrieren und nicht reden würde. Als nächstes bitte ich flehentlich und erwähne den Zahnarztstuhl, auf dem wir in fünfzehn Minuten sitzen müssen. Dann kommt, was kommen muss – eine Ansage: „Jetzt quatsch nicht, sondern mach. Wir müssen los, sonst kommen wir zu spät. Du machst mich wahnsinnig.“ Das hören dann nicht nur die Nachbarn, sondern auch alle anderen Anwohner im Umkreis eines Kilometers.

Stress, Ärger, Wut und Angst: Boten einer Ansage

Ansagen mache ich immer dann, wenn ich gestresst oder verärgert bin. Manchmal ist das Chaos im Kinderzimmer so riesig und die Motivation der Kinder, da Ordnung reinzubringen, winzig klein. Wenn ich dann über einen Tischkicker fliege oder in Legosteine trete, dann gibts eine Ansage. Oder wenn es beim Abendessen wieder zugeht wie bei Hempels. Wenn Becher umkippen, massenhaft gekrümelt wird und beim Essen der Mund sperrangelweit offen bleibt.

Ansagen gibts auch dann, wenn es gefährlich wird und die Kinder nicht hören. Wenn ein Kind verträumt durch die Gegend schaut und vergisst, links und rechts zu gucken. Da kriege ich es dann mit der Angst zu tun und die löst immer wieder Ansagen aus, die es in sich haben. Ich bin dann oft außer mir, weil sich in meinem Kopf die schlimmsten Unfälle abspielen. Das setzt mein Denkvermögen dann außer Gefecht und ich tobe wie ein Rumpelstilzchen.

Müssen Ansagen sein?

Bringts denn was, die Ansage? Ja, hin und wieder. Wenn die Kinder sich erschrecken und dann schnell machen, was ich sage. Finde ich nicht so doll, wenn sie erschrecken. Daraus lernen sie auch nichts. Und manchmal werden sie dann selber sauer, es gibt mehr Schreierei und Vorwürfe, Wut und Gezicke auf allen Seiten. Auch nicht so prima. Schöner wäre es gewesen, wir hätten das alles in Ruhe gelöst. Aber manchmal gehs einfach nicht anders.

Ich glaube, es funktioniert einfach nicht ganz ohne. Weil Ansagen entweder wichtig sind, um Gefahren vorzubeugen oder weil sie wichtig sind, um den Wutpegel der Eltern zu verdeutlichen. Am Ende sind wir auch nur Menschen und Kinder möchten diese Menschen kennen. Daher fordern sie vermutlich die Wut auch manchmal heraus. Wie weit kann ich gehen, bis die Mama ausflippt? Ich denke, das ist ganz normal. Die Kinder träumen, wir wollen los. Die Kinder möchten alle Spielsachen im Raum verteilen, wir brauchen Ordnung. Ab und an krachen diese verschiedenen Bedürfnisse gegeneinander und entladen sich in Ansagen mit anschließendem Streit. Ich finde, so lange wir in den Ansagen kein Kind runter machen oder abwerten und uns versuchen, so lang es geht in Geduld zu üben, ist das ganze auch nicht schlimm. Ansagen bringen meist nicht viel, aber ich fühle mich ein wenig erleichtert, weil ich meine Wut ausdrücken kann.

Im Übrigen machen auch meine Kinder hin und wieder eine Ansage, und das ist auch ok. Es drückt aus, dass gleich eine Grenze überschritten wird oder das bereits passiert ist. Es ist kein pädagogsch wertvolles Mittel, aber ich bin auch keine Pädagogik-Expertin, sondern eine ganz normale Mama, die tut was sie kann. Kinder, die sich außerdem auch mal in Form einer Ansage ordentlich beschweren dürfen, wissen, dass sie gehört werden. Sie wissen, dass ihre Meinung zählt und wir respektieren, wenn auch ihr Geduldsfaden mal reisst.

Was sagst du dazu? Gibts bei dir hin und wieder auch mal eine ordentliche Ansage? Ich bin gespannt auf eine Diskussion. Danke an Béa für dieses spannende Thema, das hat mir sehr gefallen. Diese kleinen Fragen des Alltags bewegen uns im Punkt Erziehung doch am meisten!

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

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Mein Kind ist krank

Na, wie oft hast du dich schon gefragt, ob ihr eine normale Familie seid? Ob das ein oder andere Kind vielleicht nicht der Norm entspricht, sein Verhalten wunderlich ist oder sein Charakter irgendwie abnorme Züge hat? Dann hast du gegoogelt, verschiedene Antworten bekommen, eine Diagnose erstellt und sie mit allen Freunden und Verwandten ausgiebig besprochen, oder?

Tja, dann ist wohl alles ganz normal. Denn ist es nicht so, dass wir irgendwie alle am liebsten normal wären und aus diesem Grund jede Abweichung, vor allem die unserer Kinder, besorgt betrachten und gedanklich bis zum Gehtnichtmehr bearbeiten? Ehrlich gesagt vermute ich, dass die meisten kleinen Abweichungen von der scheinbaren Norm eben eines sind: normal. Die meisten Eltern müssten sich eigentlich überhaupt keine Sorgen machen, könnten sich viele Arztgespräche und Therapien sparen und mal ganz gechillt die Füße hochlegen. Das ist aber nicht so einfach, schließlich sind die Kinder das wichtigste, das wir haben und ihr gesundes Großwerden unser bedeutendstes Ziel.

Natürlich gibt es viele Krankheiten, psychisch und physisch, die eine Behandlung oder eine Therapie mit sich bringen (müssen). Ob ADHS, eine Intoleranz, Schwierigkeiten mit dem Bewegungsapparat und viele andere Dinge – aber das alles meine ich hier nicht. Ich meine vielmehr folgende Überlegungen, die eine Mutter von drei Kindern vielleicht in dieser oder ähnlicher Form angestellt haben könnte, natürlich nur ganz theoretisch.

Diagnosen einer Mutter

  • Das ewig brüllende Kleinkind hat eine Persönlichkeitsstörung, vermutlich ausglöst durch das sorgenvolle Herumgegrübele in der Schwangerschaft über schadstofffreie Wickelunterlagen. Therapiert werden muss mit dreierlei Globuli, einem Badeeimer, Bernsteinketten und dem Lesen von drülfzig Baby-Ratgebern.

Dr. Laura würde heute raten: nur die Ruhe, einige Babys brüllen nun mal besonders viel, da beisst die Maus keinen Faden ab. Diagnose: Alles normal, Therapie: Durchatmen und Durchhalten!

  • Weil selbes Baby ausschließlich den Vater, nicht aber die Mutter anlächelt, ist die Mutter sicher, das Kind habe Baby-Autismus. Sie googelt und überlegt, es in der Pädiatrie vorzustellen.

Dr. Laura würde heute raten: das Baby ist genauso genervt von der Mutter wie sie von ihm. Es freut sich, endlich ein anderes Gesicht zu sehen und außerdem ist Papa im Gegensetz zu Mama immer völlig entspannt und googelt maximal nach neuen Kopfhörern oder einem Mountainbike. Diagnose: Alles normal, Therapie: chillaxen und Google abschalten.

  • Das Kleinkind läuft nicht, sondern liegt kurz vor dem ersten Geburtstag wie ein Käferlein auf dem Boden. Die Mutter attestiert eine Muskelschwäche und hyperventiliert, als der Kinderarzt sagt, dass sie bitte in einem halben Jahr mit dem Käfer wieder vorstellig werde, denn die meisten Kinder würden zu diesem Zeitpunkt wenigstens krabbeln.

Dr. Laura würde heute raten: Mutter, sei froh, dass dir der Käfer noch nicht davondüst und genieß die Zeit. Irgendwann laufen sie alle, die einen früher, die anderen später. Diagnose: Alles normal, Therapie: sich in den Park legen und all den nervösen Eltern zuschauen, die ihren Einjährigen hinterherrennen müssen.

  • Das Kleinkind interessiert sich nicht für Sand und Eimer, Frühmusizieren oder Klatschreime, es sehnt sich ausschließlich nach Straßenbahnen. Die Kindergärtnerin merkt an, das Kind würde den lieben langen Tag ausschließlich die Haltestellen der Linie U8 aufsagen. Die Mutter diagnostiziert sofort eine multiple Persönlichkeitsstörung und informiert sich über Hochbegabung und Asperger Syndrome.

Dr. Laura würde heute raten: kleine Kinder haben die abnormsten Interessen, bei denen sogar erfahrene Psychatrieärzte mit den Ohren schlackern. Das eine Kind geht nicht ins Bett, ohne ein Kaminwerkzeug fest umschlungen zu halten, das andere kann weder Mama noch Papa, dafür Trizaterops Trizeraldos sagen. Wieder andere gehen nicht ohne Taucherbrille aus dem Haus oder tragen im Hochsommer Gummistiefel. Diagnose: Alles normal, Therapie: sich einfach selber eine verrückte Eigenart ausdenken und diese zelebrieren.

  • Das Kind bekommt eine Schwester und interessiert sich keinen Zentimeter für das Baby. Es guckt nicht, spricht nicht und streichelt nicht. Die Mutter ist sich sicher, es verfüge über mangelnde soziale Fähigkeiten und würde vermutlich sein Leben lang keine menschlichen Beziehungen entwickeln können.

Dr. Laura würde heute raten: es gibt Brüder, die lieben ihre Schwester und zeigen das von Anfang an, es gibt aber auch Brüder, die lieben ihre Schwester, würden sie aber auch sofort gegen eine Miniaturstraßenbahn eintauschen. Das wird sich im Leben vielleicht sogar niemals ändern. Diagnose: Alles normal, Therapie: Menschen, die das Wort „Geschwisterplüsch“ verwenden, meiden, dafür unbedingt das Buch von Marlene Hellene, Man bekommt ja so viel zurück (Affiliate Link), lesen, der ging es nämlich genauso.

Einen Fall habe ich noch!

  • Das Kind hat zu Schulbeginn Schwierigkeiten, einen Stift zu halten, weil es zuvor noch nie einen Sinn darin gesehen hat, einen solchen zu benutzen. Die Mutter kommt noch einmal auf die Muskelschwäche zurück und denkt kurz darüber nach, mitsamt den andern Kindern einmal die Woche zu einer anstrengenden Ergotherapie-Sitzung zu dackeln (die in ganz vielen Fällen durchaus sinnvoll ist), auf die das Kind aber noch weniger Lust hat als aufs Schreiben.

Dr. Laura würde heute raten: Kinder, die nicht gerne malen, gibts genau so oft wie Kinder, die nicht gerne rechnen. Alles ist eine Frage der Übung und meist klappts nach einem halben Jahr schon viel besser. Diagnose: alles ganz normal. Therapie: Stifte mit Glitzerfußbällen oben drauf kaufen, Fußball-Sammelalben zum Ausfüllen besorgen oder Briefe an das Christkind schreiben lassen, zur Not auch im Hochsommer.

Alles normal, oder?

„Es ist normal, nicht normal zu sein“, lautet eine schöne Überschrift im Familienmagazin der Süddeutschen Zeitung, Mai/Juni-Aushabe von 2018. Darin spricht die Politikwissenschaftlerin Ursula Stark Urrestarazu über das Phänomen, dass Eltern so viel über die Eigenheiten ihrer Kinder nachdenken. Sie rät, dass sich Eltern bewusst machen sollten, wie vielschichtig und veränderbar Kinder sind. Jedes von ihnen trage so viele Eigenschaften, Interessen und Begabungen in sich, die sich ergänzen und auch widersprechen würden und fügt hinzu, dass die Bandbreite des Normalen viel größer ist, als wir denken.

Wenn ich auf Instagram poste, wie schlimm sich meine Kinder streiten, dann melden sich viele andere Eltern, die das gleiche erleben. Mir und ihnen tut es dann total gut zu wissen, dass das also normal ist. Denn wenn alles so läuft, wie es soll, dann haben wir ein gutes Gefühl und wissen, es geht in die richtige Richtung. Selbstverständlich sind wir und unsere Kinder in vielen Punkten auch ein wenig außergewöhnlich. Meine Kinder zum Beispiel streiten sich außergewöhnlich viel, der kleine Oskar wirft sich gerade außergewöhnlich intensiv brüllend auf den Boden und ich gehe in den Ferien außergewöhnlich oft in die Luft – und das ist eigentlich auch ganz normal!

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Falls du Lust hast, zu unserer obercoolen Eltern-Austausch-Community dazuzustoßen, dann schau doch mal bei Instagram vorbei. Da kann man ganz passabel miteinander quatschen, sich austauschen und merken, dass es in jeder Familie laut, chaotisch, anstrengend und doch irgendwie ungemein lustig zugeht.

Lieber kleiner Oskar,

so einfach haben wir es gerade nicht, wir beide! Daher schreibe ich dir einen Brief. Ich bin eine müde Mama mit viel Stress, du bist ein zweijähriger Junge, der die Welt entdeckt. Was wir gemeinsam haben: wir kommen täglich an unsere Grenzen. Meine Grenzen sind seit jeher meine Nerven, deine Grenze ist vor allem die Sprache. In deiner lustigen Bobo-Siebenschläfer-Manier versuchst du uns mitzuteilen, was du möchtest. Wenn du dein Müllauto suchst, können wir dir helfen.  „Müüüh“ rufst du dann. Auch „Hamham“ verstehe ich gut, du hast Hunger oder Durst. Und dein kleines Rutschauto heiß „Tutut“, wenn du das aussprichst, vibrieren deine Lippen und es klingt wie ein kleiner Traktor. Aber ganz oft weiß ich auch nicht, was du möchtest. Du bist dann wütend, versuchst, mir etwas zu sagen. Ich verstehe dich nicht und dann schmeißt du dich auf den Boden. Ich kann dich nicht trösten, du drückst mich weg oder fängst in deiner Empörung an zu beißen. Ich weiß, jetzt am besten einfach neben dir sitzen bleiben und dir zeigen, dass es in Ordnung ist, zu toben und deinem Kummer Luft zu machen. Aber oft muss ich Jimmy bei den Hausaufgaben helfen, die Wäsche aus der Maschine holen oder das Telefon bimmelt in genau diesem Moment.

Alles eine Phase

Ich weiß, dass diese Phase normal ist. Damals bei deinem großen Bruder habe ich mir noch Sorgen gemacht. Was ist nur mit dem Kind los? Wieso flippt es dauernd aus und nölt den ganzen Tag rum? Was mache ich als Mama falsch? Nun ist mir alles klar. Beim Welt entdecken stößt du dauernd an Grenzen, nicht nur sprachlich. Du möchtest Gummibären in rauen Mengen essen, Bobo Siebenschläfer-Hörspiele hören, bis deinen Eltern die Ohren bluten. Du möchtest morgens früh um sechs mit deinen Geschwistern spielen oder abends bis zehn Uhr aufbleiben. Du möchtest alles alleine machen und die Glasflasche selber tragen. Und du verstehst einfach nicht, warum wir dauernd all die schönen Dinge verbieten. Ich weiß, am besten ist es, wir nehmen uns für dich Zeit. Wir hören dir zu, knien uns zu dir runter, nehmen dich ernst und helfen dir, wo es nur geht. Dann klappt es mit uns immer ganz gut. Dein Papa kann das auch ganz wunderbar, mir gelingt es manchmal nicht. Ich bin nicht so geduldig mit dir oder habe keine Lust, deine Schreiattacken stundenlang zu begleiten. Das muss ich ganz ehrlich zugeben.

Zu wenig Geduld

Gestern bin ich mit dir zum Bäcker gegangen, wir brauchten dringend ein Brot zum Abendessen. Weil du gerne ein Eis gegessen hättest, hast du fürchterlich geweint und bist aus deinem Wagen rausgesprungen. Ich musste nach Hause, weil Jimmy bald kommen sollte. Er war bei einem Freund zu Besuch. Dein Wutgeschrei ist mir sehr auf die Nerven gegangen, weil ich zuvor auf einem Kindergeburtstag war, bei dem alle kleinen Gäste in Trillerpfeifen gepustet haben. Mein Kopf war ein einziges wummerndes Fass. Deshalb habe ich dich immer wieder in den Wagen zurück gesetzt und dich am Ende angeschnallt. Das hat dir nicht gefallen, ich weiß!

Zuhause hast du dich an die Treppe zur Garage gesetzt und nach Papa gebrüllt, ich habe Essen gemacht und hätte mir gerne die Ohren zugehalten. Ich wundere mich ja auch gar nicht, dass du so ein Papa-Kind bist. Ich an deiner Stelle würde es genauso machen. Ich möchte nur, dass du weißt, dass ich dich ernst nehme und mir so gerne mehr Zeit nehmen würde für dich und eine Wünsche. Weißt du was, bald fahren deine Geschwister in den Urlaub und wir beide sind alleine hier. Wir lesen dann Bobo so oft du willst, gehen gemeinsam in den Märchengarten und werden ganz viele Gummibärchen essen. Vielleicht bekommst du sogar mein Handy, denn damit fotografierst du so gerne. Mein liebes kleines Bärchen, wir haben es nicht so leicht zur Zeit. Aber ich habe dich so unglaublich gerne. Ich liebe es, wie du die Familie zusammen hältst und immer nach Nanna und Tatta fragst, wenn sie mal nicht da sind, wie du lauhals lachen kannst und mit so großem Appetit und Konzentration isst und genießt.

Bitte entschuldige, wenn ich mal wieder ungeduldig bin, kleiner Bär. Es tut mir sehr leid. Deine Mama

Mehr Gedanken zum Elternsein gibts auf dem Heute ist Musik-Instagram-Kanal. Ich freue mich auf dich und den Austausch mit dir!

Mama machts möglich

Neulich ging mir etwas durch den Kopf: wir Eltern tun ganz schön viel für unsere Kinder! Mir fiel es auf, als ich mit einer fremden Mutter und ihren Söhnen um unseren Tisch saß. Jimmy und die Jungs hatten ihre Fußball-Sammelalben vor sich liegen und tauschten eifrig hin und her. Zuvor hatte ich eine Anzeige im Internet aufgegeben. Die Sache mit den Sammelkarten ist nämlich die: damit Eltern und Kinder eifrig Geld ausgeben, gibt es viele Fußballersammelkarten nur ganz selten. Mittlerweile findet Jimmy in den Tüten kaum noch eine Karte, die er nicht hat, obwohl ihm immer noch eine Menge fehlen. Ihm ist diese Sammelleidenschaft unheimlich wichtig und er liebt sein Album über alles. Er nimmt es stets mit, durchblättert es Tag für Tag und lernt alle Daten rund um die Spieler auswendig. Weil es ihm so viel bedeutet und ich keine Lust mehr habe, den Sammelkartendruckern Geld in den Rachen zu werfen, bin ich unter die Kartendealer gegangen.

Zu Weihnachten haben Jimmy und ich dann seine Kartennummern in eine Excel-Datei geschrieben, ich habe eine Online-Anzeige erstellt und mit anderen Eltern virtuell Karten verhandelt. Das hat super geklappt und viele Kinder haben sich für Portokosten an neuen Karten erfreut. Nun hatte ich Kontakt zu einer Mutter aus dem Nachbardorf und kurzerhand beschlossen wir, dass sich die Jungs live zum Tausch treffen. Sie holte die Kids von der Schule ab und brachte sie zu uns. Ein riesen Aufwand, den wir Mütter da betreiben, oder? Ich mache das für Jimmy, weil es wirklich seine Leidenschaft ist. Er lebt für Fußball und er lebt für sein Album. Er freut sich so sehr über seine Sammlung und ihn machen ein paar kleine Kärtchen tatsächlich richtig und wahrhaftig glücklich.

Was wir für unsere Kinder tun

Und wir tun noch viel mehr, als nur einen Live-Kartentausch ins Leben zu rufen, das wirst du bestätigen können. Wir hören hin, was unsere Kinder mögen und versuchen, im Rahmen unserer zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten ihre Hobbys zu unterstützen. Noch wichtiger aber ist, dass wir Bescheid wissen über ihre Leidenschaften und uns für sie interessieren. Das hat ja ganz viel mit Respekt zu tun, denn auch wenn es nur irgendwelche Sammelkarten und dieser olle Fußball ist: für Jimmy ist genau das gerade in seinem Leben furchtbar wichtig.

Auch die Erziehung ist intensiv, die wir Eltern anwenden. Viel schöner ist sowieso das Wort Be-ziehung. Denn mir, dir und vielen anderen Eltern ist die gute Beziehung zu den Kindern wichtiger als absoluter Gehorsam. Ich behaupte sogar, dass absoluter Gehorsam das Gegenteil von einer guten Beziehung ist. Das macht die Sache natürlich auch viel schwieriger, denn Kinder wollen oft einfach nicht gehorchen. Ich erkenne bei meinen Kindern aber immer wieder, dass es ihnen in den meisten Situationen darum geht, dass ich sie ernst nehme und ihre Meinung anerkenne. Für mein Schulkind ist es das schlimmste, wenn ich über es hinweggehe. Wenn ich Entscheidungen treffe, die es ungerecht findet und es nicht einmal sagen durfte, warum. Ich treffe oft Entscheidungen, die Jimmy und Luise doof finden, denn wenn es nach ihnen ginge, gäbe es nur Pommes mit Ketchup, stundenlang Fernsehen und Roller fahren ohne Helm. Wenn ich ihnen aber einen Gemüseeintopf vorsetze und den Fernseher sang und klanglos ausmache, „weil es jetzt genug ist!“, dann gehen die beiden an die Decke. Frage ich sie aber, welches Gemüse sie gerne essen und koche dann etwas, das sie wenigstens ein wenig mögen, dann kommen wir einigermaßen klar. Auch die Sache mit dem Fernsehen läuft nie ohne Ärger ab, aber ich erkläre ihnen den Grund für mein Verhalten und dann ist es zumindest bald ok.

Gute Beziehungen

Was ich sagen möchte: über die Jahrzehnte haben Eltern mehr und mehr gelernt, dass diese Art von Beziehung viel besser klappt. Schon meine Eltern haben uns Kindern nie etwas verboten, wir musste nicht im Zimmer verschwinden oder erhielten eine Strafe ausgeklügelter Art. Das hat sehr gut geklappt, war aber wahrscheinlich mit viel Diskussion verbunden und deshalb auch anstrengender, als die Erziehung meiner Großmutter. Bei der gabs kein Pardon!

Mir hat vor ein paar Jahren ein ganz wunderbares Buch die Augen geöffnet. Es heißt Liebe und Eigenständigkeit. Die Kunst, bedingungsloser Elternschaft, jenseits von Belohung und Bestrafung (Affiliate Link). Ich habe es hier schon einmal besprochen und finde es nach wie vor ein gewaltiges und wunderbares Werk. So sollte Erziehung für mich sein, dachte ich nach dieser Lektüre und noch heute versuche ich, diesen Leitsätzen zu folgen. Aber die Betonung liegt auf dem Wort Versuch. Denn ich bin ehrlich: mir rutschen hin und wieder echte Fiesigkeiten gegenüber meinen Kindern raus. Neulich habe ich in meiner Verzweifelung und Hilflosigkeit gemeine Dinge angedroht. „Wenn du das nicht tust, darfst du nicht zum Fußball-Turnier!“ habe ich Jimmy entgegen gebrüllt. Er war so sauer und traurig und ich habe mich geschämt. Das fühlt sich dann auch immer schlimm an, denn diese Verbote sind ein Ausdruck meiner eigenen Hilflosigkeit. Wenn ich dann hinterher mit ihm spreche, mich entschuldige und ihm mein Verhalten erkläre, dann haben wir beide etwas gelernt. Dass wir Menschen nämlich Fehler machen und das auch in Ordnung ist, wenn wir hinterher dafür einstehen.

Neulich habe ich im Radio im Zuge einer grausigen Berichterstattung über das Martyrium eines misshandelten Jungen eine gute Nachricht gehört: die Zahl der Kindesmisshandlungen nimmt seit Jahrzehnten ab. Klar, es gibt immer noch viel zu viel furchtbare Gewalt gegen Kinder, aber die Tendenz ist sinkend. Das hänge auch mit der Erziehung zusammen, die sich geändert habe, erzählte der Professor. Das bestätigt mich in meiner Art der Erziehung und ich weiß, dass der Spruch von Astrid Lindgren stimmt:

„Gebt den Kindern Liebe, mehr Liebe und noch mehr Liebe, dann stellen sich die guten Manieren ganz von selbst ein.“ (Astrid Lindgren)

Gelingt respektvolle Erziehung immer?

So finde ich, sind wir auf einem guten Weg. Ich muss aber noch ein ABER hinzufügen. Zur Zeit finde ich Erziehung auch wirklich ganz schön hart. Jimmy kann nämlich so frech sein, wie es nur ein Erstklässler sein kann. Er spricht wie das Sams, stellt jedes Wort in Frage, bringt fremde Leute aus der Fassung und benimmt sich wie ein furchtbar unerzogenes Kind. Ich sehe es in meinen guten Stunden als das normalste der Welt an. Ein kleines Schulkind fühlt sich groß wie ein Mammut und ist frech, dass es kracht. Und hier liegt der Knackpunkt. Kinder mit sehr viel Wohlwollen zu erziehen, keine Verbote auszusprechen und sie stets respektvoll zu behandeln, ist eine sehr, sehr anstrengende Aufgabe. Sie lohnt sich, denn wenn wir unseren Kindern jetzt mit Respekt begegnen, werden sie selbst im Umgang mit anderen Menschen respektvoll sein. Sie werden positiv auf ihre Mitmenschen blicken und Gutes im Herzen tragen, weil wir Gutes in ihnen gesehen haben, auch wenn sie ein kleiner, frecher Dachs waren. Aber wir sollten auch erkennen, dass Eltern sein eine große Aufgabe ist, die uns an die Grenzen bringen kann. Der Anspruch an uns Eltern ist heute hoch und nichts schmerzt so sehr wie das Gefühl, keine gute Mutter zu sein, geht dir das nicht auch so? Und daher finde ich es auch enorm, wie sehr ich mich selbst unter Druck setze. Denn auch wenn ich meinen Kindern immer mit Respekt, Wohlwollen und Ruhe entgegen treten möchte, so gelingt mir das ganz oft nicht.

Was ich dir mit meinem Text sagen will: schau hin, was du alles für deine Kinder tust. Ob du Sammelkarten tauschst, deine Kinder zum Turnen bringst, ihnen genau zuhörst oder ihre Bedürfnisse erkennst und erfüllst – es ist so unglaublich viel und es tut deinen Kindern auch unglaublich gut. Sogar wenn du deine Kinder gerade angemeckert hast und dir ausnahmsweise böse Verbote über die Lippen geflutscht sind, dann ist das überhaupt nicht schlimm, sondern ganz normal. Unsere eigenen hohen Ansprüche an uns selbst und an eine gute Mutter sind viel zu hoch. Probier mal folgendes: frag deine Kinder abends im Bett, ob sie finden, dass du eine gute Mutter bist. Was meinst du, werden sie sagen?

Ich habe Jimmy gefragt und obwohl ich gestern ganz doof zu ihm war und überhaupt nicht so, wie ich eigentlich sein will, sagte er: „Du bist eine ganz tolle Mama!“ Auf meine Frage, warum, hat er drei Dinge aufgezählt: „weil du mir Fußballkarten kaufst, mich zur Schule begleitest, wenn mein Freund krank ist und weil du so lieb bist!“ Da war ich baff und ganz gerührt.

Bleib fröhlich und unperfekt.

Deine Laura

Gewinnspiel

Ich habe die Idee, mein Kind danach zu fragen, ob ich eine gute Mutter bin, aus dem Buch „Prost, Baby!“ von Katie Kirby, Bloggerin auf dem bezaubernden Blog Hurrah for Gin. Es ist super witzig geschrieben und damit du richtig was zum Lachen bekommst, verlosen wir unter allen NewsletterabonnentInnen, die sich bis zum 20. Februar 2018 eintragen, ein Exemplar, das uns der Goldmann Verlag zur Verfügung gestellt hat. Wenn du nicht zu den Helikoptereltern gehörst und einfach mal eine Runde Trost brauchst, weil dir die Kids über den Kopf wachsen, dir vor Kindergeburtstagen graut, dann garantieren wir dir, dass du dieses Meisterwerk lieben wirst! Wir haben uns beim Lesen jedenfalls kaputt gelacht, denn Katie Kirby schreibt unglaublich lustig. Besonders gelungen fanden wir ihre Ausführungen über den „Bettzeitterror“ oder ihren Erziehungstipps, die darin bestehen, den Kindern einfach Kekse in den Mund zu schieben. Mehr zu den Teilnahmebedingungen für das Gewinnspiel findest du hier.

 

... erhalte alle drei Wochen spannende Post von mir!

Ich habe hier letzte Woche einen Text veröffentlicht, in dem ich darüber geschrieben habe, dass Kinderhaben manchmal wie eine Reise nach Santiago de Compostela sein kann. Offenbar fühlten sich viele Mütter angesprochen, denn wir haben alle mal diesen Moment, in dem wir verzweifelt auf unserem Pilgerstein sitzen. Autorin und Bloggerin Rike Drust hat den Text geteilt, worüber ich mich maßlos gefreut habe. Unter dem geteilten Post beschwerte sich eine ihrer Followerinnen, dass der Vergleich von mir nicht passend sei: Kinderhaben sei schließlich kein Selbstzweck und diene nicht dazu, sich selbst zu finden. Kritik nehme ich gerne entgegen, denn sie bringt mich zum Nachdenken:

Kinder sind kein Selbstzweck, oder doch?

Warum bekommen wir eigentlich Kinder? Nun ja, eigentlich ist es im Grunde genommen wirklich nur ein Selbstzweck, denn es dient den Menschen schon seit langem zur Arterhaltung. Die Natur hat es so eingerichtet, dass sich für diesen Zweck ein Mann und eine Frau finden, sich verlieben und das Bedürfnis haben, Kinder zu kriegen. Ich für meine Person wollte weder Steuerzahler in die Welt setzen, damit sich das System trägt, noch wollte ich als Frau und Mutter dem Land zuliebe meine Pflicht tun. Es war tatsächlich ein Selbstzweck, Kinder zu bekommen. Ein sehr egoistischer noch dazu.

Aber der Text soll sich weniger darum drehen. Ich habe mich nämlich wirklich damit auseinandergesetzt, warum wir Kinder haben möchten. Für mich sind Kinder die Zukunft, sie sind das Gute in der Welt. Nicht an Kinder zu glauben, sie nicht mitten unter uns haben zu wollen, sie nicht an unserer Gesellschaft teilnehmen zu lassen und Kinder als störend zu empfinden ist für mich eine Kapitulation vor dem Menschsein.

Kinder sind von Grund auf gut

Nun habe ich selber drei Kinder und damit geht für mich noch etwas einher. Ich möchte mit meinen Kindern die Welt zu einem besseren Ort machen. Das passiert natürlich schon alleine dadurch, dass sie da sind. Die bloße Anwesenheit eines Säuglings macht die Welt zu einem wunderbaren Ort und ein so winzig kleines Wesen kann beeindruckender sein als jeder Nobelpreisträger.

Kinder sind auch später entzückend. Sie fassen Dinge auf prägnante Weise zusammen, sehen die Welt unvoreingenommen durch liebevolle, positive Augen, staunen und erfreuen sich. Bald schon werden Kleinkinder älter und es geht ein wenig von dieser Unschuld verloren. Sie kommen in die Schule und Ängste vor ganz realen Gefahren wie Krieg und Kriminalität treten auf. Sie erleben Missgunst oder Neid von von anderen Kindern und sie spüren schlechte Gefühle in sich selbst. Das ist der Lauf der Dinge und einfach ein Lernprozess im Zuge des Älterwerdens.

Mein Einfluss als Mutter ist bis zu einem gewissen Alter enorm. Wie ich meine Mitmenschen behandle, wie ich die Welt sehe und wie groß meine Angst vor dem Fremden ist, das alles hat für ein Grundschulkind (noch) Bedeutung. So liebevoll wie ich auf die Umwelt blicke, so wie ich Tiere schütze oder wie ich mit meinen Ängsten umgehe, so erlebt es das Kind und adaptiert mein Verhalten, in mancher Hinsicht sogar mehr, als uns lieb ist.

Das Ziel meiner Erziehung

Nun kehre ich zurück zu meiner Ausgangsfrage: was ist denn eigentlich der Grund, warum wir Kinder bekommen? Nun, meiner lautet, um…

„..drei Kinder auf ihrem Weg in die Selbständigkeit zu begleiten, ihnen eine schöne Kindheit mit Liebe und Geborgenheit zu schenken und sie dadurch zu herzensguten, verantwortungsbewussten und für sich selbst und andere sorgende Menschen zu machen“

Darauf kam ich, als ich einen so unglaublich schönen und rührenden Artikel im Zeit-Leo-Magazin las, das ich Jimmy neulich vom Einkauf mitbrachte. Sabine Rückert, die stellvertretende Chefredakteurin der ZEIT, hat ihn geschrieben. Der Titel des Artikels lautete „Mach die Welt besser!“ und erklärte im ersten Teil auf unglaublich anschauliche Weise, warum wir überhaupt Gutes tun. Warum teilen wir, warum tun wir etwas für andere, wenn wir doch davon scheinbar nichts haben, fragt Rückert. Und natürlich haben wir etwas davon, nämlich unser Leben, erklärte die Journalistin. „Ohne andere Menschen, die an das Gute in der Welt – und in dir! – glauben, gäbe es dich gar nicht.“

Sie erklärt weiter, dass Eltern all das für Kinder tun, was sie eben so tun, damit diese froh und groß werden können. Tatsächlich frage ich mich manchmal selbst, für was ich dieses ganze Brimborium um gesunde Pausenbrote, einen Schwimmkurs oder den Besuch im Fußballstadion eigentlich veranstalte. Aber genau das ist es: damit Jimmy, Luise und Oskar groß und froh werden können. Sich bewusst zu machen, dass selbst das blöde Wäsche-Aufhängen und die tägliche Diskussion mit einem frechen Sechjährigen dazu dient, einen glücklichen und starken Erwachsenen heranzuziehen, ist doch ein wahnsinnig ermutigender Gedanke für uns Eltern, oder?

Rückert erzählt im Text, dass ein Netz zwischen den Menschen entstehe, wenn man Gutes tut. Und sie erklärt weiter, dass es wichtig ist, dass auch jedes Kind Gutes tut, auch wenn es nur ganz klitzekleine Dinge sind. Es fängt an mit der Aufmerksamkeit für Tiere, mit dem In-Schutz-nehmen von gemobbten Klassenkameraden und mit Fahrrad fahren anstelle das Auto zu nehmen. Sie schließt mit dem Satz:

„Manchmal tut man bloß etwas wirklich Liebes – und rettet nebenbei die ganze Welt.“

Ist das nicht wunderbar? Ist das nicht eine Message, die zu Weihnachten passt und die wir unseren Kindern auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden mitgeben können?

Eine Text-Empfehlung

Ich lege euch diese Ausgabe Nr. 7/2017 der Zeit-Leo, einem Magazin für Kinder, unbedingt ans Herz. Ich habe Jimmy den Text von Sabine Rückert vorgelesen und werde ihn für mich ganz persönlich aufheben. Wer eine so große Welt-Frage so wunderbar und für Kinder geeignet beantworten kann, ist für mich eine ganz große Philosophin.

Zum Schluss von diesem langen Text möchte ich noch etwas anmerken. Ich bin mir sicher, dass unsere Kinder Menschen werden, die die Welt verbessern, wenn wir ihnen gute Vorbilder sind. Ich habe da noch ein paar kleine Ideen, was wir ganz konkret tun können

  • zu Weihnachten nicht so viel Dinge kaufen, sondern Geld spenden an die örtliche Tafel, den Verein für Flüchtlinge oder an die Aktion Herzenssache von SWR1
  • in der Fußgängerzone die Obdachlosenzeitung kaufen und dem Verkäufer eine warme Brezel in die Hand drücken
  • anderen Menschen ein schönes Kompliment machen
  • gebrauchte, aber gute Kleidung sowie funktionsfähiges Spielzeug weitergeben: zur Tafel oder zu einer Sammelstelle, die sie an arme Menschen verteilt
  • Tiere schützen: keine Eier aus Boden- oder Käfighaltung kaufen, Fleischkonsum reduzieren, keine pelzbesetzten Jacken mit Daunen von lebend gerupften Tieren kaufen
  • Das Auto stehen lassen: so oft es geht mit dem Fahrrad fahren, Fahrgemeinschaften bilden, die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen

Mein Appell

Am meisten aber liegt mir am Herzen: so wie wir vor unseren Kindern über andere sprechen, so werden sie es später tun. So wie wir über das Schicksal all der geflücheten Menschen sprechen, so wie wir über sie denken, so wird es sich in die Herzen der Kinder brennen. Wenn wir unsere Söhne und Töchter aufmerksam machen auf das, was den Menschen aus Kriegsgebieten wiederfahren ist, wenn wir ihnen erklären, wie wichtig es ist, diesen Menschen hier eine neue Heimat zu geben, dann werden auch sie mit offener Haltung und einem guten Herzen durchs Leben gehen.

Bleib fröhlich und unperfekt,

deine Laura

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Die vier größten Schwierigkeiten des Elternseins

Was ist eigentlich das schwierigste am Elternsein? Denn so wahnsinnig schön und erfüllend es ist, so schwierig kann es auch sein, wenn wir Mama oder Papa werden. Aber ich habe da eine kleine Hilfestellung, um deine Ängste etwas in den Griff zu bekommen, die eigenen Ansprüche an dich selbst runter zu schrauben und den Blickwinkel auf dein Kind zu verändern. Und am Ende des Textes wartet dann noch eine kleine Überraschung auf dich!

Den eigenen Ansprüchen genügen

Sehr schwierig ist es sicherlich, dem eigenen Anspruch zu genügen. Der ist meist hoch, denn wir wissen ja oft schon früh, wie wir gerne mit unseren Kindern umgehen möchten. Ich zum Beispiel wollte immer gerne eine Mutter sein, die immer ruhig bleibt, Nerven wie Drahtseile hat und am liebsten mit ihren vier Kindern im Kinderzimmer stundenlang Höhlen baut. Nun ja, das war der Plan, die Umsetzung scheitert ziemlich oft.

Der skeptische Blick auf das Kind

Wir Eltern haben ein Bild unseres Kindes im Kopf, noch bevor es überhaupt auf der Welt ist: Ein niedliches Mädchen mit wilden Zöpfen, total tough und stark, mit dem Freunde Pferde stehlen können. Aber genau die Mütter, die sich dieses Räubermädchen wünschen, bekommen garantiert eine Prinzessin Lillifee, die bei jedem Pups zu weinen beginnt. Wenn dann das Kind für unsere Ansprüche zu spät Laufrad fahren lernt oder beim Schuleignungstest nicht auf einem Bein hüpfen kann, kriegen wir die Panik. Wir schauen voller Skepsis auf die Tochter oder den Sohn und vergleichen sie dauernd mit den gleichaltrigen Kindern unserer Bekannten. Über diese Erfahrungen habe ich hier einmal geschrieben.

Die Einsamkeit der Mütter

Wenn du schon einmal tagelang mit deinem neugeborenen Baby alleine warst, weißt du, wovon ich spreche! Da ist es, das Traumkind, und als Mutter müsstest du so glücklich sein. Dann aber geht der Partner das erste Mal wieder zur Arbeit, Krabbelgruppe ist nur einmal die Woche und viele, viele Stunden sitzt du einsam auf dem Sofa. Ein Jahr Elternzeit kann sich ziehen, wenn du nicht genug Freunde und Familie hast, die dich unterstützen, dir zuhören oder dir mal das Baby abnehmen. Und auch später gibt es vielleicht Momente, in denen du mit deinem Krabbelkind bei miesem Wetter auf irgendeinem Spielplatz sitzt und dich in dein warmes Büro sehnst, in dem du bei einer Tasse Kaffee mit den Kollegen plauschen und in der Mittagspause gemeinsam essen gehen kannst.

Die große Angst

Eine der größten Herausforderungen ist es wohl, die große Angst, die du um deine Kinder hast, in den Griff zu bekommen. Sie wird immer da sein, egal ob du dich um ein Baby sorgst, dessen Atem du im Minutentakt kontrollierst, um ein Schulkind, das viel zu spät aus der Schule kommt oder ein Teenie, der zum ersten Mal die Nacht durchfeiern darf. Sie kann dir den Atem nehmen und den Hals abschnüren, dich verrückt machen und dazu führen, dass du deine Kinder am liebsten nicht mehr aus dem Auge lassen würdest. So birgt die Angst aber auch die Gefahr, dass du den Kindern alles abnimmst, vom Ranzen bis hin zur Studienwahl.

„Das Leben darf leicht sein“*!

Aber jetzt kommt die gute Nachricht. Ich habe da etwas für dich, was dir sicher ein wenig über diese vier großen Hürden hinweg hilft: ein ganz wunderbares Büchlein mit dem Titel „Die Fiebel der Gelassenheit“ (Affiliate Link) von der großartigen Uta Allgaier, Bloggerin auf wer-ist-eigentlich-dran-mit-katzenklo, Coach, Autorin und zweifache Mutter. Sie hat zusammen mit der Illustratorin Sabine Frielinghaus dieses zauberhafte Werk herausgebracht, das mächtig viel Ballast von Eltern-Seelen nehmen kann. Wenn Uta schreibt, möchte man immerzu sagen: stimmt, sie hat recht, warum mache ich mir selber nur das Leben schwer. Zum Beispiel berichtet sie von den drei Leitsätzen, die sie selbst einmal nach einem Coaching mit zu ihren Lieben nach Hause nahm und die ihr Leben und das ihrer Kinder verändert haben:

Ich bin gut genug

Es muss weder beruflich noch privat irgendetwas über mich bewiesen werden

Leben darf leicht sein

(S. 15)

Uta Allgaier, Sabine Frielingshaus: Die Fibel der Gelassenheit, Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2017

Der Inhalt

In den ersten Kapiteln erklärt Uta Allgaier, wie du an die eben beschriebenen großen Schwierigkeiten des Elternseins heran gehen kannst. Sie beschreibt, dass unser eigener Anspruch an uns meist zu groß ist. Zum Beispiel kann niemand immer ruhig und geduldig sein. Wenn wir aber diesen hohen Anspruch an uns stellen, setzen wir uns unter Druck, es entstehen Schuldgefühle, wir sind unglücklich.

Sie geht auf die innere Haltung zu unseren Kindern ein. Kinder, die einen pessimistischen Blick auf sich spüren, fühlen sich überfordert. Alleine unsere eigene Haltung zu ihnen zu ändern und den Blickwinkel zu verschieben, so Allgaier, kann sehr viel im Wesen des Kindes verändern.

Uta gibt auch zu Bedenken, dass es für uns Menschen nicht artgerecht ist, alleine mit einem Baby zu sein. Wir sind es aus Urzeiten gewohnt, Menschen um uns herum zu haben. Sie will damit nicht die alten Zeiten verklären, sondern darauf hinweisen, dass es klar ist, dass Müttern von Neugeborenen die Decke auf den Kopf fallen kann, wenn sie niemanden haben.

Außerdem stößt sie ein Thema an, das mich auch schon lange beschäftigt und das ich neulich in einem Text zum Thema Schulweg beschrieben habe: wir Eltern haben Angst um die Kinder, das ist die eine Sache. Aber wir dürfen diese Angst nicht dazu führen lassen, dass wir Kinder in ihrem Leben einschränken. Kinder hätten ein Recht auf ein aufgeschlagenes Knie, formuliert sie, und macht mit ihrem Text Eltern Mut, die Kinder auch loszulassen.

Nach diesen schönen und anregenden Gedanken folgt ein kleines ABC der Gelassenheit für ein entspanntes Familienleben. Die hübsch gestalteten Seiten sind optimal, um sie sich zusammen mit einer Tasse Kaffee für eine kurze Pause vom Alltag mal anzuschauen. Sie geben eine Menge Inspiration für ein Leben mit Kindern und richten den Blick auf das, was du selbst wie viele andere Mütter auch vermutlich oft vergisst: den Kindern geht es gut, wenn es der Mama gut geht.

Gewinnspiel für dich!

Jetzt freue ich mich richtig, dass ich auf unserer Facebook-Seite zwei Exemplare der Bücher verlosen darf. Was du dafür tun musst? Einfach auf unserer Facebook-Seite vorbei schauen. Dort geht das Gewinnspiel am 7. November 2017 abends um 20 Uhr online.

Und nun wünsche ich dir eine Menge Gelassenheit im Umgang mit deinen Kindern. Ach so, und schau unbedingt mal auf Utas Blog vorbei.

Bleib fröhlich und unperfekt,

deine Laura

Ps.: Das Buch von Uta samt zwei Verlosungsexemplare wurde mir vom Verlag zur Verfügung gestellt ohne Verpflichtung, eine Rezension zu schreiben. Ich habe es getan, weil ich es dir wirklich sehr ans Herz legen möchte und es einfach großartig finde.

*Zitat aus Uta Allgaiers Buch, vgl. S. 15

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Eltern in Angst

Es gibt dieses Sprichwort mit den Wurzeln und den Flügeln, die wir Kindern geben sollen. Ich denke manchmal, dass es Eltern heute immer schwerer fällt, den zweiten Teil mit den Flügeln umzusetzen. Das finde ich schade und unglaublich traurig. Wie ich darauf komme? Pass auf, ich werde es dir erzählen:

Überwachung per GPS

Gestern Abend war ich beim Elternabend unserer Schule und die Lehrerin hat kurz berichtet, was aktuell ansteht. Unter anderem erzählte sie von ein paar Kindern, die seit dem neuen Schuljahr eine besondere kleine Uhr am Handgelenk tragen. Nun wüsste sie, dass das eine Uhr ist, mit der die Eltern die Kinder orten könnten, manche würden damit sogar telefonieren.

Ich konnte es kaum glauben. Andererseits erlebe ich jeden Tag, wie ängstlich Eltern sind, wenn es um ihre Kinder geht. Jimmy ist seit ein paar Wochen ein Schulkind und wir wohnen in einem traumhaften Ort mit besten Bedingungen für Grundschüler. Die Schule ist mitten im Ortskern, kaum ein Kind muss länger als 10 Minuten laufen. Die Straßen sind mittelmäßig befahren und überall sind Menschen unterwegs. Trotzdem ist Jimmy zusammen mit unserem Nachbarskind einer der ganz wenigen Erstklässler, die morgens alleine laufen. Von überall strömen Eltern herbei, die Kinder fest an der Hand.

Kinder haben ist nix für Angsthasen

Ich gebe es zu, ich warte um 12 Uhr auch manchmal mit einem bangen Gefühl auf Jimmy, der dann immer munter und gut gelaunt um die Ecke kommt und seinen Ranzen in die Ecke pfeffert. Aber mit diesem Gefühl müssen wir leben, wenn wir Kinder in die Welt setzen möchten, und zwar von Anfang an: Wir hoffen mit zitternden Händen auf ein positives Ergebnis beim ersten Ultraschall, wir beugen uns über unseren schlafenden Säugling und prüfen, ob er atmet. Wir kauern neben einem fiebernden Kleinkind und bitten das Thermometer, es möge endlich unter 39 Grad rutschen. Wir warten mit klammem Herzen auf ein Schulkind, das schon vor 10 Minuten hätte da sein müssen und wir werden sehr, sehr viele Nächte bangen, dass der Teenie endlich die Tür aufschließt und nach Hause kommt.

Als Eltern Angst zu haben ist normal, immerhin geht es hier um das Wertvollste, das wir in unserem Leben kennen. Auch die Aufforderung „mach dir keine Sorgen“ ist überflüssig, denn wir können sie nicht einfach wegwischen, diese Sorgen, die uns Magen, Kopf und Geist verrückt machen.

Wie können wir mit der Angst umgehen?

Wir haben diese Gefühle nicht in der Hand. Aber wir haben in der Hand, wie wir damit umgehen. Ob wir uns mit unseren Ängsten konfrontieren und einen Weg finden, damit umzugehen. Und weißt du was, es gibt so vieles, was wir in Bezug auf unsere Schulkinder machen können:

Wir können vernünftig überlegen, wie wir unsere Kinder bestmöglich schützen.Wir können ihnen von klein auf den Umgang mit dem Straßenverkehr beibringen, mit ihnen unterwegs sein, Laufrad fahren üben, über Straßen gehen, links und rechts schauen, Bus fahren, sie nach und nach an Verkehrsregeln gewöhnen und achtsam für mögliche Gefahren machen. Wir können ihnen erklären, warum sie nicht mit Fremden sprechen und keine Süßigkeiten annehmen dürfen. Wir können mit ihnen in den Ferien vor der Einschulung den Schulweg üben, immer wieder. Die Adresse auswendig lernen lassen. Ihnen Mut zu sprechen. Ihnen helle Kleidung und Ranzen mit Reflektoren kaufen. Sie so lange begleiten, bis sie sich den Weg selbst zutrauen. Kindern, die Trennungsängste haben, können wir sagen: ich weiß, dass du noch nicht gerne alleine läufst. Ich begleite dich und übe mit dir und lass dich nicht alleine. Ich möchte aber, dass du den Weg bald mit deinem Freund gehen kannst. Ich mache dir Mut, du wirst das schaffen! Wir können sie jeden Tag wenige Meter alleine gehen lassen, Stück für Stück, bis sie sich in ein paar Wochen vor der Haustür verabschieden.

Wir Eltern können uns mit unseren Ängsten konfrontieren und lernen, damit umzugehen, sie vielleicht sogar kleiner werden zu lassen. Ganz werden sie nie weg sein, aber so ist es nun mal, wenn wir Kinder haben.

Die andere Möglichkeit ist, unsere Angst auszuleben und sie weiter zu geben. Wir meiden den Straßenverkehr mit den Kindern von klein auf. Reden vor ihnen von gefährlichen Autos und Unfällen, erzählen Schauergeschichten von Männern, die Kinder von der Straße klauen. Und wir können sagen: ich gehe mit dir zur Schule, weil du das mit dem Rechts und Links schauen an der Straße nicht kannst. Wir können ihnen eine Uhr umbinden, mit der wir sie jederzeit orten können. Sie tickt und flüstert unseren Kindern zu: ich habe kein Vertrauen in dich und die böse Welt, ich muss dich jederzeit bewachen, denn die Gefahren lauern überall.

Wir Eltern können unsere Angst größer und größer werden lassen und sie unseren Kindern weitergeben, damit auch sie immer ängstlicher werden. Die Crux dabei ist: ein Leben in Angst ist wohl die größte Gefahr, die ihnen widerfahren kann.

Schulweg in Syrien

Ich habe vor einem halben Jahr ein Interview mit einer Mutter aus Syrien gelesen, die mit ihren Kindern in einer belagerten Stadt mitten im Kriegsgebiet wohnte. Und obwohl täglich Bomben fielen und auch schon Schulkinder getroffen wurden, gingen ihre Kinder weiter in die Schule. Was sollen sie auch anderes machen, fragte die Mutter. Ich kann sie doch nicht den ganzen Tag einsperren. Wir haben keine andere Wahl, als mitten im Krieg unser Leben weiterzuleben. Was würde diese Frau denken, wenn sie uns hier in Deutschland sehen würde? Sie würde sich wünschen, dass auch ihre Kinder so frei und sicher durch eine Stadt laufen und ihr Leben ohne Angst genießen dürften.

Eine andere Sache ging mir durch den Kopf: Neulich habe ich mit einem Bekannten gesprochen, der in seiner Firma für das Personalrecruting zuständig ist. „Die jungen Leute heute fordern viel, sind aber völlig unselbstständig,“ hat er gemeint. Ich tat es erst ab als dieses typische Gerede von der heutigen Jugend, die nicht mehr so sei wie früher. Aber ein wenig ist vielleicht was dran, denn die jungen Arbeitnehmer von heute haben an einer Uni studiert, an der es Elterninformationstage für die Mütter und Väter gibt. Das muss man sich mal vorstellen! Ich hätte meinen Vater für verrückt erklärt, hätte er mit meinem zukünftigen Professor sprechen oder sich den Mensa-Speiseplan anschauen wollen. Wenn das so weiter geht, gehen wir Eltern in 20 Jahren mit zum Bewerbungsgespräch und orten unsere erwachsenen Kinder am Wochenende per GPS um zu prüfen, ob sie auch gut in der Kneipe angekommen sind.

Wir möchten unsere Kinder mit Frühförderungskursen, Nachhilfestunden und einem schnellen Abitur fit für die Zukunft machen. Aber das wichtigste vergessen wir: Fit für die Zukunft sind Menschen, die Verantwortung tragen können, vor allem für sich selber. Und das beginnt beim Schulweg!

Ich möchte meine Kinder zur Selbstständigkeit erziehen, denn das ist mein Job als Mutter. Dabei sind die sprichwörtlichen Wurzeln genau so wichtig wie die Flügel. Wer aber zusammen mit den Wurzeln eine große Angst mit auf den Weg bekommt, traut sich nicht, sie auszubreiten und wird nie die unbändige Freiheit beim Fliegen spüren, für die alleine es sich lohnt, zu leben.

Und um noch einen Spruch zu zitieren, dieses Mal von Khalil Gibran:

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.

Unsere Söhne und Töchter sind nicht unser Eigentum und wir dürfen ihnen nicht ihre Freiheit nehmen, weil wir Schwierigkeiten haben, mit unseren Ängsten umzugehen. Unsere Söhne und Töchter brauchen Mut, unser Vertrauen und vielleicht sogar hin und wieder einen kleinen Schubs. Vor allem aber haben Schulkinder das Recht auf Privatsphäre. Diese Ortungsgeräte werden an unser Schule zum großen Glück der Kinder künftig verboten.

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Isabel, meine Zen-Meisterin

Isabel Gößwein und ihr Mann haben zusammen fünf Kinder. Sie sind mit Anette Zanker-Belz und ihrer Familie Teil der la-le-luna-Familienband, die tolle Musik für Eltern und Kinder machen und deren CD ich hier schon einmal vorgestellt habe.  Ich habe sie alle bei einem großen Bloggerevent kennengelernt und schon damals fiel mir auf, wie ruhig Isabel mit ihren Kindern umgeht. Aber auch die vier Töchter und der Sohn unterstützen sich bei den Auftritten gegenseitig so toll und gehen fern der Bühne so rücksichtsvoll miteinander um. Von Anette, die übrigens auch ganz wunderbar ist, habe ich erfahren, dass sich Isabel viel mit der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg beschäftigt. Auch ich bin von dieser Art der Gesprächsführung fasziniert und habe erst neulich hier auf diesem Blog über meinen Kurs berichtet, in dem ich die Ansätze näher kennengelernt habe.

Um noch mehr über diese Form der achtsamen Kommunikation zu erfahren, habe ich meine persönliche Erziehungs-Zenmeisterin Isabel befragt, wie sie das mit ihren Kindern so gut hin bekommt:

Meine Fragen – Isabels Antworten

Laura: Wie und wann bist du zum Thema Gewaltfreie Kommunikation gekommen und was hat dich daran so fasziniert?

Isabel: Begonnen hat es mit dem wunderschönen kleinen Geschenk-Büchlein „Mit dem Herzen hört man besser – Einladung zur Gewaltfreien Kommunikation“, das ich von meinem Seminarleiter nach dem Referendariat bekam. Als Grundschullehrerin und privat als Mama von damals noch drei kleinen Kindern habe ich mich mit Gordons Familienkonferenz, Schulz von Thuns 4 Ohren Modell und ein paar ähnlichen Ansätzen beschäftigt.  Meine Ausbildung zur systemischen Beraterin in schulischen Kontexten hat mich dann noch weiter auf den Weg zur Gewaltfreien Kommunikation gebracht. Ich konnte, wie man so schön konstruktivistisch sagt, „andocken“.

Was für mich und in unserer Familie selbstverständlich geworden ist – sich zuhören, empathisch hören und verstehen hat sich ganz selbstverständlich entwickelt und war von Anfang an ein Grundbedürfnis von mir und uns allen als Familie.
Einfach anders denken, raus aus der Machtkampf-Falle mit Kindern und in andere Beziehungen gehen, dabei achtsam sein mit sich selbst und seiner Umwelt – das gehört für mich zu einem friedlichen Miteinander dazu. Gerade das ist auch das Faszinierende an der Gewaltfreien Kommunikation: man wird immer wieder neu bereichert, versteht andere besser, weil man einfach mehr nachfragt, verstehen will und eben nicht vorschnell interpretiert und wertet.
Marschall B. Rosenbergs Ansatz ist so klar und „einfach“, dass er mich nicht mehr loslässt und inzwischen ihn unserer 7-köpfigen Familie immer mehr gelebt wird.

Laura: Gibt es auch Situationen in eurem Alltag, die für dich stressig sind?

Isabel: Ob eine Situation stressig ist, definiere ja weitgehend ich selber. Was empfinde ich als stressig, wie gehe ich mit Situationen um, in denen ich möglichst alles sofort machen möchte? Denn Sollen und Müssen gibt es ja in der GFK nicht mehr – das ist auch für mich manchmal wirklich schwierig. Mir hilft inzwischen tatsächlich, dass ich recht früh angefangen habe (also schon beim ersten Kind) Machtkämpfe zu „suchen“ und sie zu erkennen, um mich dann bewusst zu entscheiden: wie wichtig ist mir dieses Nein oder diese Aktion jetzt wirklich? „Lohnt“ es sich in einen Machtkampf einzusteigen?
Alternativen anbieten entzerrt schon Vieles. Warum sollte ich entscheiden, welche Hose oder welches Oberteil oder welcher Schlafanzug jetzt angezogen werden soll? Möchtest du mit Gummistiefeln und Regenschirm losgehen oder lieber doch die Matschhose und die Regenjacke anziehen?

Typische „Trotzsituationen“ in Verbindung mit Terminen gibt es bei uns morgens – nämlich immer an den Tagen, an denen ich zur ersten Stunde in der Schule sein muss (d.h. um spätestens 7:30 Uhr). Dann kann es auch bei mir schon mal geben, dass ich sage, „Emma-Anais, ich packe jetzt deine Anziehsachen ein und du kannst jetzt im Schlafanzug mitkommen oder ich trage dich ins Auto. Ich kann leider nicht mehr warten, meine Schule beginnt in 30 Minuten.“ Dass sie dann wirklich im Schlafanzug eingepackt wurde ist noch nie passiert.
Mein Tipp: Bevor ich mich aufrege und mich dazu entscheide ärgerlich oder sauer zu sein, lieber überlegen wie es funktionieren könnte und den Kindern mitteilen, warum es so wichtig für mich ist. Auch schon, wenn sie 1 ½ Jahre alt sind. An meiner Stimme und meinem Handeln erkennen auch die Kleinen, dass es Situationen gibt, in denen es nicht unbedingt viel Zeit für Verhandlungen gibt.

Laura: Wie ist deine Einstellung gegenüber deinen Kindern? Kannst du das definieren?

Isabel: Meine Einstellung gegenüber den Kindern bzw. die Einstellung dazu, dass es Menschen mit Bedürfnissen sind und eben nicht „nur Kinder“, ist essentiell. Erst recht im „Trotz“alter – da wollen Kinder das erste Mal „Verantwortung“ für sich übernehmen – selber entscheiden dürfen, mitbestimmen und auch aktiv am Leben teilhaben. Wir Eltern sind es nur bis dahin so gewohnt, dass wir alles entscheiden konnten (gehe ich jetzt rechts oder links herum, wie lange bleibe ich vor dem Eselsgehege stehen, wann möchte ich mich hinsetzen und sitzen bleiben, …), dass auf einmal unsere Autonomie und Selbstbestimmung beschnitten wird. Die eigenen Freiräume werden so mit jedem Alter immer wieder neu ausgehandelt.

Laura: Hast du eine Art Rezept für andere Mütter, um gelassener zu werden?

Isabel: Mit Humor und Gelassenheit kann man die Trotzphasen gut überstehen, und wenn die Kinder merken, dass sie angehört und verstanden werden (spiegeln, spiegeln, spiegeln; empathisch nachfragen geht es Dir so und so… wolltest du…. Ich kann mir vorstellen, dass du …), dann gibt es bald kaum noch Trotzaktionen. Ich kann mich tatsächlich bei fünf Kindern an nur sehr wenige Trotzzeiten erinnern.

Anette und Isabel, zwei Mamas mit Gespür für die richtigen Töne

Schlusswort

Liebe Isabel, du bist mein ganz großes Mütter-Vorbild. Deine Ruhe und Ausgeglichenheit ist bewundernswert! Und du, liebe Leserin, hast hoffentlich ein paar gute Anregungen und Lust auf die Gewaltfreie Kommunikation bekommen. Keine Sorge: es geht nicht immer achtsam und ruhig, jeder Mutter geht mal die Hutschnur durch und wir können auch nicht immer pädagogisch wertvoll handeln. Ich fühle mich dennoch durch Isabel sehr inspiriert und denke sicher auch diese Woche oft an sie. Meine Kinder sowie ich selber trotzen nämlich mindestens einmal am Tag – da habe ich genug Möglichkeiten, an mir zu arbeiten!

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