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Die Revolution beginnt zuhause: Mental Load besiegen mit dem Küchen-Meeting

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Wie löse ich das Chaos-Kuddelmuddel in meinem Kopf, das mich jeden Morgen befällt, wenn ich aufstehe? Jahrelang hat mich diese Frage gequält und ich habe mich intensiv mit Organisationstools befasst, einen Kalender geführt, meine To-Dos analog und digital aufgeschrieben, mir Block und Stift neben das Bett gelegt und Erinnerungen ins Handy diktiert. Auf den Listen standen dann Dinge wie

– Luise hat keine Socken mehr, dringend neue im Internet bestellen. Schuhgröße messen!

– Müssen dringend Kühlschrank auswischen, Obst schimmelt schnell

– Geschenk für Nichte. Was mit Pferden, malt gerne

– Akku vom Fahrrad ist kaputt. Vor dem Frühjahr unbedingt austauschen

– Fabi und Julia einladen. Übers Wochenende? Was kochen? Was unternehmen?

– Oskar endlich beim Turnen anmelden. Zeiten checken, wer bringt ihn hin?

Naja, du kennst sicher all diese Angelegenheiten, die so in einer Familie anfallen. Nebenher gibt es noch zahlreiche Dinge einzukaufen, immer ist irgendwo die Seife leer oder die Windeln gehen zur Neige. Die Kinderhosen sind durchgeschlissen, die Gummistiefel zu klein und die Mütze ist mal wieder verloren gegangen. Es gibt diverse Arbeitsaufträge von der Schule (geben Sie Ihrem Kind bitte in den nächsten Tagen einen Kalender mit in die Schule, Jimmy hat Schwierigkeiten mit dem Füller, schauen Sie doch mal nach einem „Rollschreiber“, bitte 2 Euro fürs Theater abgeben) und vom Kindergarten (Kind braucht neue Hausschuhe, bitte leere Klopapierrollen sammeln und abgeben, am Montag ist pädagogischer Tag).

Stimmen im Kopf

Jedenfalls brüllt ein Organisations-Kommandant in meinem Kopf laufend Befehle und neben dieser strengen Stimme meldet sich dann auch noch die andere Stimme, die ängstliche. Sie sagt dann Sachen wie „Laura, du hast bestimmt was Wichtiges vergessen. So wie neulich, als du den Spielzeugtag im Kindergarten verballert hast und Oskar weinte, weil alle einen Bagger oder einen Teddy dabei hatten, nur er nicht. Du bist so eine schlechte Mutter…“

Ich wette, all das kommt dir sehr bekannt vor und du fragst dich auch täglich, wie du das schaffen sollst neben dem Baby oder neben deinem Beruf oder neben all dem Haushaltskram. Ich habe es mit einer Kur probiert, mit Yoga und Achtsamkeit und kann dir leider nur sagen, dass all das nichts hilft, wenn du weiterhin an alles alleine denken musst. Aber was machen wir jetzt mit dieser Erkenntnis?

Denkarbeit aufteilen

Die Revolution war die Erleuchtung, dass es viel zu viel für mich ist, an alles zu denken. Außerdem habe ich gecheckt, dass Anton gar nicht die Chance hatte, Dinge in die Hand zu nehmen, weil ich schon immer ganz strebernäßig alles im Voraus erledigte. Bevor er in die Verlegenheit kam, dass die Seife im Gästeklo leer ist oder das Kind keine passenden Schuhe mehr hat, hatte ich schon „meine Pflicht“ getan, die eigentlich auch seine ist.

Damit Anton und ich gleichberechigter an die Sache herangehen können, treffen wir uns nun sonntags zum Küchenmeeting. Wir packen die Handys aus und schauen in den Kalender, den wir synchonisiert haben. All die Termine übertragen wir noch einmal in einen analogen Kalender, der die ganze Woche über aufgeklappt in der Küche steht, sodasss jeder von uns weiß, was heute anfällt. Wir besprechen jeden einzelnen Tag, klären, wer Termine außer der Reihe macht, früher von der Arbeit kommt oder Kinderkrank-Tage nimmt. Dann widmen wir uns unserer To-Do-Liste. Hier haben wir in einer digitalen App namens Trello verschiedene Rubriken, in die wir alle Aufgaben einsortieren, die so anfallen. Von A wie Auto zum Tüv bringen bis Z wie Zahnarzttermine organisieren. Es gibt eine aktuelle Liste mit allen Aufgaben, die akut sind sowie eine Einkaufsliste. Wir besprechen gemeinsam, wer welche Aufgaben übernimmt, wo es aktuell hakt oder was wir einfach streichen oder delegieren können.

Gewisse Verantwortungsbereiche haben wir komplett aufgeteilt. Anton ist Wäscheminister, ich fürs Kochen zuständig. Hat Anton eine stressige Arbeitswoche, teilt er mir das mit und ich weiß, dass ich diese Woche noch eine Wäsche-Schicht einlegen muss. Bin ich nicht zuhause, muss ich dafür Anton sagen, dass er bitte das Mittagessen organisiert. Schulangelegenheiten fallen in mein Ressort, den Kindergarten übernimmt Anton inklusive WhatsApp-Chat. Also terminieren wir zum Beispiel, dass wir am Wochenende den Kühlschrank gemeinsam putzen, Anton nach der Arbeit in der Stadt ein Geschenk für unsere Nichte und neue Strümpfe für alle Kinder besorgt, ich mich bei Fabi und Julia melde wegen eines Termins für deren Besuch und dann checken wir sofort im Internet, wann und wo das Kinderturnen stattfindet. Anton übernimmt das Bringen und bleibt in der Halle, während ich mich zuhause um Jimmy und Luise kümmere, die auch zu Sportveranstaltungen aufbrechen werden.

Feedback geben

Beim Küchen-Meeting ist auch Zeit und Raum für Kritik. Ich finde, wir sollten ein wenig plastiksparender einkaufen, Anton regt an, Oskars Kindergeburtstag mit den Eltern seines Freundes zusammen zu legen. Meckert einer zu viel am anderen herum, hat einer Termine vergessen oder nicht wichtig genommen? Wir besprechen hier auch, was zu kompliziert ist. Über all die wunderbaren DIYs und Bastelanleitungen aus dem Internet schieße ich manchmal übers Ziel hinaus und mache mir unnötig Arbeit. Dagegen ist Anton nicht sehr geübt in Elfenarbeit, aber sie gehört dazu und die Kinder lieben es, Ostereier zu bemalen und freuen sich auf Tisch-Deko an ihrem Geburtstagsmorgen. Wir regulieren uns also gegenseitig und haben so einen guten Kompass für das, was uns als Familie wichtig ist.

Freizeit einplanen

Zuletzt folgt der angenehme Teil. Denn mindestens so wichtig wie Kindergeburtstag und Menüplan ist die Auszeit für uns beide. Mir fällt es etwas schwerer abzuschalten, daher brauche ich Antons Erinnerung an Pausen. Aber auch er soll mal familienfrei haben. Also werfen wir einen Blick in den Kalender und blocken hier und da ein Wochenende für eine Auszeit. Außerdem wollen wir mal wieder gemeinsam etwas unternehmen, und das bedeutet natürlich, Kinderbetreuung zu organisieren. Auch das koordinieren wir zusammen.

Übrigens ist es fatal, das Küchenmeeting ausfallen zu lassen. Während Anton neulich oben die Kinder badetet, dachte ich, ich mache das alles mal eben alleine. Und Zack, hatte ich wieder alles im Kopf. Ganz egal, wie ihr die Aufgaben zuhause aufteilt, ob einer von beiden viel oder wenig zuhause ist: macht die Organisationsarbeit zusammen. Sind Mama oder Papa mal länger auf Geschäftsreise, kann sie oder er dennoch von Weitem unterstützen. Kindergeburtstagsgeschenk ausdenken und online bestellen, Handwerker anfordern oder Termine planen geht auch aus dem Hotel. Sich Sorgen der Kinder anhören funktioniert zur Not über Skype und die Einkaufslisten-App füllen geht sowieso am Handy. Manchmal sind es ein paar Kleinigkeiten, die dem anderen sehr viel Arbeit abnehmen und das Chaos im Kopf weniger werden lassen. „Ja, hat man denn nie Feierabend, oder was“, fragen sich nun manche Papas. Nein, mit Kindern leider sehr wenig. Dass das bisher nicht so auffiel lag in vielen Familien daran, dass die Denk- und Kümmerarbeit meist von der Mutter erledigt wurde.

Wenn du dich jetzt fragst, wie Laura und Anton das alles so gut hinbekommen, kann ich dich ermutigen. Wir haben auch einmal bei Null angefangen und uns langsam zu unserem Ist-Stand durchgearbeitet. Wir mussten beide dazu lernen und unser eigenes Verhalten reflektieren. Aber es lohnt sich, das verspreche ich dir. Denn es fühlt sich richtig gut an, ein Team zu sein.

Die Revolution beginnt zuhause!

Deine Laura

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2 Comments

  1. Toller Artikel! Ich werde das wöchentliche Meeting mit meinem Mann ausprobieren.
    Liebe Grüße aus Oberösterreich 🙂

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